Was macht das besondere Profil evangelischer Bildung und evangelischer Schulen aus? Engagiert diskutierten die Vertreter evangelischer Fachschulen Mitte November in Berlin auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des Bundesverbands evangelischer Ausbildungsstätten (BeA) über diese Frage. „Frühkindliche Bildung ist nicht zukunftsfixiert, sondern sie ist zukunftsoffen. Frühkindliche Bildung aus evangelischer Perspektive hat nicht Funktion, sondern sie hat Bedeutung. Frühkindliche Bildung aus evangelischer Perspektive hat nicht Zweck, sondern sie hat Wert“, fasste der Vorsitzende, Norbert Göttker, am Ende der beiden Sitzungstage das Selbstverständnis des Verbandes zusammen. Der BeA, ein Fachverband innerhalb der Diakonie Deutschland, ist die Interessenvertretung der evangelischen Fachschulen für Sozialpädagogik auf Bundesebene. Weitere Informationen finden sich unter: www.beaonline.de.
Randnotiz: Parteipolitische Verengung im ZdK
Einzelpersönlichkeiten hätten es bei der Wahl ins Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mittlerweile schwer, meint Daniel Deckers in der F.A.Z. vom 19. November 2016. Eine Ursache mag darin liegen, das sich das ZdK immer deutlicher als Sprachrohr des linksliberalen Mainstreams zeigt. Schon der Jubiläumskatholikentag von Leipzig verweigerte von vornherein den Diskurs über politische Alternativen und diskreditierte sich damit selbst. Diese Diskursverengung mag dazu beitragen dass schon Teile der F.D.P. aus dem politischen Rahmen fallen, den die Verbandsfunktionäre noch als zulässig erachten. Wer die christliche Botschaft parteipolitisch verengt, schadet am Ende sich selbst. Zum einen verliert das ZdK an Gewicht, wenn der Eindruck entsteht, es vertrete nicht mehr die gesamte Breite des Laienkatholizismus. Zum anderen verliert der innerkirchliche Diskurs an geistiger Vitalität, wenn er parteipolitisch verengt wird. Vermutlich wird das ZdK konservative oder freiheitliche Positionen auf Dauer nicht gänzlich aussperren können und – wie einstens bei den Grünen (Deckers erinnert in seinem Beitrag daran) – auch bei der AfD irgendwann zurückrudern.
Tag der Freien Schulen Baden-Württemberg am 25. November 2016
Den heutigen 25. November 2016 hat die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Baden-Württemberg erneut zum „Tag der Freien Schulen“ ausgerufen. Die Trägerverbünde der Freien Schulen möchten mit diesem Tag auf die Vielfalt und Innovationskraft, die von der Arbeit der Freien Schulen ausgeht, aufmerksam machen. Die Freien Schulen sind wichtiger und etablierter Bestandteil der baden-württembergischen Schullandschaft und bereichern diese auf vielfache Weise durch alternative Lern- und Lehrkonzepte. Die Besuche in den Freien Schulen ermöglichen den Landespolitikern nicht nur, deren Schulalltag kennen zu lernen, sie können sich darüber hinaus auch über neue Konzepte und Ideen informieren, mit denen die Freien Schulen den Herausforderungen begegnen, die Gesellschaft und Bildungspolitik an die Schulen stellen.
Anlässlich des „Tages der Freien Schulen“ konnte Gesamtschulleiter PD Dr. Axel Bernd Kunze Herrn Claus Paal, den örtlichen Landtagsabgeordneten aus Weinstadt, an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt begrüßen. In einem Hintergrundgespräch mit der Schulleitung und der Fachschaft Gemeinschaftskunde informierte er sich über Ausbildungsmöglichkeiten, Fortbildungsangebote und Schwerpunkte der Schulentwicklung. Beide Seiten waren sich darin einig, dass die Freien Schulen in Baden-Württemberg verlässliche finanzielle und personalpolitische Rahmenbedingungen benötigen. Beeindruckt zeigte sich der Arbeits- und Wirtschaftspolitiker nicht zuletzt von der hohen Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Ausbildungsmöglichkeiten, welche die Fachschule anbietet: Die Bandbreite reicht von der Kinderpflegeausbildung für Bewerber mit Hauptschulabschluss über die Erzieherausbildung für Realschüler und Gymnasiasten bis zum Erwerb eines Bachelorabschluss im Integrierten Studienmodell, das die Schule künftig mit der Evangelischen und Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg anbieten wird. Vereinbart wurde eine Zusammenarbeit mit der neugegründeten „Forscherfabrik Schorndorf“. Dadurch kann nicht zuletzt der Profilbereich „Forschen und Experimentieren“ weiter gestärkt werden.
