Segenswünsche zum Weihnachtsfest

File:Sagrada Familia por Goya (c. 1787).jpg

(Francisco da Goya: Sagrada Familia, um 1787, Prado, Madrid)

 

Gott wird Mensch, voll und ganz. Und das heißt auch: Er wird ein kleines Kind, angewiesen auf die Liebe und Zuwendung seiner Eltern. „Seht, der kann sich selbst nicht regen, durch den alles ist und war“, heißt es in einem Weihnachtslied. Es klingt paradox: Gott teilt unsere Erfahrungen, er durchlebt die Höhen und Tiefen des Lebens, von der Geburt bis zum Tod – und darüber hinaus. Doch gerade deswegen ist die Geburt Jesu der Beginn unserer Erlösung.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern meines Weblogs den Segen der Weihnacht und einen hoffnungsvollen Start in das neue Jahr – verbunden mit einem herzlichen Dank für allen bildungsethischen Austausch in diesem Jahr.

Gute Wünsche für einen gesegneten Advent

(Darbringung im Tempel: Meister der Pollinger Tafeln, 1444)

Simeon und Hanna stehen für die Gerechten im Volk Gottes, die an die alten Verheißungen Israels geglaubt und auf das Kommen des Messias gewartet haben. Ein Gerechter ist im Alten Testament, wer aus einer lebendigen Beziehung zum Wort Gottes lebt, der „Freude hat an der Weisung des Herrn“, wie es im Psalm 1 heißt. Wer als Gerechter lebt, verlässt sich auf Gottes Verheißungen und richtet sein Leben an der Schrift aus. Er setzt seine Hoffnung voll und ganz auf Gott und vertraut sich seiner Treue an.

An Simeon und Hanna können wir ablesen, was dies bedeutet: Beide sind gerecht und fromm – sie leben aus dem Wort Gottes. Dies meint nicht, die Schrift als ein Regelwerk zu nehmen, an das man sich kleinlich und zwanghaft zu halten habe. Es meint, die Schrift aus einer persönlichen, liebenden Hinwendung zu Gott her zu lesen und zu verstehen.

Und aus dieser Haltung heraus, erkennt Simeon eine Verheißung, die Gott für die Zukunft noch Größeres zutraut, als seine Treue bereits getan hat. Simeon wartete auf die Rettung Israels, heißt es im heutigen Evangelium.

Es ist derselbe Geist Gottes, der Simeon zur prophetischen Lektüre der Schrift ermutigt und der ihn nun, da sich die Zeit erfüllen soll, in den Tempel führt. Und er erkennt: In diesem Kind erfüllt sich die Schrift. Gottes Verheißungen erweisen sich als gültig.

Simeon, der Gerechte, ist ein prophetischer, wir können auch sagen: ein geistlicher Mensch. Als ein Hoffender ist er offen geblieben für Gottes Anruf. Er rechnet mit dem Heilshandeln Gottes in der Gegenwart. Dies drückt sich in seinem Lobpreis aus, den uns Lukas überliefert.

Der Lobgesang Simeons verwendet Worte des Propheten Jesaja. Diese machen zwei Dinge über dieses Kind deutlich: Zum einen wird Jesus in die Verheißungen seines Volkes gestellt, indem er mit dem Gottesknecht  im Buch Jesaja identifiziert wird. Dessen Sendung hat etwas Universales; sie geht, wie Jesaja deutlich macht, über Israel hinaus und beinhaltet eine Heilszusage an alle Völker. Zum anderen geht es um ein Trostwort an Israel: Die Herrlichkeit Gottes kündigt dem verängstigten Volk sein rettendes Eingreifen an.

Dies bestätigt sich noch einmal in Hannas prophetischer Verkündigung.

Gottes lebendiges Wort, in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 17 (2020), H. 1, S. 101 – 117.

In den kommenden Tagen werden wir wieder die uralten Verheißungen aus dem Buch Jesaja lesen. Lesen wir sie als Trostwort und auch Heilszusage an uns.  In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern meines Weblogs eine erwartungsvolle, trost- und segensreiche Adventszeit.

Ihr Axel Bernd Kunze

Neuerscheinung: Der Advent kündigt sich an …

(Matthias Grünewald, etwa 1515)

Adventliche Erwartung ist die Freude über eine unendlich verheißungsvolle, uns von Gott zugesagte Zukunft: ein Neuanfang, bei dem sich Befreiung und Erlösung verbinden.

Diese Zukunft ist nicht fern von uns. Als Christen glauben wir, dass diese Zukunft bereits begonnen hat: in Jesus Christus. Er selbst hat die Prophetenworte, die wir heute gehört haben, zum Maßstab gemacht, an dem wir erkennen können, dass Gottes Reich bereits unter uns begonnen hat – wenn er den Jüngern des Johannes erklärt: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht“ (Mt 11, 4).

Als Christen leben wir schon heute in der Zukunft Gottes. Und zugleich wissen wir, dass diese noch nicht vollendet ist. Noch liegen Kummer und Seufzen über der Schöpfung. Aber wir haben die feste Zukunft, dass diese nicht das letzte Wort haben werden. Die Zukunft, von der Jesaja kündet, ist bereits unwiderruflich angebrochen. Daher gehört zum Advent beides – der Ruf: Komm, o Herr, und erlöse uns!, genauso wie die Gewissheit: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Freut euch! Denn der Herr ist nahe.

… aus einem Predigtvorschlag zum dritten Adventssonntag:

Axel Bernd Kunze: Verheißungsvolle Freude (Jes 35, 1 – 6a. 10), in: Der Prediger und Katechet 159 (2020), H. 1, S. 25 – 28.

Gesegnete Pfingsten und erholsame Ferientage

So wie Vater und Sohn eins sind, wird Gottes Liebe auch für uns erfahrbar, wenn wir mit Jesus eins sind. Dabei geht es nicht um ein individuelles Gefühl, so etwas wie eine persönliche Hochstimmung. Vielmehr zeigt sich hier das Lebensprinzip der Kirche. Vater und Sohn sind nicht deshalb eins, weil sie durch ein bestimmtes Interesse, ein Versprechen oder ein Vereinsmerkmal miteinander verbunden sind. Sie sind vielmehr verbunden durch den Geist, der am gleichen Wesen von Vater und Sohn Anteil hat.

Auch bei der Kirche geht es nicht einfach um eine Gemeinschaft, die durch ein bestimmtes Interesse, ein Versprechen oder ein Vereinsmerkmal miteinander verbunden ist. Gottes Geist führt die Kirche zusammen. Er wirkt durch Taufe und Firmung in jedem einzelnen Gläubigen; durch ihn haben wir direkten Zugang zum Geheimnis Gottes.

Die Kirche bleibt in der Spur Gottes, wo sie diese geistgeschenkte Einheit nicht aufs Spiel setzt. Der Geist bürgt für Gottes Versprechen, die dieser uns gegeben hat. Er führt uns heute als weltweite Kirche zusammen und verbindet uns mit den Christen, die vor uns gelebt haben. Darum bekennen wir uns im Glaubensbekenntnis ausdrücklich zur Apostolizität als einem zentralen Merkmal unseres Kircheseins: Durch Gebet und Handauflegung stehen wir in ununterbrochener Gemeinschaft mit dem Glauben der ersten Jünger. Geltung beanspruchen kann in der Kirche nur das, was diese Verbundenheit wahrt und sich auf den apostolischen Glauben berufen kann.

Kirche ist kein Traditionsverein, sie lebt aus der unmittelbaren Erfahrung des Geistes, der immer wieder neu und überraschend in ihr wirkt – aber nur dann, wenn sie sich nicht abschneidet von ihrem Ursprung. Daher ist Jesus das Gebet um die Einheit so wichtig. Ohne die geistgewirkte, lebendige Beziehung zu Jesus Christus wäre die Kirche abgeschnitten vom Wasser des Lebens, würde jener Strom des Glaubens versiegen, der uns mit den frühen Christen verbindet, der die Kirche immer wieder neu belebt und der sie fortdauern lässt bis zur Vollendung, wenn ihr Herr wiederkommt.

(Axel Bernd Kunze, in: WortGottesFeier an allen Sonn- und Feiertagen, 3/2019, S. 481 ff.)

Liebe Leser und Leserinnen meines Weblogs,

mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen gesegnete, geisterfüllte Pfingsttage sowie erholsame Pfingstferien. Ich freue mich auch weiterhin auf die engagierte bildungsethische Diskussion mit Ihnen.

Ihr Axel Bernd Kunze

Gesegnete Kar- und Ostertage

Liebe Leserinnen und Leser meines Weblogs,

ich wünsche Ihnen allen gesegnete Kar- und Ostertage sowie erholsame Feiertage.

Ich freue mich, wenn Sie die Beiträge und Nachrichten zu einer Sozialethik der Bildung weiterhin interessiert und engagiert begleiten.

Ihr Axel Bernd Kunze

Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist.

So wie Vater und Sohn eins sind, wird Gottes Liebe auch für uns erfahrbar, wenn wir mit Jesus eins sind. Dabei geht es nicht um ein individuelles Gefühl, so etwas wie eine persönliche Hochstimmung. Vielmehr zeigt sich hier das Lebensprinzip der Kirche. Vater und Sohn sind nicht deshalb eins, weil sie durch ein bestimmtes Interesse, ein Versprechen oder ein Vereinsmerkmal miteinander verbunden sind. Sie sind vielmehr verbunden durch den Geist, der am gleichen Wesen von Vater und Sohn Anteil hat.

Auch bei der Kirche geht es nicht einfach um eine Gemeinschaft, die durch ein bestimmtes Interesse, ein Versprechen oder ein Vereinsmerkmal miteinander verbunden ist. Gottes Geist führt die Kirche zusammen. Er wirkt durch Taufe und Firmung in jedem einzelnen Gläubigen; durch ihn haben wir direkten Zugang zum Geheimnis Gottes.

Die Kirche bleibt in der Spur Gottes, wo sie diese geistgeschenkte Einheit nicht aufs Spiel setzt. Der Geist bürgt für Gottes Versprechen, die dieser uns gegeben hat. Er führt uns heute als weltweite Kirche zusammen und verbindet uns mit den Christen, die vor uns gelebt haben. Darum bekennen wir uns im Glaubensbekenntnis ausdrücklich zur Apostolizität als einem zentralen Merkmal unseres Kircheseins: Durch Gebet und Handauflegung stehen wir in ununterbrochener Gemeinschaft mit dem Glauben der ersten Jünger. Geltung beanspruchen kann in der Kirche nur das, was diese Verbundenheit wahrt und sich auf den apostolischen Glauben berufen kann.

Kirche ist kein Traditionsverein, sie lebt aus der unmittelbaren Erfahrung des Geistes, der immer wieder neu und überraschend in ihr wirkt – aber nur dann, wenn sie sich nicht abschneidet von ihrem Ursprung. Daher ist Jesus das Gebet um die Einheit so wichtig. Ohne die geistgewirkte, lebendige Beziehung zu Jesus Christus wäre die Kirche abgeschnitten vom Wasser des Lebens, würde jener Strom des Glaubens versiegen, der uns mit den frühen Christen verbindet, der die Kirche immer wieder neu belebt und der sie fortdauern lässt bis zur Vollendung, wenn ihr Herr wiederkommt.

Axel Bernd Kunze, aus einer Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit, in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 16 (2019), H. 3, S. 481 – 495.

Schlaglicht: Boykottaufruf gegen „Die Neue Ordnung“

Die Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik – die Vertretung der Lehrstuhlinhaber für Christliche Sozialethik im deutschsprachigen Raum – hat mit einer Erklärung vom 12. März 2019 zum Boykott der dominikanisch-sozialethischen Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ aufgerufen. Die Erkärung wurde auf den eigenen Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft veröffentlicht:

http://www.christliche-sozialethik.de/wp-content/uploads/2019/03/Ag-CSE_Die-Neue-Ordnung_Erklaerung.pdf

Die Dominikanerprovinz wird ausdrücklich aufgefordert, den Boykott aktiv durchzusetzen. Es ist skandalös, dass Wissenschaftler auf diese Weise den freien wissenschaftlich-publizistischen Diskurs zu unterbinden suchen und zur Säuberung wissenschaftlicher Bibliotheken aufrufen. Hier bewahrheitet sich ein Satz aus der aktuellen politischen Debatte in abgewandelter Form: Schlimmer als die Verfolgung der Wissenschaft ist die Verfolgung durch die Wissenschaft.

Namhafte Autoren wie Norbert Blüm, Josef Isensee oder Hans Maier, um nur drei Beispiele zu nennen, stehen für das anerkannte Renommee der „Neuen Ordnung“. Diese bleibt eine wichtige, traditionsreiche (darauf weist die Erklärung selber hin) und profilierte wissenschaftliche Fachzeitschrift, die für einen vitalen, intellektuell anregenden Pluralismus innerhalb der Christlichen Sozialethik unverzichtbar ist. Sowohl „Die Neue Ordnung“ als auch „Wort und Antwort“ zeugen vom wissenschaftlichen Engagement und der akademischen Tradition der deutschen Dominikaner. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Orden den Boykottforderungen nicht unterwirft und „Die Neue Ordnung“ in gewohnter Qualität erhält.

Niemand muss teilen, was in einer Zeitschrift veröffentlich wird. Aber es muss gedruckt werden können, damit darüber diskutiert und gestritten werden kann. Ansonsten wird man am Ende feststellen: Wo alle gleich denken, denkt am Ende niemand mehr.

Die streitbare „Neue Ordnung“ bleibt als profilierte Stimme der deutschsprachigen Sozialethik sowohl für den wissenschaftlichen als auch politisch-gesellschaftlichen Diskurs unverzichtbar – unabhängig davon, welcher parteipolitischen Richtung der Einzelne zuneigt oder welche Presseorgane der Einzelne persönlich bevorzugt. Es geht um nichts Geringeres als den Erhalt der Freiheit – um die Presse- und Wissenschaftsfreiheit, um den Erhalt eines (angst-)freien, pluralen publizistischen Diskurses in der Kirche und in unserem Land. Und dafür lohnt es sich zu streiten.

PS: In Zeiten wie diesen – und es sind die unsrigen – ersetzen Bekenntnisse den streitbaren Diskurs. Daher sei auch an dieser Stelle ein Bekenntnis angeschlossen: Ich werde „Die Neue Ordnung“ – zusätzlich z u weiteren, anders ausgerichteten Zeitschriften – abonnieren, als kleiner Beitrag zur Sicherung publizistischer Pluralität.