Anlässlich des diesjährigen Stiftungsfestes der Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg:
Nachruf auf Prof. Dr. Alfred Egid Hierold +, Altrektor der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Die Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg trauert um den verstorbenen Altrektor der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Hochwürdigsten Herrn Prälaten Professor Dr. Alfred Egid Hierold, Ehrenmitglied der K.St.V. Fredericia Bamberg und der KAV Capitolina zu Rom. Altrektor Hierold wurde am 29. Dezember 1941 in Vohenstrauß geboren. Er war von 1989 Prorektor, dann von 1992 bis 2000 Rektor unserer Alma Mater.
Akademischer Werdegang
Professor Hierold studierte Theologie in Regensburg und München. Dort begeisterte ihn sein Lehrer Klaus Mörsdorf, einer der bekanntesten Kanonisten Deutschlands, für das Kirchenrecht. Nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1967 in Regensburg und einer Kaplanszeit in Eggenfelden erwarb Hierold am 20. Februar 1975 das Lizenziat im kanonischen Recht; am 23. Februar 1978 wurde er mit einer Arbeit zum Thema „Grundlegung und Organisation kirchlicher Caritas: unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Teilkirchenrechts“ promoviert.
Seit dem 1. April 1980 lehrte er an der Universität Bamberg, wo er am 1. März 1981 zum ordentlichen Professor für Kirchenrecht berufen wurde. Schon sein Lehrstuhlvorgänger, Othmar Heggelbacher, war von 1972 bis 1973 Rektor der damaligen neuen Gesamthochschule Bamberg gewesen. Theologen wurden in Bamberg gern in das höchste Universitätsamt gewählt; von den bisher sechs Amtsinhabern kam die Hälfte aus der Disziplin.
Hierolds Forschungsschwerpunkte waren kirchliches Verfassungsrecht, Eherecht, Caritasrecht und Fragen der Militärseelsorge. Bereits seit 1983 Gastprofessor wurde er nach seiner Emeritierung ordentlicher Professor für Kanonisches Recht an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien.
Hochschulpolitisches und kirchliches Engagement
Der Verstorbene war neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit sowohl hochschulpolitisch als auch auf verschiedenen Ebenen kirchlich aktiv. So war er seit 1983 zugleich als Vizeoffizial des Erzbistums Bamberg tätig. Hierold engagierte sich in der Missiokommission der Erzdiözese, im Wissenschaftlichen Rat der Katholischen Akademie in Bayern, in der Caritaskommission der Deutschen Bischofskonferenz oder der Bolognakommission der römischen Bildungskongregation.
Hierold war seit 2005 Richter am neugegründeten Kirchlichen Arbeitsgerichtshof in Bonn. Weitere Tätigkeiten waren seine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der Katholischen Soldatenseelsorge, im Aufsichtsrat des Kolping-Bildungswerkes in der Erzdiözese Bamberg oder im Kuratorium des Collegium Oecumenicum in Bamberg, sein Vorsitz in der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung kanonischer Studiengänge in Deutschland oder seine Präsidentschaft im Verein der Freunde des Vatikanischen Geheimarchivs. Der Verstorbene förderte Sozialprojekte im Heiligen Land und war bis 2016 Prior der Komturei Bamberg des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, in deren Reihen er an der Fronleichnamsprozession teilnahm. Sonntags zelebrierte er in Friesen bei Hirschaid, wo man ihn auch beim Kartenspiel im örtlichen Brauereigasthof erleben konnte.
Zahlreiche kirchliche, universitäre, kommunale und staatliche Ehrungen würdigten Hierolds vielfältiges Engagement. Er war u. a. Päpstlicher Ehrenprälat (1993), Inhaber der Verdienstmedaille des Erzbistums Bamberg (2012) sowie der Bene-Merenti-Medaille der Universität Bamberg (2002), der Bürgermedaille der Stadt Bamberg (2002), Ehrenbürger der Märkte Hirschaid (2007) und Moosbach in der Oberpfalz (2008) sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse (1998).