In der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Baden-Württemberg (AGFS) arbeiten Verbände von Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft (Privatschulen) zusammen. Die AGFS vertritt rund sechshundertvierzig allgemein und berufsbildende Ersatzschulen – einschließlich Sonderschulen – mit rund hundertzwanzigtausend Schülern. Hinzu kommen rund fünfhundert Ergänzungsschulen, die keine staatliche Entsprechung haben. Die AGFS bündelt die Interessen aller privaten Bildungseinrichtungen – sie erarbeitet Grundsätze und Ziele für das freie Bildungswesen und ist Ansprechpartnerin für Politik, Regierung und Schulaufsicht. Sie setzt sich für ein vielfältiges Schulwesen, größtmöglichen Gestaltungsspielraum und für gleiche finanzielle Rahmenbedingungen für die Privatschulen ein. Schulen in freier und staatlicher Trägerschaft bilden das öffentliche Bildungswesen.
Tagungsbericht: Forum Sozialethik 2016
Im aktuellen Heft 4/2016 der internationalen Zeitschrift für Christliche Sozialethik AMOSinternational ist ein Tagungsbericht zum diesjährigen „Forum Sozialethik“ erschienen. Die jungen Sozialethikerinnen und Sozialethiker diskutierten Anfang September in der Katholischen Akademie in Schwerte zu den Themen „Flucht – Zuwanderung – Integration“. Leider werden im Tagungsbericht kontroverse Streitfragen stark geglättet. Die bekannten gesellschaftlichen Kontroversen zur gegenwärtigen Migrationspolitik waren im Rahmen des Forums durchaus stärker spürbar:
Der Beitrag des Weblogverfassers zu den Chancen und Grenzen schulischer Integration wurde im September in diesem Weblog veröffentlicht:
https://bildungsethik.wordpress.com/2016/09/07/vortrag-chancen-und-grenzen-schulischer-integration/
Neuerscheinung: Globales Lernen in der Elementarbildung
Ein neuer Beitrag für das Onlinenachschlagewerk „Das Kita-Handbuch“ beschäftigt sich mit Globalem Lernen in der Elementarbildung. Der Verfasser fragt:
- Wie lässt sich die Beschäftigung mit globalen Fragen in der Sozialpädagogik begründen?
- Inwiefern ist Globalisierung ein Bildungsthema?
- Welche Chancen und Grenzen stellen sich beim Globalen Lernen?
- Was bedeuten globale Fragestellungen für das Selbstverständnis der Elementarbildung?
- Wie lässt sich Globales Lernen im Kindergarten konkret realisieren?
Axel Bernd Kunze: Globales Lernen als Auftrag an die Elementarbildung, in: Martin R. Textor (Hg.): Das Kita-Handbuch, online unter: http://www.kindergartenpaedagogik.de/1789.html
Bildungspolitik: Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Erzieherausbildung
Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Erzieherausbildung sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, gerade auch im Hinblick auf Möglichkeiten der akademischen Weiterqualifizierung (die folgende Darstellung berücksichtigt vor allem die Situation in Baden-Württemberg).
Die an der Fachschule für Sozialpädagogik im Rahmen der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher erworbene Qualifikation entspricht im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) der Niveaustufe 6, das Kompetenzniveau am Ende der Ausbildungist damit einem Bachelorabschluss vergleichbar
Im Rahmen der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher ist es möglich, die allgemeine Fachhochschulreife erwerben. Schüler und Schülerinnen, die sich dazu entschließen, erhalten nach dem erfolgreichen Bestehen der Prüfung am Ende der schulischen Ausbildung ein „Zeugnis der Fachhochschulreife“, das ihnen die allgemeine Fachhochschulreife vermittelt. Mit dieser ist die Studienberechtigung nicht auf eine bestimmte Fachrichtung beschränkt. Das Zeugnis der Fachhochschulreife entspricht der Rahmenvereinbarung über Fachschulen der Kultusministerkonferenz vom 07. November 2002, derzeit in der Fassung vom 12. Dezember 2013.
