Nicht mehr der Freiheit und Wahrheitssuche verpflichtet? Eine Erinnerung an Ernst Moritz Arndt aus aktuellem Anlass

„Überhaupt bin ich nach meiner Ansicht der Dinge und nach der Erfahrung, die ich im Leben gemacht habe, der Meinung, dass für die Freiheit, welche akademische Freiheit heißt, fast gar keine Gesetze gegeben werden müssen, sondern dass die Jugend, welche bestimmt ist, einmal die Geister zu führen, durch das freieste Gesetz der Meinung und dadurch der freiesten Meister, durch den Geist beherrscht werden muss. […] Ja, wir müssen es aller Welt sagen, dass unsere Universitäten, dass die akademische Freiheit und der akademische Geist, der wie ein frischer Samen der Tugend und Ehre über das ganze Vaterland ausgesät wurde, unser Vaterland von Sklaverei errettet habe.“ (E. M. Arndt: Über den deutschen Studentenstaat, Köln 1921, S. 41. 47)

Der dieses Hohelied akademischer Freiheit gesungen hat, zählte zu den ersten Professoren der Bonner Universität. Sein Denkmal, 1865 eingeweiht, steht unweit der Universität auf dem Alten Zoll: Ernst Moritz Arndt, 1818 in Bonn zum Professor für Geschichte berufen, 1821 mit Lehrverbot belegt, 1826 im Zuge der Demagogenverfolgung vom Professorenamt suspendiert und 1840 durch Friedrich Wilhelm IV. rehabilitiert.

Arndt, dessen Bildungslehre wenig rezipiert worden ist, kennt noch nicht die systematische Unterscheidung zwischen Allgemein- und Fachbildung. Doch gibt es für ihn eine klare Reihenfolge:

„Nur im Amtskleide, nur im Amts- und Berufsgeschäfte müßte man den Bürger sehen, weil er da gilt, bei allen anderen Dingen sollte der Mensch immer vorscheinen, das Große vor dem Kleinen.“ (E. M. Arndt: Fragmente über Menschenbildung, Langensalza 1904, S. 176).

Arndt fragt nicht danach, was der Einzelne im Detail an Kenntnissen und Fertigkeiten für seinen Beruf braucht. Der gebildete Mensch – so seine Überzeugung – werde sich leicht, mit geschärftem Sinn und mit eigenem Urteil in die Bürgerpflichten einfinden. Die Studentenzeit ist für ihn jene Zeit, in der „eine neue akademische Ritterlichkeit in Tat und Gesinnung“ (Über den deutschen Studentenstaat, S. 45) geschaffen wird.

Ernst Moritz Arndt geizte keinesfalls mit wenig schmeichelhaften Ausdrücken über Pädagogen: „Kauzen- und Dohlengeschlecht“, „krächzende Geier“, „Flagellantenschar der faulen Rückenbläuer“ (vgl. R. Preul: Die Bildungslehre Ernst Moritz Arndts, in: D. Alvermann, I. Garbe [Hgg.]: Ernst Moritz Arndt. Anstöße und Wirkungen, Köln u. a. 2011, S. 15 – 30, hier: 23 f.). Hoffen wir, dass er diese Vorwürfe heute nicht mehr unbedingt wiederholen würde. In einem möge Arndt aber auch heute noch Recht haben, wenn er – wer weiß, wie lange noch!? – von seinem Sockel auf die Bonner Studenten herabblickt:

„Wer diese höchste Zeit des Daseins, diese deutsche Studentenzeit durchlebt und durchgespielt und durchgefühlt hat, wer in ihr gleichsam alle Schatten eines dämmernden Vorlebens und alle Masken einer beschränkteren und mühevolleren Zukunft in verkleideten Scherzen und mutwilligen Parodien durchgemacht hat, der nimmt in das ärmere Bürgerleben, dem er nachher heimfällt, und dem er seinen gebührlichen Zins abtragen muss, einen solchen Reichtum von Anschauungen und Phantasien hinüber, der ihn nie ganz zu einer chinesischen Puppe und zu einem hohlen und zierlichen Lückenbüßer und Rückenbücker der Vorzimmer werden lässt.“ (Über den deutschen Studentenstaat, S. 15)

 

