Rezension: Die Zukunft des Buches

Das KI-Zeitalter hat begonnen, und dies auch in Schulen und Hochschulen. Kommt damit das definitive Ende der Gutenberg-Galaxis? Hat das Buch als Leitmedium ausgedient? Wird Lesen künftig überflüssig?

Mithilfe Künstlicher Intelligenz können in kurzer Zeit umfangreiche Inhalte, Texte und Informationen generiert werden. Es muss aber klar bleiben, dass es sich dabei um maschinengenerierte Äußerungen handelt. Diese zu generieren, fördert bestimmte Kompetenzen, die für die Nutzung von KI-Tools wichtig sind, etwa das effektive Prompting. Andere Fähigkeiten wie schriftsprachlicher Ausdruck, Lesefähigkeit, hermeneutische oder ethische Urteilskompetenzen können nicht generiert werden, sie müssen weiterhin handlungspraktisch vermittelt und eingeübt werden.

Es braucht offenbar das Buch. Dennoch ist die Frage nach der Zukunft des Buches schwer zu beantworten, wie Volker Ladenthin und Werner Zillig in ihrem Dialogbuch feststellen. Der eine Professor für Erziehungswissenschaft, der andere Schriftsteller und Germanist. Beide tauschen sich über ihre Lese- und Bucherfahrungen aus – und das mit einer erstaunlichen thematischen Breite. Die Themen des Bandes lassen sich leicht über ein ausführliches Register auffinden.

Mit der Zukunft des Buches steht einiges auf dem Spiel, ist Ladenthin überzeugt. Denn – so eine seiner Kernthesen: „Der Verzicht auf das Buch ist ein Verzicht auf komplexes Denken. Ohne Buch würde unsere Welt zu reiner Gegenwart“ (S. 101). Wir müssen uns demgegenüber nur Texte anschauen, die mit KI erstellt sind – und prinzipiell unwiederholbar sind. Beim Schreiben klären sich die Gedanken.

„Wer schreibt, der bleibt“, wusste der Volksmund. Bücher, die einmal in der Welt sind, können nicht mehr zurückgeholt werden, heißt es im vorliegenden Dialog. Ja, es hat immer wieder Versuche gegeben, Bücher aufzukaufen, zu vernichten, wieder einzusammeln. Doch dann taucht immer noch ein Exemplar in irgendeinem Antiquariat auf.

Und bei manchen Büchern dauert es auch, bis ihre Zeit kommt. Was wäre, wenn Bücher künftig weniger für die Gegenwart als vielmehr für die Zukunft geschrieben würden? Geschrieben, damit es geschrieben ist, damit es aufbewahrt wird. Das Buch würde zur Gegenwelt, zum Speichermedium für Gedanken abseits des Konventinellen und Zeitgemäßen, die heute in der Breite nicht mehr verstanden und vielfach auch gar nicht erst rezipiert werden. Das Buch wird Zukunft haben – ist Wener Zillig überzeugt: „Wenn die KI einmal komplett selbständig kreative Texte schreibt, dann wird die Sache so wie beim Schach aussehen: Es gibt Computerprogramme, die schreiben, und es gibt weiterhin Menschen, die schreiben“ (S. 218).  Vielleicht – so Zilig – werde es wenige sein, aber es wird sie geben. Und ebenso elitäre Lesezirkel, die stolz darauf sind, noch menschliche Romane zu lesen. Computerspiele faszinieren Heranwachsende, aber längst nicht alle, wie Zillig schreibt. Auch hier gilt es, zwischen Sein und Sollen zu unterscheiden.

Die beiden Autoren zeigen mit ihrem Dialog sehr anschaulich, wie vielfältig Bücher, Lesen, Leseanlässe und Leseerfahrungen sein können – ganz analog. Die Zukunft des Buches hat begonnen. Es liegt an uns, auf welche Seite wir uns ziehen lassen.

PS: Auch der vorliegende Band ist zugleich als E-Book erhältlich.

Volker Ladenthin, Werner Zillig: Die Zukunft des Buches. Ein Dialag, Würzburg: Königshausen & Neumann 2025, 265 Seiten.

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