Rezension zu: Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff

Axel Bernd Kunze geht von einer ›didaktischen‹ Sachanalyse
des Bildungsbegriffs aus, ebenfalls – wie Küls – vor dem Hintergrund der Erzieherausbildung.
Sein Zugang zum Thema ist von der Bildungsethik geprägt:
»Jedermann hat das Recht auf Bildung.« (S. 291) Moralische und rechtliche
Aspekte stehen im Zentrum seiner Ausführungen. Für den Unterricht in der
Fachschule für Sozialpädagogik sieht er konsequent den Zusammenhang
zwischen der Auseinandersetzung der Schüler mit bildungsethischen Fragen
in der Elementarbildung einerseits und der Entsprechung im Unterricht der
Fachschule andererseits.

Hermann Vortmann in einer Rezension zu: „Püttmann, Carsten (Hg.) (2019): Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff (Didactica Nova; Bd. 29), Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 319 Seiten“ in der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik 96 (2020), S. 165 – 178, hier: 176.

Rezension: Das NGO-Spiel

Nichtregierungsorganisationen genießen einen guten Ruf. Sie stehen dafür, Konflikte mit zivilen Mitteln zu lösen, die Stimme der Gesellschaft zu Gehör zu bringen und die Politik der Regierungen kritisch zu hinterfragen. Bei Lichte betrachtet, können Nichtregierungsorganisationen ein gewaltiger Machtfaktor sein. Bei alldem arbeiten Nichtregierungsorganisationen gar nicht so uneigennützig, wie sie gern vorgeben; sie verfolgen eigene Interessen und versuchen, für ihre eigenen Ziele mitunter keineswegs unbeträchtliche Ressourcen an Land zu ziehen. Die politische Kontrolle wird ihrem nicht geringen Einfluss oftmals keinesfalls gerecht: Grund genug, einmal etwas genauer hinzuschauen, wie Patrice C. McMahon es tut. Die Politikwissenschaftlerin will aufdecken, nach welchen durchaus problematischen Spielregeln Nichtregierungsorganisationen die Entwicklung in einzelnen Ländern mit gewaltsamer Konfliktgeschichte beeinflussen. Als Beispiele dienen ihr dabei die Transformationsprozesse im ehemaligen Jugoslawien.

(Axel Bernd Kunze, Rez., in: Socialnet.de)

Axel Bernd Kunze. Rezension vom 02.07.2020 zu: Patrice C. McMahon: Das NGO-Spiel. Zur ambivalenten Rolle von Hilfsorganisationen in Postkonfliktländern. Hamburger Edition (Hamburg) 2019. ISBN 978-3-86854-331-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26108.php

Rezension: Wissenschaft in der Demokratie

Ob Finanzkrise, Migrationsdebatte, Klimadebatte, Coronakrise Das Urteil wissenschaftlicher Experten ist gefragt – sei es in der Politikberatung, in Talkshows, auf Podiumsdiskussionen oder in Experteninterviews. Doch eines kann die Wissenschaft nicht: Einigkeit herstellen und Lösungen vorgeben, die nur noch politisch exekutiert werden müssen. So einfach gestaltet sich das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik und Medien keineswegs: Wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben umstritten, der politische Umgang mit ihnen ebenso und längst nicht alles, was in den Medien als Erkenntnis „der“ Wissenschaft verkauft wird, formuliert tatsächlich einen wissenschaftlichen Konsens. Notwendig bleibt eine funktionierende Öffentlichkeit, in der über die verschiedenen menschlichen Teilpraxen hinweg um den richtigen Umgang mit bestehenden Kontroversen gerungen wird. Diesem Thema widmet sich eine neue Reihe im De Gruyter-Verlag.“

aus einer Rezension zu: Wilfried Hinsch, Daniel Eggers (Hgg.): Öffentliche Vernunft? Die Wissenschaft in der Demokratie, Berlin 2019, 118 Seiten (Rezensent: Axel Bernd Kunze) im Rezensionsportal Socialnet.de:

