„Gehaltvolle Streitgespräche“

Die Zeitschrift „AMOSinternational“ würdigt in ihrer aktuellen Ausgabe den migrationsethischen Tagungsband des „Forums Sozialethik“ von 2016, der in diesem Jahr in zweiter Auflage erschienen ist:

Andreas Fisch, Myriam Ueberbach, Prisca Patenge, Dominik Ritter (Hgg.): Zuflucht – Zusammenleben – Zugehörigkeit? Kontroversen der Migrations- und Integrationspolitik interdisziplinär beleuchtet (Forum Sozizalethik; 18), Münster: Aschendorff 2., durchges. Aufl./2018.

Walter Lesch, Sozialethiker an der Katholischen Universität Louvain-la-Neuve, der sich selber stark in der Migrations- und Integrationsdebatte engagiert hat, schreibt in seiner Rezension u. a:

Als weitere Besonderheit ist hervorzuheben, dass die Abfolge der Beiträge durch vier gehaltvolle Streitgespräche zwischen Andreas Fischund Axel Bernd Kunze unterbrochen wird […] Andreas Fisch ist seit seiner migrationsethischen Dissertation zur illegalen Zuwanderung ein bekannter Autor und Referent, der sich als Anwalt einer offenen Migrationspolitik einen Namen gemacht hat. Axel Bernd Kunze steht als Bildungsexperte für den skeptischeren Blick auf Grenzöffnung, Willkommenskultur und ‚heiler Multikultiwelt‘ […] Beide liefern sich eine Debatte auf hohem Niveau: ohne voreilige Zugeständnisse, mit Respekt vor dem Gesprächspartner und großem Ernst im Ringen um die besseren Argumente. Wer diese Streitgespräche liest, wird mitten in die unvermeidlichen Reizthemen des Migrationsdiskurses eingeführt und ist Zeuge eines ‚Schlagabtauschs‘ im Interesse der demokratischen Meinungsbildung. Der Katalog der dreißig Fragen, die von den Kontrahenten abgearbeitet werden, ist klug ausgewählt, pointiert formuliert und kenntnisreich diskutiert. Das ist ‚hart aber fair‘ im besten Sinne aufklärerischer Streitkultur.

Walter Lesch (Rez.): Zur Migrations- und Integrationspolitik, in: AMOSinternational 12 (2018), H. 3, S. 52 f., hier: 52.

Die Rezension ist online greifbar:

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Neuerscheinung: Mentalisierungsbasierte Pädagogik

Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Mentalisierungsbasierte Pädagogik“ der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg unter Leitung von Professor Dr. Stephan Gingelmaier liegen nun in gedruckter Form vor. Ziel des Projektes war es, näher zu erforschen, wie wichtig der Zusammenhang von Emotionen, Verstehen und pädagogischer Beziehung für den Erzieherberuf ist.

Stephan Gingelmaier, Svenja Taubner, Axel Ramberg (Hg.): Handbuch mentalisierungsbasierte Pädagogik, Göttingen 2018.

Neuerscheinung: Einführung in den Erziehungsbegriff an Fachschulen für Sozialpädagogik

Carsten Püttmann (Hg.): Erziehung – Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in den Erziehungsbegriff (Didactica nova; 27), Baltmansweiler: Schneider-Verlag Hohengehren 2018.

Aus der Einleitung des Herausgebers:

„Der abschließende Beitrag von Priv.-Doz. Dr. Axel Bernd Kunze, Schulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, widmet sich der Frage, wie im Rahmen der fachschulischen Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher sich Haltung und Auftrag professioneller Erziehung grundlegend erschließen lässt. Ausgehend von bildungstheoretischen Überlegungen werden zentrale Merkmale von Erziehung markiert und Erziehungshandeln charakterisiert. Nachfolgend wird aufgezeigt, wie ein grundlegendes Verständnis für Erziehungsaufgaben und deren kommunikative Ausgestaltung im Rahmen der fachpraktischen Ausbildung aufgebaut werden kann. Sein Unterrichtsvorhaben orientiert sich an Fragen wie: Warum braucht der Mensch Erziehung? Was ist unter Erziehung zu verstehen? Wo bekommen wir Erziehung? Wie sollen Erziehungsprozesse gestaltet sein? Darauf aufbauend wird eine Idee zur fachpraktischen Erschließung des Erziehungsauftragaes vorgestellt. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass in der sozialpädagogischen Ausbildung in der Verschränkung von fachtheoretischer und fachpraktischer Auseinandersetzung ein Perspektivwechsel zu vollziehen ist: vom Zu-Erziehnenden zum professionellen Erzieher.“ (S. 5 f.)

