Lernen im Grünen: Was bedeutet Naturpädagogik?

Wir Menschen leben immer schon in Beziehungen: zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zu unser Umwelt, der natürlichen wie der kulturell-technischen. Bildung hilft, diese Beziehungen, in die wir immer schon unweigerlich verstrickt sind, zu klären und zu gestalten. Damit ist auch die Aufgabe der Schule beschrieben: Diese soll die Heranwachsenden dabei unterstützen, sich einen differenzierten Selbst-, Fremd- und Weltentwurf zu erarbeiten. Für eine Fachschule für Sozialpädagogik gilt dies in doppelter Hinsicht: Denn was die Auszubildenden in ihrem eigenen Bildungsprozess erfahren, sollen sie im praktischen Teil der Ausbildung und später im Beruf an Kinder und Jugendliche weitergeben. Von klein auf sollen sie die Heranwachsenden bei derselben dreifachen Bildungsaufgabe begleiten.

In der Begegnung mit ihrer natürlichen Umwelt können Kinder diese als etwas Wertvolles, Lebenswertes und damit Schützenswertes erfahren. Doch die Entwicklung einer verantwortlichen, interessierten Haltung zur Natur hängt ganz entscheidend davon ab, inwieweit Kinder überhaupt Möglichkeiten zur Naturbegegnung in ihrem Lebensumfeld vorfinden. Viele Kinder, nicht zuletzt in einer städtisch geprägten Region, sind weitgehend von naturnahen Räumen wie Bach, Wald oder Wiese abgeschnitten. Der Lebensraum wird von Verkehr dominiert. Viele Erfahrungen machen die Kinder medial vermittelt. Überdies sehen wir, dass die natürlichen Ressourcen begrenzt sind und wir mit diesen verantwortlich umgehen sollten.

Ein naturpädagogisches Profil, das ganzheitlich angelegt sein soll, verbindet umweltbezogene, soziale und anthropologische Fragen miteinander und durchdringt somit alle Fächer und Handlungsfelder (z. B. geht es um Bewegungspädagogik, LandArt, den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen im Kunstunterricht, Aspekte gesunder und ökologischer Ernährung oder schöpfungstheologische Fragen im Religionsunterricht), die in der Ausbildung Pädagogischer Fachkräfte heute wichtig sind. Im Vordergrund stehen nicht neue Inhalte; dies wäre angesichts der bestehenden Lehrpläne weder didaktisch sinnvoll noch zeitlich möglich. Vielmehr geht es darum, die Bildungsinhalte im Rahmen des Schulcurriculums so zu strukturieren, dass für die Lernenden die drei genannten Dimensionen erfahrbar und damit zugleich aus naturpädagogischer Perspektive „befragbar“ werden. Die angehenden sozialpädagogischen Assistentinnen sowie Erzieher sammeln eigene Erfahrungen und reflektieren diese. Zugleich sollen sie die notwendigen didaktisch-methodischen Fähigkeiten erwerben, die es braucht, Kindern zu helfen, sich die Welt zu erschließen und zu verstehen.

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