An der Universität Greifswald soll nach einem Beschluss des Akademischen Senats vom 18. Januar 2017 Ernst Moritz Arndt aus dem Universitätsnamen getilgt werden. Dieser wurde seit 1954 wieder verwendet, nachdem das Staatssekretariat für Hochschulwesen in der DDR den früheren Namen amtlich bestätigt hatte. Jetzt will der Senat zum Namen Universität Greifswald zurückkehren, den die Einrichtung schon einmal zwischen 1945 und 1954 trug. Begründet wird die Namensänderung mit der internationalen Ausrichtung der Universität als einem „Ort fortschrittlicher Wissenschaft“.  Vom Ideal der Freiheit und der Verpflichtung der Wissenschaft zur „vor-urteilsfreien“ Wahrheitssuche ist keine Rede mehr. Ähnlichkeiten zum Sprachgebrauch nichtdemokratischer Zeiten an der Universität Greifswald sind selbstverständlich rein zufällig.

Informationen zur geplanten Namensänderung finden sich auf den Seiten der Universität Greifswald:

https://www.uni-greifswald.de/universitaet/information/aktuelles/detail/n/universitaet-greifswald-legt-namen-ernst-moritz-arndt-ab/

Neuerscheinung: „Theologie kontrovers“ diskutiert Chancen und Probleme der Flüchtlingsintegration

Die Politik hat in der gegenwärtigen Migrationskrise weitreichende Entscheidungen getroffen, die unser Land grundlegend verändern werden. Wird die Integration der Flüchtlinge gelingen? Ist es sinnvoll, weitergehend von einer „Integration der ganzen Gesellschaft“ zu sprechen? Oder brauchen wir nicht eher mehr Streit und Auseinandersetzung über die richtigen politischen Weichenstellungen und Konzepte, als die gegenwärtige Konsenskultur in Parlament und Gesellschaft zulässt?

Der scheidende Bundespräsident hat die Deutschen in dieser Woche aufgefordert, „selbstbewusst für die Demokratie einzustehen“ (vgl. F.A.Z. v. 19.01.2017). Diese ist kein Selbstläufer. Beteiligungsmöglichkeiten sind nur so gut, wie sie auch genutzt werden. Wer aber selbstbewusste Staatsbürger will, die sich für das Gemeinwesen einsetzen, muss für Freiheit und Recht streiten. Gaucks Wahl vor fünf Jahren stand für mehr Mut zur Freiheit. Davon ist heute wenig zu spüren, das Freiheitsbewusstsein schwindet. Der Staat erscheint weniger als Garant innerer und äußerer Sicherheit und mehr als eine Agentur zur Befriedigung privater wie gesellschaftlicher Bedürfnisse. Die positiven Leistungsansprüche an den Staat werden mittelbar auf jeden Einzelnen umgelegt, und zwar über soziale Verhaltenserwartungen und Normvorstellungen, denen kaum noch widersprochen werden darf. Und dies oft genug auch noch im Namen von Vielfalt und Toleranz. Ein falsches Wort kann ins Aus führen. Immer kleiner wird die Bandbreite dessen, worüber politisch überhaupt diskutiert werden darf. Auch Gauck zieht die Grenzen eng, wenn er den Einsatz für nationale Identität und Anfragen an die gegenwärtige Migrationspolitik von vornherein als „populistisch“ und vermeintlich undemokratisch abkanzelt. Eine selbstbewusste Demokratie hätte dies nicht nötig. Mehr Mut zur Freiheit und zur politischen Auseinandersetzung – so sollte „unser Land“ aussehen.

Die Fragen liegen auf dem Tisch und sind es wert, in diesem Wahljahr diskutiert zu werden.

Hier setzt ein neuer sozialethischer Band aus der Reihe „Theologie kontrovers“ an, der soeben druckfrisch erschienen ist. Das Werk will – so der Klappentext – „[i]n der aktuellen, emotional stark aufgeladenen Situation […] einen unerlässlichen Beitrag zur Versachlichung der kontroversen Debatte“ leisten. Und macht dabei deutlich, wie auch die eigene Disziplin von dieser kontroversen Debatte zerrissen ist:

Marianne Heimbach-Steins (Hg.): Zerreißprobe Flüchtlingsintegration (Theologie kontrovers), Freiburg i. Brsg.: Herder 2017.

