Diskussionsbeitrag: Welchem Leitbild folgt eine Hochschule?

Ein Diskussionsbeitrag von Wissenschaftlern setzt sich mit der Forderung der Hochschulrektorenkonferenz auseinander, die Maskenpflicht an Hochschulen fortzuführen. Dabei geht es zugleich um mehr: um das Verständnis, was Hochschulen sind und was sie auszeichnen sollte – kurz: Welchem Leitbild folgt eine Hochschule?

Gesegnete Fronleichnamsgrüße

(Fronleichnamsprozession in Hofgastein von Adolph Menzel, 1880)

Liebe Leser und Leserinnen von „Bildungsethik“,

„Lob dem höchsten Sakrament“ – so stand es früher an Fronleichnam über dem Portal meiner Heimatpfarrkirche, die mittlerweile dank Pfarreinfusion zur Filialkirche geworden und ihre Fronleichnamsprozession längst eingebüßt hat.

Die Kirche bleibt angewiesen auf die dauernde Verbundenheit mit Jesus Christus. Nur in ihm und durch ihn wird sie lebendig bleiben. Jesus Christus selbst ist das lebendige Brot, von dem die Kirche lebt, die Kraft, aus der sie Nahrung und Leben erhält.

Als pilgerndes Gottesvolk ist die Kirche mit leichtem Gepäck, aber einer klaren Sendung unterwegs. Was in der Eucharistie geschieht, soll sich im Leben der Gemeinde widerspiegeln. So wie wir in Christus verbunden sind, sollen wir auch untereinander verbunden sein. So wie es Jesu Sendung war, den Willen des Vaters zu tun, soll die Kirche seine Sendung fortsetzen. An Fronleichnam wird dies besonders deutlich: Die Gemeinde ist lebendiger Zeuge, eine lebendige Monstranz, für das, was Jesus bedeutet. Und diese Botschaft tragen wir hinaus auf die Straße, mitten hinein in das Leben unserer Städte und Dörfer, in unseren Alltag.

Das pilgernde Gottesvolk ist lebendiger Zeuge für das Leben in Fülle, das in Jesus schon angebrochen ist.  

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern und Leserinnen einen gesegneten, stärkenden, klangvollen Fronleichnamstag.

Mit herzlichen Grüßen, Axel Bernd Kunze

Zwischenruf: Ein neuer „heißer Herbst“ in der Impfdebatte kündigt sich an

Ein neuer autoritärer, biopolitischer Kollektivismus schreitet weiter voran. Ach, nein, es geht ja nur um eine wissenschaftsorientierte, evidenzbasierte Impfkonferenz, über welche die F.A.Z. am 14. Juni 2022 berichtet. Wie konnte ich das vergessen!? Doch Empirie scheint im Polit-, Medien- und Wissenschaftsbetrieb keine Rolle mehr zu spielen. Man höre und staune, was in der Zeitung für vermeintlich kluge Köpfe zu lesen ist, indem der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch zitiert wird:

„’Das Impfen ist die größte medizinische Leistung, die die Menschheit je hervorgebracht hat‘, sagte Hoch. Sie verhindere, dass Erkrankungen überhaupt erst aufträten.“

Das galt bis 2019 angesichts klassicher Impfstoffe, die mit großem Erfolg Krankheiten ausgerottet und zahllose Menschenleben gerettet haben. Anders hingegen sieht es bei den neuartigen, mRNA-basierten Coronaimpfstoffen aus, die mit unglaublichen politischen, wissenschaftlichen und medialen Maßnahmen der Nötigung und des Zwanges durchgedrückt werden sollen. Empirie spielt dabei, wie die nationale Impfkonferenz zeigt, keine Rolle mehr. Der Panikmodus, in den die Politik mittlerweile wieder verfällt, zeigt, wie wenig den neuartigen Impfstoffen zu trauen ist. Aber über deren Wirkung sowie die damit verbundenen Nebenwirkungen oder Impfschäden wird schon lange kein unvoreingenommener öffentlicher Diskurs mehr geführt. Wer anders denkt, wird als Schwurbler, Querdenker, Verschwöerungstheoretiker oder Impfgegner lächerlich gemacht. Ja, es kommt noch doller: Kamen Impfungen früher nach Krankheiten, soll jetzt die Impfung vor der Krankheit kommen. Das ist ein gesundheitspolitisch höchts gefährliches Spiel, mit dem man alle möglichen Freiheitseinschränkungen legitimieren kann. Angesichts dieser Impfkonferenz schwant einem Böses vor dem nächsten Herbst und Winter. Die politisch vorangetriebene Polarisieruung der Gesellschaft und der Raubbau an den Grundlagen unserer freiheitlichen Wert- und Verfassungsordnung wird weitergehen.

