Neuerscheinungen: Ludwig Marum und Willy Aron

Bildungs- und studentengeschichtliche Portraits zu zwei jüdischen Korporierten:

Axel Bernd Kunze: Justizminister, Staatsrat, SPD-Politiker, Korporierter: Ludwig Marum, in: Sebastian Sigler (Hg.): Jüdische Verbindungen – jüdische Korporierte. „Mit Wort und Wehr für Judas Ehr’“ ,Berlin: Duncker und Humblot 2026, S. 443 – 454.

Axel Bernd Kunze: Erstes Bamberger Opfer des Nationalsozialismus: Wilhelm Aron, in: Sebastian Sigler (Hg.): Jüdische Verbindungen – jüdische Korporierte. „Mit Wort und Wehr für Judas Ehr’“, Berlin: Duncker und Humblot 2026, S. 493 – 503.

Neuerscheinung: Jüdische Korporierte – jüdische Verbindungen

Als Mitautor (Axel Bernd Kunze: Justizminister, Staatsrat, SPD-Politiker, Korporierter: Ludwig Marum; Ders.: Erstes Bamberger Opfer des Nationalsozialismus: Wilhelm Aron) weise ich gern darauf hin, dass der Band über „Jüdische Korporierte – jüdische Verbindungen“ jetzt ganz druckfrisch vorliegt:

Studenten schließen sich seit dem späten 18. Jahrhundert in ganz unterschiedlichen Gruppen verbindlich zusammen. Sie sind damit Teil der europäischen Kultur. Diese Tatsache wird vielerorts ignoriert und die Geschichtswissenschaft geht mehrheitlich an wichtigen Quellen achtlos vorüber. Speziell die Studenten jüdischen Glaubens, die sich entweder einer bestehenden Verbindung anschlossen oder glaubensbezogene jüdische Verbindungen stifteten, stellen eine höchst wichtige Gruppe dar. Da nach der Shoa nur noch wenige Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland existierten, die Zeugnis hätten ablegen können, fiel ihr Erbe nach 1945 dem Unwissen anheim. Erst ab den 1980er Jahren begannen Studentenhistoriker zu fragen, was ab 1933 wirklich passiert war. Ihre Forschungen liegen diesem Band zugrunde. Er beginnt damit, eine Lücke in unserem kulturellen Gedächtnis zu schließen und die weitverzweigte und höchst eigene Welt der jüdischen Kooperierten zu entdecken, denn ohne sie bleibt unser Blick auf die gesamte Studentengeschichte unvollständig.

Sebastian Sigler (Hg.): Jüdische Korporierte – jüdische Verbindungen. „Mit Wort und Wehr für Judas Ehr'“, Berlin: Duncker & Humblot 2026, 572 Seiten.

Weitere Informationen:

https://www.duncker-humblot.de/buch/juedische-korporierte-juedische-verbindungen-9783428197170/?page_id=1

Zwischenruf: Organspendedebatte deutet Zeitenwende an

Was in der Organspendedebatte mittlerweile ernsthaft debattiert wird, ist unheimlich: Organentnahme nach Herzstillstand, Widerspruchslösung, bei der eine Zustimmung faktisch unterstellt wird, erweiterte Entscheidungslösung unter Missachtung der negativen Meinungsfreiiheit … Für alles gibt es Beispiele aus anderen Ländern. Wenn diese Vorschläge juristisch-politische Realität werden, kann von einer anthropologischen, ethischen und rechtlichen Zeitenwende gesprochen werden. Der eigene Körper wird zwangskollektiviert und dem Zugriff – sollen wir sagen: der Willkür? – des Staates ausgesetzt, mit unabsehbaren Folgen für unser Menschenbild, unser Leibverhältnis, unsere Verfassungsordnung und unser Zusammenleben. Dagegen muss Widerstand geleistet werden – und zwar jetzt und entschieden.

Aber warum kommt dieser Widerstand nicht in Gang? Vielleicht hat man vermeintliche „Organleugner“ noch nicht als rechte Schwurbler gebrandmarkt und ins gesellschaftliche Aus gestellt!? Diese zynische Bemerkung sei an dieser Stelle erlaubt. Meine Vermutung ist, dass das vermeintlich „harmlose“ Argument, der Staat habe eine soziale Verpflichtung, die Spendebereitschaft zu erhöhen, wirkt. Dieses Argument ist aber alles andere als harmoos. Wo der Körper der Verfügbarkeit Dritter und der Verzweckung durch den Staat überantwortet wird, erodiert jedes humane Zusammenleben.