Mit dem Erwerb der Fachhochschulreife stehen Erzieherinnen und Erziehern zahlreiche akademische Anschlussmöglichkeiten und Studiengänge offen:
So können sie mit der Fachhochschulreife grundsätzlich an einer Fachhochschule aufgenommen werden. Auch das Studium der Kindheitspädagogik an einer Pädagogischen Hochschule ist möglich. Über zusätzlich zu erbringende Voraussetzungen (z. B. Praktika, Aufnahmeprüfungen) informieren die Zulassungsstellen der Hochschulen.
Baden-Württemberg bietet mit der sogenannten zentralen, fachunabhängigen Deltaprüfung mittlerweile auch Schülerinnen und Schülern mit Fachhochschulreife die Möglichkeit, sich um einen Studienplatz zu bewerben, für den normalerweise das Abitur notwendig ist. Die Prüfung wurde so benannt, weil sie ermöglicht, das „Delta“ zwischen dem eigenen Schulabschluss und einem möglichen Wunschstudium zu schließen. Für Erzieherinnen und Erzieher mit Fachhochschulreife bietet dies zusätzliche interessante Anschlussmöglichkeiten in universitären Studiengängen (z. B. in einem Studium für das Lehramt).
In einigen Bundesländern können staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher mit Fachhochschulreife unter bestimmten Umständen auch ein Bachelorstudium an einer Universität aufnehmen.
In Baden-Württemberg stehen gegenwärtig an neun Hochschulen Bachelorstudiengänge der Frühen Kindheit zur Verfügung.
Ein Studium der (Frühen) Kindheit oder der Frühkindlichen Bildung und Erziehung kann als Möglichkeit der Weiterbildung und des beruflichen Aufstiegs für Leitungsfunktionen oder für eine Aufgabe als Fachberaterin/Fachberater genutzt werden.
Die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik kann mit bis zu 60 Credits auf ein Bachelorstudium der Frühen Kindheit angerechnet werden. Dies entspricht einer Studienzeitverkürzung um ein Drittel bzw. zwei Semester.
Die evangelischen Fachschulen in Württemberg bieten überdies die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Integrierten Studienmodell, das in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg angeboten wird. Wissenschaftspropädeutische Lehrveranstaltungen im Oberkurs bereiten bereits während ihrer schulischen Ausbildung auf das Studium vor. Während des Berufspraktikums arbeiten die Studierenden vier Tage in ihrer Praktikumseinrichtung, daneben sind sie bereits an der Hochschule immatrikuliert und absolvieren einen Studientag pro Woche. Auf diese Weise benötigen sie im Anschluss an die Verleihung der staatlichen Anerkennung zur Erzieherin/zum Erzieher, mit der das Berufspraktikum abschließt, nur noch drei Vollzeitsemester an der Hochschule bis zum Bachelor.
Die Katholische Hochschule Freiburg bietet gleichfalls eine Kooperation mit Fachschulen an. Dort steht für Absolventen kooperierender Schulen der Bachelorstudiengang Pädagogik offen, bei dem gleichfalls bis zu 60 Credits angerechnet werden können. Die Inhalte reichen von der Elementarbildung bis zur Erwachsenenbildung.
Nach dem erfolgreichen Erwerb eines Bachelorabschlusses (BA) kann das Studium in einem Masterstudiengang fortgesetzt werden. Ein Masterabschluss (MA) eröffnet Berufsaussichten im Höheren Dienst oder auch die Möglichkeit zur Promotion. Die Zugangsregelungen können sich zwischen einzelnen Bundesländern und Hochschulen unterscheiden; hierüber informiert die Zulassungsstelle der jeweiligen Hochschule.
Mit dem erfolgreichen Abschluss einer Fachhochschule erwerben Studenten in der Regel eine der allgemeinen Hochschulreife entsprechende Qualifikation, sodass sie von der Fachhochschule in einen verwandten universitären Studiengang wechseln können. Dabei ist die Anrechnung von bis zu 60 Credits während der ersten zwei Fachsemester an der Universität möglich. Teilweise bestehen für den Wechsel von der Fachhochschule zur Universität in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Regelungen.
