Schlaglicht: Studentenverbindungen – noch aktuell?

„Wer erlebt hat, wie aktive Studenten gebrechliche ‚alte Herren‘ im regelmäßigen Besuchsdienst aufmunterten, wird das mit Respekt in Erinnerung behalten. Die Werte dieser Vereine muss nicht jeder teilen. Manche definieren sich als katholisch, manche reden von Ehre und Vaterland; schließlich gibt es ja auch sozialistische Studentenbünde. Wenn erwachsene Menschen Schmisse im Gesicht sozusagen Tattoos aus dem 19. Jahrhundert , für einen Schmuck halten, sie ihnen das unbenommen. Wenn man das Vereinswesen nur mit Männern beziehungsweise nur mit Frauen pflegen will – bitte. Auch das soll jeder nach seiner Facon selig werden.“

Stephan Löwenstein im Leitartikel der Frankfurter Allgemeinen vom 5. Februar 2018 

Neuerscheinung: Herausforderndes Verhalten von Kindern

Verschiedene Fachschulen und Kindertageseinrichtungen – darunter auch die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt – waren im Rahmen des Transferverbundes Kindheitspädagogik unter Leitung der Evangelischen Hochschule Freiburg (Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff) am Forschungsprojekt „Herausforderndes Verhalten von Kindern“ (HeVeKi) beteiligt gewesen. Ziel des Projektes war es, ein Curriculum für die Weiterbildung Pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu erarbeiten und unterrichtspraktisch zu erproben. Inzwischen liegen die Projektergebnisse in gedruckter Form vor:

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse und Claudia Tinius: Herausforderndes Verhalten von Kindern professionell bewältigen. Ein Curriculum für die Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen (Materialien zur Frühpädagogik; 20), o. O. (Freiburg i. Brsg.) 2017.

Schlaglicht: Individualität schreibt …

Tilman Allert bricht anlässlich des Internationalen Tages der Handschrift im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen vom 23. Januar 2018 die Lanze für ein bedrohtes Kulturgut. Brauchen wir im Zeitalter von Computer und Tastaturen, von Smartphone und SMS noch das Schreiben mit der Hand? Wäre es nicht besser, die Schüler würden ihre Zeit auf Wichtigeres verwenden als Schwungübungen und Schönschrift? Nicht wenige wissenschaftliche Stimmen empfehlen dies. Und tatsächlich befindet sich das Einüben der Handschrift in den Grundschulen schon seit Längerem auf dem Rückzug. Und wer in höheren Klassen unterrichtet, merkt, dass es Schülern zunehmend schwer fällt, Tafelbilder in Schreibschrift nachzuvollziehen. Kulturgüter, die nicht mehr gelehrt und gepflegt werden, sterben aus.

„Bedenken second“, hieß es im Wahlkampf gegenüber der Digitalisierung. Der Sozialpsychologe Allert lässt sich von diesem Trend der Debatte nicht einschüchtern und hält dagegen: „Das eigene Schreiben spiegelt dem Schreiber ein komplexes Erleben. Es erschließt den Sinn der Welt in eigener Fasson.“ Auch wenn kein Erwachsener mehr so schreibt, wie er es einst in der Grundschule gelernt hat, geht mit dem Aussterben der Handschrift mehr verloren, als eine beliebig austauschbare Technik, sich anderen mitzuteilen.

Die Handschrift bleibt ein unverwechselbarer Teil der eigenen Persönlichkeit. Was selbst geschrieben wurde, prägt sich besser ein. Aber mehr noch: Wer Heranwachsenden die Möglichkeit des individuellen Ausdrucks nimmt, verkauf ihre Individualität unter Wert, der reduziert den Menschen auf ein austauschbares Element im digitalen Netzwerk. Wer übt, mit der Hand zu schreiben, lernt, „Ich“ zu sagen. Noch einmal Allert: „Das eigene Selbst graphologisch ausweisen zu können lässt die ungeheure Kraft einer Geste erahnen, sich mit Geschriebenem Gehör zu verschaffen. Man ist mithin, selbst wenn man abwesend ist, anwesend.“ Was aber, wenn dies gar nicht mehr gewollt ist!? Wer Individualität und Kreativität, freien Geist und schöpferische Produktivität will, sollte die Handschrift fördern – diese Bedenken sollten wir uns leisten, sonst wären wir schnell bei einer Gesellschaft, die über Konvention und Plagiat nicht mehr hinauskommt.

Kommentar: Verbeamtete Lehrer – „Unfug“ oder Garanten eines handlungsfähigen Staates?

