Gesegnete Kar- und Ostertage

Deinde dicit Thomæ: Infer digitum tuum huc: et vide manus meas, et affer manum tuam, et mitte in latus meum: et noli esse incredulus, sed fidelis.
Respondit Thomas, et dixit ei: Dominus meus, et Deus meus.

(aus dem Evangelium zum zweiten Sonntag der Osterzeit; Joh 20, 28)

„Ostern ist das Siegesfest des Lebens.“ So hat die Schriftstellerin Gertrud von le Fort den Sinn dieses Festes zum Ausdruck gebracht. Diese Erfahrung wünsche ich allen Lesern meines Weblogs für die vor uns liegende Osterzeit.

Gute, erholsame Ostertage sowie eine gesegnete Osterzeit! Ihr Axel Bernd Kunze

Schlaglicht: Argumentation auf den Kopf gestellt

Julia Knop fordert von den Priestern, ihr Standesdenken aufzugeben (Neues Priesterbild gefordert. Diener der menschlichen Freude ohne Standesdenken, in: Katholisches Sonntagsblatt, Nr. 8, 21. Februar 2021, S. 6). Und führt als Beleg für ihre Position Gottesdienste während des Lockdown ins Feld. Das Beispiel stellt auf den Kopf, worum es bei der Liturgie geht. Jede Eucharistie wird in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche gefeiert, niemals privat. Gerade ein Priester, der in einer Krisensituation stellvertretend für seine Gemeinde Liturgie feiert, wird seiner dienenden Funktion gerecht. Knop kritisiert falschen Standesdünkel und ist selbst darin verfangen. So verkennt die Erfurter Theologin, wie trostreich es im Frühjahr war, zu wissen, dass die Liturgie weitergeht, auch wenn öffentliche Versammlungen verboten waren.

Zum Weiterlesen zum selben Thema:

Der Gottesdienst muss weitergehen, auch ohne öffentliche Versammlung

Neuer sozialethischer Literaturbericht

Die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle und die Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik haben den neuen sozialethischen Literaturbericht für 2020 veröffentlicht. Ferner gibt es einen kumulierten Literaturbericht für den Zeitraum von 2009 bis 2019. Beiträge zur Bildungsethik finden sich jeweils in Kapitel 8.

Sozialethische Veröffentlichungen von Axel Bernd Kunze aus dem Jahr 2020:

Sozialethische Grundlagenfragen

Kunze, Axel Bernd: Sozialethische Umkehr. Zur politisch-gesellschaftlichen Diakonie in Krisenzeiten, in: Die Neue Ordnung, 2020/74/3, S. 164 – 173.

Kirchliche Dokumente

Kunze, Axel Bernd: „Aus dem Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums“ („Gravissimum educationis“; GE 8). Überlegungen zum Erziehungsauftrag (nicht nur) katholischer Schulen, in: Katholische Bildung, 2020/121/11-12, S. 241 – 251.

Politische Ethik

Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Sich erinnern: woran, warum und wozu? Texte und Zitate zu Erinnerung, Demokratie und Zivilität. o. O. (Bamberg) 2020.

Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Fred Forchheimer: Verfolgung – Emigration – Selbstbehauptung. „Omnia mea mecum porto“ (Alles, was mein ist, trage ich bei mir). o. O. (Bamberg) 2020.

Dietz, Alexander; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd; Schwienhorst-Schönberger, Ludger: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie. Leipzig 2020.

Dietz, Alexander; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd; Schwienhorst-Schönberger, Ludger: Zum Geleit, in: Dieselben: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie. Leipzig 2020, S. 5 – 7.

Dietz, Alexander; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd; Schwienhorst-Schönberger, Ludger: Einleitung, in: Dieselben: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie. Leipzig 2020, S. 11 – 27 [Anmerkungen: S. 215].

Dietz, Alexander; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd; Schwienhorst-Schönberger, Ludger: Ausblick, in: Dieselben: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie. Leipzig 2020, S. 203 – 214 [Anmerkungen: S. 226].

