Neuerscheinung: „Theologie kontrovers“ diskutiert Chancen und Probleme der Flüchtlingsintegration

Die Politik hat in der gegenwärtigen Migrationskrise weitreichende Entscheidungen getroffen, die unser Land grundlegend verändern werden. Wird die Integration der Flüchtlinge gelingen? Ist es sinnvoll, weitergehend von einer „Integration der ganzen Gesellschaft“ zu sprechen? Oder brauchen wir nicht eher mehr Streit und Auseinandersetzung über die richtigen politischen Weichenstellungen und Konzepte, als die gegenwärtige Konsenskultur in Parlament und Gesellschaft zulässt?

Der scheidende Bundespräsident hat die Deutschen in dieser Woche aufgefordert, „selbstbewusst für die Demokratie einzustehen“ (vgl. F.A.Z. v. 19.01.2017). Diese ist kein Selbstläufer. Beteiligungsmöglichkeiten sind nur so gut, wie sie auch genutzt werden. Wer aber selbstbewusste Staatsbürger will, die sich für das Gemeinwesen einsetzen, muss für Freiheit und Recht streiten. Gaucks Wahl vor fünf Jahren stand für mehr Mut zur Freiheit. Davon ist heute wenig zu spüren, das Freiheitsbewusstsein schwindet. Der Staat erscheint weniger als Garant innerer und äußerer Sicherheit und mehr als eine Agentur zur Befriedigung privater wie gesellschaftlicher Bedürfnisse. Die positiven Leistungsansprüche an den Staat werden mittelbar auf jeden Einzelnen umgelegt, und zwar über soziale Verhaltenserwartungen und Normvorstellungen, denen kaum noch widersprochen werden darf. Und dies oft genug auch noch im Namen von Vielfalt und Toleranz. Ein falsches Wort kann ins Aus führen. Immer kleiner wird die Bandbreite dessen, worüber politisch überhaupt diskutiert werden darf. Auch Gauck zieht die Grenzen eng, wenn er den Einsatz für nationale Identität und Anfragen an die gegenwärtige Migrationspolitik von vornherein als „populistisch“ und vermeintlich undemokratisch abkanzelt. Eine selbstbewusste Demokratie hätte dies nicht nötig. Mehr Mut zur Freiheit und zur politischen Auseinandersetzung – so sollte „unser Land“ aussehen.

Die Fragen liegen auf dem Tisch und sind es wert, in diesem Wahljahr diskutiert zu werden.

Hier setzt ein neuer sozialethischer Band aus der Reihe „Theologie kontrovers“ an, der soeben druckfrisch erschienen ist. Das Werk will – so der Klappentext – „[i]n der aktuellen, emotional stark aufgeladenen Situation […] einen unerlässlichen Beitrag zur Versachlichung der kontroversen Debatte“ leisten. Und macht dabei deutlich, wie auch die eigene Disziplin von dieser kontroversen Debatte zerrissen ist:

Marianne Heimbach-Steins (Hg.): Zerreißprobe Flüchtlingsintegration (Theologie kontrovers), Freiburg i. Brsg.: Herder 2017.

Die Thematik ist auch für die Schule und unser Bildungssystem von großem Interesse. Der Band fragt u. a. nach der „Integration geflohener Kinder und Jugendlicher am Ort Schule“, nach der „Sorge für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ oder nach der Rolle von Religion für den Prozess der Integration.

Die Herausgeberin lehrt Christliche Sozialwissenschaften und Sozialethische Genderforschung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und ist dort als Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften tätig.

Weitere Informationen sind auf den Verlagsseiten zu finden.

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