Eine unnachahmliche Formel

Mit seiner unnachahmlichen Formel „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“ stemmt sich das Evangelium politischen Heilslehren entgegen. Die zweifache Aufforderung, mit der Jesus seine Gegner im heutigen Evangelium bloßstellt, enthält aber auch eine Mahnung an seine eigenen Anhänger, also an uns. Denn umgekehrt liefert das Evangelium auch noch kein umfassendes göttliches Gesetz. Die Kirche sollte sich vor allzu viel Selbstgewissheit in vorletzten Fragen hüten. Um das Gemeinwohl muss immer wieder neu gerungen werden.

Jesu Antwort im heutigen Evangelium mahnt daher auch uns zur Vorsicht: Seien wir im politischen Meinungsstreit vorsichtig, dem anderen vorschnell den guten Willen oder sogar den Glauben abzusprechen! Politik aus christlicher Verantwortung bildet sich im politischen Diskurs, im Wettstreit der politischen Meinungen, im fairen, mitunter auch harten Ringen um das bessere Argument. Daher bleibt für das Christentum auch eine Vielfalt säkularer Gesetze legitim. Niemand sollte in der Kirche vorschnell behaupten, er wüsste schon im Voraus ganz genau, was politisch praktizierte Christlichkeit zu sein habe und was nicht.

Aus einem Predigtvorschlag zum 29. Sonntag im Jahreskreis:

Axel Bernd Kunze: Eine unnachahmliche Formel (Mt 22, 15 – 21), in: Der Prediger und Katechet. Praktische katholische Zeitschrift für die Verkündigung des Glaubens 159 (2020), H. 6 (Oktober/November), S. 732 – 735.

Interview mit der „Tagespost“: Müsste die Sozialethik den Staat wiederentdecken?

Verlässliche, ordnungstiftende Institutionen sind eine der größten Errungenschaften der europäischen Staats- und Gesellschaftsentwicklung. Eine Sozialethik, welche die Funktionsfähigkeit der staatlichen Ordnung aus dem Blick verliert, schwächt letztlich auch jene staatlichen Institutionen, die dem Schutz der Person und ihrer Rechte dienen. Es steht einiges auf dem Spiel: Ethische Maximalforderungen, denen die Sorge um den Erhalt der staatspolitischen Grundlagen abgeht, erscheinen als ein unernst wirkender Gestus prophetischer Kritik. Ohne politische Vernunft wirken sich diese politisch destruktiv aus.

… so Axel Bernd Kunze am 3. September 2020 im Interview mit Stefan Rochow von der Wochenzeitung „Die Tagespost“ (73. Jg., Nr. 36, S. 28). Anlass des Interviews ist das Erscheinen seines Buches „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ (Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020).

„Buch des Monats“ im September 2020: Theologische Literaturzeitung würdigt „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“

Die Theologische Literaturzeitung, die wichtigste Rezensionszeitschrift für evangelische Theologie im deutschsprachigen Raum, würdigt den Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ (von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger; Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020) in ihrer Septemberausgabe 2020 als „Buch des Monats“. Die Rezension schrieb der Fachherausgeber Nils Orle Oermann (Lüneburg).

Die vollständige Rezension findet sich in der Onlineausgabe.

Leseprobe aus der Rezension von Nils Orle Oermann:

Das Buch wendet sich an jene theologisch wie nicht-theologisch versierte Leserinnen und Leser (oder vielleicht auch Leser*innen?), die sich in den aktuellen theologisch-politischen Diskursen zur aktuellen und künftigen Rolle des Staates als Gemeinwesen nicht mit vorgefertigten, unreflektierten Antworten zufriedengeben, sondern die alte Frage nach dem, was des Kaisers und was Gottes ist, immer wieder neu stellen oder diskutieren möchten. So ist die Exegese von Römer 13,1–7 vom Exegeten Jan Dochhorn besonders lesenswert (103-136), wie auch die Frage, wie der Rechtsstaat verstanden werden will, als bildungsethisches Problem pointiert vom Pädagogen Axel Bernd Kunze analysiert wird (137–175).
Seinen Reiz gewinnt das Buch vielleicht gerade daraus, dass es aktuell Fragen zu stellen wagt, die im ohnmächtig-dröhenden Exkurs mancher amtskirchlicher und oder staatlicher Vertreter allzu lange allzu wenig Raum gefunden haben. Die formulierten Thesen des Buches zur Neuausrichtung des Verhältnisses von Staat und Kirche muss man dabei nicht immer teilen, aber sie schärfen das eigene Nachdenken und dabei die Gabe des »Vielleicht«. Vielleicht nicht das Schlechteste, und ganz sicher nicht wenig!

PÄDAGOGIK UND PANDEMIE – Alfred-Petzelt-Stiftung lädt zu ihrer ersten Jahrestagung mit einem aktuellen Thema ein

In Kooperation mit der Sektion Pädagogik der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft richtet die Alfred-Petzelt-Stiftung am 25. September 2020 ihre erste Jahrestagung aus – angesichts der aktuellen Umstände in digitalem Format. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist bis zum 18.09.2020 möglich. Nähere Informationen wie Programm und Anmeldemodalitäten finden sich unter: gg2020.foki-institut.de

Am Vormittag wird die Sektion Pädagogik der Görres-Gesellschaft von 11.00 bis 13.15 Uhr ihre Jahrestagung unter das brandaktuelle Thema „Pädagogik und Pandemie“ stellen. Ab 13.30 Uhr wird dann die Alfred-Petzelt-Stiftung mit zwei Vorträgen das Thema „Pädagogik und Geltung“ fokussieren. Angesichts gegenwärtiger Debatten um Fake-News, Verschwörungstheorien, Status von Wissenschaft usw. hat der Stiftungsvorstand eine Koinzidenz von Aktualität und überdauernder Grundlegungsproblematik als Rahmenthema gewählt.


Als Vortragende konnte die Alfred-Petzelt-Stiftung Herrn Prof. Dr. Thorsten Fuchs von der Universität Koblenz-Landau sowie den Stipendiaten der Stiftung, Herrn Gaudenz Welti, von der Universität Bern gewinnen.

Nach den zwei thematischen Teilen schließt die Tagung mit der Verleihung des Promotionspreises der Görres-Gesellschaft, der von der Petzelt-Stiftung im Rahmen einer seit 2019 bestehenden Kooperationsvereinbarung finanziert wird.


Der Vorstand der Alfred-Petzelt-Stiftung lädt ganz herzlich zur kostenfreien Teilnahme ein.

Im Namen des Stiftungsvorstands grüßt freundlich

Thomas Mikhail

Schlaglicht: Es geht um mehr als Seenotrettung

Die Seenotrettung zählt zu den uralten moralischen und rechtlichen Pflichten: eine  Verpflichtung, die aber gegenwärtig im Mittelmeer auf skrupellose und massenhafte Weise von Organisierter Kriminalität ausgenutzt wird. Viele zivilgsesellschaftliche Akteure tragen dazu bei, dass die europäischen Staaten gegen diese nicht robuster, auch militärisch vorgehen. Die Kirchen spielen hier ebenfalls eine unverantwortliche Rolle, indem sie sich zu Fürsprechern eines unbegrenzten Niederlassungsrechtes in Europa machen. Sie machen nicht allein Politik möglich, wie sie gern für sich in Anspruch nehmen, sondern betreiben Politik mit fragwürdigen Zielen. Denn ein solches Recht gibt es aus guten Gründen nicht, darum wird moralischer Druck erzeugt – auch im Verbund der norddeutschen Kirchenzeitungen. Auf Dauer untergräbt dies die Stabilität der Staats- und Rechtsordnung in Europa.

ZUM WEITERLESEN:

Axel Bernd Kunze: Wird der Rechtsstaat noch verstanden? Sozial- und bildungsethische Überlegungen zu einem konstitutiven Merkmal unseres Gemeinwesens, in: Alexander Dietz/Jan Dochhorn/Axel Bernd Kunze/Ludger Schwienhorst-Schönberger: Wiederentdeckung des Staates des Staates in der Theologie, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020, S. 137 – 175 [Anmerkungen: S. 222 – 224].

Rezension: Die Macht befreien

„Politik, Theologie und die Frage der Macht“ lautet der Titel des neuen Themenheftes 3/2020 der Zeitschrift „Concilium“. Unter der Überschrift „Die Macht befreien“ rezensiert Axel Bernd Kunze darin folgende Titel:

Sebastian Holzbrecher, Julia Knop, Benedikt Kranemann, Jörger Seiler (Hgg.): Revolte in der Kirche? Das Jahr 1968 und die Folgen, hg. im Auftrag des Theologischen Forschungskollegs der Universität Erfurt, Freiburg i. Brgs.: Herder 2018, 352 Seiten.

Peter Neuner: Turbulenter Aufbruch. Die 60er Jahre zwischen Konzil und konservativer Wende, Freiburg i. Brsg.: Herder 2019, 310 Seiten.

Walter Wink: Verwandlung der Mächte. Eine  Theologie der Gewaltfreiheit, hg. v. Thomas Nauerth u. Georg Steins u. übersetzt unter Mitwirkung v. Anka Schneider u. Anja Mehrmann, Regensburg: Friedrich Pustet 2014, 172 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Die Macht befreien, in: Concilium 56 (2020), H. 3, S. 337 – 341.

Leseprobe aus der Rezension:

Das Evangelium stemmt sich politischen Heilslehren entgegen, die sich absolut setzen. Es liefert selbst aber auch kein umfassendes göttliches Gesetz. Politik aus christlicher Verantwortung gewinnt Kontur im politischen Diskurs. Motivation für eine solche Politik kann das geben, was Thomas Nauerth und Georg Steins einleitend als „engagierte Bibellektüre“ bezeichnen. Doch Vorsicht! Das Evangelium verliert gerade dort seine inspirierende und transformierende Kraft, wo es vorschnell parteipolitisch verengt wird. Leider lassen die beiden Herausgeber der deutschsprachigen Übersetzung diese Vorsicht in ihrer Einleitung vermissen, wenn sie das vorliegende Werk nahezu bruchlos einzelnen theologischen Konzepten aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts zuordnen, etwa der „Theologie der Hoffnung“ oder der „Neuen Politischen Theologie“. Die faszinierenden Beispiele, die Wink als Beleg für die verwandelnde Kraft von Jesu Botschaft vor dem Leser entfaltet, entziehen sich einer derart vorschnellen Vereinnahmung für einzelne partikulare Konzepte, seien sie theologischer oder indirekt auch politischer Natur.

Eines vorweg geschickt: Unter einem ähnlichen Manko leidet letztlich auch Peter Neuners Rückblick auf die bewegten Jahre des Konzils. Der Theologe, der bis 2006 Dogmatik und ökumenische Theologie in München lehrte, will ermutigen: Der Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils wirke bis heute fort – trotz Glaubensverlusts und lehramtlicher Gegenbewegungen. So weit, so gut. Doch dem Autor mangelt es mitunter an der notwendigen Distanz, die beschriebenen Ereignisse, Akteure oder Bewegungen zeitgeschichtlich „sine ira et studio“ einzuordnen. Immer wieder fühlt man sich beim Lesen im Urteil gelenkt. Die politischen Umbrüche und sozialen Bewegungen jener Zeit werden mitunter reichlich holzschnittartig beschreiben. Grautöne schimmern selten durch. Die Rollen sind klar verteilt.

Neuerscheinung: Glosse zum Verschwinden christlicher Feiertagskultur

Der Internationale Frauentag (8. März), der Tag der Befreiung (8. Mai) oder der Weltkindertag (20. September) sind mittlerweile in einzelnen Bundesländern zum staatlichen Feiertag erklärt worden. Axel Bernd Kunze beschäftigt sich in einer Glosse in der Doppelausgabe 8-9/2020 der Zeitschrift „Der Fels“ mit dem langsamen Verschwinden einer christlich geprägten Feiertagskultur. Warum, so fragt er provozierend, sollte nicht auch der Welttag des Lehrers zum Feiertag werden? Zwei Gründe sprechen dafür: Zum einen ließe sich der Feiertag durch einen Brückentag zum Tag der Deutschen Einheit gut für einen Kurzurlaub im Goldenen Herbst nutzen. Zum anderen hätten wir einen Feiertag ohne störende religiöse, identitätsstiftende Bezüge. Der launige Vorschlag reagiert auf eine Wortmeldung Christiane Thieles zu Pfingsten: Die evangelische Theologin und Hochschulpfarrerin hatte vorgeschlagen, den Pfingstmontag als Feiertag durch Jom Kippur zu ersetzen. Allerdings geht es bei dem Vorschlag gar nicht um das Judentum: Ein allgemeines Versöhnungsfest soll es werden. Ein schwammiger Humanismus soll künftig die sozialethischen Orientierungswerte retten. Die „Glosse aus aktuellem Anlass“ glaubt nicht, dass ein solches Ansinnen tragfähig wäre.

Axel Bernd Kunze: Feiertagskultur ohne störende religiöse Bezüge. Glosse aus aktuellem Anlass, in: Der Fels 51 (2020), H. 8-9, S. 256 f.

Druckfrisch: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie

Der bereits angekündigte Titel ist in dieser Woche erschienen und mittlerweile lieferbar:

Alexander Dietz | Jan Dochhorn | Axel Bernd Kunze | Ludger Schwienhorst-Schönberger:

Wiederentdeckung des Staates in der Theologie,

Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020, 258 Seiten.

Während Kirche und Theologie in der Vergangenheit dem Staat oft zu unkritisch gegenüberstanden, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine theologische Staatsvergessenheit und teilweise sogar Staatsverachtung verfestigt. Dies entspricht aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Trends. Vor diesem Hintergrund  ist kritisch zu erörtern, in welchem Verhältnis Staatlichkeit, partikulare Identität und das christliche Wirklichkeitsverständnis zueinander stehen. Dazu leisten die Autoren dieses Bandes Beiträge in exegetischer und ethischer Perspektive.

