Rezensionen: Lässt sich Gewaltfreie Kommunikation lernen? Gelten die Menschenrechte für alle?

Zwei neue Rezensionen im Onlineportal SOCIALNET gehen folgenden Fragen nach:

Was ist Gewaltfreie Kommunikation? Wie lässt sich diese in Psychologie, Therapie und Pädagogik einsetzen? Welche Rolle spielt Empathie für das Einüben gewaltfreier Kommunikation? Wie lassen sich empathische Kompetenzen fördern?

Axel Bernd Kunze (Rez.): Rezension zu „Sabine Geiger, Sibylle Baumgartner (Hrsg.): Empathie als Schlüssel. Gewaltfreie Kommunikation in Psychotherapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 300 Seiten“, in: Socialnet, 10. Januar 2017.

www.socialnet.de/rezensionen/20126.php

Gelten die Menschenrechte tatsächlich für jeden, wie ihr Universalitätsanspruch behauptet? An welchen Stellen produzieren die Menschenrechte selbst diskriminierende Ausschlüsse? Wie gehen die Menschenrechte mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten um?

Axel Bernd Kunze (Rez.): Rezension zu „Imke Leicht: Wer findet Gehör? Kritische Reformulierungen des menschenrechtlichen Universalismus. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. 208 Seiten. Reihe: Politik und Geschlecht, Bd. 29“, in: Socialnet, 13. Februar 2017.

www.socialnet.de/rezensionen/21317.php

Vorankündigung: Zerreißprobe Flüchtlingsintegration

Ein Thema wird uns auch in diesem Bundestagswahljahr beschäftigen: die Folgen des Massenzustroms an Flüchtlingen, die aus Afrika, dem Nahen Osten oder dem Balkan nach Deutschland kommen. Nicht nur politisch, auch sozialethisch hat das Thema heftige, nicht zuletzt auch emotionale Debatten ausgelöst. Die Frontlinie zwischen den verschiedenene Positionen wird durch zwei Fragen abgesteckt: Wie verhalten sich in der Migrationsethik Gesinnungs- und Verantwortungsethik zueinander? Wie werden staatsethische, menschenrechtsethische und personethische Argumente gewichtet und gegeneinander abgewogen? Mitte Januar wird in der Reihe „Theologie kontrovers“ ein Diskussionsband erscheinen, der die Konfliktlinien innerhalb der Sozialethik sichtbar machen und miteinander ins Gespräch bringen will:

Marianne Heimbach-Steins (Hg.): Zerreißprobe Flüchtlingsintegration, Freiburg i. Brsg.: Herder 2017.

Gefragt wird unter anderen: Wo stößt Gastfreundschaft an Grenzen? (Axel Bernd Kunze); Kann Religion eine Integrationsressource sein? (Daniel Bogner) oder: Hindernis oder Ressource? Die Rolle des Islams für die Integration von Flüchtlingen? (Hansjörg Schmid). Der Band der Münsteraner Sozialethiker schließt an einen Vorgängertitel „Begrenzt verantwortlich? Sozialethische Positionen in der Flüchtlingskrise“ von ihr an, der bereits 2016 erschienen ist.

Eine Inhaltsübersicht und eine Leseprobe zum neuen Band finden sich auf den Verlagsseiten:

https://www.herder.de/media/leseprobe/978-3-451-37618-4/html5.html

 

 

Themenangebote für Vorträge und Seminare

Sie suchen einen Referenten für eine Vortrags-, Seminar- oder Fortbildungsveranstaltung? – Im Folgenden finden Sie einige Themenangebote für Vorträge oder Seminare. Diese verstehen sich lediglich als Beispiele; weitere Inhalte sind nach Absprache selbstverständlich möglich. Weitere Informationen und Referenzen finden Sie in diesem Weblog unter der Seite „Vorträge“. Bei Interesse freue ich mich auf Ihre Anfrage (Honorar nach Vereinbarung). Sie erreichen mich unter Kunze-Bamberg[at]t-online.de.