Das Bundesverfassungsgericht muss darüber entscheiden, ob verbeamtete Lehrer weiterhin einem Streikverbot unterliegen sollen. Im Hintergrund der Klage steht eine Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes – und damit die Frage, ob Deutschland sein Beamtenrecht im Zuge der europäischen Einigung anpassen muss. Die Kläger führen an, dass ein Streikverbot nur dann gelten dürfe, wenn Beamte – wie etwa Polizisten – im Namen des Staates Zwang anwendeten.

Einmal mehr zeigt sich, dass über die Frage, was eine hoheitliche Tätigkeit ist, keine Einigkeit besteht, weder juristisch noch politisch oder gesellschaftlich. Heike Göbel hat in der F.A.Z. vom 18. Januar 2018 der deutschen Tradition, Lehrer zu verbeamten, recht platt das Etikett „Unfug“ umgehängt, verbunden mit der Unterstellung, die Verbeamtung verhindere Motivation und Leistungsbereitschaft in der Lehrerschaft.

Wer den Staat nur noch als Agentur betrachtet, die private Bedürfnisse befriedigt und für ein glückliches Leben zu sorgen habe, mag sich vielleicht schwer vorstellen, dass Lehrer Aufgaben von hoheitlicher Qualität ausführen. Dies gilt erst recht für Deutschland, in dem das Bildungs- und Berechtigungswesen eng miteinander verflochten sind. Lehrer vergeben formale Bildungszertifikate. Zum einen nehmen sie damit nicht unerheblich Einfluss auf den Lebensweg des Einzelnen; dies wird schnell deutlich, wenn Eltern Leistungsbeurteilungen ihrer Sprösslinge mit dem Rechtsanwalt zu Fall bringen wollen. Zum anderen übernehmen sie Gewähr dafür, dass bestimmte Berufe nur von jenen ergriffen werden können, die auch die notwendige Qualifikation mitbringen. Lehrer können diese Aufgaben nur dann angemessen ausfüllen, wenn sie vor Einflussnahme von außen geschützt sind und ein hohes Maß an pädagogischer Freiheit genießen. Die Verbeamtung ist hier nicht der schlechteste Weg.

Immer häufiger, so auch in diesem Fall, sollen überkommene Traditionen ohne erkennbare Not über Bord geworfen werden. Die Frage nach einem handlungsfähigen Staat tritt in den Hintergrund. Wir sollten diese Frage nicht erst dann stellen, wenn angestellte Lehrer demnächst tatsächlich in Prüfungsphasen einmal streiken werden.

Schlaglicht: Universität Greifswald legt nun doch den Namen Ernst Moritz Arndt ab

Die Greifswalder Universität legt nun doch den Namen Ernst Moritz Arndt ab. Siebenundzwanzig von fünfunddreißig Senatoren der Hochschule stimmten für diesen Beschluss. Die Namensänderung war schon einmal im Januar 2017 beschlossen worden, war damals aber vom zuständigen Ministerium wegen formaler Mängel wieder kassiert worden. Der jetzige Beschluss sieht als Kompromiss vor, dass der Namenszusatz in bestimmten Fällen optional weiter verwendet werden darf. Der Fraktionsvorsitzende der Alternative für Deutschland im Schweriner Landtag, der Greifswalder Abgeordnete Leif Erik Holm, kritisierte die Entscheidung als „Bilderstürmerei“.

Lesen Sie hier einen früheren Kommentar zum Namensstreit an der Greifswalder Universität:

https://bildungsethik.wordpress.com/2017/04/06/veroeffentlichung-geschichtliches-erbe/

Rezension: Menschenrechte – Einführung mit Dokumenten

2018 jährt sich die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum siebzigsten Mal: „Menschenrechte werden nicht mehr als exklusive Angelegenheit nationaler Staaten erachtet, sondern als Aufgabe der Völkergemeinschaft in Form der Vereinten Nationen“ (S. 58). Der Aufbau eines internationalen Menschenrechtsregimes hat nach Ende des Ost-West-Gegensatzes noch einmal deutlich an Dynamik gewonnen. Bis heute setzt sich der Ausbau der Menschenrechte fort. Der Magdeburger Menschenrechtspädagoge K. Peter Fritzsche hat vor diesem Hintergrund sein bekanntes Lehrbuch zu den Menschenrechten in dritter Auflage aktualisiert und an neuere Entwicklungen im Menschenrechtsschutz angepasst.