Im Grunde ist eine solche Politik noch freiheitsfeindlicher als die Coronapolitik, die wir erlebt haben. Damals konnte man sich noch wehren, wenn auch die politischen, rechtlichen oder gesellschaftlichen Konsequenzen, die „Coronaleugner“ zu tragen hatten, jedem Rechtsstaaat Hohn sprachen. Wenn man im Krankenhaus an Geräten liegt, vielleicht gar nicht bei Bewusstsein ist, kann man sich überhaupt nicht mehr wehren. Ein Organspenderecht, das die individuelle Verfügungsgewalt über den eigenen Körper und die individuelle Freiheit mit Füßen tritt, wird auch das Vertrauen in die medizinischen Berufsgruppen zerstören.

Schweigen ist keine Zustimmung, schon gar nicht bei einer derart gravierenden Materie. Die Verfügung über den eigenen Körper und den eigenen Sterbeprozess berührt den innersten Kernbereich der Persönlichkeit, der vor dem Zugriff des Staates geschützt sein muss – oder wir sollten die Menschenwürdeformel aus unserer Verfassung streichen. Der Staat hat bei einer derart gravierenden Materie auch kein Recht, den Einzelnen zu einem Bekenntnis zu zwingen – das verlangt die negative Meinungsfreiheit (doch ist das Verständnis für den status negativus dieses Grundrechts weitgehend verschwunden).

Letztlich spielt es keine Rolle, aus welcher weltanschaulich-philosophischen Perspektive für die Verfügung über den eigenen Körper argumentiert wird. Viele Wege führen in diesem Fall nach Rom. Bleiben wir an dieser Stelle bei Kant: Der Mensch darf niemals ausschließlich für Zwecke Dritter gebraucht werden. Der Satz bleibt gültig – auch und gerade angesichts der Organspendedebatte, die in eine sehr gefährliche Richtung läuft. Es steht viel auf dem Spiel!

Neuerscheinung: 25 Jahre PISA-Studien – eine Bestandsaufnahme

Als Mitautor weise ich gern auf eine neuerschienene Bestandsaufnahme nach fünfundzwanzig Jahren PISA-Studien hin:

Axel Bernd Kunze: Ein sozialethischer Bildungsdiskurs entsteht. Chancen, Grenzen und aktuelle Herausforderungen normativer Bildungsforschung, in: Susanne Lin-Klitzing, David Di Fuccia, Thomas Gaube (Hgg.): 25 Jahre PISA. Folgen und Diskussionen, Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt 2026, S. 80  – 105.

Neuerscheinung: Jüdische Korporierte – jüdische Verbindungen

Jetzt druckfrisch erschienen:

Sebastian Sigler (Hg.): Jüdische Korporierte – jüdische Verbindungen. „Mit Wort und Wehr für Judas Ehr'“, Berlin: Duncker & Humblot 2026, 572 Seiten.

Der Bildungsethiker Axel Bernd Kunze stellt im Band den badischen Kultuspolitiker Ludwig Marum und den Bamberger Rechtsreferendar Willy Aron vor.

Aus der Verlagsankündigung:

Studenten schließen sich seit dem späten 18. Jahrhundert in ganz unterschiedlichen Gruppen verbindlich zusammen. Sie sind damit Teil der europäischen Kultur. Diese Tatsache wird vielerorts ignoriert und die Geschichtswissenschaft geht mehrheitlich an wichtigen Quellen achtlos vorüber. Speziell die Studenten jüdischen Glaubens, die sich entweder einer bestehenden Verbindung anschlossen oder glaubensbezogene jüdische Verbindungen stifteten, stellen eine höchst wichtige Gruppe dar. Da nach der Shoa nur noch wenige Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland existierten, die Zeugnis hätten ablegen können, fiel ihr Erbe nach 1945 dem Unwissen anheim. Erst ab den 1980er Jahren begannen Studentenhistoriker zu fragen, was ab 1933 wirklich passiert war. Ihre Forschungen liegen diesem Band zugrunde. Er beginnt damit, eine Lücke in unserem kulturellen Gedächtnis zu schließen und die weitverzweigte und höchst eigene Welt der jüdischen Kooperierten zu entdecken, denn ohne sie bleibt unser Blick auf die gesamte Studentengeschichte unvollständig.

