Gesegnete Kar- und Ostertage

Surrexit Dominus de sepulcro, qui pro nobis pependit in ligno.

Liebe Leser und Leserinnen von „Bildungsethik“,

von Herzen wünsche ich Ihnen gesegnete Kar- und Ostertage sowie erholsame Feiertage.

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an der bildungsethischen Debatte. „Bildungsethik“ wird diese auch weiterhin führen, eingebettet in einen größeren gesellschaftlich-sozialethischen Kontext, wie es das Anliegen dieses Weblogs ist – dabei aber stets orientiert an einem substantiellen Bildungsbegriff, streitbar für die Selbstbestimmung des Einzelnen. Ich freue mich, für dieses Anliegen auch weiterhin auf Ihre Unterstützung und Ihr Interesse zählen zu dürfen.

Mit herzlichen Segenswünschen zum Osterfest, Ihr Axel Bernd Kunze

Aussöhnung weiterhin notwendig: „Ich habe mitgemacht.“

Auch nach der Ablehnung einer Impfpflicht vom Donnerstag muss um der Wahrheit willen daran erinnert werden, welche Ausgrenzungsmechanismen und Diffamierungen eine polarisierende Coronapolitik hervorgerufen hat (und leider immer noch hervorruft) – von Politikern, einem Altbundespräsidenten, öffentlich-rechtlichen Medien, Wissenschaftlern usw. Der Publizist Dushan Wegner hat diese unter dem Motto „Ich habe mitgemacht“ gesammelt und ausgewertet. Ohne Wahrheit und den echten Willen zur Aufarbeitung dieser Verfehlungen gegen die Wert- und Verfassungsordnung unseres Landes wird es keine nationale Aussöhnung geben können, wird zerstörtes Vertrauen nicht wiederhergestellt werden können und wird das gesellschaftliche Klima vergiftet bleiben.

Christliches Forum nach der Impfpflichtdebatte: Ein Etappensieg, aber die Herausforderung bleibt

Das „Christliche Forum“ übernimmt aus „Bildungsethik“ den Kommentar zur gestrigen Impfpflichtentscheidung des Deutschen Bundestages:

In den morgendlichen Nachrichtensendungen am Tag danach, war schon zu sehen, wohin die Reise geht. Nach kurzer Zeit musste ich das Radio abschalten. Der Ton im öffentlich-rechtlichen Sender – es ging um ein Interview mit einem bekannten CDU-Politiker zur Impfpflichtentscheidung – war unerträglich. Auf beiden Seiten: Ein Politiker, der bei einem körperlichen Zwangseingriff mit einem nur notfallzugelassenen Medizinstoff in die körperliche Unversehrtheit keine Gewissensfrage erkennen will, offenbart ein totalitäres Denken. Und ein Journalist, der bei jeder Frage die Antwort bereits manipulativ vorwegnimmt, weil er ideologisch und tendenziös fragt, bricht journalistische Ethos und verletzt die Ehre des Berufsstandes.

Petition des Teams „Bildung NRW …“: Gemeinsames Lernen nur dort, wo Kinder wirklich profitieren …

Das Team „Bildung NRW …“ hat im laufenden Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen eine Petition gestartet, die auf nur eine der vielen bildungspolitischen Baustellen im Land hinweist: „Sie zielt darauf ab, Überlastung und Unangemessenheit bei der schulischen Inklusion im Rahmen des Möglichen offen zu thematisieren – sowie fühlbar und zeitnah zu verbessern.“ – schreiben die Initiatoren.

https://www.openpetition.de/petition/online/inklusion-nrw-in-der-sackgasse-gemeinsames-lernen-bitte-nur-dort-wo-kinder-wirklich-profitieren#petition-main

Auch Stimmen außerhalb Nordrhein-Westfalen seien wichtig, betonen die Initiatoren ausdrücklich.

Ein Hoch auf die Selbstbestimmung!

Die Abstimmung am 7. April war ein guter Tag für die Selbstbestimmung. Gabriele Peters hat die Eindrücke am Abend dieses denkwüdigen Tages festgehalten.

Und nach geschlagener Schlacht hat auch die Berliner Zeitung noch einmal den Beitrag bearbeitet – jetzt mit Verweis auf die gemeinsame Verfasserschaft der Autorengruppe der „7 Argumente“:

https://www.berliner-zeitung.de/news/die-impfpflicht-beruehrt-die-frage-der-menschenwuerde-li.220929

Zwischenruf: Nach der heutigen Ablehnung einer Impfpflicht im Bundestag …

Das Parlament hat heute doch noch mehrheitlich Vernunft und Verantwortung gezeigt. Immerhin. Und das ist ein Lichtblick. Alle, die sich in den vergangenen Wochen – auch gegen harte Widerstände – gegen eine menschenrechtswidrige Impfpflicht engagiert haben, dürfen heute stolz sein.

