„Mittelmaß genügt nicht“ – so Heike Schmoll in der F.A.Z. vom 16.12.2016 im Blick auf die aktuelle Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Darin ist ihr zuzustimmen, wenn Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten will. Zuzustimmen ist auch ihrer Kritik an so manch fragwürdiger Methodik innerhalb der Grundschulpädagogik. Das Schreiben nach Gehör muss abgestellt werden, Rechtschreibung und Grammatik müssen wieder stärker eingeübt werden – nicht allein in der Primarstufe. Allerdings plädiert Heike Schmoll gleichzeitig für starke Einschnitte in die pädagogische Freiheit des Lehrers. Der Ursprung fragwürdiger Methoden liegt aber in den Hochschulen, Lehrerseminaren und Kultusverwaltungen. Widerstand dagegen kam, wenn überhaupt, von den Lehrkräften aus der Praxis. Wer den Kultusministerien mehr Macht gibt, vergrößert nur noch die Gefahr, dass sich Fehlentwicklungen flächendeckend durchsetzen. Was wir brauchen, ist gerade mehr Vertrauen in die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer vor Ort und eine Entlastung der Schule von gesellschaftsreformerischen Ideen. Wer Leistungsorientierung oder Begabtenförderung beständig als bildungsungerecht denunziert, muss sich nicht wundern, wenn am Ende Mittelmaß herauskommt.
Randnotiz: DHV kürt Wissenschaftsminister 2016 ohne Entscheid der Mitglieder
Im Wissenschaftsteil der F.A.Z. vom 14. Dezember 2016 setzt sich Heike Schmoll kritisch mit dem neuen Akkreditierungssystem auseinander, das die Kultusminister jetzt verabschiedet haben. Die Kritik an einem aufgeblähten Akkreditierungsrat, der das Zeug hat, zum bürokratischen Monstrum zu werden, ist nachvollziehbar. Die Neuregelung dürfte sich keineswegs als besser, freiheitlicher und ressourcenschonender erweisen als das bisherige Verfahren. Seltsam mutet allerdings an, wie der Deutsche Hochschulverband als Lobbyvereinigung der Professorenschaft seine Kritik an der politischen Entscheidung vorbringt. Zunächst verzichtet man beleidigt auf das übliche Ministerranking, dann erklärt der Vorstand par ordre du mufti Mathias Brodkorb aus Mecklenburg-Vorpommern, der sich als einziger der Neuregelung widersetzte, zum Wissenschaftsminister des Jahres. Vertraut die Verbandsführung nicht mehr darauf, dass die Mitglieder, hätte man sie befragt, zum selben Ergebnis gekommen wären? Haben mittlerweile die meisten Professoren, die innerhalb der „Bolognauniversität“ nach oben gekommen sind, ihren Frieden mit dem System der Akkreditierung geschlossen, sodass man ein Mitgliedervotum lieber umgehen wollte? Die Auszeichnung für Brodkorb hat durch das gewählte Verfahren deutlich an Überzeugungskraft und verbandspolitischer Glaubwürdigkeit verloren.
Randnotiz: Neue Debatte um doppelte Staatsbürgerschaft
Nach dem CDU-Parteitag wird wieder einmal über die doppelte Staatsbürgerschaft diskutiert (vgl. F.A.Z. v. 8. Dezember 2016, S. 1 u. ö.). Wie der Parteitag deutlich machte, wachsen in der Union die Vorbehalte gegen dieses Integrationsinstrument. Die Kanzlerin hat erklärt, ihrer Partei in diesem Punkt nicht folgen zu wollen.