Weitere Informationen:

Zwischenruf: Wenig kirchliches Gespür für personale Freiheit in Organspendedebatte

Am Donnerstag wird das Parlament erneut über die Organspende diskutieren. Auch die Kirchen haben sich jetzt zu Wort gemeldet. Sie lehnen zwar die Widerspruchslösung ab, wollen aber die Bürger regelmäßig über ihre Spendebereitschaft abfragen, beispielsweise bei der Beantragung eines neues Ausweises. Das Ziel ist eindeutig: Mit dieser Entscheidungslösung – ein Kompromiss zwischen der geltenden Zustimmungs- und immer wieder geforderten Widerspruchslösung – soll die Spendebereitschaft erhöht werden.

https://katholisch.de/artikel/70446-kirchen-wollen-staerkung-der-organspende-ohne-widerspruchsloesung

Zwei Aspekte sucht man in der Presseerklärung der Kirchen vergeblich. Zum einen erfolgt keine Abwägung mit der negativen Meinungsfreiheit, in welche auch eine Entscheidungslösung eingreifen würde. Diese meint das Freiheitsrecht, vor staatlichem Zwang zu einer Meinungsäußerung geschützt zu werden, gerade bei Fragen, die den innersten Kernbereich der Persönlichkeit betreffen. Bei einer gravierenden Materie wie der Organentnahme sollte man annehmen, dass eine solche Güter- und Übelabwägung sorgfältig geprüft wird. Doch Fehlaneige. Wie schon in Coronazeiten scheint den Kirchen das Verständnis für personale Freiheit verloren gegangen zu sein.

Zum anderen wäre, gerade beim Zwang zu einer Entscheidung, zu prüfen, ob ein digitales Organspenderegister tätsichlich geschützt und identitätsgesichert ist, wie die Kirchen annehmen. Bisherige Erfahrungen mit zentralen digitalen Registern oder warnende Stimmen wie etwa bei der elektronischen Patientenakte sollten zur Vorsicht mahnen. Es ist noch nicht lange her, dass die Berliner Verwaltung gehackt und persönliche Daten gestohlen wurden.

Neuerscheinung: Kompromiss und Gewissen

„Für die Mitwirkung von Christen in der Politik ist es nicht möglich, das Idealbild der christlichen Soziallehre sozusagen hundertprozentig umzusetzen, weil die Zusammenarbeit mit anderen Kräften den Kompromiss notwendig macht. Dabei gibt es freilich eine ‚rote Linie‘, die nicht überschritten werden darf. Dazu äußert sich Axel Bernd Kunze: ‚Kompromiss und Gewissen. Zur Bedeutung von Gewissensfragen im Vorfeld politischer Entscheidungen‘.“ (Manfred Hauke, Herausgeber „Theologisches“, Lugano)

Axel Bernd Kunze: Kompromiss und Gewissen. Zur Bedeutung von Gewissensfragen im Vorfeld politischer Entscheidungen, in: Theologisches. Katholische Monatsschrift 56 (2026), H. 07/08/09 (Juli/August/‘Septmber 2026), Sp. 211 – 218.

Neuerscheinung: Zum burschenschaftlichen Auftrag heute

Die Festrede zum Stiftungsfest der Nürnberger Burschenschaft Teutonia aus dem Sommersemester 2026 ist im Druck erschienen. Der Festredner, Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze, beleuchtete in der Festrede aus bildungsethischer Perspektive – am Beispiel des Cartells Christlicher Burschenschaften – den burschenschaftlichen Auftrag heute:

Axel Bernd Kunze: Überlegungen zum burschenschaftlichen Auftrag des Cartells Christlicher Burschenschaften (CCB). Stiftungsfestrede 2026. Gehalten im Rahmen des Festkommerses am 12. Juni 2026 auf dem Haus e. s. v. Burschenschaft Teutonia Nürnberg, in: Teutonen-Blätter (2026), Nr. 78 (Sommersemester 2026), S. 60 – 67.

