Schlaglicht: Neue staatliche „Leitkultur“?

„Beschneidung überdenken!“, fordert Jochen Bittner in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 15. März 2018: http://www.zeit.de/2018/12/religionsfreiheit-beschneidung-grundgesetz-debatte

Nach Island war es nur eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande die Debatte wieder auf den Tisch kommen würde. Es ist schon bezeichnend, wie hier „religiöse Überzeugungen“ gegen „staatliche Freiheitsrechte“ ausgespielt werden. Ist einerseits Religionsfreiheit kein Freiheitsrecht mehr? Und sind andererseits Freiheitsrechte nicht in erster Linie vorstaatlich und nicht „staatlich“? Der „multikulturelle“ Staat, in dem keine Leitkultur mehr gelten darf, muss steuern, weil das Vertrauenspotential im gemeinsamen Zusammenleben schwindet. Wo über Kultur nicht mehr normativ geredet werden darf, wird der Staat selbst zur Norm und zwingt seine Bevölkerung dazu, ihre individuellen Überzeugungen auf ein gemeinsames Einheitsniveau zu nivellieren – so entsteht auch eine „Leitkultur“, die aber aus ideologischen Gründen nicht so genannt werden darf.

Der Bundestag hat nicht, wie Bittner behauptet, religiöse Gebote pauschal über das Grundgesetz gestellt, das eben auch das Recht auf Religionsfreiheit garantiert. Wenn sowohl Religionsfreiheit als auch körperliche Unversehrheit individuelle Freiheitsrechte sind, muss im Konfliktfall zwischen beiden nach einer Lösung im praktischen Vollzug gesucht werden, bei der beide betroffenen Rechte möglichst weitgehend verwirklicht werden – etwa in der Form, dass die Beschneidung aus religiösen Gründen weiterhin möglich wird, wenn die Eltern ihre Kinder in einer bestimmten Religion erziehen wollen, dass dabei aber bestimmte Mindeststandards medizinisch-ethischer Art beachtet werden müssen, deren Einhaltung der Staat dann im Rahmen der für alle geltenden Gesetze auch kontrollieren darf.

Rezension: Beredtes Schweigen auf weißen Seiten

Hain-Team (Gestaltung): Christliches in der AfD, Würzburg: Echter, 32 Seiten, Euro 2,90.

Wer „tabula rasa“macht, will Raum schaffen für neue Gedanken, die es wert sind, aufgeschrieben zu werden. So war es in der Antike, als die Römer ihr Wachstäfelchen wieder glatt strichen. Des Schreibens ist bis heute kein Ende – denn der menschliche Geist ist immer wieder erfrischend neu. Wenn wir denn wollen …

Eine Politik, die sich immer häufiger für alternativlos hält, verliert an Vertrauen. Grenzen seien im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht mehr zu schützen, die Flüchtlinge halt nun mal da – und der Bundeskanzlerin fällt auch nach einer deutlichen Wahlschlappe und auf Nachfrage nun wirklich gar nichts ein, was sie hätte anders machen können … Macht auch nichts, dass andere Länder das Gegenteil belegen. Wer will schon von seinem hohen moralischen Ross herabsteigen, auf dem es sich so herrlich sitzt. Allzu mühsam ist doch das politische Geschäft, Alternativen abzuwägen, nach Kompromissen zu suchen und angesichts harter politischer Konflikte um gerechte Entscheidungen zu ringen.

Wehe dem, der da schon im Namen behauptet, es könnte Alternativen geben. War dies nicht mal ein Zeichen für Bildung? … sich vorstellen zu können, dass es auch ganz anders sein könnte. Und wenn schon. Wer erklärt, was nicht sein kann, weil nicht sein darf, den lädt man besser erst gar nicht ein – so wie es das Zentralkomitee beim Jubiläumskatholikentag vorgemacht hat. Ein Schelm, der dabei weniger an die liberale Vereinsfreiheit und Katholikenemanzipation der 1848er Jahre denkt, als an ein anderes Zentralkomitee, das schon einmal bestimmte, was in Leipzig zu gelten habe oder nicht. Dabei bringt eine Schwalbe beim diesjährigen Katholikentag im bürgerlich-liberalen Münster noch keinen Sommer mit sich – sprich: die großzügige Einladung an einen Vertreter der AfD noch keinen Kurswechsel im routiniert eingespielten Funktionärskatholizismus.

