Neuerscheinung: Autonom und mündig am Touchscreen

Die Coronakrise hat digitales Lernen im breiten Umfang erzwungen. Zugleich hat sich gezeigt: Digitales Lernen ohne Präsenz, ohne Beziehung und ohne Kommunikation gelingt nur begrent. Technik kann kein Ersatz für Pädagogik sein. Ein neuer Band, herausgegeben vom Medienpädagogen Ralf Lankau, reflektiert diese Fragen aus systematischer, ethischer und didaktischer Hinsicht. Unter den Beiträgen des druckfrischen Bandes auch Überlegungen aus ausdrücklich bildungsethischer Perspektive:

Axel Bernd Kunze: Beziehung, Präsenz, Kommunikation. Bildungstheoretische und bildungsethische Überlegungen zur digitalen Unterrichtsentwicklung, in: Ralf Lankau (Hg.): Autonom und mündig am Touchscreen. Für eine konstruktive Medienarbeit in der Schule, Weinheim/Basel: Beltz 2021, S. 56 – 72.

NZZ berichtet über Diskussion zur Wissenschaftsfreiheit: „Wer zur objektiven Wahrheit erklärt, was ein subjektives Werturteil ist, hat das Wesen der Wissenschaft nicht verstanden“

Die Neue Zürcher Zeitung berichtet über die Videodiskussion des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit vom 19. Juli 2021: „Forschung und Lehre in Deutschland sind !?“ Soll man hinter den Satz ein Frage- oder Ausrufezeichen setzen? Ich meine, dass bei genauem Hinhören allein der Vertreter der AfD-Fraktion, MdB Marc Jongen, von „Freiheit“ gesprochen hat. Vielleicht der wichtigste Satz im NZZ-Beitrag steht am Ende: „Wer zur objektiven Wahrheit erklärt, was ein subjektives Werturteil ist, hat das Wesen der Wissenschaft nicht verstanden – oder er will bewusst die Politisierung der Wissenschaft vorantreiben, die immer nur dann als frei gilt, wenn sie das postkoloniale, antidiskriminierende Dogma der Diversitätssensibilität beachtet.“ Aber jeder bilde sich seine eigene Meinung:

https://www.nzz.ch/international/deutschland/wenn-wissenschaft-nur-noch-das-aussprechen-darf-was-gerade-als-politisch-korrekt-gilt-ist-ihre-freiheit-bedroht-ld.1636560?mktcid=smch&mktcval=twpost_2021-07-20

Videodokumentation: Netzwerk Wissenschaftsfreiheit diskutiert mit Vertretern aller Bundestagsfraktionen – Sind Forschung und Lehre in Deutschland noch frei?

Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit hat Vertreter aller Bundestagsfraktionen dazu eingeladen, über die Frage zu diskutieren: Sind Forschung und Lehre in Deutschland noch frei? Die Diskussion moderierte die F.A.Z.-Korrespondentin Heike Schmoll.

Kurzfazit: Aufs Ganze gesehen war die Diskussion reichlich enttäuschend oder ernüchternd. Ein substantielles Verständnis des urliberalen, hohen Gutes der Freiheit ist im Wissenschaftsausschuss des Bundestages kaum noch vorhanden – von Professor Jongen abgesehen. Wissenschaft wird weitgehend nur noch in gesellschaftlicher Funktionalisierung betrachtet. Und die Diskussion vermittelt den Eindruck, dass man in der Berliner Blase kaum noch einen Eindruck vom aktuellen, inneren Zustand der Universität zu haben scheint.

Weitere Informationen zum Netzwerk Wissenschaftsfreiheit:

www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de

Hinweis auf Publikationsreihe: Archivfachliche Beiträge

Das Stadtarchiv Mönchengladbach gibt die Reihe „Archivfachliche Beiträge“ heraus. Die Beihefte der Reihe erscheinen im Essener Verlag akadpress und können dort kostenfrei abonniert werden: info@akadpress.de.