Die Thematik ist auch für die Schule und unser Bildungssystem von großem Interesse. Der Band fragt u. a. nach der „Integration geflohener Kinder und Jugendlicher am Ort Schule“, nach der „Sorge für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ oder nach der Rolle von Religion für den Prozess der Integration.

Die Herausgeberin lehrt Christliche Sozialwissenschaften und Sozialethische Genderforschung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und ist dort als Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften tätig.

Weitere Informationen sind auf den Verlagsseiten zu finden.

Neuerscheinung: Aus dem Gleichgewicht geraten?

Bildung und Sprache

… lautet der Themenschwerpunkt der Pädagogoischen Rundschau im November/Dezember 2016 (70. Jahrgang/2016, S. 619 ff.,).  Der von Professor Dr. Volker Ladenthin, Universität Bonn, konzipierte Thementeil umfasst folgende Beiträge:

Volker Ladenthin: Bildung und Sprache

Anke Redecker: Fachsprache im Unterricht. Von Geltungsansprüchen und Machtambitionen

Thomas Mikhail: Erziehungswissenschaft zwischen Syntaktik, Semantik und Pragmatik

Klaus Prange: Das Handwerk und das Mundwerk der Erziehung. Über das Verhältnis von Zeigen und Sagen

Harald Schwaetzer: Denken im Gespräch. Pädagogische Wege zu einer gemeinsamen Einsicht bei Nikolaus von Kues

Peter Lutzker: Rudolf Steiners Hypothese eines Sprachsinns und ihre Bedeutung für den Fremdsprachenunterricht und die Fremdsprachenlehrerausbildung der Waldorfschulen

Marion Pollmanns: „Was wirklich passiert“. Zur Rekonstruktioni der pädagogischen Logik, der Vermittlung anhand von Transskripten des Unterrichts sowie von Interviews mit Schülern

Jochen Krautz: Bild, Bildung und Sprache im Kunstunterricht. Theorie und Didaktik des kunstpädagogischen Bildgesprächs

Axel Bernd Kunze: Aus dem Gleichgewicht geraten? Die Debatte um Bildungsgerechtigkeit als Seismograph für Verschiebungen innerhalb des sozial- und menschenrechtsethischen Diskurses

Ines M. Breinbauer: Die unendliche Suche nach „Bildung“ in der „Sprache“

Werner Zillig: Das Wortfeld „Bildung“

Die „Pädagogische Rundschau“ ist eine der führenden pädagogischen Fachzeitschriften in deutscher Sprache. Sie fördert die Diskussion über die Grundlagen der Erziehungswissenschaft und stellt aktuelle Probleme des Fachgebietes dar. Die „Pädagogische Rundschau“ informiert über pädagogische Publizistik und wissenschaftliche Neuerscheinungen und bietet Erziehungswissenschaftlern und dem Nachwuchs ein Forum für den wissenschaftlichen Meinungsaustausch. (www.fachzeitungen.de)

Rezensionen: Lässt sich Gewaltfreie Kommunikation lernen? Gelten die Menschenrechte für alle?

Zwei neue Rezensionen im Onlineportal SOCIALNET gehen folgenden Fragen nach:

Was ist Gewaltfreie Kommunikation? Wie lässt sich diese in Psychologie, Therapie und Pädagogik einsetzen? Welche Rolle spielt Empathie für das Einüben gewaltfreier Kommunikation? Wie lassen sich empathische Kompetenzen fördern?

Axel Bernd Kunze (Rez.): Rezension zu „Sabine Geiger, Sibylle Baumgartner (Hrsg.): Empathie als Schlüssel. Gewaltfreie Kommunikation in Psychotherapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 300 Seiten“, in: Socialnet, 10. Januar 2017.

www.socialnet.de/rezensionen/20126.php

Gelten die Menschenrechte tatsächlich für jeden, wie ihr Universalitätsanspruch behauptet? An welchen Stellen produzieren die Menschenrechte selbst diskriminierende Ausschlüsse? Wie gehen die Menschenrechte mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten um?

