In der Zeitschrift „Auftrag und Wahrheit“ sprachen sich dreizehn Theologen gegen einen Zwang zur Gendersprache an theologischen Ausbildungsstätten aus. Im Onlinemagazin „Die Eule“ reagierte die Münchner Theologiin Carlotta Israel am 10. Januar 2023 mit einer Replik.
Hochschule
Tagungsbericht: Zur Aktualität des Gewissens
Friedrich Merz vermochte im April 2022 in der Frage einer Impfpflicht keine Gewissensfrage zu erkennen. Seine Position zeigt exemplarisch, wie wichtig (nicht nur, aber auch) nach einer Coronapolitik, die weiter das Land spaltet, eine Debatte über das Gewissen und seine Bedeutung im politischen und rechtlichen Diskurs ist. Dieser Frage stellte sich eine Tagung, die kurz vor Weihnachten 2022 an der Universität Trier stattfand: „Die Aktualität des Gewissens: Perspektiven der Rechts- und Geisteswissenschaften“. Ein Tagungsbericht findet sich auf den Seiten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt:
Pressereaktion: „Theologen gegen Gender“
Die F.A.Z. vom 5. Jan. 2023 weist in ihrem Feuilleton auf den „Einspruch“ von dreizehn Theologen wider eine Nötigung zur Gendersprache an theologischen Ausbildungsstätten hin. Der Aufruf wurde allen Ausbildungsstätten im deutschsprachigen Raum zugeleitet; die Initiative ist aus der Fachgruppe Theologie des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit heraus erwachsen. Veröffentlicht wurde der Einspruch in der Fachzeitschrift „Auftrag und Wahrheit“.
Spürbarer Druck. Theologen gegen Gender, in: F.A.Z., Nr. 4/2023 v. 5. Januar, S. 9.
Veröffentlichung: Nachruf auf Benedikt XVI. +
Der Arbeitskreis der Studentenhistoriker würdigt den verstorbenen Papst emeritus, Benedikt XVI. Hervorgehoben wird vor allem seine theologische Rolle.
Dokumentation: „Jesus Christus ist wirklich der Weg, die Wahrheit und das Leben“
Am Silvesterabend hat der Vatikan das geistige Testament von Papst em. Benedikt XVI., der am 31. Dezember 2022 verstorben ist, veröffentlicht:
Nachruf: Studentenhistoriker würdigen Benedikt XVI.
Der Arbeitskreis der Studentenhistoriker würdigt den verstorbenen Papst em. Benedikt XVI.:
Der emeritierte Papst Bendikt XVI. ist verstorben. Sein bürgerlicher Name war Joseph Ratzinger; er lehrte als Theologe an mehreren deutschen Universitäten und trug die Ehrenbänder der K.D.St.V. Rupertia zu Regensburg, der Alcimonia Eichstätt sowie der KAV Capitolina Rom. Aktiv war er zu Studienzeiten beim vormaligen KStV Lichtenstein-Hohenheim zu Freising, heute verbandsfrei.
Zum Weiterlesen:
Wiedergelesen: Der Theologe auf dem Papstthron
In memoriam
Papst em. Benedikt XVI. + (1927 – 2022)
Der Theologe auf dem Papstthron
Der weltweit gute Ruf deutscher Theologie dürfte ein wichtiger Grund für die Wahl Ratzingers zum neuen Papst gewesen sein. Dieser hatte vor seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising an fünf Hochschulen gelehrt: in Freising, Münster, Bonn, Tübingen und Regensburg. Der ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation gilt als scharfsinniger Denker, dessen theologische Qualitäten selbst Kritikern Respekt abverlangen. Als solcher hat Ratzinger stets die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft verteidigt.
Im Heimatland des neuen Papstes Benedikt XVI. ist der Theologie ihr guter Ruf jedoch keineswegs mehr so sicher. Ihre Fakultäten stehen unter ökonomischem Rechtfertigungszwang. Immer lauter wird von Bildungspolitikern, Rechnungshöfen oder Wissenschaftsfunktionären die kritische Frage gestellt, ob der Nutzen, den die Theologie für die säkularisierte Gesellschaft erbringt, den gegenwärtigen Stand an Ausstattung und Personal überhaupt noch rechtfertigt. Inzwischen halten auch die Bischöfe selbst, wie in Passau geschehen, die Schließung von Fakultäten angesichts sinkender Studierendenzahlen nicht mehr für unvermeidbar. Der Bolognaprozess, der das Erscheinungsbild und das Selbstverständnis der deutschen Hochschule einschneidend verändern wird, zwingt auch die Theologie zu einer Umstrukturierung der Studiengänge. Eine Absenkung des wissenschaftlichen Standards durch verminderte Sprachanforderungen oder die Einführung von Kurzstudiengängen ist dabei keinesfalls ausgeschlossen.