Auch wer während der Erzieherausbildung keine Fachhochschulreife erworben hat, kann heute an zahlreichen Hochschulen als beruflich Qualifizierter unter bestimmten Voraussetzungen ein Studium aufnehmen. Vorausgesetzt wird in der Regel eine mindestens dreijährige Berufserfahrung.
Tagungsbericht: „Sorge für das gemeinsame Haus“
„Es ist unsere bescheidene Überzeugung, dass das Göttliche und das Menschliche einander begegnen in den kleinsten Details des nahtlosen Gewandes der Schöpfung Gottes, sorg im winzigsten Staubkorn unseres Planeten.“
(Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudato si'“)
„Ökologische Erziehung kann zwar keine Forderungen durchsetzen, aber alle befähigen und motivieren, sich zu engagieren. Ziel ist, den SchülerInnen ein ganzheitliches Weltbild und ökologische Urteilsfähigkeit zu vermitteln. So kann man auf Basis ökologischer Güterabwägung ethische Handlungsmöglichkeiten entwickeln, […] die Fesseln der Globalisierung abstreifen und dem Primat der instrumentellen, technischen Rationalität sinnvoll begegnen. Am Institut Dr. Flad wird bereits seit Jahrzehnten mit vielen Lerneinheiten und Vorträgen das von Franziskus postulierte Fundament für ganzheitlich ökologisches Denken und Handeln gelegt. Der Vortrag von Dr. Axel Bernd Kunze war somit ein Glied in einer Veranstaltungs-Reihe zu ökologischer Erziehung mit ethisch-christlichem Verantwortungsbewusstsein.“
(Auszug aus dem Vortragsbericht in der Zeitschrift „Der Benzolring. Informationen aus dem Institut Dr. Flad Stuttgart“, 37. Jg., Nr. 2/2016)
Der aktuelle „Benzolring“, der Informationsdienst des renommierten Instituts Dr. Flad in Stuttgart, erinnert in diesem Herbst an eine Gastvorlesung, die im Mai dieses Jahres stattfand: „Was kann ökologische Erziehung leisten?“, fragte Axel Bernd Kunze, Gesamtschulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Weinstadt sowie Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, anlässlich des Erscheinens der ersten päpstlichen Umweltenzyklika „Laudato si'“. Wie der Vortrag deutlich machte, lohnt es sich, die Enzyklika nicht allein aus theologischer, ethischer oder naturwissenschaftlicher, sondern gerade auch pädagogischer Perspektive zu lesen. Denn Papst Franziskus räumt der Erziehung zu ökologischem Denken und Handeln mehr als nur eine Nebenrolle ein.
Den vollständigen Tagungsbericht können Sie in der Onlineausgabe des „Benzolrings“ lesen: http://www.chf.de/benzolring/benzolring201602.pdf
Neuerscheinung: Kritik am Kompetenztaumel
Deutschlands Schüler werden immer schlauer. Jahr für Jahr steigt die Abiturientenquote und die Anzahl der Absolventen mit Bestnoten. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Wirscheinen uns in einer Phase der beschleunigten Evolution von Intelligenz zu befinden. Wie konnte es dazu kommen? Der Bildungsforscher Hans Peter Klein hat über Jahre die Anforderungen für das Abitur in verschiedenen Bundesländern unter die Lupe genommen. Ein Versuch, den er in diesem Rahmen durchführte, sorgte landesweit für Schlagzeilen: Den Schülern einer neunten Klasse legte er die Abituraufgaben im Fach Biologie vor, und die scheiterten nicht, sondern konnten sie erfolgreich lösen. Sie mussten lediglich die in einem Text enthaltenen Informationen richtig wiedergeben. Wenn nur noch »Kompetenzen«, keine auf selbständigem Denken basierenden Erkenntnisse eingefordert werden, können schulische Leistungen zwar scheinbar exponentiell steigen, aber um den Preis, dass die Schüler nur noch für ihr späteres Berufsleben zugerichtet werden. Hans Peter Klein stellt die Absurditäten der Bildungsreformen seit PISA und Bologna bloß und beschreibt Szenarien, die sich zuweilen wie Satire lesen, jedoch bittere Realität sind – mit einschneidenden Konsequenzen für den Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftstandort Deutschland.
