Gastkommentar: Tote Lehre?

„Ahnungslose Absolventen? Zu Heine, Schiller, Goethe fällt in erster Linie der Bildungspolitik nichts mehr ein. Schule und Universität stehen heute für sinnfreie Übungen an sogenannten Stoffen und offene Verachtung“ – meint Jürgen Kaube im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. Februar 2017. Jan Dochhorn widerspricht in einem Punkt entschieden:

Der Kommentar von Kaube zum Zustand der akademischen Lehre (F.A.Z., 11.02.2017, »Tote Lehre«) enttäuscht. Er läuft doch wieder auf den konventionellen Vorwurf hinaus, dass Professoren allzu gerne forschten und dabei angeblich die Lehre vernachlässigten. Ich habe diesen Vorwurf schon als Student gehört – eher von den leistungsschwächeren Kommilitonen. Ein Klima, in dem Forschung schlecht geredet wird, braucht kein Mensch an den Universitäten. Und dass sich niemand von den Dozenten gewehrt hätte oder wehrte gegen die geistfeindlichen Reformen der letzten Dezennien (für die alle Bundestagsparteien verantwortlich zeichnen), stimmt schlichtweg nicht. Es gibt z. B. die Gesellschaft für Bildung und Wissen (GBW). Und was die beiden von Kaube zitierten Germanistikstudentinnen betrifft, die nicht wissen, wer Goethe ist: Ein engagierter akademischer Lehrer würde ihnen sagen: Ihr seid nicht primär Opfer eines schlechten Systems (das vielleicht auch), sondern als künftige Akademiker verpflichtet, eure Bildung euch ein Anliegen sein zu lassen – mit mir als einem harten Trainer. Es kann riskant sein, heute so etwas zu sagen. Denn zur Verbesserung der Lehre hat man die studentische Evaluation erfunden. (Dr. Jan Dochhorn, dr. theol.)

Der Kommentator ist Senior Lecturer für Neues Testament an der University of Durham (Vereinigtes Königreich).

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