>> Die Orientierungswerte unseres Zusammenlebens zu pflegen und daran mitzuarbeiten, ist eine der vornehmsten Aufgaben der burschenschaftlichen Bewegung. Unser Cartell formuliert es in seinen Grundsätzen so: Es geht um „die Pflege des urburschenschaftlichen Gedankengutes christlicher Prägung, die Verbreitung dieser Ideale in der Öffentlichkeit und die Erhaltung des deutschen Verbindungsstudententums in seiner urburschenschaftlichen Ausprägung einschließlich der damit verbundenen Traditionspflege“. Und dies mit dem Zweck, die Cartellbrüder „zu einer aktiven Betätigung in Staat und Gesellschaft anzuhalten„.

Unsere burschenschaftliche Tradition hat zwei Wurzeln: einerseits die Tradition der Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft und die Einigungsbewegung des neun­zehnten Jahrhun­derts; andererseits das existentielle Fundament des Christentums, insbesondere sind hier national-protestantische Identität, die Anfänge der Inneren Mission, pietistische Innerlichkeit und die Erweckungsbewegung zu nennen. Theodor Körner und Ernst Moritz Arndt verbanden in ihrem Werk religiöse Bildsprache und nationalen Mythos. Ideengeschicht­lich gehen im Wartburgfest 1817 Luthergedenken und Nationalstaatswerdung Hand in Hand. Der Bezug auf das Christentum war keineswegs kontingent. Er fungierte als geistige Voraussetzung nationaler Selbstfindung und Legitimation einer umfassenden Kulturnation.

Die Geschichte ist weitergegangen; die geistige Rückbindung hat sich entkonfessionalisiert. Die burschenschaftliche Bewegung hat ihre anfängliche protestantisch-nationale Engführung überwun­den, so wie es schon Artikel 5 der Grundsätze des Wartburgfestes formulierte und wie es im Konzept einer Bekenntnisökumene gelebt wird: „Die Lehre von der Spaltung Deutschlands in das katholische und in das protestantische Deutschland ist irrig, falsch, unglückselig.“ Diese überkonfessionelle Offenheit der burschenschaftlichen Idee hat sich als Stärke erwiesen. Auch unser Cartell erstreckt sich von traditionell protestantisch geprägten Städten wie Leipzig oder Nürnberg bis in katholisch geprägte Städte im Rheinland, in Oberfranken oder der Oberpfalz.

Bedenklich wäre es aber, wenn sich das Bekenntnis zur christlich geprägten Kulturnation nicht entkonfessionalisieren, sondern säkularisieren würde. Die soziokulturelle Realität wie der Zustand der Kirchen hierzulande können dazu verführen, die Wirkungsgeschichte des Christentums zu unter­schätzen. Doch die Bochumer Literaturwissenschaftlerin Bettina Gruber warnt: „Europa wurde mit dem Christentum und nicht gegen das Christentum groß und eine Zeitlang zur führenden Macht.“ Selbst die Säkularisierung wäre im Letzten nicht denkbar ohne die christliche Tiefenstruktur unserer Kultur. Die christlichen Wurzeln unserer Kulturnation zu leugnen, wäre geschichtsvergessen.

Die Auseinandersetzung mit den christlichen Wurzeln unserer Kultur muss angesichts der geistigen Herausforderungen unserer Zeit mehr sein als symbolische Selbstvergewisserung und museale Konservierung auf der einen oder eine beliebig austauschbare Option auf der anderen Seite. Nationale Selbstvergewisserung und ein gemeinsames kulturelles Identitätsbewusstsein, das hilft, auch Krisen­zeiten des Staates und seiner Institutionen zu überstehen, brauchen ein ethisches Fundament, soll die Nation nicht in eine bloße Zweckgemeinschaft, in globalistische Profillosigkeit oder wertrelativistische Beliebigkeit abdriften. Es liegt an uns, einem freiheitsfeindlichen Nihilismus zu wehren, die christlich-abendländische Tradition unter den Bedingungen unserer Zeit zu profilieren, lebendig zu tradieren und die geistig-moralischen Triebkräfte unseres Zusammenlebens zu erneuern.

Mögen die Burschenschaft Teutonia Nürnberg, unser Cartell Christlicher Burschenschaften und seine weiteren Mitgliedsbünde auch weiterhin mitbauen am geistigen Fundament einer identitätsbewussten, burschenschaftlich geprägten deutschen Kultur und Nation. Unser Wahlspruch GOTT – FREIHEIT – VATERLAND, unsere urburschenschaftlichen Ziele und unsere Grundsätze bieten hierfür ein starkes Fundament.<<