Aufruf: Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden

Als Mitunterzeichner weise ich auf den Aufruf „Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden“ des Vereins Deutsche Sprache (VDS) hin. Der Aufruf kann hier unterzeichnet werden. Unter dem Link findet sich auch die Liste der Erstunterzeichner und der weiteren Unterstützer. – Sapere aude! In diesem Sinne entscheide jeder, ob er sich dem Aufruf anschließen will. Ich habe unterzeichnet, da ich es für wichtig erachte, der weiteren Ideologisierung unserer Sprache und der Zerstörung eines zentralen Elements unserer deutschen Kulturnation entgegenzutreten. Wer das generische Maskulinum nicht mehr anerkannt, hat dies gravierende Folgen, wie die aktuelle Forderung der Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch zeigt: Diese fordert eine „geschlechtergerechte“ Umformulierung des Grundgesetzes über den Weg einer Verfassungsänderung. Bleibt die Frage, wie lange für solche Forderungen angesichts der zu erwartenden Coronafolgen noch Geld zur Verfügung steht.

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AUFRUF:

Der Verein Deutsche Sprache e. V. fordert alle Freunde der deutschen Sprache auf, den aktuellen Bestrebungen der Dudenredaktion zu einem Umbau der deutschen Sprache entgegenzutreten. So wird auf den Internetseiten des Duden das in der deutschen Grammatik und im modernen Sprachgebrauch fest verankerte generische Maskulinum abgeschafft: „Mieter: Substantiv, maskulin – männliche Person, die etwas gemietet hat.“ Frauen könnten demnach keine Mieter sein. Damit widerspricht der Duden nicht nur den Regeln der deutschen Grammatik, sondern auch dem Bundesgerichtshof, der im März 2018 letztinstanzlich festgehalten hat, dass mit der Bezeichnung „der Kunde“ Menschen jeglichen Geschlechts angesprochen seien. Die Beschwerde der Klägerin, die von ihrer Sparkasse mit „Kundin“ angeredet werden wollte, wurde kürzlich vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

Mit seiner Ankündigung, mehr als 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen mit weiblicher und männlicher Form in die Netz-Version des Werkes aufzunehmen, betreibt der Duden eine problematische Zwangs-Sexualisierung, die in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist. Das biologische Geschlecht (Sexus) ist nicht mit dem grammatikalischen Geschlecht (Genus) gleichzusetzen. „Der Engel“ ist geschlechtslos, „der Scherzkeks“ kann auch eine Frau sei. Noch absurder wird das Vorgehen bei der Betrachtung des Plurals: „Die Ärztekammer“ vertritt Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen, ebenso wie das Finanzamt Geld vom „Steuerzahler“ einzieht – unabhängig vom Geschlecht. Wenn wir konkrete Personen ansprechen, sagen wir selbstverständlich „Ärztin“ oder „Lehrerin“.

Indem er diese Grundsätze missachtet, ist der Duden auf dem Weg, seine Rolle als Standard-Referenzwerk für das Deutsche aufzugeben. Indem er Sprache nicht mehr nur widerspiegelt, sondern sie aktiv verändert, widerspricht er seinen eigenen Grundsätzen. Der VDS fordert deshalb den Duden auf, seine Sexualisierungspläne zu überdenken, in Zukunft sensibler und behutsamer mit der deutschen Sprache umzugehen, und sich auf seine ursprünglichen Ziele zu besinnen.

