Rezension: Pluraler Pluralismus

Pluralismus ist zum normativen Signum der Moderne geworden. Ein neuer Band des Moraltheologen Dieter Witschen bietet wertvolle Klärungen, was unter Pluralismus zu verstehen ist. Es gibt nicht das eine Konzept von Pluralismus – oder anders gesagt: Pluralismus ist selbst plural.

Dieter Witschen: Ethischer Pluralismus. Grundarten – Differenzierungen – Umgangsweisen, Paderborn: Ferdinand Schöningh 2016, 131 Seiten.

In Heft 1/2017 der internationalen Zeitschrift für christliche Sozialethik, AMOSinternational, findet sich eine Besprechung des Bandes aus der Feder von Axel Bernd Kunze.

Initiative „Für Freiheit im Bildungssystem“: Gedanken zum Ende von Gaucks Amtszeit

Vor fünf Jahren wurde der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Beauftragte für die Unterlagen der ehemaligen DDR-Staatssicherheit, Joachim Gauck, zum Bundespräsidenten gewählt. Vertreter aus Bildung und Wissenschaft nahmen seine Wahl damals zum Anlass für einen Offenen Brief, der auf problematische Entwicklungen im Bildungs- und Wissenschaftssystem hinweisen wollte: Für Freiheit im Bildungssystem. Initiator des Briefes war der Neutestamentler und Judaist, Dr. Jan Dochhorn. Immer wieder hatte Gauck in Reden und Vorträgen vor seiner Wahl das Thema Freiheit in den Mittelpunkt gestellt. Die Unterzeichner wollten darauf aufmerksam machen, dass die Freiheit mittlerweile auch in unserem Bildungs- und Wissenschaftssystem zu einem bedrohten Gut geworden ist.

Die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Als Bundespräsident blieb Gauck weiterhin in der Konfliktkonstellation des Systemgegensatzes zwischen West und Ost gefangen. Gauck hatte die verändernde Kraft der Freiheit als Bürgerrechtler selbst erfahren, dies wird man ihm zugestehen müssen. Nun aber war sie für ihn, der die Unfreiheit am eigenen Leib erfahren hatte, zum festen Besitz geworden. Neuerliche Bedrohungen der Freiheit wollte oder konnte Gauck nicht sehen – für den Antikommunisten hatte sich die verändernde Kraft der Freiheit, an die er einmal geglaubt hatte, mit dem Ende des Ost-West-Gegensatzes aufgebraucht. In der Folge erwies sich Gauck als äußerst biegsam und anpassungsbereit. Die politische Klasse musste von ihm keine kritischen Einwände befürchten. Ja, er stärkte schließlich der Bundeskanzlerin und ihrer gesinnungsethisch ausgerichteten Politik in der Migrationskrise demonstrativ den Rücken: eine Einmischung in die Partei- und Tagespolitik, die unter anderen Vorzeichen zu einer erregten Debatte über die verfassungsgemäße Rolle des Bundespräsidenten geführt hätte.

„Unser Land“, von dem Gauck in seiner Antrittsrede sprach, ist nicht zu einem Land gestärkter Freiheit geworden. Je länger Gaucks Amtszeit währte, desto anachronistischer wirkte sein Freiheitspathos. Was hätte sich aus Perspektive der Freiheit alles sagen lassen – zu einer Demokratie, die von Krise zu Krise hetzt; zu einer Politik, die der Krisen Herr werden will, indem sie sich über bestehendes Recht und bestehende Verträge hinwegsetzt; zu Debatten über eine Postdemokratie, in der politische Entscheidungen immer mehr auswandern in intransparente, transnationale Institutionen; zu einer moralisierenden Flüchtlingspolitik, über die bis heute nicht parlamentarisch entschieden wurde; über eine Selbstermächtigung der Exekutive, die in der Migrationskrise sogar soweit ging, die staatsrechtlichen Grundlagen des eigenen Gemeinwesens in Frage zu stellen; zur schleichenden Aushöhlung der Freiheit in einer Gesellschaft, die das Verhalten ihrer Mitglieder immer stärker durch unausgesprochene Verhaltenserwartungen und soziale Normvorstellungen zu steuern versucht … Gauck erkannte die neuen Gefährdungen der Freiheit nicht.