Trotz extrem niedriger Priesterzahlen, zahlreicher Kirchenschließungen, immer größer werdender Pfarreifusionen und einer sinkenden Zahl an Gläubigen und Gottesdienstbesuchern fühlt man sich sicher, dass das vom Christentum geprägte kulturethische Fundament unseres Zusammenlebens schon irgendwie halten werde.

Aber etwas zu dessen Sicherung beitragen? Nein, das ist dann doch uncool, irgendwie provinziell und atmet so gar nicht den Duft der großen weiten Dialogwelt, in der man für alles und jeden offen ist, nur nicht für die eigene Tradition. Jüngstes Beispiel dieser Haltung ist ein Bändchen aus dem Würzburger Echter-Verlag. Wo aber Borniertheit dem eigenen Geist enge Grenzen setzt, ist es aus mit frischen Ideen. Das weiße Blatt Papier, hier säuberlich zu einer Art Buch zusammengebunden, das beschrieben werden will, wird zum Menetekel. Der in diesem Fall zu leicht befunden wird, ist am Ende aber der Herausgeber oder Autor selbst, der sich nicht scheut, auch noch die eigene „Gedankenlosigkeit“ vor anderen zur Schau zu tragen.

Besser könnte man nicht demonstrieren, wie wenig ein in den üblichen Floskeln des Politbetriebs erstarrter Katholizismus sozialethisch beizutragen hat zur Debatte um die Sicherung unserer staatlichen Grundlagen und unserer kulturellen Identität. Wo die Demokratie zur „GroKo“ infantilisiert wird, verkommt der politische Diskurs zum Boulevard. Und katholische Publizistik und Politikethik mittendrin, nicht nur dabei: die „heute“-Show auf katholisch, jetzt auch in Buchform.

Das in Preis und Ausstattung als „Give-away“ konzipierte Bändchen demonstriert, wie sich die katholische Gesellschaftslehre von ihrer einmal hochstehenden staatsethischen Tradition verabschiedet hat. Wer sich um die Grundlagen des Staates sorgt, sich für die Identität des eigenen Volkes einsetzt, die Rechtsfunktion des Staates hochhält, für eine geordnete Menschenrechtspolitik eintritt und gegen Christenverfolgung streitet, wird in der Katholischen Soziallehre durchaus fündig werden – und dabei so manches „blaue Wunder“ erleben können. Wer aber nur mehr weiße Blätter zustande bringt, sollte sich am Ende nicht wundern, wenn in nicht mehr allzu ferner Zukunft immer mehr sozialethische Lehrstühle nicht nur wackeln, sondern auch fallen. Ebenso hat sich der bekannte Würzburger Verlag mit dem Band aus der Reihe seriöser Publikationsorte verabschiedet.

Man muss kein Freund irgendeiner bestimmten Partei sein – das Evangelium ist politisch, aber nicht parteipolitisch. Katholiken, die aus gläubiger Verantwortung Politik betreiben, findet man in allen Bundestagsparteien. Und das ist auch gut so. Wenn man sich aber politisch positioniert, sollte man auch mit offenem Visier kämpfen. Wer hinter den weißen Seiten steht, wird dem Leser nicht verraten. Umso scheinheiliger wirkt es, wenn dieser am Ende aufgefordert wird, seine eigenen Fundstücke einzusenden – man behalte sich vor, diese dann in einer Broschüre abzudrucken, auch anonym. Glaubt man so, politisch vermeintlich aus dem Ruder gelaufene Gläubige öffentlich vorführen zu können!?

