Neuerscheinung: Menschenrechtsbildung aus pädagogisch-professionstheoretischer Perspektive

Axel Bernd Kunze: Pädagogik als Menschenrechtsprofession. Bildungsethische Überlegungen zur Praxis von Schule und Lehrerbildung – am Beispiel der Inklusion, in: Susanne Danz/Sven Sauter (Hgg.): Inklusion, Menschenrechte, Gerechtigkeit. Professionsethische Perspektiven (Schriften der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg im Verlag der Evangelischen Gesellschaft; 22), Stuttgart: Evangelischer Verlag 2020.

Der genannte Beitrag stellt u. a. ein Modell ethischer Fallbesprechung am Beispiel inklusiver Verpflegung in sozialpädagogischen Ganztageseinrichtungen vor, das in der Fortbildung mit Pädagogischen Fachkräften entwickelt und in verschiedenen Hochschulseminaren mit Studenten erprobt wurde.

Der Band dokumentiert Gastvorlesungen, die im Rahmen der Vorlesungspartnerschaft zwischen der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg gehalten wurden. Eine Frucht dieser Vorlesungspartnerschaft war die Gründung des bundesweiten Netzwerkes Menschenrechtsbildung.

Theologisches Feuilleton „feinschwarz“ wird fünf Jahre alt

Das theologische Feuilleton www.feinschwarz.net wird fünf Jahre – und die Redaktion hat im Oktober gefragt: Wo, wann, warum? … lesen Sie dieses Medium? Um „Orte des Nachdenkens, um Grenzen und das Überschreiten derselben“ will es „feinschwarz“ gehen. Doch die Grenzen sind eng gesteckt. Dies lehrte ein Leserbrief, der in der Hochzeit des Coronastillstands entstanden ist und eingereicht wurde. Doch die Redaktion wusste schon vorab, welche Standpunkte diskussionswürdig sind und welche nicht. Früher stand ein Feuilleton einmal für den streitbaren Meinungskampf: Gekämpft wurde mit dem scharfen Schwert des freien Wortes um das bessere Argument. Und es gab Zeiten – aber es sind nicht die unsrigen – da übersetzte man Polemik noch mit Streitkunst; oder wie es die „Fliegenden Blätter“ einmal ausgedrückt haben: „Was ist Polemik? Eine öffentliche und moralische Balgerei zwischen zwei gebildeten Menschen, wobei statt Blut Tinte fließt.“ Aber ein solcher Streit hat in der Theologie gegenwärtig nur noch selten eine Heimat. Und dies gilt offenbar auch für „feinschwarz“. Der Leserbrief wurde andernorts als Glosse in einer theologischen Fachzeitschrift veröffentlicht. „Wunderbar, der Artikel. Danke für Ihre klaren Worte“, schrieb ein Kollege. Das muss niemand teilen. Gewiss nicht. Gerade der streitbare Meinungskampf aber sollte das Lebenselixier eines Feuilletons sein. Wo das nicht mehr gilt, verödet auf Dauer die Debatte. Mein Interesse an „feinschwarz“ jedenfalls ist erlahmt. Über kontroverse Standpunkte könnte man sich leidenschaftlich streiten – ja, „könnte“, wenn es denn gewollt wäre und solche zur Diskussion gestellt werden. Bei „feinschwarz“ ist dies offenbar nicht gewollt, auch wenn es im Impressum heißt, man wolle „pluralen und pluralitätsfähigen Diskussionen“ Raum geben. Ein anderer Kollege schrieb auf meinen Beitrag unter Verweis auf diese Selbstbeschreibung Ihres Mediums: „Ja, tatsächlich ist es so, dass diejenigen, die am meisten von Pluralität und Diversitätstoleranz reden, am wenigsten tolerant sind, wenn es vom Mainstream abweichende Meinungen gibt. Ist auch meine Erfahrung.“ Quod erat demonstrandum.