Axel Bernd Kunze (Rez.): Rezension zu „Imke Leicht: Wer findet Gehör? Kritische Reformulierungen des menschenrechtlichen Universalismus. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. 208 Seiten. Reihe: Politik und Geschlecht, Bd. 29“, in: Socialnet, 13. Februar 2017.

www.socialnet.de/rezensionen/21317.php

Vorankündigung: Zerreißprobe Flüchtlingsintegration

Ein Thema wird uns auch in diesem Bundestagswahljahr beschäftigen: die Folgen des Massenzustroms an Flüchtlingen, die aus Afrika, dem Nahen Osten oder dem Balkan nach Deutschland kommen. Nicht nur politisch, auch sozialethisch hat das Thema heftige, nicht zuletzt auch emotionale Debatten ausgelöst. Die Frontlinie zwischen den verschiedenene Positionen wird durch zwei Fragen abgesteckt: Wie verhalten sich in der Migrationsethik Gesinnungs- und Verantwortungsethik zueinander? Wie werden staatsethische, menschenrechtsethische und personethische Argumente gewichtet und gegeneinander abgewogen? Mitte Januar wird in der Reihe „Theologie kontrovers“ ein Diskussionsband erscheinen, der die Konfliktlinien innerhalb der Sozialethik sichtbar machen und miteinander ins Gespräch bringen will:

Marianne Heimbach-Steins (Hg.): Zerreißprobe Flüchtlingsintegration, Freiburg i. Brsg.: Herder 2017.

Gefragt wird unter anderen: Wo stößt Gastfreundschaft an Grenzen? (Axel Bernd Kunze); Kann Religion eine Integrationsressource sein? (Daniel Bogner) oder: Hindernis oder Ressource? Die Rolle des Islams für die Integration von Flüchtlingen? (Hansjörg Schmid). Der Band der Münsteraner Sozialethiker schließt an einen Vorgängertitel „Begrenzt verantwortlich? Sozialethische Positionen in der Flüchtlingskrise“ von ihr an, der bereits 2016 erschienen ist.

Eine Inhaltsübersicht und eine Leseprobe zum neuen Band finden sich auf den Verlagsseiten:

https://www.herder.de/media/leseprobe/978-3-451-37618-4/html5.html

 

 

Themenangebote für Vorträge und Seminare

Sie suchen einen Referenten für eine Vortrags-, Seminar- oder Fortbildungsveranstaltung? – Im Folgenden finden Sie einige Themenangebote für Vorträge oder Seminare. Diese verstehen sich lediglich als Beispiele; weitere Inhalte sind nach Absprache selbstverständlich möglich. Weitere Informationen und Referenzen finden Sie in diesem Weblog unter der Seite „Vorträge“. Bei Interesse freue ich mich auf Ihre Anfrage (Honorar nach Vereinbarung). Sie erreichen mich unter Kunze-Bamberg[at]t-online.de.

Als Geschäftsführer des DFG-Projekts „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ habe ich den Aufbau einer eigenständigen Sozialethik der Bildung intensiv begleitet. Als promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler beschäftige ich mich vor allem mit Fragen aus dem Feld der Bildungs-, Menschenrechts-, Politik- und Demokratieethik.

Bildung auf Weltniveau? – Globales Lernen
Die „Agenda 21“, beschlossen von den Vereinten Nationen, fordert nicht weniger als eine „Neuausrichtung der Bildung“ mit dem Ziel, ein ökologisches und ethisches Bewusstsein sowie Werte, Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu schaffen, die mit einer „nachhaltigen
Entwicklung“ vereinbar sind. Wie kann Globalisierung als Bildungsaufgabe begriffen werden? Welche Rolle spielen die Bildungssysteme im Prozess der Globalisierung? Welche didaktischen Fragen stellen sich beim Globalen Lernen? Was bedeutet Globales Lernen für das Selbstverständnis von Pädagogen?

Wie sollen wir mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen? – Interkulturelle Pädagogik
Die Vielfalt in Kindertageseinrichtungen und Schulen ist deutlich größer geworden. Kinder aus unterschiedlichen Kulturen oder Religionen treffen aufeinander. Viele Eltern und Kinder bringen unterschiedliche Migrationserfahrungen mit. Wie können Erzieher, Pädagogen und Lehrer das interkulturelle Miteinander gestalten und Diskriminierungen vorbeugen? Wie können sie Kinder befähigen, mit kultureller Vielfalt angemessen umzugehen?

