Pressereaktionen: Pandemiepolitik. Freiheit unterm Rad?

Sandra Kostner/Tanya Lieske (Hgg.): Pandemiepolitik. Freiheit unterm Rad? Eine interdisziplinäre Essaysammlung (Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft; 1), Stuttgart 2022.

Eine Auswahl an Pressestimmen aus diesem Jahr:

https://www.3sat.de/wissen/scobel/scobel-vormarsch-der-seuchen-100.html

https://www.cicero.de/innenpolitik/corona-gesellschaftliches-post-covid-sandra-kostner-pandemiepolitik

https://multipolar-magazin.de/artikel/unaufgearbeitete-corona-politik

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/kontrafunk-aktuell/kontrafunk-aktuell-vom-24-november-2022

Nachruf: Studentenhistoriker würdigen Benedikt XVI.

Der Arbeitskreis der Studentenhistoriker würdigt den verstorbenen Papst em. Benedikt XVI.:

Der emeritierte Papst Bendikt XVI. ist verstorben. Sein bürgerlicher Name war Joseph Ratzinger; er lehrte als Theologe an mehreren deutschen Universitäten und trug die Ehrenbänder der K.D.St.V. Rupertia zu Regensburg, der Alcimonia Eichstätt sowie der KAV Capitolina Rom. Aktiv war er zu Studienzeiten beim vormaligen KStV Lichtenstein-Hohenheim zu Freising, heute verbandsfrei.

Zum Weiterlesen:

Wiedergelesen: Der Theologe auf dem Papstthron

In memoriam

Papst em. Benedikt XVI. + (1927 – 2022)

Der Theologe auf dem Papstthron

Der weltweit gute Ruf deutscher Theologie dürfte ein wichtiger Grund für die Wahl Ratzingers zum neuen Papst gewesen sein. Dieser hatte vor seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising an fünf Hochschulen gelehrt: in Freising, Münster, Bonn, Tübingen und Regensburg. Der ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation gilt als scharfsinniger Denker, dessen theologische Qualitäten selbst Kritikern Respekt abverlangen. Als solcher hat Ratzinger stets die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft verteidigt.

Im Heimatland des neuen Papstes Benedikt XVI. ist der Theologie ihr guter Ruf jedoch keineswegs mehr so sicher. Ihre Fakultäten stehen unter ökonomischem Rechtfertigungs­zwang. Immer lauter wird von Bildungspolitikern, Rechnungshöfen oder Wissenschaftsfunktionären die kritische Frage gestellt, ob der Nutzen, den die Theologie für die säkularisierte Gesellschaft erbringt, den gegenwärtigen Stand an Ausstattung und Personal überhaupt noch rechtfertigt. Inzwischen halten auch die Bischöfe selbst, wie in Passau geschehen, die Schließung von Fakultäten angesichts sinkender Studierendenzahlen nicht mehr für unvermeidbar. Der Bolognaprozess, der das Erscheinungsbild und das Selbstverständnis der deutschen Hochschule einschneidend verändern wird, zwingt auch die Theologie zu einer Umstrukturierung der Studiengänge. Eine Absenkung des wissenschaftlichen Standards durch verminderte Sprachanforderungen oder die Einführung von Kurzstudiengängen ist dabei keinesfalls ausgeschlossen.

Und zu allem Übel signalisieren die unter Finanznot leidenden Bistümer, dass sie an gut ausgebildeten Theologen mittelfristig keinen Bedarf mehr haben. Immer mehr Bistümer schließen Neueinstellungen auf Jahre hinaus aus. Einer ganzen Generation engagierter junger Theologinnen und Theologen wird die Chance genommen, jemals in ihrem angestrebten Beruf arbeiten zu können – selbst bei herausragenden theologischen Qualifikationen. Ohne Zukunftsperspektive und Wohlwollen seitens der Kirche wird das Interesse am Theologiestudium dramatisch zurückgehen. Sehr viel Motivation, theologisches Potential und Engagement wird den Kirchen dadurch verloren gehen, so steht zu befürchten.