Herzliche Glück- und Segenswünsche zum Jahreswechsel

Am 18. Januar 2021 jährt sich zum hundertfünfzigsten Mal die Gründung des deutschen Kaiserreiches. Der bekannte Studentenhistoriker Harald Lönnecker schreibt hierzu: „Am 18. Januar 1971 gab die Deutsche Bundespost in einer Auflage von 30.000 Stück eine Sonderbriefmarke zum 100. Jahrestag der deutschen Reichsgründung heraus. Zugleich erschien in identischer Auflage eine Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert […] 2021 wird zwar Eberts 150. Geburtstag gewürdigt, von der Reichsgründung ist jedoch nicht mehr die Rede.“ Das politische Berlin schweigt dieses für die Geschichte der deutschen Nationalstaatswerdung wichtige Datum tot – wie zuvor schon die Jubiläen der Urburschenschaft oder des Wartburgfestes. Im Gegenteil: Die alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot werden zunehmend kriminalisiert. Schwarz-Rot-Gold wird zwar vom Bundespräsidenten betont, aber möglichst ohne Bezug auf die untrennbar damit verbundene burschenschaftliche Nationalbewegung. Diese „Farben-“ und Erinnerungspolitik wirft ein bezeichnendes Licht auf den Umgang mit den Traditionen und geistigen Werten unserer deutschen Geschichte im merkelgeführten Deutschland. Ein Volk, das sich seiner Geschichte nicht mehr bewusst ist, verliert seine Identität und sein Nationalbewusstsein. Noch einmal Fbr Lönnecker: „1871 gab der deutschen Einheit Normalität. Ebenso der bundesstaatlichen Form, denn als Einheitsstaat hätte Deutschland nicht funktioniert. Und blicke man ein paar Jahre weiter, erkenne man, auch der Sozialstaat und das Parteiensystem wurzeln im Kaiserreich.“ Wir würden gut daran tun, den 18. Januar 1871 nicht zu vergessen. Denn ohne dieses Datum, so der Militärhistoriker Michael Epkenhans, gebe es letztlich auch keine Bundesrepublik Deutschland. Um deren geistige Grundlagen steht es nicht unbedingt zum Besten.

Unser Land steht im kommenden Jahr vor nicht geringen Herausforderungen, die keinesfalls allein der Coronapandemie geschuldet sind. Die Gesellschaft ist gespalten, der öffentliche Diskurs polarisiert. Der Rechtsstaat ist brüchig geworden und hat an Vertrauen verloren. Das Freiheitsbewusstsein schwindet, der „offiziell“ geduldete Diskurskorridor verengt sich zusehends. Die programmatischen Worte unserer burschenschaftlich geprägten Nationalhymne werden in einer solchen Situation zu so etwas wie einem kollektiven Neujahrswunsch für alle, denen unser Gemeinwesen am Herzen liegt: Einigkeit und Recht und Freiheit!

Allen Lesern und Leserinnen meines Weblogs wünsche ich persönlich einen gesegneten Jahreswechsel sowie alles Gute, Gesundheit, Zuversicht und Gottes Segen für das neue Jahr. Der streitbare bildungsethische Diskurs wird weitergehen. Denn Bildung bleibt wichtig, wenn wir die wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Folgen dieses Krisenjahres meistern wollen. In diesem Sinne herzlichen Dank für Ihre Treue und Ihr anhaltendes Interesse an Beiträgen und Nachrichten zu einer Sozialethik der Bildung.

In memoriam: P. Prof. Dr. Anton Rauscher SJ verstorben

Vor den Weihnachtstagen verstarb der langjährige Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach, P. Prof. Dr. Anton Rauscher SJ. Einen Nachruf aus der Feder seines Nachfolgers finden Sie auf den Seiten der KSZ. Mögen sein Leben und sein theologisches Werk bei Gott angenommen sein. Was an irdischer Erinnerung bleibt, ist seine handschriftliche, lateinische Widmung im persönlichen Exemplar des von ihm herausgegebenen, beeindruckenden „Handbuches der Katholischen Soziallehre“ (Berlin 2008), das gerade mit seinen staatsethischen Beiträgen dem Verfasser immer wieder wertvolle Hilfe geleistet hat.

Have, pia anima!

Gesegnete Weihnachten

Video caelos apertos, et Iesum stantem a dextris virtutis Dei. Alleluia.

(aus der Liturgie am 26. Dezember)

Liebe Leser und Leserinnen meines Weblogs,

herzlichen Dank für alle Verbundenheit im zu Ende gehenden Jahr und für Ihre Interesse an meinem bildungsethischen Weblog. Ich freue mich, wenn wir die bildungsethische Debatte auch im neuen Jahr gemeinsam fortsetzen.

Dieses Mal möchte ich meinem Weihnachtsgruß einige Gedanken zum zweiten Weihnachtstag beifügen. Bereits seit dem vierten Jahrhundert feiert die Kirche an diesem Tag den heiligen Erzmärtyrer Stephanus. Weil sein Fest in die Weihnachtsoktav fällt, wird er auch als einer der „Begleiter Christi“ bezeichnet.