Sind Bildungsfragen Gesellschaftsfragen? – Demokratiepädagogik
Dass Bildungsfragen eine über den Bereich der Pädagogik hinausgehende Bedeutung besitzen brachte der „Altmeister“ der Didaktik, Wolfgang Klafki, auf die Formel: „Bildungsfragen sind Gesellschaftsfragen.“ Die Formel ist, wie Klafki selbst ausführt, mehrdeutig. Bildung und Erziehung helfen dem Einzelnen, seine Möglichkeiten bestmöglich zu entfalten und mitbestimmungsfähig zu werden. Wenn sich Gesellschaft beständig verändert, ist der pädagogische Anspruch auf Mitbestimmungsfähigkeit für jeden Einzelnen bildungspolitisch immer wieder einzufordern sowie in Theorie und Praxis der Pädagogik beständig neu auszulegen. Näher zu bestimmen bleibt, welche Aufgaben der Pädagogik im demokratischen Gemeinwesen zufallen und was diese für den Erhalt und die Gestaltung der Demokratie zu leisten vermag.

Ist Bildung ein Menschenrecht? – Bildungsethik und Menschenrechtsethik
Bildung ist ein Menschenrecht – so formuliert es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948. Bildung sichert dem Einzelnen die Möglichkeit, Autor des eigenen Lebens zu sein. Gleichzeitig ist Bildung eine unverzichtbare Voraussetzung für die aktive Teilnahme am sozialen Leben. Wie weit reicht ein Recht auf Bildung? Wie kann Bildungsgerechtigkeit gesichert werden? – Gleichzeitig sind die Menschenrechte auf die Förderung durch pädagogisches Handeln angewiesen. Menschenrechtsbildung, die bereits im Kindergarten beginnen soll, ist zentraler Bestandteil einer gelebten Kultur der Menschenrechte.

Umbruch im Bildungssystem: Kompetenzen – und ihre Folgen
Unser Bildungssystem hat in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht bekommen, heißen die Reforminstrumente PISA, Bologna-, Lissabon- oder Kopenhagenprozess. Nicht alle Umbrüche liegen dabei so offen zu Tage wie die Abschaffung des Diploms oder die Modularisierung des Studiums. Weniger auffällig und von vielen nicht hinreichend ernstgenommen, haben Veränderungen im Bildungsverständnis in Schule und Hochschule Raum gegriffen, die gesellschaftlich nicht folgenlos bleiben werden. Zwar ist der schon oft totgesagte Bildungsbegriff seit der ersten PISA-Studie vor nicht ganz fünfzehn Jahren bildungspolitisch in aller Munde; die Hauptrolle in Unterricht und Lehre spielen heute aber „Kompetenzen“.

Braucht Religion Bildung? Braucht Bildung Religion?
Unsere Gesellschaft ist pluraler geworden. Ein Ethos der Toleranz wird für das gesellschaftliche Miteinander immer wichtiger. Welche Rolle spielt dabei die Religion? Wie kann das Verhältnis zwischen Bildung und Religion pädagogisch wie ethisch verantwortlich ausgestaltet werden? Welchen Stellenwert nimmt religiöse Bildung in der öffentlichen Schule ein? Wie sollte in der öffentlichen Schule
über Religion gesprochen werden? Inwiefern kann die staatliche Schule weltanschaulich neutral sein? Welche gesellschaftliche Bedeutung besitzen religiöse Lernprozesse?

Ethische Konflikte in Pädagogik und Sozialer Arbeit
Was im neunzehnten Jahrhundert als ehrenamtliche Armenfürsorge begann, ist Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf dem Weg zur ambitionierten Menschenrechtsprofession. Einen entscheidenden Schritt auf diesem Weg stellt die Definition dar, auf die sich die Internationale Vereinigung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter (IFSW) 2001 verständigte: „Soziale Arbeit ist eine Profession, die sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen sowie die Ermächtigung und Befreiung von Menschen fördert, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. […] Dabei sind die Prinzipien der Menschenrechte und sozialer Gerechtigkeit für die Soziale Arbeit von fundamentaler Bedeutung.“ Damit sind die zwei zentralen ethischen Prinzipien einer Berufsethik Sozialer Arbeit benannt: Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. – Was kann eine Berufsethik Sozialer Arbeit leisten? Wie können ethische Konflikte im Team besprochen werden?