Innerkirchlich gefragt sind – so hat man den Eindruck – heute eher niedrigschwellige und eingängige Seelsorgsangebote. Auf theologisches Denken, das auch den sperrigen Fragen des Lebens nachgeht, meint man vielfach leichthin verzichten zu können. Auf Dauer läuft die Kirche Gefahr, dadurch ihre Seele zu verlieren sowie an Orientierungskraft und geistiger Ausstrahlung einzubüßen. Hinter der gegenwärtigen Krise des Glaubens in den westlichen Ländern steckt auch ein Verlust an theologischer Tiefe. Die Effizienz pastoraler Arbeit lässt sich nicht beliebig steigern, indem Gemeinden vergrößert und Aufgaben rationalisiert werden.

Ohne regelmäßige theologische Fortbildung, ohne die Zeit zu gründlicher Lektüre oder ohne Muße für Kultur und Spiritualität verflacht das theologische Denken und Handeln. Wenn kirchliche Mitarbeiter nicht mehr die Zeit finden, ein anspruchsvolles Geistesleben zu pflegen und ihren Verstand zu nähren, leidet darunter auf Dauer ihre Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Ein kurzatmiger Aktionismus, belanglose Predigten oder triviale Seelsorgsangebote statt ernsthafter Sinnsuche, überzeugender Verkündigung und geistlicher Anregung können leicht die Folge sein.

Darüber hinaus verliert eine Gesellschaft, die ihre geistigen Traditionen verachtet und auf theologische Forschung meint verzichten zu können an Humanität, Kreativität und Vitalität. Die Geisteswissenschaften sind kein überflüssiges Glasperlenspiel, sondern unverzichtbar für ein tieferes Verständnis der Gegenwart und eine nachhaltige, über einen tagesaktuellen Pragmatismus hinausreichende Bewältigung der Zukunft. Die aktuellen Hochschulreformen lassen für die künftige geistige Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft leider nichts Gutes erahnen; deren negative Auswirkungen werden sich jedoch – sollten sich die Befürchtungen bestätigen – erst langfristig zeigen.

Der neue Papst sollte deutlich machen, dass die Kirche, aber auch die Gesellschaft insgesamt auf theologische Anstrengung nicht verzichten können, ohne auf Dauer ihre Identität, ihre geistige Spannkraft und ihre Zukunftsfähigkeit zu verlieren. Ein Verschanzen hinter Konkordaten oder der bloße Verweis auf die lange Tradition deutscher Universitätstheologie, wie es einige Bischöfe gegenwärtig praktizieren, reichen nicht mehr aus. Der inner- und außerkirchliche Wert der Theologie muss vielmehr offensiv verteidigt werden.

Es wäre zu wünschen, dass der ehemalige Konzilstheologe dies zu einem Anliegen seines Pontifikats macht. Der Theologe auf dem Papstthron könnte für die Theologie auf diese Weise zu einer großen Chance werden. Gute Theologie braucht aber einen Vertrauensvorschuss: Nicht ängstliche lehramtliche Kontrolle, sondern die Selbstregulierung durch den wissenschaftlichen Diskurs macht diese stark und glaubwürdig. An dieser Stelle wäre dem früheren Glaubenshüter deshalb auch unbedingt Lernfähigkeit im neuen Amt zu wünschen.

Erstveröffentlichung:

Axel Bernd Kunze: Der Theologe auf dem Papstthron. Gedanken über Chancen für die universitäre Theologie von Axel Bernd Kunze, in: Basis-Post. Zeitschrift für die Theologiestudierenden in Deutschland (2006), Heft 1, S. 16 f.

Trauer um Papst em. Benedikt XVI.

Tod und Vergehen waltet in allem,
steht über Menschen, Pflanzen und Tieren,
Sternbild der Zeit.

Du hast ins Leben alles gerufen.
Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode:
Hole sie heim.

Schenke im Ende auch die Vollendung.
Nicht in die Leere falle die Vielfalt
irdischen Seins.

Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel. –
Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen,
weigen Gott.
Amen.

(aus dem Totenoffizium)

Am 31. Dezember 2022 ist Seine Heiligkeit Papst em. Benedikt XVI. (1927 bis 2022) verstorben. Der in Marktl am Inn in Bayern geborene und von 2005 bis 2013 regierende Papst war einer der bedeutendsten Theologen des zwanzigsten Jahrhunderts.

