Buchhinweis: Dafür bin ich nicht auf die Straße gegangen

Robert Wagner: Dafür bin ich nicht auf die Straße gegangen, Hamburg: Book on Demand 2025.

Ein Dialog, den man immer häufiger in Ostdeutschland hört, geht so: „Es ist mittlerweile fast wieder genauso wie früher, oder?“ Antwort: „Nein, es ist schlimmer!“ Warum das gerade in Ostdeutschland manch einer trotz Reisefreiheit und Bananen so empfindet, verrät dieses Buch. In einer seltenen Mischung aus Autobiografie und sachlicher Analyse, basierend auf wissenschaftlichen und journalistischen Quellen, schildert der Autor seine Lebensstationen – von der Wende über berufliche Lektionen im Westen bis hin zu aktuellen Debatten um Demokratie, Rechtsstaat, Fremdenfeindlichkeit, Meinungsfreiheit, Familie, Geschlecht, Lebensrecht, Gendern und die Rolle der Medien. Das Buch ist ein sehr persönliches und ausführlich begründetes Plädoyer für Freiheit und konservative Werte anstelle der bereits begonnenen Entwicklung hin zu einer „DDR 2.0“. Ein Aufruf zum Nachdenken über Vergangenheit und Zukunft, der polarisiert, aber zum Diskurs einlädt – fernab vom Mainstream. (Verlagsankündigung)

Der Autor ist Professor für Internationale Betriebswirtschaft

Neuerscheinung: Gedenken an Hans Wölfel

Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. hat ein neues Arbeitspapier zum Gedenken an den Bamberger Rechtsanwalt und christlichen Widerstandskämpfer Hans Wölfel veröffentlicht:

M. Bocksch, A. B. Kunze (Red.): Gedenken an Hans Wölfel (1902 – 1944) am 03. Juli 2025 in Bamberg (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; Ausgabe 3/2025), hg. v. d. Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V, o. O. (Bamberg) 2025.

Neuerscheinung: Kulturauftrag des Staates

Prof. Dr. Muxayo Isakova Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften Usbekistans und am Nationalarchiv Usbekistans, wirft in einem Band des Mönchengladbacher Vereins für interdisziplinäre Geisteswissenschaft e. V. einen Blick auf die historische Entwicklung, den aktuellen Stand und die künftigen Herausforderungen des usbekischen Archivsystems. Der Bildungsethiker und Erziehungswissenschaftler Axel Bernd Kunze nimmt einleitend den Kulturauftrag des Staates in den Blick. Vorangestellt ist dem Band ein Vorwort von Stadtarchivdirektor i. R. Dr. Wolfgang Löhr.

Axel Bernd Kunze: Kulturauftrag des Staates, in: Muxayo Isakova: Das Archivsystem Usbekistans, Mönchengladbach: Mönchengladbacher Verein für interdisziplinäre Geisteswissenschaft e. V. 2026, 23 Seiten.

Zwischenruf: Neue Weichenstellung unter Deutschlands Bischöfen?

Die deutschen Bischöfe haben einen neuen Vorsitzenden gewählt und damit die Weichen für die kommende Zeit gestellt (Die Tagespost, 26.02.2026, S. 10). Sozialethisch ist Heiner Wilmer, wenngleich in der Bischofskonferenz für gesellschaftliche und soziale Fragen zuständig, bisher nicht als profilierter Denker aufgefallen, eher als ein Theologe, der brav auf der Linie des Zeitgeistes bleibt, nicht anecken möchte und dabei doch sein Bistum erkennbar auf Linkskurs gebracht hat, etwa durch Verpflichtung auf Gendersprache. 2023 hatte er in der Chrisammesse die Klimaaktivistin Greta Thunberg als eine „junge Prophetin“ gewürdigt und ihren friedlichen Protest gelobt. Beispiele in Aufsätzen und Hirtenbriefen Wilmers wirken konventionell und gestanzt, wenig originell und dann auch nicht recht überzeugend oder empathisch. All dies lässt erwarten, dass er die Linie seines Vorgängers im Großen und Ganzen fortsetzen wird, vielleicht – wie es dem Naturell eines Ordensmannes entspricht – etwas weniger politisch und pastoral jovialer. Aufgefallen ist Bischof Wilmer durch pastorale Initiativen wie den gemeinsamen Donnerstag, den er für sein Bistum vorschlug, doch auch dies ohne rechte Motivation zu einer überzeugenden Neuevangelisierung, die aus dem Reichtum der katholischen Tradition schöpfen will. Es gibt durchaus ein neu erwachendes Interesse am katholischen Glauben. Doch wer komt, muss in der Kirche auch finden, was er sucht. Hierfür braucht es theologische Tiefenschärfe und geistliche Ausstrahlungskraft statt oberflächlicher gesellschaftlicher Anpassung. Ein Ordensmann an der Spitze der deutschen Bischöfe könnte hier vorangehen und der Kirche wieder geistliche Strahlkraft geben – aber er muss dies zuallererst auch wirklich wollen.