Leserbriefe: „Das Schiff setzt das falsche Signal“

Lange hat es gedauert: Am 2. August berichteten die Kirchenzeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse, zu der sich vier Verlage zusammengeschlossen haben, über das Seenotrettungsschiff der evangelischen Kirche, das im Mittelmeer kreuzt. Zweieinhalb Monate (und zwei Nachfragen) später hat die Redaktion im Mantelteil nun doch Leserbriefe zu diesem Thema veröffentlicht, in der Mehrzahl kritisch gegenüber der migrationspolitischen Haltung der Kirchen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt … – man kann ein Thema auch verschleppen, bis sich niemand mehr an die ursprüngliche Berichterstattung, auf welche sich die Leserbriefe beziehen, erinnert. Auch in der Berichterstattung in den bistumseigenen Blättern überwog ein moralisierender Diskurs, staatsethische Überlegungen suchte man einmal mehr vergeblich. Kirchen wie Politik senden weiterhin die falschen Signale zur Lösung der mittlerweile schon fünf Jahre und länger währenden Migrationskrise. Der geplante, weitgehend ohne Bürgerbeteiligung durchgedrückte EU-Migrationspakt wird daran nichts ändern – im Gegenteil. Die Staatsvergessenheit im kirchlichen und öffentlichen Diskurs wird sich auf absehbare Zeit und wohl auch in der kommenden Legislaturperiode fortsetzen.

Themenheft zur Hochschulpolitik

Die aktuelle Ausgabe der traditionsreichen „Burschenschaftlichen Blätter“ ist dem Thema Hochschulpolitik gewidmet. Axel Bernd Kunze beschäftigt sich im Schwerpunktbeitrag mit der Frage, wie sich die gegenwärtige „Coronakrise“ auf die Hochschullehre auswirkt: Eine Verteidigung der Präsenzlehre. Erste Antwortversuche auf die Erfahrungen des Sommersemesters 2020, in: Burschenschaftliche Blätter 135 (2020), H. 3, S. 100 – 105.

Ein Auszug aus dem Beitrag:

Selbst wenn Schulen und andere öffentliche Einrichtungen mittlerweile, gleichwohl unter deutlichen Auflagen, wieder zum Präsenzbetrieb zurückgekehrt sind, haben viele Hochschulen vorschnell angekündigt, auch im folgenden Wintersemester weitgehend auf Präsenzveranstaltungen zu verzichten. Weder wurde über diese weitreichende Maßnahme konsensual innerhalb der akademischen Gemeinschaft entschieden noch haben die Hochschulleitungen ausreichend die Verhältnismäßigkeit dieses Eingriffs in die Lehrfreiheit geprüft. Als die Hochschulrektorenkonferenz Anfang Juli 2020 in einer Mitteilung bekanntgab, für sie habe der Gesundheitsschutz „absolute Priorität“, kritisierte der Münsteraner Verfassungsrechtler Oliver Lepsius dies sogar als „verfassungswidrig“ (F.A.Z. v. 9. Juli 2020). Der Freiheitsschutz des Grundgesetzes verlange eine Abwägung unterschiedlicher Schutzgüter; die Hochschulen sollten sich nicht verweigern, über einen angemessenen Umgang mit dem neuen Virus nachzudenken, das noch länger zum allgemeinen Lebensrisiko gehören werde.

Der Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken erkennt zwischen den europäischen Reformprozessen im Hochschulbereich und den Reaktionen der Hochschulleitungen auf die Coronapandenemie durchaus Parallelen, wie er im Julieditorial von „Forschung & Lehre“ schrieb. Er fühle sich erinnert „an die zwar gescheiterte, aber erbittert aufrechterhaltene Bologna-Reform, die ebenfalls auf dem Verordnungsweg – und gegen die Bedenken der Fakultäten – durchgesetzt wurde. […] Die Annahme, ein Lehrbetrieb ließe sich mehr oder weniger schlagartig auf digitale Formate umstellen, mag vielleicht ein Wunschtraum jener Technokraten sein, die glauben, Universitäten würden dann besonders gut ‚funktionieren‘, wenn man sie nur dirigistisch ‚führe‘.“

In der Praxis zeigt sich allerdings auch, dass die Hochschulleitungen doch weniger stark durchgreifen können, als sie gern nach außen suggerieren. Am Ende läuft die Kommunikation zwischen Dozenten und Studenten dezentral über die einzelnen Lehrstühle, was durchaus der akademischen Freiheit entspricht. Dies gilt umso mehr für Studiengänge, die in starkem Maße auf Lehrbeauftragte setzen, die schon aus rechtlichen Gründen und um der Gefahr der Scheinselbständigkeit willen nicht weisungsabhängig sind.