Als Geschäftsführer des DFG-Projekts „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ habe ich den Aufbau einer eigenständigen Sozialethik der Bildung intensiv begleitet. Als promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler beschäftige ich mich vor allem mit Fragen aus dem Feld der Bildungs-, Menschenrechts-, Politik- und Demokratieethik.

Bildung auf Weltniveau? – Globales Lernen
Die „Agenda 21“, beschlossen von den Vereinten Nationen, fordert nicht weniger als eine „Neuausrichtung der Bildung“ mit dem Ziel, ein ökologisches und ethisches Bewusstsein sowie Werte, Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu schaffen, die mit einer „nachhaltigen
Entwicklung“ vereinbar sind. Wie kann Globalisierung als Bildungsaufgabe begriffen werden? Welche Rolle spielen die Bildungssysteme im Prozess der Globalisierung? Welche didaktischen Fragen stellen sich beim Globalen Lernen? Was bedeutet Globales Lernen für das Selbstverständnis von Pädagogen?

Wie sollen wir mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen? – Interkulturelle Pädagogik
Die Vielfalt in Kindertageseinrichtungen und Schulen ist deutlich größer geworden. Kinder aus unterschiedlichen Kulturen oder Religionen treffen aufeinander. Viele Eltern und Kinder bringen unterschiedliche Migrationserfahrungen mit. Wie können Erzieher, Pädagogen und Lehrer das interkulturelle Miteinander gestalten und Diskriminierungen vorbeugen? Wie können sie Kinder befähigen, mit kultureller Vielfalt angemessen umzugehen?

Sind Bildungsfragen Gesellschaftsfragen? – Demokratiepädagogik
Dass Bildungsfragen eine über den Bereich der Pädagogik hinausgehende Bedeutung besitzen brachte der „Altmeister“ der Didaktik, Wolfgang Klafki, auf die Formel: „Bildungsfragen sind Gesellschaftsfragen.“ Die Formel ist, wie Klafki selbst ausführt, mehrdeutig. Bildung und Erziehung helfen dem Einzelnen, seine Möglichkeiten bestmöglich zu entfalten und mitbestimmungsfähig zu werden. Wenn sich Gesellschaft beständig verändert, ist der pädagogische Anspruch auf Mitbestimmungsfähigkeit für jeden Einzelnen bildungspolitisch immer wieder einzufordern sowie in Theorie und Praxis der Pädagogik beständig neu auszulegen. Näher zu bestimmen bleibt, welche Aufgaben der Pädagogik im demokratischen Gemeinwesen zufallen und was diese für den Erhalt und die Gestaltung der Demokratie zu leisten vermag.

Ist Bildung ein Menschenrecht? – Bildungsethik und Menschenrechtsethik
Bildung ist ein Menschenrecht – so formuliert es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948. Bildung sichert dem Einzelnen die Möglichkeit, Autor des eigenen Lebens zu sein. Gleichzeitig ist Bildung eine unverzichtbare Voraussetzung für die aktive Teilnahme am sozialen Leben. Wie weit reicht ein Recht auf Bildung? Wie kann Bildungsgerechtigkeit gesichert werden? – Gleichzeitig sind die Menschenrechte auf die Förderung durch pädagogisches Handeln angewiesen. Menschenrechtsbildung, die bereits im Kindergarten beginnen soll, ist zentraler Bestandteil einer gelebten Kultur der Menschenrechte.

Umbruch im Bildungssystem: Kompetenzen – und ihre Folgen
Unser Bildungssystem hat in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht bekommen, heißen die Reforminstrumente PISA, Bologna-, Lissabon- oder Kopenhagenprozess. Nicht alle Umbrüche liegen dabei so offen zu Tage wie die Abschaffung des Diploms oder die Modularisierung des Studiums. Weniger auffällig und von vielen nicht hinreichend ernstgenommen, haben Veränderungen im Bildungsverständnis in Schule und Hochschule Raum gegriffen, die gesellschaftlich nicht folgenlos bleiben werden. Zwar ist der schon oft totgesagte Bildungsbegriff seit der ersten PISA-Studie vor nicht ganz fünfzehn Jahren bildungspolitisch in aller Munde; die Hauptrolle in Unterricht und Lehre spielen heute aber „Kompetenzen“.

