Gemeinsames Positionspapier zur Zukunft sozialpädagogischer Ausbildungsgänge

Die Gemeinsame Vertretung der Bundesverbände und Bundesarbeitsgemeinschaften der Fachschulen für Sozialpädagogik, Heilerziehungspflege und Heilpädagogik in Deutschland haben ein Positionspapier zur Stärkung der Fachschulen des Sozialwesens veröffentlicht. Das Papier reagiert auf verstärkte politische Forderungen, angesichts des Fachkräftemangels die sozialpädagogischen Ausbildungsgänge in Deutschland in duale Ausbildungen umzugestalten: eine Forderung, die das bisher erreichte Niveau der sozialpädagogischen Fachkräfteausbildung und den hohen fachlichen Standard der Fachschulen gefährdet. Das Papier findet sich u. a. hier:

Einen Kurzkommentar des Papieres bietet der Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik auf seinen Internetseiten:

Zwischenruf: Hausrecht statt Gesetzgeber?

Viele Kollegen in Schule und Hochschule tragen auch weiterhin Maske – das Vertrauen in die Impfungen ist dahin. Und in Eigenverantwortung kann man das auch machen, gerade in Situationen, die ein höheres Infektionsrisiko bergen. Nun steht das neue Sommersester vor der Tür: ein Semester wieder in Präsenz. Nicht wenige Hochschulen bleiben aber bei einer Maskenpflicht und setzen diese mit Hausrecht durch. Eine Maskenpflicht in einer staatlichen Bildungsinsitution via Hausrecht durchzusetzen, ist allerdings grundrechtlich und rechtsstaatlich mehr als fraglich. Grundrechtseingriffe müssen vom Gesetzgeber legitimiert werden; hier kann es keine Selbstjustiz geben, schon gar nicht in einer Instutition, die in hohem Maße der Sicherung weiterer Grundrechte wie dem Recht auf Berufsausbildungsfreiheit dient. Einzelne Kultusministerien haben dies daher auch ausdrücklich ausgeschlossen. In NRW hat man ein solches „Schlupfloch“ den Universitäten im Bundesland in den infektionsscutzrechtlichen Regelungen eingeräumt, was m. E. aber verfassungspolitisch ein Unding ist. Aber dieser schlampige Umgang mit grundlegenden Prinzipien unserer Verfassungsordnung und unseres Rechtsstaates ist typisch für diese Coronakrise und lässt für das Freiheitsklima im Land nichts Gutes ahnen, zumal angesichts einer Bevölkerung, die gegen den Verlust solcher rechtsstaatlicher Standards nahezu überhaupt keinen Widerstand aufbringt. Wir sollten sensibler sein, was den Umgang mit Grundrechten, verfassungsmäßiger Ordnung und Rechtsstaat angeht. Das sind wir unseren Überzeugungen von Einigkeit und Recht und Freiheit schuldig. Ja, und dies alles zeigt zugleich, dass der Weg in eine „Normalität“ nach den Verfehlungen dieser Coronakrise noch weit sein wird …

Neuerscheinung zur Transgenderdebatte

Bernd Ahrbeck und Marion Felder (Hrsg.):

Geboren im falschen Körper

Genderdysphorie bei Kindern und Jugendlichen

Kaum ein Thema wird gegenwärtig so intensiv diskutiert wie die Transsexualität. Immer mehr Kinder äußern das Gefühl, im falschen Körper zu stecken, immer häufiger wird der Wunsch geäußert, das Geschlecht zu wechseln. Bei den allermeisten Kindern und Jugendlichen erweist sich die Genderdysphorie aber als ein Übergangsphänomen. Das verweist darauf, wie vorsichtig vorgegangen werden muss, wie wichtig Beratung, Unterstützung, Therapie sind. Die Genderdysphorie wird in diesem Buch von führenden Fachleuten aus medizinischer, psychologischer und pädagogischer, philosophischer und sozial-ethischer Perspektive betrachtet. Fallberichte und Erfahrungen von Betroffenen ergänzen diese Ausführungen.

Herausgeber:

Bernd Ahrbeck, Prof. Dr., International Psychoanalytic University Berlin. Marion Felder, Prof. Dr., Hochschule Koblenz, Fachbereich Sozialwissenschaften.