Weitere Informationen und Downloadmöglichkeit:

https://www.moenchengladbach.de/de/stadtarchiv-download

Die Beihefte (Archivfachliche Beiträge) der stadtgeschichtlichen Reihe des Stadtarchivs sollen Fachthemen aus dem Bereich Archiv-Bibliothek-Dokumentation (ABD) zur Verfügung stellen. Dabei ist weniger an die Bildung von Themenheften gedacht als vielmehr eine Behandlung unterschiedlichster Themen, die dringlich, wichtig oder interessant erscheinen. Neben den Beiträgen aus dem Stadtarchiv Mönchengladbach oder anderer Kulturinstitutionen der Stadt soll auch anderen Autoren die Möglichkeit gegeben werden, ihre fachbezogenen Beiträge in den Beiheften zu präsentieren. Die Beihefte sind weder thematisch noch geographisch festgelegt! Sie stehen jedem Autor und jeder Thematik prinzipiell offen. Die Beihefte erscheinen zukünftig in variablem Umfang und in unregelmäßiger Folge.

Kontroverse Diskussion um Gendersprache: VDS-Vorsitzender Krämer schreibt Hildesheimer Bischof

Die Debatte um die Handreichung des Bistums Hildesheims zu „geschlechtersensibler Sprache“ schlägt weiterhin hohe Wellen. Der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache, Professor Walter Krämer, hat nun dem Hildesheimer Bischof, Dr. Heiner Wilmer, geschrieben und seinen Kirchenaustritt angekündigt. Das „Christliche Forum“ dokumentiert den Brief im Wortlaut: https://charismatismus.wordpress.com/2021/07/15/vds-vorsitzender-droht-mit-kirchenaustritt-gendersprache/

Schlaglicht: Impfpflicht – ja, bitte? Nein: Der Staat würde auf Abwege geraten

„Impfpflicht`? Ja, bitte!“ – unter diesem Titel nimmt ein Leserbrief in der heutigen F.A.Z. vom 17. Juli 2021 Stellung zur Impfdebatte. Der ganz sicher nicht ohne Grund gewählte Titel provoziert, da er zeigt, wie weit bürgerliches Denken der sogenannten Mittel mittlerweile umschlägt in die Befürwortung autoritären Staatshandelns. Die Überschrift ist ja nicht ohne Grund gewählt worden. Hier werden linke Slogans („Atomkraft? Nein, danke!“) bewusst umgekehrt, indem Übergriffe des Staates als rationale, bürgerliche Vollmachten verkauft werden. Das ist keine wünschenswerte Politik im Sinne einer „Wiederentdeckung des Staates“ (vgl. Dietz, Dochhorn, Kunze, Schwienhorst-Schönberger: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie, Leipzig 2020), die auf einen handlungsfähigen Staat zielt, der seinen Kernaufgaben gerecht wird und bürgerliche Freiheit ermöglicht. Eine Impfpflicht verlässt grundlegende Prinzipien des freiheitlichen Rechts- und Verfassungsstaates. Mit ihr gerät der Staat auf gefährliche Abwege.

Exemplarisch für ein falsches Staatsverständnis steht auch ein Beitrag auf Seite 1 der heutigen F.A.Z.: Bayerns Ministerpräsident stellt Kompetenz der Ständigen Impfkommission infrage. Politiker müssen Entscheidungen treffen. Doch politische Entscheidungen ersetzen nicht fachliche Kompetenzen. Ob Impfstopffe verantwortlich angewendet werden dürfen oder nicht, muss nach medizinischen Erkenntnissen von unabhängig arbeitenden Wissenchaftlern geprüft werden. Wenn Ministerpräsdient Söder die Ständige Impfkommission angreift, schafft dies auf keinen Fall mehr Vertrauen in der Impfdebatte. Ist dieses erst einmal zerstört, muss der Staat erst recht zu totalitären Mitteln wie einer Impfpflicht greifen. Söders Begründung: Die Profis sitzen in der Europäischen Arzneimittelbehörde. Weil das Urteil der europäischen Behörde Söder politisch besser in den Kram passt, zerstört er das notwendige Vertrauen in die Organe nationaler Gesundheitspolitik – das ist dumm, gefährlich, durchsichtig und die Funktionalisierung der Pandemiepolitik für europapolitische Fragen. Dabei ist keineswegs sicher, dass europäische Entscheidungen immer klüger und funktionaler sind – Gegenbeispiele, nicht nur aus der Amtszeit von der Leyens, gibt es genug.