Sein Biograph Mario Frank (Suhrkamp, 2014) kritisierte, dass die Freiheit für Gauck nur „Vehikel“ und „Mittel zum Zweck“ gewesen sei, um „öffentliche Anerkennung und Bewunderung“ zu ernten: „Er wollte die Früchte seiner Lebensarbeit genießen.“ Er stolperte über seine eigene Eitelkeit und verstieg sich am 19. Juni 2016 vor laufenden Kameras sogar zu der Behauptung: „Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem, dass wir stärker wieder mit denen das Gespräch suchen.“ Der ehemalige Bürgerrechtler merkte noch nicht einmal, in welche Nähe er damit zum Diktum Bertolt Brechts kam, der nach dem 17. Juni 1953 der SED-Führung empfahl, sich ein neues Volk zu wählen.

Gauck verzichtete auf eine zweite Amtszeit. Am 12. Februar 2017 wurde Frank-Walter Steinmeier zu seinem Nachfolger gewählt. In seiner Antrittsrede ruft er dazu auf, „mutig“ für Freiheit und Demokratie einzutreten. Wie wahr – nur müsste dieser Einsatz für die Freiheit mehr sein als die übliche politische Konvention. Auch die Anliegen des Offenen Briefes „für ein freiheitliches Bildungssystem und für die Freiheit von Forschung und Lehre“ haben sich nicht erledigt.

Umfrage: Ernst Moritz Arndt aus dem Universitätsnamen tilgen?

Soll Ernst Moritz Arndt aus dem Greifswalder Universitätsnamen getilgt werden? Der entsprechende Senatsbeschluss hat eine Diskussion losgetreten, die weit über Greifswald hinausreicht. Der Deutsche Hochschulverband, die berufsverbandliche Interessenvertretung der Universitätsprofessoren, hat auf seiner Internetseite eine inoffizielle Umfrage gestartet, bei der nach  Zustimmung oder Ablehnung der Namensänderung gefragt wird (wer gegen die Umbenennung ist muss mit „nein“ votieren). Die Umfrage findet sich hier: https://www.hochschulverband.de/hochschulverband-home.html#_

Gastkommentar: Tote Lehre?

„Ahnungslose Absolventen? Zu Heine, Schiller, Goethe fällt in erster Linie der Bildungspolitik nichts mehr ein. Schule und Universität stehen heute für sinnfreie Übungen an sogenannten Stoffen und offene Verachtung“ – meint Jürgen Kaube im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. Februar 2017. Jan Dochhorn widerspricht in einem Punkt entschieden:

Der Kommentar von Kaube zum Zustand der akademischen Lehre (F.A.Z., 11.02.2017, »Tote Lehre«) enttäuscht. Er läuft doch wieder auf den konventionellen Vorwurf hinaus, dass Professoren allzu gerne forschten und dabei angeblich die Lehre vernachlässigten. Ich habe diesen Vorwurf schon als Student gehört – eher von den leistungsschwächeren Kommilitonen. Ein Klima, in dem Forschung schlecht geredet wird, braucht kein Mensch an den Universitäten. Und dass sich niemand von den Dozenten gewehrt hätte oder wehrte gegen die geistfeindlichen Reformen der letzten Dezennien (für die alle Bundestagsparteien verantwortlich zeichnen), stimmt schlichtweg nicht. Es gibt z. B. die Gesellschaft für Bildung und Wissen (GBW). Und was die beiden von Kaube zitierten Germanistikstudentinnen betrifft, die nicht wissen, wer Goethe ist: Ein engagierter akademischer Lehrer würde ihnen sagen: Ihr seid nicht primär Opfer eines schlechten Systems (das vielleicht auch), sondern als künftige Akademiker verpflichtet, eure Bildung euch ein Anliegen sein zu lassen – mit mir als einem harten Trainer. Es kann riskant sein, heute so etwas zu sagen. Denn zur Verbesserung der Lehre hat man die studentische Evaluation erfunden. (Dr. Jan Dochhorn, dr. theol.)

Der Kommentator ist Senior Lecturer für Neues Testament an der University of Durham (Vereinigtes Königreich).

