Studentengeschichte: Willy Aron – jüdischer Rechtsreferendar, Sozialdemokrat und Waffenstudent

Arbeitskreis der Studentenhistoriker:

Im Rahmen der Tagung „Jüdische Korporierte, jüdische Korporationen“, die gemeinsam vom Arbeitskreis der Studentenhistoriker und der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg durchgeführt wurde, fand am 20. November 2021 ein Vortrag von PD Dr. Axel Bernd Kunze statt […] Darin wird an Wilhelm Aron erinnert, genannt Willy, der sein mutiges politisches und juristisches Eintreten gegen den Nationalsozialismus mit seinem jungen Leben bezahlte. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und sozialdemokratischen Überzeugung wurde Aron, der der BC-Verbindung Wirceburgia Würzburg angehörte, im Mai 1933 auf brutale Weise in Dachau ermordet.

Zum Weiterlesen: http://studentenhistoriker.eu/?p=3041

Mitschnitt des Vortrags zun Nachhören: https://www.youtube.com/watch?v=hGtsFsmxWT4

Christliches Forum: Wo bleibt die Solidarität des Bischofs?

Die Hildesheimer Bistumsakademie zieht vom Harzrand nach Hannover um. Eröffnet wird sie dort mit einer Podiumsdiskussion zum Verhältnis von Kirche und Demokratie. Der Bischof selbst diskutiert auf dem Podium mit – merklich zeitenthoben. Dabei gebe es gerade jetzt eine Menge der Kirche zum demokratischen Miteinander zu sagen. Anmerkungen zum Podium im „Christlichen Forum“:

Aus aktuellem Anlass wiedergelesen: Bildungsgerechtigkeit und Sozialindizes für Schulen

Der neue Berliner Senat plant einen Sozialindex für Schulen: Nicht mehr die Zahl von Kindern mit Migratioinshintergrund und nichtdeutscher Muttersprache, sondern eine Vielzahl von Faktoren soll künftig die Belastung der Schule und deren Förderbedarf berechnen. Der Deutsche Philologenverband kritisiert schon länger, dass ähnliche Modelle in anderen Bundesländern immer wieder gescheitert seien.

Aus aktuellem Anlass sei an einen Beitrag aus dem Vorjahr erinnert, der sich mit diesen Fragen beschäftigt:

Axel Bernd Kunze: Bildungsgerecht. Überlegungen für ein Schulsystem, das dem Einzelnen gerecht wird, in: Bildung aktuell. Wir machen Schule 71 (2020), H. 6 (November), S. 6 – 8.

Onlineausgabe: https://www.phv-nw.de/publikationen/bildung-aktuell/6-2020-oktober

Offener Brief: Genderideologie und Kirche

„Bildungsethik“ weist gern auf den folgenden Offenen Brief hin, der sich gegen die zunehmende Gendersprache in der Kirche ausspricht (Kontakt zur Initiatorin über die Redaktion von „Bildungsethik“):

Offener Brief an die Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Deutschland

Genderideologie und Kirche                                                                       

Köln, im November 2021

Liebe Pfarrerinnen und Pfarrer,

liebe Mitarbeiter der Evangelischen Kirche,

liebe Verantwortliche in der Kirchenführung,

nun hat der Asteriskus also auch in die Gemeindeblätter und Mitteilungen unserer Kirchen Einzug gehalten. Das ist bedauerlich! Es ist ein Irrtum, zu glauben, unsere Sprache vergesse die „Frauen und andere Geschlechter“. Das ist sprachwissenschaftlich falsch, geht an der Realität vorbei und sollte deshalb auch nicht in einem Gemeindebrief verbreitet werden. Ich mag wohl annehmen, dass Sie in guter Absicht handeln, wenn Sie einen Sprachcode verwenden, den sie für gerechter halten als die bestehende Grammatik. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass Sie anders darüber denken, wenn Ihnen die sprachtheoretischen Zusammenhänge klar wären und Ihnen bewusst wird, woher diese Ideologie kommt, was sie bezweckt und vor allem auch, was sie bewirkt.

