Rezension zu: Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff

Axel Bernd Kunze geht von einer ›didaktischen‹ Sachanalyse
des Bildungsbegriffs aus, ebenfalls – wie Küls – vor dem Hintergrund der Erzieherausbildung.
Sein Zugang zum Thema ist von der Bildungsethik geprägt:
»Jedermann hat das Recht auf Bildung.« (S. 291) Moralische und rechtliche
Aspekte stehen im Zentrum seiner Ausführungen. Für den Unterricht in der
Fachschule für Sozialpädagogik sieht er konsequent den Zusammenhang
zwischen der Auseinandersetzung der Schüler mit bildungsethischen Fragen
in der Elementarbildung einerseits und der Entsprechung im Unterricht der
Fachschule andererseits.

Hermann Vortmann in einer Rezension zu: „Püttmann, Carsten (Hg.) (2019): Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff (Didactica Nova; Bd. 29), Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 319 Seiten“ in der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik 96 (2020), S. 165 – 178, hier: 176.

Jubiläumsausgabe der Fachzeitschrift „Pädagogikunterricht“

„Fragen, Argumentieren, Urteilen – Bildungsprozesse ermöglichen“ – So der Titel der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift „Pädagogikunterricht“. Gewidmet ist das Heft dem Vorsitzenden des Verbandes der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen, Dr. Carsten Püttmann, zu seinem fünfzigsten Geburtstag. Die Beiträge des Thementeils stammen von Thomas Rucker, Thomas Mikhail, Volker Ladenthin, Elmar Wortmann und Oliver Maria Uerlings.

Der Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen wird in diesem Jahr vierzig Jahre alt. Der Münsteraner Fachdidaktiker Jörn Schützenmeister untersucht im offenen Teil des Heftes, wie sich der Verband in den vergangenen vier Jahrzehnten entwickelt hat und wie sich die Rolle des Pädagogikunterrichts in diesem Zeitraum verändert hat.

Dem Wissenschaftlichen Beirat des Verbandes gehören an: Prof. Dr. U. Bauer (Univ. Bielefeld), Prof. Dr. Klaus Beyer (Univ. Köln), Prof. Dr. A. Bernhard (Univ. Duisburg-Essen), Jun.-Prof. Dr. K. G. Gather (Univ. Paderborn) und PD Dr. A. B. Kunze (Univ. Bonn).

Vorankündigung: Neue bildungsethische Kolumne am 18. Juni 2020 in der „Tagespost“

Die regelmäßige sozialethische Kolumne auf der Wirtschftsseite der Wochenzeitung „Die Tagespost“ am 18. Juni 2020 wird sich in dieser Woche aus gegebenem Anlass einem bildungsethischen und pädagogischen Thema widmen, man könnte auch sagen: Lernen in und aus der Krise. Der Bonner Sozialethiker und Erziehungswissenschaftler schreibt unter der Überschrift „Technik kann nicht Personen ersetzen“ über die Folgen des pandemiebedingt erzwungenen Lernens von zuhause aus. Die Kolumne erscheint zugleich auf den Seiten der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle.

Offener Brief: Zur Verteidigung der Präsenzlehre

In den letzten Jahren haben sich an den Hochschulen Elemente einer digitalen Lehre immer mehr durchgesetzt: zunächst als Unterstützung der Präsenzlehre, dann als deren Ergänzung oder gar als eine mögliche Alternative, und nun, mit Corona, als glückliche Rettung. Und in der Tat: Ohne digitale und virtuelle Formate hätte sich das Sommersemester 2020 nicht durchführen lassen. Und auch grundsätzlich leisten digitale Elemente mittlerweile einen wertvollen Beitrag zur Hochschullehre. Im Gefühl des plötzlich möglichen digitalen Sprungs nach vorn drohen indes drei Aspekte verloren zu gehen, die unserer Überzeugung nach von grundlegender Bedeutung für das Prinzip und die Praxis der Universität sind:

1. Die Universität ist ein Ort der Begegnung. Wissen, Erkenntnis, Kritik, Innovation: All dies entsteht nur dank eines gemeinsam belebten sozialen Raumes. Für diesen gesellschaftlichen Raum können virtuelle Formate keinen vollgültigen Ersatz bieten. Sie können womöglich bestimmte Inhalte vermitteln, aber gerade nicht den Prozess ihrer diskursiven, kritischen und selbständigen Aneignung in der Kommunikation der Studierenden.

