Neuerscheinung: Engagement 3/2017 zum Thema „Sexualpädagogik heute“

Die neue Ausgabe 3/2017 der Zeitschrift ENGAGEMENT – Zeitschrift für Erziehung und Schule widmet sich dem Thema Sexualpädagogik heute: Herausforderungen – Einordnungen.

In der Umschau beleuchtet der Bonner Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin Ethik und Religion – als Themen schulischer Erziehung und Wirtschaft als Schulfach – ja, dann aber auch zeitgemäß.

Im Rezensionsteil werden folgende Titel besprochen:

A. Henningsen u. a. (Hgg.): Sexualpädagogik kontrovers, Weinheim 2016 (Rez.: Matthias Bär)

Erzbistum Köln (Hg.): Den ganzen Menschen sehen. Eine Sexualerziehung der Achtsamkeit, Paderborn 2014 (Rez.: Matthias Bär)

K. Hilpert (2015): Ehe, Partnerschaft, Sexualität. Von der Sexualmoral zur Beziehungsethik, Darmstadt 2015 (Rez.: Axel Bernd Kunze)

B. Ahrbeck: Inklusion. Eine Kritik, Stuttgart 2014 (Rez.: Axel Bohmeyer)

H. P. Klein: Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen. Das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumel, Springe a. D. 2016 (Rez.: Julian Daubaris)

C. Püttmann u. a. (Hgg.): Methoden des Pädagogikunterrichts, Münster i. W. 2016 (Rez.: Johannes Gutbrod)

E. Drewermann: „Luther wollte mehr“. Der Reformator und sein Glaube, Freiburg i. Brsg. 2016 (Rez.: Axel Bernd Kunze)

S. Pinker: Der Stoff, aus dem das Denken ist – Was die Sprache über unsere Natur verrät, Frankfurt a. M. 2014 (Rez.: Gottfried Kleinschmidt)

S. Neuhaus: Märchen, Tübingen 2017 (Rez.: Volker Ladenthin)

C. Duda: Gar nichts von allem, Weinheim u. a. 2017 (Rez.: Anna Winkler-Benders)

S. Höfler: Tanz der Tiefseequalle, Weinheim u. a. 2017 (Rez.: Astrid Frey)

 

Berufung in den Wissenschaftlichen Beirat des VdP

Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze, Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie Schulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, ist in den Wissenschaftlichen Beirat des Verbandes der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen (VdP) berufen worden. Er tritt die Nachfolge von Professor Dr. Wolfgang Thiem an, der aus Altersgründen ausscheidet.

Dr. Eckehardt Knöpfel schreibt in der aktuellen Ausgabe 4/2017 (S. 41) der Verbandszeitschrift PÄDAGOGIKUNTERRICHT: „Axel Bernd Kunze ist den Lesern der Zeitschrift PädagogikUNTERRICHT kein Unbekannter. Seit Jahren beteiligt er sich durch gehaltvolle Beiträge an der fachlichen und fachdidaktischen Diskussion zum Pädagogikunterricht. Mit seiner Berufung in den wissenschaftlichen Beirat setzt der Verband bewusst ein Zeichen in Richtung berufliche Bildung. Zum ersten Mal wird ein Kollege in den Beirat berufen, dessen Arbeitsfeld die Erzieherinnen-Ausbildung ist.“

Kunze lehrt ferner an Hochschulen in München und Heilbronn Ethik der Sozialen Arbeit und ist als Lehrbeauftragter für Lehren an Fachschulen an der Evangelischen Hochschule Freiburg tätig. Er war von 2006 bis 2010 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Wissenschaftlicher Angestellter und Geschäftsführer des DFG-Projekts „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ sowie von 2009 bis 2011 Vertretungsprofessor für Schulpädagogik mit den Schwerpunkten Bildung und Erziehung und Leiter der Abteilung I (Erziehung – Sozialisation – Entwicklung) an der Universität Trier.

Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören derzeit ferner Professor Dr. Beyer von der Universität zu Köln und Professor Dr. Bernhard von der Universität Duisburg-Essen an.

 

Neuerscheinung: Ritualisierungen – Rituale – Verständnis für Religion

Rituale können elementare Grunderfahrungen wecken, die für ein Verständnis religiöser Vollzüge oder Gebetsformen fruchtbar gemacht werden können. Organisierte Bildungs- und Erziehungsprozesse in Schule oder Kindertageseinrichtungen können viel dazu beitragen, ein solches Verständnis zu pflegen, gerade dann, wenn Heranwachsende nicht mehr aktiv in einer Kirche oder Glaubensgemeinschaft verwurzelt sind.

Mit der Frage, wie gemeinsame Rituale für religiöse Lern- und Bildungsprozesse pädagogisch fruchtbar gemacht werden können, beschäftigt sich ein Beitrag in der neuen Ausgabe der Zeitschrift ELTERNFORUM:

Axel Bernd Kunze: Gemeinsame Rituale wecken Verständnis für Religion, in: Elternforum (2017), Heft 3/4, S. 8 f.

Der Beitrag ist Teil des Themenheftes „Schule als pastoraler Ort“.

Die Zeitschrift „Elternforum“, herausgegeben von der Katholischen Elternschaft Deutschlands, sind online zugänglich über die Internetseiten des Verbandes:

https://www.katholische-elternschaft.de/ked-publikationen/elternforum/

Tagungsbericht: Menschenrechtsjubiläum 2018 wirft seine Schatten voraus

Vor siebzig Jahren, am 10. Dezember 1948, wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. An dieses Jubiläum erinnerte die diesjährige Tagung der „Hauskonferenz Kirche und Gesellschaft“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Auf der Veranstaltung im Stuttgarter Hospitalhof wurde gefragt: Welchen Stellenwert besitzen die Menschenrechte für das politische und kirchliche Handeln? Welche Aufgaben kommen der Kirche bei deren Umsetzung zu? Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik war durch ihren Schulleiter, Herrn PD Dr. Kunze, vertreten; dieser nutzte die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen in der Menschenrechtsbildung zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Die Menschen- und Kinderrechte sind fester Bestandteil sowohl der Erzieherausbildung an der Fachschule, etwa im Handlungsfeld „Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben“, als auch der angebotenen Fortbildungsangebote zur Nachqualifizierung für Pädagogische Fachkräfte. Menschenrechtsbildung beginnt bereits im Kindergarten. Erzieherinnen und Erzieher tragen viel dazu bei, eine Kultur der Menschenrechte vorzuleben, beispielsweise indem sie Kinder aktiv mitbestimmen lassen oder mit diesen Möglichkeiten der konstruktiven Konfliktbewältigung einüben.

Jubiläumsfeier: Fünf Jahre Forschen und Experimentieren in der Technik-Erzieher-Akademie

„Der Erzieher versucht, keinem der Kinder etwas aus der Hand zu nehmen, weil er weiß, dass das so nichts werden kann, sondern sie selbst begreifen zu lassen – im wörtlichen Sinne. Entscheidend ist dann, ob die Kinder nach dem Experiment noch mit dem Erzieher gemeinsam reflektieren, was sie getan haben und was sie beobachten konnten.“ – … so hat Heike Schmoll im August 2017 in der F.A.Z. beschrieben, wie Kinder durch Forschen und Experimentieren, durch Entdecken und Ausprobieren ihr Wissen über die Welt erweitern. Dies stärke, so die Bildungsjournalistin weiter, „nicht nur die Kenntnisse über Naturphänomene, sondern auch das Sprachvermögen.“ Der Lernerfolg setze „durchdachte Lerngelegenheiten“ voraus, die mit entsprechender Qualität und gewisser Regelmäßigkeit angeboten werden. Solche Lerngelegenheiten, setze wiederum Erzieherinnen und Erzieher voraus, die selber über ein Interesse an Alltagsphänomenen verfügten.