Wenn ich persönlich gemeint bin wie in einer Anrede, möchte ich auch persönlich angesprochen werden und nicht mit einem Adverb, „innen“ – im Gegensatz zu außen – , mitgemeint sein (Liebe Leserin, lieber Leser/Liebe Leserinnen und Leser). In sachlichen und allgemeinen Kontexten ist der Hinweis auf mein Geschlecht und mögliche andere Geschlechtlichkeiten jedoch deplatziert, sachfremd und auch sexistisch: Wir sind Bürger, wir sind Christen. Und wenn wir wählen gehen, und wenn wir beten, spielt unser Geschlecht keine Rolle. Ich glaube, das hätte Jesus genau so gesehen.

Sprache dient der Kommunikation. Sie muss funktionieren und verstanden werden. Und gerade das leistet die sogenannte „geschlechtergerechte“ Sprache nicht. Um als Kommunikationsmittel zu funktionieren und verständlich zu sein, müsste sie das auf allen Ebenen tun. Wenn wir den Genderideologen folgen und konsequent gendern, müssten wir auch negativ konnotierte Begriffe mit einbeziehen und fortan von „Mörderinnen und Mördern“, „Terroristinnen und Terroristen“ usw. sprechen und ebenso Komposita wie auch Suffigierungen von Adjektiven, die generisch enden, so bezeichnen. Dabei würden dann so perverse Konstruktionen herauskommen wie „aufklärer * innen * isch“, künstler – innen – isch und dergleichen mehr. Auch das Präsens wird generisch verwendet. Es steht für die Gegenwart, die Zukunft und auch für allgemeine Aussagen. Bleibt also festzuhalten: Das generische (inklusive) Maskulinum ist der deutschen Grammatik inhärent. Es ist weder auszumerzen noch wegzudenken, weil unsere Sprache dann nicht mehr funktioniert. Nur das generische Maskulinum – und keine andere grammatische Form – ist inklusiv und meint Frauen wie Männer und ebenso nicht-binäre Identitäten gleichermaßen, wie es auch alle geschlechtlichen Identitäten nicht mitmeint, eben darum, weil es den Menschen in den Blick nimmt und nicht sein Geschlecht (Art. 1 GG).

Gendertechniken zur Sichtbarmachung eines Geschlechts stehen im Widerspruch zu unserem Grundgesetz, weil sie den Menschen als Rechtssubjekt aus dem Auge verlieren.

Sekundäre Attribute wie Geschlecht und sexuelle Orientierung, die für den Kern des Menschseins nicht wichtig sind, werden in den Vordergrund gestellt und damit sachliche Bezüge oder wichtige Anliegen, die vorgebracht werden sollen, verdrängt.

Neben dem sprachwissenschaftlichen Aspekt zählt für mich aber auch vor allem der gesellschaftspolitische Effekt des Genderns. Durch das Gendern werden weite Bevölkerungsschichten ausgegrenzt, bildungsferne Schichten und vor allem Migranten. Bei einem Anteil von einem Viertel der Bevölkerung ist es problematisch, wenn von einer elitären linksfeministischen Elite eine Symbolsprache eingeführt werden soll, die weite Teile der Bevölkerung nicht verstehen. Gendern ist somit das Gegenteil von Inklusion und Integration. Gendern bedeutet vielmehr Ausgrenzung, ist ein Integrationshemmnis und dazu angetan, die gesellschaftliche Spaltung noch zu vertiefen.

Die feministische Sprachideologie basiert auf zwei gravierenden Denkfehlern, erstens der unwissenschaftlichen Gleichsetzung von grammatischem Geschlecht (Genus) und biologischem (Sexus) und zweitens der im 21. Jahrhundert nicht mehr haltbaren Unterstellung, den Mann als einen Patriarchen anzusehen. Dem liegt ein völlig antiquiertes Gesellschaftsbild zugrunde, das Frauen zu (schwachen) Opfern stilisiert, die von einer dominanten Männerwelt unsichtbar gemacht werden sollen. Die krude und bereits vor vierzig Jahren wissenschaftlich durch nichts bewiesene Behauptung, dass ein angehängtes Suffix die Welt gerechter und frauenfreundlicher machen würde (Luise Pusch), mag vielleicht in den 80er Jahren noch gezogen haben. Heute ist das Anachronismus. Heute haben sich Frauen an die Weltspitze der Politik gearbeitet, können sie berufliche Felder erobern, die ihren Müttern und Großmüttern noch verwehrt waren. Der Mythos von der unsichtbaren Frau in der Sprache ist jedoch geblieben und wird als eine wirksame sprachpolitische Erzählung linker Eliten auf das generische (inklusive) Maskulinum als Übeltäter projiziert.