Randnotiz: Jubiläumsjahr hat begonnen
Gestern, am Reformationstag, hat das Jubiläumsjahr der Reformation begonnen. Es erinnert an Luthers Thesenanschlag am Vorabend des Allerheiligenfestes 1517, der zum Auslöser der Reformation werden sollte. Dieses Mal soll das Reformationsjubiläum auch ökumenisch als „Christusfest“ begangen werden. Papst Franziskus besuchte aus diesem Grund Lund in Schweden, den Gründungsort des Lutherischen Weltbundes.
Ein besonderes Zeichen der Ökumene lieferten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und sein katholischer Mitbruder, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz: Während ihrer ökumenischen Pilgerreise im Vorfeld des Jubiläumsjahres ins Heilige Land legten sie beim Besuch auf dem Tempelberg ihre Bischofskreuze ab. Eine Zeitschrift betitelte das Bild nicht grundlos mit der Überschrift: „Verzicht ist Verrat“. Ob gewollt oder nicht … – das Bild wird sich ins ikonographische Gedächtnis dieses Jubiläumsjahres einbrennen und dieses prägen – für die einen ein Zeichen für die interreligiöse Dialogbereitschaft der beiden großen Kirchen, für die anderen ein Zeichen des Verrats am eigenen Glauben. Ich meine, es mutet mehr als fragwürdig an, wenn Bischöfe um schöner Bilder für die Weltpresse willen das Kreuz verleugnen, und dies ohne jegliche Verfolgungssituation. Zudem bleibt zu fragen, was für ein interreligiöser Dialog dies sein soll, wenn eine Seite der anderen einen Verzicht auf ihr Selbstverständnis abverlangt. Mit „Gastfreundschaft“, wie die lahme und wenig aufrichtige Entgegnung des Ratsvorsitzenden auf die an seinem Verhalten laut gewordene Kritik uns weismachen will, hat das wenig zu tun.
Für das gerade begonnene Jubiläumsjahr der Reformation ist das alles ein schlechtes Zeichen. Das Bild aus Jerusalem hinterlässt mehr als einen schalen Nachgeschmack. Wer mit der eigenen Identität leichtfertig umgeht, hat am Ende in den notwendigen interreligiösen Dialog nichts mehr einzubringen. Eine vermeintlich plurale, letztlich aber diffuse eigene Haltung macht auf Dauer nicht gesprächsfähig, sondern gesprächsunfähig. Die christliche Freiheit, die das Reformationsjubiläum wieder in den Mittelpunkt stellen will, ist nicht zum Billigtarif zu haben. Sie muss uns auch etwas kosten, wenn sie glaubwürdig und tragfähig bleiben will. In diesem Fall ist der notwendige Preis die Freiheit zum Bekenntnis. Nach diesem misslungenen Auftakt wird es nicht einfach sein, glaubwürdig deutlich zu machen, wofür die evangelische Kirche heute einsteht. Momentan bleibt der Eindruck von Opportunismus und Beliebigkeit. Hoffen wir, dass es in den kommenden zwölf Monaten nicht dabei bleiben wird.
Rezension: Religion bildet
Das Göttinger Courant-Forschungszentrum „Bildung und Religion von der frühen römischen Kaiserzeit bis zur klassischen Epoche des Islam: Religiöse Traditionen, Intellektuelle Diskurse und Praktisches Wissen“ hat seine Forschungsergebnisse in vierundzwanzig Miniaturen nun einer breiteren Öffentlichkeit vorgelegt. Eine Rezension des Abschlussbandes findet sich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“:
Axel Bernd Kunze (Rez.): Religion bildet [Rezension zu: Reinhard Feldmeier, Monika Winet (Hgg.): Gottesgedanken. Erkenntnis, Eschatologie und Ethik in Religion der Spätantike und des frühen Mittelalters, Tübingen: Mohr Siebeck 2016, 221 Seiten], in: Christ in der Gegenwart 68 (2016), H. 44, S. 488.