Leserbrief: Ein Tabubruch

Armin Käfer hatte am 13. Januar 2021 im Leitartikel der Stuttgarter Zeitung – nach der von Ministerpräsident Söder angestoßenen Debatte – die Problematik einer Impfpflicht thematisiert. Wie schon in der Kultuspolitik, wenn es um den Gesundheitsschutz für Lehrkräfte geht, zeigte sich auch in diesem Kommentar die problematische Tendenz, Grundrechte für bestimmte Berufsgruppen kurzerhand außer Kraft zu setzen. Für eine differenzierte, ethisch reflektierte Güterabwägung spricht dies nicht.
Interessant auch der zweite abgedruckte Leserbrief von Werner Kornmann aus Winterbach, der auf die pseudoreligiöse Erlösungsrhetorik in der aktuellen Coronadebatte hinweist: „Schon den ersten Satz ‚Nur die Impfung rettet uns‘ wird der offen-ehrliche Wissenschaftler nicht unterschreiben.“ Wer ethische Fragen zu Glaubensfragen erhebt, verweigert sich der rationalen Abwägung, verschließt das Tor für eine ergebnisoffen geführte politische Debatte und treibt die gesellschaftliche Polarisierung weiter voran.

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Ein Tabubruch (Leserbrief zu: Armin Käfer: Alarm von höchster Stelle, in: Stuttgarter Zeitung, Nr. 9, 13. Januar 2021, S. 1), in: Stuttgarter Zeitung, Nr. 12, 16./17. Januar 2021, S. 31
Es war klar, dass die Beteuerungen der Politik, es werde keine Impfpflicht geben, auf Sand gebaut waren. Ministerpräsident Söder bringt offen eine Impfpflicht für Pflegekräfte ins Spiel. Eine solche widerspricht einem christlichen Menschenbild, das auf Freiheit, Mündigkeit und Eigenverantwortung setzt. Und sie wäre angesichts der noch ungenau erforschten neuen Impfstoffe ein Tabubruch.
Zu Recht verweist Armin Käfer auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dieses Grundrecht gilt allerdings auch für Pflegekräfte. Ein Impfzwang für bestimmte Berufsgruppen ist, anders als Käfer meint, keine Frage pragmatischer Erwägung, sondern ein schwerwiegender Eingriff in den innersten Kern der Persönlichkeit. Einen solchen darf sich der Staat nicht allein aus pragmatischen Erwägungen anmaßen. Der liberale Rechts- und Verfassungsstaat wäre auf dem Weg zum autoritären Zwangsstaat.

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