Neuerscheinung: Erinnerungen an den Mauerfall

„Einsichten und Perspektiven“, die Zeitschrift der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit für die Themenbereiche Politik und Geschichte, hat Leser um ihre Erinnerungen an den Mauerfall vor dreißig Jahren gebeten: „Zeitenwende – Erinnerungen an das Jahr des Mauerfalls 1989“ (in: Einsichten + Perspektiven, 4/2019, S. 20 – 23). Ein Beitrag stammt aus der Feder des Bonner Erziehungswissenschaftlers und Sozialethikers Axel Bernd Kunze.

Neuerscheinung zur Interkulturellen Pädagogik: Diakonische Bildung für Pädagogische Fachkräfte in der Elementarbildung

„Das KiTa-Handbuch“, herausgegeben von Martin R. Textor und Antje Bostelmann, hat in der Rubrik „Interkulturelle Pädagogik“ einen Beitrag von Axel Bernd Kunze zur Diakonischen Bildung für Pädagogische Fachkräfte in der Elementarbildung veröffentlicht. Die Gedanken basieren auf einem Impulsvortrag im Rahmen des 1. Bildungskongresses des Kaiserswerther Verbandes, der Ende September in Lutherstadt Wittenberg stattfand; der Vortrag wurde für die Druckfassung wesentlich erweitert:

Diakonische Bildung – Drei Praxisbeispiele aus der Aus- und Fortbildung Pädagogischer Fachkräfte zum Umgang mit religiös-kultureller Vielfalt

Der Artikel im „KiTa-Handbuch“ ist online zugänglich.

Weitere Beiträge im „KiTa-Handbuch“ aus der Feder desselben Autors finden Sie hier. Bisher sind erschienen:

Neue Dokumentation: Bamberger Gedenkfeier zum 20. Juli

Ausgabe 3/2019 der Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. dokumentiert die diesjährige Gedenkfeier zum 20. Juli der Stadt Bamberg und der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. am Mahnmal des Bamberger Widerstandes:

Klicke, um auf AB%203_2019%2020.%20Juli%202019-1.pdf zuzugreifen

Alle bisher erschienenen Arbeitspapiere sind über die Internetseiten der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. abrufbar.

Neuerscheinung: Was Erziehung heute leisten kann. Pädagogik jenseits von Illusionen

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Von Professor Dr. Bernd Ahrbeck, Lehrstuhlinhaber für Psychoanalytische Pädagogik an der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin, ist im Kohlhammer-Verlag aktuell erschienen: Was Erziehung heute leisten kann. Pädagogik jenseits von Illusionen (Stuttgart 2020).

„Eine Abgrenzung zwischen der Vermittlung schulischer Wissensbestände einerseits und Wertvorstellungen auf der anderen Seite kann zwar im Einzelfall schwierig sein, grundsätzlich stehen sich jedoch unterscheidbare Pole gegenüber. Auch auf der Ebene der Werte und Bewertungen sind wichtige Differenzierungen vorzunehmen, die entlang der Linie Öffentliches und Privates, gesellschaftlich Erwartbares und Intimes entfalten. Axel Bernd Kunze (2015) hat darauf anhand des Verhältnisses von Toleranz und Akzeptanz verwiesen Beide dürfen nicht miteinander verwechsel werden. […] Aus diesem Grund ist Kunze skeptisch, wenn staatlicherseits oder in anderen Bereichen des öffentlchen Lebens Akzeptanz eingefordert wird, eine Akzeptanz, die im Widerspruch zur Selbstbestimmung und freien Selbstentfaltung stehen kann. ‚Von der Schule erzwungene, [oder gar noch] durch Noten sanktionierte Werturteile sind moralisch wertlos und widersprechen dem Indoktrinatiinsverbot‘ (Kunze, 2015, S. 7).“

(S. 129 f.)

