Rezension: Der „Schwarze General“ – ein Beispiel aus dem konservativ-katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Theodor Groppe (1882 – 1973) war katholischer Berufsoffizier, Absolvent der preußischen Kriegsakademie in Berlin, überzeugter Monarchist und im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet mit dem Orden „Pour le Merite“. Pius XII. ehrte ihn 1952 mit dem Komturkreuz des Ritterordens vom Hl. Gregor dem Großen – „in Anerkennung der hohen Verdienste um die Kirche und seines charaktervollen Verhaltens den Zeiten des Nationalsozialismus“. Doch trotz dieser höchsten päpstlichen Auszeichnung blieb Groppes Widerstand im Zweiten Weltkrieg vielfach unbekannt. Allein die Truppenunterkunft des Panzerbataillons 213 in Augustdorf trägt seinen Namen. Dabei könnte der „schwarze General“, wie Groppe genannt wurde, für die Bundeswehr in hohem Maße ein traditions- und ethosbildendes Vorbild sein.

Theodor Groppe verband als Offizier soldatische Tugenden und persönliche, durch einen lebendigen Glauben gereifte Gewissensüberzeugung – bis zur Bereitschaft, sein eigenes Leben für diejenigen einzusetzen, für die er moralisch verantwortlich war. Groppe konnte auch unter den Einschränkungen des Versailler Vertrages in der Reichswehr verbleiben. Er war von Anfang an ein entschiedener Gegner Hitlers und des Nationalsozialismus. Als Berufsoffizier verblieb er in der Wehrmacht, auch in der Anfangszeit des Zweiten Weltkrieges. Am 1. November wurde er zum Generalleutnant ernannt – ein Titel, der ihm am 3. Mai 1942 aberkannt wurde, nachdem er bereits 1940 degradiert und Ende 1941 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ aus dem aktiven Dienst entlassen worden war. 1952 wurde Groppe in der noch jungen Bundesrepublik wieder in seine Rechte als Generalleutnant a. D. eingesetzt.

Es waren vor allem zwei Ereignisse, die hierzu geführt hatten: Im Dezember 1939 widersetzte er sich als Kommandeur am Westwall einem von der Parteileitung angeordneten Pogrom und gab seinen Truppenteilen den Befehl, Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung zu verhindern. Dann widersetzte er sich dem sogenannten „Zeugungsbefehl“ Heinrich Himmlers vom 28. Oktober 1939, der den Angehörigen der SS und der Polizei nahelegte, möglichst viele, auch uneheliche, Kinder zu zeugen. Groppe nannte diesen Befehl „an Schamlosigkeit nicht zu überbieten“ und beklagte, dass Frauen und Töchter damit zum Freiwild würden.

Groppe schützten zunächst seine hohen Auszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg; verhaftet wurde der dann im Zuge des gescheiterten Hitlerattentates, an dem er nicht beteiligt war. Groppe wurde in verschiende Militärgefängnisse verschleppt – und hatte großes Glück: Ein Hinrichtungsbefehl wurde in den Wirren der letzten Kriegstage nicht mehr vollstreckt.

Haltung bewies Groppe noch einmal durch seine Aussage unter Eid im Spruchkammerverfahren gegen Ernst Maisel, einen der Überbringer des Ultimatums und der Giftampulle an Ernst Rommel. Er wurde deswegen von Generaloberst von Vormann im Gerichtssaal auf ehrverletzende Weise angegriffen, was Groppe später mit einem Brief beantwortete: „Als Himmler seine Schlächterbanden auf die jüdische Bevölkerung von Warschau losließ und tausende und abertausende von Männern, Frauen und Kindern niedermetzeln ließ, sahen Sie, als Oberbefehlshaber der Armee, in deren Bereich diese Greueltaten sich abspielten, tatenlos zu und respektierten den ‚höheren Befehl‘ des Massenmörders. […] Zwischen ihrer Weltanschauung und der meinigen klafft ein unüberbrückbarer Abgrund“ (S. 83).  

Theodor Groppe war sich immer bewusst, so schrieb sein Sohn – Pater Lothar Groppe SJ – zum neunzigsten Geburtstag über seinen Vater, dass über dem Befehl immer Gott stehe. Der „schwarze General“, der als Soldat nie einer Regierung oder Partei dienen wollte, veröffentlichte seine Erinnerungen 1947 unter dem Titel „Ein Kampf um Recht und Sitte“. Mit „Theodor Groppe – der ‚Schwarze General‘“ liegen diese vergriffenen Erinnerungen wieder vor, ergänzt um einen biograhpischen Vortrag seines Sohnes und weitere Materialien aus dem privaten Archiv Lothar Groppes.

Theodor Groppe – der „Schwarze General“. Ein katholischer Soldat im Kampf für Recht und Sitte, Bad Schussenried: Gerhard Hess 2008, 176 Seiten.

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