Axel Bernd Kunze: Wie lassen sich Haltung und Auftrag professioneller Erziehung grundlegend erschließen? Überlegungen für die Einstiegsphase der sozialpädagogischen Ausbildung, in: ebd., S. 206 – 236.

Neuerscheinung: Wie kann „Erziehung“ gelehrt werden?

Carsten Püttmann (Hg.): Erziehung – Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in den Erziehungsbegriff (Didactica nova; 27), Baltmansweiler: Schneider-Verlag Hohengehren 2018.

Verlagsinformation:

Im Pädagogikunterricht sind im Rahmen der Einführung des Faches Begriffe zu lehren, die als leitende Orientierung für folgende Unterrichtssequenzen ausdifferenziert und genützt werden. Zu den Grundbegriffen gehört der Begriff »Erziehung«, weil er zusammen mit »Bildung« das Proprium des Faches bestimmt.
Führende Vertreter der Fachdidaktik Pädagogik zeigen in diesem Sammelband auf, wie der Begriff »Erziehung« anhand fachdidaktischer Überlegungen über einen gelingenden Pädagogikunterricht zu Beginn eines Kurses eingeführt und im Laufe des Unterrichts so weiterentwickelt wird, dass ein tragfähiges Konstrukt des Begriffs für ein wissenschaftliches Studium oder einen verantwortlichen Gebrauch in privaten und öffentlichen Situationen vorbereitet ist.
Erstmalig versammelt sind Vertreter aus unterschiedlichen Institutionen (Universität, Gymnasium, Gesamtschule, Fachschule) und Bundesländern. Im Hinblick auf die Diskussion u¨ber die pädagogischen Perspektive im PU ergeben sich dadurch interessante und fundierte Impulse.

Axel Bernd Kunze, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Verbands der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen sowie Schulleiter einer Fachschule für Sozialpädagogik, beschäftigt sich in seinem Beitrag (S. 206 – 236) mit der Frage:

Wie lassen sich Haltung und Auftrag professioneller Erziehung grundlegend erschließen? Überlegungen für die Einstiegsphase der sozialpädagogischen Ausbildung.

Ein Plädoyer für das Bekenntnis des Sozialstaats zu seinen ethisch-moralischen Wertgrundlagen

„Die Kolumne vom 28. Juni 2018 ist ein Plädoyer für das Bekenntnis des Sozialstaats zu seinen ethisch-moralischen Wertgrundlagen. Dr. Axel Bernd Kunze, Sozialethiker, Erziehungswissenschaftler sowie Schulleiter, macht darauf aufmerksam, dass ein Staat, der seine christlichen Wurzeln verleugnet und Vielfalt zum absoluten Wert erklärt, nicht nur integrationsunfähig wird, sondern auch die Freiheit der Menschen beschneidet.“ (Wolfgang Kurek)

Die aktuelle sozialethische Kolumne aus der „Tagespost“ dieser Woche ist nun auch auf den Internetseiten der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach verlinkt. Die katholische Wochenzeitung und die Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz verantworten gemeinsam die regelmäßige Kolumne, für die ein Kreis deutschsprachiger Sozialethiker schreibt.

 

Neue Kolumne: Wenn der Sozialstaat übergriffig wird …

Regelmäßig erscheint in der Wochenzeitschrift „Die Tagespost“ – in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach – eine sozialethische Kolumne.  Deutschsprachige Sozialethiker nehmen meinungsstark zu aktuellen sozial- oder wirtschaftspolitischen Herausforderungen Stellenung.