Neuerscheinung: Wahlfreiheit im Bildungssystem

Mit Verzögerung ist Heft 3/2019 der Zeitschrift engagement erschienen – mit dem Titel: „Reich, schön, bildungsnah?“ – Kirchliche Schulen und die Frage der Segregation (hg. v. Rafael Frick, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg):

In einem Grundsatzbeitrag begründet der Erziehungswissenschaftler Axel Bernd Kunze aus bildungstheoretischer Perspektive, warum der freiheitliche Rechts- und Verfassungsstaat kein Bildungsmonopol für sich beanspruchen darf. Dabei rekurriert er auf kodifizierte menschenrechtliche Normierungen und anthropologische Überlegungen. Weiterhin kommen Strukturfragen kirchlicher Schulen in weltanschaulich heterogenen Gesellschaften zur Sprache.

(aus dem Editorial)

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Im Rezensionsteil werden besprochen:

  • Jean Ehret, Jean-Louis Zeien (Hgg.): Herausforderung Religion(en) und Schule(n), Berlin 2018 (Rez:: Volker Ladenthin)
  • Stefan Seidel: Für eine Kultur der Anerkennung. Beiträge und Hemmnisse der Religion, Würzburg 2018 (Rez.: Hans-Michael Mingenbach)
  • Alfred Herrmann: Sich Gott nähern. Frauenorden in Deutschland, Paderborn 2017 (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Hans Georg Wehrens: Rom. Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert. Ein Vademecum, Freiburg (Brsg.) 2016 (Rez.: Mariano Barbato)
  • Thomas Schumacher: Der heilige Nikolaus – Bischof von Myra. Annäherungen aus Geschichte, Legenden und Theologie, München 2018 (Rez.: Hans-Michael Tappen)
  • Wolfgang Benedek (Hg.): Menschenrechte verstehen. Handbuch zur Menschenrechtsbildung, Berlin/Wien/Graz 2017 (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Mirjam Pressler: Dunkles Gold, Weinheim 2019 (Rez.: Anna Winkler-Benders)
  • Angie Thomas: On the come up, München 2019 (Rez.: Anna-Winkler-Benders)

Schlaglicht: Kirchen im Ausverkauf – nur noch Routine?

„Kirchen im Ausverkauf“ – so der Titel einer Dokumentation, die am 29. No­vember um 21.15 Uhr im dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks lief. Es ging um die Profanierung und den Abriss von Kirchen in Norddeutschland – ein Beispiel davon aus dem Bistum Hildesheim. Zu Jahresbeginn wurde im Hannoveraner Stadtteil Stöcken die Kirche St. Christophorus aufgegeben und abgerissen. Auf dem Gelände sollen Wohnungen für alte und behinderte Menschen entstehen.

Viele Menschen betrachten schon länger mit großer Sorge, wie sich die Kirche in weiten Teilen unseres Landes aus der Fläche zurückzieht. Der Priestermangel ist sicherlich ein gravierender Punkt, aber nicht der einzige. Es kann nicht darum gehen, jede Strukturveränderung von vornherein auszuschließen. Die Entwicklung von Stadtteilen oder Orten verändert  sich. Und es kann sicher weitere gute Gründe geben, pfarrliche Strukturen zu überdenken. Möglicherweise sind auch Kirchenschließungen nicht immer zu vermeiden, zumal auch die Kirche gezwungen ist, mit ihren finanziellen Mitteln verantwortlich umzugehen. Genauso nachzuvollziehen sind aber die Emotionen, die im Film aus der Gemeinde in Hannover gezeigt wurden. Der Pfarrer der Gemeinde, der im Film mehrfach zu Wort kam und den ich noch aus meinem Theologiestudium kenne, hat den richtigen Ton getroffen, mit der rechten Balance aus notwendiger Loyalität und spürbarer Verärgerung. Die Sprachlosigkeit des Weihbischofs gegenüber den betroffenen Gemeindemitgliedern hingegen war im Film geradezu zum Greifen spürbar. Er versucht, alle Konflikte wegzulächeln.

