Quid est veritas?

… so die Frage des Pilatus, als er Jesus verhört.

Diese Frage hat Menschen zu allen Zeiten beschäftigt, bis heute. Es geht nicht um eine bestimmte wissenschaftliche oder politische Erkenntnis, die festzuhalten und zu glauben wäre. Ja, es ist gut, dass Menschen fragen, wie die Welt erklärt und das Zusammenleben gerecht gestaltet werden kann. Doch Wahrheitssuche ist ein Prozess. Wahrheit will sich ereignen, sie muss sich bewähren. Und dadurch verändern sich unser Blick auf die Welt, unsere Beziehungen und unsere Haltung. Wem im Letzten alles „gleich-gültig“ ist, der wird sprunghaft, unberechenbar, der urteilt vor allem nach Nutzen und Vorteil – so wie Pilatus, der am Ende nicht nach der Wahrheit, sondern nach dem eigenem Kalkül fragt.

Nur wer die Frage nach Wahrheit nicht aufgegeben hat, ist zu festen, verlässlichen, treuen Beziehungen fähig. Der vermag in der Bewährung standzuhalten. Der bleibt innerlich frei, auch wenn er von anderen in die Ecke getrieben, gedemütigt und verraten wird.

Hierauf zielt die Antwort Jesu, mit der Pilatus so wenig anzufangen weiß. Der Statthalter will eine knappe Antwort: König – ja oder nein? Dann kann er diesen innerjüdischen Streit, der ihn eigentlich gar nichts angeht, zu den Akten legen.

Wir Menschen sind schwach und wankelmütig, das sehen wir an Pilatus. Doch hier steht einer, bei dem es anders ist: Jesus gibt nicht einfach nur Auskunft. Er lebt in einer innigen Beziehung zum Grund aller Wahrheit, zu seinem Vater. Er ist der treue Zeuge Gottes. Und so entscheidet sich der letzte Sinn unseres Daseins an der Beziehung zu Jesus Christus. Das ist die Macht, die sein Königtum auszeichnet und die er von seinem Vater bekommen hat.

Was das bedeutet, zeigt sich in der äußersten Entscheidung. Pilatus begreift nicht, wer da vor ihm steht. Anders der römische Hauptmann, der unter dem Kreuz sein Christusbekenntnis ablegt. Oder der rechte Räuber, der mit Jesus gekreuzigt wird und dem die Tradition den Namen Dismas gab. Über ihn sagt Augustinus: „Ich weiß nicht, was am Glauben dieses Räubers noch fehlen sollte.“ Die letzte Hinwendung zählt, die letzte Reue. Jesus hat die unbedingte, provozierende Freiheit, den Mitverurteilten zum Miterlösten zu machen.

Auch wir sind gerufen, die Wahrheit Jesu zu ergreifen: eine Wahrheit, die stärker ist als alle irdische Macht. Viel ist politisch über das Kreuz im öffentlichen Raum gestritten worden. Doch das Kreuz legt ein gewichtiges Zeugnis ab: Es markiert jene Leerstelle, die menschliche Macht nicht füllen darf, soll sie nicht totalitär werden. Das Kreuz mahnt, dass wir noch einer anderen Instanz verpflichtet sind, die über menschliche Opportunität hinausgeht, unserem Gewissen. Für uns Getaufte ist diese Instanz eine Person: Jesus Christus. Seine Herrschaft will uns freimachen, aus Wahrheit und Liebe.

… aus einer Predigt zum kommenden Christkönigssonntag. Das Fest hat eine deutliche, antitotalitäre Aussage wider jede menschliche oder staatliche Macht, die sich absolut setzt: Christus allein soll König sein für alle Welt und Zeit, für alle Ewigkeit.

Axel Bernd Kunze: Zeuge der Wahrheit [Lesejahr B. Hochfest Christkönigssonntag], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 18 (2021), H. 6, S. 1007 – 1023.