Der traditionell gute Ruf deutscher Theologie dürfte ein wichtiger Grund für die Wahl Ratzingers zum neuen Papst gewesen sein. Dieser hatte vor seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising an fünf Hochschulen gelehrt: in Freising, Münster, Bonn, Tübingen und Regensburg. Der vormalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation gilt als scharfsinniger Denker, dessen theologische Qualitäten selbst Kritikern Respekt abverlangen. Als solcher hat Benedikt XVI. stets die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft verteidigt. Mit ihm verliert die katholische Kirche einen der bedeutendsten Theologen des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Jesustrilogie habe ich mit großem Gewinn gelesen. Sein Wirken als Papst, seine Reisen zum Weltjugendtag und in seine bayerische Heimat, seine Enzyklika „Deus caritas est“ und vieles mehr bleiben unvergessen. In seinen theologischen Schriften wird er weiterhin wirken. Dankbar für sein Wirken schließe ich Papst em. Benedikt XVI. in mein Gebet ein. Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Amen.

R. I. P.

„Der silberne und der goldene Schlüssel: Glaube und Liebe, das sind die Schlüssel zum lebendigen Gott. Bitten wir den Herrn an diesem Tag, dass er uns schenkt, diese Schlüssel nicht zu verlieren und dass er uns hilft, sie anderen in die Hand zu drücken, damit wir alle bei unserem Vater im Himmel einmal die Türen offen finden.“ (Papst Benedikt XVI. im Juni 2000 in einer Predigt im Petersdom)

Segenswünsche zum neuen Jahr

Beschneidung Jesu (gefeiert am 1. Januar), Brabanter Flügelretabel, um 1480.

Liebe Leser und Leserinnen,

Freiheit im Denken, Reden und Handeln bildet das entscheidende Zentrum eines intellektuell vitalen, geistig lebendigen, lei­stungsfähigen Kulturstaates.

Zur Freiheit zu befähigen, bleibt die vornehmste Aufgabe aller Bildungsprozesse. Dabei sollte das pädagogische Tun Anwalt einer Humanität sein, die sich im Prozess notwendiger Differenzierung und entlastender Arbeitsteilung gegen mögliche funktionale Einseitigkeiten und Reduktionen zur Wehr setzt. Dies kann beispielsweise dort notwendig sein, wo Sinn- und Wertfragen einseitig gemeinschaftsbezogen diskutiert werden, sodass dem Einzelnen die Freiheit zur subjektiven Selbstbeschreibung genommen wird. Oder dort, wo Prozesse der Kontrolle, Regulierung oder Angleichung es dem Einzelnen unmöglich machen, die ihm offenstehenden Bildungschancen in Freiheit zu nutzen.

Ohne Bildung kann es auch keine ethische Urteilsfähigkeit geben. Und diese zu erhalten, bleibt eine beständige Aufgabe. Allzu leicht kann sich erweisen, dass die moralische Schicht unseres Zusammenlebens nicht mehr als ein dünner Firnis ist. Gesellschaften können moralisch in die Tiefe fallen.

Kann es sein, dass wir solches mit der Coronapolitik des zu Ende gehenden Jahres erlebt haben? Es wurden Grundrechtseingriffe und soziale Ausgrenzunsstrategien praktiziert, die viele vor Corona für unvorstellbar gehalten hätten. Mit der aggressiven Impfnötigungspolitik standen nicht partikulare Alternativen des Guten zur Diskussion, die im Rahmen des Richtigen hätten nebeneinander stehen können. Es ging um mehr. Zur Bilanz dieses Jahres gehört: Der Weg nationaler Aussöhnung, der notwendig sein wird, die politisch verursachte Spaltung und Polarisierung des Landes aufzuarbeiten, wird lange dauern.

Hier ist nicht der Ort, über die impf- und infektionsschutzpolitischen Weichenstellungen in Deutschland oder eine angemessene Krisenvorsorge- und Katastrophenpolitik, nicht zuletzt angesichts biopolitischer Gefährdungslagen, zu diskutieren. Kulturstaatlich und gesellschaftlich fällt allerdings auf, wie wenig die gravierenden Wertkonflikte, die mit diesen Fragen verbunden sind, überhaupt noch als solche erkannt wurden.

