Neue Petition: Nein zum Gender-Deutsch!

Nein zum Gender-Deutsch bei Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen!

„Bürgerinnen und Bürger“, „Politikerinnen und Politiker“, „Lehrerinnen und Lehrer“, „Schülerinnen und Schüler“: Die politisch korrekte Ausdrucksweise, bei der ganz bewußt beide Geschlechter angesprochen werden, damit sich niemand diskriminiert fühlt, nimmt seit Jahren immer ausuferndere Formen an. Mittlerweile gibt es Anreden wie Profex (gendergerecht für Professor) oder durch eine kurze Pause mitgesprochene Gender-Sternchen für Personen, die sich zu keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen.

Unter dem Vorwand der „Geschlechtergerechtigkeit“ setzen Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen immer öfter „lächerliche Sprachgebilde“ (Wolf Schneider, Autor von „Deutsch für Profis“) des Gender-Sprechs durch, mit dem ein ideologischer Umerziehungsauftrag verbunden ist. So begrüßte Anne Will jüngst in ihrer Gesprächssendung in der ARD den Präsidenten des „Bundes der Steuerzahler (Pause) innen“. Vorwurfsvoll fragte sie den Verbandsvertreter, weshalb er seinen Verein noch nicht „gendergerecht“ umbenannt habe.

Beim ZDF-„heute journal“ wurden kürzlich die Wehrbeauftragten der vergangenen Jahre abgebildet (alles Männer) mit der Bildunterschrift „Werbeauftragte*r“. Moderator Claus Kleber sprach in seiner Sendung in einem Beitrag von „Künstler (Pause) innen“ – eine verbale Verneigung vor dem Gender-Sternchen.

Immer mehr Kommunen, Universitäten, Schulen, aber auch die Kirchen gehen dazu über, das „Gendern“ der Sprache in ihren Verlautbarungen verpflichtend zu erzwingen. Und dies ohne jede demokratische Legitimation, allein unter dem permanenten Druck linker Lobbygruppen.

Der Sprachwissenschaftler Prof. Peter Eisenberg kritisiert diese „gendersensiblen“ Formulierungen scharf als eine Gefahr für die deutsche Sprache. Als Beispiel griff Eisenberg eine jüngste Richtlinie der Stadt Hannover an: „Die Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache der Stadt Hannover ruiniert die Sprache“, stellte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in einem Zeitungsgespräch fest. Das reguläre Deutsche habe „alle Möglichkeiten zur Sichtbarmachung von Frauen“, ohne auf krude „Gender“-Formen zurückgreifen zu müssen.

Wir fordern von den Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender, den Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen, umgehend auf „Gender-Sprech“ zu verzichten und zum bewährten Deutsch zurückzukehren!

Die Unterschriften der Petition werden wir an die Intendanten von ARD und ZDF, den Deutschen Städtetag, die Bundesbildungsministerin, den Ratsvorsitzenden der EKD und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz weiterleiten.

Wie immer gilt: Sapere aude! Ich meine aber, dass es hier um ein wichtiges Anliegen geht, die Freiheit des Wortes und des öffentlichen Diskurses, die Schönheit der Sprache und ihre Ideologiefreiheit zu verteidigen. Wer die Petition unterstützen möchte, kann diese hier zeichnen: https://petitionfuerdemokratie.de/nein-zum-gender-deutsch/

Gesegnete Pfingsten

Wüstenerfahrungen können existentiell sehr wichtige Erfahrungen sein. Wir müssen auf vermeintliche Sicherheiten und Annehmlichkeiten verzichten. Aber gerade dann kann die Sehnsucht nach dem Mehr in unserem Leben wieder neu entfacht werden. Hieran erinnert Mose das Volk mit eindringlichen Worten: Nimm dich in Acht, werde nicht hochmütig, vergiss Gott nicht in den Zeiten, in denen es dir gut geht.

