Neuerscheinung: Gedenken an den 9. November 1938 in Bamberg

Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. hat die dezentralen Gedenkveranstaltungen in Bamberg zum Gedenken an den 9. November 1938 in einem neuen Arbeitspapier dokumentiert:

Mechthildis Bocksch, Axel Bernd Kunze (Red.): Dezentrales Gedenken 2022 aus Anlass des November 1938 (= Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 1/2023), o. O. (Bamberg) 2023.

www.willy-aron.de

Neuerscheinung: Abschied und Neubeginn

Aus einem Predigtvorschlag für den Sechsten Sonntag der Osterzeit:

Die Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium wirken bis heute anrührend. Dies auch deshalb, weil sie eine tiefe Sehnsucht von uns Menschen ansprechen. Unweigerlich stehen die Fragen im Raum: Was bleibt? Was wird mein Leben weiterhin tragen? Worauf kann ich mich künftig verlassen? Was wird mir weiterhin Halt und Zuversicht geben?

Die Frage nach dem tragenden Grund unseres Lebens wirkt in einer säkularen Gesellschaft, die sich allzuoft allein auf vermeintlich gesicherte, messbare Erkenntnis zurückzieht, schnell peinlich. Selbst in kirchlichen Kreisen fällt es oft nicht leicht, diese Frage zu stellen. Und doch: Wir können ihr am Ende nicht ausweichen. „Die Religion war mir seit langem zuwider, und trotzdem spürte ich auf einmal eine Sehnsucht, mich auf etwas beziehen zu können. Es war unerträglich, einzeln und mit sich allein zu sein“, fasst Peter Handke in seinem Roman „Der kurze Brief zum langen Abschied“ (Frankfurt a. M. 2001, S. 165) die dahinterstehende Sehnsucht in Worte.

Axel Bernd Kunze: Abschied und Neubeginn (Joh 14, 15 – 21), in: Der Prediger und Katechet 162 (2023), Heft 3, S. 343 – 345.

Zwischenruf: Landeskunde im Fremdsprachenunterricht

19. September 2022. Auch in unserem Land wehten die Fahnen vor den öffentlichen Gebäuden auf halbmast: eine Hommage an Königin Elisabeth II., die an jenem Montag im September zu Grabe getragen wurde, nach einer außergewöhnlich langen Regentschaft. Am 6. Februar 1952 hatte sie den Thron bestiegen. Die meisten von uns haben damals noch gar nicht gelebt. Die öffentliche Trauer, die unser Land zeigte, hebt hervor, welche Bedeutung der englischen Monarchie auch hierzulande beigemessen wird; wie stark die Verbundenheit mit dem Vereinigten Königreich – auch nach dem Brexit – weiterhin ist.

Die Projektwoche, die wir heute beschließen und die an unserer Fachschule schon eine längere Tradition besitzt, ist in diesem Schuljahr der Landeskunde Großbritanniens gewidmet.

Ein beliebter rhetorischer Kniff von Grußwortgebern ist der Griff in den Zitatenschatz. Erlauben Sie mir, dass auch ich davon Gebrauch mache. Und Zitate über England gibt es viele. Nicht alle davon sind allerdings schmeichelhaft: „Bekanntlich sind die Sprachen, namentlich in grammatischer Hinsicht, desto vollkommener, je älter sie sind, und werden stufenweise immer schlechter, vom hohen Sanskrit an bis zum englischen Jargon herab, diesem aus Lappen heterogener Stoffe zusammengeflickten Gedankenkleide“, spöttelte der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer in einem Kapitel „Über Sprache und Worte“. Aber es gibt auch andere Stimmen, etwa Montesquieu, der über die Engländer bemerkte: „Von allen Völkern der Welt hat es (England) am besten verstanden, drei große Dinge sich zunutze zu machen: die Religion, den Handel und die Freiheit.“ Nun gut, sein Zeitgenosse Voltaire sah dies ein wenig anders: „Die Engländer haben zweiundvierzig Religionen, aber nur zwei Saucen.“ Aber auch das gehört zum englischen Wesen, jedenfalls für den amerikanischen Publizisten und Geschäftsmann Franklin Jones: „Die Briten haben ein besonderes Talent, auch in einer nicht vorhandenen Krise gelassen zu bleiben.“

Wer auch immer von den Zitierten Recht hat: Sie können sich gleich selbst ein Bild an den Ständen und Präsentationen unserer Schülerinnen und Schüler aus dem Oberkurs machen. Ganz sicher ist auch in diesem Jahr wieder etwas Kulinarisches dabei – und Sie können erleben, dass die englische Küche mehr als nur zwei Saucen zu bieten hat. Und eines gehört auch zu jedem Thema dazu: Beschreibungen und Beschriftungen in englischer Sprache, die hoffentlich mehr sind als ein bloßer Jargon.