Eine Besprechung der Neuauflage des Lehrbuchs aus der Feder von Axel Bernd Kunze finden Sie im Onlineportal Socialnet:

https://www.socialnet.de/rezensionen/22389.php

Karl Peter Fritzsche: Menschenrechte. Eine Einführung mit Dokumenten, Stuttgart 2016, 3., erweiterte und aktualisierte Auflage, 410 Seiten. ISBN 978-3-8252-4487-3.

Neujahrsimpuls

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

(Offenbarung 21,6 – Jahreslosung 2018)

„TOP-Nebenverdienst ohne großen Aufwand“; „Sie gehören zum auserwählten Kreis der Gewinnberechtigten. Sie müssen nicht viel tun, dann können Sie vielleicht schon bald 100.000 Euro gewinnen …“; „Erinnern Sie sich noch an unser Preisausschreiben. Sie haben zwar leider nicht gewonnen, aber wir haben dennoch ein tolles Angebot für Sie …“; „Ein exklusives Angebot, nur für kurze Zeit …“ – Möglicherweise kennen Sie diese oder ähnlich verlockende Angebote aus Werbeanrufen und Spammails. Das schnelle Geld, der unerwartete Gewinn, der beste Sex, das preisgünstigste Angebot … sind nahezu tägliche Begleiter, wenn wir den elektronischen Briefkasten öffnen. Doch wir sind inzwischen gewarnt: Der vermeintliche Gewinn ist nur ein Lockmittel, das Angebotene ist überteuert, die Versprechen sind moralisch fragwürdig. Wir sind zu Recht misstrauisch geworden.

Und was hören wir in der neuen Jahreslosung!? Kommt, ich will euch zu trinken geben, ganz umsonst. Lebendiges Wasser, ganz umsonst. Ja, zugegeben: Freibier lässt sich wohl keiner gern entgehen. Aber wie schon gesagt: Wir sind gewarnt. Das kann doch nicht möglich sein. Irgendwo ist da bestimmt ein Haken dabei! Auf diesen Marktschreiertrick falle ich nicht herein. Umsonst – so weiß der Volksmund – ist schließlich nur der Tod; und der kostet bekanntlich das Leben.

Allzu verführerisch wirkt oftmals die schnelle Befriedigung, als dass wir uns ihr entziehen könnten. Allzu oft fallen wir dann doch auf leere Versprechen herein und kaufen Brot, das uns nicht satt macht, und trinken Wasser, das schon abgestanden ist. „Alles – ich – sofort“ – so hat der Pädagoge Bernhard Bueb vor einigen Jahren in seiner heftig diskutierten Streitschrift „Lob der Disziplin“ das Lebensgefühl unserer Zeit umrissen.

Alles sofort besitzen und beherrschen zu wollen, sind als Versuchungen so alt wie die Menschheit – das lehrt uns auch die Bibel. Doch das scheinbar so billige Schnäppchen, der rasche Konsum, die seichte Berieselung, das billige Vergnügen, der ultimative Kick, das krasse Event … – sie alle halten oft nicht, was sie versprechen. Statt der erhofften und – mitunter so bitter notwendigen – Erholung für Körper, Seele und Geist ereilen uns dann später das böse Erwachen und der Kater am Morgen danach; wir fühlen uns nicht frisch und ausgeruht, sondern im Gegenteil müde und abgespannt.

Doch der Seher der Offenbarung, der hier spricht, lässt nicht locker. Er ruft uns auf, genauer hinzuhören, was Gott verspricht. Es geht um ein Wasser, das anders ist – das erfrischt; das lebendig ist; das uns neu belebt; das unsere Sehnsucht weckt, dass es noch etwas anderes geben kann – eine Verheißung, die weiter reicht als unser Leben, die unseren Horizont weitet – auf Gottes größere Möglichkeiten hin.

An diese Sehnsucht appelliert der Verfasser der Offenbarung, des letzten Buches im Neuen Testament. Als Christen glauben wir, dass sich in der Geburt Jesu Christi, die wir vor einigen Tagen gefeiert haben, Israels uralte Verheißungen erfüllten und dass das Reich Gottes bereits heute sichtbar Gestalt annimmt, unter uns. In Jesus Christus erkennen wir, welche Möglichkeiten der Mensch hat; welche Berufung er in sich trägt – die Berufung zu einem wahren, erfüllten Leben in der Gemeinschaft mit Gott.

Der Himmel steht uns offen und wird für uns zur Quelle, zur Quelle lebendigen Wassers.

