Vorankündigung: Zerreißprobe Flüchtlingsintegration

Ein Thema wird uns auch in diesem Bundestagswahljahr beschäftigen: die Folgen des Massenzustroms an Flüchtlingen, die aus Afrika, dem Nahen Osten oder dem Balkan nach Deutschland kommen. Nicht nur politisch, auch sozialethisch hat das Thema heftige, nicht zuletzt auch emotionale Debatten ausgelöst. Die Frontlinie zwischen den verschiedenene Positionen wird durch zwei Fragen abgesteckt: Wie verhalten sich in der Migrationsethik Gesinnungs- und Verantwortungsethik zueinander? Wie werden staatsethische, menschenrechtsethische und personethische Argumente gewichtet und gegeneinander abgewogen? Mitte Januar wird in der Reihe „Theologie kontrovers“ ein Diskussionsband erscheinen, der die Konfliktlinien innerhalb der Sozialethik sichtbar machen und miteinander ins Gespräch bringen will:

Marianne Heimbach-Steins (Hg.): Zerreißprobe Flüchtlingsintegration, Freiburg i. Brsg.: Herder 2017.

Gefragt wird unter anderen: Wo stößt Gastfreundschaft an Grenzen? (Axel Bernd Kunze); Kann Religion eine Integrationsressource sein? (Daniel Bogner) oder: Hindernis oder Ressource? Die Rolle des Islams für die Integration von Flüchtlingen? (Hansjörg Schmid). Der Band der Münsteraner Sozialethiker schließt an einen Vorgängertitel „Begrenzt verantwortlich? Sozialethische Positionen in der Flüchtlingskrise“ von ihr an, der bereits 2016 erschienen ist.

Eine Inhaltsübersicht und eine Leseprobe zum neuen Band finden sich auf den Verlagsseiten:

https://www.herder.de/media/leseprobe/978-3-451-37618-4/html5.html

 

 

Themenangebote für Vorträge und Seminare

Sie suchen einen Referenten für eine Vortrags-, Seminar- oder Fortbildungsveranstaltung? – Im Folgenden finden Sie einige Themenangebote für Vorträge oder Seminare. Diese verstehen sich lediglich als Beispiele; weitere Inhalte sind nach Absprache selbstverständlich möglich. Weitere Informationen und Referenzen finden Sie in diesem Weblog unter der Seite „Vorträge“. Bei Interesse freue ich mich auf Ihre Anfrage (Honorar nach Vereinbarung). Sie erreichen mich unter Kunze-Bamberg[at]t-online.de.

Als Geschäftsführer des DFG-Projekts „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ habe ich den Aufbau einer eigenständigen Sozialethik der Bildung intensiv begleitet. Als promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler beschäftige ich mich vor allem mit Fragen aus dem Feld der Bildungs-, Menschenrechts-, Politik- und Demokratieethik.

Bildung auf Weltniveau? – Globales Lernen
Die „Agenda 21“, beschlossen von den Vereinten Nationen, fordert nicht weniger als eine „Neuausrichtung der Bildung“ mit dem Ziel, ein ökologisches und ethisches Bewusstsein sowie Werte, Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu schaffen, die mit einer „nachhaltigen
Entwicklung“ vereinbar sind. Wie kann Globalisierung als Bildungsaufgabe begriffen werden? Welche Rolle spielen die Bildungssysteme im Prozess der Globalisierung? Welche didaktischen Fragen stellen sich beim Globalen Lernen? Was bedeutet Globales Lernen für das Selbstverständnis von Pädagogen?

Wie sollen wir mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen? – Interkulturelle Pädagogik
Die Vielfalt in Kindertageseinrichtungen und Schulen ist deutlich größer geworden. Kinder aus unterschiedlichen Kulturen oder Religionen treffen aufeinander. Viele Eltern und Kinder bringen unterschiedliche Migrationserfahrungen mit. Wie können Erzieher, Pädagogen und Lehrer das interkulturelle Miteinander gestalten und Diskriminierungen vorbeugen? Wie können sie Kinder befähigen, mit kultureller Vielfalt angemessen umzugehen?

