Rezension: Plädoyer für das Fach Rechtskunde …

„Im ersten seiner beiden Beiträge ‚Wird der Rechtsstaat noch verstanden“ tritt Axel Bernd Kunze als Pädagoge für die Einführung eines Fachs Rechtskunde ein. Schule als Raum der Erziehung zur Freiheit unter dem Verbot der Vereinnahme für Sonderinteressen: ‚Nicht ist es Aufgabe des Staates, das Glück der Menschheit herbeizuführen, und nicht es daher seine Aufgabe, neue Menschen zu erschaffen.‘ (Joseph Ratzinger) Die Volks-, Kultur- und Willensnation als natürlicher Bezugsrahmen dürfe keinesfalls übersprungen werden, denn: ‚Die Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts wußte, wie das ‚Lied der Deutschen‘ aus der Feder Hoffmanns von Fallersleben zeigt, um den Zusammenhang von Einigkeit und Recht und Freiheit.‘ Die egalitäre ‚Zivilgesellschaft‘ sei nicht in der Lage, den Menschen in seiner Komplexität, die sich auch in gemeinsamer Herkunft, Sprache, Kultur und Werten manifestiere, abzubilden. Er kritisiert die Überfrachtung von Politik am Beispiel naiver Hilfsphantasien des EKD-Vorsitzenden Bedford-Strohm und der deutschen Ordensobernkonferenz. Christliche Politik muß vor falscher Moralität warnen, Verhältnismäßigkeit wahren, statt Alternativlosigkeit zu predigen. In der Frage ‚Woraus lebt ein Gemeinwesen‘ setzt er sich abschließend mit der staatlichen Neutralitätspflicht auseinander und stellt fest, daß dem Staat letzte Frage entzogen seien: ‚Das Kreuz in öffentlichen Gebäuden markiert jene ‚Leerstelle‘, die der freiheitliche Rechts- und Verfassungsstaat nicht selbst füllen kann, will er nicht übergriffig werden.'“

Bernhard Grün in einer Rezension (Von der volkspädagogischen Entgrenzung des Linksstaats, in: Burschenschaftliche Blätter, 135. Jg., H. 3, S. 137 f.) über den Band:

Alexander Dietz/Jan Dochhorn/Axel Bernd Kunze/Ludger Schwienhorst-Schönberger: Wiederentdeckung des Staates des Staates in der Theologie, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020.

Rezension: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie

Der Studentenhistoriker und Publizist Bernhard Grün würdigt – unter Bezugnahme auf den dreißigsten Jahrestag der deutschen Einheit – in der aktuellen Ausgabe der „Burschenschaftlichen Blätter“ (Jg. 135, H. 3, S. 137 f.) den von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger im Sommer verfassten Band Wiederentdeckung des Staates in der Theologie (Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020). In der Besprechung heißt es:

Die für eine erneuerte protestantische Zwei-Regimente-Lehre eintretenden Theolgen Alexander Dietz und Jan Dochhorn sowie Ludger Schwienhorst-Schönberger und Axel Bernd Kunze als Vertreter einer katholischen Staatstradition haben einen interessanten Ansatz gewählt: jeder entfaltet aus der Sicht seines Spezialgebiets in fünf aufeinander bezogenen Beiträgen die unterschiedlichen Dimensionen des Themas, durchlaufend in 39 Thesen dekliniert. […] Europa wird in Zukunft nur unter Fortentwicklung der Nationalstaaten sein, oder es wird nicht sein – sie allein garantieren die Vielfalt seiner Kulturräume und werden einen Europäischen Superstaat als Gegengewicht wirksam kontrollieren – Föderalismus statt Zentralismus. Besorgt äußern die Autoren Hoffnung auf einen Dialog, in dem nicht „manche in politischen Diskursen vertretene moralische Überzeugung als eine Stigmatisierung anderer Position“ verstanden, sondern die „demokratische Auseinandersetzung“ gesucht wird.

Rezension: Die Macht befreien

„Politik, Theologie und die Frage der Macht“ lautet der Titel des neuen Themenheftes 3/2020 der Zeitschrift „Concilium“. Unter der Überschrift „Die Macht befreien“ rezensiert Axel Bernd Kunze darin folgende Titel:

Sebastian Holzbrecher, Julia Knop, Benedikt Kranemann, Jörger Seiler (Hgg.): Revolte in der Kirche? Das Jahr 1968 und die Folgen, hg. im Auftrag des Theologischen Forschungskollegs der Universität Erfurt, Freiburg i. Brgs.: Herder 2018, 352 Seiten.