Diese Erfahrung lebendigen Wassers wünsche ich allen Lesern meines Weblogs für dieses neue Jahr, das vor uns liegt – in den Zeiten der Fülle, aber auch in den Durststrecken, die in den kommenden zwölf Monaten kommen mögen. Wir dürfen getrost in dieses Jahr gehen, weil wir eine lebendige Hoffnung haben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute, Gesundheit, Erfolg für Ihre wissenschaftliche oder pädagogische, vor allem aber Gottes Geleit für dieses neue Jahr des Herrn 2018, damit es wahrhaft ein Jahr des Herrn werde.

(Neujahrsimpuls aus der EFSP Weinstadt, 8. Januar 2018)

Neue Kolumne: Geht die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu weit?

Seit Beginn des Jahres 2018 erscheint Die Tagespost jeweils donnerstags als Wochenzeitung. Dementsprechend werden dort die von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach organisierten und bisher in den Samstagsausgaben vorzufindenden Kolumnen veröffentlicht. Regelmäßig kommentieren Christliche Sozialethiker dort aktuelle soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen. Im aktuellen Beitrag vom 4. Januar 2018 warnt Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze, Sozialethiker, Schulleiter und Privatdozent für Erziehungswissenschaft vor einer Entwicklung, bei welcher der Staat immer mehr private Lebensbereiche hoheitlich ordnet und dadurch die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger einschränkt.

Die Kolumne mit dem Titel FREIHEIT UND VERANTWORTUNG beschäftigt sich mit einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die kurz vor Weihnachten veröffentlicht wurde: Verstoßen Friseure und Reinigungen gegen die Gleichstellung?, fragt Kolumnist Axel Bernd Kunze und schlägt am Ende den Bogen zu den Sondierungsgesprächen im Berlin.

Den Text der Kolumne aus der TAGESPOST vom 4. Januar 2018 finden Sie online:

http://www.ksz.de/aktuelle_nachrichten.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=527&cHash=af7095d00d043cadb90458ce317633a7

http://www.die-tagespost.de/politik/Kolumne-Freiheit-und-Verantwortung;art314,184750

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Ich wünsche allen Lesern meines Weblogs ein glückseliges neues Jahr und einen gesegneten Festtag der Erscheinung des Herrn. Ich freue mich auch im neuen Jahr auf einen interessanten Austausch über sozial- und bildungsethische Fragen.

Ihr Axel Bernd Kunze

 

 

 

Gesegnete Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr

Christus natus est. Alleluja! Venite, adoremus. Alleluja!

Herzlichen Dank sage ich für Ihr Interesse an den Beiträgen meines Wissenschaftsweblogs. Ich hoffe, Sie auch künftig zu meinen Lesern zählen zu dürfen, würde mich freuen, den bildungsethischen Austausch auch im neuen  Jahr mit Ihnen fortsetzen zu können.

Frohe und gesegnete Weihnachtstage sowie Gottes Segen für das neue Jahr wünscht von Herzen

Ihr Axel Bernd Kunze

 

Licht strahlt auf

Was für eine Vision, die uns Jesaja heute schildert! Über einer Welt, die in Dunkel und Finsternis liegt, geht ein überirdisch helles Licht auf. Glanz strahlt auf vom Zion, vom Berg des Herrn mit seinem Tempel. Der Prophet fordert uns auf, umher zu schauen. Es klingt wie die Forderung, die Augen zu schließen und in die Zukunft zu blicken. Was sehen wir vor unserem inneren Auge? Eine endlose Karawane, die nach Jerusalem zieht, beladen mit zahllosen Schätzen und Reichtümern, mit Gold und Weihrauch, mit blitzenden Kronen und prächtigen Gewändern.

Doch die Wirklichkeit sah anders aus. Die dunklen Jahre der Fremdherrschaft und des babylonischen Exils waren zu Ende. Die Verbannten konnten wieder heimkehren. Aber das Land lag am Boden. Jerusalem und sein Tempel waren eine Trümmerstätte. Und der Neuanfang zwischen denen, die im Land geblieben waren, und jenen, die heimkehrten, gestaltete sich keineswegs einfach. Jesajas Vision ist mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Und doch! Gott hält Wort. Jesajas Vision hat sich erfüllt, wenn auch anders, als der Prophet sich das vorgestellt hat. Die kirchliche Tradition hat Jesajas Vision mit dem Weihnachtsgeschehen in Verbindung gebracht. Und so haben die Könige mit ihren Kamelen und Dromedaren den Weg an die Krippe gefunden.

Das Evangelium identifiziert dieses kleine Kind am Rande des Weltgeschehens mit jenem Licht, das vom Zion ausgeht. Dieses Kind verändert den Lauf der Geschichte – nicht durch äußere Macht, auch nicht durch Rückkehr zur Vergangenheit, die im Nachhinein oft verklärt wird.