Natürlich ist noch nicht alles perfekt in unserer Gesellschaft, natürlich gibt es noch vieles zu tun. Aber die Frage ist doch, ist die Zerstörung der sprachlichen Strukturen das geeignete Mittel dazu? Diese Frage jedoch wird von den Verfechtern der Sprachideologie nicht gestellt, statt dessen mit den männerfeindlichen Ideen von Luise Pusch ein ideologischer Wiedergänger neu belebt, und die scheinbare Ungerechtigkeit in unserer Sprache als Alibi für eine moralisierende Bewegung genutzt, der an nichts weniger liegt als an Gerechtigkeit, aber alles daran, unsere auf dem Boden der christlich-jüdischen Kultur gewachsenen Wertegemeinschaft umzuformen in eine irrationale, spiritualistische Ideologie (vgl. G. Gracia, NZZ 18.6.21).

Ich mag wohl glauben, dass die meisten (außer den Ideologen selbst) es gut meinen in dem Bemühen, eine „gerechte“ Sprache zu benutzen. Aber dazu braucht man weder Sterne noch Gender-Gaps. Es reicht, die Sprache von gewaltsamer Kommunikation zu befreien, wie sie sich z.B. in Komposita wie „Asyltourismus“, „Asylantenflut“ und anderen findet. Die wenigsten werden jedoch wissen, aus welchem Geist diese Ideolgie geboren wurde. Von Luise Pusch stammen folgende Zitate:

„das Femininum sei echt zu schade, um damit ‚Schwanzträger‘ zu bezeichnen (Pusch 1990, S. 95) und    „Wir Frauen wissen nicht so genau, warum die Männer da sind…Sie sind halt da, und das ist schlimm genug. Wir fragen uns wohl, wie wir ihnen am besten entkommen und ihre monströsen Hervorbrin- gungen überleben können“ (Pusch 1992, S. 245).

Das ist Misandrie in ihrer schlimmsten Ausprägung. Ich finde eine solche Einstellung nicht nur männer-, sondern auch menschenfeindlich.

Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft. Diese gilt es zu benennen, anzuprangern und zu versuchen, sie zu ändern. Das ist eine gesellschaftliche Verpflichtung, für jeden einzelnen von uns, für die Politik und allen voran auch für die Kirchen. Aber zu glauben, ein Sternchen würde das schon richten, ist Sprachmagie, ist Aberglaube. Eingriffe in die Grammatik einer Sprache können keine gesellschaftlichen Veränderungen bewirken. Das muss der handelnde und denkende Mensch schon selber tun. Und kryptische, immer erst erklärungsbedürftige Symbole sind auch nicht das geeignete Mittel, um darauf aufmerksam zu machen.

Nicht das generische Maskulinum ist der Feind, sondern radikale Kräfte, Ideologen, deren Ziel es ist, unsere Gesellschaft zu spalten. Ihre Sprachsymbolik mit dem Adjektiv „gerecht“ in Verbindung zu bringen, ist Euphemismus, ist Heuchelei. Im Übrigen, wenn das so wäre, wenn gesellschaftliche Ungerechtigkeiten also in der Grammatik einer Sprache und im Gebrauch des generischen Maskulinums sichtbar und – wie uns glauben gemacht werden soll – mit seinem Verbot getilgt würden, dann müsste das ja im Umkehrschluss bedeuten, dass Länder, die kein generisches Maskulinum in der Sprache führen, besonders human und frauenfreundlich sind. Dann wären Länder wie die Türkei, wie Ungarn unsere Vorbilder in Sachen Frauenfreundlichkeit, Diversität und Gerechtigkeit.