Sind Bildungsfragen Gesellschaftsfragen? – Demokratiepädagogik
Dass Bildungsfragen eine über den Bereich der Pädagogik hinausgehende Bedeutung besitzen brachte der „Altmeister“ der Didaktik, Wolfgang Klafki, auf die Formel: „Bildungsfragen sind Gesellschaftsfragen.“ Die Formel ist, wie Klafki selbst ausführt, mehrdeutig. Bildung und Erziehung helfen dem Einzelnen, seine Möglichkeiten bestmöglich zu entfalten und mitbestimmungsfähig zu werden. Wenn sich Gesellschaft beständig verändert, ist der pädagogische Anspruch auf Mitbestimmungsfähigkeit für jeden Einzelnen bildungspolitisch immer wieder einzufordern sowie in Theorie und Praxis der Pädagogik beständig neu auszulegen. Näher zu bestimmen bleibt, welche Aufgaben der Pädagogik im demokratischen Gemeinwesen zufallen und was diese für den Erhalt und die Gestaltung der Demokratie zu leisten vermag.

Ist Bildung ein Menschenrecht? – Bildungsethik und Menschenrechtsethik
Bildung ist ein Menschenrecht – so formuliert es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948. Bildung sichert dem Einzelnen die Möglichkeit, Autor des eigenen Lebens zu sein. Gleichzeitig ist Bildung eine unverzichtbare Voraussetzung für die aktive Teilnahme am sozialen Leben. Wie weit reicht ein Recht auf Bildung? Wie kann Bildungsgerechtigkeit gesichert werden? – Gleichzeitig sind die Menschenrechte auf die Förderung durch pädagogisches Handeln angewiesen. Menschenrechtsbildung, die bereits im Kindergarten beginnen soll, ist zentraler Bestandteil einer gelebten Kultur der Menschenrechte.

Umbruch im Bildungssystem: Kompetenzen – und ihre Folgen
Unser Bildungssystem hat in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht bekommen, heißen die Reforminstrumente PISA, Bologna-, Lissabon- oder Kopenhagenprozess. Nicht alle Umbrüche liegen dabei so offen zu Tage wie die Abschaffung des Diploms oder die Modularisierung des Studiums. Weniger auffällig und von vielen nicht hinreichend ernstgenommen, haben Veränderungen im Bildungsverständnis in Schule und Hochschule Raum gegriffen, die gesellschaftlich nicht folgenlos bleiben werden. Zwar ist der schon oft totgesagte Bildungsbegriff seit der ersten PISA-Studie vor nicht ganz fünfzehn Jahren bildungspolitisch in aller Munde; die Hauptrolle in Unterricht und Lehre spielen heute aber „Kompetenzen“.

Braucht Religion Bildung? Braucht Bildung Religion?
Unsere Gesellschaft ist pluraler geworden. Ein Ethos der Toleranz wird für das gesellschaftliche Miteinander immer wichtiger. Welche Rolle spielt dabei die Religion? Wie kann das Verhältnis zwischen Bildung und Religion pädagogisch wie ethisch verantwortlich ausgestaltet werden? Welchen Stellenwert nimmt religiöse Bildung in der öffentlichen Schule ein? Wie sollte in der öffentlichen Schule
über Religion gesprochen werden? Inwiefern kann die staatliche Schule weltanschaulich neutral sein? Welche gesellschaftliche Bedeutung besitzen religiöse Lernprozesse?

