Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Pädagogen, Mediziner und Wissenschaftler,
es ist tatsächlich ein Skandal. Während immer mehr Länder die Digitalisierung von Kita und Schule zurücknehmen, fordert und legitimiert das Gutachten für die Bundesregierung „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ die Nutzung digitaler Medien bereits ab dem Kindergarten. Anbei schicke ich Ihnen die „Stellungnahme des Bündnisses für humane Bildung“, die wir an Bildungsministerin Prien senden.
Das Gutachten benennt zwar im Analyseteil die Risiken digitaler Medien für Kinder und Jugendliche zutreffend, in den Schlussfolgerungen bleibt es deutlich hinter den eigenen Befunden zurück. Es geht nicht davon aus, was Kinder brauchen, um gesund aufzuwachsen, ihre natürlichen Sinne auszubilden, sondern postuliert ohne Begründung, dass dafür die frühe Nutzung digitaler Medien ab der KiTa eine Voraussetzung sei. Die in unserer Stellungnahme angesprochenen und kritisierten Punkte sind:
Die Umdefinition von Kindern und Jugendlichen zu Erwachsenen
Trojanisches Pferd „begleitende Medienpädagogik“
Die Behauptung von positiven Potenzialen der Mediennutzung dient der Verharmlosung der Risiken
Die Macht der Tech-Konzerne wird ausgeblendet
Legitimation der „Digital-Only“-Gesellschaft und datengestützten Pädagogik
Humane Pädagogik statt digitaler Dehumanisierung
Das Gutachten ist ein Rettungsversuch des Geschäftsfeldes Bildung für die Industrie und des Zugriffs auf Daten für die Schüler-ID, deren Auswertung ein Fundament der Machtausübung von Politik und Industrie ist. Wir fordern in einem Schreiben an Bundesbildungsministerin Karin Prien, dass der Teil II (Schlussfolgerungen) des Gutachtens als wissenschaftlich untauglich und tendenziös zurückgezogen und unter Beteiligung unabhängiger Wissenschaftler neu gewertet und formuliert wird.
Sie können unsere Forderung nach einem wirklichen Schutz von Kindern und Jugendlichen unterstützen. Leiten Sie unsere Kritik an Ihre KollegInnen und Ihnen bekannte Entscheidungsträger in Pädagogik, Medizin und Politik weiter.
„Mittlerweile ist’s eine Binsenweisheit: Unterrichten wurde vielerorts über die Maßen anstrengend, die Ergebnisse der Bildungsprozedur sind immer öfter bescheiden.
Anstatt aber die Hauptursachen der Misere anzupacken bzw. ihre Lösung einzufordern (mehr und besser ausgebildetes Personal, bessere Sprachintegration & Inklusion), gefallen sich immer mehr Stimmen (Aussteiger, Influencer, Bildungsunternehmer) darin, das System als Ganzes zu diffamieren: Man müsse in Schule einfach alles ganz anders machen, das alte Bildungssystem gehöre schlichtweg abgeräumt.
Ein junger Kollege und ich haben diesem Transformationsgerede mal auf den Zahn gefühlt. Angesichts der Tatsache, dass es der Slogan „Unterricht ist aller Übel Anfang“ bis in Talkshows schafft, schien es uns nötig klarzustellen, dass personaler und geordneter Unterricht eine kulturelle Errungenschaft ist, die entschieden verteidigt gehört.
Zum Jahresbeginn 2026 wurde die Wehrpflicht – zunächst in freiwilliger Form – in Deutschland wieder aktiviert. Die Diskussion, so steht zu erwarten, wird aber weitergehen. Aus aktuellem Anlass rezensiert der Bildungs- und Sozialethiker Axel Bernd Kunze daher den Band
Alexander Dietz, Hartwig von Schubert: Brauchen wir eine allgemeine Dienstpflicht?, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2023:
Axel Bernd Kunze (Rez.): Dienstpflicht statt Wehrpflicht?, in: Theologisches. Katholische Monatsschrift 56 (2026), H. 01/02/03, Sp. 69 – 74.
