Auch nach der Ablehnung einer Impfpflicht vom Donnerstag muss um der Wahrheit willen daran erinnert werden, welche Ausgrenzungsmechanismen und Diffamierungen eine polarisierende Coronapolitik hervorgerufen hat (und leider immer noch hervorruft) – von Politikern, einem Altbundespräsidenten, öffentlich-rechtlichen Medien, Wissenschaftlern usw. Der Publizist Dushan Wegner hat diese unter dem Motto „Ich habe mitgemacht“ gesammelt und ausgewertet. Ohne Wahrheit und den echten Willen zur Aufarbeitung dieser Verfehlungen gegen die Wert- und Verfassungsordnung unseres Landes wird es keine nationale Aussöhnung geben können, wird zerstörtes Vertrauen nicht wiederhergestellt werden können und wird das gesellschaftliche Klima vergiftet bleiben.
Politische Bildung
Christliches Forum nach der Impfpflichtdebatte: Ein Etappensieg, aber die Herausforderung bleibt
Das „Christliche Forum“ übernimmt aus „Bildungsethik“ den Kommentar zur gestrigen Impfpflichtentscheidung des Deutschen Bundestages:
In den morgendlichen Nachrichtensendungen am Tag danach, war schon zu sehen, wohin die Reise geht. Nach kurzer Zeit musste ich das Radio abschalten. Der Ton im öffentlich-rechtlichen Sender – es ging um ein Interview mit einem bekannten CDU-Politiker zur Impfpflichtentscheidung – war unerträglich. Auf beiden Seiten: Ein Politiker, der bei einem körperlichen Zwangseingriff mit einem nur notfallzugelassenen Medizinstoff in die körperliche Unversehrtheit keine Gewissensfrage erkennen will, offenbart ein totalitäres Denken. Und ein Journalist, der bei jeder Frage die Antwort bereits manipulativ vorwegnimmt, weil er ideologisch und tendenziös fragt, bricht journalistische Ethos und verletzt die Ehre des Berufsstandes.
Zwischenruf: Nach der heutigen Ablehnung einer Impfpflicht im Bundestag …
Das Parlament hat heute doch noch mehrheitlich Vernunft und Verantwortung gezeigt. Immerhin. Und das ist ein Lichtblick. Alle, die sich in den vergangenen Wochen – auch gegen harte Widerstände – gegen eine menschenrechtswidrige Impfpflicht engagiert haben, dürfen heute stolz sein.
Dennoch will bei mir heute Abend, da will ich ehrlich sein, nicht so recht Feierlaune aufkommen – womit ich niemandem den Champagner verwehren möchte, im Gegenteil. Allzu viel ist in den vergangenen Monaten vorgefallen, das aufgearbeitet werden muss. Die abstoßende Politik der Impfnötigung, Diffamierung und Hetze ist nicht vergessen. Die menschenechtsfeindliche Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen bleibt weiter bestehen. Es bleibt die bittere Erfahrung, als Rechtspersönlichkeit in der Krise durch unsere Wert- und Verfassungsordnung nicht hinreichend geschützt zu sein. Das Vertrauen in den Rechtsstaat ist beschädigt. Viele gesellschaftliche Akteure haben sich in den vergangenen Monaten schuldig gemacht … Ich will die Aufzählung an dieser Stelle beenden. Ja, dass überhaupt über ein menschenrechtswidriges Verfahren wie eine Impfpflicht im Parlament ernsthaft abgestimmt wurde, bleibt ein Tiefpunkt des Parlamentarismus und eine Niederlage der deutschen Politik.
Die Reaktion des Bundesgesundheitsministers nach der Abstimmungsniederlage im Parlament zeigt, dass die Verfechter einer Impfpflicht nicht aufgeben werden. Und auch Teile der Kirchen – um nur einen großen gesellschaftlichen Akteur zu nennen – haben nichts dazu gelernt und das heutige Abstimmungsergebnis im Bundestag bedauert. Sollte eine neue Coronawelle auf uns zukommen oder sich die Infektionslage im Herbst erneut verschlechtern, droht eine erneute Hetzjagd auf Ungeimpfte. Der heutige Leitartikel von Jasper von Altenbockum in der FAZ – noch vor der Abstimmung im Parlament – hat schon einen Vorgeschmack geboten. Der politische Kampf für Freiheit und Recht, Maß und Mitte, Würde und Anstand, Menschenwürde und Grundrechte in der Gesundheitspolitik muss weitergehen. Die Versuchung eines autoritären, biopolitischen Neokollektivismus ist nicht vom Tisch.
Neben der politischen und ethischen Debatte ist zu sehen, dass die Anfragen an die neuartigen mRNA-Impfstoffe weiterhin nicht unvoreingenommen und fair diskutiert werden. Die C-Parteien haben eher aus strategischen Überlegungen gegen eine Impfpflicht gestimmt – einen moralischen Damm gegen die Impfpflichtpläne der Ampel bilden sie nicht. Und was für die Parlamentarier gilt, trifft auch auf weite Teile der Bevölkerung zu: Die gravierenden Wertkonflikte werden nicht als solche wahrgenommen. Der öffentliche Moraldiskurs bleibt in vielem gestört.
Kurz und gut: Um das Freiheitsbewusstsein steht es weiterhin nicht gut. Dieses zu heben und gleichzeitig einen Prozess nationaler Aussöhnung einzuleiten, wird lange, sehr lange dauern. Zumal wir von einer Aufarbeitung der Fehlentscheidungen und Verfehlungen in der Coronapolitik noch sehr weit entfernt sind. Dennoch: Einen nicht unwichtigen Etappensieg gilt es heute zu feiern.
