
Fra Angelico: Die Vorfahren Christi mit Heiligen und Märtyrern (1423/24)
Allen Lesern und Leserinnen von „Bildungsethik“ wünsche ich ein gesegnetes Allerheiligenfest.
Wir sind Kulturstaat!
von
Axel Bernd Kunze
Oktober 29, 2026
Der Staat muss seine geistigen Fundamente wahren ohne „Haltung“ zu fordern. Worin besteht also der kulturstaatliche Auftrag? Und welche Rolle spielt dabei die Religion?

(Burschenschaftsdenkmal Eisenach, Bild gemeinfrei)
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen guten, erholsamen Nationalfeiertg der Deutschen Einheit.
Das KI-Zeitalter hat begonnen, und dies auch in Schulen und Hochschulen. Kommt damit das definitive Ende der Gutenberg-Galaxis? Hat das Buch als Leitmedium ausgedient? Wird Lesen künftig überflüssig?
Mithilfe Künstlicher Intelligenz können in kurzer Zeit umfangreiche Inhalte, Texte und Informationen generiert werden. Es muss aber klar bleiben, dass es sich dabei um maschinengenerierte Äußerungen handelt. Diese zu generieren, fördert bestimmte Kompetenzen, die für die Nutzung von KI-Tools wichtig sind, etwa das effektive Prompting. Andere Fähigkeiten wie schriftsprachlicher Ausdruck, Lesefähigkeit, hermeneutische oder ethische Urteilskompetenzen können nicht generiert werden, sie müssen weiterhin handlungspraktisch vermittelt und eingeübt werden.
Es braucht offenbar das Buch. Dennoch ist die Frage nach der Zukunft des Buches schwer zu beantworten, wie Volker Ladenthin und Werner Zillig in ihrem Dialogbuch feststellen. Der eine Professor für Erziehungswissenschaft, der andere Schriftsteller und Germanist. Beide tauschen sich über ihre Lese- und Bucherfahrungen aus – und das mit einer erstaunlichen thematischen Breite. Die Themen des Bandes lassen sich leicht über ein ausführliches Register auffinden.
Mit der Zukunft des Buches steht einiges auf dem Spiel, ist Ladenthin überzeugt. Denn – so eine seiner Kernthesen: „Der Verzicht auf das Buch ist ein Verzicht auf komplexes Denken. Ohne Buch würde unsere Welt zu reiner Gegenwart“ (S. 101). Wir müssen uns demgegenüber nur Texte anschauen, die mit KI erstellt sind – und prinzipiell unwiederholbar sind. Beim Schreiben klären sich die Gedanken.
„Wer schreibt, der bleibt“, wusste der Volksmund. Bücher, die einmal in der Welt sind, können nicht mehr zurückgeholt werden, heißt es im vorliegenden Dialog. Ja, es hat immer wieder Versuche gegeben, Bücher aufzukaufen, zu vernichten, wieder einzusammeln. Doch dann taucht immer noch ein Exemplar in irgendeinem Antiquariat auf.
Und bei manchen Büchern dauert es auch, bis ihre Zeit kommt. Was wäre, wenn Bücher künftig weniger für die Gegenwart als vielmehr für die Zukunft geschrieben würden? Geschrieben, damit es geschrieben ist, damit es aufbewahrt wird. Das Buch würde zur Gegenwelt, zum Speichermedium für Gedanken abseits des Konventinellen und Zeitgemäßen, die heute in der Breite nicht mehr verstanden und vielfach auch gar nicht erst rezipiert werden. Das Buch wird Zukunft haben – ist Wener Zillig überzeugt: „Wenn die KI einmal komplett selbständig kreative Texte schreibt, dann wird die Sache so wie beim Schach aussehen: Es gibt Computerprogramme, die schreiben, und es gibt weiterhin Menschen, die schreiben“ (S. 218). Vielleicht – so Zilig – werde es wenige sein, aber es wird sie geben. Und ebenso elitäre Lesezirkel, die stolz darauf sind, noch menschliche Romane zu lesen. Computerspiele faszinieren Heranwachsende, aber längst nicht alle, wie Zillig schreibt. Auch hier gilt es, zwischen Sein und Sollen zu unterscheiden.
Die beiden Autoren zeigen mit ihrem Dialog sehr anschaulich, wie vielfältig Bücher, Lesen, Leseanlässe und Leseerfahrungen sein können – ganz analog. Die Zukunft des Buches hat begonnen. Es liegt an uns, auf welche Seite wir uns ziehen lassen.
PS: Auch der vorliegende Band ist zugleich als E-Book erhältlich.
Volker Ladenthin, Werner Zillig: Die Zukunft des Buches. Ein Dialag, Würzburg: Königshausen & Neumann 2025, 265 Seiten.