2. Studieren ist eine Lebensphase des Kollektiven. Während des Studiums erarbeiten sich die Studierenden Netzwerke, Freundschaften, Kollegialitäten, die für ihre spätere Kreativität, ihre gesellschaftliche Produktivität und Innovationskraft, für ihren beruflichen Erfolg und ihre individuelle Zufriedenheit von substantieller Bedeutung sind. Dieses Leben in einer universitären Gemeinschaft kann in virtuellen Formaten nicht nachgestellt werden.

3. Die universitäre Lehre beruht auf einem kritischen, kooperativen und vertrauensvollen Austausch zwischen mündigen Menschen. Dafür, so sind sich Soziologie, Erziehungs-, Kognitions- und Geisteswissenschaften völlig einig, ist das Gespräch zwischen Anwesenden noch immer die beste Grundlage. Auch dies lässt sich nicht verlustfrei in virtuelle Formate übertragen.

Mit Blick auf diese drei Aspekte wollen wir den Wert der Präsenzlehre wieder in Erinnerung rufen. Wir fordern eine – vorsichtige, schrittweise und selbstverantwortliche – Rückkehr zu Präsenzformaten. Was die Schulen zu leisten in der Lage sind, sollte auch Universitäten möglich sein: die Integration von Elementen der Präsenzlehre, etwa in kleineren Gruppen in größeren zeitlichen Abständen, je nach Bedarf, je nach lokalen Gegebenheiten. Einzelne Universitäten, einzelne Fakultäten könnten hier individuelle, verantwortliche Modelle entwickeln.

Wir weisen auf die Gefahr hin, dass durch die aktuelle Situation die herkömmlichen Präsenzformate an Wertschätzung und Unterstützung durch die Hochschulleitungen, die Bildungsministerien und die Politik verlieren könnten, eine Unterstützung, die sie in der Zeit nach Corona dringend brauchen werden. So sinnvoll und wichtig Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus sind: Corona sollte nicht zu einer nachgereichten Begründung für Entwicklungen in der Lehre werden, die vor Corona offen und kritisch diskutiert wurden. Diese kritischen Debatten dürfen nicht durch scheinbare Evidenzeffekte, wie sie die Pandemie bisweilen produziert, abgekürzt werden.

Die Präsenzlehre als Grundlage eines universitären Lebens in all seinen Aspekten gilt es zu verteidigen.

(aus: https://www.praesenzlehre.com/)

Sie können den Offenen Brief heute noch bis 18 Uhr unter https://www.praesenzlehre.com/ als Erstunterzeichner mittragen.

Neuerscheinung: Sozialethische Gedanken zur Coronakrise – oder: Ist der Beutelsbacher Konsens noch aktuell?

Kontroversen müssen auf dem Boden der Verfassung ausgetragen werden. In politischen Bildungsprozessen wird es darauf ankommen, diese ohne parteipolitische Wertung darzustellen und einsichtig zu machen, und zwar vor dem Hintergrund des Selbstverständnisses der jeweiligen Debattenlager. Dabei geht es nicht um Beliebigkeit oder Wertneutralität, sondern um Unvoreingenommenheit – als Grundlage jeder fairen demokratischen Streitkultur. Gleiches sollte für die sozialethische Debatte gelten. Wo hingegen suggeriert wird, das politische Werturteil stehe bereits fest und müsste sozialethisch nur noch exekutiert werden, bleibt für eine Prüfung unterschiedlicher Positionen kein Raum.