Doch kein Problem: Eine ehemalige Qualitätszeitung zitiert brav, was politisch gefällig ist. Und auch hier habe ich keine Sorge: Es werden sich genügend willfährige Wissenschaftlerkollegen finden, die ebenfalls bereitwilligs mitmachen werden, pfichteifrig sekundiert durch den Deutschen Hochschulverband, der dann dafür auch noch Preise ausschütten wird – so wie schon „Chefvirologe“ Drosten und die beiden BioNTech-Inhaber in den beiden vergangenen Jahren zu Hochschullehrern des Jahres gekürt wurden. Beide Preisverleihungen können den Eindruck nicht zerstreuen, politisch motiviert zu sein. Die Freiheit hat einen schweren Stand, ein Ethos seriöser Forschung oder Berichterstattung auch.

Da stellt es dann nur noch  eine Petitesse dar, dass menschenrechtsfeindliche Übergriffe in die körperliche Unversehrtheit mit dem Kauf eines neuen iPhones verglichen werden, das technisch kaum nennenswerte Neuerungen bereithält. Aber klar: Man muss es haben, um dabei und angesagt zu sein. Schöne, neue digitale Welt. Bald wird das auch für Impfungen gelten. Und Friedrich Merz hat in der Impfpflichtdebatte im vergangenen April schon vorgelegt: Eine Impfung stellt für ihn keine individuelle Gewissensentscheidung mehr dar. Mit einem christlichen Personalismus, für den seine Partei früher einmal eingetreten ist, hat das nichts mehr zu tun.

Wem graust noch vor einer solchen Entwicklung? Die geistig-moralische Verwahrlosung nimmt immer wahnhafte Züge an. Der Freiheitskampf im Zuge einer übergriffigen, unverhältnismäßigen Coronapolitik ist nicht beendet. Die Bürger, die noch nicht ihren ethischen Kompass verloren haben, müssen sich schützend vor unsere Verfassungsordnung stellen. Denn diese gehört dem Souverän.

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit: Offener Brief an den Queerbeauftragten der Bundesregierung

Am 14. Juni 2022 hat das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e. V. mit einem Offenen Brief an den Queerbeauftragten der Bundesregierung auf dessen Gastbeitrag in der WELT vom 7. Juni reagiert. Sven Lehmann, MdB, hatte die Kritik an der medialen Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien zur Transgenderthemen als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ kritisiert. Das Netzwerk nimmt nun die betroffenen Kollegen vor diffamierenden Übergriffen durch einen Vertreter der Bundesregierung in Schutz und verlangt Aufklärung über die Haltung der Bundesregierung zum Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit. Wie das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum verfassungswidrigen Verhalten der ehemaligen Bundeskanzlerin bei der Wahl eines F.D.P.-Ministerpräsidenten in Thüringen gezeigt hat, ist es wichtig, dass die Bürger Flagge zeigen und beim Schutz der Verfassung aktiv werden.

Der Offene Brief ist über die Internetseiten des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit einsehbar:

Klicke, um auf Offener-Brief-an-Sven-Lehmann.pdf zuzugreifen

Druckfrisch erschienen: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates

Axel Bernd Kunze: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates
(Zeitdiagnosen; Bd. 60), Berlin: LIT 2022.

Pädagogische und religiöse Fragen hängen eng zusammen. Dieses Verhältnis bleibt auch für den weltanschaulich neutralen Staat bedeutsam. Denn zur Sorge um dessen Kontinuität gehört die Sorge um seine kulturellen Wurzeln. Diese sind politisch-geschichtlich gewachsen und religiös geprägt. Der Band zeigt auf, welch bleibende Bedeutung Bildung und Religion auch in Zeiten gesellschaftlicher Pluralität für einen freiheitlichen, vitalen und tragfähigen Kulturstaat besitzen. Wo die Sorge um seine geistigen Grundlagen erlahmt, werden über kurz oder lang kulturelle und soziale Verteilungskämpfe einsetzen. Axel Bernd Kunze ist Sozial- und Bildungsethiker. Er lehrt als Privatdozent für Erziehungswissenschaft in Bonn und ist als Schulleiter tätig.