Selbstvertrauen im Umgang mit naturwissenschaftlichen Fragen

Nicht zuletzt, ein solches Interesse zu wecken und das notwendige Wissen über Alltagsphänomene zu vermitteln, ist das Anliegen des Profilbereiches Forschen und Experimentieren an unserer Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt. Der Unterricht bietet die Möglichkeit, über Naturphänomene zu reflektieren, denen wir im Alltag auf Schritt und Tritt begegnen. Wahrzunehmen, wie reich und vielfältig unsere Welt ist, wieviel es in ihr zu entdecken und zu bestaunen gibt, kann einen neuen Zugang zu naturwissenschaftlichen Phänomenen eröffnen.

Nur Pädagogische Fachkräfte, die das notwendige Selbstvertrauen im Umgang mit naturwissenschaftlichen Fragen mitbringen, werden Kinder anregen, naturwissenschaftliche Grunderfahrungen zu machen und selber auf Entdeckungsreise zu gehen. Neben Selbstvertrauen brauchen die Erzieherinnen und Erzieher zugleich eine gehörige Portion Gelassenheit, die Kinder frei experimentieren zu lassen, ohne zu befürchten, dass alles in einem chaotischen „Selbstlernen“ endet, das letztlich fruchtlos bleibt.

Klassen- und schulartübergreifende Profilfächer  

Wir haben den Wahlpflichtunterricht an unserer Fachschule zu klassen- und schulartübergreifenden Profilfächern ausgebaut, in denen sich die fachdidaktischen und pädagogischen Schwerpunkte zeigen, die uns in unserem Schulprofil als einer evangelischen Fachschule besonders am Herzen liegen. Die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern in den einzelnen Profilfächern bietet unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, über den Rahmen der eigenen Klasse hinaus spezifische Interessen zu vertiefen und durch praxisorientierte Zusatzleistungen weitergehende Kompetenzen zu erwerben, die durch Zusatzzertifikate dokumentiert werden. Im Bereich Forschen und Experimentieren gelingt uns dies unter dem Dach der Technik-Erzieher-Akademie (TEA), die vom Arbeitgeberverband Südwestmetall in Kooperation mit dem baden-württembergischen Kultusministerium ins Leben gerufen wurde. Eine erste Vereinbarung für dieses Vorhaben wurde 2009 geschlossen, 2012 wurde dann der Lehrplan für das Wahlpflichtfach Forschen und Experimentieren in Kraft gesetzt – also vor fünf Jahren.

Interesse an Naturwissenschaft beginnt im Kindergarten

Am 10. November 2017 war unsere Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Gastgeber für den Festakt, mit dem dieses Jubiläum gefeiert wurde. Dabei fügte es sich gut, dass die Veranstaltung am Tag der Freien Schulen stattfand, an dem sich die Schulen in freier Trägerschaft alljährlich im November mit ihren pädagogischen Konzepten und innovativen Ideen einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Als Ehrengast konnten wir hierzu den Staatssekretär aus dem Stuttgarter Kultusministerium, Volker Schebesta, begrüßen. Er sprach sich in seinem Grußwort dazu aus, das Forschen und Experimentieren im Kindergartenalltag weiter zu fördern: „Naturwissenschaftlich-technische Bildung ist deshalb so bedeutsam, weil sie auf spielerische Weise das Verstehen von Phänomenen ins Zentrum stellt. Solche Ansätze sind besonders wirksam, wenn sie Kindern ermöglichen, selbst eigene Ideen auszuprobieren, Versuche aufzustellen und Hypothesen zu überprüfen.“

Stefan Küpper, Geschäftsführer Politik, Bildung und Arbeitsmarkt bei Südwestmetall, erläuterte in seiner Ansprache, warum sich sein Arbeitgeberverband in diesem Bereich engagiere: „Denn wenn wir mehr Schüler und insbesondere auch Schülerinnen später für naturwissenschaftlich-technische Berufe gewinnen wollen, müssen wir das Interesse schon im Kindergarten wecken.“

Anschließend erläuterte der komm. Schulleiter, Axel Bernd Kunze, wie die Kooperation mit der Technik-Erzieher-Akademie an unserer Fachschule in Beutelsbach umgesetzt wird. Und er gab einen Ausblick, was weiter geplant ist: Ende des vergangenen Schuljahres wurde der erste Schritt gesetzt, den Profilbereich Forschen und Experimentieren durch eine Kooperation mit dem renommierten Stuttgarter Institut Dr. Flad – Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt weiter auszubauen. Die künftige Kooperation, für die derzeit eine didaktisch-methodische Konzeption erarbeitet wird, soll unseren Schülerinnen und Schülern das Experimentieren in einem chemischen Labor ermöglichen. Umgekehrt sollen die „Fladianer“ bei uns Einblicke in didaktisch-methodische Grundlagen naturwissenschaftlicher Frühbildung erhalten – auch, um als Multiplikatoren wirken zu können.

Mitmachstationen für Groß und Klein

Im Profilfach Forschen und Experimentieren haben die angehenden Erzieherinnen und Erzieher die Möglichkeit, aufbauend auf dem Unterricht im Handlungsfeld „Bildung und Entwicklung fördern I“, praktische Erfahrungen in unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Fachgebieten zu sammeln. Sie vertiefen durch entdeckendes Lernen ihr theoretisches und praktisches Wissen. Sie beschreiben Wege, wie Kinder alters- und entwicklungsangemessen in ihrer Neugierde und in ihrem Entdeckerdrang unterstützt werden können. Sie beschreiben, wie Kindern durch Forschen und Experimentieren ihre Kompetenzen erweitern. Und sie entwickeln ein eigenes Konzept, wie sie dieses Wissen und diese Erfahrungen in ihrer eigenen Arbeit mit Kindern praktisch umsetzen können.

Wie dies konkret gelingen kann, demonstrierten die Schülerinnen und Schüler aus den Unter- und Oberkursen, die in diesem Schuljahr am Profilfach Forschen und Experimentieren unter Leitung von Herrn Grühn teilnehmen, durch zahlreiche Mitmachstationen zu den Elementen Feuer – Wasser – Luft. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Elementen übt nicht allein auf Kinder eine große Faszination aus, wie die anwesenden Festgäste, an der Spitze der Kultusstaatssekretär und der Geschäftsführer von Südwestmetall, nach den Ansprachen unter Beweis stellten.