Auf dem Katholikentag in Münster wird sicher wieder viel von Dialog, Offenheit und Vielfalt die Rede sein. Wie blechern solches Wortgeklingel oftmals daherkommt, zeigt sich dort, wo der sozialethische Diskurs zum effektheischenden, inhaltsentleerten Klamauk verkommt – und sich dabei selbst blamiert. Wer sich einen Sinn für die starke Tradition katholischer Staats- und Gesellschaftslehre bewahrt hat, wird peinlich berührt sein. Die weißen Seiten demonstrieren auf schonungslose Weise, wie wenig Substantielles der heutige Sozialkatholizismus zu den brennenden Zukunftsfragen um Migration und Integration beizutragen hat – und dies ist beschämend angesichts der ernsthaften Fragen, vor denen wir stehen. Wie die etablierten Parteien in ihren Sondierungsgesprächen schleicht der offizielle „Kirchentalk“ genauso um die offensichtlichen Probleme und drängenden Fragen herum wie die sprichwörtliche Katze um den heißen Brei. Man könnte dies auch als eigene geistige Verzwergung begreifen.

Schlaglicht: Die Titellehre von Privatdozenten – ein Anachronismus?

„Die Titellehre – ein Anachronismus?“, fragt Sascha Sven Noack in der aktuellen Märzausgabe der Zeitschrift „Forschung und Lehre“ des Deutschen Hochschulverbandes (S. 230 f.). Sein Beitrag bezieht sich auf ein Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes von Ende 2017. Das Gericht stellt die bisherige Praxis nicht grundsätzlich in Frage, mahnt aber an, dass Lehrveranstaltungen, die im Rahmen bestehender Prüfungsordnungen angeboten werden und damit von öffentlichem Interesse seien, auch vergütet werden müssten. Der Autor sieht nach dem Urteil durchaus Anlass, die Titellehre neu in den Blick zu nehmen. Doch die Fragen reichen weiter, als von ihm skizziert.

Wir erleben gegenwärtig, dass jahrzehntelang eingespielte Mechanismen auf den Prüfstand gestellt werden, sei es der NC für Mediziner oder das Streikverbot für Beamte. Man mag diese Entwicklung bedauern oder begrüßen. Es gibt aber mindestens genauso viele gute Gründe, über die konkrete Ausgestaltung der Titellehre neu nachzudenken. Es ist grundsätzlich unehrenhaft, wenn eine erbrachte Leistung nicht vergütet wird. Bereits die Habilitation und das Aufrechterhalten der Bewerbungsfähigkeit des Habilitierten sollten von öffentlichem Interesse sein, nicht erst die Prüfungsrelevanz der erbrachten Titellehre. Bei der Prüfung ihrer Verhältnismäßigkeit muss die Verdichtung vieler akademischer Berufe berücksichtigt werden. Eine nebenberufliche Lehr- und Forschungstätigkeit fällt immer schwerer und wird von Politik und Trägern oft auch gar nicht mehr gewünscht. Die neue Studienstruktur erschwert mancherorts das Abhalten von Blockseminaren. Befreiungen von der Titellehre sollten daher im Sinne der (auch gesundheitlichen) Fürsorgespflicht großzügig gehandhabt werden. Da Lehrveranstaltungen an Fachhochschulen, Fach- und Meisterschulen auf Stufe 6 des DQR dem universitären Bachelor im Kompetenzerwerb gleichgestellt worden sind, ist es nicht mehr plausibel, dass diese nicht auf die Titellehre angerechnet werden. Gleiches gilt für Lehraufträge, da Universitäten mittlerweile selber berufsqualifizierende BA-Studiengänge anbieten, die von den eigenen Dienstherrn im Tarifrecht als nichtwissenschaftlich eingestuft werden.

Neuerscheinungen zur Pädagogik der frühen Kindheit aus dem Jahr 2017

Die Kommission Pädagogik der frühen Kindheit der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft hat – wie schon in den Vorjahren – eine Publikationsliste mit Neuerscheinungen zur Elementarbildung veröffentlicht, die von den Kommissionsmitgliedern 2017 veröffentlicht wurden. Die Liste kann online abgerufen werden.