Gesegnete, friedvolle Weihnachtstage sowie alles Gute, Wohlergehen und Gottes Segen für das neue Jahr!

„Gerade einmal ein Tag und eine Nacht – und die Weihnachtsidylle ist wie weggeblasen. Ein neues Kapitel bricht in den heutigen Lesungen für das junge Christentum an: Die Steinigung des Stephanus ist Auftakt für die Verfolgung und Zerstreuung der Jerusalemer Urgemeinde.

Weitere Verfolgungen werden folgen, bis in unsere Tage. Papst Johannes Paul II. schrieb vor der Jahrtausendwende: „In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt, häufig unbekannt, gleichsam ‚unbekannte Soldaten‘ der großen Sache Gottes.“ Ein Ende ist nicht abzusehen. Das Christentum sei die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft weltweit, urteilen Nichtregierungsorganisationen. Das Hilfswerk „Open Doors“ spricht von rund 160 Millionen verfolgten Christen; in 69 Ländern seien sie Bedrohungen oder Benachteiligungen ausgesetzt.

Schon die Evangelien sprechen von Verfolgungen, mit denen die Anhänger Jesu zu rechnen haben. […] Nach der Apostelgeschichte war der Diakon Stephanus der erste, der seinen Glauben sogar mit dem Leben bezahlte. Was zunächst wie ein geordneter Prozess beginnt, gerät außer Kontrolle. Falsche Zeugen heizen die Stimmung an, bis zum Lynchmord.

Stephanus verteidigt sich in einer glänzenden Rede, welche die Wut seiner Gegner nur noch mehr anstachelt. Ausgehend von den Patriarchen, zeigt er auf, wie die Heilsgeschichte Israels auf Jesus zuläuft. Nicht mehr Gesetz und Tempel sind entscheidend. Gottes Heiligkeit offenbart sich in einer Person, in der Gott selbst Mensch wurde. Immer wieder hat sich Israel gegen Gott aufgelehnt und sein Gesetz missachtet. Am Ende konnte selbst Jesus sich der Verwerfung nicht entziehen.

Hier zeigt sich das entscheidende Kennzeichen eines christlichen Martyriums: Es gründet in einer Beziehung. Der Märtyrer stirbt nicht für eine bestimmte Weltanschauung oder eine abstrakte Idee. Der Märtyrer stirbt für Jesus Christus, der schon vorweg für ihn gestorben ist. Das Martyrium ist die stärkste Form des Zeugnisses, die der Christ ablegen kann. Der Märtyrer gibt sich selbst und wird dadurch Christus ähnlich, der die Freiheit besaß, sich selbst ganz am Kreuz hingeben zu können – für das Heil der Menschen. Jesus ist in seinem Zeugen gegenwärtig. Sein Geist ist es, so sagt es Matthäus, der in der Stunde der Entscheidung aus dem Märtyrer spricht. 

Der heilige Augustinus nennt die Märtyrer „Fürsten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“. Das Martyrium bezeugt den Glauben an Gott, der die Kraft hat aus dem Tod zu retten. Wer in der Taufe mit Christus gestorben ist, weiß, dass er auch mit ihm auferstehen wird. Gegen die Gefahr, angesichts der Unausweichlichkeit von Gewalt zu resignieren, verkörpert der Blutzeuge die Hoffnung, dass Sünde und Gewalt nicht das letzte Wort in der Geschichte haben werden. Dem gewalttätigen Nein der Menschen stellt er den Tod Christi entgegen: So wie Christus am Kreuz übereignet er sich der offenbarenden Liebe Gottes und stellt Gott restlos sein Leben zur Verfügung.

Das Martyrium provoziert: nicht allein die Verfolger, die durch die Bereitschaft zur Ganzhingabe in Frage gestellt werden. Indem es den unbedingten Anspruch der Sache Jesu bezeugt, bleibt das Martyrium auch eine Anfrage an die Kirche und an jeden Einzelnen von uns.