Christliches Forum stellt neues Buch von Josef Kraus vor: Der Untertan ist zurück

Der deutsche Untertan ist zurück. Jahrelange Erziehung zur Toleranz hat offenbar nicht zu mehr Toleranz geführt. Toleranz kann man nicht intentional vermitteln, man muss sie leben. Jetzt wird die Freiheit an vielen Stellen brüchig, das Freiheitsbewusstsein schwindet. Ich habe gestern schon ein wenig quergelesen – ein anregendes, aber auch sehr deutliches Buch, das Josef Kraus verfasst hat. Das „Christliche Forum“ stellt es vor:

https://charismatismus.wordpress.com/2021/07/14/buch-empfehlung-der-deutsche-untertan/

Schlaglicht: Impfen – keine Privatsache?

Die aufkommende Debatte um eine Impfpflicht war heute sowohl Hauptaufmacher als auch Kommentarthema in der F.A.Z. vom 14. Juni 2021 – hierzu ein paar Gedanken: Beteuerungen der Politik, es werde keine Impfpflicht geben, stehen auf schwankendem Grund. Ein Mitglied des Ethikrates fordert offen eine Impfpflicht für Erzieher und Lehrer. Und wieder ist es der bayerische Ministerpräsident, der in erster Reihe Front macht: Impfen sei „keine Privatsache“.

Eine Impfpflicht widerspricht einem christlichen Menschenbild, das auf Mündigkeit und Eigenverantwortung setzt. Sie widerspricht dem Wesenskern des freiheitlichen Rechts- und Verfassungsstaates. Und sie wäre angesichts der noch ungenau erforschten neuen genbasierten Impfstoffe ein gewaltiger Tabubruch. Ein Staat, der den Körper seiner Untertanen – Verzeihung: Staatsbürger – kollektiviert, verhält sich totalitär. Nicht nur die öffentliche Polarisierung würde zunehmen, auch Loyalität gegenüber dem Staat, Vertrauen in Recht und Gesetz sowie grundlegende Prinzipien unseres Zusammenlebens würden irreparabel beschädigt.

Gewiss, es gibt Gemeinwohlbelange. Auch diese müssen sorgfältig abgewogen werden. Doch vor körperlichen Zwangseingriffen müssen alle anderen, milderen Mittel ausgeschöpft sein.  Hierzu zählt auch, auf Impfstoffe auf konventioneller Basis zu warten. Immerhin sind diese von Minister Spahn schon eingekauft. Ihre Zulassung steht hoffentlich bald bevor. Will der Staat freie, selbstbewusste, eigenverantwortliche Staatsbürger und keine gefügigen Untertanen, muss bei Buchung eines Impftermins auch der Impfstoff bekannt sein. Dies baut Vorbehalte ab und schafft Vertrauen in eine Impfung.