  

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233 Seiten, kartoniert, 34 Euro

Stuttgart: Kohlhammer 2022

Zwischenruf: Kampf um die Sprache

Der Kampf gegen die Moralisierung, Ideologisierung und Zerstörung unserer Sprache durch gendersprachliche Vorgaben ist ein Kulturkampf, der nur mit Mitteln des bürgerlichen Widerstands gewonnen werden kann – aber hierzu müsste sich das freiheitlich gesinnte Bürgertum erst noch ermannen. Kennzeichen solcher Kulturkämpfe ist, dass diese sich nicht in erster Linie an rechtlichen Grenzen orientieren, sondern diese bewusst und gewaltsam verschieben. Auch gegen die Regeln der amtlichen Rechtschreibung arbeiten Universitäten, Kultuspolitiker, Verwaltungen, Bildungseinrichtungen, öffentlich-rechtliche Medien daran, Gendersprache durchzudrücken und vollendete Tatsachen zu schaffen. Bleibt zu hoffen, dass am Ende doch eine kritische Masse erkennt, was auf dem Spiel steht, und die Opportunitätskosten für die Sprachzerstörer zu groß werden. Das freiheitlich gesinnte Bürgertum muss sich den öffentlichen Raum zurückholen – und hierzu zählt auch unsere nationale Sprache. An den Hochschulen, so fürchte ich, ist dieser Kampf schon längst verloren. Und es ist klar, dass die ideologische Sprachzerstörung, die von den Hochschulen ausgeht, über kurz oder lang auch die Schulen ergreifen wird, denn diese sollen ja „wissenschaftsorientiert“ arbeiten. Nur müsste man dann auch klar zwischen Ideologie und Wissenschaft unterscheiden können …

Neuerscheinung: Vom Kinde aus – Themen und Impulse für den Pädagogikunterricht

… so lautet das neue Themenheft der Zeitschrift PÄDAGOGIKUNTERRICHT (42. Jg., Heft 1 v. April 2022). Die Fachzeitschrift wird vom Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen herausgegeben. Es handelt sich um die größte deutschsprachige Zeitschrift für pädagogische Fachdidaktik. Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören an: Prof. Dr. Bauer (Univ. Bielefeld), Prof. Dr. Bernhard (Univ. Duisburg-Essen), Prof. Dr. Beyer (Univ. Köln), Jun.-Prof. Dr. Gather (Univ. Paderborn) und PD Dr. Kunze (Univ. Bonn).

Neuerscheinung: Welche Rolle erfüllen Internate an beruflichen Schulen?

Dokumentation eines Vortrags auf dem 2. Wissenschaftstag zur Internatspädagogik am 12. November 2018 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin:

Im Folgenden soll das Internat als pädagogische Institution im Bildungssystem verortet werden. Zwei Perspektiven sind dabei leitend: Zum einen folgen die Überlegungen einer bildungsethischen Perspektive; zum anderen wird es vorrangig um Internate im beruflichen Schulwesen gehen, verstanden als Einrichtungen, die gleichfalls dem „Wohnen aus Anlass von Bildung“ dienen.

Diese Bestimmung macht es zunächst notwendig, die Idee der Bildung kurz zu skizzieren: (1.) Was ist unter Bildung zu verstehen? Danach soll gefragt werden: (2.) Was vermag die bildungsethische Perspektive zu leisten? (3.) Wie lässt sich der Anspruch auf Gerechtigkeit auf das Bildungssystem hin auslegen? (4.) Welcher Maßstab eignet sich für das bildungsethische Urteil? (5.) Welche Rolle kommt dem Internat in bildungsethischer Perspektive zu? (6.) Den Abschluss werden ein paar exemplarische Einblicke in das schon erwähnte „Junge Wohnen“ an der Fachschule in Weinstadt bilden.

ZUM WEITERLESEN:

Axel Bernd Kunze: Beim Einstieg in das Berufsleben nicht allein … – Welche Rolle erfüllen Internate an beruflichen Schulen? Überlegungen aus bildungsethischer Perspektive, in: Pädagogische Rundschau 76 (2022), H. 1, S. 33 – 44.

