Zwischenruf: … hat mit dem Beutelsbacher Konsens nichts mehr zu tun

Der Neuen Zürcher Zeitung ist zuzustimmen: Eine solche „Pädagogik der Überwältigung“ hat mit dem Beutelsbacher Konsens nichts mehr zu tun. Und es ist nicht allein grober Unfug im pädagogischen Umgang mit Sechsjährigen. Auch sonst gilt. Erzwungene Werturteile sind moralische wertlos.

Auf anderen Seiten: Peter J. Brenner zu Geschichte und Einfluss der Reformpädagogik

Peter J. Brenner auf KONTRAFUNK am 29. Januar 2022:

Die deutsche Reformpädagogik – eine schöne Illusion.

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/podium-und-kanzel/audimax-das-kontrafunkkolleg/peter-j-brenner-die-deutsche-reformpaedagogik-eine-schoene-illusion

Der Autor beschönigt die Reformpädagogik nicht, er weist auf ihre dunklen Stellen und ihren problematischen Einfluss auf die Bildungsdebatten bis heute hin. Dieses Radioessay ist ein Hörgenuss!

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit: Renommierter Verlag gefährdet Wissenschaftsfreiheit

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit kritisiert Beck-Verlag für die Beendigung der Zusammenarbeit mit Hans-Georg Maaßen

Pressemitteilung, 19.01.2023

Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit bedauert die Entscheidung des Beck-Verlags, die Zusammenarbeit mit Hans-Georg Maaßen zu beenden und damit erneut vor einer gegen den Verlag gerichteten Kampagne in die Knie zu gehen.

Zu den Äußerungen Maaßens kann man sehr unterschiedlicher Meinung sein, man kann sie selbstverständlich als polemisch und abstrus kritisieren und ablehnen. Das einzige, was bei der Beurteilung seines Beitrags in den Büchern des Beck-Verlags eine Rolle spielen sollte, ist dessen fachliche Qualität. Aktuelle Äußerungen von Herrn Maaßen sollten nur dann eine Relevanz haben, wenn sie verfassungsfeindlich sind. Dies ist nicht der Fall. Die Kommentierung selbst hat niemals in der Diskussion eine Rolle gespielt und ist als solche auch nicht zu beanstanden. Es drängt sich der Verdacht auf, Menschen mit politisch missbilligten Ansichten sollten ins wissenschaftliche Abseits gedrängt werden, was umso unverständlicher ist, als es an Grundgesetz-Kommentaren keinen Mangel gibt; wer eine Kommentierung nicht zur Kenntnis nehmen möchte, könnte ja auf andere Kommentare zurückgreifen. Nachdem nun der Verlag erneut vor einer gut organisierten und medial orchestrierten  Kampagne kapituliert hat, obwohl er im Sommer noch standzuhalten schien, besteht in der Wissenschaft die Besorgnis, dass sich der Verlag künftig bei der Auswahl seiner Kommentatoren von aktivistisch diktierten Bedingungen leiten lassen wird. Von wissenschaftlicher Seite werden die künftigen Entwicklungen diesbezüglich  genau beobachtet werden.

Das Netzwerk sieht im Nachgeben des bedeutendsten juristischen Fachverlags gegenüber öffentlichem Druck, die Zusammenarbeit mit bestimmten Autoren zu beenden, eine Gefährdung der Wissenschaftsfreiheit und fordert den Verlag auf, künftigen Kampagnen standzuhalten.

Quelle: www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de

Auf anderen Seiten: Ein „Lämmerbrief“ an Heinrich Bedford-Strohm

Aus den „Nachdenkseiten“ vom 17. Januar 2023:

„Im Dezember 2022 hat Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, ein Interview gegeben. Erschienen ist es im Publikationsorgan des Berufsverbandes der protestantischen Geistlichen in Bayern – dem Korrespondenzblatt, Ausgabe 12/2022 S. 241-246 […]. In diesem Gespräch äußert sich Dr. Bedford-Strohm unter anderem zu den beiden gegenwärtig brisantesten Themen des Weltgeschehens: der Corona-Krise und dem Ukrainekrieg. Pfarrer i.R. Jürgen Fliege – früher bekannt als Fernseh-Pfarrer – und sein Kollege Pfarrer i.R. Hanns-Martin Hager widersprechen in einem Offenen Brief in bester protestantischer Tradition ihrem Bischof.