Braucht Religion Bildung? Braucht Bildung Religion?
Unsere Gesellschaft ist pluraler geworden. Ein Ethos der Toleranz wird für das gesellschaftliche Miteinander immer wichtiger. Welche Rolle spielt dabei die Religion? Wie kann das Verhältnis zwischen Bildung und Religion pädagogisch wie ethisch verantwortlich ausgestaltet werden? Welchen Stellenwert nimmt religiöse Bildung in der öffentlichen Schule ein? Wie sollte in der öffentlichen Schule
über Religion gesprochen werden? Inwiefern kann die staatliche Schule weltanschaulich neutral sein? Welche gesellschaftliche Bedeutung besitzen religiöse Lernprozesse?

Ethische Konflikte in Pädagogik und Sozialer Arbeit
Was im neunzehnten Jahrhundert als ehrenamtliche Armenfürsorge begann, ist Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf dem Weg zur ambitionierten Menschenrechtsprofession. Einen entscheidenden Schritt auf diesem Weg stellt die Definition dar, auf die sich die Internationale Vereinigung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter (IFSW) 2001 verständigte: „Soziale Arbeit ist eine Profession, die sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen sowie die Ermächtigung und Befreiung von Menschen fördert, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. […] Dabei sind die Prinzipien der Menschenrechte und sozialer Gerechtigkeit für die Soziale Arbeit von fundamentaler Bedeutung.“ Damit sind die zwei zentralen ethischen Prinzipien einer Berufsethik Sozialer Arbeit benannt: Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. – Was kann eine Berufsethik Sozialer Arbeit leisten? Wie können ethische Konflikte im Team besprochen werden?

Parteien zwischen Affären und Verantwortung
Die Parteien stecken bis heute in der Krise. Zahlreiche Affären haben ihren Ruf beschädigt. Immer weniger wird ihnen zugetraut, die politischen Probleme zu lösen. Die Parteienkonzentration hat abgenommen. Die traditionellen Milieus schwinden; die Zahl der Mitglieder sinkt. – Hat sich die klassische Mitgliederpartei überlebt? Welche Funktion erfüllen Parteien? Welche Verantwortung sollten Parteien übernehmen? Wie können die Parteien kontrolliert werden? Gibt es Alternativen zu den Parteien?

Gleichgeschlechtliche Lebensformen – Und was sagt die Kirche dazu?
Papst Franziskus hat große Erwartungen geweckt, als er im Oktober 2014 in Rom eine außerordentliche Bischofssynode „zu den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ einberief. In westlichen Ländern erhoffen sich nicht wenige, die katholische Kirche werde sich zu einer Neubeurteilung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften durchringen. Orte, an denen Homosexuelle in der Kirche bereits heute selbstbewusst ihren Glauben leben, sind die verschiedenen schwul-lesbischen Gottesdienstgemeinschaften, die seit den Neunzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts in einzelnen Städten entstanden, zumeist auf Basis einer befreiungstheologischen Orientierung. Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen theologisch verstanden werden? Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen beziehungsethisch neu verstanden werden?

… damit unser Tun nicht ins Leere läuft.
Was bietet das neue „Gotteslob“ für die Feier der Tagzeiten in der Gemeinde?
Zurückgehende Priesterzahlen und die Zusammenlegung von Pfarreien haben dazu geführt, dass der tägliche Gottesdienst in vielen Kirchen nicht mehr stattfindet. Die gemeinsame Feier der Tagzeiten am Morgen oder Abend kann einer Austrocknung des liturgischen Lebens entgegenwirken. Die Tagzeiten sind ein wichtiges öffentliches Zeugnis, das wir als Kirche der Welt schulden. Die Tagzeiten geben unserem Leben Richtung und Gleichgewicht, sie bewahren uns vor einam falschen Aktionismus. Eucharistie und Tagzeiten ergänzen sich wie zwei Säulen, auf denen das liturgische Leben einer Gemeinde aufruht. Welche Hilfen bietet das neue „Gotteslob“ an, die Tagzeiten als regelmäßige Feier ins Bewusstsein der Gemeinde zu heben?