Nur ein Narrativ? Ein sozialethischer Zwischenruf zur aktuellen Integrationsdebatte

Ist der Bezug auf die Nation oder das deutsche Volk nur ein austauschbares, von vielen bereits überwunden geglaubtes Narrativ? Viele sozialethische Beiträge der aktuellen Integrationsdebatte erwecken diesen Eindruck, ohne dass im Detail dann wirklich ausgewiesen wird, warum dies eigentlich so sein sollte.

Wer die Auflösung belastbarer (staats-)rechtlicher Fragestellungen in kulturwissenschaftliche Narrative betreibt, die beliebig austauschbar erscheinen, suggeriert unbewusst ein Fortschrittsparadigma, das sich der wissenschaftlichen Argumentation entzieht. Überdies sagt die Verwendung einer kulturwissenschaftlichen Kategorie wie „Narrativ“ noch nichts über deren Wirksamkeit aus, und dies selbst bei denen, die meinen, feste identitätsbildende Kategorien hinter sich gelassen zu haben. Wer binären Zuschreibungen äußerlich abschwört, kann diese unreflektiert weiterhin verwenden, wenn der politische Diskurs vorschnell in „weltoffene“ und „fremdenfeindliche“, „dynamische“ und „statische“, „fortschrittliche“ und „rückwärtsgewandte“, „pluralismusfähige“ oder „verunsicherte“ Positionen eingeteilt wird. Für Zwischentöne bleibt da wenig Raum.

Der neue Sammelband „Zerreißprobe Flüchtlingsintegration“ (Freiburg i. Brsg. 2017) aus der Reihe „Theologie kontrovers“ bietet reichlich Anschauungsmaterial für eine kulturwissenschaftlich orientierte Sozialethik. Staatsrechtliche und staatspolitische Fragen um Migration und Integration kommen allenfalls am Rande vor. Dabei basiert unsere gesamte Rechtsordnung einschließlich der Anerkennung unveräußerlicher Grund- und Menschenrechte auf nationaler Grundlage. So heißt es in der Präambel unserer Verfassung, dass sich „das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben“ habe. Wer diesen nationalen Bezug verkennt, läuft Gefahr, die rechtliche Ordnung aufzulösen.

Es wird nicht gelingen, trennscharf zwischen „unaufgebbaren Werten“ und historisch wandelbaren „kulturellen Prägungen, Routinen, kollektiven Vorlieben, Gewohnheiten und Alltagspraktiken“ zu unterscheiden, wie es der im schweizerischen Freiburg lehrende Sozialethiker Daniel Bogner im genannten Sammelband vorschlägt. Erstere sind nicht ohne letztere zu haben und umgekehrt. Dass sich Kultur historisch wandelt, ist eine triviale Aussage. Mit dem Wandel kultureller Prägungen, Routinen, kollektiver Vorlieben, Gewohnheiten und Alltagspraktiken werden sich auf Dauer auch gesellschaftliche Orientierungswerte wandeln. Daher brauchen wir einen offen und fair geführten Diskurs darüber, welche Gestalt unser Zusammenleben besitzen soll – und welche eben auch nicht. Tabus, Boykottaufrufe und Diskursabbrüche (der letztjährige Jubiläumskatholikentag von Leipzig ist hier nur ein prominentes Beispiel) fördern einen solchen Diskurs nicht.

Sollte jemand vor Gericht stehen, was niemand für sich wünscht, wäre ihm sicher lieb und recht, dass das „Volk“, in dessen Namen Recht gesprochen wird, kein beliebig austauschbares Narrativ ist, sondern er sich auf tragfähige kulturelle Werte verlassen kann. Sollte jemand als Beamter darauf vertrauen, dass er auch im Ruhestand auskömmlich leben kann, wäre ihm sicher lieb und recht, dass dieses „Volk“, das seinen Beamten gegenüber Loyalität zugesichert hat, kein beliebig austauschbares Narrativ ist, sondern eine berechenbare Größe bleibt, die sich später auch an einmal gegebene Pensionszusagen erinnert … Die Beispiele ließen sich fortführen.