In der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ hat Axel Bernd Kunze sozial- und bildungsethisch zur Feder gegriffen:

Kolumne (27. Juni 2018): Wenn der Sozialstaat übergriffig wird …

https://www.die-tagespost.de/politik/wi/Kolumne;art314,189908

Ist es ketzerisch, sich folgendes Gedankenexperiment vorzustellen!? Man ersetze „Vielfalt“, „Offenheit“ oder „Diversity“ in vielen Curricula und Modulhandbüchern durch „Marxismus-Leninismus“ … Historische Parallelen sind natürlich wie immer rein zufällig. In unserem Bildungssystem gilt doch immer noch der Beutelsbacher Konsens und steht Kritik an oberster Stelle – oder doch nicht mehr so ganz.

Laizismus und Neutralität werden verwechselt. Was dem Staat an Kulturpflege nicht mehr zugebilligt wird, kommt durch die Hintertür als Manipulationsmacht wieder herein. Das staatliche Toleranzgebot löst sich auf, der Staat steuert den gesellschaftlichen Diskurs.

Rezension: Sicherheit braucht Vertrauen

Das neue Themenheft der internationalen Zeitschrift CONCILIUM beschäftigt sich mit Fragen „Menschlicher Sicherheit“ – aus ethischer wie theologischer Perspektive. In einer Sammelrezension mit dem Titel „Sicherheit braucht Vertrauen“ würdigt der Bonner Sozialethiker und Pädagoge Axel Bernd Kunze folgende Titel:

Regina Ammicht Quinn (Hg.): Sicherheitsethik (Studien zur Inneren Sicherheit; 16), Wiesbaden: Springer VS 2014, 296 Seiten.

Andreas Fischer-Lescano, Peter Mayer (Hgg.): Recht und Politik globaler Sicherheit. Bestandsaufnahme und Erklärungsansätze (Staatlichkeit im Wandel; 17), Frankfurt am Main/New York: Campus 2013, 401 Seiten.

Andrea Gawrich, Wilhelm Knelangen (Hgg.): Globale Sicherheit und die Zukunft politischer Ordnungen, Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich 2017, 276 Seiten.

Dokumentation: Katholische Publizisten diskutieren kontrovers über bayerischen Kreuzerlass

Der Kreuzerlass des bayerischen MInisterpräsidenten, Markus Söder, wird kontrovers beurteilt – auch unter katholischen Publizisten. Das zeigt eine Zusammenschau ausgewählter Beiträge und Kommentare zu diesem Thema, welche die GKP-Informationen – die Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft Katholischer Publizisten – in ihrer Juniausgabe bietet. Zwei Beispiele:

„Und bevor ich nun auf die Idee komme, selbst das kleine Kreuz abzunehmen, das bei uns in der Küche über der Eckbank hängt, wünsche ich mir, dass einer kommt, der die Tische in der bayerischen Staatskanzlei umwirft und die politischen Geschäftemacher vertreibt, die aus dem Heiligen Profit schlagen wollen.“ (Eva-Maria Lerch: Meine Religion – dein Bayern)

„Das Kreuz steht für die kulturellen Wurzeln, aus denen unser demokratischer Rechts-, Sozial- und Kulturstaat lebt. Es ist kein Missbrauch des Kreuzes oder die Enteignung einer Religion, wenn sich unser Staat auf diese Wurzeln besinnt und diese im öffentlichen Raum präsent hält.“ (Axel Bernd Kunze: Der Kulturstaat braucht eine normative Grundlage – oder: Warum das Kreuz von öffentlicher Bedeutung ist …)

Zwei Stimmen zum „Lexikon der Schulsozialarbeit“

Konzeption des Lexikons der Schulsoziarbeit

Das Lexikon der Schulsozialarbeit orientiert sich an den vielfältigen Aufgaben und Aufträgen sowie an den sozialen Problemen in der Schule und ihrem sozialräumlichen Umfeld.

Neben praxisrelevanten Fragestellungen werden auch maßgebliche wissenschaftstheoretische Diskurse thematisiert. Vor diesem Hintergrund bieten funktionale Verbindungslinien und inhaltliche Verknüpfungen eine hervorragende Orientierungs- und Entscheidungshilfe zur Beantwortung der sich in Forschung, Wissenschaft, Studium und Praxis stellenden Fragen.