Peter Neuner: Turbulenter Aufbruch. Die 60er Jahre zwischen Konzil und konservativer Wende, Freiburg i. Brsg.: Herder 2019, 310 Seiten.

Walter Wink: Verwandlung der Mächte. Eine  Theologie der Gewaltfreiheit, hg. v. Thomas Nauerth u. Georg Steins u. übersetzt unter Mitwirkung v. Anka Schneider u. Anja Mehrmann, Regensburg: Friedrich Pustet 2014, 172 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Die Macht befreien, in: Concilium 56 (2020), H. 3, S. 337 – 341.

Leseprobe aus der Rezension:

Das Evangelium stemmt sich politischen Heilslehren entgegen, die sich absolut setzen. Es liefert selbst aber auch kein umfassendes göttliches Gesetz. Politik aus christlicher Verantwortung gewinnt Kontur im politischen Diskurs. Motivation für eine solche Politik kann das geben, was Thomas Nauerth und Georg Steins einleitend als „engagierte Bibellektüre“ bezeichnen. Doch Vorsicht! Das Evangelium verliert gerade dort seine inspirierende und transformierende Kraft, wo es vorschnell parteipolitisch verengt wird. Leider lassen die beiden Herausgeber der deutschsprachigen Übersetzung diese Vorsicht in ihrer Einleitung vermissen, wenn sie das vorliegende Werk nahezu bruchlos einzelnen theologischen Konzepten aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts zuordnen, etwa der „Theologie der Hoffnung“ oder der „Neuen Politischen Theologie“. Die faszinierenden Beispiele, die Wink als Beleg für die verwandelnde Kraft von Jesu Botschaft vor dem Leser entfaltet, entziehen sich einer derart vorschnellen Vereinnahmung für einzelne partikulare Konzepte, seien sie theologischer oder indirekt auch politischer Natur.

Eines vorweg geschickt: Unter einem ähnlichen Manko leidet letztlich auch Peter Neuners Rückblick auf die bewegten Jahre des Konzils. Der Theologe, der bis 2006 Dogmatik und ökumenische Theologie in München lehrte, will ermutigen: Der Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils wirke bis heute fort – trotz Glaubensverlusts und lehramtlicher Gegenbewegungen. So weit, so gut. Doch dem Autor mangelt es mitunter an der notwendigen Distanz, die beschriebenen Ereignisse, Akteure oder Bewegungen zeitgeschichtlich „sine ira et studio“ einzuordnen. Immer wieder fühlt man sich beim Lesen im Urteil gelenkt. Die politischen Umbrüche und sozialen Bewegungen jener Zeit werden mitunter reichlich holzschnittartig beschreiben. Grautöne schimmern selten durch. Die Rollen sind klar verteilt.

Rezension: #Education for Future

„Offen lassen die Antworten allerdings, wie nicht allein Bildung, sondern auch gute Ausbildung jenseits von Schule gelingen kann. Denn für eine gute Zukunft braucht es beides: Persönlichkeitsbildung und berufliche Fähigkeiten. Ein Bildungssystem, das nachhaltig sein will, muss beides zusammendenken.“

… Axel Bernd Kunze über das Buch #Education for Future von Gerald Hüther, Marcell Heinrich und Mitch Senf (Goldmann, 318 Seiten, 22 Euro) in Publik-Forum, Nr. 13 v. 10. Juli 2020, S. 57.

Rezension zu: Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff

Axel Bernd Kunze geht von einer ›didaktischen‹ Sachanalyse
des Bildungsbegriffs aus, ebenfalls – wie Küls – vor dem Hintergrund der Erzieherausbildung.
Sein Zugang zum Thema ist von der Bildungsethik geprägt:
»Jedermann hat das Recht auf Bildung.« (S. 291) Moralische und rechtliche
Aspekte stehen im Zentrum seiner Ausführungen. Für den Unterricht in der
Fachschule für Sozialpädagogik sieht er konsequent den Zusammenhang
zwischen der Auseinandersetzung der Schüler mit bildungsethischen Fragen
in der Elementarbildung einerseits und der Entsprechung im Unterricht der
Fachschule andererseits.