Vor Jahren haben alle gerufen, Bildung sei das Wichtigste – und alles musste sich dem Thema Bildungsgerechtigkeit unterordnen. Und jetzt ist auf einmal Gesundheit das Allerwichtigste – und alles muss dem Gesundheitsschutz untergeordnet werden. Und morgen …!? In einer politischen Debatte, die für einzelne Themen immer gleich einen absoluten Vorrang postuliert, bleibt kein Spielraum für differenzierte Abwägungsprozesse. Wo zunehmend moralisierend diskutiert wird (Haltungswissenschaft, Haltungsjournalismus, Haltung zeigen gegen …), da muss man keine ethischen Vorzugsregeln anwenden: Da gibt es nur noch Schwarz und Weiß, absolut Gut und absolut Böse. Die Folgen sind deutlich spürbar: Die Fähigkeit zur differenzierten ethischen Güter- und Übelabwägung kommt abhanden.

Dies hat auch pädagogisch Folgen. Die vielbeschworene Erziehung zu Menschenrechten, Demokratie und Zivilgesellschaft erweist sich in der Krise vielfach als aufgesetzt. Man diskutiert über die Themen, stellt aber in Lehr- oder Bildungsveranstaltungen keinen Zusammenhang zu den aktuellen Fragen und Konflikten her. Es wird pflichtschuldigst nachgebetet, was Dozent und Disziplin vermeintlich hören wollen, aber es berührt nicht. Es bleibt äußerlich.

Wo liegen die Ursachen der gegenwärtigen Krise und des zu beobachtenden politischen Vertrauensverlustes? Der Gründe sind sicherlich viele. Doch wenn wir später einmal die Frage stellen sollten, wie es so weit kommen konnte, werden wir tiefergehender fragen müssen. Eine Ursache könnte darin liegen, dass das Lei­stungsprinzip in unserer Gesellschaft schon lange einen schweren Stand hat. Mittlerweile kann man mit einem aberkannten Doktortitel selbst ohne Schamfrist gleich wieder eine Landesregierung führen.

Wo das Leistungsprinzip verkommt und Bildung nur noch auf ihre äußere soziale Seite und damit auf eine soziologisch beschreibbare Anpassungsleistung reduziert wird, regieren am Ende Dummheit und Rohheit.

Und noch etwas kommt hinzu: Wo in postmodernen Zeiten Geltungsansprüche nicht mehr zugelassen werden, ersetzt Aktion die Reflexion. Die rationale Abwägung wird durch Aktivismus ersetzt. Ein solcher schlägt schnell in Gewalt um, da gehandelt, aber das Handeln nicht mehr als begründet ausgewiesen wird. Und am Ende geht die Achtung vor dem freien Subjekt verloren. Dies zeigt, was mit einem stabilen, leistungsfähigen Kulturstaat auf dem Spiel steht.

Die streitbare bildungsethische Debatte muss weitergehen, eingebettet in einen weiten politischen und gesellschaftlichen Kontext. Ich hoffe auch im neuen Jahr hierfür auf Ihr Interesse.

Herzlichen Dank für alle Verbundenheit und allen Austausch in diesem Jahr. Ich wünsche Ihnen einen guten Beschluss dieses Jahres sowie alles Gute, Zuversicht und Gottes Segen für 2023.

In pädagogischer Verbundenheit, Ihr Axel Bernd Kunze

Zwischenruf: Preispolitik des Deutschen Hochschulverbandes verwechselt Wissenschaft und Politik