https://www.socialnet.de/rezensionen/26500.php

Rezension: Inklusive Pädagogik

„Man kann den Eindruck gewinnen, es ist ein wenig stiller um die Frage nach Inklusion geworden. Die erste Euphorie scheint geschwunden, ein stärkerer Realismus hat eingesetzt. Einen ähnlichen Anspruch erhebt auch die vorliegende Einführung zu einer inklusiven Pädagogik, wie Ulrich Heimlich in seinem Vorwort schreibt: „Vielmehr war es mir stets ein Anliegen, die begleiteten Einrichtungen zu besuchen und die alltäglichen Nöte und Sorgen der praktisch pädagogisch Tätigen vor Ort kennenzulernen. Dies hilft meiner Erfahrung nach, einen realistischen Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen der Integration bzw. Inklusion zu werfen“ (S. 5). Ein weiteres Anliegen des Verfassers ist es, die sonderpädagogische Fachkompetenz als notwendige Bedingung für pädagogische Qualität in der Inklusionsdebatte zu Gehör zu bringen.“

aus einer Rezension zu: Ulrich Heimlich: Inklusive Pädagogik. Eine Einführung, Stuttgart: W. Kohlhammer 2019, 326 Seiten (Rezensent: Axel Bernd Kunze) im Rezensionsportal Socialnet.de:

https://www.socialnet.de/rezensionen/26356.php

Rezension: Archive und Demokratie

Helge Kleifeld: Archive und Demokratie. Demokratische Defizite der öffentlichen Archive im politischen System der Bundesrepublik Deutschland (Beiträge zur Geschichte der Stadt Mönchengladbach; 1), Essen (Ruhr): akadpress 2018, 301 Seiten.

„Wissenschaftlern und Bürgern und sie betreiben selbst Forschungs- und Bildungsarbeit. Ins breitere Blickfeld der Öffentlichkeit treten sie oft erst dann, wenn Vorwürfe der Aktenvernichtung die Runden machen oder sich verschiedene Institutionen um politisch brisante Nachlässe streiten. Der vorliegende Band verweist beispielsweise auf die Aktenvernichtung im Bundeskanzleramt beim Regierungswechsel 1998, auf die Löschung des E-Mail-Kontos des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten, Stefan Mappus, und um das Gerangel um den Nachlass Helmut Kohls zwischen dessen Erben, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Bundesarchiv.

Die jüngere Geschichte der Demokratie in Deutschland zeigt, wie das politische System unter einen „Partizipationsdruck“ geraten ist. Dieser hat unter anderem im Informationsfreiheitsgesetz von 2005 Ausdruck gefunden; dieses regelt den Rechtsanspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden. Die Archive in Trägerschaft des Bundes und der Länder haben mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten, so Helge Kleifeld in seiner politikwissenschaftlichen Dissertation, mit der er 2018 an der Universität Marburg promoviert wurde.“ (Axel Bernd Kunze)

Die vollständige Rezension aus Heft 3/2019 der Zeitschrift „AMOS international“ ist online zugänglich.

Rezension: „Shrinking Spaces“

„Shrinking Spaces“: ein Begriff, der bisher vor allem in der Politik und Entwicklungszusammenarbeit verwendet wurde. Gemeint sind schrumpfende zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume in autokratischen Staaten. Zunehmend wird dieser Begriff aber auch für den europäischen Kontext verwendet. Zwei Beispiele: So sind seit dem „Ausländische-Agenten-Gesetz“ 2012 in Russland Nichtregierungsorganisationen, die Mittel aus dem Ausland erhalten, verpflichtet, sich registrieren zu lassen. Oder in der Türkei wurden nach dem Militärputsch von 2016 mehr als 1.400 zivilgesellschaftliche Organisationen geschlossen. In Deutschland ist der Begriff im Zusammenhang von Befürchtungen adaptiert worden, zunehmender „Rechtspopulismus“ könne auf Dauer demokratische Freiheitsräume beschneiden und gesellschaftliche Exklusionstendenzen befördern. (Axel Bernd Kunze)

Reiner Becker, Irina Bohn, Tina Dürr-Oberlik, Beate Küpper, Tino Reinfrank (Hrsg.): Shrinking Spaces, Frankfurt am Main: Wochenschau 2019, 176 Seiten (= Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit, 01/2019).