Zwischenruf: Politik wird zum Kinderspiel
Politik wird zum Kinderspiel. Ach ja, in der Politik geht es ja um nichts, nicht um Krieg und Frieden, das Wohl des Staates und die Sicherung der Zukunftsgrundlagen, solide Staatsfinanzen oder die Sicherung von Grundrechten und, und, und. Daher sollte man doch gleich so konsequent sein und auch das passive Wahlrecht ab 16 fordern. Aber dann wird es den Beamten im Parlament vermutlich doch mulmig.
Baden-Württemberg geht mutig voran:
https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/baden-wuerttemberg-senkt-wahlalter-auf-16-jahre/
Konsequenterweise müssten dann auch andere Schutzaltersgrenzen abgesenkt werden. Ach, ich vergaß: Zigaretten darf man erst ab achtzehn kaufen, aber über das Land ab sechzehn bestimmen. Denn wie gesagt: Bei Politik geht es ja um nichts.
Christliches Forum: Impfpflicht überschreitet „rote Linie“
Das CHRISTLICHE FORUM weist auf Stellungnahme des Theologen Jan Dochhorn und der Wissenschaftlergruppe der „7 Argumente“ hin:
Appell der AG 1 Theologie und Philosophie der Initative „7 Argumente“: Die Impfpflicht berührt die Frage der Menschenwürde …
… und damit die Basis der freiheitlichen Demokratie.
Der Aufruf erscheint zeitgleich in der Berliner Zeitung. Auf den Internetseiten der Initiative „7 Argumente“ werden alle Verfasser aus der Arbeitsgruppe Theologie und Philosophie namentlich genannt:
BZ-Beitrag jetzt auch als Video: Eine Impfpflicht verletzt die Menschenwürde …
… und zerstört die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie. Die Trierer Romanistin Henrieke Stahl hat den Aufruf in der Berliner Zeitung vom 6. April, die freie Impfentscheidung um der Gewissensfreiheit zu achten, in eine Videobotschaft umgesetzt:
Alle weiteren Videos der Autorengruppe „7 Argumente“ sind hier abrufbar:
75 Jahre Nürnberger Kodex
In diesem Jahr wird der Nürnberger Ärztekodex fünfundsiebzig Jahre alt. Mit der diskutierten Impfpflicht droht Deutschland hinter diesen humantiären Standard zurückzufallen. Der Nürnberger Ärztekodex, formuliert unter dem Eindruck von Totalitarismus und Zweitem Weltkrieg, mahnt, dass die zwangsweise Verabreichung von Medizinstoffen die Menschenwürde verletzt. Umso wichtiger ist es, an dieses Jubiläum in Zeiten wie diesen zu erinnern – und das tut eine Ärzteinitiative:
http://75jahre-nürnberger-kodex.de/
Es bleibt zu hoffen, dass der Bundestag sich am 7. April auf seine Würde und seine Verantwortung besinnt und sich doch einem autoritären, unfreiheitlichen biopolitischen Neokollektivismus verweigern wird.
Theologe erklärt: Impfentscheidung muss freie Gewissensentscheidung des Einzelnen sein
Jan Dochhorn, Neutestamentler und Judaist, erklärt heute in einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“:
„Die Gewissensfreiheit des Individuums muss als rote Linie respektiert werden.“
https://www.berliner-zeitung.de/news/die-impfpflicht-beruehrt-die-frage-der-menschenwuerde-li.220929
Der Beitrag macht vor der entscheidenden Abstimmung im Bundestag aus ethischer Sicht deutlich, warum eine Impfentscheidung immer eine freie Gewissensentscheidung der einzelnen Person bleiben muss. Abgeordnete, die für eine Impfpflicht stimmen, verletzen die Menschenwürde und das zentrale Grundrecht auf Gewissensfreiheit. Als Autor für den Gastbeitrag firmiert Prof. Dr. Jan Dochhorn (Durham) als Sprecher der AG 1 Theologie/Ethik/Philosophie in der Autorengruppe der „7 Argumente“. Verfasst wurde der Beitrag allerdings gemeinsam von allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe.
Weitere Informationen zur Autorengruppe der „7 Argumente“ und deren Einsatz für eine freie Impfentscheidung findet sich unter: https://7argumente.de/
Zwischenruf: Droht der Regierung eine Niederlage bei der Impfpflicht?
Es bleibt zu hoffen, dass eine Impfpflicht ab 18 oder ab 50 keine Mehrheit findet – wenn man jüngsten Zeitungsmeldungen glauben darf. Aber auch eine Impfpflicht ab 60 bleibt ein Menschenrechtsverbrechen. Davon bin ich als Sozialethiker zutiefst überzeugt. Schon jetzt ist das Vertrauen in die Wert- und Verfassungsordnung unseres Landes schwer beschädigt worden – zum Schaden des gesellschaftlichen Klimas und der Rechtstradition unseres Landes. Eine Bevölkerung, der unsere rechtsstaatliche Tradition am Herzen liegen würde, müsste stärker protestieren. Die Entwicklung der Coronapolitik und der Impfdebatte bleibt ein Trauerspiel und ein Armutszeugnis für unser Land.
Und was würde eine Abstimmungsniederlage für Kanzler Scholz bedeuten? Eine Regierung, die ein menschenrechtswidriges und verfassungsrechtlich fragwürdiges Vorhaben nicht durchbekommt, hat keine Niederlage erlitten. Oder vielmehr: Sie hat schon von vornherein verloren, indem sie sich überhaupt auf einen solchen Weg begeben hat.