Was nach der Dokumentation mehr erschüttert hat als die Kirchenschließung, ist die Geistlosigkeit auf der Leitungsebene des Bistums. Wenn in einem Stadtteil die letzte christliche Kirche geschlossen wird (die evangelische Kirche war in diesem Fall schneller), wäre mehr Kreativität gefragt gewesen als jene Routine, mit der Kirchenschließungen mittlerweile abgewickelt werden. Offenbar ist es dem Bistum Hildesheim mittlerweile wichtiger, eine muslimisch-katholische Kindertageseinrichtung in Gifhorn zu unterhalten, als die Präsenz des christlichen Gottesdienstes in einem Stadtteil zu bewahren. Das ist ein fataler Irrweg. Hier werden – bei allem Verständnis für das notwendige interreligiöse Gespräch – die falschen Gewichte gesetzt. Und dies kommt einem Verrat am missionarischen Zeugnis gleich, das der Kirche aufgetragen ist. Will die Kirche mit einem Projekt wie in Gifhorn politisch gefallen? Nimmt man politische Anliegen von außen ernster als die Sorgen einer Gemeinde, der die geistliche Heimat verloren geht?

Auch wenn die Worte des Weihbischofs im Film anderes andeuten, können säkulare Sozialprojekte kein Einsatz für ein Gotteshaus sein. Vielmehr wird auf Dauer auch der diakonische Einsatz erlahmen, wenn er nicht durch eine entsprechende geistliche Haltung gedeckt ist. Überdies hat eine Kirche im Stadtteil eine wichtige Bedeutung, nicht allein für die eigenen Gemeindemitglieder. Wo christliche Kirche nicht mehr präsent ist, verändert sich der Charakter unseres Landes, verändert sich auf Dauer die kulturelle Identität unseres Gemeinwesens.

Deutschland hat zwei Diktaturen hinter sich. Wer diese Erfahrung ernsthaft bedenkt, sollte wissen, wohin ein Gemeinwesen führt, das Gott keinen Platz mehr im öffentlichen Raum einräumt und in dem Kirchen aus dem Weg geräumt werden.

Man kann darüber streiten – und dies geschieht ja bereits –, ob der jüngst begonnene Synodale Weg in der katholischen Kirche den Themen Mission und Evangelisierung zu wenig Raum einräumt oder nicht. Eines aber fällt mir immer wieder auf, wenn ich im Ausland zu Gast bin, häufiger in Dänemark und im Vereinigten Königreich: In jeder Eucharistiefeier gehören Katechumenen, die sich beim Kommuniongang oder an der Kirchentür segnen lassen, ganz selbstverständlich zum kirchlichen Leben dazu. In Deutschland ist dies nicht der Fall – und wenn es Glaubenskurse gibt, werden diese, so mein Eindruck, eher verschämt versteckt. Ob die alles in allem immer noch gute finanzielle Absicherung der Kirche hierzulande das Ihrige zu dieser Wahrnehmung beiträgt, will ich nicht spekulieren. Dies ist nicht die Frage. Denn es geht nicht um Geld, sondern um den Geist, der in der Kirche herrscht – und der sollte missionarischer sein. Ich kann mich noch an mein Studium der Pastoraltheologie erinnern, in dem Glaubensweitergabe als falsches Rekrutierungsdenken verunglimpft wurde – dann müssen wir uns über schrumpfende Gemeinden nicht wundern.

Gute Wünsche für einen gesegneten Advent

(Darbringung im Tempel: Meister der Pollinger Tafeln, 1444)

Simeon und Hanna stehen für die Gerechten im Volk Gottes, die an die alten Verheißungen Israels geglaubt und auf das Kommen des Messias gewartet haben. Ein Gerechter ist im Alten Testament, wer aus einer lebendigen Beziehung zum Wort Gottes lebt, der „Freude hat an der Weisung des Herrn“, wie es im Psalm 1 heißt. Wer als Gerechter lebt, verlässt sich auf Gottes Verheißungen und richtet sein Leben an der Schrift aus. Er setzt seine Hoffnung voll und ganz auf Gott und vertraut sich seiner Treue an.