Auch wir sind dazu berufen, treu zu Jesus Christus zu stehen und den Glauben an ihn zu bezeugen. […] Zeugnis beginnt im Alltag. Dort sollen wir Zeugnis ablegen von der Hoffnung, die uns erfüllt. Es liegt an uns, ob andere vom Evangelium erfahren oder ob wir den Schatz des Glaubens verstecken – aus der Angst heraus, aufzufallen, anzuecken, ausgelacht zu werden, als intolerant zu gelten oder auch als ewiggestrig.“

(Auszug aus: Axel Bernd Kunze, in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen, 17. Jg., Heft 6/2020)

Offener Brief: Ein Abonnent geht von Bord

… und wieder hat ein sog. Flaggschiff einen Abonnenten verloren. Professor Brenner, der schon früher in einem Offenen Brief seine Mitgliedschaft in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft gekündigt hat, hat nun auf dieselbe Weise sein Abonnement der FAZ beendet.

Einige der genannten Kommentare und Beiträge haben auch bei mir Unmut erzeugt. In der Hochzeit des „Stillstands“ hatte ich dann die NZZ im Probeabonnement. Die journalistische Qualität ist dort grundsätzlich (noch?) höher; allerdings reicht mir die Deutschlandberichterstattung auch bei der NZZ-Deutschlandausgabe dann am Ende doch nicht aus. So sehe ich momentan keine Alternative zur FAZ, wenn die journalistische Qualität dort auch bedenklich nachgelassen hat.

Der Offene Brief findet sich unter folgendem Link: https://www.tumult-magazine.net/post/peter-j-brenner-k%C3%BCndigung-der-faz

Neuerscheinung: Couleurstudentisches Corona-Tagebuch

„Wie signalisieren und realisieren Sie in Corona-Zeiten den besonderen Zusammenhalt Ihrer Verbindung?“ fragte die Zeitschrift „Studenten-Kurier. Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschule und Korporationen“, herausgegeben von der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte (GDS). In der aktuellen Ausgabe 2 + 3/2020 wurden ausgewählte Antworten abgedruckt, darunter auch der Beitrag „Couleurstudentisches Corona-Tagebuch“ (34. Jg. der Neuen Folge, S. 4 f.) von Axel Bernd Kunze (LB! Alemannia zu Bamberg, B! Rheno-Germania Bonn, B! Alemannia Leipzig). Hier ein Auszug – zum ersten Onlinestammtisch im Stillstand:

Ist genug Bier im heimischen Kühlschrank kalt gestellt? Gut, dann kann es losgehen. Ja, es ist schön, die Bundesbrüder zu treffen, auch solche, die nicht immer so oft aufs Haus kommen können. Und auch der Verfasser dieser Zeilen hatte es im Wintersemester aus Termingründen nicht dorthin geschafft. Ein freudiges Hallo. Ein gemeinsames Anstoßen am Bildschirm. Auch ein glücklicher Vater mit seiner erst wenige Wochen alten Tochter ist anfangs dabei. Die Technik ist durchaus stabil. Eine willkommene Abwechslung in Coronazeiten mit „Home office“ und „Social Distancing“. So weit, so gut.

Aber das virtuelle Treffen hat auch deutliche Grenzen. Gespräche kommen eher zäh in Gang. Mancher klinkt sich über längere Zeit aus dem gemeinsamen Austausch aus. Woran liegt es? Sicherlich ist es ungewohnt, sich selbst beim Reden zuzusehen, wenn auch nur in einem kleinen Fensterchen auf dem Bildschirm. Vor allem fehlt die Möglichkeit zu Nebengesprächen, zum Austausch in kleiner Zweier- oder Dreierrunde, der Austausch mal nach rechts und mal links und mal quer über den Tisch, wie er bei einem Stammtisch üblich ist. Ein tieferes Gespräch, etwa über die beruflichen Erfahrungen in diesen herausfordernden Zeiten oder die politische Beurteilung des erzwungenen Stillstands und dessen Folgen, gelingt nur selten.

Das Experiment ist gelungen. Und doch kann ein virtuelles Treffen den persönlichen Austausch nicht ersetzen. Dieser wird hoffentlich bald wieder in kleiner Runde möglich sein, wenn auch ohne Händeschütteln und mit gebotenem Sicherheitsabstand.