Zu lösen sind aber nicht nur administrative oder technische Schwierigkeiten. Angefragt ist zugleich das Bildungsverständnis der Universität. Denn diese kann nur sehr begrenzt auf Präsenz verzichten, wie ein Offener Brief „Zur Verteidigung der Präsenzlehre“ (https://www.praesenzlehre.com/) im Sommer 2020 deutlich gemacht hat. Fast fünftausendfünfhundert Unterzeichner weisen darauf hin, dass virtuelle Formate unter den Bedingungen einer Pandemie vielleicht notwendig, aber im Letzten doch immer nur ein begrenzter Ersatz sein dürfen: „Sie können womöglich bestimmte Inhalte vermitteln, aber gerade nicht den Prozess ihrer diskursiven, kritischen und selbständigen Aneignung in der Kommunikation der Studierenden.“ Dass die Präsenzlehre heute eigens verteidigt werden muss, ist nicht vom Himmel gefallen. In der „Universität ohne Präsenzbetrieb“ werden Entwicklungen verstärkt deutlich, die schon ante coronam in ihr angelegt waren.

Glosse zum liturgischen Verhalten der Kirche in der Coronakrise

In der aktuellen Ausgabe der Neuen Ordnung (Jg. 74, H. 5/2020) ist eine Glosse erschienen, welche das liturgische Verhalten der Kirchen angesichts der Coronakrise reflektiert – gedacht für jene, die Freude daran haben, geistig die Klingen zu kreuzen. Ich hoffe auf eine anregende Lektüre.

Erlaubt sei an dieser Stelle noch folgende Anmerkung: Auch wenn der harte Coronastillstand der Kar- und Ostertage mittlerweile schon länger wieder gelockert worden ist, enthält der Text möglicherweise Aspekte, die auch im Herbst noch zum Nachdenken anregen … Der Beitrag wurde als Leserbrief zum zitierten Beitrag von Clemens Leonhard (30.03.2020) vom Debattenportal „feinschwarz.net – Theologisches Feuilleton“ für eine Veröffentlichung abgelehnt. Früher stand ein Feuilleton einmal für den streitbaren Meinungskampf: Gekämpft wurde mit dem scharfen Schwert des freien Wortes um das bessere Argument. Und es gab Zeiten – aber es sind nicht die unsrigen – da übersetzte man Polemik noch mit Streitkunst; oder wie es die „Fliegenden Blätter“ einmal ausgedrückt haben: „Was ist Polemik? Eine öffentliche und moralische Balgerei zwischen zwei gebildeten Menschen, wobei statt Blut Tinte fließt.“ Aber ein solcher Streit hat in der Theologie gegenwärtig nur noch selten eine Heimat. Auf Dauer bekommt dies einer Disziplin nicht. Streit belebt; alles schon von vornherein besser zu wissen, verödet die Debattenkultur. Es gibt „Banalitäten“, auch in der Kirche oder der Theologie. Dies ist nicht zu ändern. Darüber nicht reden zu wollen, schafft das Phänomen aber nicht aus der Welt. Über die Wertung könnte man sich dann immer noch streiten – ja, „könnte“, wenn es denn gewollt wäre. Bei „feinschwarz“ ist dies offenbar nicht der Fall, auch wenn es im Impressum heißt, man wolle „pluralen und pluralitätsfähigen Diskussionen“ Raum geben.

Neuerscheinung: Wann ist Schule „gerecht“?

Im aktuellen Heft 2/2020 der Zeitschrift „engagement“ fragt der Bonner Erziehungswissenschaftler Axel Bernd Kunze: Wann ist Schule „gerecht“? (38. Jg., S. 137 – 140).