Die Macht des Staates gründet auf seiner Anerkennung durch die Staatsbürger, deren Rechtsgehorsam und der Einsicht, sich der Eigenmacht zu enthalten. Diese Gehorsamspflicht der Bürger ist kein fester Besitzstand. Auf Dauer wird der Staat Macht und Rechtsgehorsam nur gegen den Willen einer kleinen Zahl Abweichler behaupten können, ohne sich selbst in Frage zu stellen. Bei Mehrheits- und Kompromissentscheidungen wird es stets Unterlegene geben, die ihre Position nicht durchsetzen konnten. Dies zu akzeptieren, setzt einen gesellschaftlichen Konsens voraus, ein Mindestmaß an Gemeinsamkeiten, auf das wir vertrauen können. Daher ist es für die Stabilität einer Demokratie keinesfalls belanglos, wie sich das Staatsvolk zusammensetzt. Die Integrationsfähigkeit sollte nicht überstrapaziert werden, beispielsweise durch doppelte Staatsbürgerschaft, welche die Gefahr von Loyalitätskonflikten birgt.
Antrag auf Einbürgerung und Annahme desselben stehen und fallen miteinander; daraus folgt eine Anpassungsverpflichtung des Einwanderers. Einbürgerung sollte erst dann möglich sein, wenn jemand Loyalität zum Aufnahmeland bewiesen hat und für sich selbst aufkommen kann. Ferner sollte der Rechtsstaat durch robustes Auftreten verhindern, dass fremde kulturelle Konflikte ins Land geholt werden. Eingeschränkt werden müssen zum Beispiel Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker oder die Verwendung fremder Hoheits- und Nationalsymbole im Gastland.
Veranstaltungsbericht: Stuttgarter Buchwochen
Peter Constantin berichtet in der Onlineausgabe des „Württemberg Reporter Magazins“ über seine Erfahrungen und Begegnungen auf den diesjährigen Stuttgarter Buchwochen – mit dabei auch der Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“:
Constantins Fazit am Ende: „Die Stuttgarter Buchwochen sind […] nicht nur als eine Bereicherung für interessiertes Publikum zu sehen, sondern ebenso als Quelle des fachlichen und freundschaftlich inspirierenden Austausches von renommierten Autoren und Nachwuchsautoren.“
Neuerscheinung: Nobelpreis und Leistung – Beitrag jetzt online zugänglich
Mit dem morgigen Luziafest, das in Schweden eine besondere Rolle spielt, geht traditionell die Nobelpreiswoche zu Ende. Vor 115 Jahren wurde der Nobelpreis erstmals verliehen. Der nach seinem Stifter, Alfred Nobel, benannte Preis würdigt hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Naturwissenschaften, der Medizin, der Literatur und der Förderung des Friedens. Die Zeitschrift „Katholische Bildung“ nahm dieses Jubiläum zum Anlass, der pädagogischen Bedeutung des Leistungsbegriffs nachzuspüren. Der Beitrag ist mittlerweile auch in der Onlineausgabe leicht zugänglich:
http://www.vkdl.de/pdf/katholische-bildung/2016-12-10+Katholische-Bildung_12-2016.pdf
Axel Bernd Kunze: Vor 115 Jahren wurde der Nobelpreis erstmals verliehen: Ein Anlass, nach der Rolle von Leistung in Schule und Pädagogik zu fragen, in: Katholische Bildung 117 (2016), H. 12, S. 485 – 495.
Neuerscheinung: Festschrift 160 Jahre Großheppacher Schwesternschaft
Die aktuelle Ausgabe der Reihe GRUSS DER GROSSHEPPACHER SCHWESTERNSCHAFT 2016/2017 (= Kind und Schwester, 58. Jahrgang, Nr. 125, November 2016) steht unter dem Titel:
160 Jahre in Gemeinschaft. leben – lernen – arbeiten – beheimaten
Die Festschrift begleitet den Wandlungsprozess der Stiftung von einer Schwesternschaft zur diakonischen Auftragsgemeinschaft. Weitere Informationen zur Stiftung Großheppacher Schwesternschaft finden Sie hier.