Allerdings geschieht Überwältigung durch eine explizit parteipolitische Vereinnahmung heute vielleicht seltener, als dies möglicherweise zur Entstehungszeit des Beutelsbacher Konsenses der Fall gewesen sein mag. Sehr viel schwerer zu dechiffrieren sind Überwältigungen, die aus einer fast flächendeckenden Milieugebundenheit einer Berufsgruppe oder einer bestimmten Disziplin erwachsen. Man mag auch die Staatsvergessenheit heutiger Theologie durchaus dazu rechnen. Sehr häufig wird unter dem Anschein der Neutralität für ein vermeintlich alternativlos „Gutes“ geworben, das in der Debatte nicht mehr befragt werden darf.

Wo aber Gegenpositionen gar nicht mehr zur Sprache kommen, weil sie von vornherein als diskussionsunwürdig etikettiert und aus dem gemeinsamen Gespräch ausgeschlossen werden, verkehren sich die gern beschworenen Gebote der Toleranz, Vielfalt oder Neutralität in Machtinstrumente – mit der Folge, dass die öffentliche, kirchliche oder sozialethische Debatte auf Dauer veröden. Denn am Ende erstirbt das notwendige, mitunter harte Ringen um das bessere Argument.

LESEPROBE AUS:

Axel Bernd Kunze: Sozialethische Umkehr. Zur politisch-gesellschaftlichen Diakonie in Krisenzeiten, in: Die Neue Ordnung 74 (2020), H. 3 v. Juni 2020, S. 164 – 173, online unter: http://web.tuomi-media.de/dno2/Dateien/NO320-2.pdf

engagement 1/2020: Pädagogische Theorien der Schule – warum und wozu?

Die aktuelle Ausgabe 1/2020 (38. Jg.) der Zeitschrift „engagement“ beschäftigt sich mit der Frage: Pädagogische Theorien der Schule – warum und wozu? Die Beiträge machen deutlich, dass Schule nicht allein in der Kompetenzvermittlung aufgeht. Wenn Schule den Heranwachsenden zugleich Handlungsorientierung ermöglichen will, muss sie ihren Bildungsauftrag ernstnehmen. Erst dann kann aus Kompetenzerwerb auch moralisches Handeln entstehen. Die „ganze Bildungsaufgabe“ der Schule geht nicht in testbaren Kompetenzen auf, sondern verhilft den Educandi, moralische Urteilsfähigkeit – die Fähigkeit zum Werten – zu erwerben.

Im Rezensionsteil werden folgende Titel besprochen:

  • Daniel Burghardt, Jörg Zirfas: Der pädagogische Takt. Eine erziehungswissenschaftliche Problemformel, Weinheim/Basel 2019 (Rez.: Johannes Gutbrod).
  • Aaron Löwenbein, Frank Sauerland, Siegfried Uhl (Hgg.): Berufsorientierung in der Krise? Der Übergang von der Schule in den Beruf, Münster (Westf.) 2017 (Rez.: Katharina Dübgen).
  • Hans-Rudolf Schärer, Michael Zutavern (Hgg.): Das Ethos von Lehrerinnen und Lehrern. Perspektiven und Anwendungen, Münster (Westf.) 2018 (Rez.: Thomas Kesselring).
  • Eva Steinherr: Werte im Unterricht. Empathie, Gerechtigkeit und Toleranz leben, Stuttgart 2017 (Rez.: Thomas Kesselring).
  • Marcus Damm: „Gar nichts muss ich!“ Mit narzisstischen Schülern kompetent umgehen, München 2019 (Rez.: Katharina Dübgen).
  • Volker Ladenthin: Didaktik und Methodik des Pädagogikunterrichts. Eine Grundlegung, Münster (Westf.) 2018; Ders.: Pädagogik unterrichten, Baltmannsweiler 2019 (Rez.: Axel Bernd Kunze).