Dennoch will bei mir heute Abend, da will ich ehrlich sein, nicht so recht Feierlaune aufkommen – womit ich niemandem den Champagner verwehren möchte, im Gegenteil. Allzu viel ist in den vergangenen Monaten vorgefallen, das aufgearbeitet werden muss. Die abstoßende Politik der Impfnötigung, Diffamierung und Hetze ist nicht vergessen. Die menschenechtsfeindliche Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen bleibt weiter bestehen. Es bleibt die bittere Erfahrung, als Rechtspersönlichkeit in der Krise durch unsere Wert- und Verfassungsordnung nicht hinreichend geschützt zu sein. Das Vertrauen in den Rechtsstaat ist beschädigt. Viele gesellschaftliche Akteure haben sich in den vergangenen Monaten schuldig gemacht … Ich will die Aufzählung an dieser Stelle beenden. Ja, dass überhaupt über ein menschenrechtswidriges Verfahren wie eine Impfpflicht im Parlament ernsthaft abgestimmt wurde, bleibt ein Tiefpunkt des Parlamentarismus und eine Niederlage der deutschen Politik.

Die Reaktion des Bundesgesundheitsministers nach der Abstimmungsniederlage im Parlament zeigt, dass die Verfechter einer Impfpflicht nicht aufgeben werden. Und auch Teile der Kirchen – um nur einen großen gesellschaftlichen Akteur zu nennen – haben nichts dazu gelernt und das heutige Abstimmungsergebnis im Bundestag bedauert. Sollte eine neue Coronawelle auf uns zukommen oder sich die Infektionslage im Herbst erneut verschlechtern, droht eine erneute Hetzjagd auf Ungeimpfte. Der heutige Leitartikel von Jasper von Altenbockum in der FAZ – noch vor der Abstimmung im Parlament – hat schon einen Vorgeschmack geboten. Der politische Kampf für Freiheit und Recht, Maß und Mitte, Würde und Anstand, Menschenwürde und Grundrechte in der Gesundheitspolitik muss weitergehen. Die Versuchung eines autoritären, biopolitischen Neokollektivismus ist nicht vom Tisch.

Neben der politischen und ethischen Debatte ist zu sehen, dass die Anfragen an die neuartigen mRNA-Impfstoffe weiterhin nicht unvoreingenommen und fair diskutiert werden. Die C-Parteien haben eher aus strategischen Überlegungen gegen eine Impfpflicht gestimmt – einen moralischen Damm gegen die Impfpflichtpläne der Ampel bilden sie nicht. Und was für die Parlamentarier gilt, trifft auch auf weite Teile der Bevölkerung zu: Die gravierenden Wertkonflikte werden nicht als solche wahrgenommen. Der öffentliche Moraldiskurs bleibt in vielem gestört.

Kurz und gut: Um das Freiheitsbewusstsein steht es weiterhin nicht gut. Dieses zu heben und gleichzeitig einen Prozess nationaler Aussöhnung einzuleiten, wird lange, sehr lange dauern. Zumal wir von einer Aufarbeitung der Fehlentscheidungen und Verfehlungen in der Coronapolitik noch sehr weit entfernt sind. Dennoch: Einen nicht unwichtigen Etappensieg gilt es heute zu feiern.

Zwischenruf: Politik wird zum Kinderspiel

Politik wird zum Kinderspiel. Ach ja, in der Politik geht es ja um nichts, nicht um Krieg und Frieden, das Wohl des Staates und die Sicherung der Zukunftsgrundlagen, solide Staatsfinanzen oder die Sicherung von Grundrechten und, und, und. Daher sollte man doch gleich so konsequent sein und auch das passive Wahlrecht ab 16 fordern. Aber dann wird es den Beamten im Parlament vermutlich doch mulmig.

Baden-Württemberg geht mutig voran:
https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/baden-wuerttemberg-senkt-wahlalter-auf-16-jahre/

Konsequenterweise müssten dann auch andere Schutzaltersgrenzen abgesenkt werden. Ach, ich vergaß: Zigaretten darf man erst ab achtzehn kaufen, aber über das Land ab sechzehn bestimmen. Denn wie gesagt: Bei Politik geht es ja um nichts.

Rezension: Identität im interkulturellen Dialog

Axel Bernd Kunze stellt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift CONCILIUM die folgenden Bände vor:

Isis Ibrahim, Shaji George Kochuthara, Klaus Vellguth (Hgg.): In der Schöpfung Heimat finden. Asiatische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog (Edition Schöpfung; 2) , Ostfildern: Matthias Grünewald 2020, 329 Seiten.

Volker Küster: Interkulturelle Christologie. Die vielen Gesichter Jesu Christi. Überarbeitete und erweiterte Jubiläumsausgabe (2. Auflage), Darmstadt: wbg Academic 2021, 319 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Identität im interkulturellen Dialog, in: Concilium 58 (2022), H. 1, S. 123 – 129.