Leserbriefdebatte: Dem Staat sind Grenzen gesetzt

Ein Kommentar in der ACADEMIA 4/2021, der zu einem Zwangsregime gegen Ungeimpfte aufrief, hat im nun vorliegenden Folgeheft zu einer Leserbriefdebatte geführt. Michael Wagner spricht von einer „Impfromantik“ und gibt zu bedenken: „Wir werden unabhängig von der Impfquote weiter messen müssen, denn das Virus wird auch von Geimpften weitergegeben. Eine direkte oder indirekte Impfpflicht ist daher nach meiner Meinung ein vor diesem Hintergrund nicht zu rechtfertigender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.“ Axel Bernd Kunze weist darauf hin, dass dem Staat aus guten Gründen Grenzen gesetzt sind: „Seit dem 10. August 2021 zeigt sich, dass eine freie Entscheidungsfähigkeit des Einzelnen von der Politik nicht mehr gewollt ist. Die Geschichte zeigt, dass eine solche Politik noch nie gut ausgegangen ist.“

Michael Wagner: Von einer Impfromantik; Axel Bernd Kunze: Dem Staat sind Grenzen gesetzt, in: Academia. Zeitschrift des Cartellverbandes Katholischer Deuscher Studentenverbindungen 114 (2021), H 5, S. 74

Christliches Forum: Bildungsethik erfordert nicht Haltung, sondern Unvoreingenommenheit

Das „Christliche Forum“ hat wieder einen Beitrag aus „Bildungsethik“ übernommen:

Unvoreingenommenheit ist wichtig – nicht nur für die Pädagogik, sondern auch für das öffentliche Zusammenleben. Doch unser Land verliert immer mehr an Würde, Anstand und institutioneller Stabilität. Und die Verantwortlichen wahren noch nicht einmal mehr den Schein des Anstands. In Berlin wird das Vertrauen in den Wahlakt demontiert. Und das Bundesverfassungsgericht beschädigt sich selbst – in der Schweizer Presse war das schon früher zu lesen. Ich vermute, dass noch mehr „Ungereimtheiten“ ans Licht kommen werden – jedenfalls ist das oft so, wenn eine Zeitung erst einmal anfängt zu recherchieren.

Festschrift geplant: Papst em. Benedikt XVI. zum fünfundneunzigsten Geburtstag

Die Gesellschaft zur Förderung christlicher Verantwortung plant – wie schon zu den runden und halbrunden Geburstagen zuvor – Papst em. Benedikt XVI. anlässlich seines fünfundneunzigsten Geburtstages mit einer Festschrift zu ehren. Wer möchte, kann sich in die tabula gratulatoria eintragen lassen. Weitere Informationen zum Festschriftprojekt finden sich hier.

Christliches Forum: Beitrag von Thomas May zur Impfpolitik

Die Zwangskollektivierung des Individuums durch einen „übergriffigen Sozialstaat … unter dem Vorwand staatlicher Schutzpflichten“ (so Dr. Axel Kunze in seinem Artikel „Wie der Corona-Diskurs für andere politische Zwecke vereinnahmt wird“ im „Christlichen Forum“ vom 23.9.2021) ist die eigentliche Revolution, die im Gefolge der Anti-Corona-Maßnahmen der Regierungen in Gang gesetzt wurde und welche das Reaktionsschema für künftige Freiheitseinschränkungen als „Klimaschutzmaßnahmen“ vorgeben dürfte.

… so Thomas May im „Christlichen Forum“. Sein Plädoyer für die Freiheit kann hier weitergelesen werden:

Josef Kraus im Interview: Der deutsche Untertan, vom Denken entwöhnt

Wie sieht die Version von Heinrich Manns Diederich Heßling 2021 aus?

KRAUS: Er ist der regierungstreue Untertan von der Stange, zu Tausenden auffindbar: in den Parteien, in den Parlamenten, in den Kirchen, in Hochschulen und Schulen, in den Medien, vor allem den öffentlich-rechtlichen und im Mainstream der meisten Printmedien. Der Diederich Heßling anno 2021 dient sich der Macht an. Er schwimmt mit im Strom, seine Haltung ist rundgelutscht bis zur Profillosigkeit, er will nirgends anecken, nicht auffallen, damit Karriere machen und zugleich Millionen nach seinem Ebenbild erziehen. Schauen Sie sich doch nur die Redaktionsleiter bestimmter ARD/ZDF-Magazine an. Sie gerieren sich als Leithammel-Untertanen und sind doch kaum anderes als Politkommissare. Sie nennen es „Haltung zeigen“, betreiben aber subtil und trickreich Hetze gegen alles, was angeblich rechts von Merkel steht.

HIER ZUM WEITERLESEN: