Zwischenruf: Ein solcher Kirchenjournalismus ist unchristlich

Erst im Oktober hörten wir im Sonntagsevangelium die unnachahmliche Antwort Jesu: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist. Der Staat soll sich nicht an die Stelle Gottes setzen. Umgekehrt soll sich aber auch die Kirche vor voreiligen Gewissheiten in vorletzten Dingen hüten. Das Evangelium ist politisch relevant, aber aus ihm lassen sich nicht eins zu eins parteipolitische Forderungen ableiten. Daher können Christen auch zu unterschiedlichen politischen Antworten finden. Andreas Lesch (Kommentar: Die AfD ist unchristlich, in: KirchenZeitung. Katholisches Magazin für das Bistum Hildesheim, 21/2026, S. 19) hingegen wirft nur so mit moralisierenden Schlagworten um sich: Die AfD – wohlgemerkt: nicht verboten – sei rechtsextremistisch, unchristlich, hetzerisch … Und er wirft diese Schlagworte sehr selbstsicher jenen Christen an den Kopf, die politisch anders denken als er. Wer als gläubiger Journalist so mit anderen Christen umgeht, könnte sich fragen: Lasse ich unterschiedliche politische Positionen zu Wort kommen, damit sich meine Leser eine eigene Meinung bilden könnnen? Habe ich mir schon einmal die Mühe gemacht, unvoreingenommen mit katholischen Wählern der AfD ins Gespräch zu kommen? Rede ich mit ihnen oder nur über sie? Habe ich ernsthaft nach deren politischen Motiven gefragt? Was müsste passieren, damit kirchlicher Journalismus fair und unvoreingenommen berichtet, statt das kirchliche Gesprächsklima weiter zu vergiften, zu spalten und andersdenkende Mitchristen zu verunglimpfen?

Ein Gedanke zu “Zwischenruf: Ein solcher Kirchenjournalismus ist unchristlich”

  1. Dem Zwischenruf des Kollegen Kunze kann ich aus meiner eigenen theologischen und schulpraktischen Erfahrung heraus nur nachdrücklich beipflichten.

    Es ist erschreckend zu sehen, wie sehr das publizistische Niveau in mancher Bistumszeitung mittlerweile zu einem moralisierenden Mittelmaß verkommen ist. Statt die Gläubigen zu einem mündigen, differenzierten Urteil zu befähigen, flüchtet man sich in einen belehrenden Haltungsjournalismus, der bloß noch politische Einseitigkeiten beklatscht.

    Es drängt sich der Eindruck auf, dass es sich unterm Krummstab in gewissen pastoralen Komfortzonen schlicht zu bequem leben lässt, während man argumentativ immer weiter nach unten trudelt. Wenn intellektuelles Mittelmaß nur noch weiteres Mittelmaß anzieht, ist die Schmerzgrenze des Erträglichen rasch überschritten. Diese Art der Diskursverweigerung wirkt im Grunde wie das sprichwörtliche Pfeifen im Walde angesichts des fortschreitenden Relevanzverlusts.

    Als Religionspädagoge plädiere ich vehement für eine zivilisierte Streitkultur, die Argumente wägt, statt Andersdenkende vorab zu verunglimpfen. Vielen Dank für diese klaren und absolut notwendigen Worte!

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