Ethische Konflikte in Pädagogik und Sozialer Arbeit
Was im neunzehnten Jahrhundert als ehrenamtliche Armenfürsorge begann, ist Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf dem Weg zur ambitionierten Menschenrechtsprofession. Einen entscheidenden Schritt auf diesem Weg stellt die Definition dar, auf die sich die Internationale Vereinigung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter (IFSW) 2001 verständigte: „Soziale Arbeit ist eine Profession, die sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen sowie die Ermächtigung und Befreiung von Menschen fördert, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. […] Dabei sind die Prinzipien der Menschenrechte und sozialer Gerechtigkeit für die Soziale Arbeit von fundamentaler Bedeutung.“ Damit sind die zwei zentralen ethischen Prinzipien einer Berufsethik Sozialer Arbeit benannt: Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. – Was kann eine Berufsethik Sozialer Arbeit leisten? Wie können ethische Konflikte im Team besprochen werden?

Parteien zwischen Affären und Verantwortung
Die Parteien stecken bis heute in der Krise. Zahlreiche Affären haben ihren Ruf beschädigt. Immer weniger wird ihnen zugetraut, die politischen Probleme zu lösen. Die Parteienkonzentration hat abgenommen. Die traditionellen Milieus schwinden; die Zahl der Mitglieder sinkt. – Hat sich die klassische Mitgliederpartei überlebt? Welche Funktion erfüllen Parteien? Welche Verantwortung sollten Parteien übernehmen? Wie können die Parteien kontrolliert werden? Gibt es Alternativen zu den Parteien?

Gleichgeschlechtliche Lebensformen – Und was sagt die Kirche dazu?
Papst Franziskus hat große Erwartungen geweckt, als er im Oktober 2014 in Rom eine außerordentliche Bischofssynode „zu den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ einberief. In westlichen Ländern erhoffen sich nicht wenige, die katholische Kirche werde sich zu einer Neubeurteilung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften durchringen. Orte, an denen Homosexuelle in der Kirche bereits heute selbstbewusst ihren Glauben leben, sind die verschiedenen schwul-lesbischen Gottesdienstgemeinschaften, die seit den Neunzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts in einzelnen Städten entstanden, zumeist auf Basis einer befreiungstheologischen Orientierung. Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen theologisch verstanden werden? Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen beziehungsethisch neu verstanden werden?

… damit unser Tun nicht ins Leere läuft.
Was bietet das neue „Gotteslob“ für die Feier der Tagzeiten in der Gemeinde?
Zurückgehende Priesterzahlen und die Zusammenlegung von Pfarreien haben dazu geführt, dass der tägliche Gottesdienst in vielen Kirchen nicht mehr stattfindet. Die gemeinsame Feier der Tagzeiten am Morgen oder Abend kann einer Austrocknung des liturgischen Lebens entgegenwirken. Die Tagzeiten sind ein wichtiges öffentliches Zeugnis, das wir als Kirche der Welt schulden. Die Tagzeiten geben unserem Leben Richtung und Gleichgewicht, sie bewahren uns vor einam falschen Aktionismus. Eucharistie und Tagzeiten ergänzen sich wie zwei Säulen, auf denen das liturgische Leben einer Gemeinde aufruht. Welche Hilfen bietet das neue „Gotteslob“ an, die Tagzeiten als regelmäßige Feier ins Bewusstsein der Gemeinde zu heben?

Neue Fortbildung für Kinderpfleger und Kinderpflegerinnen

Sie kommen aus Baden-Württemberg und sind staatlich anerkannte Kinderpflegerin oder staatlich anerkannter Kinderpfleger mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung? Dann gibt es ein neues Fortbildungsangebot, das für Sie interessant sein könnte: Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt beginnt Ende Februar 2017 eine neue Fortbildung (im Umfang von 60 Stunden), mit der Sie sich für die Übernahme einer Gruppenleitung qualifizieren können.  Möglich wird dies durch eine Anpassung im Kindertagesbetreuungsgesetz, mit der das Kultusministerium auf den bestehenden Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen reagiert hat. Die Fortbildung entspricht den gesetzlichen Grundlagen nach Paragraph 7 Absatz 6 Nr. 4.2.C Kindertagesbetreuungsgesetz.