Der kritisierte Dr. Heinrich Bedford-Strohm ist seit September 2022 gleichzeitig Inhaber des höchsten Amtes im Weltkirchenrat und spricht damit für 352 Kirchen mit insgesamt 580 Millionen Mitgliedern. Die beiden Pfarrer Fliege und Hager widersprechen seinen Äußerungen sehr deutlich. Sie sind der Überzeugung, dass ein derartiger Widerspruch von Geistlichen gegenüber ihrem Bischof einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, zumal so ein kritischer Text gegenüber einem leitenden Bischof im deutschsprachigen Raum bisher noch nicht geschrieben wurde.“

Zum Weiterlesen:

Die Coronapolitik harrt auch innerhalb der Kirchen weiterhin der Aufarbeitung.

Neuerscheinung: Schule braucht pädagogisches Verständnis

Der bekannte Medienpädagoge Ralf Lankau hat einen neuen Sammelband vorgelegt, der die Erfahrungen der Coronazeit aus pädagogischer, kinderheilkundlicher und schulpraktischer Perspektive reflektiert:

Ralf Lankau (Hg.): Unterricht in Präsenz und Distanz. Lehren aus der Pandemie, Weinheim/Basel: BeltzJuventa 2022.

Im Band heißt es im Beitrag von Axel Bernd Kunze, Bildungsethiker und Schulleiter:

„Im Rahmen ihrer disziplinarischen Aufgaben müssen Lehrkräfte Sorge tragen für eine soziale Ordnung, die Lernen und Unterricht möglich macht. Und hierzu gehören auch Regeln zum angemessenen Umgang mit digitalen Medien und der dort gepflegten Kommuikation, etwa zwischen Lehrkräften und Lernenden. Dies fällt nicht immer leicht, wie der Verfasser aus eigener Erfahrung berichten kann. Die Ergänzung der Schul- und Hausordnung um einen Passus zum Umgang mit privaten mobilen Endgeräten im Unterricht hat langwierige und kontroverse Debatten zwischen Lehrerkonferenz und Schülervertretung ausgelöst. Nicht immer wurde in der Coronakrise die notwendige Sorgfalt darauf gelegt, solche Debatten zu führen und klare Regeln festzulegen. Gerade eine Fachschule hat hier allerdings auch eine notwendige Vorbildfunktion, die sich auf das erwartete Verhalten der Auszubildenden im beruflichen Alltag, in den sie hineinwachsen sollen, auswirkt.“

Axel Bernd Kunze: Schule braucht pädagogisches Verständnis. Reflexionen nach mehr als zwei Coronajahren, in: Ralf Lankau (Hg.): Unterricht in Präsenz und Distanz. Lehren aus der Pandemie, Weinheim/Basel: BeltzJuventa 2022, S. 81 – 95.

Rezension: Welche gesellschaftlichen Folgen hat die Pandemiepolitik langfristig?

Sehr ausführlich würdigt die Zeitschrift „Katholische Bildung“ die Essaysammlung „Pandemiepolitik. Freiheit unterm Rad?“ (hgg. v. Sandra Kostner und Tanya Lieske, Stuttgart: ibidem 2022):

Elisabeth Peerenboom-Dartsch (Rez.): Welche gesellschaftlichen Folgen hat die Pandemiepolitik langfristig? Der interdisziplinäre Blick auf Bildung und Demokratie in Deutschland, in: Katholische Bildung 124 (2023), H. 1/2 (Januar/Februar), S. 39 – 48.

„Herausgekommen ist ein Werk, das gerade durch die vielfältige und differenzierte Analyse einen Platz in den Regalen von Schulen, Schulverwaltungen und Lehrerverbänden verdient.“ (S. 40)

„Der Essay mit dem Titel ‚Was die Coronakrise mit Bürgerlichkeit und Bildung zu tun hat‘ von Axel Bernd Kunze, den viele Leserinnen bereits als Autor der ‚Katholischen Bildung‘ kennen, greift noch einmal – wenn auch zum Teil differenzierter – die wesentlichen Aspekte bisheriger Beiträge auf […]. Im Bereich der Bildung beklagt er, dass das Recht auf Bildung oder das Recht auf Ausbildungsfreiheit durch einen verordneten 2G-Lehrbetrieb ausgesetzt wurde. Statt Reflexion war Aktionismus an der Tagesordnung.“