Die Mahnung bleibt auch für die Kirche aktuell. Diese lebt nicht aus eigener Kraft, sie lebt aus dem, was sie von Gott empfängt. Wo die Kirche zum Selbstzweck wird, wird ihre Botschaft hohl und leer. Die Kirche bleibt vielmehr angewiesen auf die dauernde Verbundenheit mit Jesus Christus. Nur in ihm und durch ihn wird sie lebendig bleiben. Jesus Christus selbst ist das lebendige Brot, von dem die Kirche lebt, die Kraft, aus der sie Nahrung und Leben erhält. Als pilgerndes Gottesvolk ist die Kirche mit leichtem Gepäck, aber einer klaren Sendung unterwegs. Was in der Eucharistie geschieht, soll sich im Leben der Gemeinde widerspiegeln. So wie wir in Christus verbunden sind, sollen wir auch untereinander verbunden sein. So wie es Jesu Sendung war, den Willen des Vaters zu tun, soll die Kirche seine Sendung fortsetzen.

(Predigtanregung zu Fronleichnam, Auszug aus: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 17 (2020), H. 3, S. 559 – 577)

Liebe Leserinnen und Leser!

Als die vorstehenden Zeilen entstanden sind, wussten wir nicht, dass dieses Jahr eine besondere Wüstenerfahrung für uns bereithalten wird: Aus Infektionsschutzgründen waren öffentliche Gottesdienste mehrere Wochen untersagt. Nun – an Pfingsten – lockert sich das öffentliche Leben wieder. Die Gedanken bleiben aber weiterhin aktuell, nicht nur an diesem Pfingstfest: einem Fest, das häufig auch als „Geburtsfest“ der christlichen Kirche bezeichnet wird.

Ich wünsche Ihnen gute, geisterfüllte, gesegnete Pfingsttage und freue mich weiterhin auf einen anregenden bildungsethischen Austausch.

Mit herzlichen Grüßen, Ihr Axel Bernd Kunze

Surrexit Christus, spes mea. Alleluja!

Allen Lesern und Leserinnen meines Weblogs wünsche ich gute, gesegnete Ostertage. Vielleicht können die folgenden Gedanken ein paar Akzente für die Osterzeit setzen. Herlichen Dank, dass Sie mein Weblog regelmäßig verfolgen. Bleiben Sie wohlbehütet in dieser herausfordernden Zeit. Ihr Axel Bernd Kunze

Petrus und Johannes am leeren Grab (Joh 20, 1 – 9)

Wir kennen diese Bilder, wenn Gerichtsprozesse mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Der Angeklagte will nicht erkannt werden. Er zieht sich die Jacke über den Kopf. Oder sein Anwalt hält dem Angeklagten einen aufgeschlagenen Aktenordner vors Gesicht.

Wer sein Gesicht zeigt, macht sich angreifbar. Wer etwas zu verbergen hat, muss sich verhüllen – sei es aus Scham oder Angst, aus Unsicherheit oder Verletzbarkeit. Auch das noch so schönste Kleid oder Gewand dient letztlich doch nur dazu, unsere Blöße zu bedecken.

Vor diesem Hintergrund lässt ein Detail im Osterevangelium aufmerken.

Was an Weihnachten geschehen ist, lässt sich leicht in Szene setzen: sei es als Krippendarstellung oder Weihnachtsspiel. Das kleine Kind in der Krippe, liebevoll betrachtet von Maria und Josef, Ochs und Esel daneben, umgeben von Schafen und den frommen Hirten – dieses Weihnachtsbild rührt immer wieder neu unser Herz.

Was an Ostern geschehen ist, lässt sich weniger gut darstellen. Das leere Grab wirkt nicht so reizvoll wie eine Krippenlandschaft. Und es trifft auch gar nicht den Kern des Ostergeschehens.