Der Deutsche Hochschulverband, die wichtigste berufsständische Vertretung im Universitätsbereich, zeichnet jährlich einen Kollegen oder eine Kollegin als „Hochschullehrer des Jahres“ aus. Die Auszeichnung ist mit zehntausend Euro dotiert. In den Vorjahren waren die Preisträger 2021 der Virologe Christian Drosten, 2022 Özlam Türeci und Ugur Sahin. Drosten bestimmte maßgeblich die coronapolitische Linie der Bundesregierung und bestimmte durch eigene Podcasts dann auch noch gleich selbst wesentlich deren wissenschaftsjournalistische Kommentierung. Türeci und Sahin waren über ihre Firma BioNTech maßgeblich an der Entwicklung der neuen umstrittenen Coronaimpfstoffe auf Basis der mRNA-Technologie beteiligt. Dass sowohl Drostens wissenschaftliche Haltung als auch die intransparente Rolle von BioNTech in der Coronakrise bis heute umstritten ist, ficht den Deutschen Hochschulverband, der mit seiner Preispolitik einseitig Position für die aggressive deutsche Impfnötigungspolitik bezogen hat, in keiner Weise an.

Nun steht fest, wer die Auszeichnung im kommenden Jahr erhalten wird: Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrums für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen und Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Die wissenschaftliche Leistung der Preisträgerin soll nicht in Abrede gestellt werden, keineswegs. Doch auch dieses Mal ist die Preisverleihung offenbar in erster Linie politisch motiviert.

Denn der Präsident des Verbandes, Bernhard Kempen, verweist in der Bekanntgabe zur Preisentscheidung ausdrücklich darauf, dass die Geehrte als „Anwältin der Meere und herausragende Wissenschaftskommunikatorin“ ausgezeichnet werde. Aha! Wer meinte, die Hauptaufgabe von Hochschullehrern seien Forschung und Lehre, muss sich wohl irren. Nach Ansicht des Hochschulverbandes sind offenbar politisches Agendasetting und Wissenschaftskommunikation wichtiger. Der Auszeichnung erweist der Verband damit einen Bärendienst.

Wem pädagogische und wissenschaftsethische Standards am Herzen liegen, sollte den Preis künftig eher meiden. Einmal mehr verwechselt der Deutsche Hochschulverband bei seiner Preispolitik Wissenschaft mit Politik. Seriöse Politikberatung ist etwas anderes als ein wissenschaftliches Expertentum, das als Sprachrohr der Politik ausgegeben wird. Ein Wissenschaftsfunktionär wie Kempen tut der Kollegin keinen Gefallen, diese in eine politische Rolle zu drängen. Und Expertise ist noch keine Entscheidung.

Die Wissenschaft kann nicht politische Abwägungen vorwegnehmen und der Politik die Aufgabe aus der Hand nehmen, verbindliche Entscheidungen zu formulieren und parlamentarisch zu legitimieren. Umgekehrt kann die Politik ihr abverlangte Wertentscheidungen nicht unmittelbar aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ableiten und sich dadurch zu entlasten suchen, dass sie allein Expertenmeinungen umsetze. Wo die Unterscheidung zwischen Beratung und Legitimation verkannt wird, tun sich weder Politik noch Wissenschaft auf Dauer einen Gefallen. Politik bedarf der wissenschaftlichen Beratung von außen, aber aus ihr lassen sich nicht gleichsam wie mit einer mathematischen Formel politische Entscheidungen ableiten. Wo das versucht wird, verkehren sich wissenschaftliche Argumente zu politischen Sachzwängen, die sich am Ende politischer Verantwortung entziehen. Umgekehrt erstirbt auf Dauer der wissenschaftliche Diskurs, wenn durch eine Verwechslung der Handlungsebenen Argumente, denen die Politik nicht folgt, auch zugleich als unqualifiziert oder unmoralisch aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgeschieden werden.

Hochschullehrer, die sich wissenschaftlich und pädagogisch verdient gemacht haben, sollen durchaus geehrt werden. Aber dann auch als Hochschullehrer, und nicht als politische Anwälte, Aktivisten oder Wissenschaftsjournalisten. Eine solche Preispolitik verträgt sich nicht mit den ethischen Maximen eines fairen, unparteiischen und ergebnisoffenen wissenschaftlichen Diskurses.

Christliches Forum weist auf Einspruch von Theologen gegen den Zwang zum sprachlichen Gendern hin

Das Christliche Forum weist auf den Einspruch hin, mit dem eine Gruppe von Theologen aus der Fachgruppe Theologie im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit sich gegen Versuche wehrt, im Theologiestudium Gendersprache verbindlich vorzuschreiben: