Der Brücklmeierverein für Forschung zu Kooperation und Widerstand e. V. erinnert im Dezember 2021 an den Bamberger Widerstandskämpfer Willy Aron:
Vorankündigung: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates
Axel Bernd Kunze:
Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates
Mit einem Geleitwort von Bernd Ahrbeck
(Berlin: LIT 2022)
Pädagogische und religiöse Fragen hängen eng zusammen. Dieses Verhältnis bleibt auch für den weltanschaulich neutralen Staat bedeutsam. Denn zur Sorge um dessen Kontinuität gehört die Sorge um seine kulturelle Wurzeln. Diese sind politisch-geschichtlich gewachsen und religiös geprägt.
Der Band zeigt auf, welch bleibende Bedeutung Bildung und Religion auch in Zeiten gesellschaftlicher Pluralität für einen freiheitlichen, vitalen und tragfähigen Kulturstaat besitzen. Wo die Sorge um seine geistigen Grundlagen erlahmt, werden über kurz oder lang kulturelle und soziale Verteilungskämpfe einsetzen.
Axel Bernd Kunze ist Sozial- und Bildungsethiker. Er lehrt als Privatdozent für Erziehungswissenschaft in Bonn und ist als Schulleiter tätig.
WEITERE INFORMATIONEN: https://www.lit-verlag.de/detail/index/sArticle/87573/sCategory/6624
Segenswünsche zum Jahresschluss
Liebe Leser und Leserinnen von „Bildungsethik“,
am Ende dieses Jahres danke ich sehr herzlich für alle Unterstützung, Zusammenarbeit und allen pädagogischen, theologischen oder sozialethischen Austausch im zu Ende gehenden Jahr. Der streitbare, akademische Diskurs um Bildungsfragen wird weitergehen.
Die Pflege christlich-abendländischer Werte und eines humanistischen, am freien Subjekt und seiner Selbstbestimmung orientierten Bildungsverständnisses bleiben weiterhin ein Auftrag, der nichts an Bedeutung verloren hat. So erlaube ich mir noch einmal auf einen neuen Titel hinzuweisen, der im neuen Jahr erscheinen wird:
Axel Bernd Kunze:
Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates.
Mit einem Geleitwort von Bernd Ahrbeck.
LIT-Verlag, ISBN: 978-3-643-15081-3
Reihe: Zeitdiagnosen , Bd. 60
Weitere Informationen:
https://www.lit-verlag.de/detail/index/sArticle/87573/sCategory/6624
Für Anfragen oder Anregungen stehe ich gern zur Verfügung.
So wünsche ich Ihnen sowie Ihren Angehörigen einen guten Beschluss des alten Jahres sowie alles Gute, Gesundheit, Zuversicht und Gottes Segen für 2022, damit es ein Jahr des Herrn werde.
Ihr Axel Bernd Kunze
Kommentar: Ad-hoc-Empfehlung des Deutschen Ethikrates zur Impfpflicht wird gesellschaftliche Debatte nicht befrieden
Am 22. Dezember 2021 verabschiedete der Deutsche Ethikrat eine neue Ad-hoc-Empfehlung zu einer allgemeinen gesetzlichen Impfpflicht:
https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-allgemeine-impfpflicht.pdf
Mit dem Instrument einer Ad-hoc-Empfehlung verabschiedet sich der Nationale Ethikrat von seiner bisherigen Forderung nach einem breiten gesellschaftlichen Diskurs. Selbst wenn in der Frage Zeitdruck bestehen sollte, müsste zumindest kurzfristig ein solcher Diskurs organisiert werden (hierfür plädierte vor kurzem auch der ehemalige Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages Eckhard Nagel). Eine Entscheidung von solch gewaltiger Tragweite ohne Transparenz und Breite durchzudrücken, gefährdet den ohnehin schon bedrohten gesellschaftlich-politischen Frieden noch weiter.
Üblicherweise veröffentlicht der Deutsche Ethikrat abweichende Voten. Das ist bei gravierenden ethischen Wertkonflikten auch zwingend geboten. Nur dann ist auch eine differenzierte persönliche Gewissensentscheidung möglich – und vor einer solchen stehen schon allein die Parlamentarier, da bei der geplanten Abstimmung zur Impfpflicht der Fraktionszwang ausgesetzt sein wird. Jetzt werden vier abweichende Voten genannt, aber zunächst nicht publiziert (wer will, kann diese mit etwas Verspätung mittlerweile hinter einer Bezahlschranke im Onlineauftritt der F.A.Z. nachlesen). Das vermachtet den ohnehin schon polarisierten öffentlichen Diskurs noch weiter.
Auf den ersten Blick wirkt die Stellungnahme schwammig, unmotiviert und intransparent. Hierzu trägt auch bei, dass im Literaturverzeichnis keine ethische Fachliteratur im engeren Sinne aufgeführt ist (wenn man von den selbstreferentiellen Verweisen auf die Eigenpublikationen absieht). Und es fehlt nicht nur eine wissenschaftliche Referenz auf ethische Positionen oder Methodik, sondern auch auf die Verfassung.
Das Papier vermittelt einen enttäuschenden Eindruck und wird den aufgeheizten, vermachteten Diskurs über die Coronapolitik vermutlich nicht nennenswert befrieden können. Es entspricht damit der polarisierten politischen Grundlinie, welche der neue Bundeskanzler in seiner ersten Regierungserklärung vorgegeben hat. Für das weitere Debattenklima im Land verheißt dies nichts Gutes. Über gravierende Freiheits- und Wertkonflikte sollte ein Gremium mit dieser Verantwortung und Reputation sorgfältiger und transparenter urteilen.
Ein Bespiel höherer Dialektik in der Kirche: Spaltung durch Ausgrenzung bekämpfen – oder: ein kritischer Kommentar zum Offenen Brief an Papst Franziskus zu aktuellen Äußerungen von Kardinal Müller
Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Kardinal Müller, ist durchaus ein kantiger Kirchenmann, an dem sich die Geister scheiden. Vor kurzem äußerte sich Müller in einem Videointerview mit dem Institut St. Bonifatius erneut zu gravierenden Wertkonflikten, die Kirche und Gesellschaft gegenwärtig spalten. Impfzwang, eine chaotische staatliche Coronapolitik, 2G-Regel in Gottesdiensten (für Müller unmissverständlich ein Verrat der Kirche am Auftrag ihres Herrn), das Buch von Klaus Schwab und Thierry Malleret „COVID-19. Der große Umbruch“ sind nur einige der heißen Eisen, zu denen Kardinal Müller Position bezieht. Und er äußert „Kapitalismuskritik“ von rechts – wie gefährlich! So wirft Müller im Interview die Frage auf, ob eine derart gewaltige Kapitalkumulation, wie wir sie bei einigen Unternehmensgründern erleben, zum demokratietheoretischen Problem werden könne – über diese Frage wird durchaus sozialethisch diskutiert und über diese Frage kann und sollte seriös diskutiert werden.
Doch es kam, wie es kommen musste. Schnell waren die üblichen Vorwürfe von Verschwörungstheorien und antisemitischen Klischees zu vernehmen. Allesamt Ad-hominem-Argumente die drauf zielen, die moralische Integrität des Gegenüber zu beschädigen und eine sachliche ethische Debatte zu unterlaufen. Lassen wir einmal außen vor, ob viele Vorwürfe, die Kardinal Müller mit seinem Interview auf sich gezogen hat, nicht eher Projektion sind. Der Kardinal bedient Verschwörungstheorien oder Antisemitismen im Interview in keiner Weise, aber er äußert sich zu brisanten Themenfeldern, bei denen es solche im öffentlichen Diskurs durchaus gibt. Dass darf aber kein Grund sein, die Debatte über diese Themen zu beenden, sondern vielmehr für einen sachlichen, differenzierten und angemessenen Ton innerhalb der sozialethischen Debatte zu sorgen. Beides macht einen Unterschied.
Müller weicht heiklen Themen nicht aus – und gibt so jene geistlich-moralische Orientierung, die gegenwärtig so viele schmerzhaft von der Kirche vermissen. Müller tritt für eine funktionierende Gewaltenteilung ein, eine unabhängige Judikative, eine Wahrung der Wert-, Grundrechts- und Menschenrechtsordnung, für die Freiheit des Gewissens, für ein freiheitliches Diskursklima an den Universitäten (hier fällt seine Kritik durchaus sehr scharf und schonungslos aus, immerhin war Müller selbst einmal Professor gewesen), für die Freiheit Andersdenkender, etwa im universitären Raum, und er wendet sich im Einklang mit der Glaubenskongregration seiner Kirche gegen eine Impfpflicht im konkreten Fall. Alles in allem eine starke christliche Freiheitslehre, die Müller vertritt. Man muss Müller nicht in jedem Detail politisch zustimmen, aber man sollte sein Anliegen unvoreingenommen würdigen.
Umgekehrt gehört schon viel Chuzpe dazu, wenn die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ in einem am 23. Dezember veröffentlichten offenen Brief, für den um weitere Mitzeichner geworben wird, den Kardinal gerade im Namen der Freiheit mundtot machen will: „Wir appellieren eindringlich an Papst Franziskus, dafür Sorge zu tragen, dass dem unverantwortlichen Treiben von Kardinal Gerhard Ludwig Müller umgehend Einhalt geboten wird.“ Ja, mehr noch: Der Kardinal solle aus dem Kreis der Papstwähler ausgeschlossen und aus dem Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur verbannt werden. Die Begründung der Kirchenaktivisten ist bemerkenswert: Ein Kardinal sollte alles tun, „um Spaltungen in Gesellschaft und Kirche zu vermeiden.“ Das nennt man wohl höhere Dialektik. Spaltung soll mit einem Aufruf zur Ausgrenzung beantwortet werden, im Namen der Pluralität, versteht sich.
Hier soll ein streitbarer Kirchenmann, dessem Ansichten vielen zu freiheitlich oder konservativ sind, sozial vernichtet werden. Das Urteil steht schon im Voraus fest. Da kann der Kardinal machen, was er will, selbst wenn er unmissverständlich vor der Gefahr einer Spaltung infolge einer polarisierenden Coronapolitik warnt. Streitbar und prinzipienfest, wohl auch ein wenig stur, so lässt sich Müller beschreiben – für die einen ein Überzeugungstäter, für die Kirchenaktivisten ein notorischer Wiederholungstäter. Denn, so die Kritik im Offenen Brief: Medienkritik ficht ihn nicht an, im Gegenteil: Sie führt nur dazu, noch einmal nachzulegen, zu bekräftigen, sogar zu verschärfen.
Aber Müller trägt die rote Farbe gerade nicht allein als Schmuck. Nein, hier ist ein Kardinal zu erleben, der Widerspruch, Bekenntnis und Klarheit um der Wahrheit willen nicht scheut – aus gläubiger Verantwortung. Ein Kardinal, der für seine Positionen streitet, und nicht bereit ist, gravierende Wertkonflikte vorschnell unter den Teppich zu kehren, bis man nur noch gebückt unter der kirchlichen Zimmerdecke laufen kann. Chapeau!
Neue Internetseite wirbt für freie Impfentscheidung
Mediziner und Wissenschaftler setzen sich mit dem neuen Internetportal www.impfen-wer-will.de für Impffreiheit und die individuelle Impfentscheidung ein. Initiatoren sind der Mediziner Ulrich Keil (Universität Münster) und der Chemiker Andreas Schnepf (Universität Tübingen). Neben einer ausführlichen Stellungnahme von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen bietet das Internetportal auch die Möglichkeit, einen Flyer und ein Flugblatt zur Weiterverteilung herunterzuladen.
Neuerscheinung: Die Schwarzburg, Heft 4/2021
Kurz vor dem Jahreswechsel ist die neue „Schwarzburg“ erschienen. Gern weise ich auf folgende Übernahmen aus eigener Feder hin:
Axel Bernd Kunze: Braucht es heute noch Bibliotheken?, in: Die Schwarzburg 130 (2021), Heft 4, S. 18 f. – der Beitrag ist online auch hier zu finden:
Für die Veröffentlichung in der „Schwarzburg“ wurde der vorstehende Beitrag mit einer Vorbemerkung der Redaktion versehen, welche auf die vielfach unterschätzte Bedeutung der Bibliotheken auf Verbindungshäusern hinweist.
Axel Bernd Kunze: Ethik des Politischen, in: Die Schwarzburg 130 (2021), Heft 4, S. 23 f. – der Beitrag ist auch in der Onlineausgabe der Akademischen Blätter erschienen:
https://aka-blaetter.de/ethik-des-politischen/
Ferner möchte ich auf einen interessanten Beitrag eines Bundesbruders aus meiner lb. Alemannia hinweisen: Helmut-Eberhard Paulus beschäftigt sich mit dem Bestreben, die reiche, der Vielfalt der thüringischen Kleinstaaten geschuldeten Residenzenlandschaft in Mitteldeutschland zum Weltkulturerbe zu erklären:
Helmut-Eberhard Paulus: Ein sichtliches Beispiel der strukturgestaltenden Kraft bewahrten Rechts: Das Kulturerbe der Residenzenlandschaft Thüringen soll Weltkulturerbe werden. Zeugnis der Legitimation von Herrschaft durch kulturelle Leistung, in: Die Schwarzburg 130 (2021), Heft 4, S. 25 – 27.