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit:

https://www.lit-verlag.de/detail/index/sArticle/87573/sCategory/6624

Aufruf: Schluss mit der Falschberichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Die Transgenderdebatte wird äußerst polarisiert und emotionalisiert geführt. Mit einem gemeinsamen Aufruf fordern Wissenschaftler jetzt eine unvoreingenommene, ausgewogene Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei diesem Thema ein. Die von der Allgemeinheit durch Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Medien besitzen nach Ansicht der Unterzeichner eine besondere Verantwortung zur nichtmanipulativen Berichterstattung und Begleitung dieser gesellschaftlichen Debatte und damit auch zu einer sauberen Unterscheidung zwischen biologischen, psychologischen oder soziologischen Aspekten:

Wir Wissenschaftler und Ärzte fordern den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf, biologische Tatsachen und wissenschaftliche Erkenntnisse wahrheitsgemäß darzustellen. Wir fordern eine Abkehr von der ideologischen Betrachtungsweise zum Thema Transsexualität und eine faktenbasierte Darstellung biologischer Sachverhalte nach dem Stand von Forschung und Wissenschaft.

Der vollständige Wortlaut des Aufrufes, die Liste der Unterzeichner sowie eine Übersicht zu den Pressereaktionen finden sich hier:

Der Aufruf kann über die genannte Internetseite mitgezeichnet werden.

Diskussion über Selbstbestimmungsgesetz: Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die bisherige Transsexuellengesetzgebung soll durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden, die Altersgrenze für Geschlechtsumwandlungen ohne Zustimmung der Eltern deutlich abgesenkt werden. Das Thema wird kontrovers diskutiert. Mehr als 120 Wissenschaftler haben in einem Offenen Brief Kritik daran geübt, wie einseitig und voreingenommen über diese Fragen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk berichtet werde. Die deutsche Kontroverse war jetzt auch Thema im österreichischen Sender Servus-TV. Einer der Gesprächspartner innerhalb der Sendung „Talk im Hangar-7“ war der Psychotherapeut und Erziehungswissenschaftler Bernd Ahrbeck, Herausgeber des Bandes „Geboren im falschen Körper. Geschlechtsdysphorie bei Kindern und Jugendlichen“. Die Sendung ist über die Mediathek des Senders abrufbar:

https://www.servustv.com/aktuelles/a/talk-kritik-am-deutschen-oeffentlich-rechtlichen-rundfunk-fuer-seinen-umgang-mit-transsexualitaet/236683/

Gesegnete Pfingsten

Liebe Leser und Leserinnen von „Bildungsethik“,

ich danke Ihnen für Ihre treue Verbundenheit. Es zeigt sich an vielen Stellen sehr deutlich, wie wichtig ein substantielles Bildungsverständnis ist und was für ein humanes Zusammenleben auf dem Spiel steht, wenn dieses verloren geht. Daher bleibt auch die streitbare bildungsethische Debatte und der pädagogische Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge wichtig. All das wird „Bildungsethik“ auch künftig pflegen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete, geisterfüllte Pfingsttage sowie gute, erholsame Feiertage.

Ihr Axel Bernd Kunze

Zwischenruf: (Un)verhüllt rot

Es ist mal wieder Katholikentag. Direkt vor der Haustür. Neben der Eingangstür meiner Pfarrkirche stand heute morgen beim Himmelfahrtsgottesdienst: nach Stuttgart 15 km. Aber ich werde dieses Ereignis meiden. Ja, der Katholikentag läuft und läuft und läuft, gut geölt, am Laufen gehalten vom kirchlichen Apparat und seinen Referenten. Doch die Aufmerksamkeit sinkt, wenn man Umfragen im Vorfeld Glauben schenken will. Und auch heute morgen im Gottesdienst: keinerlei Hinweis auf dieses Ereignis.

