PÄDAGOGIK UND PANDEMIE – Alfred-Petzelt-Stiftung lädt zu ihrer ersten Jahrestagung mit einem aktuellen Thema ein

In Kooperation mit der Sektion Pädagogik der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft richtet die Alfred-Petzelt-Stiftung am 25. September 2020 ihre erste Jahrestagung aus – angesichts der aktuellen Umstände in digitalem Format. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist bis zum 18.09.2020 möglich. Nähere Informationen wie Programm und Anmeldemodalitäten finden sich unter: gg2020.foki-institut.de

Am Vormittag wird die Sektion Pädagogik der Görres-Gesellschaft von 11.00 bis 13.15 Uhr ihre Jahrestagung unter das brandaktuelle Thema „Pädagogik und Pandemie“ stellen. Ab 13.30 Uhr wird dann die Alfred-Petzelt-Stiftung mit zwei Vorträgen das Thema „Pädagogik und Geltung“ fokussieren. Angesichts gegenwärtiger Debatten um Fake-News, Verschwörungstheorien, Status von Wissenschaft usw. hat der Stiftungsvorstand eine Koinzidenz von Aktualität und überdauernder Grundlegungsproblematik als Rahmenthema gewählt.


Als Vortragende konnte die Alfred-Petzelt-Stiftung Herrn Prof. Dr. Thorsten Fuchs von der Universität Koblenz-Landau sowie den Stipendiaten der Stiftung, Herrn Gaudenz Welti, von der Universität Bern gewinnen.

Nach den zwei thematischen Teilen schließt die Tagung mit der Verleihung des Promotionspreises der Görres-Gesellschaft, der von der Petzelt-Stiftung im Rahmen einer seit 2019 bestehenden Kooperationsvereinbarung finanziert wird.


Der Vorstand der Alfred-Petzelt-Stiftung lädt ganz herzlich zur kostenfreien Teilnahme ein.

Im Namen des Stiftungsvorstands grüßt freundlich

Thomas Mikhail

Schlaglicht: Es geht um mehr als Seenotrettung

Die Seenotrettung zählt zu den uralten moralischen und rechtlichen Pflichten: eine  Verpflichtung, die aber gegenwärtig im Mittelmeer auf skrupellose und massenhafte Weise von Organisierter Kriminalität ausgenutzt wird. Viele zivilgsesellschaftliche Akteure tragen dazu bei, dass die europäischen Staaten gegen diese nicht robuster, auch militärisch vorgehen. Die Kirchen spielen hier ebenfalls eine unverantwortliche Rolle, indem sie sich zu Fürsprechern eines unbegrenzten Niederlassungsrechtes in Europa machen. Sie machen nicht allein Politik möglich, wie sie gern für sich in Anspruch nehmen, sondern betreiben Politik mit fragwürdigen Zielen. Denn ein solches Recht gibt es aus guten Gründen nicht, darum wird moralischer Druck erzeugt – auch im Verbund der norddeutschen Kirchenzeitungen. Auf Dauer untergräbt dies die Stabilität der Staats- und Rechtsordnung in Europa.

ZUM WEITERLESEN:

Axel Bernd Kunze: Wird der Rechtsstaat noch verstanden? Sozial- und bildungsethische Überlegungen zu einem konstitutiven Merkmal unseres Gemeinwesens, in: Alexander Dietz/Jan Dochhorn/Axel Bernd Kunze/Ludger Schwienhorst-Schönberger: Wiederentdeckung des Staates des Staates in der Theologie, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020, S. 137 – 175 [Anmerkungen: S. 222 – 224].

Rezension: Die Macht befreien

„Politik, Theologie und die Frage der Macht“ lautet der Titel des neuen Themenheftes 3/2020 der Zeitschrift „Concilium“. Unter der Überschrift „Die Macht befreien“ rezensiert Axel Bernd Kunze darin folgende Titel:

Sebastian Holzbrecher, Julia Knop, Benedikt Kranemann, Jörger Seiler (Hgg.): Revolte in der Kirche? Das Jahr 1968 und die Folgen, hg. im Auftrag des Theologischen Forschungskollegs der Universität Erfurt, Freiburg i. Brgs.: Herder 2018, 352 Seiten.

Peter Neuner: Turbulenter Aufbruch. Die 60er Jahre zwischen Konzil und konservativer Wende, Freiburg i. Brsg.: Herder 2019, 310 Seiten.