Einen Einblick in die Bemühungen, das Erbe von Schloss Schwarzburg zu erhalten (das allerdings auch bei Erfolg der Initiative nicht zum Weltkulturerbe zählen würde, da dieses keine bis 1918 durchgängig genutzte Hauptresidenz war), zeigt ein Video auf Yotube, das durch die Schaubaustelle führt:
https://www.thueringerschloesser.de/objekt/schloss-schwarzburg/
Videointerview mit Kardinal Müller
In einem Videointerview für das Institut St. Bonifatius hat Gerhard Ludwig Kardinal Müller deutliche Worte gefunden. Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation scheut es nicht, heiße Eisen anzupacken, auch wenn er damit Minenfelder beritt. Kardinal Müller ist für sein Interview hart angegriffen worden; so manche Kritik erweckt den Eindruck, mehr mit Projektion als mit seinen Äußerungen zu tun zu haben. Ich meine, dass sein starkes Auftreten für die Freiheit, Aufmerksamkeit verdient. Der Kardinal tritt aus christlicher Verantwortung für eine funktionierende Gewaltenteilung, eine unabhängige Judikative, eine Wahrung der Wert-, Grundrechts- und Menschenrechtsordnung, für die Freiheit des Gewissens, für ein freiheitliches Diskursklima an den Universitäten, für die Freiheit Andersdenkender, etwa im universitären Raum, ein und er wendet sich im Einklang mit der Glaubenskongregration seiner Kirche gegen eine Impfpflicht im konkreten Fall. Das kann als eine starke christliche Freiheitslehre bezeichnet werden. Müller, der selbst einmal Professor war, schont die Universität nicht und findet auch hier sehr deutliche Worte, die bildungs- und wissenschaftsethisch vielen nicht gefallen dürften. Mit seinen unerschrockenen Worten macht Müller einem Kardinal, der sein Rot nicht nur als Schmuck trägt, alle Ehre.
Buchankündigung: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates
Axel Bernd Kunze:
Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates.
Mit einem Geleitwort von Bernd Ahrbeck.
LIT-Verlag, ISBN: 978-3-643-15081-3 Reihe: Zeitdiagnosen , Bd. 60
Weitere Informationen: https://www.lit-verlag.de/detail/index/sArticle/87573/sCategory/6624
Weihnachtsgrüße
Liebe Leser und Leserinnen von BILDUNGSETHIK,
Weihnachten trägt eine tiefe Verheißung in sich: Das Kind von Bethlehem erschließt uns eine Zukunft, die unseren menschlichen Horizont übersteigt. Jesus Christus ist der treue Zeuge für Gottes Gerechtigkeit, Frieden und Liebe. Die Beziehung zu ihm trägt durch alle Dunkelheiten. Diese Zuversicht bleibt aktuell – wie vor zweitausend Jahren, auch und gerade in den bedrängenden Zeiten, die wir gegenwärtig in unserem geliebten Vaterland erleben.
Hoffen wir, dass die F.A.Z. mit ihrer Mutmaßung aus der vierten Adventswoche Unrecht behalten wird, dass nach einer neuen Allensbachsumfrage dieses Weihnachtsfest das letzte mit einer kirchlichen Mehrheit in Deutschland sein könnte. Die Pflege christlich-abendländischer Werte und eines humanistischen, am freien Subjekt und seiner Selbstbestimmung orientierten Bildungsverständnisses bleiben weiterhin der Auftrag von BILDUNGSETHIK, der nichts an Bedeutung verloren hat. In diesem Sinne sage ich herzlichen Dank für alle Unterstützung, Zusammenarbeit und allen bildungsethischen Austausch im zu Ende gehenden Jahr. Der streitbare, akademische Diskurs um Bildungsfragen wird weitergehen.
So wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen gesegnete, trostreiche Weihnachtstage, die notwendige Muße „zwischen den Jahren“ sowie alles Gute, Gesundheit, Zuversicht und Gottes Segen für 2022, damit es ein Jahr des Herrn werde.
Ihr Axel Bernd Kunze