Auf anderen Seiten: Juristische Aufarbeitung der Coronapolitik

Günter Roth, engagiert im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, weist in seinem Block auf ein aktuelles Gerichtsurteil hin, das er am 10. Januar gegen den Freistaat Bayern erstritten hat:

https://einfachkompliziert.de/verteidigung-der-meinungs-und-wissenschaftsfreiheit-gegen-herdentrieb-cancel-culture-und-mobbing-an-hochschulen/

Widerstand gegen eine freiheits- und menschenwürdefeindliche Coronapolitik lohnt sich, auch wenn die Aufarbeitung nur in sehr kleinen (juristischen) Schritten vorangeht. Es stellt die Verfassungs- und Rechtsordnung auf den Kopf, wenn der Freistaat seine in Teilen verfassungswidrige Coronapolitik gerade dadurch absichern will, dass er einem Kritiker mangelnde Verfassungstreue unterstellt. Wenn das Recht auf körperliche Unversehrtheit angegriffen wird, muss Widerspruch erlaubt sein – wann denn sonst!? Und noch etwas lehrt die Auseinandersetzung: Das Recht auf Wissenschaftsfreiheit muss weit ausgelegt werden, sonst ist es am Ende nicht mehr viel wert. Dem geschätzten Kollegen gebührt volle Hoachtung für seine Klage. Er wäre ein würdigerer „Hochschullehrer des Jahres“ als Drosten & Co., die vom Deutschen Hochschulverband politisch hofiert wurden.

Neuerscheinung: Im Überschwang der Liebe

Wer den Weg Jesu geht, weiß sich schon jetzt getragen von Gottes Liebe, auch wenn diese Welt immer den Regeln formaler Gerechtigkeit, der rechtlichen Absicherung oder der notwendigen Verteidigung bedarf. Jesu Anhänger wissen aber auch: Dies alles wird einmal vergehen, wenn die Weltzeit endet und Gottes Liebe alles vollenden wird. Bis dahin bleiben wir aufgerufen, uns in der Liebe zu bewähren. Wer für Gott aufgeschlossen ist, wird selbst zum Zeugen von Gottes Liebe. Und das bleibt unser Auftrag als Kirche, als Gemeinde in dieser Zeit.

Wie kann das Gebot der Feindesliebe aus der Bergpredigt (Mt 5, 38 – 48) verstanden werden? Eine Antwort gibt ein Predigtvorschlag für den 7. Sonntag im Jahreskreis aus der Zeitschrift „Der Prediger und Katechet“:

Axel Bernd Kunze: Im Überschwang der Liebe (Mt 5, 38 – 48) [Lesejahr A. 7. Sonntag im Jahreskreis], in: Der Prediger und Katechet. Praktische katholische Zeitschrift für die Verkündigung des Glaubens 162 (2023), H. 2, S. 161 – 163.

Rezension: Gastfreundschaft und Freundschaft

„Gastfreundschaft und Freundschaft“ heißt das neue Themenheft der internationalen Fachzeitschrift CONCILIUM. Axel Bernd Kunze würdigt in einer Sammelrezension die folgenden Titel:

Claudia Hofrichter: Gastgeber in Gottes Namen. Die Bibel gemeinsam hören – lesen – leben, Ostfildern: Schwabenverlag 2020, 176 Seiten;

Hubertus Halbfas: Tischgemeinschaft. Die Mahlzeiten Jesu und was daraus geworden ist, Ostfildern: Patmos 2022, 212 Seiten;

Joachim Negel: Freundschaft. Von der Vielfalt und Tiefe einer Lebensform, Freiburg i. Brsg.: Herder 2019, 533 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rezensent): Das große Versprechen, in: Concilium 58 (2022), H. 5, S. 620 – 624.

Rezensionen: engagement 1/2022

engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule erscheint seit 2022 in neuem Gewand. Heft 1/2022 ist mittlerweile erschienen. Neue im Rezensionsteil ist die Rubrik „Das besondere Buch“, passend zum jeweiligen Themenschwerpunkt. Im Themenheft „Katholische Schule heute“ werden folgende Titel rezensiert:

Judith Könemann, Denise Spiekermann (Hgg.): Katholische Schulen – herausgeforderte Identität, Paderborn 2019 (Rez.: Hans-Michael Mingenbach)

Michael Winkler: Kritik der Inklusion. Am Ende eine(r) Illusion, Stuttgart 2018 (Rez.: Axel Bohmeyer).

Wolfgang Wirsch: Hans Küng in der Theologie der Religionen. Von der offenbarten dogmatischen Wahrheit zum interreligiösen Synkretismus, Wachtendonk 2020 (Rez.: Jan Dochhorn).