Bamberger Rektoratszeit
Seine Amtszeit als Bamberger Rektor war durch einen deutlichen Ausbau der noch jungen Universität geprägt. Während seines Rektorats nahm die Universität das Marcushaus, das Gebäude für die Didaktik der Naturwissenschaften, das Haus Am Kranen 14, zwei Verwaltungsgebäude in der Kapuzinerstraße und das Rotenhanpalais in Betrieb. Unter Hierolds Ägide erfolgten die Übernahme der ehemaligen Dominikanerkirche, die zur Aula der Universität umgebaut wurde, und der Spatenstich für das Rechenzentrum. Interdisziplinäre Profilbildung war für Hierold ein wichtiges Anliegen; so entstand in seiner Amtszeit etwa das Zentrum für Mittelalterstudien (ZEMAS). Hierold setzte sich für die Förderung von Graduiertenkollegs und An-Instituten ein. So etablierten sich unter seinem Rektorat das Staatsinstitut für Familienforschung (ifb) oder das ehemalige europäische forum für migrationsstudien (efms). Ferner gab Hierold den Impuls zur Gründung der Bamberger Universitätsstiftung. Die Zahl der Professoren stieg in seiner Zeit als Rektor von rund siebzig auf hundertzwanzig.
Hierold war ein akademischer Lehrer, der begeistern konnte. „Sein Einsatz war unprätentiös, sein Programm undogmatisch und seine Haltung gradlinig – immer getragen von einem hohen Maß an kollegialem Verständnis und kaum zu erschütternder Freundlichkeit.“ So charakterisierte ihn einmal sein Nachfolger im Rektorenamt, der Religionspädagoge Professor Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert.
Ich kann mich noch gut an die große Abschiedsvorlesung von Professor Hierold 2007 in der neuen Universitätsaula erinnern. Sein Traum war damals, im Alter noch einen Bootsführerschein zu erwerben. Schonungslos und ohne diplomatische Rücksichtnahme kritisierte Hierold die damalige wissenschaftspolitische Entscheidung, die theologische Fakultät in Bamberg auf Eis zu legen, was einer faktischen Schließung gleichkam, und das autoritäre Handeln der Universitätsleitung angesichts dieser Politik.
Hierolds juristisches Ethos war getragen von einer tiefen Ablehnung eines Rechtspositivismus und dessen Folgen im Nationalsozalismus, wie er in seiner Abschiedsvorlesung bekannte. Recht müsse von Gerechtigkeit getragen sein. Und eine Kirche ohne Kirchenrecht, so Hierolds Überzeugung, wäre gerade eine Kirche des Unrechts und der Ungerechtigkeit.
Hierold blieb in allen Ämtern menschenfreundlich, was sich auch in der Art niederschlug, wie er sein Reaktorat verstand. Er war kein Hochschulmanager, sondern blieb Seelsorger, jemand, der seine Hochschule als große Universitätsfamilie betrachtete und dem die Sorgen der Einzelnen am Herzen lagen. Dies zeigte sich etwa darin, dass es ihm ein wichtiges Anliegen war, dass kein verstorbener Universitätsangehöriger ohne Anteilnahme heimgehen sollte. Verstarb etwa eine Sekretärin ohne weitere Angehörige, ließ es sich Hierold nicht nehmen, selber die Begräbnisfeier zu leiten.
Der Altrektor und unsere Alemannia
Der Verstorbene war auch als Stiftungsfestredner für unsere lb. Alemannia tätig gewesen. Es ging damals um die Veränderungen im Zuge des Bolognaprozesses, in die er selbst durch seine hochschulpolitischen Aktivitäten eingebunden war. Auch sein Schüler, Lic. iur. can. Friedolf Lappen, der als kirchlicher Anwalt in Bamberg und Diözesanrichter in Rottenburg am Neckar tätig ist, hielt schon einmal eine Stiftungsfestrede, in der er am Beispiel des Ordensrechts über die notwendige Sensibilität bei Reformen und Veränderungsprozessen in Gemeinschaften sprach, die grundsätzlich auf lebenslange Zugehörigkeit hin angelegt sind.
Seine Verbundenheit mit unserem Bund zeigte Farbenbruder Profesor Hierold im Juni 2024 als Ehrengast während der Einweihung und Segnung des frisch renovierten Alemannenhauses. Niemand konnte damals ahnen, dass es die letzte Begegnung sein sollte. Unser Altrektor verstarb am 3. September 2025 im Alter von dreiundachtzig Jahren. Die Familie bedankte sich für die Kondolenz im Namen unserer lb. Alemannia mit einer handschriftlihen Danksagung.
Unsere Burschenschaft wird unserem Altrektor stets ein ehrendes Andenken bewahren:
Domine, requiem aeternam ei dona, et lux aeterna ei luceat.