Beutelsbach: Wanderweg mit langer Geschichte

Das Landgut Burg, Geburtsort des bis heute für die politische Bildungsarbeit maßgeblichen „Beutelsbacher Konsenses“, und der Ortskern von Beutelsbach im Remstal sind seit einiger Zeit durch einen Wanderweg  verbunden, der schöne Ausblicke ins Remstal bereit hält. Dabei handelt es sich um eine alte Verbindung: Bereits 1830 wurde der Weinbergsweg urkundlich erwähnt. Auf Initiative des Bündnisses für Streuobstwiesen Weinstadt ist der alte, längt zugewachsene Stäffelesweg wieder freigelegt worden. An der Freilegung des historischen Wirtschaftsweges beteiligten sich seinerzeit auch Klassen aus dem ersten Ausbildungsjahr der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt. Gemeinsam mit ihren Klassenleitungen brachten die angehenden Erzieherinnen und Erzieher in der damaligen Einführungswoche unter dem Motto „Wir bringen uns ins Spiel!“ viel Schweiß, Kraft und Ausdauer für diese Aufgabe ein. Das Projekt führte die Schülerinnen und Schüler zu Beginn ihrer Ausbildung zu einer Klassengemeinschaft zusammen. Zugleich konnten die beiden beteiligten Klassen eigene Entdeckungen in einer lange gewachsenen Kulturlandschaft sammeln. Künftig soll der Profilbereich Natur- und Umweltpädagogik weiter ausgebaut werden, beispielsweise durch den Aufbau eines „Grünen Klassenzimmers“.

„Salon Launer“ öffnet seine Türen

„Salon Launer“ nennt sich ein neues Weblog, das zur freigeistigen Auseinandersetzung einladen will. Sein Betreiber, Peter Launer,  beschreibt sein Anliegen, das er mit seinem Weblog verfolgt, folgendermaßen:

„So auch dieser Blog, der an Zeiten anknüpft, welche den Salon als Mittelpunkt des kreativen Lebens, der Vielfalt und des Neuen inmitten dem althergebrachten zu verknüpfen wusste. Daher auch der Name Salon Launer, immer gut bestückt um die Musen des Elysiums besser ertragen zu können. Gerne Bechstein, Blüthner oder Bösendorfer Imperial.

‚Diese Netzseite sammelt daher alles rund um das gesellschaftliche und politische Leben aus der Sicht eines Stuttgarter Urgesteins.‘

Leserbriefe, Kommentare zu tagespolitischen Phänome, kurz und prägnant sowie gesellschaftliche Veranstaltungen aus der bürgerlichen Restmitte werden hier gefunden.“

Den „Salon Launer“ finden Sie hier.

Bibliographie zu Karl Barth

„The Center for Barth Studies“ am Theologischen Seminar in Princeton führt online eine Bibliographie zu Neuerscheinungen über Karl Barth. Für 2016 ist auch der Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gelistet worden. Unter den vorgestellten korporierten Sozialdemokraten findet sich auch Karl Barth. Die Bibliographie ist online abrufbar:

http://barth.ptsem.edu/research/new-and-forthcoming

Randnotiz: Weihnachten – das Fest der guten Beispiele

Bundespräsident Joachim Gauck warnt in seiner Weihnachtsansprache (vgl. F.A.Z. v. 24.12.2016, S. 2) davor, „Politiker pauschal zu Schuldigen“ zu erklären. Die etablierten Parteien sind dieses Jahr mit gutem Beispiel vorangegangen – und haben in den diesjährigen Landtagswahlkämpfen die AfD von vornherein als Gesprächspartner pauschal diskreditiert.

