Zwischenruf: Grundrechtsträger ist der Souverän, nicht der Untertan

Tobias Heimbach rührt in seinem Kommentar vom 11./12.01.2025 (Waiblinger Kreiszeitung, S. 1) die Werbetrommel für eine Widerspruchslösung bei Organspenden. Zum Schaden unserer Verfassungsordnung, die coronapolitisch schon stark gelitten hat. Die bisher nicht aufgearbeitete Coronapolitik war eine Blaupause dafür, welche Freiheitseinschränkungen Bürger mitzumachen bereit sind. Der Ausverkauf des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit soll weitergehen. Organspende darf im freiheitlichen Verfassungsstaat nur eine freiwillige Entscheidung des Einzelnen sein. Grundrechtsträger ist der Souverän, nicht der Untertan. Anreize für Spendebereitschaft ja, aber unter Beachtung des freien Willens mündiger Bürger. Wenn der Einzelne nicht mehr über seinen Körper verfügen darf, wird dieser zur Verfügungsmasse eines Sozialstaates, der individuelle Grundfreiheiten umkehrt in Ansprüche der Gemeinschaft an den Einzelnen. So war unser Grundgesetz, das vergangenes Jahr 75 geworden ist, nicht gemeint gewesen.

Rezension: Kulturstaat ohne Religion nicht denkbar

Walter Tetzloff rezensiert den Band „Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates“ von Axel Bernd Kunze, erschienen in der Reihe „Zeitdiagnosen“ im Lit-Verlag Münster:

„Religion wird als fester Bestandteil unserer geistigen Geschichte gesehen, und ihr Beitrag zur europäischen Kultur steht, so Kunze, keineswegs im Widerspruch zum weltanschaulich neutralen Staat, wie ihn das Grundgesetz postuliert. […] Die philosophischen und ethischen Begründungen, die dieses Buch reichlich aufzeigt, und dies auf einem Niveau höchster Abstraktion (was eine sehr konzentrierte Lektürehaltung voraussetzt), sind zahlreich und für viele von uns sicher überzeugend. […] Und dennoch: Nicht jeder Leserin oder jedem Leser wird das kluge Plädoyer Axel Bernd Kunzes gefallen. Mancher mag eine andere – ebenfalls legitime – von der Kirche losgelöste Werteorientierung haben und dem Autor an einigen Stellen widersprechen. Es ist aber nicht leicht, sich der stringenten und historischen begründeten Gedankenführung Kunzes zu entziehen.“

Walter Tetzloff: Abendländischer Kulturstaat – ohne Religionsbezug nicht denkbar, in: Profil. Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft, Nr. 12/2024, S. 40.

Aus der Schulpraxis: Aus einem Grußwort im Neujahrsgottesdienst

„Prüft alles und behaltet das Gute“ – die diesjährige Jahreslosung aus dem ersten Thessalonicherbrief kann auch als pädagogische Maxime gelten. Sie werden in diesem Jahr – hoffe ich – viel Neues lernen und erfahren. Prüfen Sie das Gelernte. Nehmen Sie dazu Stellung. Entwickeln Sie daraus Ihre Vorstellung von Bildung, Erziehung und Betreuung. Entwickeln Sie auf Basis des Gelernten und Ihrer eigenen Erfahrungen und Gedanken, Ihrer Interessen und Ihrer Motivation Ihre eigenständige Erzieherpersönlichkeit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Erfolg für die Aufgaben und Herausforderungen dieses Jahres – eines Jahres, das Sie ihrem Ausbildungsabschluss und Ihrem angestrebten Beruf wieder ein Stück näher bringt.

Denen von Ihnen, die in diesem Jahr Ihre Abschlussprüfung anstreben, wünsche ich dafür in besonderer Weise alles Gute, Erfolg und Gottes Segen.

Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich alles Gute, Kraft, Freude und Gottes Segen für die pädagogische Arbeit in diesem neuen Jahr.

„Prüft alles und behaltet das Gute“. Nehmen wir dieses Wort mit hinein in das neue Jahr, das vor uns als Schulgemeinde liegt. In diesem Sinne Ihnen allen und Ihren Angehörigen ein gutes, ein fruchtbares, ein von Gott gesegnetes Jahr 2025.