Lehrveranstaltungen mögen online möglich sein, wenn auch gleichfalls mit Einschränkungen. Keilarbeit ist es nicht. So manche kleine Aktivitas wird vom Stillstand hart getroffen. Auch der neue Semesterstart im Herbst wird deutlich erschwert sein. Hier braucht es gute Ideen, wie das Verbindungsleben wieder in Schwung kommen und das verloren gegangene Keilpotential aufgefangen werden kann. Ein interkorporativer Austausch über gute Ideen wäre hilfreich, auch im Rahmen der GDS.

Neue Petition: Nein zum Gender-Deutsch!

Nein zum Gender-Deutsch bei Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen!

„Bürgerinnen und Bürger“, „Politikerinnen und Politiker“, „Lehrerinnen und Lehrer“, „Schülerinnen und Schüler“: Die politisch korrekte Ausdrucksweise, bei der ganz bewußt beide Geschlechter angesprochen werden, damit sich niemand diskriminiert fühlt, nimmt seit Jahren immer ausuferndere Formen an. Mittlerweile gibt es Anreden wie Profex (gendergerecht für Professor) oder durch eine kurze Pause mitgesprochene Gender-Sternchen für Personen, die sich zu keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen.

Unter dem Vorwand der „Geschlechtergerechtigkeit“ setzen Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen immer öfter „lächerliche Sprachgebilde“ (Wolf Schneider, Autor von „Deutsch für Profis“) des Gender-Sprechs durch, mit dem ein ideologischer Umerziehungsauftrag verbunden ist. So begrüßte Anne Will jüngst in ihrer Gesprächssendung in der ARD den Präsidenten des „Bundes der Steuerzahler (Pause) innen“. Vorwurfsvoll fragte sie den Verbandsvertreter, weshalb er seinen Verein noch nicht „gendergerecht“ umbenannt habe.

Beim ZDF-„heute journal“ wurden kürzlich die Wehrbeauftragten der vergangenen Jahre abgebildet (alles Männer) mit der Bildunterschrift „Werbeauftragte*r“. Moderator Claus Kleber sprach in seiner Sendung in einem Beitrag von „Künstler (Pause) innen“ – eine verbale Verneigung vor dem Gender-Sternchen.

Immer mehr Kommunen, Universitäten, Schulen, aber auch die Kirchen gehen dazu über, das „Gendern“ der Sprache in ihren Verlautbarungen verpflichtend zu erzwingen. Und dies ohne jede demokratische Legitimation, allein unter dem permanenten Druck linker Lobbygruppen.

Der Sprachwissenschaftler Prof. Peter Eisenberg kritisiert diese „gendersensiblen“ Formulierungen scharf als eine Gefahr für die deutsche Sprache. Als Beispiel griff Eisenberg eine jüngste Richtlinie der Stadt Hannover an: „Die Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache der Stadt Hannover ruiniert die Sprache“, stellte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in einem Zeitungsgespräch fest. Das reguläre Deutsche habe „alle Möglichkeiten zur Sichtbarmachung von Frauen“, ohne auf krude „Gender“-Formen zurückgreifen zu müssen.

Wir fordern von den Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender, den Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen, umgehend auf „Gender-Sprech“ zu verzichten und zum bewährten Deutsch zurückzukehren!

Die Unterschriften der Petition werden wir an die Intendanten von ARD und ZDF, den Deutschen Städtetag, die Bundesbildungsministerin, den Ratsvorsitzenden der EKD und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz weiterleiten.

Wie immer gilt: Sapere aude! Ich meine aber, dass es hier um ein wichtiges Anliegen geht, die Freiheit des Wortes und des öffentlichen Diskurses, die Schönheit der Sprache und ihre Ideologiefreiheit zu verteidigen. Wer die Petition unterstützen möchte, kann diese hier zeichnen: https://petitionfuerdemokratie.de/nein-zum-gender-deutsch/

Gesegnete Pfingsten

Wüstenerfahrungen können existentiell sehr wichtige Erfahrungen sein. Wir müssen auf vermeintliche Sicherheiten und Annehmlichkeiten verzichten. Aber gerade dann kann die Sehnsucht nach dem Mehr in unserem Leben wieder neu entfacht werden. Hieran erinnert Mose das Volk mit eindringlichen Worten: Nimm dich in Acht, werde nicht hochmütig, vergiss Gott nicht in den Zeiten, in denen es dir gut geht.

