Werkausgabe der Schriften Adolf Reichweins

Leider hat sich mit Ablauf des Jahres 2017 der Adolf-Reichwein-Verein aufgelöst. Dieser zeichnete u. a. verantwortlich für die Werkausgabe des Pädagogen, Volkskundlers und Kultuspolitikers:

Adolf Reichwein: Pädagogische Schriften. Kommentierte Werkausgabe in fünf Bänden. Vorworte von Christian Ritzi und Konrad Vanja, herausgegeben und bearbeitet von Ullrich Amlung, mit einem Gesamteditorial zur Werkausgabe von Karl Ch. Lingelbach und Ullrich Amlung, Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt 2011 bis 2015.

Weitere Informationen zu Adolf Reichwein finden Sie im Adolf-Reichwein-Forum.

Einen Lebenslauf Adolf Reichweins finden Sie auf den Seiten des Lassalle-Kreises.

Engagement 4/2017

Internationalität Katholischer Schule – so der Titel des neuen Themenheftes 4/2017 der schulpädagogischen Zeitschrift ENGAGEMENT, das mit zeitlicher Verzögerung Mitte März 2018 erschienen ist. Im Rezensionsteil werden folgende Titel besprochen:

  • Arnold/Zierer: Die deutsche Didaktik-Tradition. Grundlagentexte zu den großen Modellen der Unterrichtsplanung (Rez.: Wilhelm Wittenbruch)
  • Thomas Söding: Das Christentum als Bildungsreligion. Der Impuls des Neuen Testaments (Rez.: Axel Bohemeyer)
  • Von Chossy/Bauer: Erziehen ohne Religion. Argumente und Anregungen für Eltern (Rez.: Matthias Bär)
  • Hilbert: Fromme Eltern – unfromme Kinder? Lebensgeschichten großer Zweifler (Rez.: Günther Klempnauer)
  • Brüning: Weltreligionen Klasse 1/2 (Rez.: Matthias Bär)
  • Haider Munske: Unsere Universität im Abstieg? Bologna, Bafög, Bachelor. Beobachtungen und Ratschläge (Rez.: Günter W. Zwanzig)
  • Diering/Timme: Sozialgesetzbuch X. Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz. Lehr- und Praxiskommentar (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Gnisa: Das Ende der Gerechtigkeit. Ein Richter schlägt Alarm (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Fesler: Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer (Rez.: Astrid Frey)
  • Nicholls: Eine Insel für uns allein (Rez.: Anna Winkler-Benders)

Neuerscheinung: Erinnerung an Adolf Reichwein

Die Festrede zur feierlichen Zeugnisübergabe an die Berufspraktikantinnen und Berufspraktikanten, die Ende des Schuljahres 2016/17 an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik ihre staatliche Anerkennung erhielten, erinnerte an den Kultuspolitiker, Reformpädagogen, Volkskundler und Widerstandskämpfer Adolf Reichwein. Reichwein entwickelte seine reformpädagogischen Ideen während der Zeit des Nationalsozialismus, er gilt als einer der Pioniere moderner Medienpädagogik. Am 20. Oktober 1944 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Sein Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum zweihundertsten Mal. Sein pädagogisches Ethos hat auch für heutige Erzieherinnen und Erzieher nichts an Aktualität verloren, wie die Festrede deutlich machte.

Der Vortrag aus dem vergangenen Jahr ist nun in der schulpädagogischen Fachzeitschrift „Engagement“ veröffentlicht worden:

Axel Bernd Kunze, Vor hundertzwanzig Jahren geboren. Eine Erinnerung an den Reformpädagogen, Kultuspolitiker und Widerstandskämpfer Adolf Reichwein, in: Engagement 35 (2017), H. 4, S. 218 – 221.

Vorankündigung: BILDUNG IN DER DEMOKRATIE

Axel Bernd Kunze: Bildung in der Demokratie. Warum pädagogischer Eigensinn und Freiheit unverzichtbar sind

(Reihe „Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukuunft“, Band 13), Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft 2018, ca. 170 Seiten.

 

Pädagogik ist nicht selbst politisch, aber politisch relevant – durch das, was sie im Einzelnen lenkt. Indem Bildung zur Freiheit im Denken, Reden und Handeln befähigt, ist sie für Demokratie unverzichtbar. Umgekehrt wird sich nur ein demokratisch verfasster Staat politisch mündige Bürger wünschen und auch ertragen können.

Pädagogischer Widerspruch ist dort notwendig, wo Bildungspolitik die Bürger glauben machen will, sie wüsste schon im Voraus besser, wofür diese ihre Freiheit einsetzen sollten. Die Zukunft liegt nicht fertig vor uns, sondern muss erst noch entworfen werden – unter Herausforderungen, die wir heute noch nicht überblicken können. Den hierfür notwendigen Mut zur Freiheit wird nur eine Pädagogik wecken können, die sich ihren pädagogischen Eigensinn nicht rauben lässt und ihre eigene pädagogische Freiheit nicht unter Wert verkauft.