Von Ausnahmen abgesehen (zu nennen wären hier beispielsweise die beiden Sozialethiker Ulrich H. J. Körtner oder Richard Schröder), wird über die staatsethischen Grundfragen der gegenwärtigen Migrationskrise in der gegenwärtigen Sozialethik kaum kontrovers diskutiert (anders als der Reihenname verspricht, erweist sich der genannte Band dann in sich auch als wenig kontrovers). Ersetzt wird der staatsethische Bezug zunehmend dadurch, dass im Gefolge einer überschießenden Interpretation der Menschenrechte ein sogenanntes Recht auf ein besseres Leben konstruiert und proklamiert wird. Menschenrechte garantieren um der Menschenwürde willen gebotene Mindeststandards, taugen aber nicht zur Durchsetzung komparativer Verbesserungen. Wer das Menschenrecht überstrapaziert, beschädigt auf Dauer seine Wirksamkeit.

Die Debattenlage in Deutschland ist dabei eher singulär, wie die Migrationskrise innerhalb der Europäischen Union mehr als deutlich gezeigt hat. Und so stehen viele Sozialethiker auch eher hilflos dem Phänomen gegenüber, dass sich nationale Fragen dann doch wirkmächtiger erweisen, als man sich selbst eingestehen will. Wir sollten diese Debatte aber dringend führen, wenn wir nicht wollen, dass sich die aufgestauten Fragen irgendwann einmal eruptiv entladen.

Nicht mehr der Freiheit und Wahrheitssuche verpflichtet? Eine Erinnerung an Ernst Moritz Arndt aus aktuellem Anlass

„Überhaupt bin ich nach meiner Ansicht der Dinge und nach der Erfahrung, die ich im Leben gemacht habe, der Meinung, dass für die Freiheit, welche akademische Freiheit heißt, fast gar keine Gesetze gegeben werden müssen, sondern dass die Jugend, welche bestimmt ist, einmal die Geister zu führen, durch das freieste Gesetz der Meinung und dadurch der freiesten Meister, durch den Geist beherrscht werden muss. […] Ja, wir müssen es aller Welt sagen, dass unsere Universitäten, dass die akademische Freiheit und der akademische Geist, der wie ein frischer Samen der Tugend und Ehre über das ganze Vaterland ausgesät wurde, unser Vaterland von Sklaverei errettet habe.“ (E. M. Arndt: Über den deutschen Studentenstaat, Köln 1921, S. 41. 47)

Der dieses Hohelied akademischer Freiheit gesungen hat, zählte zu den ersten Professoren der Bonner Universität. Sein Denkmal, 1865 eingeweiht, steht unweit der Universität auf dem Alten Zoll: Ernst Moritz Arndt, 1818 in Bonn zum Professor für Geschichte berufen, 1821 mit Lehrverbot belegt, 1826 im Zuge der Demagogenverfolgung vom Professorenamt suspendiert und 1840 durch Friedrich Wilhelm IV. rehabilitiert.

Arndt, dessen Bildungslehre wenig rezipiert worden ist, kennt noch nicht die systematische Unterscheidung zwischen Allgemein- und Fachbildung. Doch gibt es für ihn eine klare Reihenfolge:

„Nur im Amtskleide, nur im Amts- und Berufsgeschäfte müßte man den Bürger sehen, weil er da gilt, bei allen anderen Dingen sollte der Mensch immer vorscheinen, das Große vor dem Kleinen.“ (E. M. Arndt: Fragmente über Menschenbildung, Langensalza 1904, S. 176).

Arndt fragt nicht danach, was der Einzelne im Detail an Kenntnissen und Fertigkeiten für seinen Beruf braucht. Der gebildete Mensch – so seine Überzeugung – werde sich leicht, mit geschärftem Sinn und mit eigenem Urteil in die Bürgerpflichten einfinden. Die Studentenzeit ist für ihn jene Zeit, in der „eine neue akademische Ritterlichkeit in Tat und Gesinnung“ (Über den deutschen Studentenstaat, S. 45) geschaffen wird.

Ernst Moritz Arndt geizte keinesfalls mit wenig schmeichelhaften Ausdrücken über Pädagogen: „Kauzen- und Dohlengeschlecht“, „krächzende Geier“, „Flagellantenschar der faulen Rückenbläuer“ (vgl. R. Preul: Die Bildungslehre Ernst Moritz Arndts, in: D. Alvermann, I. Garbe [Hgg.]: Ernst Moritz Arndt. Anstöße und Wirkungen, Köln u. a. 2011, S. 15 – 30, hier: 23 f.). Hoffen wir, dass er diese Vorwürfe heute nicht mehr unbedingt wiederholen würde. In einem möge Arndt aber auch heute noch Recht haben, wenn er – wer weiß, wie lange noch!? – von seinem Sockel auf die Bonner Studenten herabblickt:

„Wer diese höchste Zeit des Daseins, diese deutsche Studentenzeit durchlebt und durchgespielt und durchgefühlt hat, wer in ihr gleichsam alle Schatten eines dämmernden Vorlebens und alle Masken einer beschränkteren und mühevolleren Zukunft in verkleideten Scherzen und mutwilligen Parodien durchgemacht hat, der nimmt in das ärmere Bürgerleben, dem er nachher heimfällt, und dem er seinen gebührlichen Zins abtragen muss, einen solchen Reichtum von Anschauungen und Phantasien hinüber, der ihn nie ganz zu einer chinesischen Puppe und zu einem hohlen und zierlichen Lückenbüßer und Rückenbücker der Vorzimmer werden lässt.“ (Über den deutschen Studentenstaat, S. 15)

 

An der Universität Greifswald soll nach einem Beschluss des Akademischen Senats vom 18. Januar 2017 Ernst Moritz Arndt aus dem Universitätsnamen getilgt werden. Dieser wurde seit 1954 wieder verwendet, nachdem das Staatssekretariat für Hochschulwesen in der DDR den früheren Namen amtlich bestätigt hatte. Jetzt will der Senat zum Namen Universität Greifswald zurückkehren, den die Einrichtung schon einmal zwischen 1945 und 1954 trug. Begründet wird die Namensänderung mit der internationalen Ausrichtung der Universität als einem „Ort fortschrittlicher Wissenschaft“.  Vom Ideal der Freiheit und der Verpflichtung der Wissenschaft zur „vor-urteilsfreien“ Wahrheitssuche ist keine Rede mehr. Ähnlichkeiten zum Sprachgebrauch nichtdemokratischer Zeiten an der Universität Greifswald sind selbstverständlich rein zufällig.

Informationen zur geplanten Namensänderung finden sich auf den Seiten der Universität Greifswald:

https://www.uni-greifswald.de/universitaet/information/aktuelles/detail/n/universitaet-greifswald-legt-namen-ernst-moritz-arndt-ab/

Vorankündigung: Zerreißprobe Flüchtlingsintegration

Ein Thema wird uns auch in diesem Bundestagswahljahr beschäftigen: die Folgen des Massenzustroms an Flüchtlingen, die aus Afrika, dem Nahen Osten oder dem Balkan nach Deutschland kommen. Nicht nur politisch, auch sozialethisch hat das Thema heftige, nicht zuletzt auch emotionale Debatten ausgelöst. Die Frontlinie zwischen den verschiedenene Positionen wird durch zwei Fragen abgesteckt: Wie verhalten sich in der Migrationsethik Gesinnungs- und Verantwortungsethik zueinander? Wie werden staatsethische, menschenrechtsethische und personethische Argumente gewichtet und gegeneinander abgewogen? Mitte Januar wird in der Reihe „Theologie kontrovers“ ein Diskussionsband erscheinen, der die Konfliktlinien innerhalb der Sozialethik sichtbar machen und miteinander ins Gespräch bringen will:

Marianne Heimbach-Steins (Hg.): Zerreißprobe Flüchtlingsintegration, Freiburg i. Brsg.: Herder 2017.

Gefragt wird unter anderen: Wo stößt Gastfreundschaft an Grenzen? (Axel Bernd Kunze); Kann Religion eine Integrationsressource sein? (Daniel Bogner) oder: Hindernis oder Ressource? Die Rolle des Islams für die Integration von Flüchtlingen? (Hansjörg Schmid). Der Band der Münsteraner Sozialethiker schließt an einen Vorgängertitel „Begrenzt verantwortlich? Sozialethische Positionen in der Flüchtlingskrise“ von ihr an, der bereits 2016 erschienen ist.