(Ingeborg-Psalter, um 1200)
Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. (Apg 1, 13 – 14)
Liebe Leserinnen und Leser,
von Herzen wünsche ich Ihnen allen gesegnete, geistvolle und inspirierende Pfingsttage. Ich freue mich weiterhin auf eine engagierte, bereichernde bildungsethische Debatte. Herzlichen Dank für Ihr Interesse an „Bildungsethik“.
Mit pfingstlichen Glück- und Segenswünschen, Ihr Axel Bernd Kunze
Die Diskussion um eine Widerspruchslösung bei der Organspende geht weiter. Aus diesem Anlass hat das „Christliche Forum“ eine Sammlung früherer Diskussionsbeiträge zum Thema online gestellt:
Viri Galilaei, quid admiramini aspicientes in caelum? Alleluia.
Quemadmodum vidistis eum ascendentem in caelum, ita veniet. Alleluia.
Omnes gentes, plaudite manibus; iubilate Deo in voce exsultationis.
(aus dem Introitus an Christi Himmelfahrt)
„Auf der Liste der Feste, von denen man meint, sie sollten abgeschafft werden, steht Himmelfahrt ganz oben“, hat der Neutestamentler Klaus Berger einmal beklagt. Drei Gründe macht er dafür aus.
Wenn wir Christi Himmelfahrt nur als eine alte Geschichte in vormodernem Gewand feiern wollten, wäre dieses Fest tatsächlich überflüssig. In ihrer Feier soll Christi Himmelfahrt vielmehr gegenwärtig werden als ein Ereignis, das uns zutiefst betrifft: Die Himmelfahrt beschließt das Osterereignis – als sichtbarer, sieghafter Übergang Jesu, des Gekreuzigten, in die Herrlichkeit des Vaters. Er erweist sich tatsächlich als jener Hohepriester und Prophet, in dem sich Israels Verheißungen unüberbietbar erfüllen.
Nicht die Unheilspropheten und Todesboten, die unsere Welt mit Terrorismus, Gewalt und Menschenverachtung überziehen, werden das letzte Wort behalten. So wie Jesus sichtbar von uns gegangen ist, so wird er auch sichtbar wiederkommen in Macht und Herrlichkeit, um alles zu vollenden. Himmelfahrt zeigt uns, was wir erhoffen dürfen: die Vollendung des Menschen, so wie Gott ihn gewollt hat, in Freiheit vor Gott, in der Herrlichkeit des Himmels – nicht als Ausdruck maßloser Selbstüberschätzung des Menschen, sondern als Zusage von Gottes Treue. Größer und hoffnungsvoller können wir vom Menschen nicht sprechen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Himmelfahrtstag.

Matthias Grünewald (Isenheimer Altar).
Wir staunen über das, was Gott an Ostern bewirkt hat. Dabei geht es nicht um ein ungläubiges Staunen, sondern um ein sehnsuchtsvolles Sichausstrecken in Richtung der immer noch größeren Möglichkeiten Gottes. Christen leben in der Gewissheit, dass die Fragen unserer menschlichen Existenz in Jesus Christus eine Antwort gefunden haben. Diese Gewissheit überwindet den bohrenden, zersetzenden Zweifel. Diese Gewissheit ist aber kein Wissen, das unseren Blick verengt und unser Herz hochmütig werden lässt. Wir haben – wie Thomas – den Auferstandenen gefunden. Diese Erfahrung gibt Sicherheit, aber wir können sie nicht einfach festhalten. Diese Erfahrung trägt vielmehr eine Verheißung in sich und eine Sehnsucht, die unser Begreifen und Sinnen übersteigt.
Der Apostel Thomas durfte das spüren. Jesu Wunden waren nicht umsonst. Jesu verklärte Wunden leuchten im Licht von Ostern wie Edelsteine und strahlen jene Verheißungen Gottes wider, die unser Leben groß machen. Aus Jesu geöffneter Seite strömt uns das neue Leben zu, das an Ostern begonnen hat und das sich dereinst in Gottes Ewigkeit vollenden wird. Dies dürfen wir heute feiern. In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten, gesegneten Sonntag.
(aus: Axel Bernd Kunze, Der erste und der achte Tag [Lesejahr A. Zweiter Sonntag der Osterzeit – Weißer Sonntag], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 3/2017, S. 377 – 392)
Wir wünschen allen Lesern und Leserinnen von „Bildungsethik“ eine gesegnete österliche Festzeit.

(Rembrandt, 1636: Himmelfahrt Christi)
Viri Galilaei, quid admiramini aspicientes in caelum? Alleluia.
Quemadmodum vidistis eum ascendentem in caelum, ita veniet. Alleluia.
Omnes gentes, plaudite manibus; iubilate Deo in voce exsultationis.
(aus dem Introitus an Christi Himmelfahrt)
Von Herzen wünsche ich allen Lesern und Leserinnen von „Bildungsethik“ gesegnete Kartage sowie eine gesegnete und hoffnungsfrohe Osterzeit.
Ich danke für Ihre treue Verbundenheit und freue mich weiterhin auf eine engagierte bildungsethische Debatte.
Mit herzlichen Ostergrüßen, Ihr Axel Bernd Kunze