In früheren Zeiten wurden Planetenkonstellationen als Hinweis auf außergewöhnliche Ereignisse gedeutet, etwa die Geburt eines Königssohnes. Die Sterndeuter machen sich auf den Weg: angetrieben von einer inneren Unruhe, verlassen sie ihr Denksystem und die Religion ihrer Heimat. Sie machen sich auf, die Wahrheit zu suchen.

Und wo fragen sie zuerst? In der Hauptstadt, am Königshof. Hier sollte der neugeborene Herrscher zu finden sein. Doch weit gefehlt. Aber immerhin erhalten sie am Königshof den entscheidenden Hinweis. Dabei baut Matthäus zwei Pointen ein.

Wie schon bei der Berufung Davids zum König, erwählt Gott nicht den ältesten oder stärksten der Söhne, sondern den jüngsten und unbedeutendsten, den selbst der eigene Vater sich nicht als König vorstellen mag. Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen, singt Maria im Magnifikat bei Elisabeth. So ist es auch jetzt: Nicht die Hauptstadt Jerusalem, sondern das Provinznest Betlehem soll Geburtsstadt des Messias werden.

Und der neue Herrscher wird nicht allein als Monarch tituliert. Es geht nicht bloß um einen weiteren König in davidischer Abstammung. Der jetzt geboren wird, ist der wahre Hirt Israels. Gottes Königtum erweist sich gerade in der Fürsorge um sein Volk.

In Betlehem finden die Sterndeuter in den Heiligen Schriften jene Wahrheit, die sie anfangs nur erahnten, jene Orientierung, die ihrem Leben Richtung gibt. Und anders als die Schriftgelehrten am Hofe lassen sie diese in ihr Leben. Neben der königlichen Gabe des Goldes und dem Weihrauch göttlicher Verehrung bringen sie noch Myrrhe mit. Schon hier deutet sich der Tod Jesu an. Nikodemus wird später den Leichnam des Gekreuzigten damit salben. Jesus ist der Heiland, der uns durch sein Sterben am Kreuz von der Sünde erlöst. Diese Botschaft hat die Welt verändert. Über allem Dunkel und allen Finsternissen dieser Weltzeit leuchtet bereits das Licht der Erlösung. Die Sterndeuter sind als erste aus den Völkern zu diesem Licht aufgebrochen. Unzählige haben es ihnen in der Geschichte gleich getan.

Das, was die Sterndeuter fanden, erfüllte sie mit großer Freude: einer Freude, die nur aus der Begegnung mit Gott erwachsen kann. Ihren Ausdruck findet diese Gottesbegegnung in der Anbetung. Hier geschieht Zwiesprache zwischen Gott und Mensch. In der Anbetung macht sich der Mensch nicht klein, sondern begegnet er Gott auf Augenhöhe. Er muss nicht auf eigene Macht oder Stärke setzen, er braucht sich aber auch nicht zu verstecken. In der Anbetung findet der Mensch zum Urgrund seines Daseins, der seinem Leben Sinn und Richtung gibt. So sind auch wir eingeladen, anbetend die Knie zu beugen und Jesus Christus zu huldigen.

(Axel Bernd Kunze – Auszug aus: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen, Heft 1/2018 – zum Hochfest der Erscheinung des Herrn)

Neuerscheinung: Democracy Education in Teacher Training in Germany

Axel Bernd Kunze: Democracy Education in Teacher Training in Germany, in: Miriam Ben-Peretz, Sharon Feiman-Nemser (Eds.): Political Transformations and Teacher Education Programs, Lanham/Boulder/New York/London: Rowman and Littlefield 2018, pp. 1 – 16.

„The move from authoritarian to a more democratic ruling system expresses itself in chapter 1 […] by Axel Bernd Kunze. Kunze claims that ’students ought to experience Democracy in practice while they are in School in order to develop a habitual democratic disposition‘ (this volume, ch. 1). In order to achieve this Goal, schools should function as a democratic society. This approach calls for student teachers to participate actively in their own program. In the same spirit, Kunze quotes Behrmann, who wrote that ‚democracy needs to be lived, in order that it can be learned“ (1996, p. 121).“ (Introduction, p. ix)

Der Band ist an der Universität Haifa/Israel entstanden. Der Beitrag zur deutschen Lehrerbildung beleuchtet Chancen und Grenzen von „Service Learning“ und Menschenrechtsbildung in der Lehrerausbildung, u. a. auf Basis von Erfahrungen, die der Verfasser an der Universität Trier gesammelt hat.