Die Fortbildung umfasst zehn Kurstage (vorwiegend samstags) und läuft vom 25. Februar 2017 bis 25. November 2017. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein qualifiziertes Zertifikat. Die Kosten für die Fortbildung betragen (einschließlich Verpflegung) 975 Euro.

Die Fortbildung vermittelt u. a. Kompetenzen zur Übernahme einer eigenverantwortlichen Gruppenleitung, zum Umgang mit rechtlichen Grundlagen, zur Anregung und Begleitung kindlicher Bildungsprozesse, zur Beobachtung und Dokumentation von Lern- und Entwicklungsprozessen, zur Kooperation mit Eltern und Trägern, für die Team- und Qualitätsentwicklung oder zur Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen.  Die zehn Module werden von Dozentinnen und Dozenten der Fachschule oder Referentinnen und Referenten aus der sozialpädagogischen Praxis geleitet.

Weitere Informationen finden Sie hier. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: fsp@grossheppacher-schwesternschaft.de.

Nachqualifizierungsfortbildung abgeschlossen

Der Fachkräftemangel im Bereich frühkindlicher Bildung und Erziehung ist weiterhin groß. Das überarbeitete Kindertagesbetreuungsgesetz in Baden-Württemberg ermöglicht es daher bestimmten Berufsgruppen, beispiels­weise Ergo- und Physiotherapeuten oder Kinderkrankenschwestern und Hebammen, sich für eine Tätigkeit als Pädagogische Fachkraft in einer Kindertageseinrichtung nachqualifizieren zu lassen. Dreißig Teilnehmerinnen haben im vergangenen Jahr diese Möglichkeit an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt genutzt. Von Dezember 2015 bis November 2016 beschäftigten sie sich zum Beispiel mit den Bildungs- und Entwicklungsfeldern des Orientierungsplans, mit Interkultureller Pädagogik, Globalem Lernen und Erlebnispädagogik, mit Eingewöhnungskonzepten und Bindungstheorie oder mit Hygiene­vorschriften, die es im Kindergarten zu beachten gilt. Pädagogisch geleitet wurde die Fortbildung von Gesamtschulleiter PD Dr. Kunze. Die Referentinnen und Referenten waren Mitglieder des Kollegiums der Fachschule oder erfahrene Experten aus der sozialpädagogischen Praxis. Inzwischen hat ein neuer Fortbildungskurs zur Nachqualifizierung Pädagogischer Fachkräfte in Kindertages­einrichtungen begonnen.

Beutelsbach: Wanderweg mit langer Geschichte

Das Landgut Burg, Geburtsort des bis heute für die politische Bildungsarbeit maßgeblichen „Beutelsbacher Konsenses“, und der Ortskern von Beutelsbach im Remstal sind seit einiger Zeit durch einen Wanderweg  verbunden, der schöne Ausblicke ins Remstal bereit hält. Dabei handelt es sich um eine alte Verbindung: Bereits 1830 wurde der Weinbergsweg urkundlich erwähnt. Auf Initiative des Bündnisses für Streuobstwiesen Weinstadt ist der alte, längt zugewachsene Stäffelesweg wieder freigelegt worden. An der Freilegung des historischen Wirtschaftsweges beteiligten sich seinerzeit auch Klassen aus dem ersten Ausbildungsjahr der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt. Gemeinsam mit ihren Klassenleitungen brachten die angehenden Erzieherinnen und Erzieher in der damaligen Einführungswoche unter dem Motto „Wir bringen uns ins Spiel!“ viel Schweiß, Kraft und Ausdauer für diese Aufgabe ein. Das Projekt führte die Schülerinnen und Schüler zu Beginn ihrer Ausbildung zu einer Klassengemeinschaft zusammen. Zugleich konnten die beiden beteiligten Klassen eigene Entdeckungen in einer lange gewachsenen Kulturlandschaft sammeln. Künftig soll der Profilbereich Natur- und Umweltpädagogik weiter ausgebaut werden, beispielsweise durch den Aufbau eines „Grünen Klassenzimmers“.