Wir können so sprechen, wenn wir immer noch glauben, durch Sprachsymbolik die Welt zu bessern. Führen wir uns jedoch vor Augen: Die sogenannte „gendergerechte“ Sprache ist eine Ideologie. Die Kirche sollte sich dies bewusst machen und dann entscheiden, ob sie Ideologen folgen will. Die Zerstörung der Sprache ist die Zerstörung unserer kulturellen Identität, einer Kultur, die in hunderten von Jahren als gemeinschaftliche Leistung aller geschaffen wurde.

Nachsatz

Im Anschluss an einen Vortrag über deutsch-jüdische Dichter las ich die Unterlagen aus meinem Seminar über Rose Ausländer, Paul Celan und Hilde Domin noch einmal. Ich lese, wie diese Dichter, denen das Schlimmste von Nazi-Deutschland angetan wurde, was ein Mensch wohl erleben kann, voller Sehnsucht zurückgekehrt sind in die deutsche Sprache. Und mir fällt ein Zitat von Reich-Ranicki ein, dem vielfach Geflohenen, dem oftmals Heimatlosen, als er gefragt wurde, was sein Zuhause sei, und er sagte: Meine Heimat, das ist die deutsche Sprache. Das bewegt mich tief, mich bewegen die Worte unserer Dichter und Denker, und ich weiß: Ich will nicht, dass dies alles verloren geht, zerstört wird von Ideologen.

Deshalb werde ich nicht schweigen über das, was ich weiß und was ich denke, um nicht mitschuldig zu werden an Diskriminierung, Spaltung und Sprachzerstörung. Ich will und werde mich mit der Kraft meines Herzens dafür einsetzen, dass unsere Kultur und unsere Sprache in ihrer ganzen Schönheit erhalten, gesprochen und geschrieben wird.

Dr. Anne Meinberg (Literaturwissenschaftlerin)

Neuerscheinung: Zwischen Staatsvergessenheit und Entgrenzung des Staates

Der Beitrag hat einige Zeit auf Veröffentlichung warten müssen, ist aber aufgrund der politischen Entwicklung weiterhin aktuell:

Die Neue Ordnung 75 (2021), Heft 6 v. Dezember, S. 441 – 450.

web.tuomi-media.de/dno2/Dateien/NO621-5.pdf

Ein Folgebeitrag zum „Intensivstaat“ in der Coronakrise ist schon bei der Redaktion.

Neuerscheinung: „Poetry Slam“ im Pädagogikunterricht

„PU literarisch“ lautet das Themenheft der neuen Ausgabe der Fachzeitschrit PÄDAGOGIKUNTERRICHT. Nicola Keßler diskutiert Chancen und Grenezn von „Slam Poetry“ im Pädagogikunterricht. Zum Wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift gehören Prof. Dr. Bauer (Univ. Bielefeld), Prof. Dr. Beyer (Univ. Köln), Prof. Dr. Bernhard (Univ. Duisburg-Essen), Jun.-Prof. Dr. Gather (Univ. Paderborn) und PD Dr. Kunze (Univ. Bonn).

Neuerscheinung: Von Jesus lernen

Gottesdienstmodell für den Achten Sonntag im Jahreskreis

Bei Jesus in die Schule gehen

Mit deutlichen, herausfordernden Worten wendet sich Jesus an die Menschen, die ihn suchen und ihm begegnen wollen. Selbst den Vorwurf „Du Heuchler!“ erspart er ihnen nicht. Jesus verkauft keine seichte Wohlfühl- oder Wellnessreligion.

Christliche Existenz setzt die Antwort des Glaubens auf Jesu Anruf voraus und verlangt die Bereitschaft, das eigene Leben an Jesus auszurichten. Jesus ruft uns dabei auf einen Weg der Liebe, der mehr verlangt als bloßen religiösen Gehorsam. Was braucht es, um ein Jünger Jesu zu werden?