Die Schülerinnen und Schüler hatten Experimente mit leicht erhältlichen Materialien ausgewählt, die in jedem Haushalt zu finden sind. Schon Kinder im Vorschulalter können diese eigenständig durchführen. Abgegrenzte Experimentierfelder fokussieren die Aufmerksamkeit der Kinder. Sogenannte „Bildrezepte“ bieten auch Kindern, die noch nicht lesen und schreiben können, die Möglichkeit, die Experimente selbständig umzusetzen. Durch das eigene Handeln und die sinnliche Wahrnehmung soll die natürliche Neugier der Kinder geweckt werden. Dabei sollen die Kinder ermutigt werden, selbst Ideen und Vermutungen zu entwickeln und diese dann durch eigenes Experimentieren und Ausprobieren zu überprüfen. Mit großem Engagement leiteten die Schülerinnen und Schüler die einzelnen Experimente an und standen auch für naturwissenschaftliche Erläuterungen kompetent Rede und Antwort.

Auszuprobieren gab es beispielsweise „Teebeutelraketen“ und einfache „Kohlendioxidfeuerlöscher“, die auf Basis von Backpulver und Essig arbeiten. Aus Wasser, Pflanzenöl, Lebensmittelfarbe und Salz konnten die kleinen und großen Forscher eine „Lavalampe“ bauen. Zwei miteinander verbundene Mineralwasserflaschen veranschaulichten, wie ein Wasserstrudel entsteht und welche Sogwirkung dieser entfaltet. Das Luft nicht einfach nichts ist, wurde durch ein gefülltes Wasserglas und ein Blatt Papier demonstriert: Das mit dem Papier abgedeckte Glas bleibt dicht, auch wenn man es umdreht. Und beim Lungenvolumentest, für den man allein ein großes Glas, eine Schüssel mit Wasser und Strohhalme benötigt, testeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, allen voran der Staatssekretär, der Vertreter von Südwestmetall und der örtliche Landtagsabgeordnete Claus Paal, der gleichfalls gekommen war, ihre Leistungsfähigkeit.

Wer wird Baumeister oder Baumeisterin?

Nach ihrer „Forscherreise“ waren Staatssekretär Schebesta und der Vertreter von Südwestmetall, Herr Küpper, gefragt, ihre Talente als Baumeister unter Beweis zu stellen. Unter Leitung von Frau Geymann, Koordinatorin unserer Berufsfachschule für Kinderpflege und Leiterin des Profilbereiches Natur- und Bewegungspädagogik, traten sie im Rahmen der von ihr entwickelten Baumeister-Challenge gegen zwei Schülerinnen an. Aus naturbelassenen Buchenholzklötzchen, Pappröhren in verschiedenen Längen, Steinen in verschiedenen Formen, Holzplatten, Rohrstücken, Blechdosen oder Baumscheiben galt es, ein möglichst hohes Bauwerk zu erschaffen.

Das Entwerfen, Bauen und Konstruieren mit variantenreichem Baumaterial ermöglicht Kindern vielfältige technische Grunderfahrungen sowie die Vertiefung ihres technischen Verständnisses. Mit der gestellten Aufgabe werden die Kinder beispielsweise mit den Phänomenen Gewicht und Dichte, Gleichgewicht, Reibung, Hebel, schiefe Ebene und Statik konfrontiert. Darüber hinaus werden Kreativität, Teamfähigkeit, Problemlösekompetenzen, motorische und kommunikative Fertigkeiten gestärkt.

Die Festgäste, Schwestern, Lehrkräfte und Schüler feuerten beide Teams kräftig an. Am Ende hatten die zwei Schülerinnen schließlich die Nase vorn, deren Turm zwar nicht höher war, sich jedoch als standfester erwies.

Beim abschließenden Empfang lud Herr Paal, der beim letztjährigen Tag der Freien Schulen eine Unterrichtsstunde für unsere angehenden Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger gehalten hatte, alle interessierten Lehrkräfte zur Eröffnung der neuen Forscherwerkstatt am 5. Februar 2018 in Schorndorf ein. Die Forscherwerkstatten, die gegenwärtig entstehen, richten sich an jüngere Kinder und wollen das Angebot der Heilbronner Experimenta, die auch schon häufiger Ziel von Exkursionen unserer Fachschule war, in die Breite tragen.

Wir freuen uns darauf, die fruchtbare Kooperation mit Südwestmetall auch künftig fortsetzen zu können, und gratulieren zum fünfjährigen Jubiläum der Technik-Erzieher-Akademie sehr herzlich. Im Sommer 2018 wird ein weiterer Jahrgang unserer Fachschule das entsprechende Zusatzzertifikat aus den Händen von Frau Nägele, Mitarbeiterin der TEA-Servicestelle in Göppingen, und Herrn Grühn in Empfang nehmen können.

(PD Dr. Axel Bernd Kunze, komm. Schulleiter, Evgl. Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt)

Neue Publikationsreihe: Bildung und Unterricht an Bekenntnisschulen

In der Christlichen Verlagsgesellschaft mbH in Dillenburg ist jetzt eine neue Publikationsreihe eröffnet worden, die sich grundlegenden Themen über Bildung und Unterricht an Bekenntnisschulen widmet:

Evangelische Bekenntnisschulen in Bildungsverantwortung

Private Schulen, die ein klar erkennbares pädagogisches Profil besitzen und eine verlässliche Werterziehung garantieren, stehen bei Eltern hoch im Kurs. Sie  sind ein wichtiger Garant der Freiheit im Bildungssystem sowie der pädagogischen Wahlfreiheit der Eltern und Lernenden. Bildungspolitisch und bildungswissenschaftlich weht ihnen aber durchaus ein starker Wind ins Gesicht, laufen sie dem allgemeinen Trend zu einem Egalitarismus in Bildungsfragen entgegen. Umso wichtiger ist es, das eigene Profil zu schärfen und wissenschaftlich auszuweisen. Beides versucht der erste Band der Reihe:

VEBS-Akademie (Hg.): Profil schärfen. Grundlegende Gedanken zu einem christlichen Bildungsverständnis (Evangelische Bekenntnisschulen in Bildungsverantwortung; 1), Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft 2017.

Noch Raum für Bildung? – eine Stiftungsfestrede

Gegenwärtig vollziehen sich gewaltige Umbrüche im Bildungssystem, deren Tragweite nicht überall hinreichend wahrgenommen wird, so mein Eindruck. Dies gilt auch für die Welt der Korporationen. Von den Veränderungen in unseren Bildungseinrichtungen und in der Bildungskultur unseres Landes werden jedoch auch sie nicht ausgenommen sein. Denn eines eint die Vielfalt an Korporationen – auch wenn sich die verschiedenen Bünde in Form, Aufnahmekriterien und Selbstverständnis mehr oder weniger deutlich unterscheiden: Sie begleiten junge Menschen – im Rahmen des Lebensbundes – in entscheidenden Jahren ihrer Bildungsbiographie und halten den Bezug zum Hochschulstandort ein Leben lang lebendig. Zwar sind Korporationen keine bildungs-, schon gar nicht parteipolitische Akteure, ihr Auftrag ist ein anderer – doch tragen sie Verantwortung, eine durch Bildung substantiell bestimmte Lebensform im Rahmen des Lebensbundes zu fördern und auch gesellschaftlich ein bildungsbezogenes Ethos lebendig zu erhalten. Die Korporationen sollten daher die aktuellen Veränderungen im Bildungssystem wachsam wahrnehmen und aktiv begleiten. Ich möchte im Folgenden vor allem die Veränderungen im Zuge der neuen kompetenzorientierten Steuerung des Bildungswesens in den Blick nehmen – und zunächst fragen:

1. Noch Raum für Bildung?

Beginnen will ich mit zwei Stimmen, die gleichsam zweihundert Jahre deutscher Bildungsgeschichte rahmen – zum Ersten: „Überhaupt bin ich […] der Meinung, dass für die Freiheit, welche akademische Freiheit heißt, fast gar keine Gesetze gegeben werden müssen, sondern dass die Jugend, welche bestimmt ist, einmal die Geister zu führen, durch das freieste Gesetz der Meinung und dadurch der freiesten Meister, durch den Geist beherrscht werden muss. […] Ja, wir müssen es aller Welt sagen, dass unsere Universitäten, dass die akademische Freiheit und der akademische Geist, der wie ein frischer Samen der Tugend und Ehre über das ganze Vaterland ausgesät wurde, unser Vaterland von Sklaverei errettet habe.“ [1] Es sei mir gestattet, dass ich als Burschenschafter mit einem Blick auf die Befreiungskriege beginne und dabei Ernst Moritz Arndt zu Wort kommen lasse. Arndt, dessen Bildungslehre wenig rezipiert wurde, unterscheidet noch nicht systematisch zwischen Allgemein- und Fachbildung. Doch ist die Reihenfolge für ihn klar: „Nur im Amtskleide, nur im Amts- und Berufsgeschäfte müßte man den Bürger sehen, weil er da gilt, bei allen anderen Dingen sollte der Mensch immer vorscheinen, das Große vor dem Kleinen.“ [2] Arndt fragt nicht, was der Einzelne im Detail an Kenntnissen und Fertigkeiten für seinen Beruf braucht. Der gebildete Mensch werde sich leicht, mit geschärftem Sinn und mit eigenem Urteil in die Bürgerpflichten einfinden. In der Studentenzeit – so Arndt – werde „eine neue akademische Ritterlichkeit in Tat und Gesinnung“ [3] geschaffen.

Machen wir nun einen Zeitsprung: „Philosophie ist das einsame und freie Denken. Aber sie war natürlich immer auch schon institutionalisiert, eingebettet in Paradigmen, gebunden an Denkstile. Heute präsentiert sie sich zumeist universitär, d. h. als Sache von Beamten und ein Department der Wissenschaften. Dazu passt die antiphilosophische Signatur unserer Bildungsanstalten, die gar nicht mehr bilden, sondern unterweisen wollen. Studienpläne sanieren den Geist und bringen das Denken in Stromlinienform. Gerade an Universitäten bekommt man den Eindruck, dass Philosophie genau das ist, was die europäischen Strategen der Bildungsproduktion als Flausen aus den Köpfen der Studenten auszutreiben versuchen.“ [4] Es ist der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz, der hier ein hartes Urteil über die gegenwärtige Universität fällt. Aus der Selbstverwaltung sei Bürokratie, aus der Freiheit akademischer Bildung eine verschulte Berufsausbildung geworden. Gewinner seien dabei jene „Professoren, die lieber Lehrer sein möchten, und die Studenten, die lieber Schüler bleiben wollen. Verklärt werde das Ganze durch die konsumistische Rhetorik vom Studenten als Kunden“ [5]. Der Professor sei nicht mehr ein Geist, der in Einsamkeit und Freiheit seinen Anteil zur Selbstaufklärung der Menschheit durch Wissenschaft und zur schöpferischen Aneignung von Kultur beitrage – und seine Studenten an der dahinterstehenden Bildungsidee gleichberechtigt teilhaben lasse. Aus dem Professor sei ein Hochschullehrer geworden, der beständige Kooperation als soziale Tugend betrachte und selbst die eigenen Gesten akademischer Nonkonformität noch widerspruchslos in eigenes Funktionieren übersetze. – Warum aber können wir auf den Begriff der Bildung nicht verzichten?

Der Mensch ist weder durch seine Natur noch die sozialen Einflüsse eindeutig festgelegt. [6] Soll er nicht zum Objekt fremder Zwecke oder Interessen werden, muss er sich selbst zu dem machen, der er in den Grenzen der Natur und des Rechts sein will – er muss sich selbst bestimmen: ein Vorgang, der als Bildung bezeichnet wird. Der Mensch bedarf der Bildung, wenn er sich als Subjekt entfalten und zum realen Freiheitsgebrauch fähig werden will. Nicht zufällig entsteht Bildung als pädagogischer Begriff mit der Aufklärung – also zu Beginn der neuzeitlichen, bürgerlichen Gesellschaft, die nicht mehr durch eine gesamtteleologische Weltdeutung zusammengehalten wird. Der Einzelne muss nun befähigt werden, die Kultur seiner eigenen Persönlichkeit aus eigener Vernunft gültig zu bestimmen und zu leben. Will er nicht einfach das tun, was alle tun oder andere von ihm erwarten, muss er lernen, die Vielfalt des Wissens und die verschiedenen Sichtweisen auf die Welt zu sichten, zu ordnen und zu bewerten. Damit ist die Aufgabe der Bildung benannt – und zugleich jenes Moment, das nach dem Verlust einer einheitlichen Weltdeutung weiterhin die Einheit der pädagogischen Praxis garantiert. Die neuhumanistische Bildungstradition, die zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in enger Verzahnung mit dem staatsphilosophischen Diskurs entstanden war, ist nicht das Schlechteste, was unsere deutsche Geschichte zu bieten hat.

Inzwischen ist ihr wichtigster Vertreter, Wilhelm von Humboldt, bereits mehrfach für tot erklärt worden; angelsächsisch inspirierte Konzepte dominieren die neue Weltgesellschaft der Bildung. Für das deutsche Bildungssystem geht damit eine zweihundert Jahre bestimmende Tradition zu Ende. Öffentlichkeitswirksamer als Bolz hat dies der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, im Frühjahr dieses Jahres auf die Formel zugespitzt: „Bildung statt Bologna!“ In seinem gleichnamigen Buch schreibt er: „Dabei war doch […] in den Hochglanzbroschüren von ‚Employability‘ die Rede gewesen. Aber nicht einmal diese scheint gegeben zu sein – von allgemeiner Menschenbildung ganz zu schweigen. Es ist nicht verwunderlich, weil die Kategorie der Beschäftigungsfähigkeit außer in Leerformeln auch nicht operationalisierbar ist. Auch das hilflose Gerede von ‚ProbIemlösefähigkeit‘ oder ‚Teamfähigkeit‘ führt nicht weiter, weil gar keine Messoperation für diese Kompetenzen denkbar ist. Es ist das Leben, welches erweist, ob jemand in den allfälligen Drucksituationen des Berufs auf die Möglichkeit der Zusammenarbeit zurückgreift oder überhaupt zurückgreifen kann […]. […] Wir haben das Hochschulsystem einer kulturellen Transformation unterworfen, deren Folgen wir erst später zu spüren bekommen.“ [7]

Unser Bildungssystem hat in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht bekommen, heißen die Reforminstrumente PISA, Bologna, Lissabon oder Kopenhagen. Nicht alle Umbrüche liegen dabei so offen zu Tage wie die Abschaffung des Diploms oder die Modularisierung des Studiums. Weniger auffällig und von vielen nicht hinreichend ernstgenommen, haben Veränderungen im Bildungsverständnis in Schule und Hochschule Raum gegriffen, die gesellschaftlich nicht folgenlos bleiben werden. Zwar ist der schon oft totgesagte Bildungsbegriff seit der ersten PISA-Studie vor nicht ganz fünfzehn Jahren bildungspolitisch in aller Munde; die Hauptrolle in Unterricht und Lehre spielen heute aber „Kompetenzen“.