Im Rezensionsteil werden folgende Titel vorgestellt:

  • Michael Reitemeyer, Winfried Verburg (Hgg.): Bildung – Zukunft – Hoffnung. Warum Kirche Schule macht (Rez.: Markus Brenk, Detmold i. Westf.)
  • Sabine Bieberstein, Peter Nothaft, Barbara Staudigl (Hgg.): Hoffnungsraum Schule. Perspektiven für eine profilierte Entwicklung katholischer Schulen (Rez.: Hans-Michael Mingenbach, Halle a. d. S.)
  • Tobias Licht, Stephan Mokry (Hgg.): Die Reformation – ein Bildungsgeschehen? Historische und ökumenische Ausblicke (Rez.: Felix Albrecht, Göttingen)
  • Marianne Heimbach-Steins, Anna-Maria Riedl (Hgg.): Kindeswohl zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Theorie und Praxis im Gespräch; Anna-Maria Riedl: Ethik an den Grenzen der Souveränität. Christliche Sozialethik im Dialog mit Judith Butler unter Berücksichtigung des Kindeswohlbegriffs (Rez.: Axel Bernd Kunze, Weinstadt i. Remstal)
  • Frank Nix, Jens Wollmann: Experten helfen Referendaren: Schüler und Eltern beraten (Rez.: Katharina Dübgen, Polling-Oderding)
  • Carolin Philipps: Amina: mein Leben als Junge (Rez.: Anna Winkler-Benders, Bonn a. Rhn.)
  • Q. Raúf Onjali: Der Junge aus der letzten Reihe (Rez.: Maria Holgersson, Bonn a. Rhn.)

Eine unnachahmliche Formel

Mit seiner unnachahmlichen Formel „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“ stemmt sich das Evangelium politischen Heilslehren entgegen. Die zweifache Aufforderung, mit der Jesus seine Gegner im heutigen Evangelium bloßstellt, enthält aber auch eine Mahnung an seine eigenen Anhänger, also an uns. Denn umgekehrt liefert das Evangelium auch noch kein umfassendes göttliches Gesetz. Die Kirche sollte sich vor allzu viel Selbstgewissheit in vorletzten Fragen hüten. Um das Gemeinwohl muss immer wieder neu gerungen werden.

Jesu Antwort im heutigen Evangelium mahnt daher auch uns zur Vorsicht: Seien wir im politischen Meinungsstreit vorsichtig, dem anderen vorschnell den guten Willen oder sogar den Glauben abzusprechen! Politik aus christlicher Verantwortung bildet sich im politischen Diskurs, im Wettstreit der politischen Meinungen, im fairen, mitunter auch harten Ringen um das bessere Argument. Daher bleibt für das Christentum auch eine Vielfalt säkularer Gesetze legitim. Niemand sollte in der Kirche vorschnell behaupten, er wüsste schon im Voraus ganz genau, was politisch praktizierte Christlichkeit zu sein habe und was nicht.

Aus einem Predigtvorschlag zum 29. Sonntag im Jahreskreis:

Axel Bernd Kunze: Eine unnachahmliche Formel (Mt 22, 15 – 21), in: Der Prediger und Katechet. Praktische katholische Zeitschrift für die Verkündigung des Glaubens 159 (2020), H. 6 (Oktober/November), S. 732 – 735.

Interview mit der „Tagespost“: Müsste die Sozialethik den Staat wiederentdecken?

Verlässliche, ordnungstiftende Institutionen sind eine der größten Errungenschaften der europäischen Staats- und Gesellschaftsentwicklung. Eine Sozialethik, welche die Funktionsfähigkeit der staatlichen Ordnung aus dem Blick verliert, schwächt letztlich auch jene staatlichen Institutionen, die dem Schutz der Person und ihrer Rechte dienen. Es steht einiges auf dem Spiel: Ethische Maximalforderungen, denen die Sorge um den Erhalt der staatspolitischen Grundlagen abgeht, erscheinen als ein unernst wirkender Gestus prophetischer Kritik. Ohne politische Vernunft wirken sich diese politisch destruktiv aus.