Autoren der Festschrift sind Norbert Friedrich (Fliedner-Kultur-Stiftung, Kaiserswerth), Pfr. Dr. Reinhold lanz (Verbandsdirektor des Kaiserswerther Verbandes a. D.), Magdalene Simpfendörfer-Autenrieth (Stiftung Großheppacher Schwesternschaft), Diakonisse Rose Pfund (Stiftung Großheppacher Schwesternschaft, Weinstadt), Carmen Treffinger (Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart), Professor Dr. Volker Ladenthin (Bonner Zentrum für Lehrerbildung), Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Ruth Herb (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Dunja Hummel (Kinderhaus am Sonnenhang, Weinstadt), Professor Dr. Arnold Pracht (Hochschule Eßlingen), Pfr. Frieder Grau (Stiftungsrat der Großheppacher Schwesternschaft), Renate Fischer-Espey (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Stephanie Geymann (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Wolfgang Mack (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Jonas Naumann (Mathilde-Planck-Schule, Ludwigsburg) und Peter Schmaderer (Stiftung Großheppacher Schwesternschaft, Weinstadt).
Axel Bernd Kunze, Gesamtschulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, beschäftigt sich im Beitrag Eine Vorschule des Glaubens mit der Bedeutung gemeinschaftlicher Rituale im Schulalltag (S. 32 – 37): Erfahrungsmöglichkeiten schaffen – Freiräume eröffnen – Nach Bedeutung fragen – Begegnung mit gelebter Religion ermöglichen.
Rezension: Brücklmeierverein würdigt „Rote Fahnen, bunte Bänder“
Manfred Blänkner, Axel Bernd Kunze (Hgg.): Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 2016.
Das Weblog des Brücklmeiervereins hat den Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gewürdigt:
Der Brücklmeiererein bietet eine Plattform an, von der aus wichtige Aspekte der corpsstudentischen Geschichte in ihrem zeithistorischen Bezug zu Kriegen und Konflikten – zum „Widerstand“ – erforscht und beschrieben werden können. Der vom Brücklmeierverein gewählte Forschungsansatz ist generell wissenschaftlich. Bezogen auf die Korporationslandschaft ist dieser Ansatz verbändeübergreifend, nicht zuletzt, weil die alten, landsmannschaftlich geprägten Kösener Corps schon bald nach ihrer Stiftung von konkurrierenden oder sie imitierenden Verbindungen umgeben waren. Die Forschungsergebnisse sollen so auf größerer Ebene anwendbar werden, den Belangen des gesamten Korporationswesens in Mitteleuropa soll Rechnung getragen werden.
Der nächste Bundestagswahlkampf steht vor der Tür, doch das Parteiensystem befindet sich nicht im besten Zustand. Die politischen Parteien verlieren aus verschiedenen Gründen an Ansehen und erscheinen immer häufiger austauschbar. Nicht wenige fragen sich, für welche Werte die einzelnen Parteien heute noch stehen. Der vorliegende Band, der im Auftrag des Lassallekreises herausgegeben wurde, schaltet sich in die politische Wertedebatte ein und macht deutlich, welch wichtige Rolle Parteien wie Studentenverbindungen gleichermaßen für den Erhalt gesellschaftlicher Orientierungswerte spielen. Am Beispiel der Sozialdemokratie wird deutlich, wie parteipolitisches und couleurstudentisches Engagement gegenseitig bereichern können.
Eine öffentliche Vorstellung des Bandes durch Professor Dr. Rainer Blasius (Frankfurter Allgemeine Zeitung) ist für das neue Jahr in Stuttgart geplant. Bei Interesse erhalten Sie weitere Informationen unter Kunze-Bamberg@t-online.de.
Neuerscheinung: Pädagogische Gedanken zum Leistungsbegriff – aus Anlass des Nobelpreisjubiläums
Seit 1901 wird am 10. Dezember, dem Todestag seines Stifters, alljährlich der Nobelpreis verliehen, der mithin in diesem Monat 115 Jahre alt wird. Die Zeitschrift „Katholische Bildung“ hat dies zum Anlass genommen, nach der Bedeutung des Leistungsgedankens für Schule und Pädagogik zu fragen:
Axel Bernd Kunze: Vor 115 Jahren wurde der Nobelpreis erstmals verliehen: Ein Anlass, nach der Rolle von Leistung in Schule und Pädagogik zu fragen, in: Katholische Bildung 117 (2016), Heft 12, S. 485 – 495.