Und damit kommen wir zur didaktischen Bedeutung der Projektwoche. „Landeskundliche Informationen dienen […] als Vehikel zur Sprachvermittlung“, heißt es in Wikipedia. Richtig: Eine englische Projektwoche ist Teil des Fremdsprachenunterrichts. Informationen sollen in der Zielsprache des Landes recherchiert, begleitende Texte in der Zielsprache formuliert werden. Englisch ist in der Erzieherausbildung zwar kein maßgebliches Fach, aber in einer „Weltgesellschaft der Bildung“ dennoch wichtig. Aber Landeskunde ist trotzdem nicht einfach nur ein „Vehikel zur Sprachvermittlung“.

Schüler und Schülerinnen sollen sich nicht nur funktional eine Sprache aneignen, sondern dem Gelernten auch eine Bedeutung zumessen, das Gelernte selber werten und eine persönliche Haltung dazu einnehmen. Und das heißt: Sie sollen sich auch mit der Kultur auseinandersetzen, die hinter einer Sprache steht und die sich nicht allein in grammatikalischen Strukturen erschöpft. Für Geert Hofstede sind es vier Dimensionen, an denen die Besonderheiten einer anderen Kultur deutlich werden: Symbole, Helden, Rituale und Werte. Und bei diesen vier Punkten geht es nicht allein um Politik und Wirtschaft, Geographie oder Geschichte eines Landes, sondern auch um „Alltagskunde“ und „Leutekunde“, wie es Ulrich Zeuner von der Technischen Universität Dresden formuliert: „Alltagskultur spielt eine überragende Rolle bei der Themenfindung. Alltagserfahrungen und universale Lebensbedürfnisse (Essen, Wohnen, Liebe, Streit …) sollen die Brücke vom Eigenen zum Fremden bilden. […] Ausgehend von eigenen Lebenserfahrungen finden die Lernenden so leichter Zugang in die fremde Lebenswelt der anderen Kultur.“

Darüber hinaus vermittelt die Projektwoche Kompetenzen in Projektarbeit, ästhetischer Gestaltung und Präsentationsmethoden, die für den pädagogischen Beruf wichtig sind.

[…]

Und Dank gebührt Ihnen, die Sie gekommen sind, die Ausstellung zu besuchen. Dies ist für unsere Schülerinnen und Schüler im Oberkurs ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung und eine zentrale Würdigung dessen, was sie geleistet haben.

Erlauben Sie mir zum Abschluss noch ein Zitat eines Zeitgenossen, das ich Ihnen auf den Rundgang mitgeben möchte – aus der Feder des deutschen Malers und Schriftstellers Erhard Blanck: „Frankreich hat über zweihundert Käsesorten, Deutschland über zweihundert Brotarten, Italien sicher auch zweihundert Nudelarten. England hat dafür nur eine feine englische Art.“ Und diese dürfen Sie jetzt erleben. Viel Freude und viel Vergnügen dabei!

(aus einem Grußwort der Schulleitung zur Ausstellungseröffnung am Ende einer Englisch- und Kunstprojektwoche)

Rezension: Theologische Rundschau würdigt „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“

Der Tübinger Theologe Detlef Metz würdigt in der THEOLOGISCHEN RUNDSCHAU den Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ (von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger; Leipzig 2020), von der Theologischen Literaturzeitung im September 2020 als „Buch des Monats“ ausgezeichnet, als ein „mutiges“ und „wichtiges“ Buch. Die Migrationskrise von 2015 dauert fort, neue Bedrohungen durch eine autoritäre Coronastimmung im Land oder einen militanten Klimaaktivismus sind hinzugekommen. Metz schreibt: „Kritischer sollten mir die Kritischen sein, in Anlehnung an Karl Barths Diktum. Die Beiträge wurzeln in einer Sorge um das demokratisch und rechtsstaatlich verfasste Gemeinwesen. Dieses sehen die Autoren gefährdet, insofern die Politk von als politische Akteure wirkenden, mit erheblichem moralischem Impetus auftretenden, zivilgesellschaftlichen Gruppen in bestimmte Richtungen gedrängt wird – Gruppen, die selbst nicht demokratisch legitimiert sind, aber Macht ausüben und den öffentlichen Diskurs bestimmen“ (S. 592).

Detlef Metz (Rez.): Rezension zu „Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze, Ludger Schwienhorst-Schönberger: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020“, in: Theologische Rundschau 87 (2022), H. 4, S. 585 – 593.