„Salon Launer“ öffnet seine Türen

„Salon Launer“ nennt sich ein neues Weblog, das zur freigeistigen Auseinandersetzung einladen will. Sein Betreiber, Peter Launer,  beschreibt sein Anliegen, das er mit seinem Weblog verfolgt, folgendermaßen:

„So auch dieser Blog, der an Zeiten anknüpft, welche den Salon als Mittelpunkt des kreativen Lebens, der Vielfalt und des Neuen inmitten dem althergebrachten zu verknüpfen wusste. Daher auch der Name Salon Launer, immer gut bestückt um die Musen des Elysiums besser ertragen zu können. Gerne Bechstein, Blüthner oder Bösendorfer Imperial.

‚Diese Netzseite sammelt daher alles rund um das gesellschaftliche und politische Leben aus der Sicht eines Stuttgarter Urgesteins.‘

Leserbriefe, Kommentare zu tagespolitischen Phänome, kurz und prägnant sowie gesellschaftliche Veranstaltungen aus der bürgerlichen Restmitte werden hier gefunden.“

Den „Salon Launer“ finden Sie hier.

Bibliographie zu Karl Barth

„The Center for Barth Studies“ am Theologischen Seminar in Princeton führt online eine Bibliographie zu Neuerscheinungen über Karl Barth. Für 2016 ist auch der Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gelistet worden. Unter den vorgestellten korporierten Sozialdemokraten findet sich auch Karl Barth. Die Bibliographie ist online abrufbar:

http://barth.ptsem.edu/research/new-and-forthcoming

Randnotiz: Weihnachten – das Fest der guten Beispiele

Bundespräsident Joachim Gauck warnt in seiner Weihnachtsansprache (vgl. F.A.Z. v. 24.12.2016, S. 2) davor, „Politiker pauschal zu Schuldigen“ zu erklären. Die etablierten Parteien sind dieses Jahr mit gutem Beispiel vorangegangen – und haben in den diesjährigen Landtagswahlkämpfen die AfD von vornherein als Gesprächspartner pauschal diskreditiert.

Der Bundespräsident fordert in seiner Weihnachtsansprache, keineswegs auf eine Auseinandersetzung über die Flüchtlingspolitik zu verzichen. Der Jubiläumskatholikentag von Leipzig ist in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangegangen – und hat die Auseinandersetzung über Alternativen von vornherein verweigert, indem Vertreter der AfD gleich ganz ausgeladen wurden.

Der Bundespräsident erklärt in seiner Weihnachtsansprache, der Terror sei „plötzlich“ zu uns vorgedrungen. So als habe es warnende Stimmen nicht schon seit längerem gegeben. Erinnert sei nur an die Beiträge der beiden SPD-Politiker Thilo Sarrazin und Richard Schröder in der F.A.Z, die in diesem Sommer erschienen sind (F.A.Z. v. 15. u. 22.08.2016).

Ob der Bundespräsident bei seiner Weihnachtsansprache an diese Beispiele gedacht hat!? Wer die „Gräben in unserer Gesellschaft“ nicht vertiefen will, sollte sich für einen fairen und freiheitlichen demokratischen Diskurs einsetzen. Gerade ein Bundespräsident, dem das Thema Freiheit am Herzen liegt, könnte hier als Vorbild wirken. Dafür müsste Gauck aber den Mut aufbringen, sich vom Konsens der Großen Koalititon auch einmal abzusetzen.