Eine Besprechung finden Sie hier:
www.socialnet.de/rezensionen/26013.php

Das vorliegende Heft zeigt, wie Bildung und Kultur zum Kampfplatz um Diskurshegemonie und Lagerbildung werden können. Eine klare Struktur des Themenheftes ist bei alldem aber nicht zwingend erkennbar. Vieles hat man schon an anderer Stelle in ähnlicher Form gelesen. Es gehe um „Mosaiksteine“ ohne den Anspruch, ein vollständiges Bild liefern zu wollen, schreiben die verantwortlichen Redaktionsmitglieder einleitend in ihrem Editorial. Dies wird man sagen können, aber auch nicht mehr. Denn die einzelnen Beiträge des Themenheftes entfernen sich mitunter recht weit vom Konzept „Shrinking Spaces“. Hinzu kommt einmal mehr eine Schwäche ähnlicher Publikationen und Debattenbeiträge: Was unter „Populismus“ bzw. „Rechtspopulismus“ auf der einen oder „Zivilgesellschaft“  bzw. „Gesellschaft“ auf der anderen Seite verstanden wird, wird nicht sauber definiert.  (Axel Bernd Kunze)

Rezension: Kinderrechte – in die Verfasssung?

Der vorliegende Gesetzesentwurf für ein eigenständiges Kindergrundrecht in der Verfassung ist vorerst politisch gescheitert, doch dürfte in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen … Wer sich mit dem Thema intensiver beschäftigen möchte, sei auf folgende Publikation hingewiesen:

„Sollten Kinderrechte in die Verfassung aufgenommen werden oder nicht? Es gibt gute juristische Gründe, dies nicht zu tun, wie der Band verdeutlicht. Pädagogen mögen das vielleicht nicht immer gern hören, aber die Verfassung ist der falsche Ort für Symbolpolitik. Die Gefahr systematischer Brüche in der Verfassungsordnung wäre viel zu groß – die Folgen könnten am Ende nicht allein Eltern, sondern auch Lehrer deutlich zu spüren bekommen.“

aus: Axel Bernd Kunze (Rez.): Rezension zu: Arnd Uhle (Hg.): Kinder im Recht. Kinderrechte im Spiegel der Kindesentwicklung (Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zu Philosophie, Politik und Geistesgeschichte; 96), Berlin: Duncker & Humblot 2019, 328 Seiten, in: Engagement 37 (2019), H. 4, S. 221 f.

Rezensionen: engagement 4/2019

Im Rezensionsteil des aktuellen Heftes 4/2019 der Zeitschrift engagement werden folgende Titel besprochen:

  • Judith Könemann, Denise Spiekermann (Hgg.): Katholische Schulen – Herausgeforderte Identität (Paderborn 2019) – Rezensent: Hans- Michael Mingenbach
  • Hermann Vortmann: Schul-Leben (Münster/Westf. 2017) – Rezensent: Wilhelm Wittenbruch
  • Olaf-Axel Burow: Schule digital – wie geht das? Wie die digitale Revolution uns und die Schule verändert (Weinheim u. a. 2019) – Rezensent: Volker Ladenthin
  • Maike Tournier: Kognitiv anregende Fachkraft-Kind-Interaktionen im Elementarbereich. Eine qualitativ-quantitative Videostudie (Münster/Westf. u. a. 2017) – Rezensentin: Katharina Dübgen
  • Arnd Uhle (Hg.): Kinder im Recht. Kinderrechte im Spiel der Kindesentwicklung (Berlin 2019) – Rezensent: Axel Bernd Kunze
  • Frank Maria Reifenberg: Wo die Freiheit wächst. Briefroman zum Widerstand der Edelweißpiraten (München 2019) – Rezensentin: Anja Kuypers
  • Nia Weger: Als mein Bruder ein Wal wurde (Hamburg 2019) – Rezensentin: Anna Winkler-Benders