2. Der Paradigmenwechsel von Bildung zu Kompetenzen

Die Curricula – in Schule wie Hochschule – werden heute nicht mehr lernziel-, sondern kompetenzorientiert formuliert. Frühere Lernzielformulierungen waren inputorientiert angelegt, gingen also von Inhalten und Methoden aus, mit denen ein bestimmtes Ziel erreicht werden sollte. Heute wird outputorientiert beschrieben, was der Schüler oder der Student am Ende können soll; der Weg dahin ist zunächst einmal unerheblich. Es geht nicht um Einzelziele, sondern um die koordinierte Anwendung von Einzelleistungen.

Allgemein durchgesetzt hat sich die aus der Psychologie stammende Kompetenzdefinition Weinerts (sie liegt auch der aktuellen Bildungsplanreform in Baden-Württemberg zugrunde): Kompetenzen sind „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ [8] Drei Folgen des neuen Kompetenzparadigmas sollen näher aufgezeigt werden.

2.1 Kompetenzorientierte Prüfungen und Abschlüsse

Neben dem Unterricht ist nicht zuletzt das Prüfungswesen betroffen. Nicht mehr Wissen oder Inhalte, sondern das Können des Einzelnen soll abgeprüft werden. Lehrer und Prüfer müssen nicht mehr identisch sein. Ob der Student eine bestimmte Kompetenz besitzt oder nicht, sollte unabhängig vom konkreten Inhalt der Lehrveranstaltung feststellbar sein – zumindest der Theorie nach. Die Lehrerpersönlichkeit verliert an Bedeutung, der Hochschullehrer wird zur politischen Manövriermasse.

In der Praxis zeigt sich, dass kompetenzorientierte Prüfungen kaum möglich sind – auch wenn viele Fakultäten und Hochschulleitungen sich gern damit brüsten. In der Praxis zeigt sich schnell, dass Fähigkeiten nur in Wechselwirkung mit Inhalten vermittelt sowie allein hypothetisch oder wirklichkeitsanalog überprüft werden können. Ein Student der Ingenieurwissenschaft wird sich stets mit dem Motor eines Autos oder eines Flugzeugs beschäftigen, nicht mit dem „Motor“ an sich. Politisch werden hier Dinge festgeschrieben, die sich didaktisch kaum realisieren lassen. Reformchaos ist vorprogrammiert. Der Zwiespalt wird dadurch gelöst, dass zunehmend materialbasiert geprüft wird. Die Lernenden sollen formale Kompetenzen erwerben, die dazu befähigen, Inhalte aus einem Materialanhang zu reorganisieren. Hans-Peter Klein, Mitbegründer der kompetenzkritischen Gesellschaft für Bildung und Wissen, hat in Studien gezeigt, dass materialbasierte Abiturprüfungen mitunter schon von Neuntklässlern gelöst werden können.

Erst vor zwei Wochen griffen zwei Sonntagszeitungen – die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Welt am Sonntag“ – das Thema auf und verschafften der Debatte um die Zukunft des Abiturs vermehrt Aufmerksamkeit. „Und plötzlich ist der Olli schlau“ titelte die F.A.Z. am Sonntag, „Abitur für alle!“ die „Welt am Sonntag“. [9] Beide Beiträge verweisen auf eine Studie des genannten Frankfurter Biologiedidaktikers Hans-Peter Klein. Dieser hatte kürzlich Abituraufgaben aus dem Bereich Ökologie miteinander verglichen, das eine Mal von 2005, das andere Mal von 2010. „Der neue Abiturient“, so Klein, „begibt sich in den von ihm zu bearbeitenden Aufgabenstellungen auf eine Art Ostereiersuche, in dem nahezu alle Antworten aus dem vielfältigen Text- und Grafikmaterial zu entnehmen sind. Lesekompetenz ist gefragt. Fachwissen ist Schnee von gestern.“ [10] Alles und jedes wird zur „Kompetenz“: Punkte gibt es bereits für die Formulierung in ganzen Sätzen oder die ordentliche Präsentation eines Ergebnisses.

Eine Geschichtslehrerin aus Nordrhein-Westfalen beschreibt, wie sich die Anforderungen materialbasierter, anwendungsorientierter Prüfungsaufgaben verändert haben. Ein solcher Materialanhang könne im Fach Geschichte auch eine Karikatur sein. Bewertet werde die Klausur dann folgendermaßen: „Allein für die Erkenntnis, dass es sich um eine Karikatur handele, für die Beschreibung des Bildes, die Nennung des Zeichners und die Nennung des Erscheinungsdatums, die beide unter dem Bild stehen, erhalte ein Schüler schon 26 von hundert möglichen Punkten. Wenn er dann noch in korrektem Deutsch formuliere, erhalte er nochmals bis zu zwanzig Punkte – und habe damit mindestens eine Vier, selbst wenn die eigentliche analytische Leistung null war.“ [11] Ohne Folgen bleibt das nicht: Bundesweit ist der Anteil derjenigen, die ihr Abitur mit 1,0 abschließen konnten, von 2006 bis 2012 um vierzig Prozent gestiegen. Die OECD freut es.

Letztlich sei es unerheblich, wie Kompetenzanhänger mitunter behaupten, ob beispielsweise Textverständnis an einem Roman oder einer Bedienungsanleitung erworben werde. Ich habe das beim Abschlusskongress eines DFG-Projektes zum „Recht auf Bildung“ selbst erlebt. Dass ein literarisches Erlebnis persönlichkeitsbildende oder charakterformende Kraft besitzt, spielte für den führenden Bildungsforscher auf dem Podium keine Rolle. Hauptsache der Schüler oder Student kann eine Aufgabe funktional lösen. Die schon zitierte „Problemlösekompetenz“ ist das neue Zauberwort.

Die Tarifparteien des Öffentlichen Dienstes der Länder haben in einer Protokollerklärung ausdrücklich festgehalten, dass der Bachelor kein wissenschaftlicher Hochschulabschluss sei. Die Angleichung des Bachelorabschlusses an Abschlüsse einer Vollzeitberufsschule zeigt sich nicht allein im Tarifgefüge, sondern auch im Deutschen Qualifikationsrahmen. Dieser stellt für Stufe 6, den Bachelor oder die Fachschule, Kompetenzniveau II, die Reorganisation des Wissens, in den Vordergrund. Die anderen Niveaustufen I (Reproduktion) und III (Transfer) sind lediglich angemessen zu berücksichtigen. Vorrangig geht es um die Lösung vorgegebener Probleme. Man kann es auch anders sagen: Aus dem gestaltenden, selbstbestimmten Subjekt wird ein Lerner, der „funktioniert“. Bildung, also bezogen auf das mündige Subjekt, geht es jedoch darum, dass der Lernende sich die Probleme selber stellt. Im Bildungsprozess lernt das Subjekt, selbständig sachliche und sittliche Geltungsansprüche zu setzen.