An Simeon und Hanna können wir ablesen, was dies bedeutet: Beide sind gerecht und fromm – sie leben aus dem Wort Gottes. Dies meint nicht, die Schrift als ein Regelwerk zu nehmen, an das man sich kleinlich und zwanghaft zu halten habe. Es meint, die Schrift aus einer persönlichen, liebenden Hinwendung zu Gott her zu lesen und zu verstehen.

Und aus dieser Haltung heraus, erkennt Simeon eine Verheißung, die Gott für die Zukunft noch Größeres zutraut, als seine Treue bereits getan hat. Simeon wartete auf die Rettung Israels, heißt es im heutigen Evangelium.

Es ist derselbe Geist Gottes, der Simeon zur prophetischen Lektüre der Schrift ermutigt und der ihn nun, da sich die Zeit erfüllen soll, in den Tempel führt. Und er erkennt: In diesem Kind erfüllt sich die Schrift. Gottes Verheißungen erweisen sich als gültig.

Simeon, der Gerechte, ist ein prophetischer, wir können auch sagen: ein geistlicher Mensch. Als ein Hoffender ist er offen geblieben für Gottes Anruf. Er rechnet mit dem Heilshandeln Gottes in der Gegenwart. Dies drückt sich in seinem Lobpreis aus, den uns Lukas überliefert.

Der Lobgesang Simeons verwendet Worte des Propheten Jesaja. Diese machen zwei Dinge über dieses Kind deutlich: Zum einen wird Jesus in die Verheißungen seines Volkes gestellt, indem er mit dem Gottesknecht  im Buch Jesaja identifiziert wird. Dessen Sendung hat etwas Universales; sie geht, wie Jesaja deutlich macht, über Israel hinaus und beinhaltet eine Heilszusage an alle Völker. Zum anderen geht es um ein Trostwort an Israel: Die Herrlichkeit Gottes kündigt dem verängstigten Volk sein rettendes Eingreifen an.

Dies bestätigt sich noch einmal in Hannas prophetischer Verkündigung.

Gottes lebendiges Wort, in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 17 (2020), H. 1, S. 101 – 117.

In den kommenden Tagen werden wir wieder die uralten Verheißungen aus dem Buch Jesaja lesen. Lesen wir sie als Trostwort und auch Heilszusage an uns.  In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern meines Weblogs eine erwartungsvolle, trost- und segensreiche Adventszeit.

Ihr Axel Bernd Kunze

Schlaglicht: Ein Prozess schleichender Umdeutung …

Die Grundrechte unserer Verfassung sollen dem Einzelnen die Freiheit zur selbstbestimmten Lebensgestaltung sichern. Frei von staatlicher Bevormundung soll er sein und geschützt vor staatlichen Eingriffen in das eigene Denken, Urteilen und Handeln. Das war einmal. Wer Kinderrechte in die Verfassung aufnimmt, beschneidet das Elternrecht und vergrößert den staatlichen Einfluss auf das Familienleben. Wer eine Frauenquote für Vorstände vorschreiben will, untergräbt die unternehmerische Freiheit und damit ein zentrales Prinzip sozialer Marktwirtschaft. Wer Vereinen, die allein männliche Mitglieder aufnehmen, die Gemeinnützigkeit entzieht, beschädigt die Vereinigungsfreiheit und unterwirft den gesellschaftlichen Bereich staatlicher Bevormundung. Schleichend wird unsere Verfassungsordnung umgedeutet. Es geht nicht mehr um eine produktive Freiheit der Einzelnen zum Wohl des gesellschaftlichen Ganzen, sondern um eine durch den Staat gelenkte Freiheit. Auf diese Weise untergräbt der liberale Rechts- und Verfassungsstaat sein eigenes Fundament. Denn ein vitales, geistig produktives und wirtschaftlich erfolgreiches Gemeinwesen bleibt auf individuelle Freiheit angewiesen. Staatliche Gängelung wirkt auf Dauer lähmend und erstickt die gesellschaftliche Leistungsfähigkeit. Hoffen wir, dass die individuelle Freiheit nicht zu einem Märchen aus uralten Tagen wird …