Denn Ostern ist kein bloßer Moment der Weltgeschichte, der sich so einfach abbilden ließe. Wenn wir dem Zeugnis des Neuen Testaments trauen, geht es an Ostern um eine neue Wirklichkeit, die in unsere Welt einbricht. Es geht um starke subjektive Erfahrungen, die nach und nach das Neue und Unfassbare zur Überzeugung haben werden lassen: Jesus lebt!

Die Ostergeschichten der Evangelien sind nicht mit einer Fotographie zu vergleichen. Vielmehr lassen sie die neue Wirklichkeit lebendig werden wie ein Künstler, der ein gutes, vielschichtiges Gemälde gestaltet.

Heute geht es um die frühen Erfahrungen dreier Osterzeugen: Da ist Maria von Magdala; und da sind Petrus und der Lieblingsjünger Jesu, Johannes. Die beiden Apostel laufen zum Grab, als Maria ihnen ganz aufgeregt berichtet, der Leichnam Jesu sei verschwunden. Und was sehen sie, als sie beim Grab ankommen?

Die Antwort des Evangelisten mag uns vielleicht erstaunen: Beschrieben werden die Leinenbinden und das Schweißtuch, in welche der Leichnam eingewickelt worden war. Sie sind nur ein kleines, scheinbar unbedeutendes Detail im vielschichtigen Ostergemälde. Und doch sagen sie eine Menge darüber aus, was an Ostern geschehen ist.

Der Mensch ist verletzbar, er muss seinen Körper schützen – nicht allein vor Kälte oder äußeren Gefahren, sondern auch vor den zudringlichen Blicken anderer. Wir haben es zu Beginn gehört.

Wo die Hülle fällt, die uns umgibt, sind wir bloßgestellt, dem Zugriff der anderen schonungslos preisgegeben. Die Tradition des Kreuzwegs widmet diesem Teil der Passion sogar eine eigene Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt. Endgültig wird er zum Gespött der Vorüberziehenden.

Aus Pietät schützen wir selbst den Leichnam noch vor den Blicken anderer und hüllen ihn in das Totenhemd. So geschieht es auch bei Jesus. Der seiner Kleider Beraubte und am Kreuz Gemarterte hat ausgelitten. Sein geschundener Leichnam wird von seinen Getreuen geborgen, in Tücher gehüllt und ins Grab gelegt.

Doch jetzt ist es anders. Die zurückgelassenen Leinenbinden und Tücher zeigen eine neue Wirklichkeit an, die mit Ostern in unsere Welt einbricht. Petrus und Johannes gehören zu den ersten, die das am Ostermorgen erfahren. Das Grab konnte den Gekreuzigten nicht festhalten. Er ist auferstanden in eine ganz neue Wirklichkeit, die alle irdischen Vorstellungen sprengt.

Der Auferstandene hat die Verletzbarkeit irdischer Existenz hinter sich gelassen. Der verklärte, von Osterherrlichkeit erfüllte Leib benötigt keinen Schutz mehr. Er bedarf nicht mehr der Verhüllung. Ostern lässt alle Hüllen fallen. Gottes Herrlichkeit strahlt auf und bricht in unsere Zeit.

Der Jesuit und Kirchenlieddichter Friedrich Spee hat mit seinem Lied Ist das der Leib, Herr Jesu Christ die Herrlichkeit und Unverletzbarkeit des verklärten Auferstehungsleibes poetisch beschrieben:

Der Leib empfindet nimmer Leid,

bleibt unverletzt in Ewigkeit,

gleichwie so viele tausend Jahr

die Sonne leuchtet eben klar.

Petrus und Johannes spüren etwas von dieser neuen Wirklichkeit an diesem Morgen. In der nächsten Zeit begreifen sie nach und nach immer stärker, was an Ostern geschehen ist. Ihr Bild von Ostern wird vielschichtiger und konkreter. Maria von Magdala, die als erste den Auferstandenen sehen darf, hat das Ihrige dazu beigetragen. Schließlich kann Petrus an Pfingsten öffentlich bekennen, wie wir aus der Apostelgeschichte gehört haben: Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen.