Hermann Vortmann in einer Rezension zu: „Püttmann, Carsten (Hg.) (2019): Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff (Didactica Nova; Bd. 29), Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 319 Seiten“ in der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik 96 (2020), S. 165 – 178, hier: 176.

Rezension: Das NGO-Spiel

Nichtregierungsorganisationen genießen einen guten Ruf. Sie stehen dafür, Konflikte mit zivilen Mitteln zu lösen, die Stimme der Gesellschaft zu Gehör zu bringen und die Politik der Regierungen kritisch zu hinterfragen. Bei Lichte betrachtet, können Nichtregierungsorganisationen ein gewaltiger Machtfaktor sein. Bei alldem arbeiten Nichtregierungsorganisationen gar nicht so uneigennützig, wie sie gern vorgeben; sie verfolgen eigene Interessen und versuchen, für ihre eigenen Ziele mitunter keineswegs unbeträchtliche Ressourcen an Land zu ziehen. Die politische Kontrolle wird ihrem nicht geringen Einfluss oftmals keinesfalls gerecht: Grund genug, einmal etwas genauer hinzuschauen, wie Patrice C. McMahon es tut. Die Politikwissenschaftlerin will aufdecken, nach welchen durchaus problematischen Spielregeln Nichtregierungsorganisationen die Entwicklung in einzelnen Ländern mit gewaltsamer Konfliktgeschichte beeinflussen. Als Beispiele dienen ihr dabei die Transformationsprozesse im ehemaligen Jugoslawien.

(Axel Bernd Kunze, Rez., in: Socialnet.de)

Axel Bernd Kunze. Rezension vom 02.07.2020 zu: Patrice C. McMahon: Das NGO-Spiel. Zur ambivalenten Rolle von Hilfsorganisationen in Postkonfliktländern. Hamburger Edition (Hamburg) 2019. ISBN 978-3-86854-331-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26108.php

Rezension: Wissenschaft in der Demokratie

Ob Finanzkrise, Migrationsdebatte, Klimadebatte, Coronakrise Das Urteil wissenschaftlicher Experten ist gefragt – sei es in der Politikberatung, in Talkshows, auf Podiumsdiskussionen oder in Experteninterviews. Doch eines kann die Wissenschaft nicht: Einigkeit herstellen und Lösungen vorgeben, die nur noch politisch exekutiert werden müssen. So einfach gestaltet sich das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik und Medien keineswegs: Wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben umstritten, der politische Umgang mit ihnen ebenso und längst nicht alles, was in den Medien als Erkenntnis „der“ Wissenschaft verkauft wird, formuliert tatsächlich einen wissenschaftlichen Konsens. Notwendig bleibt eine funktionierende Öffentlichkeit, in der über die verschiedenen menschlichen Teilpraxen hinweg um den richtigen Umgang mit bestehenden Kontroversen gerungen wird. Diesem Thema widmet sich eine neue Reihe im De Gruyter-Verlag.“

aus einer Rezension zu: Wilfried Hinsch, Daniel Eggers (Hgg.): Öffentliche Vernunft? Die Wissenschaft in der Demokratie, Berlin 2019, 118 Seiten (Rezensent: Axel Bernd Kunze) im Rezensionsportal Socialnet.de:

https://www.socialnet.de/rezensionen/26500.php

Rezension: Inklusive Pädagogik

„Man kann den Eindruck gewinnen, es ist ein wenig stiller um die Frage nach Inklusion geworden. Die erste Euphorie scheint geschwunden, ein stärkerer Realismus hat eingesetzt. Einen ähnlichen Anspruch erhebt auch die vorliegende Einführung zu einer inklusiven Pädagogik, wie Ulrich Heimlich in seinem Vorwort schreibt: „Vielmehr war es mir stets ein Anliegen, die begleiteten Einrichtungen zu besuchen und die alltäglichen Nöte und Sorgen der praktisch pädagogisch Tätigen vor Ort kennenzulernen. Dies hilft meiner Erfahrung nach, einen realistischen Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen der Integration bzw. Inklusion zu werfen“ (S. 5). Ein weiteres Anliegen des Verfassers ist es, die sonderpädagogische Fachkompetenz als notwendige Bedingung für pädagogische Qualität in der Inklusionsdebatte zu Gehör zu bringen.“

aus einer Rezension zu: Ulrich Heimlich: Inklusive Pädagogik. Eine Einführung, Stuttgart: W. Kohlhammer 2019, 326 Seiten (Rezensent: Axel Bernd Kunze) im Rezensionsportal Socialnet.de:

https://www.socialnet.de/rezensionen/26356.php

Rezension: Archive und Demokratie

Helge Kleifeld: Archive und Demokratie. Demokratische Defizite der öffentlichen Archive im politischen System der Bundesrepublik Deutschland (Beiträge zur Geschichte der Stadt Mönchengladbach; 1), Essen (Ruhr): akadpress 2018, 301 Seiten.