Kunze, Axel Bernd: Wird der Rechtsstaat noch verstanden? Sozial- und bildungsethische Überlegungen zu einem konstitutiven Merkmal unseres Gemeinwesens, in: Dietz, Alexander; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd; Schwienhorst-Schönberger, Ludger: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie. Leipzig 2020, S. 137 – 175 [Anmerkungen: S. 222 – 224].

Kunze, Axel Bernd: Woraus lebt ein Gemeinwesen? Sozial- und bildungsethische Überlegungen zu den kulturellen Grundlagen des Staates, in: Dietz, Alexander; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd; Schwienhorst-Schönberger, Ludger: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie. Leipzig 2020, S. 177 – 201 [Anmerkungen: S. 225].

Kunze, Axel Bernd: Unvereinbar? Überlegungen zum Verhältnis von Parteien und Korporationen am Beispiel der SPD, in: Sigler, Sebastian (Hg.): Die Vorträge der 79. Deutschen Studentenhistorikertagung Jena 2019 zugleich Festschrift anlässlich des 90. Geburtstages von Klaus Gerstein, München 2020, S. 173 – 220.

Kunze, Axel Bernd (Mitarb.): Zitate zu Erinnerung, Demokratie und Zivilität, in: Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Sich erinnern: woran, warum und wozu? Texte und Zitate zu Erinnerung, Demokratie und Zivilität. o. O. (Bamberg) 2020, S. 13 – 16.

Wirtschaftsethik und Sozialpolitik

Kunze, Axel Bernd: Keine Privatsache, in: Concilium, 2020/56/5, S. 597 – 602.

Kunze, Axel Bernd: Bildung und Beteiligung. Ein Impuls aus der Erzieherausbildung an Fachschulen für Sozialpädagogik, in: Engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule, 2019/37/4, S. 209 – 213 [faktisch 2020].

Ethik der Lebensformen

Kessel, Sibylle; Kunze, Axel Bernd; Lorenz, Andreas; Simpfendörfer-Autenrieth, Magdalene (Red.): Unter neuen Vorzeichen. Weinstadt (Rems) 2020.

Kunze, Axel Bernd: Wann ist Schule „gerecht“?, in: Elternforum, 2020/-/3-4, S. 18 f.

Bildung, Wissensgesellschaft, Medien, Kultur

Kunze, Axel Bernd: Pädagogik als Menschenrechtsprofession. Bildungsethische Überlegungen zur Praxis von Schule und Lehrerbildung – am Beispiel der Inklusion, in: Danz, Simone; Sauter, Sven (Hg.): Inklusion, Menschenrechte, Gerechtigkeit. Professionstheoretische Perspektiven. Stuttgart 2020, S. 69 – 102.

Kunze, Axel Bernd: Corona-Denglisch, in: Kessel, Sibylle; Kunze, Axel Bernd; Lorenz, Andreas; Simpfendörfer-Autenrieth, Magdalene (Red.): Unter neuen Vorzeichen. Weinstadt (Rems) 2020, S. 18 f.

Kunze, Axel Bernd: Wissenswertes zu unserer Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik, in: Kessel, Sibylle; Kunze, Axel Bernd; Lorenz, Andreas; Simpfendörfer-Autenrieth, Magdalene (Red.): Unter neuen Vorzeichen. Weinstadt (Rems) 2020, S. 9 – 11.

Kunze, Axel Bernd; Lorenz, Andreas: Lernen im Grünen – oder: natürlich digital, in: Kessel, Sibylle; Kunze, Axel Bernd; Lorenz, Andreas; Simpfendörfer-Autenrieth, Magdalene (Red.): Unter neuen Vorzeichen. Weinstadt (Rems) 2020, S. 12 – 17.

Kunze, Axel Bernd (Mitarbeit im Hg.-Kreis): Denk doch mal. Onlinemagazin für Arbeit – Bildung – Gesellschaft. München 2020, Der deutsche Qualifikationsrahmen – eine kritische Bilanz, 2020/-/1; Mehr Werte statt Mehrwert in der Bildung!, 2020/-/2; Wie kann Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung gelingen?, 2020/-/3; Berufliche Erfahrung – Nonformale und informell erworbene Kompetenzen, 2020/-/4.

