Schlaglicht: 18. Januar 1871

Am 18. Januar 1871 jährt sich zum hundertfünfzigsten Mal die Gründung des deutschen Kaiserereiches. Doch Deutschland feiert lieber fünfzig Jahre Sendung mit der Maus als hunderfünfzig Jahre Gründung seines Nationalstaates. Ein armes Volk, das einen Bundespräsidenten hat, dem zur eigenen Nationalgeschmichte nichts anderes einfällt als dieses (aber die wenigsten werden es merken):
„Nach einer nationalen Feier der Reichsgründung verlangt, wie mir scheint, auch heute niemand. Der 18. Januar ist kein Datum, das im kollektiven Gedächtnis der Deutschen wirklich präsent ist. Und wer mit dem Tag der Ausrufung von Wilhelm I. zum deutschen Kaiser im Schloss von Versailles noch etwas verbindet, der hegt wohl bestenfalls zwiespältige Gefühle für ein Ereignis, dessen triumphale Geste nicht nur den unterlegenen Kriegsgegner Frankreich demütigen sollte, sondern auch ein Reich begründete, an dessen Ende erneut ein Krieg mit Frankreich stand.
Wir Deutschen stehen dem Kaiserreich heute so beziehungslos gegenüber wie den Denkmälern und Statuen von Königen, Kaisern und Feldherren aus dieser Epoche. Sie sind hier in Berlin und vielen anderen Orten zwar im Stadtbild präsent, aber sie entfalten keine prägende Kraft mehr. Es scheint eine stumm gewordene Kulisse zu sein, die den meisten nichts mehr sagt. Wiederaufgebaute Architektur wie das Berliner Stadtschloss, die auf das preußisch geprägte Reich zurückverweist, muss eine neue Identität und Bestimmung in der Demokratie erst noch finden – was schwer genug ist, wie wir alle wissen.“

(Quelle: www.bundespraesident.de)
In Österreich hingegen steht man zur Volkshymne immer noch auf, das sollte uns zu denken geben.

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