Parteien zwischen Affären und Verantwortung
Die Parteien stecken bis heute in der Krise. Zahlreiche Affären haben ihren Ruf beschädigt. Immer weniger wird ihnen zugetraut, die politischen Probleme zu lösen. Die Parteienkonzentration hat abgenommen. Die traditionellen Milieus schwinden; die Zahl der Mitglieder sinkt. – Hat sich die klassische Mitgliederpartei überlebt? Welche Funktion erfüllen Parteien? Welche Verantwortung sollten Parteien übernehmen? Wie können die Parteien kontrolliert werden? Gibt es Alternativen zu den Parteien?

Gleichgeschlechtliche Lebensformen – Und was sagt die Kirche dazu?
Papst Franziskus hat große Erwartungen geweckt, als er im Oktober 2014 in Rom eine außerordentliche Bischofssynode „zu den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ einberief. In westlichen Ländern erhoffen sich nicht wenige, die katholische Kirche werde sich zu einer Neubeurteilung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften durchringen. Orte, an denen Homosexuelle in der Kirche bereits heute selbstbewusst ihren Glauben leben, sind die verschiedenen schwul-lesbischen Gottesdienstgemeinschaften, die seit den Neunzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts in einzelnen Städten entstanden, zumeist auf Basis einer befreiungstheologischen Orientierung. Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen theologisch verstanden werden? Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen beziehungsethisch neu verstanden werden?

… damit unser Tun nicht ins Leere läuft.
Was bietet das neue „Gotteslob“ für die Feier der Tagzeiten in der Gemeinde?
Zurückgehende Priesterzahlen und die Zusammenlegung von Pfarreien haben dazu geführt, dass der tägliche Gottesdienst in vielen Kirchen nicht mehr stattfindet. Die gemeinsame Feier der Tagzeiten am Morgen oder Abend kann einer Austrocknung des liturgischen Lebens entgegenwirken. Die Tagzeiten sind ein wichtiges öffentliches Zeugnis, das wir als Kirche der Welt schulden. Die Tagzeiten geben unserem Leben Richtung und Gleichgewicht, sie bewahren uns vor einam falschen Aktionismus. Eucharistie und Tagzeiten ergänzen sich wie zwei Säulen, auf denen das liturgische Leben einer Gemeinde aufruht. Welche Hilfen bietet das neue „Gotteslob“ an, die Tagzeiten als regelmäßige Feier ins Bewusstsein der Gemeinde zu heben?

Beutelsbach: Wanderweg mit langer Geschichte

Das Landgut Burg, Geburtsort des bis heute für die politische Bildungsarbeit maßgeblichen „Beutelsbacher Konsenses“, und der Ortskern von Beutelsbach im Remstal sind seit einiger Zeit durch einen Wanderweg  verbunden, der schöne Ausblicke ins Remstal bereit hält. Dabei handelt es sich um eine alte Verbindung: Bereits 1830 wurde der Weinbergsweg urkundlich erwähnt. Auf Initiative des Bündnisses für Streuobstwiesen Weinstadt ist der alte, längt zugewachsene Stäffelesweg wieder freigelegt worden. An der Freilegung des historischen Wirtschaftsweges beteiligten sich seinerzeit auch Klassen aus dem ersten Ausbildungsjahr der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt. Gemeinsam mit ihren Klassenleitungen brachten die angehenden Erzieherinnen und Erzieher in der damaligen Einführungswoche unter dem Motto „Wir bringen uns ins Spiel!“ viel Schweiß, Kraft und Ausdauer für diese Aufgabe ein. Das Projekt führte die Schülerinnen und Schüler zu Beginn ihrer Ausbildung zu einer Klassengemeinschaft zusammen. Zugleich konnten die beiden beteiligten Klassen eigene Entdeckungen in einer lange gewachsenen Kulturlandschaft sammeln. Künftig soll der Profilbereich Natur- und Umweltpädagogik weiter ausgebaut werden, beispielsweise durch den Aufbau eines „Grünen Klassenzimmers“.

„Salon Launer“ öffnet seine Türen

„Salon Launer“ nennt sich ein neues Weblog, das zur freigeistigen Auseinandersetzung einladen will. Sein Betreiber, Peter Launer,  beschreibt sein Anliegen, das er mit seinem Weblog verfolgt, folgendermaßen:

„So auch dieser Blog, der an Zeiten anknüpft, welche den Salon als Mittelpunkt des kreativen Lebens, der Vielfalt und des Neuen inmitten dem althergebrachten zu verknüpfen wusste. Daher auch der Name Salon Launer, immer gut bestückt um die Musen des Elysiums besser ertragen zu können. Gerne Bechstein, Blüthner oder Bösendorfer Imperial.