Kunze, Axel Bernd (Hg.-Beirat): Engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule. Münster (Westf.) 2020, Pädagogische Theorien der Schule – warum und wozu?, 2020/38/1; Flucht – Migration – Bildung, 2020/38/2; Entwicklungsfeld Internatspädagogik, 2020/38/3; Antisemitismus, 2020/38/4.

Kunze, Axel Bernd (Wiss. Beirat): Pädagogikunterricht. Die Fachzeitschrift für die pädagogische Fächergruppe. Wesel (Niedrrhn.) 2020, Perspektiven eröffnen. Institutionalisierung – Professionalisierung – Realitätsverarbeitung, 2020/40/1; Fragen, Argumentieren, Urteilen – Bildungsprozesse ermöglichen, 2020/40/2-3; PU digital, 2020/40/4.

Kunze, Axel Bernd (Wiss. Beirat): Pädagogikunterricht. Die Fachzeitschrift für die pädagogische Fächergruppe. PU-Spezial. Wesel (Niederrhn.) 2020, Volker Ladenthin: Pädagogik, das Bildungsfach, 2020/-/April.

Kunze, Axel Bernd (Beirat): Manifest für Bildung. Schluss mit der Bildungs-Deform. o. O. (Wuppertal) 2020.

Kunze, Axel Bernd: Bildungsgerecht. Überlegungen für ein Schulsystem, das dem Einzelnen gerecht wird, in: Bildung aktuell, 2020/71, 6, S. 6 – 8.

Kunze, Axel Bernd: Eine Verteidigung der Präsenzlehre. Erste Antwortversuche auf die Erfahrungen des Sommersemesters 2020, in: Burschenschaftliche Blätter, 2020/135/3, S. 100 – 105.

Kunze, Axel Bernd: Wann ist Schule „gerecht“?, in: Engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule, 2020/38/2, S. 137 – 140.

Kunze, Axel Bernd: Couleurstudentisches Corona-Tagebuch, in: Studenten-Kurier. Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschule und Korporationen, 2020/34/3-4, S. 4 f.

Kunze, Axel Bernd: Jedermann hat das Recht auf Bildung (Art. 26 Abs. 1 AEMR 1948). Das Recht auf Bildung als Querschnittsthema innerhalb der Erzieherausbildung, in: Academia, 2020/-/20.04./, https://www.academia.edu/42713057/Das_Recht_auf_Bildung_als_Querschnittsthema_innerhalb_der_Erzieherausbildung.

Kirche und Gesellschaft sowie Religionssoziologie

Kunze, Axel Bernd: Die Macht befreien, in: Concilium, 2020/56/3, S. 337 – 341.

Kunze, Axel Bernd: Der Gottesdienst muß weitergehen, auch ohne öffentliche Versammlung, in: Die Neue Ordnung, 2020/74/5, S. 371 – 373.

Kunze, Axel Bernd: Eine unnachahmliche Formel (Mt 22, 15 – 21), in: Der Prediger und Katechet, 2020/159/6, S. 732 – 735.

Kunze, Axel Bernd: Verheißungsvolle Freude (Jes 35, 1 – 6a. 10), in: Der Prediger und Katechet, 2020/159/1, S. 25 – 28.

Geschichte des Sozialkatholizismus

Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus 2020. Vier Gedenkveranstaltungen am 27. und 28. Januar 2020. o. O. (Bamberg) 2020.

Aufruf: Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden

Als Mitunterzeichner weise ich auf den Aufruf „Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden“ des Vereins Deutsche Sprache (VDS) hin. Der Aufruf kann hier unterzeichnet werden. Unter dem Link findet sich auch die Liste der Erstunterzeichner und der weiteren Unterstützer. – Sapere aude! In diesem Sinne entscheide jeder, ob er sich dem Aufruf anschließen will. Ich habe unterzeichnet, da ich es für wichtig erachte, der weiteren Ideologisierung unserer Sprache und der Zerstörung eines zentralen Elements unserer deutschen Kulturnation entgegenzutreten. Wer das generische Maskulinum nicht mehr anerkannt, hat dies gravierende Folgen, wie die aktuelle Forderung der Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch zeigt: Diese fordert eine „geschlechtergerechte“ Umformulierung des Grundgesetzes über den Weg einer Verfassungsänderung. Bleibt die Frage, wie lange für solche Forderungen angesichts der zu erwartenden Coronafolgen noch Geld zur Verfügung steht.