Ausgehend von einem solchen Bildungsverständnis, beleuchtet der Band aus pädagogischer und bildungsethischer Perspektive aktuelle Bildungsaufgaben, vor denen unser Gemeinwesen steht: von einer Erziehung zur Toleranz über gesellschaftliche Integration und Inklusion bis zum Umgang mit religiöser Vielfalt.

Der Verfasser ist promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler. Er leitet eine Fachschule für Sozialpädagogik und lehrt als Privatdozent am Bonner Zentrum für Lehrerbildung. Daneben ist er in München und Heilbronn als Lehrbeauftragter für (berufs-)ethische Fragen in der Sozialen Arbeit tätig.

Der Band erscheint voraussichtlch im ersten Halbjahr 2018. Vorbestellungen gern unter: Kunze-Bamberg@t-online.de

Forscherfabrik Schorndorf eröffnet

Eine Marzipantorte in Form eines großen Schlüssels wurde symbolisch an Schorndorfer Kinder überreicht … Mit diesem Ritual eröffnete Matthias Klopfer, Oberbürgermeister der Daimlerstadt Schorndorf im S-Bahnbereich Stuttgarts, im Beisein der baden-württembergischen Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Anfang Februar die dortige neue Forscherfabrik. Das Erlebnismuseum versteht sich als Satellit der bekannten „Experimenta“ in Heilbronn und will deren Anliegen in die Breite des Landes tragen. Kindergarten- und Grundschulkinder werden in der Forscherwerkstatt künftig auf Forschungs- und Entdeckungsreise gehen und selbständig Experimente zu naturwissenschaftlichen und technischen Fragen durchführen können. Wie die Schirmherrin, Ministerin Hoffmeister-Kraut, vor den Festgästen betonte, würde sich ein großer Teil der heutigen Grundschulkinder beruflich später einmal mit Fragen beschäftigen, die wir heute noch gar nicht kennen; bereits früh das Interesse für Natur, Informatik und Technik zu wecken, sei daher für die wirtschaftliche Zukunft des Landes von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

 

Neuerscheinung: Herausforderndes Verhalten von Kindern

Verschiedene Fachschulen und Kindertageseinrichtungen – darunter auch die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt – waren im Rahmen des Transferverbundes Kindheitspädagogik unter Leitung der Evangelischen Hochschule Freiburg (Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff) am Forschungsprojekt „Herausforderndes Verhalten von Kindern“ (HeVeKi) beteiligt gewesen. Ziel des Projektes war es, ein Curriculum für die Weiterbildung Pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu erarbeiten und unterrichtspraktisch zu erproben. Inzwischen liegen die Projektergebnisse in gedruckter Form vor:

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse und Claudia Tinius: Herausforderndes Verhalten von Kindern professionell bewältigen. Ein Curriculum für die Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen (Materialien zur Frühpädagogik; 20), o. O. (Freiburg i. Brsg.) 2017.

Schlaglicht: Individualität schreibt …

Tilman Allert bricht anlässlich des Internationalen Tages der Handschrift im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen vom 23. Januar 2018 die Lanze für ein bedrohtes Kulturgut. Brauchen wir im Zeitalter von Computer und Tastaturen, von Smartphone und SMS noch das Schreiben mit der Hand? Wäre es nicht besser, die Schüler würden ihre Zeit auf Wichtigeres verwenden als Schwungübungen und Schönschrift? Nicht wenige wissenschaftliche Stimmen empfehlen dies. Und tatsächlich befindet sich das Einüben der Handschrift in den Grundschulen schon seit Längerem auf dem Rückzug. Und wer in höheren Klassen unterrichtet, merkt, dass es Schülern zunehmend schwer fällt, Tafelbilder in Schreibschrift nachzuvollziehen. Kulturgüter, die nicht mehr gelehrt und gepflegt werden, sterben aus.

„Bedenken second“, hieß es im Wahlkampf gegenüber der Digitalisierung. Der Sozialpsychologe Allert lässt sich von diesem Trend der Debatte nicht einschüchtern und hält dagegen: „Das eigene Schreiben spiegelt dem Schreiber ein komplexes Erleben. Es erschließt den Sinn der Welt in eigener Fasson.“ Auch wenn kein Erwachsener mehr so schreibt, wie er es einst in der Grundschule gelernt hat, geht mit dem Aussterben der Handschrift mehr verloren, als eine beliebig austauschbare Technik, sich anderen mitzuteilen.