Zunächst einmal Zeit und Geduld. Jesus stellt sich mit dem ersten Bildwort im heutigen Evangelium als Rabbi dar. Jünger Jesu wird man nicht von heute auf morgen. Wer Jesus nachfolgen will, muss bei ihm in die Schule gehen. Er muss nach und nach lernen, was es heißt, das eigene Leben auf Gott hin auszurichten. Wer sich auf diesen Weg einlässt, wird immer tiefer verstehen, was Jesus verkündet und vorgelebt hat. Und er wird immer stärker in das Beispiel Jesu hineinwachsen.

Wer aber meint, diesen Weg abkürzen zu können, wer meint, bereits alles zu wissen und sich über das Vorbild des Meisters erhebt, der gleicht einem blinden Führer. Niemand in der christlichen Gemeinde darf sich über das Vorbild Jesu hinwegsetzen. An ihm Maß zu nehmen, bedeutet, nicht nur zu predigen, sondern auch im Leben dem zu entsprechen, was Jesus vorgelebt und getan hat.

Mit dem Blick auf sich selbst anfangen

Dieser Anspruch ist hoch. Doch die Schule, in die uns Jesus ruft, ist ein gemeinsamer Lernprozess. Wir gehen ihn als Gemeinde zusammen. Immer wieder sind wir dazu aufgerufen, einander anzunehmen und uns gegenseitig zu unterstützen, angesichts der moralischen und religiösen Schwächen, die jeder Einzelne mitbringt. Gegenseitig sollen wir uns korrigieren und helfen und so aneinander wachsen.

Doch Vorsicht! Dies kann zur Überheblichkeit, Selbstgerechtigkeit oder Heuchelei führen. Keiner sollte innerhalb der christlichen Gemeinde glauben, er sei moralisch größer als der Meister und könne sich über die anderen stellen. Den anderen auf seine Fehler hinzuweisen, verlangt vielmehr, zunächst auf sich selber zu schauen, schonungslos und illusionslos. Wer dazu bereit ist, wird die eigenen Fehler und Schwächen erkennen. Sich diese einzugestehen und an diesen zu arbeiten, ist der erste Schritt zur Umkehr. Und nur wer dazu bereit ist, darf es wagen, den anderen zu korrigieren.

Aus der Wurzel leben

Und schließlich: Ob unsere Beziehung zu Jesus aufrichtig und echt ist, wird sich an den Früchten erweisen, die wir bringen. Das rechte Wort, die rechte Ermahnung, die aufrechte Beziehung zum Nächsten, die gute Tat – sie leben aus der Beziehung zu Jesus Christus. Wenn wir in ihm wurzeln, werden wir glaubwürdig sein, wird unser Leben, unser Reden, Denken und Handeln widerspiegeln, was wir glauben.

Die Bäume unterscheiden sich in ihren Früchten. Aber auch hier sollten wir uns nicht zu sicher sein. Jeder Baum kann absterben. Wo unsere Beziehung zu Jesus gestört ist, wo wir die Verbindung zu ihm nicht mehr pflegen, werden unsere Blätter welken und verdorren, werden wir zu einem Baum, der an Saft und Kraft verliert.

Damit ein Baum sich entwickeln und Frucht bringen kann, braucht er Pflege. So ist es auch mit unserer Beziehung zu Jesus Christus. Die kommenden Tage der Österlichen Bußzeit laden uns dazu ein, unsere Beziehung zu ihm wieder zu vertiefen: durch Gebet, Betrachtung und Lesen in der Heiligen Schrift; durch Verzicht und Besinnung auf das Wesentliche; durch Zuwendung und Zeit für den anderen. Die kommenden Tage sind eine Zeit, die unser Herz wieder füllen will – mit dem, was im Glauben zählt und was unser Leben aufrichtig macht.

Axel Bernd Kunze: Von Jesus lernen [Lesejahr C. Achter Sonntag im Jahreskreis], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 19 (2022), H. 1, S. 179 – 194.

Vorankündigung: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates

Im Vorjahr erschien der Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ (von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger; Leipzig 2020), der im September 2020 durch die Theologische Literaturzeitung als „Buch des Monats“ ausgezeichnet wurde.