Rezension: Günter W. Zwanzig bespricht „Rote Fahnen, bunte Bänder“
Manfred Blänkner, Axel Bernd Kunze (Hgg.): Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 2016.
Politische Kultur braucht Agonistik, Wettstreit um die bestmöglichen Lösungen der Probleme, dies alles beruhend auf der Akzeptanz der gemeinsamen freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Das vorliegende Buch mit einem Vorwort von Erhard Eppler zeigt auf, dass diese Wertvorstellungen heute alles andere als selbstverständlich sind. Eindeutig hat Eppler deshalb hervorgehoben, dass „eine demokratische Volkspartei nicht die Herkunft derer zu untersuchen und zu bewerten pflegt, die ihr beitreten wollen.“ Als Beispiel hat er Adelige wie Georg von Vollmar und Waldemar von Knoeringen genannt, die der „Arbeiter-Partei“ SPD wesentliche geistige Impulse gegeben haben.
Der aus dem Arbeitskreis sozialdemokratischer Korporierter (AKSK) entstandene Lassalle-Kreis ist geradezu ein Musterbeispiel für die so notwendige Einübung in eine politische Kultur. So muss der Einzelne in seiner Korporation seine Überzeugung einbringen im Austausch mit Bundesschwestern und Bundesbrüdern aus anderen politischen Parteien, alles unter dem gemeinsamen Verbindungsideal integrieren. Außerhalb seiner Verbindung muss er in seiner politischen Umgebung für sein Engagement als Korporierter Verständnis wecken. Dies ist in der SPD besonders schwierig, da nicht unbeträchtliche Teile vor allem de jüngeren Mitglieder sich mit einer differenzierten und toleranten Betrachtung schwer tun. Beim Lesen des Buches wird klar, welche wertvollen und durchaus zu ihr passenden Kreise die SPD zurückstoßen würde, wenn die sich unsachgemäß allen Korporierten verschließt.
Dem Buch vorangestellt ist der – gegenüber der Fassung von 1998 – neu überarbeitete Beitrag von Peter Brandt „Das Erbe der Urburschenschaft.“ Ohne diesen historischen Hintergrund wären die folgenden einzelnen Beiträge unverständlich.
Es ist ein besonderes Verdienst der beiden Herausgeber, die im Wimgolfsbund bzw. im Cartell Christlicher Burschenschaften und im Schwarzburgbund (SB) verankert sind, in mühevoller und jahrelanger Arbeit über dreißig Biographien sowie aktuelle und persönlich gehaltene Beiträge von korporierten Sozialdemokraten zusammengestellt zu haben.
Der Inhalt des Buches geht weit über die Lebensbeschreibung bekannter korporierter Sozialdemokraten hinaus. Man hat sich dabei bewusst beschränkt auf „Genossen, die Zeit ihres Lebens sowohl der SPD als auch ihrer Verbindung die Treue hielten, halten konnten und halten durften“ (S. 15). So werden Ernst Reuter (langjähriger Regierender Bürgermeister in Berlin) und Leonrad Ragaz (führender religiöser Sozialist) nur erwähnt, da sie beide Merkmale zugleich nicht erfüllten. Auffällig ist, dass sich unter den erwähnten Politikern kein Mitglied der österreichischen SPÖ und ebenso nicht einer katholischen Studentenverbindung befindet. Hier dürfte in Deutschland inzwischen ein Wandel eingetreten sein, wofür die Zusammensetzung des Lassalle-Kreises ein gutes Beispiel abgibt. Schließlich ist die Feststellung interessant, dass die aus christlich geprägten Verbindungen stammenden Sozialdemokarten zugleich religiöse Sozialisten waren (z. B. Karl Barth, Christoph Friedrich Blumhardt, Paul Tillich), während umgekehrt zahlreiche Verbindungsstudenten, die zu den religiösen Sozialisten zählten, nicht gleichzeitig auch Mitglieder einer sozialdemokratischen Partei waren.