Eine Inhaltsübersicht und eine Leseprobe zum neuen Band finden sich auf den Verlagsseiten:

https://www.herder.de/media/leseprobe/978-3-451-37618-4/html5.html

 

 

Bibliographie zu Karl Barth

„The Center for Barth Studies“ am Theologischen Seminar in Princeton führt online eine Bibliographie zu Neuerscheinungen über Karl Barth. Für 2016 ist auch der Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gelistet worden. Unter den vorgestellten korporierten Sozialdemokraten findet sich auch Karl Barth. Die Bibliographie ist online abrufbar:

http://barth.ptsem.edu/research/new-and-forthcoming

Randnotiz: DHV kürt Wissenschaftsminister 2016 ohne Entscheid der Mitglieder

Im Wissenschaftsteil der F.A.Z. vom 14. Dezember 2016 setzt sich Heike Schmoll kritisch mit dem neuen Akkreditierungssystem auseinander, das die Kultusminister jetzt verabschiedet haben. Die Kritik an einem aufgeblähten Akkreditierungsrat, der das Zeug hat, zum bürokratischen Monstrum zu werden, ist nachvollziehbar. Die Neuregelung dürfte sich keineswegs als besser, freiheitlicher und ressourcenschonender erweisen als das bisherige Verfahren. Seltsam mutet allerdings an, wie der Deutsche Hochschulverband als Lobbyvereinigung der Professorenschaft seine Kritik an der politischen Entscheidung vorbringt. Zunächst verzichtet man beleidigt auf das übliche Ministerranking, dann erklärt der Vorstand par ordre du mufti Mathias Brodkorb aus Mecklenburg-Vorpommern, der sich als einziger der Neuregelung widersetzte, zum Wissenschaftsminister des Jahres. Vertraut die Verbandsführung nicht mehr darauf, dass die Mitglieder, hätte man sie befragt, zum selben Ergebnis gekommen wären? Haben mittlerweile die meisten Professoren, die innerhalb der „Bolognauniversität“ nach oben gekommen sind, ihren Frieden mit dem System der Akkreditierung geschlossen, sodass man ein Mitgliedervotum lieber umgehen wollte? Die Auszeichnung für Brodkorb hat durch das gewählte Verfahren deutlich an Überzeugungskraft und verbandspolitischer Glaubwürdigkeit verloren.

Rezension: Brücklmeierverein würdigt „Rote Fahnen, bunte Bänder“

Manfred Blänkner, Axel Bernd Kunze (Hgg.): Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 2016.

Das Weblog des Brücklmeiervereins hat den Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gewürdigt:

http://www.bruecklmeierverein.de/Aus_der_Forschung/Eintrage/2016/10/3_Rote_Fahnen%2C_bunte_Bander__Ein_Anfang%2C_der_Appetit_macht.html

Der Brücklmeiererein bietet eine Plattform an, von der aus wichtige Aspekte der corpsstudentischen Geschichte in ihrem zeithistorischen Bezug zu Kriegen und Konflikten – zum  „Widerstand“ – erforscht und beschrieben werden können. Der vom Brücklmeierverein gewählte Forschungsansatz ist generell wissenschaftlich. Bezogen auf die Korporationslandschaft ist dieser Ansatz verbändeübergreifend, nicht zuletzt, weil die alten, landsmannschaftlich geprägten Kösener Corps schon bald nach ihrer Stiftung von konkurrierenden oder sie imitierenden Verbindungen umgeben waren. Die Forschungsergebnisse sollen so auf größerer Ebene anwendbar werden, den Belangen des gesamten Korporationswesens in Mitteleuropa soll Rechnung getragen werden.

Der nächste Bundestagswahlkampf steht vor der Tür, doch das Parteiensystem befindet sich nicht im besten Zustand. Die politischen Parteien verlieren aus verschiedenen Gründen an Ansehen und erscheinen immer häufiger austauschbar. Nicht wenige fragen sich, für welche Werte die einzelnen Parteien heute noch stehen. Der vorliegende Band, der im Auftrag des Lassallekreises herausgegeben wurde, schaltet sich in die politische Wertedebatte ein und macht deutlich, welch wichtige Rolle Parteien wie Studentenverbindungen gleichermaßen für den Erhalt gesellschaftlicher Orientierungswerte spielen. Am Beispiel der Sozialdemokratie wird deutlich, wie parteipolitisches und couleurstudentisches Engagement gegenseitig bereichern können.

Eine öffentliche Vorstellung des Bandes durch Professor Dr. Rainer Blasius (Frankfurter Allgemeine Zeitung)  ist für das neue Jahr in Stuttgart geplant. Bei Interesse erhalten Sie weitere Informationen unter Kunze-Bamberg@t-online.de.