Hingewiesen sei aus der Liste auf folgende bildungsethisch interessante Titel:

Beiträge aus Sammelwerken

Kunze, A. B. (2017): Bildungsgerechtigkeit vor den Herausforderungen komplexer Ungleichheiten: Sozialraumorientierung als Beispiel für das Zusammenspiel von Bildungs- und Sozialer Arbeit. In: Vogt, M./Schallenberg, P. (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten. Von der empirischen Analyse zur gerechtigkeitstheoretischen Reflexion. Paderborn: Ferdinand Schöningh, S. 193 – 205.

Kunze, A. B. (2017): Christliche Bildungs- und Erziehungsverbände. In: Görres-Gesellschaft/Verlag Herder (Hrsg.): Staatslexikon. Recht – Wirtschaft – Gesellschaft in 5 Bänden, Band 1, Freiburg (Brsg.): Herder, 8. Aufl., Sp. 1059 – 1066.

Zeitschriftenartikel

Kunze, A. B. (2017): Beim Recht auf Bildung geht es um mehr als Schulstrukturreformen – Bildungsethische Anstöße für die Didaktik des Pädagogikunterrichts. In: Pädagogikunterricht 37 (2/3), S. 11 – 17.

Kunze, A. B. (2017): Gemeinsame Rituale wecken Verständnis für Religion. In: Elternforum 50 (3-4), S. 8 f.

Kunze, A. B. (2017): Kinderrechte ins Grundgesetz?. In: Die Tagespost 70 (3. Juni); auch online: http://www.die-tagespost.de/politik/Kolumne-Kinderrechte-ins-Grundgesetz;art314,179090; http://www.ksz.de/fileadmin/user_upload/Tagespost/Kunze-Mensch.PDF; Wiederabdruck in: ZVL-Kurzinfo (7).

Neuerscheinung: Lexikon der Schulsozialarbeit

„Als Standardwerk orientiert sich das Lexikon der Schulsozialarbeit an sozialen Problemen in der Schule und ihrem sozialräumlichen Umfeld. Rund 200 Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis der Schulsozialarbeit liefern in über 450 Stichworten eine sorgfältige Darstellung der Grundlagen und Rahmenbedingungen.

Das Lexikon

  • bündelt fachpraktische Hinweise, Erfahrungen und eine gezielte Auswahl von Best-practice-Beispielen,
  • trägt dem rasant wachsenden Bedeutungsgewinn der Schulsozialarbeit Rechnung,
  • leistet einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung des Berufsfeldes,
  • bietet mittels funktionaler Verbindungslinien und inhaltlicher Verknüpfungen eine hervorragende Orientierungs- und Entscheidungshilfe.“

Herbert Bassarak (Hg.): Lexikon der Schulsozialarbeit, Baden-Baden: Nomos 2018, 634 Seiten.

Bildungsethisch sind u. a. folgende Artikel interessant:

  • Axel Bernd Kunze: Berufsethik der Sozialen Arbeit (S. 64 ff.)
  • Ders.: Beteiligung – Beteiligungsgerechtigkeit (S. 73 f.)
  • Ders.: Bildung, Recht auf (S. 83 f.)
  • Ders.: Kurative Aufgaben der Schule (S. 315 f.)
  • Ders.: Menschenbild (S. 345 f.)
  • Ders.: Menschenrechtsbildung (S. 346 f.)

 

Sozialethische Publikationen 2017

Jährlich erstellen die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle in Mönchengladbach und die Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Sozialethiker eine Publikationsliste aktueller sozialethischer Veröffentlichungen. Die neue Liste mit Neuerscheinungen aus dem Jahr 2017 ist soeben erschienen; bildungsethische Veröffentlichungen finden sich in Kapitel 8 (S. 17 f.):

http://www.ksz.de/fileadmin/user_upload/Sozialethischer_Literaturbericht/Sozialethische-Publ-2017-PDF.pdf

Die kumulierte Publikationsliste mit Veröffentlichungen der Jahre 2009 bis 2016 ist ebenfalls aktualisiert worden:

http://www.ksz.de/fileadmin/user_upload/Sozialethischer_Literaturbericht/Sozialethische-Publ-2009-2016-PDF__2_.pdf

AfD-Programmatik sozialethisch umstritten

Vor der vergangenen Bundestagswahl 2017 kam eine Auftragsstudie des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften sowie des Zentrums für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft, die für die Bevollmächtigten der katholischen Bischöfe gegenüber den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstellt worden war, zum Ergebnis, dass die Grundpositionen der neuen Partei Alternative für Deutschland (AfD) nicht mit der katholischen Soziallehre vereinbar seien:

Marianne Heimbach-Steins, Alexander Filipovic u. a.: Grundpositionen der Partei „Alternative für Deutschland“ und der katholischen Soziallehre im Vergleich. Eine sozialethische Expertise (Sozialethische Arbeitspapiere des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften; 8), o. O. (Münster) 2017.