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AUFRUF:

Der Verein Deutsche Sprache e. V. fordert alle Freunde der deutschen Sprache auf, den aktuellen Bestrebungen der Dudenredaktion zu einem Umbau der deutschen Sprache entgegenzutreten. So wird auf den Internetseiten des Duden das in der deutschen Grammatik und im modernen Sprachgebrauch fest verankerte generische Maskulinum abgeschafft: „Mieter: Substantiv, maskulin – männliche Person, die etwas gemietet hat.“ Frauen könnten demnach keine Mieter sein. Damit widerspricht der Duden nicht nur den Regeln der deutschen Grammatik, sondern auch dem Bundesgerichtshof, der im März 2018 letztinstanzlich festgehalten hat, dass mit der Bezeichnung „der Kunde“ Menschen jeglichen Geschlechts angesprochen seien. Die Beschwerde der Klägerin, die von ihrer Sparkasse mit „Kundin“ angeredet werden wollte, wurde kürzlich vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

Mit seiner Ankündigung, mehr als 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen mit weiblicher und männlicher Form in die Netz-Version des Werkes aufzunehmen, betreibt der Duden eine problematische Zwangs-Sexualisierung, die in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist. Das biologische Geschlecht (Sexus) ist nicht mit dem grammatikalischen Geschlecht (Genus) gleichzusetzen. „Der Engel“ ist geschlechtslos, „der Scherzkeks“ kann auch eine Frau sei. Noch absurder wird das Vorgehen bei der Betrachtung des Plurals: „Die Ärztekammer“ vertritt Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen, ebenso wie das Finanzamt Geld vom „Steuerzahler“ einzieht – unabhängig vom Geschlecht. Wenn wir konkrete Personen ansprechen, sagen wir selbstverständlich „Ärztin“ oder „Lehrerin“.

Indem er diese Grundsätze missachtet, ist der Duden auf dem Weg, seine Rolle als Standard-Referenzwerk für das Deutsche aufzugeben. Indem er Sprache nicht mehr nur widerspiegelt, sondern sie aktiv verändert, widerspricht er seinen eigenen Grundsätzen. Der VDS fordert deshalb den Duden auf, seine Sexualisierungspläne zu überdenken, in Zukunft sensibler und behutsamer mit der deutschen Sprache umzugehen, und sich auf seine ursprünglichen Ziele zu besinnen.

Herzliche Glück- und Segenswünsche zum Jahreswechsel

Am 18. Januar 2021 jährt sich zum hundertfünfzigsten Mal die Gründung des deutschen Kaiserreiches. Der bekannte Studentenhistoriker Harald Lönnecker schreibt hierzu: „Am 18. Januar 1971 gab die Deutsche Bundespost in einer Auflage von 30.000 Stück eine Sonderbriefmarke zum 100. Jahrestag der deutschen Reichsgründung heraus. Zugleich erschien in identischer Auflage eine Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert […] 2021 wird zwar Eberts 150. Geburtstag gewürdigt, von der Reichsgründung ist jedoch nicht mehr die Rede.“ Das politische Berlin schweigt dieses für die Geschichte der deutschen Nationalstaatswerdung wichtige Datum tot – wie zuvor schon die Jubiläen der Urburschenschaft oder des Wartburgfestes. Im Gegenteil: Die alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot werden zunehmend kriminalisiert. Schwarz-Rot-Gold wird zwar vom Bundespräsidenten betont, aber möglichst ohne Bezug auf die untrennbar damit verbundene burschenschaftliche Nationalbewegung. Diese „Farben-“ und Erinnerungspolitik wirft ein bezeichnendes Licht auf den Umgang mit den Traditionen und geistigen Werten unserer deutschen Geschichte im merkelgeführten Deutschland. Ein Volk, das sich seiner Geschichte nicht mehr bewusst ist, verliert seine Identität und sein Nationalbewusstsein. Noch einmal Fbr Lönnecker: „1871 gab der deutschen Einheit Normalität. Ebenso der bundesstaatlichen Form, denn als Einheitsstaat hätte Deutschland nicht funktioniert. Und blicke man ein paar Jahre weiter, erkenne man, auch der Sozialstaat und das Parteiensystem wurzeln im Kaiserreich.“ Wir würden gut daran tun, den 18. Januar 1871 nicht zu vergessen. Denn ohne dieses Datum, so der Militärhistoriker Michael Epkenhans, gebe es letztlich auch keine Bundesrepublik Deutschland. Um deren geistige Grundlagen steht es nicht unbedingt zum Besten.