Die Mahnung bleibt auch für die Kirche aktuell. Diese lebt nicht aus eigener Kraft, sie lebt aus dem, was sie von Gott empfängt. Wo die Kirche zum Selbstzweck wird, wird ihre Botschaft hohl und leer. Die Kirche bleibt vielmehr angewiesen auf die dauernde Verbundenheit mit Jesus Christus. Nur in ihm und durch ihn wird sie lebendig bleiben. Jesus Christus selbst ist das lebendige Brot, von dem die Kirche lebt, die Kraft, aus der sie Nahrung und Leben erhält. Als pilgerndes Gottesvolk ist die Kirche mit leichtem Gepäck, aber einer klaren Sendung unterwegs. Was in der Eucharistie geschieht, soll sich im Leben der Gemeinde widerspiegeln. So wie wir in Christus verbunden sind, sollen wir auch untereinander verbunden sein. So wie es Jesu Sendung war, den Willen des Vaters zu tun, soll die Kirche seine Sendung fortsetzen.

(Predigtanregung zu Fronleichnam, Auszug aus: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 17 (2020), H. 3, S. 559 – 577)

Liebe Leserinnen und Leser!

Als die vorstehenden Zeilen entstanden sind, wussten wir nicht, dass dieses Jahr eine besondere Wüstenerfahrung für uns bereithalten wird: Aus Infektionsschutzgründen waren öffentliche Gottesdienste mehrere Wochen untersagt. Nun – an Pfingsten – lockert sich das öffentliche Leben wieder. Die Gedanken bleiben aber weiterhin aktuell, nicht nur an diesem Pfingstfest: einem Fest, das häufig auch als „Geburtsfest“ der christlichen Kirche bezeichnet wird.

Ich wünsche Ihnen gute, geisterfüllte, gesegnete Pfingsttage und freue mich weiterhin auf einen anregenden bildungsethischen Austausch.

Mit herzlichen Grüßen, Ihr Axel Bernd Kunze

Surrexit Christus, spes mea. Alleluja!

Allen Lesern und Leserinnen meines Weblogs wünsche ich gute, gesegnete Ostertage. Vielleicht können die folgenden Gedanken ein paar Akzente für die Osterzeit setzen. Herlichen Dank, dass Sie mein Weblog regelmäßig verfolgen. Bleiben Sie wohlbehütet in dieser herausfordernden Zeit. Ihr Axel Bernd Kunze

Petrus und Johannes am leeren Grab (Joh 20, 1 – 9)

Wir kennen diese Bilder, wenn Gerichtsprozesse mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Der Angeklagte will nicht erkannt werden. Er zieht sich die Jacke über den Kopf. Oder sein Anwalt hält dem Angeklagten einen aufgeschlagenen Aktenordner vors Gesicht.

Wer sein Gesicht zeigt, macht sich angreifbar. Wer etwas zu verbergen hat, muss sich verhüllen – sei es aus Scham oder Angst, aus Unsicherheit oder Verletzbarkeit. Auch das noch so schönste Kleid oder Gewand dient letztlich doch nur dazu, unsere Blöße zu bedecken.

Vor diesem Hintergrund lässt ein Detail im Osterevangelium aufmerken.

Was an Weihnachten geschehen ist, lässt sich leicht in Szene setzen: sei es als Krippendarstellung oder Weihnachtsspiel. Das kleine Kind in der Krippe, liebevoll betrachtet von Maria und Josef, Ochs und Esel daneben, umgeben von Schafen und den frommen Hirten – dieses Weihnachtsbild rührt immer wieder neu unser Herz.

Was an Ostern geschehen ist, lässt sich weniger gut darstellen. Das leere Grab wirkt nicht so reizvoll wie eine Krippenlandschaft. Und es trifft auch gar nicht den Kern des Ostergeschehens.

Denn Ostern ist kein bloßer Moment der Weltgeschichte, der sich so einfach abbilden ließe. Wenn wir dem Zeugnis des Neuen Testaments trauen, geht es an Ostern um eine neue Wirklichkeit, die in unsere Welt einbricht. Es geht um starke subjektive Erfahrungen, die nach und nach das Neue und Unfassbare zur Überzeugung haben werden lassen: Jesus lebt!