Buchtipp: Vom Denken entwöhnt

Es sind deutliche Worte: VOM DENKEN ENTWÖHNT. Eigentlich leben wir im besten Deutschland, das es je gab – so hört man immer wieder. Oder wie es eine Partei im vergangenen Bundestagswahlkampf glauben machen wollte: In einem Land, in dem wir alle gut und gerne leben. Und dann das: DER DEUTSCHE UNTERTAN ist zurück. Josef Kraus, Bestsellerautor und ehemaliger, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, findet deutliche Worte in seinem neuesten Buch: „Ich mache mir Sorgen um die Zukunft unseres Landes.“ Erstens wegen der zu beobachtenden Deindustrialisierung, zweitens wegen des stickigen Klimas der öffentlichen Diskurse, drittens wegen des schleichenden Verfalls der Demokratie. Das Gegenmittel? Bildung, Bildung, Bildung – aber in erneuerter Form: mit Anstrengung und ohne falsche „Kuschelpädagogik“, mit schulischer Vielfalt und ohne einen ideologischen Einheitsbrei, mit Lehrplänen und ohne (kompetenzorientierte) Leerpläne. Das Buch ist lesenswert und im besten Sinne „frag-würdig“, da es die richtigen Fragen stellt. Und welche Hoffnung hat sein Autor selber? Josef Kraus: „Darauf setze ich. Auf dass sich der Souverän seine Rechte zurückholt. Und ich setze darauf, dass sich der deutsche Michel auf seinen Namenspatron, den Erzengel Michael, den Drachenbezwinger, besinnt. Auf dass ich mich wieder als deutscher und europäischer Patriot fühlen kann.“

Josef Kraus: Der deutsche Untertan. Vom Denken entwöhnt, München: LMV 2021, 351 Seiten.

Schlaglicht: Impfpflicht für Erzieher und Lehrer?

Es war von vornherein klar, dass die Beteuerungen der Politik, es werde keine Impfpflicht geben, auf schwankendem Grund gebaut sind. Und wieder ist es der bayerische Ministerpräsident Söder, der schon Anfang des Jahres in der Impfdebatte als erster zündelte und nun Front macht: Freiheit für Geimpfte, heißt sein Motto. Einmal mehr zeigt sich, dass der Möchtegernkanzlerkandidat der Union moralisch seiner öffentlichen Verantwortung nicht gewachsen ist. Und ein Mitglied des Ethikrates bringt offen eine Impfpflicht für Erzieher und Lehrer ins Spiel.

Eine solche widerspricht einem christlichen Menschenbild, das auf Freiheit, Mündigkeit und Eigenverantwortung setzt. Und sie widerspricht dem Wesenskern eines freiheitlichen, an den Menschenrechten orientierten Rechts- und Verfassungsstaates. Und sie wäre angesichts der noch ungenau erforschten (Langzeit-)Folgen der neuen genbasierten Impfstoffe ein ungeheuerlicher Tabubruch.

Ein Staat, der nicht davor zurückschreckt, in den Körper seiner Untertanen – Verzeihung: Staatsbürger – einzudringen, wird zur Räuberbande. Die Folgen wären weitreichend, nicht nur die Polarisierung des Landes würde weiter zunehmen. Ein Impfzwang, auch für bestimmte Berufsgruppen, zerstört die Loyalität gegenüber unserem Gemeinwesen, Vertrauen in Recht und Gesetz sowie grundlegende Prinzipien des Zusammenlebens. Der Preis wäre gewaltig.

Gewiss, es gibt Gemeinwohlbelange. Und auch diese müssen sorgfältig abgewogen werden. Bevor der Staat allerdings den Körper kollektiver Zwangsgewalt unterwirft, sind alle anderen, milderen Mittel auszuschöpfen.  Zu diesen zählt etwa, darauf zu warten, bis Impfstoffe auf konventioneller Basis verabreicht werden können. Immerhin sind diese von Gesundheitsminister Spahn schon eingekauft. In anderen Ländern werden sie schon verabreicht, in der EU steht ihre Zulassung vermutlich bald bevor. Will der Staat freie und selbstbewusste Staatsbürger und keine gefügigen Untertanen, die sich verantwortlich und wohlüberlegt für eine Impfung entscheiden, muss bei Vergabe eines Impftermins auch feststehen, welcher Impfstoff verabreicht wird – nur dann können Vorbehalte abgebaut werden und ist dem Einzelnen eine reife Entscheidung für die neuen genbasierten oder koventionelle Impfstoffe möglich. Ein Staat, der das nicht will, bevormundet und das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit offen verneint, degeneriert zum obrigkeitlichen Untertanenstaat.