Unser Land steht im kommenden Jahr vor nicht geringen Herausforderungen, die keinesfalls allein der Coronapandemie geschuldet sind. Die Gesellschaft ist gespalten, der öffentliche Diskurs polarisiert. Der Rechtsstaat ist brüchig geworden und hat an Vertrauen verloren. Das Freiheitsbewusstsein schwindet, der „offiziell“ geduldete Diskurskorridor verengt sich zusehends. Die programmatischen Worte unserer burschenschaftlich geprägten Nationalhymne werden in einer solchen Situation zu so etwas wie einem kollektiven Neujahrswunsch für alle, denen unser Gemeinwesen am Herzen liegt: Einigkeit und Recht und Freiheit!

Allen Lesern und Leserinnen meines Weblogs wünsche ich persönlich einen gesegneten Jahreswechsel sowie alles Gute, Gesundheit, Zuversicht und Gottes Segen für das neue Jahr. Der streitbare bildungsethische Diskurs wird weitergehen. Denn Bildung bleibt wichtig, wenn wir die wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Folgen dieses Krisenjahres meistern wollen. In diesem Sinne herzlichen Dank für Ihre Treue und Ihr anhaltendes Interesse an Beiträgen und Nachrichten zu einer Sozialethik der Bildung.

In memoriam: P. Prof. Dr. Anton Rauscher SJ verstorben

Vor den Weihnachtstagen verstarb der langjährige Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach, P. Prof. Dr. Anton Rauscher SJ. Einen Nachruf aus der Feder seines Nachfolgers finden Sie auf den Seiten der KSZ. Mögen sein Leben und sein theologisches Werk bei Gott angenommen sein. Was an irdischer Erinnerung bleibt, ist seine handschriftliche, lateinische Widmung im persönlichen Exemplar des von ihm herausgegebenen, beeindruckenden „Handbuches der Katholischen Soziallehre“ (Berlin 2008), das gerade mit seinen staatsethischen Beiträgen dem Verfasser immer wieder wertvolle Hilfe geleistet hat.

Have, pia anima!

Gesegnete Weihnachten

Video caelos apertos, et Iesum stantem a dextris virtutis Dei. Alleluia.

(aus der Liturgie am 26. Dezember)

Liebe Leser und Leserinnen meines Weblogs,

herzlichen Dank für alle Verbundenheit im zu Ende gehenden Jahr und für Ihre Interesse an meinem bildungsethischen Weblog. Ich freue mich, wenn wir die bildungsethische Debatte auch im neuen Jahr gemeinsam fortsetzen.

Dieses Mal möchte ich meinem Weihnachtsgruß einige Gedanken zum zweiten Weihnachtstag beifügen. Bereits seit dem vierten Jahrhundert feiert die Kirche an diesem Tag den heiligen Erzmärtyrer Stephanus. Weil sein Fest in die Weihnachtsoktav fällt, wird er auch als einer der „Begleiter Christi“ bezeichnet.

Gesegnete, friedvolle Weihnachtstage sowie alles Gute, Wohlergehen und Gottes Segen für das neue Jahr!

„Gerade einmal ein Tag und eine Nacht – und die Weihnachtsidylle ist wie weggeblasen. Ein neues Kapitel bricht in den heutigen Lesungen für das junge Christentum an: Die Steinigung des Stephanus ist Auftakt für die Verfolgung und Zerstreuung der Jerusalemer Urgemeinde.