Jetzt – da die Weihnachtstage vergangen sind – wird über die Konsequenzen aus dem Berliner Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz diskutiert (vgl. F.A.Z. v. 28.12.2016, S. 4: „Auf Nummer Sicher gehen“) Die Migrationskrise hat gezeigt, dass die Europäische Union – wenn auch von den Eliten vielfach als solche beschworen – alles andere als eine Schicksalsgemeinschaft darstellt. Schengensystem und Dublinabkommen sind gescheitert. Für das Aufrechterhalten gemeinsam gelebter Freiheit ist es keinesfalls unerheblich, wenn der Nationalstaat schwindet. Denn wo Verbundenheit, wechselseitig übernommene Verpflichtungen und gegenseitiges Vertrauen fehlen, greifen Kontrolle und Regulierung immer stärker um sich und schwinden private Rückzugsräume. Wer – wie die gegenwärtige Bundesregierung – nicht mehr bereit ist, die Grenzen des eigenen Staates wirksam zu sichern und die Identität des eigenen Staatsvolkes aufrecht zu erhalten, muss immer mehr Grenzen, Kontroll- und Überwachungssysteme im Inland einrichten und immer stärker in die Privatsphäre der eigenen Bürger eingreifen.

Gesegnete Weihnachten und alles Gute zum neuen Jahr

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander:

Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen,

die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles,

was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt worden war.

 Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden mußte,

gab man ihm den Namen Jesus,

wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

(Lk 2, 15 – 21)

Allen Lesern und Leserinnen meines Wissenschaftsweblogs zur Bildungsethik wünsche ich von Herzen gesegnete Weihnachten, erholsame Feiertage sowie alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen für das neue Jahr.

Ich verbinde diesen Gruß mit einem herzlichen Dank für Ihr Interesse an meinen Beiträgen zu einer Sozialethik der Bildung und freue mich auch im neuen Jahr auf den bildungsethischen Austausch mit Ihnen. Wenn die folgenden Gedanken aus dem vergangenen Schuljahr unserer Fachschule einige Akzente für die kommende Weihnachtszeit setzen könnten, würde ich mich freuen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Axel Bernd Kunze

 

Predigt in der Christfeier der Großheppacher Schwesternschaft am 18. Dezember 2015:

„Unterm Strich zähl ich.“ – So warb eine große Bank sechs Jahre lang um Kunden. Und traf damit den Nerv der Zeit. Die Bank verspricht, die Bedürfnisse des Einzelnen zu befriedigen – schnell, leicht und zu guten Konditionen. Wer wünschte sich das nicht. Schnelle Bedürfnisbefriedigung steht hoch im Kurs. Wir sprechen gern von Dienstleistungsgesellschaft und erwarten, dass unsere Gefühle und Wünsche unmittelbar erfüllt werden – schließlich zahlen wir dafür. Warum warten. Schließlich habe ich ein Recht, und das darf ich einfordern. Schließlich bin ich „einzigartICH“, wie dieselbe Bank in ihrer Werbekampagne behauptet.

Gewiss, die Diagnose mag überzeichnet sein. Aber Sie haben es in der Praxis vielleicht auch schon erlebt, wie schwer es manchen Kindern fallen kann zu warten. Schnelle Befriedigung bringt vielleicht kurzfristig Gewinn, führt aber nicht unbedingt langfristig zum Ziel. Leistung, Erfolg und Können fallen nicht vom Himmel – das wissen Sie als angehende Erzieherinnen und Erzieher. Hierfür braucht es Durchhaltevermögen, beharrliches Einüben und Zeit zum Reifen.

Dies alles gilt auch für den Glauben. Dieser ist etwas anderes als die schnelle Befriedigung spiritueller Bedürfnisse, damit das Ich sich wohlfühlen kann. Glaube ist nicht die schnelle Antwort auf alle Fragen. Der Glaube ist nichts Fertiges, er fällt nicht vom Himmel. Auch Glaube bedarf der Einübung, Reifung und Vertiefung. Wie leicht passiert es, dass der Glaube aus Kindertagen einfach abgelegt wird – weil er nicht „mitgewachsen“ ist, weil er nicht vertieft wurde, weil er dann mit zunehmendem Alter banal wirkt und nicht mehr trägt.