Der Bundespräsident fordert in seiner Weihnachtsansprache, keineswegs auf eine Auseinandersetzung über die Flüchtlingspolitik zu verzichen. Der Jubiläumskatholikentag von Leipzig ist in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangegangen – und hat die Auseinandersetzung über Alternativen von vornherein verweigert, indem Vertreter der AfD gleich ganz ausgeladen wurden.

Der Bundespräsident erklärt in seiner Weihnachtsansprache, der Terror sei „plötzlich“ zu uns vorgedrungen. So als habe es warnende Stimmen nicht schon seit längerem gegeben. Erinnert sei nur an die Beiträge der beiden SPD-Politiker Thilo Sarrazin und Richard Schröder in der F.A.Z, die in diesem Sommer erschienen sind (F.A.Z. v. 15. u. 22.08.2016).

Ob der Bundespräsident bei seiner Weihnachtsansprache an diese Beispiele gedacht hat!? Wer die „Gräben in unserer Gesellschaft“ nicht vertiefen will, sollte sich für einen fairen und freiheitlichen demokratischen Diskurs einsetzen. Gerade ein Bundespräsident, dem das Thema Freiheit am Herzen liegt, könnte hier als Vorbild wirken. Dafür müsste Gauck aber den Mut aufbringen, sich vom Konsens der Großen Koalititon auch einmal abzusetzen.

Jetzt – da die Weihnachtstage vergangen sind – wird über die Konsequenzen aus dem Berliner Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz diskutiert (vgl. F.A.Z. v. 28.12.2016, S. 4: „Auf Nummer Sicher gehen“) Die Migrationskrise hat gezeigt, dass die Europäische Union – wenn auch von den Eliten vielfach als solche beschworen – alles andere als eine Schicksalsgemeinschaft darstellt. Schengensystem und Dublinabkommen sind gescheitert. Für das Aufrechterhalten gemeinsam gelebter Freiheit ist es keinesfalls unerheblich, wenn der Nationalstaat schwindet. Denn wo Verbundenheit, wechselseitig übernommene Verpflichtungen und gegenseitiges Vertrauen fehlen, greifen Kontrolle und Regulierung immer stärker um sich und schwinden private Rückzugsräume. Wer – wie die gegenwärtige Bundesregierung – nicht mehr bereit ist, die Grenzen des eigenen Staates wirksam zu sichern und die Identität des eigenen Staatsvolkes aufrecht zu erhalten, muss immer mehr Grenzen, Kontroll- und Überwachungssysteme im Inland einrichten und immer stärker in die Privatsphäre der eigenen Bürger eingreifen.

Randnotiz: Neue Debatte um doppelte Staatsbürgerschaft

Nach dem CDU-Parteitag wird wieder einmal über die doppelte Staatsbürgerschaft diskutiert (vgl. F.A.Z. v. 8. Dezember 2016, S. 1 u. ö.). Wie der Parteitag deutlich machte, wachsen in der Union die Vorbehalte gegen dieses Integrationsinstrument. Die Kanzlerin hat erklärt, ihrer Partei in diesem Punkt nicht folgen zu wollen.

Die Macht des Staates gründet auf seiner Anerkennung durch die Staatsbürger, deren Rechtsgehorsam und der Einsicht, sich der Eigenmacht zu enthalten. Diese Gehorsamspflicht der Bürger ist kein fester Besitzstand. Auf Dauer wird der Staat Macht und Rechtsgehorsam nur gegen den Willen einer kleinen Zahl Abweichler behaupten können, ohne sich selbst in Frage zu stellen. Bei Mehrheits- und Kompromissentscheidungen wird es stets Unterlegene geben, die ihre Position nicht durchsetzen konnten. Dies zu akzeptieren, setzt  einen gesellschaftlichen Konsens voraus, ein Mindestmaß an Gemeinsamkeiten, auf das wir vertrauen können. Daher ist es für die Stabilität einer Demokratie keinesfalls belanglos, wie sich das Staatsvolk zusammensetzt. Die Integrationsfähigkeit sollte nicht überstrapaziert werden, beispielsweise durch doppelte Staatsbürgerschaft, welche die Gefahr von Loyalitätskonflikten birgt.