Der Kreis der Apostel war alles andere als eine „Supermannschaft“. Immer wieder musste Jesus die Jünger belehren, tadeln, ermahnen, zurechtweisen. Am Ende werden sie zu wichtigen Zeugen der Osterbotschaft – weil sie sich berühren ließen von dieser neuen Wirklichkeit und sich führen ließen vom Geist Gottes.

Lassen auch wir uns von dieser neuen Wirklichkeit ergreifen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch allen frohe und gesegnete Ostern.

Zwischenruf: Der Gottesdienst muss weitergehen – auch ohne öffentliche Versammlung!

„Man redet lang und viel“, so Christian Geyer am 30. März 2020 im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung [1]. Und verfehlt dann doch, was in herausfordernden Zeiten wie den gegenwärtigen zu sagen wäre. Nicht zum ersten Mal in der aktuellen Krise nimmt der Journalist scharfzüngig, aber durchaus treffend die Stellungnahmen seiner „Kollegen“ aus dem theologischen Feuilleton auseinander.

Aus Infektionsschutzgründen sind öffentliche Versammlungen verboten, auch in Kirchen, nicht aber Gottesdienste an sich. Und diese sollten weiterhin stattfinden, genauso wie das Osterfest in zwei Wochen. Sollte man meinen. Denn nichts gibt mehr Halt als ein Ritus, der auch in Krisenzeiten weitergeführt wird. Nichts entspricht dem sakramentalen Charakter der Kirche mehr als Priester, die stellvertretend und fürbittend den heiligen Dienst vollziehen. Und nichts ist tröstlicher als das Bewusstsein, dass es in der Liturgie eben doch immer um mehr geht als um das, was sich gerade hier und jetzt soziologisch erklären lässt. Gefragt sind jetzt nicht ein pastoralsoziologischer Kult um die Gemeinde, auch keine spirituellen Banalitäten oder niedrigschwelligen Trivialritualisierungen. In Krisenzeiten braucht es nicht spirituelles Toastbrot, sondern geistliches Schwarzbrot.

Vielfach war es die Kirche mit ihrer jahrhundertealten Kontinuität, die in Krisenzeiten Halt und Orientierung zu geben vermochte. Und was hören wir von Theologen jetzt? Da werden von Liturgiewissenschaftlern „Geistermessen“ kritisiert  [2] – als würde nicht jede Messe, und sei der Kreis der Mitfeiernden auch noch so klein, nicht privatissime, sondern gerade in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche gefeiert, der irdischen wie der himmlischen. Da wird gefordert, das Osterfest zu verschieben [3] – als sei der Auferstehungsglaube so etwas wie ein Pfarrfest, das man nur feiern kann, wenn die Gemeinde auch tatsächlich zu Bier und Bratwurst zusammenkommt. Da kommt aus der Schweiz der theologische Vorschlag für ein priesterloses Gedächtnismahl [4] – als sei das Sakrament nur ein kirchenpolitisches Vehikel, mit dem man, die Gunst der Stunde nutzend, die eigene theologische Privatmeinung durchsetzen könne. Da ätzt eine Theologin gegen einen „Retrokatholizismus“ [5] – als wolle man den Gemeinden nicht nur die öffentlichen Gottesdienste, sondern auch noch die private Volksfrömmigkeit nehmen. Und schließlich werden von Theologen, die sonst nicht oft genug fordern können, die Kirche müsse mit der Zeit gehen, im Internet übertragene Gottesdienste skandalisiert [6] – ohne sich vorstellen zu können, dass diese für viele Hochbetagte die letzte Möglichkeit sind, gemeinsame Gottesdienste überhaupt noch wahrzunehmen. Die Päpste früherer Zeiten hatten weniger Berührungsängste mit neuer Medientechnik und haben diese sehr offensiv für ihre Zwecke eingesetzt.