Der Kopenhagenprozess geht davon aus, dass ein bestimmtes Kompetenzniveau auf zwei verschiedenen Wegen methodisch erreichbar sei: akademisch oder berufsbildend. Der grundlegende Unterschied zwischen beiden Wissensformen, einmal hermeneutisch-reflexiv, das andere Mal handlungsorientiert, wird politisch ignoriert. Die Grenzen zwischen Berufs- und Hochschule verschwimmen. Die Kompetenzen, die durch Abschlüsse an Fach-, Meister- oder Technikerschulen erworben werden, sind denen des universitären Bachelors gleichgestellt. Aufstiegskammerprüfungen nennen sich „Bachelor professional“, mitunter können Bachelorabschlüsse – in Kooperation mit Hochschulen – auch direkt an beruflichen Schulen erworben werden. Nahezu folgerichtig hat Bundesbildungsministerin Wanka, selber Hochschullehrerin, im Februar 2014 angekündigt, die Universitäten zunehmend für Nichtabiturienten zu öffnen.

2.2 Steuerung habitueller Dispositionen

Mit der Umstellung auf Kompetenz ist ein weiterer, nicht unbedeutender Umbruch vonstattengegangen: Gesteuert werden, wie Weinerts Kompetenzdefinition deutlich macht, nicht nur Kenntnisse oder Fähigkeiten, sondern auch Einstellungen und Haltungen. Die Kontroverse um die Bildungsplanreform 2015/16 in Baden-Württemberg hat gezeigt, welcher Sprengsatz hier verborgen liegt. Das eigentliche Problem ist keinesfalls der Umgang mit „sexueller Vielfalt“ in der Schule – sondern ein pädagogisches: Die vorliegenden Bildungsplanentwürfe versuchen an vielen Stellen sehr weitreichend, auf die persönlichen Einstellungen und Überzeugungen der Lernenden durchzugreifen. Ein Unterricht aber, der versucht, die künftige Persönlichkeit des Schülers bereits vorwegzunehmen, verletzt dessen Personwürde.

Dies geschieht überall dort, wo die Einstellung des Einzelnen dem Gelernten gegenüber zu einer operationalisierbaren, steuerbaren und von außen überprüfbaren Größe werden soll – dies meint schließlich Kompetenz. Der Schüler soll die Unterrichtsanforderungen nicht nur gut, sondern auch noch gern erfüllen – und zwar nicht „irgendwie“: Der Umgang mit dem Unterrichtsstoff soll „offen“, „neugierig“ oder „interessiert“ erfolgen. So heißt es im Entwurf für das Fach Geschichte in der Orientierungsstufe: [12] „Schülerinnen und Schüler haben ein Interesse an den Arbeitsweisen des Faches Geschichte“ – oder: „Schülerinnen und Schüler sind neugierig auf Unbekanntes, Fremdes, Vergangenes.“ – oder: „Die Schülerinnen und Schüler haben Interesse an anderen Kulturen und deren historischen Wurzeln in Gegenwart und Vergangenheit und setzen sich sowohl tolerant als auch kritisch mit ihnen auseinander (Alterität, Vielfalt der Einen Welt).“ Die Deutung des Gelernten wird nicht mehr dem denkenden Nachvollzug des Schülers überantwortet, sondern vom Bildungsplan bereits vorab festgelegt: Die faktische Vielfalt an Kulturen, die in der Beschäftigung mit historischen Fragen deutlich wird, wird auf eine ganz bestimmte Deutung zugeschnitten und soll ausdrücklich als „Vielfalt der Einen Welt“ betrachtet werden.

Zahllose weitere Beispiele ließen sich finden. Heike Schmoll hat in einem Leitartikel allein für die fünfte und sechste Klasse zweihundertzwei Einstellungen gezählt, die vom Bildungsplan vorgegeben werden. Für die Bildungsjournalistin der F.A.Z. handelt es sich dann auch um einen „Gesinnungslehrplan“. [13] Schule darf und muss bestimmte fachliche Leistungen abprüfen. Die Persönlichkeit des Schülers – seine Einstellungen, Interessen, seine Bereitschaft oder seine Motivation – spielen im erzieherischen Umgang eine Rolle, müssen aber unverfügbar bleiben und dürfen nicht zum Gegenstand schulischer Leistungsmessung werden – zumal erzwungene, durch Noten sanktionierte Werturteile moralisch von vornherein wertlos sind. Ein Unterricht, der die Schüler nicht zur denkenden Auseinandersetzung und zum eigenständigen Werten anregen will, überwältigt, manipuliert oder indoktriniert. Am Ende stünden nicht Schüler, die vermeintlich „richtig“ denken, sondern Demokraten, die es überhaupt verlernt haben, selbständig zu denken.

2.3 Anwendungsorientierung

Kompetenzen sind anwendungsbezogen und immer vom Lernenden aus zu formulieren. In der Hochschule gewinnen Kompetenzen neuerdings Gestalt in sogenannten Modulhandbüchern. Im Bemühen, alle berufsrelevanten Wissensbestände eins zu eins abzubilden, geraten diese nicht selten zu enggefassten Katalogen, die didaktisch wenig Freiraum lassen. Es gibt weiterhin sehr engagierte Hochschullehrer, keine Frage. Zu beobachten ist aber auch, dass trotz gegenteiliger politischer Rhetorik die Lehre durch die aktuellen Studienreformen nicht zwingend gestärkt wird. Reputation und Berufszufriedenheit ziehen viele Hochschullehrer aus der Forschung – und dies umso mehr, je weiter sich die Lehre vom akademischen Anspruch der Universität entfernt. Der Student bekommt am Ende austauschbare Massenware, hinter der die einzelne Forscherpersönlichkeit immer weniger sichtbar wird.

Berufsqualifizierende Inhalte werden leichthin als gegeben vermittelt, aber nicht mehr auf ihre Geltung hin befragt. Der eigenständige Vergleich unterschiedlicher Theorien fällt aus, wo die zu vermittelnden Inhalte eng auf aktuelle Anforderungen – nicht selten auch Moden – zugeschnitten werden. Mein eigenes Fach – die Lehrerausbildung – gehört zu jenen Disziplinen, die unter PISA und Bologna deutlich berufsqualifizierende Züge angenommen haben. Oft sind es die reformpädagogischen Traditionen, die unter den Tisch fallen. So wie die Universität auf die heute favorisierte kompetenzorientierte Unterrichtsplanung vorbereiten will, zeigen Studenten oftmals keine Bereitschaft mehr, sich mit Alternativen weiter zu beschäftigen.

Man mag dies alles Professionalisierung und die Demokratisierung von „Wissensproduktion“ nennen. Auf Dauer wird dies für Kultur, gesellschaftliche Debatte und Leistungsfähigkeit des Landes nicht folgenlos bleiben. Johannes Masing – kein Pädagoge, sondern ein Verfassungsrichter – wies in der F.A.Z. vom 29. Dezember 2011 darauf hin, dass kurzatmige Qualifizierung und Informationsbeschaffung nicht genügten: „Wir müssen nicht nur wissen, sondern verstehen – und dabei auch verstehen, dass wir oft entscheiden müssen, ohne zu wissen. Nur das kann uns auch zu verantwortlichem Handeln befreien.“ Akademische Berufe verlangen ein hohes Maß an Freiheit im Denken und Handeln, Eigenverantwortung und sittlicher Reflexion, Entscheidungsfähigkeit und Führungsstärke, sprachlichem Differenzierungsvermögen und gedanklicher Klarheit: Eigenschaften, die nicht in wenigen Mastersemestern draufgesattelt werden können. Masing ist skeptisch, ob die zeitlich verdichteten, konsekutiven Studiengänge entsprechend tragfähig sein werden – und fragt: „[…] braucht ein Arzt, ein Anwalt, ein Richter, ein Lehrer oder ein Bankier nicht eine Grundlage, die ihn mit geistiger Nahrung versieht und ihn in die Lage versetzt, ein berufliches Ethos über Jahrzehnte der Berufstätigkeit durchzuhalten.“ [14]

3. Abschließende Überlegungen zur Bildungsaufgabe studentischer Korporationen

Bildung ist mehr als Wissen oder kurzatmige Qualifizierung. Wer verantwortlich und selbstbestimmt handeln will, muss in der Lage sein, das eigene Wissen zu beurteilen, und er muss bereit sein, nach der Bedeutsamkeit dieses Urteils für sein eigenes Handeln zu fragen. Eine Bildungspraxis, die den Menschen dem Bürger opfert, hätte nicht mehr die Kraft, die gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und die Einzelnen zur gemeinsamen Vorsorge auf eine noch unbekannte Zukunft hin zu befähigen. Strategisch, effizient, mit perfekten Lebensläufen – so beschreibt Klaus Wehrle unter dem Titel „Die Perfektionierer“ die neue Bachelorgeneration: „Wie Unternehmensberater durchleuchten Studierende ihre Ausbildung.“ [15] Am Ende stehen für Wehrle nicht Persönlichkeiten, sondern uniformierte Bewerber, denen es an Originalität und Einzigartigkeit, Kreativität und Risikofreude, Mitgefühl und Menschenkenntnis fehle. Sollte diese Prognose stimmen, wäre es für Studentenverbindungen umso wichtiger, ihre Mitglieder zu eigenständigen, reifen, verantwortungsfähigen Persönlichkeiten heranzubilden – nicht als strategischer Karrierevorteil (das kann es dann auch sein, aber sekundär), sondern als Ausdruck einer humanen Haltung, die dem Einzelnen Großes zutraut und davon überzeugt ist, dass nur so auch der Gesellschaft am besten gedient ist.

Die Aufgabe, „Ich“ zu sagen – zu entscheiden, wer ich sein will und wie ich leben will –, diese Aufgabe kann niemand dem Einzelnen abnehmen. Anpassung, Uniformierung oder Manipulation wären andernfalls die Folge. Befähigung zur Selbstbestimmung ist nur als Aufforderung zur Selbsttätigkeit denkbar. Studentische Korporationen können ihren Mitgliedern wertvolle Handlungsfähigkeiten vermitteln, die für eine aktive Rolle in Staat, Gesellschaft und Beruf unverzichtbar sind. Sie vermitteln gehaltvolle soziale Erfahrungen und können dem Einzelnen Hilfestellung geben, diese geistig zu verarbeiten. Dabei geht es um mehr als Wissen oder formale Fähigkeiten. Aus dem Gelernten soll vielmehr eine akademische Haltung werden: in der schöpferischen Auseinandersetzung mit kulturellen Werten und Traditionen, mit Sitte und Brauchtum, durch die Einübung gemeinsamer Regeln und das Ringen um gemeinsame Überzeugungen und durch Einbindung in eine gelebte Verantwortungsgemeinschaft, die durch das Tragen der Farben auch nach außen gezeigt wird. Für die Gesellschaft erfüllen solche Verantwortungsgemeinschaften eine zunehmend wichtiger werdende Rolle als kulturethisches Gedächtnis.

Studentische Korporationen werden auf absehbare Zeit „unzeitgemäß“ bleiben, aber sie werden Zukunft haben, wenn sie jungen Menschen das bieten, was ein stark auf gesellschaftliche Zwecke hin finalisiertes Hochschulsystem immer weniger bietet: eine Bildungsgemeinschaft, die groß vom Einzelnen denkt, die das Individuum zur Selbsttätigkeit freisetzen und – anders als die Bolognareformen – nicht betreuen will, die zum Selbstdenken herausfordert und die den Mut zum eigenen Gedanken weckt, die um die höchsten Ziele und Inhalte des Lebens ringt, die um den Ernst des Daseins weiß und jene Kräfte stärkt, die notwendig sind, sich dem unproduktiven Gruppendenken und dem Zwang zum politisch korrekten „Vor-Urteil“ zu widersetzen. Hier liegt dann auch eine entscheidende demokratiepädagogische Spitze akademischer Bildung: Denn – so der anfangs zitierte Norbert Bolz – „[n]ichts fürchtet die Regierung einer modernen Massendemokratie nämlich mehr als einen selbständig denkenden Menschen.“ [16]

Dies alles ist ein anspruchsvolles Programm und verlangt, den Einzelnen im Rahmen des Lebensbundes zu fördern, ihn aber auch zu fordern. Es geht um den Schutz vor geistig-intellektuellem Kontrollverlust. Und es geht um aktive Teilhabe am sozialen Leben, die Solidarität stiftet gegen Macht wie Ohnmacht. Freiheit können wir nicht für uns allein leben, wir brauchen einander, um frei zu sein. Wir schulden daher aber auch einander die Freiheit – verbunden mit dem pädagogischen Auftrag, den anderen immer wieder zur Freiheit zu ermuntern und zu ermutigen. Eine solche Freiheit ist kein fester Besitz, sie muss immer wieder neu errungen und mit Leben gefüllt werden. Und sie darf gegen alle Angst des Daseins auch gefeiert werden, so wie es in zahllosen Studentenliedern geschieht.

Bei alldem möge Ernst Moritz Arndt auch heute noch Recht behalten, mit dem, was er „Über den deutschen Studentenstaat“ geschrieben hat: „Wer diese höchste Zeit des Daseins, diese deutsche Studentenzeit durchlebt und durchgespielt und durchgefühlt hat, wer in ihr gleichsam alle Schatten eines dämmernden Vorlebens und alle Masken einer beschränkteren und mühevolleren Zukunft in verkleideten Scherzen und mutwilligen Parodien durchgemacht hat, der nimmt in das ärmere Bürgerleben, dem er nachher heimfällt, und dem er seinen gebührlichen Zins abtragen muss, einen solchen Reichtum von Anschauungen und Phantasien hinüber, der ihn nie ganz zu einer chinesischen Puppe und zu einem hohlen und zierlichen Lückenbüßer und Rückenbücker der Vorzimmer werden lässt.“ [17]

Möge es Ihrem Bund auch künftig gelingen, jungen Menschen immer wieder solche Erfahrungen zu vermitteln und ein solches Rüstzeug mit auf den akademischen Weg zu geben. In diesem Sinne darf ich Ihnen zu Ihrem Stiftungsfest meine herzlichsten Glück- und Segenswünsche aussprechen, verbunden mit dem Wunsch: Vivat, crescat, floreat!

 

[1] Ernst Moritz Arndt: Über den deutschen Studentenstaat, Köln 1921, S. 41. 47.