Walter Wink: Verwandlung der Mächte. Eine  Theologie der Gewaltfreiheit, hg. v. Thomas Nauerth u. Georg Steins u. übersetzt unter Mitwirkung v. Anka Schneider u. Anja Mehrmann, Regensburg: Friedrich Pustet 2014, 172 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Die Macht befreien, in: Concilium 56 (2020), H. 3, S. 337 – 341.

Leseprobe aus der Rezension:

Das Evangelium stemmt sich politischen Heilslehren entgegen, die sich absolut setzen. Es liefert selbst aber auch kein umfassendes göttliches Gesetz. Politik aus christlicher Verantwortung gewinnt Kontur im politischen Diskurs. Motivation für eine solche Politik kann das geben, was Thomas Nauerth und Georg Steins einleitend als „engagierte Bibellektüre“ bezeichnen. Doch Vorsicht! Das Evangelium verliert gerade dort seine inspirierende und transformierende Kraft, wo es vorschnell parteipolitisch verengt wird. Leider lassen die beiden Herausgeber der deutschsprachigen Übersetzung diese Vorsicht in ihrer Einleitung vermissen, wenn sie das vorliegende Werk nahezu bruchlos einzelnen theologischen Konzepten aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts zuordnen, etwa der „Theologie der Hoffnung“ oder der „Neuen Politischen Theologie“. Die faszinierenden Beispiele, die Wink als Beleg für die verwandelnde Kraft von Jesu Botschaft vor dem Leser entfaltet, entziehen sich einer derart vorschnellen Vereinnahmung für einzelne partikulare Konzepte, seien sie theologischer oder indirekt auch politischer Natur.

Eines vorweg geschickt: Unter einem ähnlichen Manko leidet letztlich auch Peter Neuners Rückblick auf die bewegten Jahre des Konzils. Der Theologe, der bis 2006 Dogmatik und ökumenische Theologie in München lehrte, will ermutigen: Der Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils wirke bis heute fort – trotz Glaubensverlusts und lehramtlicher Gegenbewegungen. So weit, so gut. Doch dem Autor mangelt es mitunter an der notwendigen Distanz, die beschriebenen Ereignisse, Akteure oder Bewegungen zeitgeschichtlich „sine ira et studio“ einzuordnen. Immer wieder fühlt man sich beim Lesen im Urteil gelenkt. Die politischen Umbrüche und sozialen Bewegungen jener Zeit werden mitunter reichlich holzschnittartig beschreiben. Grautöne schimmern selten durch. Die Rollen sind klar verteilt.

Neuerscheinung: Glosse zum Verschwinden christlicher Feiertagskultur

Der Internationale Frauentag (8. März), der Tag der Befreiung (8. Mai) oder der Weltkindertag (20. September) sind mittlerweile in einzelnen Bundesländern zum staatlichen Feiertag erklärt worden. Axel Bernd Kunze beschäftigt sich in einer Glosse in der Doppelausgabe 8-9/2020 der Zeitschrift „Der Fels“ mit dem langsamen Verschwinden einer christlich geprägten Feiertagskultur. Warum, so fragt er provozierend, sollte nicht auch der Welttag des Lehrers zum Feiertag werden? Zwei Gründe sprechen dafür: Zum einen ließe sich der Feiertag durch einen Brückentag zum Tag der Deutschen Einheit gut für einen Kurzurlaub im Goldenen Herbst nutzen. Zum anderen hätten wir einen Feiertag ohne störende religiöse, identitätsstiftende Bezüge. Der launige Vorschlag reagiert auf eine Wortmeldung Christiane Thieles zu Pfingsten: Die evangelische Theologin und Hochschulpfarrerin hatte vorgeschlagen, den Pfingstmontag als Feiertag durch Jom Kippur zu ersetzen. Allerdings geht es bei dem Vorschlag gar nicht um das Judentum: Ein allgemeines Versöhnungsfest soll es werden. Ein schwammiger Humanismus soll künftig die sozialethischen Orientierungswerte retten. Die „Glosse aus aktuellem Anlass“ glaubt nicht, dass ein solches Ansinnen tragfähig wäre.

Axel Bernd Kunze: Feiertagskultur ohne störende religiöse Bezüge. Glosse aus aktuellem Anlass, in: Der Fels 51 (2020), H. 8-9, S. 256 f.