Die Studie ist online zu lesen.

Die Studie erfuhr – nicht zuletzt in kirchlichen Medien – eine breite Aufmerksamkeit. Zwei kritische Kommentare finden sich hier; Daniel Führing kritisiert im zweiten Kommentar nicht zuletzt die unpräzise Begrifflichkeit der Studie: http://lutzsperling.de/wp-content/uploads/2017/10/Die-bestellte-Expertise.pdf und http://web.tuomi-media.de/dno2/Dateien/NO118-4.pdf

Der dem katholischen Denker Gottfried Herder zugeschriebene Satz „Völker sind Gedanken Gottes“ widerspricht nicht dem katholischen Selbstverständnis. Trotz eines christlichen Universalismus denkt der Katholik subsidiär. Der Mensch trägt nach christlichem Verständnis eine Verantwortung in letzter Instanz vor Gott, jedoch
auch vor dem Nächsten, seiner Familie, der Gesellschaft und dem Volk in dem erlebt, auch der Ärmsten – jedoch nicht einer abstrakten und somit wenig realistischen Vorstellung einer Menschheit. An diesem Punkt scheiden sich eine linke von einer nicht-linken, eben rechten Weltanschauung.

(Daniel Führing)

 

Angesichts des gegenwärtigen Ringens um die Regierungsbildung auf Bundesebene und möglicher Neuwahlen könnte sich die Frage nach einer Koalitionsfähigkeit der 2017 erstmals in den Bundestag eingezogenen AfD neu stellen. In den gegenwärtigen Schwierigkeiten, eine stabile Regierung zu bilden, spiegeln sich zwei Entwicklungen innerhalb der aktuellen Parteienlandschaft wider: Zum einen haben sich die drei Parteien innerhalb der bisherigen Großen Koalition weltanschaulich im links-liberalen Spektrum so weit angenähert, dass eine Kompromissbildung, ein wichtiges Element demokratischer Entscheidungsfindung, erkennbar schwer fällt. Zum anderen sind die weitgehend ohne parlamentarische Grundlage gefällten Grundsatzentscheidungen der vergangenen Legislaturperiode zur Grenzöffnung und zum Umgang mit der kulturellen Identität des Staatsvolkes weniger widerspruchsfrei hingenommen worden, als die politische Führung erwartet hat; ein Vertrauensverlust in die gegenwärtigen Parteiführungen ist nicht zu übersehen.

Grundsätzliche Überlegungen zum Staatsverständnis der gegenwärtigen Christlichen Sozialethik findet sich in einem Beitrag für die „Neue Ordnung“ aus dem vergangenen Jahr: http://web.tuomi-media.de/dno2/Dateien/NO517-5.pdf

 

Diskussion: Haben korporierte Männerbünde eine Zukunft?

Im Lassalle-Kreis haben sich korporierte Sozialdemokraten zusammengeschlossen. Auf den Internetseiten des Netzwerkes wird die Frage gestellt, ob Studentenverbindungen, die allein Männer aufnehmen, auf Dauer noch eine Zukunft haben. Die Pro-Seite vertritt Axel Bernd Kunze, Mitherausgeber des Sammelbandes „Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lasalle bis heute“; die Kontra-Seite vertritt Florian Boenigk, Bundesvorsitzender des Lassalle-Kreises.

PRO: Haben Männerbünde Zukunft? – Ja!