DIE FUXENSTUNDE – mittlerweile schon ein Klassiker des Couleurstudententums – ist druckfrisch in dritter, aktualisierter und erweiterter Auflage erschienen:
Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Handbuch des Korporationsstudententums, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Bad Buchau: Federsee 2026.
Erstmals findet sich im Handbuch auch ein eigener Eintrag zum Cartell Christlicher Burschenschaften (CCB). Neu sind auch zwei Studientexte aus bildungsethischer Perspektive:
Axel Bernd Kunze: Chargenamt und bundesbrüderliche Gemeinschaft, in: ebd., S. 42 – 50;
Axel Bernd Kunze: Braucht das öffentliche Leben noch Religion?, in: ebd., S. 72 – 83.
Bundesbildungsministerin Prien fordert Kinderärzte auf, junge Eltern über digitale Medien aufzuklären. Das Bündnis für humane Bildung erklärt hierzu:
„Bundesbildungsministerin Karin Prien sagte in einem Interview zum Smartphoneverbot (3.4.2026), dass Kinderärzte schon junge Eltern über die Folgen digitaler Medien aufklären müssten. Dafür lege sie bald ein gesamtgesellschaftliches Konzept vor, das derzeit eine Expertenkommission erarbeite. Das Bündnis für humane Bildung begrüßt diese Absichten. Wir kritisieren aber in einem Brief an Ministerin Prien die Zusammensetzung dieser Kommission und legen dar, dass sie das Rad nicht neu erfinden muss. Denn kritische Wissenschaftler haben diese Folgen digitaler Medien in der Erziehung schon lange prognostiziert und Alternativen für eine Erziehung zur Medienmündigkeit vorgelegt.“
Helmwart Hierdeis & Achim Würker (Hg.) (2026): Schule und Individualisierung. Zwischen Selbstentfaltung und Optimierungsdruck. Mit Beiträgen von Stine Albers, Günther Bittner, Helmwart Hierdeis, Achim Würker und Ralf Lankau.
Passend zum heutigen Ostermontag, greift ein Interview im „Lehrerzimmer“ des Kontrafunks die Frage auf, welche Rolle die Fastenzeit und das Osterfest in der Schule spielen:
„Während der Ramadan wochenlang die Schlagzeilen und die Gespräche auf den Schulhöfen beherrschte, spielte das christliche Fasten und Ostern in der Schule nur eine untergeordnete Rolle. Eine fatale Entwicklung und verpasste Chance, sagt Dr. Axel Bernd Kunze, Schulleiter einer evangelischen Fachschule. Inklusion ist eine Illusion, meint der Schweizer Heilpädagoge Dr. Riccardo Bonfranchi. Auch hier steuert die Bildungspolitik seit Jahren in eine falsche Richtung.“
Axel Bernd Kunze, Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn und Schulleiter, rezensiert in der aktuellen Ausgabe des Magazins PUBLIK-FORUM den folgenden Band:
Bettina Schuler: Der Waldorf-Komplex. Zwischen Mystik und Pädagogik: Die Schattenseiten des antroposophischen Bildungssystems, München: Droemer 2025, 217 Seiten, in:
Die neue Ausgabe der größten Fachzeitschrift für pädagogische Fachdidaktik, PädagogikUNTERRICHT, widmet sich einer Aktualisierung des überkommenen Begriffs PÄDAGOGISCHER TAKT:
Pädagogischer Takt zwischen Betroffenheit und Urteilskraft (46. Jg., Heft 1/2026 vom April 2026).
Dem Wissenschaftlichen Beirat der Fachzeitschrift gehören an: Prof. Dr. Bauer (Univ. Bielefeld), Prof. Dr. Beyer (Univ. Köln), Prof. Dr. Gather (Univ. Köln) und PD Dr. Kunze (Univ. Bonn).