Zwischenruf: 50 Jahre Index Theologicus

Der Index Theologicus der Universitätsbibliothek Tübingen, der fünfzig Jahre alt geworden ist, bleibt eine wichtige Datenbank zur Recherche theologischer Fachliteratur. Doch das Instrument ist durch Politisierung schwer beschädigt worden. Wenn die Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins dieses im Festakt als einen „Leuchtturm international vernetzter, solidarischer Wissenschaft“ (Katholisches Sonntagsblatt 8/2026, S. 7) würdigte, bleiben deutliche Fragen. Unter ihrem Vorsitz hat die sozialethische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum zum Boykott der „Neuen Ordnung“ durch Bibliotheken aufgerufen. Die Auswertung im Index Theologicus wurde darauf hin beendet, obwohl über sechzig Wissenschaftler in einem Offenen Brief die renommierte Fachzeitschrift als unverzichtbar für die sozialethische Disziplin verteidigt hatten. Solidarität unter Wissenschaftlern sollte anders aussehen. Der Vorgang beschäftigte auch den Petitionsausschuss im Landtag, wurde vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit als Fall deutcher „Cancel Culture“ eingestuft und im internationalen Wissenschaftsportal Academia als Form von akademischer Zensur verurteilt. Bibliotheken müssen die Bandbreite einer Disziplin unvoreingenommen abbilden und dürfen missliebige Meinungen nicht unsichtbar machen. Dies widerspicht auch zentralen bibliotheksethischen Kodizes.

Zum Weiterlesen:

Axel Bernd Kunze: Erklärung oder Boykottaufruf? Zur Rolle von Fachgesellschaften am Beispiel des Streits um die Neue Ordnung, in: Klaus Buchenau/Matthias Fechner (Hgg.): Die Verlorene Wissenschaft. Versuch einer Katharsis nach Corona (Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft; 2), Stuttgart: ibidem 2024, S. 289 – 307.

Buchhinweis: Jüdisches Bamberg

Im vergangenen Jahr ist der Bamberger Verleger Erich Weiß verstorben. In seinem, nach ihm benannten Verlag ist ein Bändchen mit Stadtrundgängen durch das „Jüdische Bamberg“ erschienen. Exemplare des Bandes sind weiterhin über die liberale jüdische Gemeinde in Bamberg erhältlich: gemeinde[at]mischkan-ha-tfila.de

Ortwin Beisbart, Rudolf Daniel und A. Yael Deusel: Jüdisches Bamberg. Ein Gang durch die Stadt, 2., überarbeitete Auflage, Bamberg: Erich Weiß 2020.

Rezension: Zwischen Revolution und Rekonstitution

2024 hat der bekannte Studentenhistoriker Bernhard Grün, Autor der „Fuxenstunde“, den ersten Band seines „Opus magnum“ zur Geschichte der NS-Kameradschaften unter Ägide der Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte vorgelegt. Die ersten beiden Teilbände sind jetzt im Jahrbuch „Preußenland“ besprochen worden:

Axel Bernd Kunze (Rez.): „Bernhard Grün: Zwischen Revolution und Rekonstitution. Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höhren Fachschulen 1937 bis 1945 (Schriften des Instituts für Deutsche Studentengeschichte; 4), Teilband 4/I: Bereich Berlin, Teilband 4/II: Bereich Ostland, Marl: Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte 2024, in: Preußenland Jahrbuch 16 (2025), S. 421 – 423.