Die Ostergeschichten der Evangelien sind nicht mit einer Fotographie zu vergleichen. Vielmehr lassen sie die neue Wirklichkeit lebendig werden wie ein Künstler, der ein gutes, vielschichtiges Gemälde gestaltet.

Heute geht es um die frühen Erfahrungen dreier Osterzeugen: Da ist Maria von Magdala; und da sind Petrus und der Lieblingsjünger Jesu, Johannes. Die beiden Apostel laufen zum Grab, als Maria ihnen ganz aufgeregt berichtet, der Leichnam Jesu sei verschwunden. Und was sehen sie, als sie beim Grab ankommen?

Die Antwort des Evangelisten mag uns vielleicht erstaunen: Beschrieben werden die Leinenbinden und das Schweißtuch, in welche der Leichnam eingewickelt worden war. Sie sind nur ein kleines, scheinbar unbedeutendes Detail im vielschichtigen Ostergemälde. Und doch sagen sie eine Menge darüber aus, was an Ostern geschehen ist.

Der Mensch ist verletzbar, er muss seinen Körper schützen – nicht allein vor Kälte oder äußeren Gefahren, sondern auch vor den zudringlichen Blicken anderer. Wir haben es zu Beginn gehört.

Wo die Hülle fällt, die uns umgibt, sind wir bloßgestellt, dem Zugriff der anderen schonungslos preisgegeben. Die Tradition des Kreuzwegs widmet diesem Teil der Passion sogar eine eigene Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt. Endgültig wird er zum Gespött der Vorüberziehenden.

Aus Pietät schützen wir selbst den Leichnam noch vor den Blicken anderer und hüllen ihn in das Totenhemd. So geschieht es auch bei Jesus. Der seiner Kleider Beraubte und am Kreuz Gemarterte hat ausgelitten. Sein geschundener Leichnam wird von seinen Getreuen geborgen, in Tücher gehüllt und ins Grab gelegt.

Doch jetzt ist es anders. Die zurückgelassenen Leinenbinden und Tücher zeigen eine neue Wirklichkeit an, die mit Ostern in unsere Welt einbricht. Petrus und Johannes gehören zu den ersten, die das am Ostermorgen erfahren. Das Grab konnte den Gekreuzigten nicht festhalten. Er ist auferstanden in eine ganz neue Wirklichkeit, die alle irdischen Vorstellungen sprengt.

Der Auferstandene hat die Verletzbarkeit irdischer Existenz hinter sich gelassen. Der verklärte, von Osterherrlichkeit erfüllte Leib benötigt keinen Schutz mehr. Er bedarf nicht mehr der Verhüllung. Ostern lässt alle Hüllen fallen. Gottes Herrlichkeit strahlt auf und bricht in unsere Zeit.

Der Jesuit und Kirchenlieddichter Friedrich Spee hat mit seinem Lied Ist das der Leib, Herr Jesu Christ die Herrlichkeit und Unverletzbarkeit des verklärten Auferstehungsleibes poetisch beschrieben:

Der Leib empfindet nimmer Leid,

bleibt unverletzt in Ewigkeit,

gleichwie so viele tausend Jahr

die Sonne leuchtet eben klar.

Petrus und Johannes spüren etwas von dieser neuen Wirklichkeit an diesem Morgen. In der nächsten Zeit begreifen sie nach und nach immer stärker, was an Ostern geschehen ist. Ihr Bild von Ostern wird vielschichtiger und konkreter. Maria von Magdala, die als erste den Auferstandenen sehen darf, hat das Ihrige dazu beigetragen. Schließlich kann Petrus an Pfingsten öffentlich bekennen, wie wir aus der Apostelgeschichte gehört haben: Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen.

Der Kreis der Apostel war alles andere als eine „Supermannschaft“. Immer wieder musste Jesus die Jünger belehren, tadeln, ermahnen, zurechtweisen. Am Ende werden sie zu wichtigen Zeugen der Osterbotschaft – weil sie sich berühren ließen von dieser neuen Wirklichkeit und sich führen ließen vom Geist Gottes.

Lassen auch wir uns von dieser neuen Wirklichkeit ergreifen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch allen frohe und gesegnete Ostern.