„Ihr macht uns die Kirche kaputt …“ [7] – möchte man da ausrufen, wenn dieser Buchtitel nicht schon längst besetzt wäre. Die Vorschläge zeugen weder von religionsgeschichtlichen Kenntnissen noch von pastoraler Sensibilität. Vielen Theologen scheint der Halt abhandengekommen zu sein. Beständige Dekonstruktion als theologisches Lieblingsspiel …

Doch eine Kirche, die gerade jetzt „zeitgemäß“ sein wollte (in Anlehnung an eine Formulierung des schon zitierten Christian Geyers in der Frankfurter Allgemeinen vom 25. März 2020 [8]), braucht anderen theologischen Rat. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, welchen Halt Tradition zu geben vermag: nicht als leere Form, sondern als Tabernakel, als ein Schatzkästlein geistlicher Nahrung, die auch in Zeiten der Dürre sättigt und am Leben erhält. Dies mögen für den einen Formen der Volksfrömmigkeit sein, etwa das Rosenkranz- oder Angelusgebet, für den anderen das Stundengebet  [9], und für den dritten die Mitfeier eines Gottesdienstes im Internet – alles Formen, auch ohne öffentliche Versammlung die kirchliche Verbindung zu pflegen und aus der Kraft der Liturgie zu leben. Hierfür sollten die Bischöfe Hilfestellung geben, wie es ein Erfurter Hirtenbrief mit seinen Vorschlägen zum häuslichen Nachvollzug der Kar- und Osterliturgie versucht. [10]

Es gehört zum juridischen Charakter des römischen Katholizismus, dass Bischöfe nun von der Sonntagspflicht dispensieren – das soll auch so bleiben. Gleichzeitig wäre es aber auch wichtig, die Priester anzuhalten, das gottesdienstliche Leben auch ohne öffentliche Versammlung in den Kirchen weiterzuführen. Kirche ist Heilsanstalt. Und als solche ist sie immer größer als die Gemeinde vor Ort, so wichtig die Kirchengemeinde vor Ort pastoral auch ist.

Mit welch unterschiedlicher Haltung der Coronakrise liturgisch begegnet wird, kann ein Vergleich verschiedener Gottesdienstankündigungen deutlich machen. In meiner Wohnortpfarrei erscheint der wöchentliche Pfarrbrief weiterhin; doch wo sonst immer der kirchliche Kalender mit den Gottesdienstzeiten abgedruckt wurde, steht nur noch der dürre Hinweis „Wegen der Corona-Krise müssen alle Gottesdienste bis einschließlich Sonntag, 19. April entfallen.“ – … müssen jetzt alle Gottesdienste „entfallen“!? Oder gilt dies nicht vielmehr nur für die öffentliche Mitfeier!?

Zwei Beispiele wie es auch anders geht: Der Verfasser ist häufig im nordenglischen Durham zu Gast. Die dortige römisch-katholische Pfarrei St. Cuthbert führt weiterhin alle Eucharistiefeiern auf, und zwar als „No Public Mass“. [11] Offensichtlich ist den englischen Priestern nicht bewusst, welchen liturgischen und geistlichen Flurschaden sie damit nach Ansicht deutscher Theologieprofessoren anrichten. Und im Rundbrief des Rektorats Canisianum der Priesterbruderschaft St. Petrus in Saarlouis liest sich die gegenwärtige Situation folgendermaßen: Auch hier wird die volle Messordnung abgedruckt – mit dem Hinweis: „Bitte berücksichtigen Sie die Bestimmungen des Bistums Trier, ob die Hl. Messen mit Beteiligung der Gläubigen gefeiert werden können.“ Ein klares Signal: Das liturgische Leben der Kirche geht weiter – auch in Zeiten der Krise.

An deren Ende wird sich zeigen, ob der gemeinsame Gottesdienst vermisst wurde oder nicht. Hoffen wir, dass er vermisst wird – weil es um die Verehrung Gottes geht. Wäre es anders, sollte dieses ein alarmierender Weckruf an die kirchlich Verantwortlichen sein.

