Randnotiz: Jubiläumsjahr hat begonnen

Gestern, am Reformationstag, hat das Jubiläumsjahr der Reformation begonnen. Es erinnert an Luthers Thesenanschlag am Vorabend des Allerheiligenfestes 1517, der zum Auslöser der Reformation werden sollte. Dieses Mal soll das Reformationsjubiläum auch ökumenisch als „Christusfest“ begangen werden. Papst Franziskus besuchte aus diesem Grund Lund in Schweden, den Gründungsort des Lutherischen Weltbundes.

Ein besonderes Zeichen der Ökumene lieferten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und sein katholischer Mitbruder, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz: Während ihrer ökumenischen Pilgerreise im Vorfeld des Jubiläumsjahres ins Heilige Land legten sie beim Besuch auf dem Tempelberg ihre Bischofskreuze ab. Eine Zeitschrift betitelte das Bild nicht grundlos mit der Überschrift: „Verzicht ist Verrat“. Ob gewollt oder nicht … – das Bild wird sich ins ikonographische Gedächtnis dieses Jubiläumsjahres einbrennen und dieses prägen – für die einen ein Zeichen für die interreligiöse Dialogbereitschaft der beiden großen Kirchen, für die anderen ein Zeichen des Verrats am eigenen Glauben. Ich meine, es mutet mehr als fragwürdig an, wenn Bischöfe um schöner Bilder für die Weltpresse willen das Kreuz verleugnen, und dies ohne jegliche Verfolgungssituation. Zudem bleibt zu fragen, was für ein interreligiöser Dialog dies sein soll, wenn eine Seite der anderen einen Verzicht auf ihr Selbstverständnis abverlangt. Mit „Gastfreundschaft“, wie die lahme und wenig aufrichtige Entgegnung des Ratsvorsitzenden auf die an seinem Verhalten laut gewordene Kritik uns weismachen will, hat das wenig zu tun.

Für das gerade begonnene Jubiläumsjahr der Reformation ist das alles ein schlechtes Zeichen. Das Bild aus Jerusalem hinterlässt mehr als einen schalen Nachgeschmack. Wer mit der eigenen Identität leichtfertig umgeht, hat am Ende in den notwendigen interreligiösen Dialog nichts mehr einzubringen. Eine vermeintlich plurale, letztlich aber diffuse eigene Haltung macht auf Dauer nicht gesprächsfähig, sondern gesprächsunfähig. Die christliche Freiheit, die das Reformationsjubiläum wieder in den Mittelpunkt stellen will, ist nicht zum Billigtarif zu haben. Sie muss uns auch etwas kosten, wenn sie glaubwürdig und tragfähig bleiben will. In diesem Fall ist der notwendige Preis die Freiheit zum Bekenntnis. Nach diesem misslungenen Auftakt wird es nicht einfach sein, glaubwürdig deutlich zu machen, wofür die evangelische Kirche heute einsteht. Momentan bleibt der Eindruck von Opportunismus und Beliebigkeit. Hoffen wir, dass es in den kommenden zwölf Monaten nicht dabei bleiben wird.

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