„Wissenschaftlern und Bürgern und sie betreiben selbst Forschungs- und Bildungsarbeit. Ins breitere Blickfeld der Öffentlichkeit treten sie oft erst dann, wenn Vorwürfe der Aktenvernichtung die Runden machen oder sich verschiedene Institutionen um politisch brisante Nachlässe streiten. Der vorliegende Band verweist beispielsweise auf die Aktenvernichtung im Bundeskanzleramt beim Regierungswechsel 1998, auf die Löschung des E-Mail-Kontos des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten, Stefan Mappus, und um das Gerangel um den Nachlass Helmut Kohls zwischen dessen Erben, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Bundesarchiv.

Die jüngere Geschichte der Demokratie in Deutschland zeigt, wie das politische System unter einen „Partizipationsdruck“ geraten ist. Dieser hat unter anderem im Informationsfreiheitsgesetz von 2005 Ausdruck gefunden; dieses regelt den Rechtsanspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden. Die Archive in Trägerschaft des Bundes und der Länder haben mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten, so Helge Kleifeld in seiner politikwissenschaftlichen Dissertation, mit der er 2018 an der Universität Marburg promoviert wurde.“ (Axel Bernd Kunze)

Die vollständige Rezension aus Heft 3/2019 der Zeitschrift „AMOS international“ ist online zugänglich.

Rezension: „Shrinking Spaces“

„Shrinking Spaces“: ein Begriff, der bisher vor allem in der Politik und Entwicklungszusammenarbeit verwendet wurde. Gemeint sind schrumpfende zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume in autokratischen Staaten. Zunehmend wird dieser Begriff aber auch für den europäischen Kontext verwendet. Zwei Beispiele: So sind seit dem „Ausländische-Agenten-Gesetz“ 2012 in Russland Nichtregierungsorganisationen, die Mittel aus dem Ausland erhalten, verpflichtet, sich registrieren zu lassen. Oder in der Türkei wurden nach dem Militärputsch von 2016 mehr als 1.400 zivilgesellschaftliche Organisationen geschlossen. In Deutschland ist der Begriff im Zusammenhang von Befürchtungen adaptiert worden, zunehmender „Rechtspopulismus“ könne auf Dauer demokratische Freiheitsräume beschneiden und gesellschaftliche Exklusionstendenzen befördern. (Axel Bernd Kunze)

Reiner Becker, Irina Bohn, Tina Dürr-Oberlik, Beate Küpper, Tino Reinfrank (Hrsg.): Shrinking Spaces, Frankfurt am Main: Wochenschau 2019, 176 Seiten (= Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit, 01/2019).

Eine Besprechung finden Sie hier:
www.socialnet.de/rezensionen/26013.php

Das vorliegende Heft zeigt, wie Bildung und Kultur zum Kampfplatz um Diskurshegemonie und Lagerbildung werden können. Eine klare Struktur des Themenheftes ist bei alldem aber nicht zwingend erkennbar. Vieles hat man schon an anderer Stelle in ähnlicher Form gelesen. Es gehe um „Mosaiksteine“ ohne den Anspruch, ein vollständiges Bild liefern zu wollen, schreiben die verantwortlichen Redaktionsmitglieder einleitend in ihrem Editorial. Dies wird man sagen können, aber auch nicht mehr. Denn die einzelnen Beiträge des Themenheftes entfernen sich mitunter recht weit vom Konzept „Shrinking Spaces“. Hinzu kommt einmal mehr eine Schwäche ähnlicher Publikationen und Debattenbeiträge: Was unter „Populismus“ bzw. „Rechtspopulismus“ auf der einen oder „Zivilgesellschaft“  bzw. „Gesellschaft“ auf der anderen Seite verstanden wird, wird nicht sauber definiert.  (Axel Bernd Kunze)