[1] Christian Geyer: Man redet lang und viel. Der Kirchenreformdiskurs verfehlt die Debatte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 76 v. 30.03.2020, S. 11.

[2] Albert Gerhards, Benedikt Kranemann, Stephan Winter: Privatmessen passen nicht zum heutigen Verständnis von Eucharistie, in: katholisch.de, 18.03.2020, https://www.katholisch.de/artikel/24874-privatmessen-passen-nicht-zum-heutigen-verstaendnis-von-eucharistie.

[3] Clemens Leonhard: Ostern doch noch verschieben?, in: feinschwarz.net. Theologisches Feuilleton, 30.03.2020, https://www.feinschwarz.net/ostern-doch-noch-verschieben/.

[4] Daniel Bogner: Diese Krise wird auch die Kirche verändern, in: katholisch.de, 26.03.2020, https://www.katholisch.de/artikel/24963-diese-krise-wird-auch-die-kirche-veraendern.

[5] Julia Knop: „Ein Retrokatholizismus, der gerade fröhliche Urständ feiert“ – Julia Knop warnt vor kirchlichen Rückschritten angesichts Corona, in: Theologische Schlaglichter auf Corona, 26.03.2020, https://theologie-aktuell.uni-erfurt.de/warnung-vor-retrokatholizismus-knop/.

[6] Vgl. Johannes Loy: Winzige Gemeinde im Dom – dafür eine große im Netz, in: Westfälische Nachrichten, 20.03.2020, https://www.wn.de/Muensterland/4174192-Internet-Gottesdienste-Winzige-Gemeinde-im-Dom-dafuer-eine-grosse-im-Netz.

[7] Daniel Bogner: Ihr macht uns die Kirche kaputt … … doch wir lassen das nicht zu!, Freiburg i. Brsg. 2019.

[8] Christian Geyer: Jetzt ganz zeitgemäß. Die Messe ohne Volk, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 72 v. 25.03.2020, S. N 3.

[9] Wer mag kann auch dies via Internet in Gemeinschaft tun, etwa über den Livestream des Erzbischöflichen Priesterseminars Salzburg (t1p.de/priesterseminarsalzburg), über den täglich die Laudes und die Vesper „gestreamt“ werden.

[10] Kar- und Ostertage anders, bewusster erleben als sonst. Brief von Bischof Ulrich Neymeyr an die katholischen Christen in Vorbereitung auf Ostern (30.03.2020), in: https://www.bistum-erfurt.de/presse_archiv/nachrichtenarchiv/detail/kar_und_ostertage_anders_bewusster_erleben_als_sonst/.

[11] https://www.stcuthberts-durham.org.uk/archives/274.

 


Anmerkung der Redaktion

Der vorliegende Beitrag wurde als Leserbrief zum zitierten Beitrag von Clemens Leonhard (30.03.2020) vom Debattenportal „feinschwarz.net – Theologisches Feuilleton“ für eine Veröffentlichung abgelehnt. Früher stand ein Feuilleton einmal für den streitbaren Meinungskampf: Gekämpft wurde mit dem scharfen Schwert des freien Wortes um das bessere Argument. Und es gab Zeiten – aber es sind nicht die unsrigen – da übersetzte man Polemik noch mit Streitkunst – oder wie es die „Fliegenden Blätter“ einmal ausgedrückt haben: „Was ist Polemik? Eine öffentliche und moralische Balgerei zwischen zwei gebildeten Menschen, wobei statt Blut Tinte fließt.“ Aber ein solcher Streit hat in der Theologie gegenwärtig keine Heimat mehr. Auf Dauer bekommt dies einer Disziplin nicht. Streit belebt; alles schon von vornherein besser zu wissen, verödet die Debattenkultur. Es gibt „Banalitäten“, auch in der Kirche oder der Theologie. Dies ist nicht zu ändern. Darüber nicht reden zu wollen, schafft das Phänomen aber nicht aus der Welt. Über die Wertung könnte man sich dann immer noch streiten – ja, „könnte“, wenn es denn gewollt wäre. Bei „feinschwarz“ ist dies offenbar nicht der Fall, auch wenn es im Impressum heißt, man wolle „pluralen und pluralitätsfähigen Diskussionen“ Raum geben. Die Antwort der Redaktion erweckte den Eindruck, man wüsste schon im Voraus, welche Vorschläge „bedenkenswert“ seien – und welche besser gar nicht erst das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollten. Das könnte man auch als „Vor-Urteil“ bezeichnen, ist aber leider kein Einzelfall. Häufig ist innerhalb der theologischen Debatte zu beobachten, wie etikettiert, aber nicht mehr argumentiert und analysiert wird. Ein Feuilleton, das ohne Debatte und ohne Streitkultur auskommen will, ist intellektuell kalter Kaffee und verzichtbar. Ob etwas „bedenkenswert“ ist oder nicht (das gilt selbstverständlich auch für die Position des Verfassers dieser Zeilen) entscheidet sich erst in der offen geführten Debatte. Wir sollten uns wieder an das Wort Voltaires erinnern: „Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.“