Schlaglicht: Schulaufsicht darf nicht Parteipolitik sein

Die Genehmigung von Schulbüchern ist Teil der staatlichen, von der Verfassung vorgegebenen Schulaufsicht und Bestandteil des kulturstaatlichen Auftrags. Aber wie an anderen Stellen des staatlichen Handelns auch: Diese Aufgabe des Staates sollte unvoreingenommen und nichtindoktrinär wahrgenommen werden. Und das ist vielfach mitnichten der Fall. Denn auch in Schulbuchkommissionen haben die üblichen Annahmen „woker“ Identitätspolitik, moralisierender Haltungspädagogik oder manipulativer Agendawissenschaft Einzug gehalten. Andererseits stellt sich die Frage, welchen Einfluss Schulbücher in digitalen Zeiten überhaupt noch spielen. Was an Youtubefilmchen über digitale Tafeln schnell mal in den Unterricht eingespielt wird, hat niemals eine Schulbuchkommission gesehen. Nun haben Lehrer schon immer Primärquellen im Unterricht verwendet – zu Recht. Entscheidend bleibt aber, dass diese mit den Schülern unvoreingenommen, nichtindoktrinär ausgewertet werden.

Ein anderes Beispiel schlechter Schule sind Lehrpläne. Ich hatte mich seinerzeit in verschiedenen Publikationen kritisch zur Bildungsplanreform 2015 in Baden-Württemberg geäußert. Die Wellen schlugen damals im Bereich Gender-, Queer- und Sexualpädagogik hoch. Doch kompetenzorientierte Bildungspläne begehen auch in anderen Fächern und bei anderen Themen pädagogische Grenzüberschreitungen, indem sie die Haltung der Schüler zum Gelernten zu steuern und staatlicher Reglementierung zu unterwerfen suchen.

Aber noch ein weiteres, aktuelles Beispiel: In Baden-Württemberg sind aktuell Curricula für die neue Berufsfachschule für Sozialpädagogische Assistenz erlassen worden. Im kompetenzorientierten Lehrplan für das Fach Gemeinschaftskunde heißt ein Lernfeld „Deutschland als Einwanderungsland begreifen“. Hier nimmt das Kultusministerium eine parteipolitische Setzung, vor, welche die Schüler für eine bestimmte partikulare Weltsicht vereinnahmt, man kann auch sagen: manipuliert. Denn Deutschland mag vielleicht de facto ein Einwanderungsland sein, besitzt aber bis heute keine explizite Einwanderungsgesetzgebung. Über die Frage, ob Deutschland explizit ein Einwanderungsland werden sollte oder nicht, muss politisch kontrovers debattiert werden können. Lehrpläne können diese Frage nicht entscheiden. Andernfalls werden kulturstaatliche Instrumente der Schulaufsicht zu Instrumenten der Parteipolitik, was dem Beutelsbacher Konsens, etwa seinem Kontroversitätsgebot, widerspricht.

Buchankündigung: Geboren im falschen Körper?

Ahrbeck, B.; Felder, M. (Hrsg) (2022): Geboren im falschen Körper? Gender Dysphorie bei Kindern und Jugendlichen, Stuttgart: Kohlhammer.

erscheint voraussichtlich Ende Februar/Anfang März 2022.

In dem Band findet eine intensive Auseinandersetzung mit einer Entwicklung statt, die immer problematischere Züge annimmt, da immer mehr Kinder, nun vor allem Mädchen, in eine gefährliche, sie potenziell schädigende Situation gebracht werden – die absehbar neue deutsche Gesetzeslage zeugt davon, dann werden dem Umwandlungsbegehren kaum noch Grenzen gesetzt sein. Führende Fachvertreter äußert sich dazu aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen.

Neuerscheinung: Erziehen als Beruf

Traditionell erfolgt die Ausbildung pädagogischer Berufe im Bereich Erziehung, Bildung und Betreuung an Berufsfachschulen (Sozialassistenten- oder Kinderpflegeausbildung) sowie Fachschulen oder Fachakademien für Sozialpädagogik (Erzieherausbildung). Seit 2004 haben sich im Zuge der PISA-Debatte und der Hochschulreformen im Gefolge des sogenannten Bolognaprozesses – aus der Sozialpädagogik und der Sozialen Arbeit heraus – eigene spezialisierte Fachhochschulstudiengänge zur Pädagogik der frühen Kindheit und das akademisierte Berufsbild des Kindheitspädagogen herausgebildet.

Zum Weiterlesen:

Axel Bernd Kunze: Art. Erziehen als Beruf. Überblick über eine sich dynamisch entwickelnde Ausbildungslandschaft, in: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hgg.): Das Kita-Handbuch (Klax Kreativ UG, Berlin, 2022), https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/ausbildung-studium-beruf/ausbildung-allgemeines-gender-aspekte/erziehen-als-beruf.