Und zu allem Übel signalisieren die unter Finanznot leidenden Bistümer, dass sie an gut ausgebildeten Theologen mittelfristig keinen Bedarf mehr haben. Immer mehr Bistümer schließen Neueinstellungen auf Jahre hinaus aus. Einer ganzen Generation engagierter junger Theologinnen und Theologen wird die Chance genommen, jemals in ihrem angestrebten Beruf arbeiten zu können – selbst bei herausragenden theologischen Qualifikationen. Ohne Zukunftsperspektive und Wohlwollen seitens der Kirche wird das Interesse am Theologiestudium dramatisch zurückgehen. Sehr viel Motivation, theologisches Potential und Engagement wird den Kirchen dadurch verloren gehen, so steht zu befürchten.
Innerkirchlich gefragt sind – so hat man den Eindruck – heute eher niedrigschwellige und eingängige Seelsorgsangebote. Auf theologisches Denken, das auch den sperrigen Fragen des Lebens nachgeht, meint man vielfach leichthin verzichten zu können. Auf Dauer läuft die Kirche Gefahr, dadurch ihre Seele zu verlieren sowie an Orientierungskraft und geistiger Ausstrahlung einzubüßen. Hinter der gegenwärtigen Krise des Glaubens in den westlichen Ländern steckt auch ein Verlust an theologischer Tiefe. Die Effizienz pastoraler Arbeit lässt sich nicht beliebig steigern, indem Gemeinden vergrößert und Aufgaben rationalisiert werden.
Ohne regelmäßige theologische Fortbildung, ohne die Zeit zu gründlicher Lektüre oder ohne Muße für Kultur und Spiritualität verflacht das theologische Denken und Handeln. Wenn kirchliche Mitarbeiter nicht mehr die Zeit finden, ein anspruchsvolles Geistesleben zu pflegen und ihren Verstand zu nähren, leidet darunter auf Dauer ihre Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Ein kurzatmiger Aktionismus, belanglose Predigten oder triviale Seelsorgsangebote statt ernsthafter Sinnsuche, überzeugender Verkündigung und geistlicher Anregung können leicht die Folge sein.
Darüber hinaus verliert eine Gesellschaft, die ihre geistigen Traditionen verachtet und auf theologische Forschung meint verzichten zu können an Humanität, Kreativität und Vitalität. Die Geisteswissenschaften sind kein überflüssiges Glasperlenspiel, sondern unverzichtbar für ein tieferes Verständnis der Gegenwart und eine nachhaltige, über einen tagesaktuellen Pragmatismus hinausreichende Bewältigung der Zukunft. Die aktuellen Hochschulreformen lassen für die künftige geistige Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft leider nichts Gutes erahnen; deren negative Auswirkungen werden sich jedoch – sollten sich die Befürchtungen bestätigen – erst langfristig zeigen.
Der neue Papst sollte deutlich machen, dass die Kirche, aber auch die Gesellschaft insgesamt auf theologische Anstrengung nicht verzichten können, ohne auf Dauer ihre Identität, ihre geistige Spannkraft und ihre Zukunftsfähigkeit zu verlieren. Ein Verschanzen hinter Konkordaten oder der bloße Verweis auf die lange Tradition deutscher Universitätstheologie, wie es einige Bischöfe gegenwärtig praktizieren, reichen nicht mehr aus. Der inner- und außerkirchliche Wert der Theologie muss vielmehr offensiv verteidigt werden.
Es wäre zu wünschen, dass der ehemalige Konzilstheologe dies zu einem Anliegen seines Pontifikats macht. Der Theologe auf dem Papstthron könnte für die Theologie auf diese Weise zu einer großen Chance werden. Gute Theologie braucht aber einen Vertrauensvorschuss: Nicht ängstliche lehramtliche Kontrolle, sondern die Selbstregulierung durch den wissenschaftlichen Diskurs macht diese stark und glaubwürdig. An dieser Stelle wäre dem früheren Glaubenshüter deshalb auch unbedingt Lernfähigkeit im neuen Amt zu wünschen.
Erstveröffentlichung:
Axel Bernd Kunze: Der Theologe auf dem Papstthron. Gedanken über Chancen für die universitäre Theologie von Axel Bernd Kunze, in: Basis-Post. Zeitschrift für die Theologiestudierenden in Deutschland (2006), Heft 1, S. 16 f.