Antrag auf Einbürgerung und Annahme desselben stehen und fallen miteinander; daraus folgt eine Anpassungsverpflichtung des Einwanderers. Einbürgerung sollte erst dann möglich sein, wenn jemand Loyalität zum Aufnahmeland bewiesen hat und für sich selbst aufkommen kann. Ferner sollte der Rechtsstaat durch robustes Auftreten verhindern, dass fremde kulturelle Konflikte ins Land geholt werden. Eingeschränkt werden müssen zum Beispiel Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker oder die Verwendung fremder Hoheits- und Nationalsymbole im Gastland.

Veranstaltungsbericht: Stuttgarter Buchwochen

Peter Constantin berichtet in der Onlineausgabe des „Württemberg Reporter Magazins“ über seine Erfahrungen und Begegnungen auf den diesjährigen Stuttgarter Buchwochen – mit dabei auch der Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“:

http://www.wuerttemberg-reporter.de/aktuell/news-2016/reiseabenteuer-und-erlebnisse-auf-den-stuttgarter-buchwochen/

Constantins Fazit am Ende: „Die Stuttgarter Buchwochen sind […] nicht nur als eine Bereicherung für interessiertes Publikum zu sehen, sondern ebenso als Quelle des fachlichen und freundschaftlich inspirierenden Austausches von renommierten Autoren und Nachwuchsautoren.“

Rezension: Brücklmeierverein würdigt „Rote Fahnen, bunte Bänder“

Manfred Blänkner, Axel Bernd Kunze (Hgg.): Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 2016.

Das Weblog des Brücklmeiervereins hat den Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gewürdigt:

http://www.bruecklmeierverein.de/Aus_der_Forschung/Eintrage/2016/10/3_Rote_Fahnen%2C_bunte_Bander__Ein_Anfang%2C_der_Appetit_macht.html

Der Brücklmeiererein bietet eine Plattform an, von der aus wichtige Aspekte der corpsstudentischen Geschichte in ihrem zeithistorischen Bezug zu Kriegen und Konflikten – zum  „Widerstand“ – erforscht und beschrieben werden können. Der vom Brücklmeierverein gewählte Forschungsansatz ist generell wissenschaftlich. Bezogen auf die Korporationslandschaft ist dieser Ansatz verbändeübergreifend, nicht zuletzt, weil die alten, landsmannschaftlich geprägten Kösener Corps schon bald nach ihrer Stiftung von konkurrierenden oder sie imitierenden Verbindungen umgeben waren. Die Forschungsergebnisse sollen so auf größerer Ebene anwendbar werden, den Belangen des gesamten Korporationswesens in Mitteleuropa soll Rechnung getragen werden.

Der nächste Bundestagswahlkampf steht vor der Tür, doch das Parteiensystem befindet sich nicht im besten Zustand. Die politischen Parteien verlieren aus verschiedenen Gründen an Ansehen und erscheinen immer häufiger austauschbar. Nicht wenige fragen sich, für welche Werte die einzelnen Parteien heute noch stehen. Der vorliegende Band, der im Auftrag des Lassallekreises herausgegeben wurde, schaltet sich in die politische Wertedebatte ein und macht deutlich, welch wichtige Rolle Parteien wie Studentenverbindungen gleichermaßen für den Erhalt gesellschaftlicher Orientierungswerte spielen. Am Beispiel der Sozialdemokratie wird deutlich, wie parteipolitisches und couleurstudentisches Engagement gegenseitig bereichern können.

Eine öffentliche Vorstellung des Bandes durch Professor Dr. Rainer Blasius (Frankfurter Allgemeine Zeitung)  ist für das neue Jahr in Stuttgart geplant. Bei Interesse erhalten Sie weitere Informationen unter Kunze-Bamberg@t-online.de.