Rezension: Inklusive Pädagogik

„Man kann den Eindruck gewinnen, es ist ein wenig stiller um die Frage nach Inklusion geworden. Die erste Euphorie scheint geschwunden, ein stärkerer Realismus hat eingesetzt. Einen ähnlichen Anspruch erhebt auch die vorliegende Einführung zu einer inklusiven Pädagogik, wie Ulrich Heimlich in seinem Vorwort schreibt: „Vielmehr war es mir stets ein Anliegen, die begleiteten Einrichtungen zu besuchen und die alltäglichen Nöte und Sorgen der praktisch pädagogisch Tätigen vor Ort kennenzulernen. Dies hilft meiner Erfahrung nach, einen realistischen Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen der Integration bzw. Inklusion zu werfen“ (S. 5). Ein weiteres Anliegen des Verfassers ist es, die sonderpädagogische Fachkompetenz als notwendige Bedingung für pädagogische Qualität in der Inklusionsdebatte zu Gehör zu bringen.“

aus einer Rezension zu: Ulrich Heimlich: Inklusive Pädagogik. Eine Einführung, Stuttgart: W. Kohlhammer 2019, 326 Seiten (Rezensent: Axel Bernd Kunze) im Rezensionsportal Socialnet.de:

https://www.socialnet.de/rezensionen/26356.php

Recht auf Bildung in der Erzieherausbildung

Wie lässt sich das Recht auf Bildung als Querschnittsthema in der Erzieherausbildung einführen? Welche Rolle spielen Menschenrechtsfragen in der Ausbildung Pädagogischer Fachkräfte?

Axel Bernd Kunze: Jedermann hat das Recht auf Bildung (Art. 26 Abs. 1 AEMR 1948). Das Recht auf Bildung als Querschnittsthema innerhalb der Erzieherausbildung:

abrufbar über das Wissenschaftsportal Academia

Rezension: „Shrinking Spaces“

„Shrinking Spaces“: ein Begriff, der bisher vor allem in der Politik und Entwicklungszusammenarbeit verwendet wurde. Gemeint sind schrumpfende zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume in autokratischen Staaten. Zunehmend wird dieser Begriff aber auch für den europäischen Kontext verwendet. Zwei Beispiele: So sind seit dem „Ausländische-Agenten-Gesetz“ 2012 in Russland Nichtregierungsorganisationen, die Mittel aus dem Ausland erhalten, verpflichtet, sich registrieren zu lassen. Oder in der Türkei wurden nach dem Militärputsch von 2016 mehr als 1.400 zivilgesellschaftliche Organisationen geschlossen. In Deutschland ist der Begriff im Zusammenhang von Befürchtungen adaptiert worden, zunehmender „Rechtspopulismus“ könne auf Dauer demokratische Freiheitsräume beschneiden und gesellschaftliche Exklusionstendenzen befördern. (Axel Bernd Kunze)

Reiner Becker, Irina Bohn, Tina Dürr-Oberlik, Beate Küpper, Tino Reinfrank (Hrsg.): Shrinking Spaces, Frankfurt am Main: Wochenschau 2019, 176 Seiten (= Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit, 01/2019).

Eine Besprechung finden Sie hier:
www.socialnet.de/rezensionen/26013.php

Das vorliegende Heft zeigt, wie Bildung und Kultur zum Kampfplatz um Diskurshegemonie und Lagerbildung werden können. Eine klare Struktur des Themenheftes ist bei alldem aber nicht zwingend erkennbar. Vieles hat man schon an anderer Stelle in ähnlicher Form gelesen. Es gehe um „Mosaiksteine“ ohne den Anspruch, ein vollständiges Bild liefern zu wollen, schreiben die verantwortlichen Redaktionsmitglieder einleitend in ihrem Editorial. Dies wird man sagen können, aber auch nicht mehr. Denn die einzelnen Beiträge des Themenheftes entfernen sich mitunter recht weit vom Konzept „Shrinking Spaces“. Hinzu kommt einmal mehr eine Schwäche ähnlicher Publikationen und Debattenbeiträge: Was unter „Populismus“ bzw. „Rechtspopulismus“ auf der einen oder „Zivilgesellschaft“  bzw. „Gesellschaft“ auf der anderen Seite verstanden wird, wird nicht sauber definiert.  (Axel Bernd Kunze)