Der folgende Titel schließt an den vorstehend genannten Band an:

Axel Bernd Kunze: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates (LIT-Verlag 2022).

Pädagogische und religiöse Fragen hängen eng zusammen. Dieses Verhältnis bleibt auch für den weltanschaulich neutralen Staat bedeutsam. Denn zur Sorge um dessen Kontinuität gehört die Sorge um seine kulturelle Wurzeln. Diese sind politisch-geschichtlich gewachsen und religiös geprägt. Der Band zeigt auf, welch bleibende Bedeutung Bildung und Religion auch in Zeiten gesellschaftlicher Pluralität für einen freiheitlichen, vitalen und tragfähigen Kulturstaat besitzen. Wo die Sorge um seine geistigen Grundlagen erlahmt, werden über kurz oder lang kulturelle und soziale Verteilungskämpfe ein­setzen.

Der Verfasser ist Sozial- und Bildungsethiker. Er lehrt als Privatdozent für Erziehungswissenschaft in Bonn und ist als Schulleiter tätig.

Für Rückfragen, Anregungen oder die Vormerkung von Rezensionsexemplaren wenden Sie sich bitte an: Kunze-Bamberg[at]t-online.de

Vorstellung des neuen Titels:

Der Band will deutlich machen, welche bleibende Bedeutung Bildung und Religion auch unter den Bedingungen gesellschaftlicher Pluralität für einen freiheitlichen, vitalen und tragfähigen Kulturstaat besitzen. Wo die Sorge um seine geistigen Grundlagen erlahmt, werden über kurz oder lang kulturelle und soziale Verteilungskämpfe ein­setzen.

Inhaltsverzeichnis:                      

Präludium

Teil I:    Christliche Burschenschaften – eine historische Vergewisserung

Teil II    Dreifache Annäherung an den Bildungsbegriff

Teil III   Bildung und Religion brauchen einander

Teil IV   Freiheit in der Bildung – ein Überblick zu ihren menschenrechtlichen Grundlagen in Europa

Teil V    Zum pädagogischen Umgang mit Religion in der pluralen Gesellschaft

Teil VI   Der Kulturstaat braucht eine normative Grundlage

Teil VII  Didaktische Anregungen I – Interreligiöse Bildung

Teil VIII Didaktische Anregungen II – Religionspropädeutik

Teil IX   Didaktische Anregungen III – Diakonische Bildung

Bildungsethisches Postludium

Anliegen des Bandes:

In der jüngeren sozialethischen Debatte zeigt sich vielfach ein unreflektiertes Verhältnis gegenüber dem Staat: Zum einen ist eine Staatsvergessenheit zu beobachten, welche Fragen nach staatlicher Leistungsfähigkeit ausblendet. Der Fokus liegt vor allem auf Fragen der Gesellschaftsreform; der Staat interessiert allenfalls noch in Gestalt des Sozialstaates. Zum anderen ist mit Beginn der Coronakrise eine Rückkehr des Staates zu beobachten, dem nun auf einmal weitreichende Grundrechtseingriffe zugebilligt werden. Eine angemessene sozialethische Debatte hierüber fehlt bisher.

Der vorliegende Band reflektiert aus einer vorrangig bildungsethischen Perspektive über Rolle und Aufgabe des Kulturstaates. Gefragt wird, welche Verantwortung der Kulturstaat für die Sicherung sozialethischer Orientierungswerte trägt. Gleichzeitig wird gefragt, wo um der Freiheit willen der Rechtsgüterschutz des Staates in religiös-kulturellen Belangen notwendig begrenzt bleiben muss.

Inhaltszusammenfassung:

Pädagogische und religiöse Fragen hängen eng zusammen. Wer sich bildet, ist mit dem Kernbereich seiner Person daran beteiligt. Daher ist das Verhältnis zwischen Bildung und Religion ein besonders sensibler Bereich, der nicht allein eine Aufgabe sozialstaatlicher Organisation darstellt. Bei der Ausgestaltung des Bildungsbereichs erhält der Staat weitreichenden Einfluss auf die personale Integrität des Einzelnen, sowohl in geistig-intellektueller als auch in psychisch-emotionaler und moralisch-religiöser Hinsicht.