Die Handschrift bleibt ein unverwechselbarer Teil der eigenen Persönlichkeit. Was selbst geschrieben wurde, prägt sich besser ein. Aber mehr noch: Wer Heranwachsenden die Möglichkeit des individuellen Ausdrucks nimmt, verkauf ihre Individualität unter Wert, der reduziert den Menschen auf ein austauschbares Element im digitalen Netzwerk. Wer übt, mit der Hand zu schreiben, lernt, „Ich“ zu sagen. Noch einmal Allert: „Das eigene Selbst graphologisch ausweisen zu können lässt die ungeheure Kraft einer Geste erahnen, sich mit Geschriebenem Gehör zu verschaffen. Man ist mithin, selbst wenn man abwesend ist, anwesend.“ Was aber, wenn dies gar nicht mehr gewollt ist!? Wer Individualität und Kreativität, freien Geist und schöpferische Produktivität will, sollte die Handschrift fördern – diese Bedenken sollten wir uns leisten, sonst wären wir schnell bei einer Gesellschaft, die über Konvention und Plagiat nicht mehr hinauskommt.

Neuerscheinung: Democracy Education in Teacher Training in Germany

Axel Bernd Kunze: Democracy Education in Teacher Training in Germany, in: Miriam Ben-Peretz, Sharon Feiman-Nemser (Eds.): Political Transformations and Teacher Education Programs, Lanham/Boulder/New York/London: Rowman and Littlefield 2018, pp. 1 – 16.

„The move from authoritarian to a more democratic ruling system expresses itself in chapter 1 […] by Axel Bernd Kunze. Kunze claims that ’students ought to experience Democracy in practice while they are in School in order to develop a habitual democratic disposition‘ (this volume, ch. 1). In order to achieve this Goal, schools should function as a democratic society. This approach calls for student teachers to participate actively in their own program. In the same spirit, Kunze quotes Behrmann, who wrote that ‚democracy needs to be lived, in order that it can be learned“ (1996, p. 121).“ (Introduction, p. ix)

Der Band ist an der Universität Haifa/Israel entstanden. Der Beitrag zur deutschen Lehrerbildung beleuchtet Chancen und Grenzen von „Service Learning“ und Menschenrechtsbildung in der Lehrerausbildung, u. a. auf Basis von Erfahrungen, die der Verfasser an der Universität Trier gesammelt hat.

Tagungsbericht: Flucht- Zuwanderung – Migration

Im aktuellen Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften „Religion(en) in der Einwanderungsgesellschaft“, das in diesem Monat erschienen ist, berichtet Stephanie Steininger über das FORUM SOZIALETHIK 2016:

Stephanie Steininger: Flucht – Zuwanderung – Migration: Multidisziplinäre und normative Vergewisserungen zum Thema Migration. Bericht zum 26. Forum Sozialethik in der Katholischen Akademie Schwerte, in: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften 58 (2017), S. 319 – 325.

Aus bildungsethischer und pädagogischer Sicht fragte Axel Bernd Kunze im Rahmen der Tagung nach den Chancen und Grenzen von Integration in der Schule:

„Kontrovers diskutierten die Anwesenden über die Fragen, ob dazu der christliche Referenzrahmen aufgegeben werden soll, ein solcher heute überhaupt noch existiert, anstatt eines konfessionellen ein interreligiöser Unterricht angeboten werden soll und die Pädagogen und Pädagoginnen anstatt Theologie Religionswissenschaft studieren sollten.“ (S. Steininger, S. 322)

Der Beitrag wurde in diesem Jahr in der Zeitschrift „Katholische Bildung“ veröffentlicht:

Axel Bernd Kunze:  Chancen und Grenzen schulischer Integration, in: Katholische Bildung 118 (2017), H. 5/6, S. 116 – 125.

Neuerscheinung: Vielfalt als Normalfall?

Vielfalt als Normalfall?, fragt Axel Bernd Kunze in der aktuellen Ausgabe 12.2017 (66. Jahrgang, S. 457 – 463) von SOZIALE ARBEIT. Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete. Seine Antwort: Inklusion – so der Untertitel des Beitrags – sei als interpretierendes Prinzip zu verstehen. Der Beitrag wurde in einer Double-Blind Peer Review begutachtet. Die Zeitschrift erscheint im Eigenverlag des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI).

Axel Bernd Kunze plädiert in seinem Aufsatz für eine Auffassung von Inklusion als interpretierendes Prinzip und nicht als Ideologie des Egalitarismus. Nur wenn sich Maßnahmen zur Inklusion an individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen orientieren, kann soziale Teilhabe gelingen. Der Autor beschreibt die Voraussetzungen für eine „Inklusion mit Augenmaß“. [Ankündigung der Redaktion]