Christliches Forum: Preisverleihungen des DHV sind politisch motiviert
Das CHRISTLICHE FORUM übernimmt Kommentar zur Preispolitik des Deutschen Hochschulverbandes:
Ausschreibung: Ferdinand-Friedensburg-Preis 2023
Die Ferdinand-Friedensburg-Stiftung für Bildung, Wissenschaft und Völkerverständigung hat erneut einen Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen in den den Bereichen Politik, Bildung und Völkerverständnigung ausgelobt. Die Preisausschreibung findet sich hier:
Zwischenruf: Preispolitik des Deutschen Hochschulverbandes verwechselt Wissenschaft und Politik
Der Deutsche Hochschulverband, die wichtigste berufsständische Vertretung im Universitätsbereich, zeichnet jährlich einen Kollegen oder eine Kollegin als „Hochschullehrer des Jahres“ aus. Die Auszeichnung ist mit zehntausend Euro dotiert. In den Vorjahren waren die Preisträger 2021 der Virologe Christian Drosten, 2022 Özlam Türeci und Ugur Sahin. Drosten bestimmte maßgeblich die coronapolitische Linie der Bundesregierung und bestimmte durch eigene Podcasts dann auch noch gleich selbst wesentlich deren wissenschaftsjournalistische Kommentierung. Türeci und Sahin waren über ihre Firma BioNTech maßgeblich an der Entwicklung der neuen umstrittenen Coronaimpfstoffe auf Basis der mRNA-Technologie beteiligt. Dass sowohl Drostens wissenschaftliche Haltung als auch die intransparente Rolle von BioNTech in der Coronakrise bis heute umstritten ist, ficht den Deutschen Hochschulverband, der mit seiner Preispolitik einseitig Position für die aggressive deutsche Impfnötigungspolitik bezogen hat, in keiner Weise an.
Nun steht fest, wer die Auszeichnung im kommenden Jahr erhalten wird: Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrums für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen und Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Die wissenschaftliche Leistung der Preisträgerin soll nicht in Abrede gestellt werden, keineswegs. Doch auch dieses Mal ist die Preisverleihung offenbar in erster Linie politisch motiviert.
Denn der Präsident des Verbandes, Bernhard Kempen, verweist in der Bekanntgabe zur Preisentscheidung ausdrücklich darauf, dass die Geehrte als „Anwältin der Meere und herausragende Wissenschaftskommunikatorin“ ausgezeichnet werde. Aha! Wer meinte, die Hauptaufgabe von Hochschullehrern seien Forschung und Lehre, muss sich wohl irren. Nach Ansicht des Hochschulverbandes sind offenbar politisches Agendasetting und Wissenschaftskommunikation wichtiger. Der Auszeichnung erweist der Verband damit einen Bärendienst.
Wem pädagogische und wissenschaftsethische Standards am Herzen liegen, sollte den Preis künftig eher meiden. Einmal mehr verwechselt der Deutsche Hochschulverband bei seiner Preispolitik Wissenschaft mit Politik. Seriöse Politikberatung ist etwas anderes als ein wissenschaftliches Expertentum, das als Sprachrohr der Politik ausgegeben wird. Ein Wissenschaftsfunktionär wie Kempen tut der Kollegin keinen Gefallen, diese in eine politische Rolle zu drängen. Und Expertise ist noch keine Entscheidung.
Die Wissenschaft kann nicht politische Abwägungen vorwegnehmen und der Politik die Aufgabe aus der Hand nehmen, verbindliche Entscheidungen zu formulieren und parlamentarisch zu legitimieren. Umgekehrt kann die Politik ihr abverlangte Wertentscheidungen nicht unmittelbar aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ableiten und sich dadurch zu entlasten suchen, dass sie allein Expertenmeinungen umsetze. Wo die Unterscheidung zwischen Beratung und Legitimation verkannt wird, tun sich weder Politik noch Wissenschaft auf Dauer einen Gefallen. Politik bedarf der wissenschaftlichen Beratung von außen, aber aus ihr lassen sich nicht gleichsam wie mit einer mathematischen Formel politische Entscheidungen ableiten. Wo das versucht wird, verkehren sich wissenschaftliche Argumente zu politischen Sachzwängen, die sich am Ende politischer Verantwortung entziehen. Umgekehrt erstirbt auf Dauer der wissenschaftliche Diskurs, wenn durch eine Verwechslung der Handlungsebenen Argumente, denen die Politik nicht folgt, auch zugleich als unqualifiziert oder unmoralisch aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgeschieden werden.
Hochschullehrer, die sich wissenschaftlich und pädagogisch verdient gemacht haben, sollen durchaus geehrt werden. Aber dann auch als Hochschullehrer, und nicht als politische Anwälte, Aktivisten oder Wissenschaftsjournalisten. Eine solche Preispolitik verträgt sich nicht mit den ethischen Maximen eines fairen, unparteiischen und ergebnisoffenen wissenschaftlichen Diskurses.