Die Freiheit der inhaltlichen Gestaltung der von den Autorinnen bzw. Autoren präsentierten Stichwörter und die damit verbundenen Aussagen waren eine Grundbedingung, die dazu geführt haben, dass zu einzelnen Fragestellungen zahlreiche Anregungen, mitunter aber auch kontroverse Positionen und folglich unterschiedliche Antworten gegeben werden und/oder einzelne Passagen sich bewusst überschneiden (z.B. aus dem Blickwinkel der Erziehungs- und Bildungsinstanzen ‚Schule‘ und ‚Jugendhilfe‘). Zugleich werden aber auch aufgrund der Natur des Gegenstandsbereiches Schulsozialarbeit deren Verbindungslinien hervorgehoben und Schnittmengen benannt. Mit derartigen Entwicklungen und widersprüchlichen Wahrnehmungen werden zum Teil irrationale Reflexe bedient und aus unterschiedlichen Perspektiven kontroverse Diskussionen angefeuert. Insofern spiegeln ‚abweichende Meinungen‘die Vielfalt alltäglicher Praxis der Schulsozialarbeit sowie die in der Literatur erkennbaren unterschiedlichen Auffassungen zu teilweise heftigen Streitfragen und praxistauglichen problemlösenden Maßnahmen wider. Dieser Widerstreit wird von dem Herausgeber bewusst in Kauf genommen und zugleich begrüßt, zumal die jeweiligen Aspekte der Schulsozialarbeit in unterschiedlichen Bereichen, Blickfeldern und Zusammenhängen – auch differenziert nach einzelnen Bundesländern (beachte die Kulturhoheit der Länder) – auftreten, die in einzelnen Bereichen und Sektoren noch erweiterungsfähig sind. Diese stellenweise mit Vehemenz geführten Auseinandersetzungen begründen sich z.B. in der spannungsgeladenen Widersprüchlichkeit des jeweiligen gesellschaftlichen Grundverständnisses von Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen der Erziehung, Bildung, Sozialisation und letztlich auch der Schulsozialarbeit. Offene Fragen, wo Antworten nicht einfach sind, werden nicht unter den Teppich gekehrt, sondern mit ernstgemeinter Gestaltungsverantwortung problemlösenden Maßnahmen zugeführt. Zudem ist es nicht das Bestreben des Herausgebers, strittige Meinungen dogmatisch auszutragen oder eigenen Reformideen zum Durchbruch zu verhelfen. Letztlich geht der Herausgeber davon aus, dass sich Schulsozialarbeit durch einem stetig zu befördernden Diskurs zu den System- und Funktionszusammenhängen sowie durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Auffassungen, Meinungen und Standpunkten gewinnbringend weiter entwickeln wird und demokratische Grundsätze und vor allem Kinderrechte sichern helfen.

Die von rund 200 Autorinnen und Autoren verfassten über 450 Stichworte bieten eine erste Auswahl und sorgfältige Darstellung schulsozialarbeiterischer Grundlagen und Rahmenbedingungen. Ergänzt mit fachpraktischen Hinweisen, Kindeswohl fördernden Erfahrungen und einer gezielten Auswahl von zum Teil ineinandergreifender Best-Practice Beispiele wird das Lexikon der Schulsozialarbeit dem rasant wachsenden Bedeutungsgewinn der Schulsozialarbeit gerecht und leistet darüber hinaus einen wichtigen innovativen Beitrag zur Professionalisierung des Praxisfeldes Schulsozialarbeit.

Das Lexikon der Schulsozialarbeit wird von dem Sozialarbeiter und Erziehungswissenschaftler sowie ehemaligen Jugendamtsleiter Herbert Bassarak herausgegeben, der zum einen während seiner Studienzeit in dem Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund bei Prof. Dr. Hans-Günter Rolff wirkte und zudem über dreißig Jahre in Fachausschüssen des Deutschen Vereins als ordentliches Mitglied gewirkt hat und darüber hinaus Gründungsmitglied und seitdem Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit Bayern e.V. ist. Herbert Bassarak ist zugleich Mitinitiator des im deutschsprachigen Raum ersten Masterstudienganges Schulsozialarbeit, der an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt angeboten wird und seit 2016 mit großem Erfolg läuft.

Herbert Bassarak (Herausgeber), Vorstand BAG Schulsozialarbeit und Vorstand LAG Schulsozialarbeit Bayern e. V., Lauf

 

Herbert Bassarak (Hrsg.): Lexikon der Schulsozialarbeit,  1. Aufl., Baden-Baden: Nomos 2018, ISBN-13: 978-3-8487-1594-7, 98,00 Euro.