Wurde früher im Verbindungswesen um den konfessionellen Standpunkt gerungen, ist es heute die Geschlechterfrage, die kontrovers diskutiert wird. Viele Begründungen kommen eher plump daher – nach dem Motto: In gemischten Beziehungen gibt es ständig nur Beziehungsstress … Politisch sind Männerbünde als Karrierenetzwerke und Seilschaften in Verruf geraten, die ihren Mitgliedern ungerechtfertigte Vorteile verschaffen. Solche Vorstellungen überschätzen nicht nur den heutigen Einfluss studentischer Korporationen, sie werden auch deren Selbstverständnis nicht gerecht. (Axel Bernd Kunze)

Der vollständige Debattenbeitrag findet sich hier: http://www.lassalle-kreis.de/node/1116

KONTRA: Der Männerbund – ein Auslaufmodell

Bleiben Studentenverbindungen ein Raum oder gar ein Rückzugsraum für Männer oder werden sich künftig mehr Männerbünde auch für Frauen öffnen? Diese Frage könnte existenziell für Verbindungen werden. Von einer immer breiteren Öffnung für alle Studierenden ist auszugehen – und das liegt nicht nur an sozialdemokratischen Forderungen. (Florian Boenigk))

Der vollständige Debattenbeitrag findet sich hier: http://www.lassalle-kreis.de/node/1117

 

 

Vorankündigung: BILDUNG IN DER DEMOKRATIE

Axel Bernd Kunze: Bildung in der Demokratie. Warum pädagogischer Eigensinn und Freiheit unverzichtbar sind

(Reihe „Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukuunft“, Band 13), Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft 2018, ca. 170 Seiten.

 

Pädagogik ist nicht selbst politisch, aber politisch relevant – durch das, was sie im Einzelnen lenkt. Indem Bildung zur Freiheit im Denken, Reden und Handeln befähigt, ist sie für Demokratie unverzichtbar. Umgekehrt wird sich nur ein demokratisch verfasster Staat politisch mündige Bürger wünschen und auch ertragen können.

Pädagogischer Widerspruch ist dort notwendig, wo Bildungspolitik die Bürger glauben machen will, sie wüsste schon im Voraus besser, wofür diese ihre Freiheit einsetzen sollten. Die Zukunft liegt nicht fertig vor uns, sondern muss erst noch entworfen werden – unter Herausforderungen, die wir heute noch nicht überblicken können. Den hierfür notwendigen Mut zur Freiheit wird nur eine Pädagogik wecken können, die sich ihren pädagogischen Eigensinn nicht rauben lässt und ihre eigene pädagogische Freiheit nicht unter Wert verkauft.

Ausgehend von einem solchen Bildungsverständnis, beleuchtet der Band aus pädagogischer und bildungsethischer Perspektive aktuelle Bildungsaufgaben, vor denen unser Gemeinwesen steht: von einer Erziehung zur Toleranz über gesellschaftliche Integration und Inklusion bis zum Umgang mit religiöser Vielfalt.

Der Verfasser ist promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler. Er leitet eine Fachschule für Sozialpädagogik und lehrt als Privatdozent am Bonner Zentrum für Lehrerbildung. Daneben ist er in München und Heilbronn als Lehrbeauftragter für (berufs-)ethische Fragen in der Sozialen Arbeit tätig.

Der Band erscheint voraussichtlch im ersten Halbjahr 2018. Vorbestellungen gern unter: Kunze-Bamberg@t-online.de

Neuerscheinung: Herausforderndes Verhalten von Kindern

Verschiedene Fachschulen und Kindertageseinrichtungen – darunter auch die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt – waren im Rahmen des Transferverbundes Kindheitspädagogik unter Leitung der Evangelischen Hochschule Freiburg (Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff) am Forschungsprojekt „Herausforderndes Verhalten von Kindern“ (HeVeKi) beteiligt gewesen. Ziel des Projektes war es, ein Curriculum für die Weiterbildung Pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu erarbeiten und unterrichtspraktisch zu erproben. Inzwischen liegen die Projektergebnisse in gedruckter Form vor:

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse und Claudia Tinius: Herausforderndes Verhalten von Kindern professionell bewältigen. Ein Curriculum für die Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen (Materialien zur Frühpädagogik; 20), o. O. (Freiburg i. Brsg.) 2017.