Neuerscheinung: Wüstenerfahrung

Vielleicht kann der folgende Text einen geistlichen Impuls für die herausfordernden Zeiten setzen, die wir gegenwärtig durchstehen müssen:

Wüstenerfahrungen gibt es viele – im Leben der Kirche wie im Leben des Einzelnen. Jeder von uns wird möglicherweise eine andere Erfahrung vor Augen haben, die er als Wüstennot und Durststrecke erlebt hat – etwa eine tiefe Enttäuschung, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder in der Schule, eine Krankheit, Phasen der Einsamkeit oder der Verlust eines lieben Menschen, Glaubenszweifel und sinkenden Lebensmut.

Die Kirche in unserem Land scheint gegenwärtig auch eine Wüstenzeit zu durchleben. Die Zahl der aktiven Gläubigen sinkt. Immer mehr Menschen leben ohne kirchliche Bindung so, als würde ihnen nichts fehlen.

Aber auch diese Erfahrung ist nicht neu, wie die Mahnung des Mose in der heutigen Lesung zeigt. Er schärft dem Volk ein, die Erinnerung an die Wüstenjahre im Wohlstand nicht zu vergessen. Es geht um wertvolle Erfahrungen mit Gott, die auch für das Leben im Land ihre Bedeutung besitzen. Es geht um die Erfahrung, dass Gott mitgezogen ist in die Wüste. Ausdruck seiner liebenden Sorge sind das Manna und das Wasser aus dem Felsen, mit dem Gott den Hunger des Volkes gestillt hat.

Aber es geht nicht allein um körperliche Bedürfnisse. Im Menschen ist eine Sehnsucht lebendig, die über die bloßen Mittel zu seiner Daseinserhaltung hinausgehen. Die Sehnsucht nach Liebe und Gemeinschaft, nach Freiheit und Sinn – und nicht zuletzt die Sehnsucht nach Gott. Unsere Sehnsucht ist größer als das, was wir Menschen einander versprechen können. Daher lebt der Mensch nicht allein vom Brot, so wichtig dieses für unser Leben auch ist, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.

Wüstenerfahrungen können existentiell sehr wichtige Erfahrungen sein. Wir müssen auf vermeintliche Sicherheiten und Annehmlichkeiten verzichten. Aber gerade dann kann die Sehnsucht nach dem Mehr in unserem Leben wieder neu entfacht werden. Hieran erinnert Mose das Volk mit eindringlichen Worten: Nimm dich in Acht, werde nicht hochmütig, vergiss Gott nicht in den Zeiten, in denen es dir gut geht.