Die freiheitliche Verfassung liefert zwar Orientierungs­maßstäbe; wie deren Ziele aber innerlich verwirklicht werden, bleibt Sache des mündigen Bürgers. Für das freiheitliche Gemeinwesen ist daher ein Trägerpluralismus im Bildungs­bereich unverzichtbar. Dem Bürger bietet dies die Möglichkeit der Wahl, bedingt aber auch den Zwang zur Entscheidung. Erst aus dem Vorhandensein sich überschneidender, auch konkurrierender Orientierungswerte gewinnt die freiheitliche Verfassungsordnung des Staates „Maßstäbe für Verantwortung“ und inhaltliche Erfüllung. Ein die Freiheit seiner Bürger absorbie­render Staat entspräche nicht dem neuzeitlichen Freiheitsideal und der Würde des Menschen. Menschenrechtlich geschützt ist der individuelle Anspruch, sich frei zu vergemeinschaften und Bildung in nichtpolitischer, beispielsweise konfessioneller, Form bestimmen zu können. Gerade konfessionelle Schulen sind ein wichtiges Instrument, die menschenrechtlich geschützte Wahlfreiheit im Bildungsbereich praktisch einzulösen.

Wie der Zusammenhang zwischen Bildung und Religion gesehen und ausgestaltet wird, bleibt auch für den weltanschaulich neutralen Kulturstaat von entscheidender Bedeutung.

Zur Sorge um die Kontinuität des Staates gehört auch die Sorge um dessen kulturelle Grundlagen. Und diese lassen sich nicht abstrakt bestimmen. Sie sind politisch-geschichtlich gewachsen und religiös geprägt, wie in einer historischen Vergewisserung am Beispiel der christlich-burschenschaftlichen Bewegung zu Beginn des Bandes deutlich wird (Teil I). Die Überlegungen führen an die Wiege des modernen Kultur- und Verfassungsstaates und zeigen, wie eng im Prozess der Nationalstaatsbildung politische, päd­agogische und religiöse Fragestellungen miteinander verwoben waren.

Schließlich wird in einer dreifachen Annäherung heraus­gearbeitet, welche Bedeutung der Bildung in  der Moderne für die Personalität wie Sozialität des Einzelnen zufällt (Teil II). Bildung wird dabei als Befähigung zur Selbstbestimmung verstanden.

Ein reflektierter Glaube wird ebensowenig auf Bildung verzichten können, wie Bildung die menschlichen Fragen nach Sinn abschließend beantworten kann. Vielmehr brauchen Bildung und Religion einander (Teil III).

Der moderne Rechts- und Verfassungsstaat, der nicht über­griffig werden will, tut gut daran, die religiösen Bindungen der Einzelnen zu achten und die Kultivierung menschlicher Freiheit im Bildungsprozess verfassungs- und grundrechtlich zu sichern. Wie sich diese Freiheitsverpflichtung rechtlich konkretisiert, verdeutlicht ein Überblick zum Menschenrechtsschutz  in Europa  (Teil IV).

Die politische Gegenwartssituation ist durch wachsenden kulturell-religiösen Pluralismus gekennzeichnet. Aus diesem folgen auch in pädagogischer Hinsicht besondere Heraus­forderungen, die den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit religiösen Fragen und Überzeugungen betreffen (Teil V).

Aber auch der weltanschaulich plurale Kulturstaat tut gut daran, sich seiner kulturellen, religiös geprägten Grundlagen immer wieder zu versichern, wenn das Gemeinwesen nicht auseinanderfallen soll (Teil VI).

Den Abschluss des Bandes bilden didaktische Anregungen, die aufzeigen wollen, wie religiöse Bildung im Rahmen des allgemeinen Bildungsauftrags heute gelingen kann: im Rahmen interreligiöser Bildungsprozesse (Teil VII), in Gestalt einer Religionspropädeutik, die zu religiöser Wahrnehmungs- und Sprachfähigkeit sowie zur Auseinandersetzung mit religiösen Fragen hinführen will (Teil VIII), und in Form diakonischer Bildung, die sich als Ausdruck politisch-gesellschaftlicher Diakonie im Bildungsbereich versteht (Teil IX).