 

Zukunftsträchtiges Arbeitsfeld mit praxisrelevantem Nachschlagewerk

Es ist ein großes Projekt, das sich Professor Herbert Bassarak vorgenommen hat: Ein Lexikon der Schulsozialarbeit, das vor allem Beiträge von praktizierenden Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen enthalten soll und möglichst praxisrelevant das weite Feld der Sozialarbeit an Schulen abdeckt. Gleichwohl ist es hier gelungen, die Vielseitigkeit des Handlungsfeldes auch in den verschiedenen Beiträgen von über 200 Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum einzubringen, ohne dass das Fachliche oder die Leserlichkeit der Texte beeinträchtigt wurden. Dieses Lexikon bietet den so notwendigen wissenschaftstheoretischen Diskurs, indem vielseitige Fragestellungen zu den Bildungs- und Erziehungssystemen erörtert werden. Dabei ist es dem Herausgeber ein ausgesprochenes Anliegen, dass die Autorinnen und Autoren selbstverantwortlich zu ihren Beiträgen stehen und so die insgesamt über 450 Stichworte auch teils kontroverse Standpunkte beinhalten.

So wird schon im ersten Stichwort die „Abgrenzung Jugendsozialarbeit an Schulen und Schulsozialarbeit“ diskutiert und im letzten Beitrag „Zwangsheirat“ sowohl vom rechtlichen, psychologischen, sozialarbeiterischen und kulturellen Aspekten als auch bezüglich Präventionsangeboten erörtert. Die Verknüpfung der praktischen und theoretischen Gesichtspunkte unterschiedlicher Disziplinen machen auch den Geist dieses Lexikons aus. Hier wird ausgesprochen praxisbezogen beschrieben, ohne sich in kleinschrittigen Punkten zu verlieren. Vielmehr sind die fachpraktischen Hinweise und die dargestellten Erfahrungen mit Projekten und Medien gut dosiert präsentiert. Diese gezielte Auswahl von Best-Practice Beispielen macht das Lexikon der Schulsozialarbeit zu einem vortrefflichen Nachschlagewerk. Das Pendel bewegt sich dabei von direkt im schulischen Kontext eingreifenden Punkten bis hin zu Aspekten, die mehr der Jugendhilfe als dem Bildungsbereich zugeordnet werden. Entsprechend der konzeptionellen Vielfalt der Sozialarbeit an Schulen können hier Praktikerinnen und Praktiker sich bei einzelnen Stichwörtern vertieft befassen. Ob nun Sucht, Gewalt, Schweigepflicht, Selbstverletzendes Verhalten, Elternarbeit, Sozialraum, Schutzkonzepte, Pubertät, Sozialtrainings, Suizidprävention, Cybermobbing, Mädchenarbeit, Essstörungen oder Ganztagsschule, politische Bildung oder Berufsorientierung: Hier findet jede Fachperson aus der Sozialen Arbeit an Schulen entsprechende Verknüpfungen zu der praktischen Arbeit bzw. der entsprechenden Reflexion. Die Übersichtlichkeit ist durch den Fettdruck der Stichwörter und die nicht übermäßigen Längen der einzelnen Beiträge mit der begrenzten Anzahl an Literaturhinweisen sowie die große Anzahl von binnenstrukturellen Querverweisen gegeben. Ein Stichwortverzeichnis (leider ohne Angabe der jeweiligen Autorenschaft) und ein 75seitiges, oft sehr aktuelle Titel berücksichtigendes Literaturverzeichnis helfen beim strukturellen Lesen des Lexikons. Beim Autoren/-innen-Verzeichnis werden die beruflichen Hintergründe und Emailanschriften aufgeführt. So lässt sich gegebenenfalls auch Kontakt zu den einzelnen Personen aufnehmen. Die beeindruckend hohe Anzahl an Beiträgen verdeutlicht die Komplexität des Arbeitsfeldes und den hohen Anspruch, der an die Schulsozialarbeiter/-innen gestellt wird. Wer sich die Liste der Stichwörter anschaut, wird den Punkt Sexualpädagogik vermissen, obgleich diese in der praktischen Arbeit eine bedeutende Rolle spielt. Hier würde man sich für die nächste Auflage einen Beitrag wünschen. Alles in allem ist dieses Lexikon eine ausgesprochen vielseitige Ansammlung an Informationen und fachlichen Einschätzungen. So ist es ein hervorragendes Beispiel zur weiteren Professionalisierung des so zukunftsträchtigen Praxisfeldes. Dieses Lexikon sollte in jedem Jugendamt Schule machen und in jeder Schule helfen, dass die Schülerinnen und Schüler zugleich auch als Kinder bzw. Jugendliche wahrgenommen werden. Denn es bedarf auf Dauer einer fundierten Konzeptionierung und verlässlichen Ausstattung an Personal und Räumen, damit Schulsozialarbeit in all ihren Möglichkeiten wirksam werden kann. Das „Lexikon der Schulsozialarbeit“ ist hierfür ein hervorragender Baustein!