‚Diese Netzseite sammelt daher alles rund um das gesellschaftliche und politische Leben aus der Sicht eines Stuttgarter Urgesteins.‘

Leserbriefe, Kommentare zu tagespolitischen Phänome, kurz und prägnant sowie gesellschaftliche Veranstaltungen aus der bürgerlichen Restmitte werden hier gefunden.“

Den „Salon Launer“ finden Sie hier.

Bibliographie zu Karl Barth

„The Center for Barth Studies“ am Theologischen Seminar in Princeton führt online eine Bibliographie zu Neuerscheinungen über Karl Barth. Für 2016 ist auch der Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gelistet worden. Unter den vorgestellten korporierten Sozialdemokraten findet sich auch Karl Barth. Die Bibliographie ist online abrufbar:

http://barth.ptsem.edu/research/new-and-forthcoming

Randnotiz: Weihnachten – das Fest der guten Beispiele

Bundespräsident Joachim Gauck warnt in seiner Weihnachtsansprache (vgl. F.A.Z. v. 24.12.2016, S. 2) davor, „Politiker pauschal zu Schuldigen“ zu erklären. Die etablierten Parteien sind dieses Jahr mit gutem Beispiel vorangegangen – und haben in den diesjährigen Landtagswahlkämpfen die AfD von vornherein als Gesprächspartner pauschal diskreditiert.

Der Bundespräsident fordert in seiner Weihnachtsansprache, keineswegs auf eine Auseinandersetzung über die Flüchtlingspolitik zu verzichen. Der Jubiläumskatholikentag von Leipzig ist in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangegangen – und hat die Auseinandersetzung über Alternativen von vornherein verweigert, indem Vertreter der AfD gleich ganz ausgeladen wurden.

Der Bundespräsident erklärt in seiner Weihnachtsansprache, der Terror sei „plötzlich“ zu uns vorgedrungen. So als habe es warnende Stimmen nicht schon seit längerem gegeben. Erinnert sei nur an die Beiträge der beiden SPD-Politiker Thilo Sarrazin und Richard Schröder in der F.A.Z, die in diesem Sommer erschienen sind (F.A.Z. v. 15. u. 22.08.2016).

Ob der Bundespräsident bei seiner Weihnachtsansprache an diese Beispiele gedacht hat!? Wer die „Gräben in unserer Gesellschaft“ nicht vertiefen will, sollte sich für einen fairen und freiheitlichen demokratischen Diskurs einsetzen. Gerade ein Bundespräsident, dem das Thema Freiheit am Herzen liegt, könnte hier als Vorbild wirken. Dafür müsste Gauck aber den Mut aufbringen, sich vom Konsens der Großen Koalititon auch einmal abzusetzen.

Jetzt – da die Weihnachtstage vergangen sind – wird über die Konsequenzen aus dem Berliner Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz diskutiert (vgl. F.A.Z. v. 28.12.2016, S. 4: „Auf Nummer Sicher gehen“) Die Migrationskrise hat gezeigt, dass die Europäische Union – wenn auch von den Eliten vielfach als solche beschworen – alles andere als eine Schicksalsgemeinschaft darstellt. Schengensystem und Dublinabkommen sind gescheitert. Für das Aufrechterhalten gemeinsam gelebter Freiheit ist es keinesfalls unerheblich, wenn der Nationalstaat schwindet. Denn wo Verbundenheit, wechselseitig übernommene Verpflichtungen und gegenseitiges Vertrauen fehlen, greifen Kontrolle und Regulierung immer stärker um sich und schwinden private Rückzugsräume. Wer – wie die gegenwärtige Bundesregierung – nicht mehr bereit ist, die Grenzen des eigenen Staates wirksam zu sichern und die Identität des eigenen Staatsvolkes aufrecht zu erhalten, muss immer mehr Grenzen, Kontroll- und Überwachungssysteme im Inland einrichten und immer stärker in die Privatsphäre der eigenen Bürger eingreifen.