Im Anschluss an die Biographien werden Themen behandelt, die von allgemeinem Interesse sind, z. B. zum Verhältnis der Sozialdemokratie zu studentischen Verbindungen, zu ihrem Bild in der öffentlichen Meinung sowie zum Rechtsextremismus. Des Weiteren werden persönliche Erfahrungen korporierter Sozialdemokraten wiedergegeben. Schließlich wird als positives Beispiel der Integration der burschenschaftlichen Bewegung in die Öffentlichkeit die 2015 in Schwarzburg errichtete Straße der Menschenrechte beschrieben.
Ein besonderer Abschnitt widmet sich der Zukunft der reinen Männerbünde und der Aufnahme von Studentinnen in gemischte Studentenverbindungen bzw. der Gründung reiner Damenverbindungen. Axel Bernd Kunze plädiert hier für ein tolerantes Miteinander der drei verschiedenen Darstellungsformen in einem Dachverband, das es allerdings bislang nur beim Schwarzburgbund (SB) und dem Sondershäuser Verband (SV) gibt.
Das Buch bringt zum Schluss Anhandlungen über die Geschichte und das Wesen des Lassalle-Kreises.
Es wäre wünschenswert, wenn auch andere politische Parteien derartige Schriften herausgeben würden, um das Bewusstsein demokratischen Miteinanders zu stärken. Die Lektüre des Buches ist allen zu empfehlen, die sich über die Vielfalt der Geschichte der Demokratie bis in die Gegenwart hinein informieren wollen.
Oberbürgermeister a. D. Dr. jur. Günter W. Zwanzig (Rezensent)
Neuerscheinung: CONCILIUM-Themenheft zur Religionsfreiheit
Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Religionsfreiheit, zog in diesem Jahr zum Ende seiner Amtszeit ein ernüchterndes Fazit: Er habe miterleben müssen, wie dieses Menschenrecht weltweit unter Druck geraten sei, nicht zuletzt im Nahen Osten, wo der „Islamische Staat“ brutal gegen orientalische Christen oder Jesiden vorgehe. In Deutschland und anderen westlichen Ländern wird angesichts von Massenmigration und Terrorgefahr darüber diskutiert, wie mit dem Islam umgegangen werden soll. Die Debatte über ein Burkaverbot ist nur ein Beispiel hierfür. Nicht wenige Stimmen plädieren dafür, Religion um des gesellschaftlichen Zusammenhalts und gelingender Integration willen aus dem öffentlichen Leben herauszuhalten; gefördert werden solle stattdessen vielmehr eine vermeintlich neutrale Erziehung für Demokratie, Menschenrechte und Zivilgesellschaft.
Religion erscheint in der politischen Debatte der Gegenwart nicht selten als etwas, das den gesellschaftlichen Frieden bedroht und nach Möglichkeit vom Staat gezähmt werden sollte. In dieser Situation stellt sich von neuem die Frage, wie sich ein individuelles Menschen- und Grundrecht auf Religionsfreiheit begründen lässt, wie weit dieses reicht und wo dessen Grenzen liegen. Diese Fragen diskutiert eine Sammelrezension im aktuellen Themenheft „Religionsfreiheit“ der internationalen Zeitschrift für Theologie CONCILIUM:
Axel Bernd Kunze (Rez.): Individuelle Freiheit zur Religion, in: Concilium 52 (2016), H. 4, S. 510 – 514.
Besprochen werden folgende Werke:
Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler: Wie fand der Katholizismus zur Religionsfreiheit? Faktoren der Erneuerung der katholischen Kirche (Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt; 2), Paderborn: Ferdinand Schöningh, 324 Seiten.
Karl Lehmann: Toleranz und Religionsfreiheit. Geschichte und Gegenwart in Europa, Freiburg i. Brsg.: Herder 2015, 144 Seiten.
Paul Tiedemann: Religionsfreiheit – Menschenrecht oder Toleranzgebot? Was Religion ist und warum sie rechtlichen Schutz verdient, Berlin/Heidelberg: Springer 2012, 193 Seiten.
Hans-Georg Ziebertz (Hg.): Religionsfreiheit. Positionen – Konflikte – Herausforderungen (Würzburger Theologie; 12), Würzburg: Echter 2015, 237 Seiten.