Weitere Verfolgungen werden folgen, bis in unsere Tage. Papst Johannes Paul II. schrieb vor der Jahrtausendwende: „In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt, häufig unbekannt, gleichsam ‚unbekannte Soldaten‘ der großen Sache Gottes.“ Ein Ende ist nicht abzusehen. Das Christentum sei die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft weltweit, urteilen Nichtregierungsorganisationen. Das Hilfswerk „Open Doors“ spricht von rund 160 Millionen verfolgten Christen; in 69 Ländern seien sie Bedrohungen oder Benachteiligungen ausgesetzt.

Schon die Evangelien sprechen von Verfolgungen, mit denen die Anhänger Jesu zu rechnen haben. […] Nach der Apostelgeschichte war der Diakon Stephanus der erste, der seinen Glauben sogar mit dem Leben bezahlte. Was zunächst wie ein geordneter Prozess beginnt, gerät außer Kontrolle. Falsche Zeugen heizen die Stimmung an, bis zum Lynchmord.

Stephanus verteidigt sich in einer glänzenden Rede, welche die Wut seiner Gegner nur noch mehr anstachelt. Ausgehend von den Patriarchen, zeigt er auf, wie die Heilsgeschichte Israels auf Jesus zuläuft. Nicht mehr Gesetz und Tempel sind entscheidend. Gottes Heiligkeit offenbart sich in einer Person, in der Gott selbst Mensch wurde. Immer wieder hat sich Israel gegen Gott aufgelehnt und sein Gesetz missachtet. Am Ende konnte selbst Jesus sich der Verwerfung nicht entziehen.

Hier zeigt sich das entscheidende Kennzeichen eines christlichen Martyriums: Es gründet in einer Beziehung. Der Märtyrer stirbt nicht für eine bestimmte Weltanschauung oder eine abstrakte Idee. Der Märtyrer stirbt für Jesus Christus, der schon vorweg für ihn gestorben ist. Das Martyrium ist die stärkste Form des Zeugnisses, die der Christ ablegen kann. Der Märtyrer gibt sich selbst und wird dadurch Christus ähnlich, der die Freiheit besaß, sich selbst ganz am Kreuz hingeben zu können – für das Heil der Menschen. Jesus ist in seinem Zeugen gegenwärtig. Sein Geist ist es, so sagt es Matthäus, der in der Stunde der Entscheidung aus dem Märtyrer spricht. 

Der heilige Augustinus nennt die Märtyrer „Fürsten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“. Das Martyrium bezeugt den Glauben an Gott, der die Kraft hat aus dem Tod zu retten. Wer in der Taufe mit Christus gestorben ist, weiß, dass er auch mit ihm auferstehen wird. Gegen die Gefahr, angesichts der Unausweichlichkeit von Gewalt zu resignieren, verkörpert der Blutzeuge die Hoffnung, dass Sünde und Gewalt nicht das letzte Wort in der Geschichte haben werden. Dem gewalttätigen Nein der Menschen stellt er den Tod Christi entgegen: So wie Christus am Kreuz übereignet er sich der offenbarenden Liebe Gottes und stellt Gott restlos sein Leben zur Verfügung.

Das Martyrium provoziert: nicht allein die Verfolger, die durch die Bereitschaft zur Ganzhingabe in Frage gestellt werden. Indem es den unbedingten Anspruch der Sache Jesu bezeugt, bleibt das Martyrium auch eine Anfrage an die Kirche und an jeden Einzelnen von uns.

Auch wir sind dazu berufen, treu zu Jesus Christus zu stehen und den Glauben an ihn zu bezeugen. […] Zeugnis beginnt im Alltag. Dort sollen wir Zeugnis ablegen von der Hoffnung, die uns erfüllt. Es liegt an uns, ob andere vom Evangelium erfahren oder ob wir den Schatz des Glaubens verstecken – aus der Angst heraus, aufzufallen, anzuecken, ausgelacht zu werden, als intolerant zu gelten oder auch als ewiggestrig.“

(Auszug aus: Axel Bernd Kunze, in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen, 17. Jg., Heft 6/2020)

Offener Brief: Ein Abonnent geht von Bord

… und wieder hat ein sog. Flaggschiff einen Abonnenten verloren. Professor Brenner, der schon früher in einem Offenen Brief seine Mitgliedschaft in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft gekündigt hat, hat nun auf dieselbe Weise sein Abonnement der FAZ beendet.