[2] Ernst Moritz Arndt: Fragmente über Menschenbildung, Langensalza 1904, S. 176.

[3] Ernst Moritz Arndt (1921), S. 45.

[4] Norbert Bolz: Freimut, in: Ders. (Hg.): Wer hat Angst vor der Philosophie? Eine Einführung in Philosophie, München 2012, S. 9 – 24, hier: 9.

[5] Norbert Bolz (2012), S. 12.

[6] Vgl. Volker Ladenthin: Was ist „Bildung“? Systematische Überlegungen zu einem aktuellen Begriff, in: Evangelische Theologie 63 (2003), S. 237 – 260.

[7] Dieter Lenzen: Bildung statt Bologna!, Berlin 2014, S. 34.

[8] Franz Emanuel Weinert: Vergleichende Leistungsmessung in Schulen – eine umstrittene Selbstverständlichkeit, in: Ders. (Hg.): Leistungsmessung in Schulen, Weinheim/Basel, S. 17 – 31, hier: 27 f.

[9] Katrin Hummel: Und plötzlich ist der Olli schlau, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 24/2014 v. 15. Juni 2014, S. 43 f.; Thomas Vitzthum/Céline Lauer: Abitur für alle!, in: Welt am Sonntag, Nr. 24/2014 v. 15. Juni 2014, S. 13 – 17.

[10] Zit. nach: Thomas Vitzthum/Céline Lauer (2014), S. 17.

[11] Zit. nach: Katrin Hummel (2014), S. 43.

[12] Im Folgenden zitiert aus der 2013 vom Landesinstitut für Schulentwicklung herausgegebenen Arbeitsfassung zur Erprobung der Bildungsplanreform 2015.

[13] Heike Schmoll: Der Gesinnungslehrplan, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 20/2014 v. 24. Januar 2014, S. 1.

[14] Beide Zitate: Johannes Masing: Wissen und Verstehen, in Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 303/2011 v. 29. Dezember 2011, S. 7.

[15] Klaus Wehrle: Die Perfektionierer. Warum der Optimierungswahn uns schadet – und wer wirklich davon profitiert, Frankfurt a. M. u. a. 2010, S. 87.

[16] Norbert Bolz (2012), S. 19.

[17] Ernst Moritz Arndt (1921), S. 15.

Neuerscheinung: Religion und Religionsunterricht heute und morgen

„Religion und Religionsunterricht heute und morgen“ lautet das Titelthema des aktuellen Rundbriefes, der Zeitschrift des Verbandes der Religionslehrerinnen und Religionslehrer in der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. Der Themenschwerpunkt (Heft 2/2017) enthält folgende Beiträge:

a) Religion als Kitt, der die deutsche Gesellschaft zusammenhält? Gedanken zu de Maizières Zehn-Punkte-Plan (Katrin Handschuh und Gerhard-Peter Handschuh)

b) Religionspolitik in Baden-Württemberg. Überlegungen zur Zukunft von Schule und Religionsunterricht in Baden-Württemberg (Axel Bernd Kunze)

c) Katholischer Religionsunterricht in der Schule von heute und morgen (Ute Augustyniak-Dürr)

 

Neuerscheinung: Engagement 2/2017

Druckfrisch erschienen ist in diesen Tagen das neue Themenheft 2/2017 der Zeitschrift ENGAGEMENT – passend zum Reformationsjubiläum trägt es den Titel: Mit evangelischen Schulen im Gespräch.

Der Rezensionsteil stellt folgende Titel vor:

  • Marianne Heimbach-Steins (Universität Münster) bespricht „Über Schule reden. Zum Profil katholischer Schulen in der Diözese Würzburg“, herausgegeben von Thomas Franz und Stefan Heil.
  • Axel Bernd Kunze (Universität Bonn) stellt die Festschrift „160 Jahre in Gemeinschaft. Leben – lernen – arbeiten – beheimaten“ der Stiftung Großheppacher Schwesternschaft vor.
  • Joachim Fischer (IB-Fachschule für Sozialwesen in Stuttgart) würdigt den Band „In the days of Caesar. Pentecostalism and Political Theology“ von Amos Young.
  • Björn Igelbrink (Graf-Adolf-Gymnasium in Tecklenburg) rezensiert den „Kompas Schulwechsel. Den Übergang gestalten“ von Anne Roth und Sabine Ogrin.
  • Axel Bernd Kunze (Universität Bonn) diskutiert die inklusionsskeptischen Thesen von Michael Felten in seinem neuen Band „Die Inklusionsfalle. Wie eine gut gemeinte Idee unser Bildungssystem ruiniert“.
  • Gottfried Kleinschmidt (Leonberg) rezensiert den Titel „Lebenslanges Lernen und Emotionen – Wirkungen von Emotionen auf Bildungsprozesse aus beziehungstheoretischer Perspektive“ von Wiltrud Gieseke.
  • Jan Dochhorn (Universität Durham) würdigt die Festschrift zu Ehren des Bonner Erziehungswissenschaftlers Volker Ladenthin: „Beruf: Hochschullehre. Ansprüche, Erfahrungen, Perspektiven“, herausgegeben von Hildegard Krämer, Axel Bernd Kunze und Harald Kuypers.
  • Günter W. Zwanzig (Oberbürgermeister von Weißenburg in Bayern a. D.) stellt den Band „Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute“, herausgegeben von Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze, vor.
  • Dominique Moldehn, Astrid Frey und Birgit Fromme (Borromäusverein Bonn) stellen folgende Kinder- und Jugendbücher vor: Du und ich und alle anderen Kinder. Gesammelte Geschichten und Kindergedichte (Bart Moeyaert), Was würdest du tun? (Karin Gruß und Tobias Krejtschi) sowie Sally Jones – Mord ohne Leiche (Jakob Wegelius).

Neuerscheinung: Bildungsethische Anstöße für die pädagogische Fachdidaktik

Ein seit 2016 entwickeltes Fortbildungsmodul zur sozialpädagogischen Berufsethik, mit dem Wertkonflikte im Bildungsbereich diskutiert werden können, ist nun publiziert worden. Als Beispiel dienen Fragen inklusiver Verpflegung in sozialpädagogischen Ganztageseinrichtungen: ein Thema, das angesichts wachsender interkultureller und interreligiöser Vielfalt immer wichtiger werden wird. Das sowohl in Hochschulseminaren als auch in Fortbildungen für Pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen erprobte Fortbildungsmodul wird nun in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Pädagogikunterricht, der wichtigsten deutschsprachigen Fachzeitschrift für pädagogische Fachdidaktik, vorgestellt; die Zeitschrift wird herausgegeben vom Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen:

Axel Bernd Kunze: Beim Recht auf Bildung geht es um mehr als Schulstrukturreformen – Bildungsethische Anstöße für die Didaktik des Pädagogikunterrichts, in: Pädagogikunterricht 37 (2017), Heft 2/3 (Juli 2017), S. 11 – 17.

Der Beitrag enthält darüber hinaus weitere Beispiele, wie bildungsethische Fragestellungen für die pädagogische Fachdidaktik fruchtbar gemacht werden können. So wird diskutiert, welche Impulse die Diskussion um ein Menschenrecht auf Bildung für die Begründung pädagogischer Grundbildung liefern kann.