Also: Stell Dir vor, es ist Katholikentag – und keiner geht hin. Der Gründe hierfür mag es viele geben. Neben einer fortbestehenden Unsicherheit gegenüber Großveranstaltungen möglicherweise auch eine Übersättigung. Denn ein Blick in das Programm zeigt die üblichen Mainstreamthemen: Klima, Klima und noch mal Klima – um nur eines zu nennen. Die Kirche fragt sich, wer sie noch braucht. Doch der Katholikentag wird darauf keine Antwort geben. Er ist kein geistliches Ereignis mehr, kein Motivationsort mehr, bei dem sich Christen gegenseitig stärken können. Eher verdoppelt er die üblichen Zeitgeistdebatten allabendlicher Talkshows. Nein, dafür braucht man nicht nach Stuttgart zu kommen.

Wollte die Kirche geistlich anregende, theologisch weiterführende Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit und auch auf ihre eigene Zukunft in einem immer stärker entchristlichten, säkularisierten Land geben, müsste das gastgebende ZdK seine politische Zeitgeistigkeit und ideologische Einseitigkeit aufgeben, müsste es dazu anregen, die politisch bewusst geförderte Polarisierung des Landes zu überwinden und die Sprachlosigkeit der Debattenlager zu beenden. Doch davon ist das ZdK, das längst nur noch einen kleinen Ausschnitt des Laienkatholizismus zu vertreten vermag, weit entfernt, wie eine jüngste Meldung zeigt:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/stuttgarter-kaiser-denkmal-wird-auf-katholikentag-verhuellt-102.html

Mag sein, dass der deutsche Katholizismus zu Kaisers Zeiten ultramontan war. Wenn er dies noch wäre. Doch diese Verhüllungsaktion steht für die neue Ideologie einer kulturell und historisch entkernten Nation, für die auch der Staatsgründer weichen muss. Mit der roten Verhüllung verschleiert man noch nicht einmal mehr die sozialistischen Wurzeln dieses Denkens. Eine solche Aktion desavouiert den Katholikentag.

Antworten auf die land auf, land ab gestellte Frage, wozu es die Kirche in unserem Land noch braucht und wie sie wieder attraktiv werden kann, wird es durch unverhüllten Politaktionen nicht geben. Dem Land wird es nicht gut tun. Die polarisierte Coronadebatte hat gezeigt, wohin ein säkularisierter Gesundheitsglaube führt. Und auch die Debatte um das Werbeverbot für Abtreibungen ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf jene Kulturkämpfe, die noch kommen werden. Unsere Wert- und Verfassungsordnung wird sich auf Dauer verändern, wenn das christlche Fundament schwindet. Ob unser Zusammenleben dadurch humaner wird, glaube ich nicht.

Zwischenruf: Bekenntnis zur Freiheit

Am Montag war wieder einmal schwarz-rot-gold beflaggt im Land. Passend zum Anlass des Tages veröffentlichte ein politisches Magazin den folgenden kritischen Kommentar zum jüngsten Impfpflichturteil, bei dem es immerhin um nicht weniger als das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ging:

https://www.tichyseinblick.de/podcast/wir-koennen-den-grundrechtsschutz-in-deutschland-vergessen/

Öffentliche Staatsbeflaggung ist das eine, der Umgang mit unserer Verfassung im politischen Alltag das andere. Das Verfassungsgericht wird von einem parteipolitischen Liebediener der alten Kanzlerin geführt. Die wissenschaftliche Qualität der Rechtsprechung sinkt  – aber warum  sollte es in der Juristerei auf Dauer anders sein als in anderen Disziplinen? Die Rechtstatsachenforschung des höchsten deutschen Gerichts ist auf den Hund gekommen. Der Grundrechtsschutz ist dem neuen biopolitischen Kollektivismus zum Opfer gefallen. Es ist eine Tragödie, die hier passiert und aufhorchen lassen müsste, die aber von den willfährigen Geistern in den öffentlich-rechtlichen Medien und mainstreamhörigen Vertretern der Wissenschaft eifrigst sekundiert wird.

Es wird Zeit, sich wieder an das widerständige Potential von Schwarz-Rot-Gold zu erinnern, wie es sich in Hambach und Leipzig, in Eisenach und Frankfurt einmal gezeigt hat. Für den kommenden Herbst und Winter lassen solche Urteile aus Karlsruhe nichts Gutes ahnen. Die Polarisierung des Landes und ein autoritärer Ton im politischen Zusammenleben werden sich fortsetzen. Allemal Grund genug, am Ende des 23. Mai an die eigentliche Bedeutung der Freiheit zu erinnern, und an den freiheitlichen Charakter unserer Verfassungsordnung, so wie er ursprünglich gemeint war.