Die Zeitschrift wird herausgegeben von der Konferenz der Träger Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in Deutschland und erscheint im Aschendorff-Verlag Münster. Dem Herausgeberbeirat gehören an: Dr. Rafael Frick (Ludwigsburg), Dr. Christopher Haep (Hamburg), PD Dr. Axel Bernd Kunze (Bonn), Dr. Peter Nothaft (München), Prof. Dr. Matthias Proske (Köln), Sr. Dr. M. Dorothea Rumpf (Duderstadt), Prof. Dr. Clauß Peter Sajak (Münster/Westf.) und Prof. Dr. Sabine Seichter (Salzburg).

Rezension: Welche Rechte haben Kinder?

Sollen Kinderrechte explizit in die Verfassung aufgenommen werden? Über diese Frage wird verstärkt diskutiert, seit sich die Große Koalition Ende des vergangenen Jahres daran gemacht hat, ein entsprechendes Vorhaben ihres Koalitionsvertrages abzuarbeiten. Die Frage stand auch im Mittelpunkt der Bamberger Jahrestagung 2018 der rechts- und staatswissenschaftlichen Sektion der Göres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft, deren Beiträge im Verlag Duncker und Humblot veröffentlicht wurden:

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Arnd Uhle (Hg.): Kinder im Recht. Kinderrechte im Spiegel der Kindesentwicklung (Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zu Philosophie, Politik und Geistesgeschichte; 96), Berlin: Duncker & Humblot 2019, 328 Seiten.

Axel Bernd Kunze rezensiert den Tagungsband in der aktuellen Ausgabe der internationalen Zeitschrift für christliche Sozialethik, AMOS international:

Es gibt, wie der vorliegende Band verdeutlicht, gute juristische Gründe gegen ein eigenständiges Kindergrundrecht, auch wenn die Versuchung groß ist, auf diese Weise politisch ein „Zeichen zu setzen“. Die Verfassung aber sollte nicht für Symbolpolitik missbraucht werden. Gerade Eltern, aber auch Lehrer könnten die Folgen systematischer Brüche in der Verfassungsordnung deutlich zu spüren bekommen. Sollten staatliche Ämter zunehmend verpflichtet werden, die Rechte Minderjähriger anwaltschaftlich zu vertreten, könnte der Staat in die paradoxe Doppelrolle geraten, sowohl Adressat als auch Träger von Grundrechten zu sein.

Ein weiterer Aspekt kommt im Band nur am Rande vor. Hinter Forderungen nach einer stärkeren grundrechtlichen Subjektivierung  von Kindern steckt auch, neue Aufgaben und zusätzliche Ressourcen auf dem Feld der Kinderförderung zu generieren. Unterschlagen wird häufig, dass bei einer Schwächung des Elternrechts bestimmte Entscheidungen gleichfalls stellvertretend für Heranwachsende getroffen werden müssen, und zwar umso stärker, je jünger das Kind ist. Dies stärkt in der Konsequenz administrative Entscheidungswege und fördert institutionelle Einflussnahmen. Wo die Autonomie der Familie zurückgedrängt wird, wächst umgekehrt die sozialstaatliche Organisation. Der liberale Rechts- und Verfassungsstaat sollte allerdings einem gerechten Sparsamkeitsgrundsatz folgen. Zulässig sind demnach Eingriffe des Staates in die Grundfreiheiten seiner Bürger nur, wenn diese das Gesamt an Grundfreiheiten stärken und möglichst gering gehalten werden. Unter dieser Maßgabe wird der Staat vorrangig mit Anreizstrukturen arbeiten müssen; da auch von diesen immer schon eine steuernde Wirkung ausgeht, bleibt begleitend ein hinreichender Minderheitenschutz wichtig. (13. Jg., Heft 4/2019, S. 51 f.)