Detlef Rüsch (Rezensent)

Der Rezensent ist als Diplomsozialpädagoge, systemischer Familientherapeut und Supervisor in Landshut tätig.

 

Viele Jahre lang wurde darüber nachgedacht und diskutiert, was Schulsozialarbeit ist, was sie ausmacht. Klar war immer, dass Schulsozialarbeit eine gewichtige Sache ist. Dies wird einem so richtig bewusst, wenn man die erste Ausgabe des „Lexikons der Schulsozialarbeit“ mit seinen knapp 1500 Gramm in Händen hält.

Nun kann man sich getrost hineinbegeben in diesen „Dschungel“. Rund zweihundert Autorinnen und Autoren bieten ihre jahrelang gemachten praktischen Erfahrungen und Ergebnisse beharrlicher wissenschaftlicher Auseinandersetzung in diesem Werk mit seinen über 450 Stichworten an. Dieser immer wichtiger werdende Bereich der Sozialen Arbeit wird äußerst praxisnah, lebendig und anschaulich der Leserschaft präsentiert.

Manches ist leider in diesem Lexikon (noch) nicht erfasst, so dass man gelegentlich schmerzliche Lücken zu spüren bekommt. Der Grund hierfür ist wohl in der Weite und in der rasanten Entwicklung dieses wichtigen Bereiches der Sozialen Arbeit zu suchen. Es hätten sich mit Sicherheit auch mehr Fachleute zu Wort melden können und müssen. Der Informationswert dieses Buches hätte dann annähernd der erlebbaren Situation entsprochen und somit den Bedürfnissen des Suchenden noch besser gerecht werden können. Für den Herausgeber gilt es also, mit der zweiten Auflage unbedingt die gelegentlich erkennbaren Schwächen zusammen mit den entsprechenden Fachleuten zu beseitigen.

Zudem fällt auf, dass einige ‚gewichtige‘ Stichwörter in für manchen Leser zu kurzer Form angeschnitten werden und sich gerade noch auf das Wesentliche konzentrieren. Es ist für die interessierte Leserschaft mit Sicherheit hilfreicher, wenn die äußerst aktive und aktivierende Schulsozialarbeit auch entsprechend dargestellt wird. Die Beiträge wären dann besser nachvollziehbar und noch informativer.

Das „Lexikon der Schulsozialarbeit“ ist insgesamt gesehen gelungen und eine sehr gute Hilfe, quasi eine Landkarte, sich in dem schwierigen Terrain von Schule und Jugendhilfe zu orientieren und zurechtzufinden. Mit vielen unterschiedlichen „Best-Practice-Beispielen“ bietet diese umfassende Publikation eine qualitätssichernde Möglichkeit, bei auftretenden theoretischen oder praktischen Fragen Antworten zu finden sowie adäquate Handlungsoptionen zu entwickeln. Die zahlreichen Informationen aus Wissenschaft und beruflicher Praxis bereichern das vorliegende, äußerst umfangreiche Nachschlagewerk. Es ermöglicht passgenaue Entscheidungs- und Handlungsoptionen in Theorie und Praxis. Bestehende Brücken zwischen verschiedenen Systemen werden aufgezeigt, neue werden geschlagen, wo sie denkbar, möglich oder nötig sind.

Ob man gezielt nach einem bestimmten Begriff sucht, oder einfach „nur so“ in diesem Lexikon der Schulsozialarbeit blättert, man erhält kompetent Auskunft und wird bespiellos fachlich informiert und inspiriert.