Neuerscheinung: Zweites Alemannenjahrbuch erschienen

Der zweite Band des Jahrbuches der Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg für dsa Studienjahr 2024/2025 ist erschienen. Dieses wird herausgegeben vom Verband Alter Herren der Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg e. V. und dokumentiert das Verbindungsleben eines Studienjahres. Der neue Band enthält …

… Beiträge zum Stiftungsfest 2024: Die Thüringer Residenzenlandschaft in der Debatte um Weltkultur – Ein Kulturerbe des edlen Wettbewerbs in der Mitte Europa (Stiftungsfestrede von Prof. Dr. Helmut-Eberhard Paulus); Pressemitteilung und Grußwort des Verbands Alter Herren zur Segnung und Einweihung des sanierten Alemannenhauses (von PD Dr. Axel Bernd Kunze); Rückblick auf das 163. Stiftungsfest der B! Alemannia Leipzig (von Prof. Dr. Gunnar Auth).

… Vorträge der Wissenschaftlichen Abende: Der Begriff „Unterrichtsinhalt“ – Eine musikpädagogische Terminologie auf dem Prüfstand (von Dr. Marcus Werber); Krone oder Katastrophe der Schöpfung? Warum Gott am Menschen festhält (von Domvikar Gerd Richard Neumeier).

… Beiträge aus der Alemannengeschichte: Brief der Alemannia an den Wingolf Halle – Ein Archivfund aus dem Jahr 1862 (von Prof. Dr. Gunnar Auth).

… Nachrufe: auf Kurt-Helge Paulus und Dr. Klaus Natzschka.

… Berichte aus dem Alemannenleben: Festrede und Bericht über das dreißigjährige Jubiläum des Cartells Christlicher Burschenschften (von PD Dr. Axel Bernd Kunze); Neujahrsansprache des Altherrenvorsitzenden (von Diplomwirtschaftsinformatiker Alexander Meier); Semesterericht der Aktivitas; Alemannenwanderwochenende (von Martin Albrecht); Rückblick auf den Neujahrsempfang (von Dr. Konstantin Hopf); Aktivenvorstellungen.

Kommentar: Neuer Bischofskonferenzvorsitzender „theologisch progressiv, aber unpolitischer“

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, sei „theologisch progressiv, aber unpolitischer“ als sein Vorgänger, Georg Bätzing, aus Limburg. So kommentiert das „Christliche Forum“ die Wahl auf der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe.

Sozialethisch ist Heiner Wilmer bisher nicht als profilierter Denker aufgefallen, eher als ein Theologe, der brav auf der Linie des Zeitgeistes bleibt und sein Bistum auf Linkskurs gebracht hat, etwa durch Verpflichtung auf Gendersprache (ein Vorgang, der damals den im Bistum Hildesheim wohnenden Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache zum Kirchenaustritt bewog). Beispiele in Aufsätzen und Hirtenbriefen Wilmers wirken konventionell und gestanzt, nicht aber originell und empathisch. All dies lässt erwarten, dass Wilmer die Linie seines Vorgängers im Amt des Bischofskonferenzvorsitzenden, der Führung und Verwaltung der deutschen Kirche beharrlich auf Synodalkurs gebracht hat, im Großen und Ganzen fortsetzen wird, vielleicht weniger politisch und pastoral jovialer. Aufgefallen ist Bischof Wilmer durch einige pastorale Initiativen wie den gemeinsamen Donnerstag, den er für sein Bistum vorschlug, doch ohne rechte Motivation zu einer überzeugenden Neuevangelisierung aus dem Reichtum des katholischen Glaubens heraus. Theologische Tiefenschärfe statt oberflächlicher gesellschaftlicher Anpassung wird leider wohl nicht zu erwarten sein. Doch gerade diese wäre heute notwendig, wenn die deutsche Kirche wieder geistliche Strahlkraft gewinnen wollte.