Im Evangelium begegnen uns an der Krippe Menschen, die uns zeigen können, was Glauben ausmacht. Es sind Menschen, die sich vom Weihnachtsgeschehen haben treffen lassen, die im wahrsten Sinne des Wortes betroffen sind.

Da sind zum einen die Hirten, die zur Krippe eilen, nachdem ihnen Großes angekündigt worden war. Was treibt sie an? Entscheidend für Lukas ist, dass sie sich von Gott in Eile versetzen lassen – so wie schon Maria ein Kapitel zuvor zu ihrer Verwandten Elisabet geeilt ist. Es sind nicht ihre eigenen Bedürfnisse, die sie antreiben, sondern die größere Sehnsucht auf das, was von Gott her verheißen ist. Was versetzt uns in Eile? Versetzt Gott uns noch in Eile? Oder sind es nicht eher ganz andere Dinge, die uns alles stehen und liegen lassen?

Dabei ist das „Zeichen“, auf das die Hirten achten sollen, durchaus unscheinbar. Versprochen ist ihnen nicht ein machtvolles Zeichen, durch das  Gottes Herrlichkeit mit Pauken und Trompeten sichtbar wird. Es geht eher um ein Erkennungszeichen: ein kleines Kind in Windeln. Sie kennen das, wenn sie in der Krippe arbeiten. Nichts Spektakuläres also, kein Zeichen, das einzigartig wäre oder das menschliche Sensationsbedürfnisse stillen könnte. Doch die Hirten lassen sich darauf ein. Sie trauen dem, was sie gesehen haben – und zwar von innen her gesehen haben. Sie spüren die tiefere innere Freude, die von diesem Kind ausgeht. In dieser Freude kehren sie zurück und teilen anderen davon mit.

Da ist zum anderen Maria, die weiß, dass hier Geschehnisse Gottes am Werk sind. Diese sind nicht auf einmal fassbar. Sie rufen zunächst Entsetzen, Betroffenheit und Nachdenklichkeit hervor – so hat es Lukas ebenso bei der vorangegangenen Geburt Johannes des Täufers berichtet. Auch Maria vermag nicht, im ersten Moment alles zu begreifen. So verschweigt das Neue Testament nicht, wie die Verwandten einmal kommen, um Jesus zu holen – die Begründung ist drastisch: weil sie Jesus für verrückt halten.

Lukas zeigt, wie auch Maria Zeit braucht, den Weg ihres Sohnes zu verstehen. Sie hört die Worte der Hirten und sinnt darüber nach. Glaube heißt nicht, sich vom Gefühl des Augenblicks, von einem unmittelbaren Bedürfnis emotional überwältigen zu lassen. Glaube gründet in etwas, wovon wir zutiefst überzeugt sind – mit Herz und Verstand. Nur so kann sich ein vertieftes Verständnis des Glaubens entwickeln, das sich dann auch im Tun verwirklicht.

Lukas macht im weiteren Verlauf seines Evangeliums deutlich, dass dieser Weg die wahre Zugehörigkeit zur Familie Jesu eröffnet: auf sein Wort zu hören, darüber nachzudenken und daraus zu handeln. Maria geht diesen Weg. Gerade deshalb kann sie uns ein Vorbild des Glaubens sein. Schließlich wird sie nach Ostern zu einer der zentralen Gestalten der jungen christlichen Gemeinde.

Glaube bedarf der Übung, er muss reifen – im beständigen Nachsinnen über Gottes Geschehnisse. Nur so können wir das Wesentliche des Glaubens aus unserem Inneren heraus immer tiefer erfassen. Das können wir von Maria lernen. Die Weihnachtszeit, die vor uns liegt, ist eine neuerliche Einladung, über das nachzudenken, was für uns wichtig und bedeutsam ist, eine Zeit, in der unser Glaube weiter wachsen und reifen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete Weihnachtstage, erholsame Feiertage mit viel Muße sowie einen guten Jahreswechsel.

(PD Dr. Axel Bernd Kunze, Gesamtschulleitung der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt)