Schlaglicht: Erziehung zur Freiheit?

Deutschland diskutiert über ein Kopftuchverbot für Grundschülerinnen (Helene Bubrowski: Erziehung zur Freiheit, F.A.Z. v. 30.08.2019). Was als „Erziehung zur Freiheit“ verkauft wird, ist am Ende eine deutliche Einschränkung des Elternrechts. Der weltanschaulich neutrale Staat wird übergriffig, wenn er die selbstbestimmte Religionsausübung in der Familie erst ab dem vierzehnten Lebensjahr eines Kindes anerkennen will. Beim Gutachten des Tübinger Verfassungsrechtlers Martin Nettesheim bleibt unklar, warum die Gleichstellung von Mann und Frau höher gewichtet werden soll als die Religionsfreiheit oder das Elternrecht, die gleichfalls Grundrechtsrang besitzen. Mitunter entsteht der Eindruck, der Gleichheitsgedanke sei der einzige Grundwert, auf den sich eine Gesellschaft, deren christlich-kulturelle Identität sich immer mehr verflüchtigt, noch verständigen kann. Doch Vorsicht: Die plurale Gesellschaft wird nicht zwangsläufig toleranter und freier. Wo gemeinsam geteilte Übereinstimmungen im Zusammenleben schwinden und kulturelle Konflikte wachsen, muss der Staat zunehmend steuern. Eingriffe in die private Lebensführung sind vorprogrammiert. Erst ein Mindestmaß an kulturellen Selbstverständlichkeiten und konkret gelebten Orientierungswerten ermöglicht gesellschaftliche Freiheit.

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kopftuchverbot-fuer-maedchen-an-grundschulen-16358244.html

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