Vorankündigung: Jahrmarkt der Befindlichkeiten

Im Frühjahr 2022 wird ein neuer streitbarer Titel des Berliner Erziehungswissenschaftlers Bernd Ahrbeck erscheinen:

Bernd Ahrbeck: Jahrmarkt der Befindlichkeiten. Von der Zivilgesellschaft zur Opfergemeinschaft, Springe am Deister: zu Klampen 2022.

Aus der Verlagsankündigung: Einen höheren Grad an Gleichberechtigung als in unserer Gesellschaft hat es kaum je in der Geschichte gegeben. In den gegenwärtigen Debatten jedoch scheint es häufig so, als seien noch nie so viele Menschen diskriminiert worden wie heute. Beständig drängen neue Interessengruppen mit Forderungen nach Entschädigung an die Öffentlichkeit, ein regelrechter Wettkampf, wem die größte Opferrolle gebührt, ist entbrannt. Befindlichkeit ist Trumpf. Mit den gesteigerten Empfindlichkeiten wächst das Bedürfnis nach Deutungshoheit und Sozialkontrolle. Gegen die Interessen und Lebensvorstellungen einer überwältigenden Mehrheit streben kleine Gruppierungen, getrieben von politischem Sendungsbewusstsein, den fundamentalen gesellschaftlichen Wandel und ein neues kulturelles Selbstverständnis an. Bernd Ahrbeck zieht eine ernüchternde Bilanz dieser Entwicklung und verweist auf ihre beachtliche Sprengkraft.

Der Verfasser ist Erziehungswissenschaftler, Diplompsychologe und Psychoanalytiker. Er lehrt als Professor für Psychoanalytische Pädagogik an der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin. Von 1994 bis 2016 hatte er einen Lehrstuhl am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin inne.

Kommentar: „Vom Leitmedium zum Armutszeugnis“

Im Sommer habe ich mich von meinem Abonnement jener Zeitung, hinter der angeblich nur kluge Köpfe stecken, verabschiedet. Mittlerweile sind die klugen Köpfe auf der Flucht: vor einer Zeitung, die sich vom bürgerlichen Leitmedium zum einseitigen Scharfmacher, vom einem Medium intellektueller Hintergrundberichterstattung zum einseitigen Regierungsblatt, vom journalistischen Flaggschiff zu einem Beispiel des Qualitätsverfalls gewandelt hat. Jesko Matthes bringt dies treffend in einem aktuellen Beitrag zum Ausdruck: https://www.achgut.com/artikel/faz_vom_leitmedium_zum_armutszeugnis

War der Qualitätsverfall schon länger sichtbar, vor allem im Politikbuch der Zeitung, hat die Coronapolitik der F.A.Z. den Rest gegeben. Wer sehen will, wie Bürgerlichkeit im Land zusehends verfällt, findet im Blatt aus Frankfurt ein hervorragendes Beispiel. Zeit, sich zu erinnern, welche Widerstandskraft freiheitlich verstandene Bürgerlichkeit besitzen kann.

Odo Marquardt hat immer wieder darauf hingewiesen, so Norbert Bolz schon vor über zehn Jahren: „Denn zu nichts braucht man heute mehr Mut als zur Wahrnehmung des Positiven. Und damit erweist sich der Bürger auch als der letzte Träger der Aufklärung, der das ‚sapere aude‘ in eine Lebenspraxis der Freiheit umsetzt. Kants Mut zum Selberdenken konkretisiert sich heute als Mut zur Bürgerlichkeit. So hat Odo Marquard den Begriff Zivilcourage übersetzt. Es gibt noch Ritterlichkeit, auch wenn es keine Ritter mehr gibt. Und es gibt noch Bürgerlichkeit, auch wenn es keine bürgerliche Gesellschaft mehr geben sollte“ (Norbert Bolz: Die ungeliebte Freiheit. Ein Lagebericht, München 2010, S. 136).