… so Axel Bernd Kunze am 3. September 2020 im Interview mit Stefan Rochow von der Wochenzeitung „Die Tagespost“ (73. Jg., Nr. 36, S. 28). Anlass des Interviews ist das Erscheinen seines Buches „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ (Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020).

„Buch des Monats“ im September 2020: Theologische Literaturzeitung würdigt „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“

Die Theologische Literaturzeitung, die wichtigste Rezensionszeitschrift für evangelische Theologie im deutschsprachigen Raum, würdigt den Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ (von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger; Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020) in ihrer Septemberausgabe 2020 als „Buch des Monats“. Die Rezension schrieb der Fachherausgeber Nils Orle Oermann (Lüneburg).

Die vollständige Rezension findet sich in der Onlineausgabe.

Leseprobe aus der Rezension von Nils Orle Oermann:

Das Buch wendet sich an jene theologisch wie nicht-theologisch versierte Leserinnen und Leser (oder vielleicht auch Leser*innen?), die sich in den aktuellen theologisch-politischen Diskursen zur aktuellen und künftigen Rolle des Staates als Gemeinwesen nicht mit vorgefertigten, unreflektierten Antworten zufriedengeben, sondern die alte Frage nach dem, was des Kaisers und was Gottes ist, immer wieder neu stellen oder diskutieren möchten. So ist die Exegese von Römer 13,1–7 vom Exegeten Jan Dochhorn besonders lesenswert (103-136), wie auch die Frage, wie der Rechtsstaat verstanden werden will, als bildungsethisches Problem pointiert vom Pädagogen Axel Bernd Kunze analysiert wird (137–175).
Seinen Reiz gewinnt das Buch vielleicht gerade daraus, dass es aktuell Fragen zu stellen wagt, die im ohnmächtig-dröhenden Exkurs mancher amtskirchlicher und oder staatlicher Vertreter allzu lange allzu wenig Raum gefunden haben. Die formulierten Thesen des Buches zur Neuausrichtung des Verhältnisses von Staat und Kirche muss man dabei nicht immer teilen, aber sie schärfen das eigene Nachdenken und dabei die Gabe des »Vielleicht«. Vielleicht nicht das Schlechteste, und ganz sicher nicht wenig!

Neuerscheinung: Glosse zum Verschwinden christlicher Feiertagskultur

Der Internationale Frauentag (8. März), der Tag der Befreiung (8. Mai) oder der Weltkindertag (20. September) sind mittlerweile in einzelnen Bundesländern zum staatlichen Feiertag erklärt worden. Axel Bernd Kunze beschäftigt sich in einer Glosse in der Doppelausgabe 8-9/2020 der Zeitschrift „Der Fels“ mit dem langsamen Verschwinden einer christlich geprägten Feiertagskultur. Warum, so fragt er provozierend, sollte nicht auch der Welttag des Lehrers zum Feiertag werden? Zwei Gründe sprechen dafür: Zum einen ließe sich der Feiertag durch einen Brückentag zum Tag der Deutschen Einheit gut für einen Kurzurlaub im Goldenen Herbst nutzen. Zum anderen hätten wir einen Feiertag ohne störende religiöse, identitätsstiftende Bezüge. Der launige Vorschlag reagiert auf eine Wortmeldung Christiane Thieles zu Pfingsten: Die evangelische Theologin und Hochschulpfarrerin hatte vorgeschlagen, den Pfingstmontag als Feiertag durch Jom Kippur zu ersetzen. Allerdings geht es bei dem Vorschlag gar nicht um das Judentum: Ein allgemeines Versöhnungsfest soll es werden. Ein schwammiger Humanismus soll künftig die sozialethischen Orientierungswerte retten. Die „Glosse aus aktuellem Anlass“ glaubt nicht, dass ein solches Ansinnen tragfähig wäre.

Axel Bernd Kunze: Feiertagskultur ohne störende religiöse Bezüge. Glosse aus aktuellem Anlass, in: Der Fels 51 (2020), H. 8-9, S. 256 f.