INHALTSÜBERSICHT

1. Einleitung

2. Staatsvergessenheit als Ausdruck von Sündenvergessenheit? Zur Gefahr des »Schwärmertums« für die evangelische politische Ethik (Alexander Dietz )

3. Vom Staatsvolk zum Gottesvolk.Alttestamentliche Perspektiven (Ludger Schwienhorst-Schönberger)

4. Staatstragend mit aufrechtem Gang. Zur Exegese von Römer 13,1–7 – mit fünf Thesen zur hermeneutischen Applikation
(Jan Dochhorn )

5. Wird der Rechtsstaat noch verstanden? Sozial- und bildungsethische Überlegungen zu einem konstitutiven Merkmal unseres Gemeinwesens (Axel Bernd Kunze )

6. Woraus lebt ein Gemeinwesen? Sozial- und bildungsethische Überlegungen zum Umgang mit den kulturellen Grundlagen des Staates (Axel Bernd Kunze)

7. Ausblick

Annette Weidhas, Programm- und Verlagsleiterin der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig, zu diesem Band:

„‚Nun sag, wie hast du’s mit dem Staat?‘ Während Kirche und Theologie in der Vergangenheit dem Staat oft zu unkritisch gegenüberstanden, hat sich in den letzten Jahrzehn-ten auch theologisch eine gewisse Staatsvergessenheit verfestigt. Man hofft auf die »Vereinigten Staaten von Europa« oder gar den Weltstaat. Aber sind nicht alle Wohlfahrtsgesellschaften als Nationalstaaten organisiert? Brauchen Wohlfahrt, Sicherheit und Recht nicht klar definierte Geltungs- und Verantwortungsbereiche? Wäre eine grenzenlose Gesellschaft überhaupt noch eine Gesellschaft oder doch nur die Ansammlung von Individuen im Kampf jeder gegen jeden? Solchen und sehr vielen anderen Fragen widmen sich Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger in ihrem Buch ‚Wiederentdeckung des Staates in der Theologie‘ (…). Dabei geht es nicht um einen Rückzug auf den Nationalstaat, sondern im Gegenteil darum, demokratisch legitimierte Einheiten als Grundlage multinationaler Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten und zu verbessern, ohne die Eingriffsmöglichkeiten des ‚Vorsorgestaates‘ in bürgerliche Freiheitsrechte zu überdehnen.“

Bestellmöglichkeit über jede Buchhandlung oder den Verlag.

Rezension: #Education for Future

„Offen lassen die Antworten allerdings, wie nicht allein Bildung, sondern auch gute Ausbildung jenseits von Schule gelingen kann. Denn für eine gute Zukunft braucht es beides: Persönlichkeitsbildung und berufliche Fähigkeiten. Ein Bildungssystem, das nachhaltig sein will, muss beides zusammendenken.“

… Axel Bernd Kunze über das Buch #Education for Future von Gerald Hüther, Marcell Heinrich und Mitch Senf (Goldmann, 318 Seiten, 22 Euro) in Publik-Forum, Nr. 13 v. 10. Juli 2020, S. 57.

Schlaglicht: Kompetenz heißt noch nicht Mündigkeit

Ja, es gibt sie noch: die Kompetenzkritiker. Kompetenz führt zunächst einmal zu funktionalem Verhalten. Das brauchen wir auch – aber Mündigkeit ist damit noch nicht erreicht. Hieß der frühere Dreiklang eines umfassenden Bildungsprozesses „Wissen – Urteilen – Handeln“, sprechen Kompetenztheoretiker von „Wissen – Handeln – Urteilen“. Es geht nicht mehr darum, das Gelernte zu beurteilen, sondern zu beurteilen, ob das Handeln dem Erwarteten oder auch dem politisch Gewollten angemessen ist. Dies entspricht der politisch vielfach vorhandenen Überzeugung, in den Bildungsinstitutionen ließen sich Einstellungen und Verhaltensdispositionen der Bevölkerung steuern – etwa im Sinne eines gesellschaftspolitisch erwünschten Diskurses. Einem Kollegen entfuhr bei einer Fortbildung gegenüber dem Referenten: „Hören Sie mal, mit einem humanistischen Menschenbild hat das alles, was sie uns hier erzählen, nichts mehr zu tun.“ Und damit auch nicht mit einem humanistischen Lehrerethos. Aber es ist klar, dass sich die Kompetenzorientierung überall durchsetzen würde. Josef Kraus beschreibt die Folgen für das bayerische Abitur, das auch keine Insel bildungspolitischer Glückseligkeit mehr ist. Die Folgen spüren wir in einem schleichenden Verfall des öffentlichen Diskurses.