Die Mahnung bleibt auch für die Kirche aktuell. Diese lebt nicht aus eigener Kraft, sie lebt aus dem, was sie von Gott empfängt. Wo die Kirche zum Selbstzweck wird, wird ihre Botschaft hohl und leer. Die Kirche bleibt vielmehr angewiesen auf die dauernde Verbundenheit mit Jesus Christus. Nur in ihm und durch ihn wird sie lebendig bleiben. Jesus Christus selbst ist das lebendige Brot, von dem die Kirche lebt, die Kraft, aus der sie Nahrung und Leben erhält.

(von Axel Bernd Kunze; aus einem Predigtvorschlag zum diesjährigen Fronleichnamsfest, veröffentlicht in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen, 17. Jg., H. 3/2020, S. 559 ff.)

Bleiben Sie alle wohlbehütet! Hoffen und beten wir für unser Land und für die, für die wir pädagogisch Verantwortung tragen, damit wir diese Zeit der Krise durchstehen. Und stellen wir anschließend die richtigen Fragen, damit wir aus den Erfahrungen lernen.

Neue Internetadresse: www.bildung-und-ethik.com

Liebe Leserinnen und Leser,

das Weblog BILDUNGSETHIK mit Beiträgen und Nachrichten zu einer Sozialethik der Bildung ist künftig unter der neuen Internetadresse

https://bildung-und-ethik.com/

erreichbar. Die bisherige Internetadresse bleibt weiterhin gültig.

Ich freue mich weiterhin auf einen angeregten bildungsethischen Austausch mit Ihnen und danke Ihnen für Ihr Interesse an meinem Weblog.

 

 

Neu: Sozialethischer Literaturbericht für 2019

Die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle in Mönchengladbach und die Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik haben den sozialethischen Literaturbericht für 2019 veröffentlicht. Bildungsethische Veröffentlichungen finden sich in Kapitel 8:

Klicke, um auf Sozialeth-Publ-2019-20-01-2020.pdf zuzugreifen

Ein Literaturbericht für die Vorjahre 2009 bis 2018 findet sich hier.

Neue Veröffentlichungen verlinkt

In der rechten Menüspalte finden Sie neue Arbeitsproben und Auswahlveröffentlichungen zu pädagogischen und sozialethischen Themen verlinkt.

Ferner finden Sie unter der Kategorie „Kolumnen“ einen Link zu den sozialethischen Kolumnen, die regelmäßig in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in der „Tagespost“ erscheinen. Unter der Kategorie „Kolumnist der ‚Tagespost'“ finden Sie Kolumnen von Axel Bernd Kunze, Bildungsethiker an der Universität Bonn.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Herzlichen Dank und alles Gute zum neuen Jahr

Leider war das vergangene Jahr für die Publikations- und Meinungsfreiheit in der Kirche kein gutes Jahr, wenn ich allein an die Auseinandersetzungen um zwei traditionsreiche Titel katholischer Publizistik, „Die Neue Ordnung“ und „Die Tagespost“, denke. Für den gerade in der katholischen Kirche beginnenden Synodalen Weg sind das keine guten Vorzeichen. Aber die Kirche ist keine Ausnahme: Das Diskursklima in unserem Land insgesamt verengt sich zunehmend. Umso wichtiger ist es, das Gespräch nicht abreißen zu lassen und fair miteinander zu ringen – um die Kraft des besseren Arguments. Denn was im Diskurs bleibenden Wert besitzt, wird sich allein im freien, fairen, konstruktiven Meinungsstreit erweisen. Boykottaufrufe sollten kein Mittel der wissenschaftlichen und publizistischen Auseinandersetzung sein. In diesem Sinne verbinde ich die Grüße zum bevorstehenden Jahreswechsel mit einem herzlichen Dank für Ihr Interesse an meinem Weblog, für allen bildungsethischen Austausch und das gemeinsame Gespräch über die Fragen unserer Zeit.

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen meines Weblogs eine erholsame Zeit „zwischen den Jahren“ sowie Gesundheit, Zuversicht und Gottes Segen für das neue Jahr.

Ihr Axel Bernd Kunze