Einige der genannten Kommentare und Beiträge haben auch bei mir Unmut erzeugt. In der Hochzeit des „Stillstands“ hatte ich dann die NZZ im Probeabonnement. Die journalistische Qualität ist dort grundsätzlich (noch?) höher; allerdings reicht mir die Deutschlandberichterstattung auch bei der NZZ-Deutschlandausgabe dann am Ende doch nicht aus. So sehe ich momentan keine Alternative zur FAZ, wenn die journalistische Qualität dort auch bedenklich nachgelassen hat.

Der Offene Brief findet sich unter folgendem Link: https://www.tumult-magazine.net/post/peter-j-brenner-k%C3%BCndigung-der-faz

Neuerscheinung: Couleurstudentisches Corona-Tagebuch

„Wie signalisieren und realisieren Sie in Corona-Zeiten den besonderen Zusammenhalt Ihrer Verbindung?“ fragte die Zeitschrift „Studenten-Kurier. Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschule und Korporationen“, herausgegeben von der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte (GDS). In der aktuellen Ausgabe 2 + 3/2020 wurden ausgewählte Antworten abgedruckt, darunter auch der Beitrag „Couleurstudentisches Corona-Tagebuch“ (34. Jg. der Neuen Folge, S. 4 f.) von Axel Bernd Kunze (LB! Alemannia zu Bamberg, B! Rheno-Germania Bonn, B! Alemannia Leipzig). Hier ein Auszug – zum ersten Onlinestammtisch im Stillstand:

Ist genug Bier im heimischen Kühlschrank kalt gestellt? Gut, dann kann es losgehen. Ja, es ist schön, die Bundesbrüder zu treffen, auch solche, die nicht immer so oft aufs Haus kommen können. Und auch der Verfasser dieser Zeilen hatte es im Wintersemester aus Termingründen nicht dorthin geschafft. Ein freudiges Hallo. Ein gemeinsames Anstoßen am Bildschirm. Auch ein glücklicher Vater mit seiner erst wenige Wochen alten Tochter ist anfangs dabei. Die Technik ist durchaus stabil. Eine willkommene Abwechslung in Coronazeiten mit „Home office“ und „Social Distancing“. So weit, so gut.

Aber das virtuelle Treffen hat auch deutliche Grenzen. Gespräche kommen eher zäh in Gang. Mancher klinkt sich über längere Zeit aus dem gemeinsamen Austausch aus. Woran liegt es? Sicherlich ist es ungewohnt, sich selbst beim Reden zuzusehen, wenn auch nur in einem kleinen Fensterchen auf dem Bildschirm. Vor allem fehlt die Möglichkeit zu Nebengesprächen, zum Austausch in kleiner Zweier- oder Dreierrunde, der Austausch mal nach rechts und mal links und mal quer über den Tisch, wie er bei einem Stammtisch üblich ist. Ein tieferes Gespräch, etwa über die beruflichen Erfahrungen in diesen herausfordernden Zeiten oder die politische Beurteilung des erzwungenen Stillstands und dessen Folgen, gelingt nur selten.

Das Experiment ist gelungen. Und doch kann ein virtuelles Treffen den persönlichen Austausch nicht ersetzen. Dieser wird hoffentlich bald wieder in kleiner Runde möglich sein, wenn auch ohne Händeschütteln und mit gebotenem Sicherheitsabstand.

Lehrveranstaltungen mögen online möglich sein, wenn auch gleichfalls mit Einschränkungen. Keilarbeit ist es nicht. So manche kleine Aktivitas wird vom Stillstand hart getroffen. Auch der neue Semesterstart im Herbst wird deutlich erschwert sein. Hier braucht es gute Ideen, wie das Verbindungsleben wieder in Schwung kommen und das verloren gegangene Keilpotential aufgefangen werden kann. Ein interkorporativer Austausch über gute Ideen wäre hilfreich, auch im Rahmen der GDS.