Das „Lexikon der Schulsozialarbeit“ ist ein Muss für jeden, der im Kontext von Schule und Jugendhilfe tätig ist.

Wolfgang Habberger (Rezensent)

Der Rezensent (Jahrgang 1967) ist Sozialpädagoge. Er ist seit Januar 2000 Mitglied der Gewerkschaft und Erziehungswissenschaft und wirkt seit zwanzig Jahren hauptberuflich in der Schulsozialarbeit. Darüber hinaus engagiert er sich in unterschiedlichen gewerkschaftlichen Bereichen und Ebenen der Schulsozialarbeit in Bayern.

Neuerscheinung zur Gesangsdidaktik: Die Kunst des Gesangs

Gabriella Pittnerova: L’arte del canto – Die Kunst des Gesangs, Würzburg: Königshausen & Neumann 2018, ISBN 978-3-8260-6447-0

L’arte del canto – Die Kunst des Gesangs basiert auf dem italienischen Belcanto-Stil. Diese brillante Technik legt besonderen Wert auf die exakte Atemführung, Ausgeglichenheit und Virtuosität der Stimme sowie große Flexibilität in der Dynamik. Sie fördert die Beherrschung aller stimmlichen Schattierungen ebenso wie die Ausgewogenheit der Legato-Kultur für schönen Gesang auf höchstem Niveau.

Auf Basis der fünfundzwanzigjährigen Bühnenerfahrung und Unterrichtspraxis vermittelt die Autorin Gabriella Pittnerova mit ihrer Methodik auf leichtverständliche und abwechslungsreiche Weise fundierte Kenntnisse für eine erfolgreiche sängerische Ausbildung. Das Buch beinhaltet ein vielfältiges Spektrum von der Technik der Stimme der darstellenden Kunst bis zur Fachbesetzung mit wertvollen Tipps. Zur Anschaulichkeit finden sich ferner anatomische Zeichnungen und spannende Einblicke in historische Epochen.

Der Band dient als Unterrichthilfe, Studienbegleitung, zum Selbststudium sowie als Quelle zur Erweiterung des eigenen Könnens und stellt eine wahre Bereicherung für Liebhaber von der Klassik bis zum Pop dar, die aus Liebe zur Musik das Singen erlernen wollen. Die beiliegende CD enthält praktische Übungen zum täglichen Stimmtraining.

Bildergebnis für Pittnerova Die Kunst des Gesangs

Die Autorin Gabriella Pittnerova ist als Opern- und Konzertsängerin sowie Gesangsdozentin für Klassik, Operette, Musical als auch Pop/Rock in Stuttgart und im weiteren In- und Ausland tätig. Sie studierte am Konservatorium Zilina, der Hochschule für musische Künste Bratislava und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Mit dem Maestro Gian-Franco Brizio, einem ehemaligen Gesangsstudenten des gefeierten Tenors Mario Del Monaco, rundet sie ihr künstlerisches Profil in Italien ab. Sie begann ihre junge Karriere als Koloratursopranistin und war in diesen Fach am Slowakischen Nationaltheater Bratislava und dem Nationaltheater Prag engagiert, wo sie als Königin der Nacht in W. A. Mozarts „Die Zauberflöte“ debütierte. Ferner gastierte Sie weltweit bei zahlreichen Bühnen- und Konzertauftritten, Musikfestivals, TV- und Rundfunkproduktionen. Nach ihrer erfolgreichen Opernkarriere widmet sich die  Künstlerin der Gesangspädagogik und konzertanten Tätigkeit in Stuttgart. Ihre Gesangsstudenten studieren weltweit in Europa, USA und Japan an führenden Musikhochschulen, Konservatorien und Musikakademien. Sie sind weiterhin bei diversen Projekten als Sänger, Musicaldarsteller, Pop- und Rocksänger, in Bands und bei CD- und Fernsehproduktionen engagiert.

Nähere Informationen zur Autorin finden Sie unter: www.gabriella-pittnerova.com

Das Buch kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag Königshausen & Neumann unter Tel. (0 9 31) 32 98 70-0 bezogen werden.

(Quelle: Verlagsinformationen)