Ankündigung: Jahrbuch Wissenschaftsfreiheit

2024 erscheint erstmalig im Verlag Duncker und Humblot das neue Jahrbuch Wissenschaftsfreiheit:

„Das Jahrbuch Wissenschaftsfreiheit thematisiert in erster Linie entsprechend der Zielsetzung des Herausgebers Herausforderungen und Bedrohungen die Wissenschaftsfreiheit betreffend. Darin erschöpft sich die Zielsetzung des Jahrbuchs aber nicht. Es möchte der leider auch im wissenschaftlichen Bereich verbreiteten »Cancel-Culture« entgegenwirken, indem es Beiträgen und Thesen Raum lässt, die nicht wegen ihrer inhaltlichen Qualität, sondern wegen ihrer Thematik oder wegen ihrer Aussagen Schwierigkeiten haben, veröffentlicht zu werden. Dazu zählen so unterschiedliche Themenfelder wie der Islam (dabei insbesondere das Kopftuch), die Energiepolitik, Gender, Diskriminierung oder Rassismus. Sie alle eint, dass aus Furcht vor Angriffen viele Verlage die Themen meiden oder zumindest darauf achten, dass bestimmte Thesen entschärft werden. Der Herausgeber sieht darin ein gravierendes Problem für die Wissenschaftsfreiheit, aber auch für die Wissenschaft insgesamt. Das Jahrbuch soll so eine freie Debatte über die Themen fördern.“ (aus der Verlagsankündigung)

Redaktion: Prof. Dr. Christian F. Majer (Ludwigsburg)

Wissenschaftlicher Beirat
Prof. Dr. Bernd Ahrbeck, Prof. Dr. Ronald G. Asch, Prof. Dr. Wolfgang Baumann, Prof. Dr. Josef Bayer, Associate Prof. Dr. Jan Dochhorn, Prof. Dr. Ole Döring, Prof. Dr. Agnes Imhof, Dr. Michael Kanther, PD Dr. Axel Bernd Kunze, Prof. Dr. Rainer Lenz, Prof. Dr. Markus Meier, Prof. Dr. Axel Meyer, Prof. Dr. Holm Putzke, Prof. Dr. Tobias Reichhardt, Prof. Dr. Uwe Saint-Mont, Prof. Dr. Hanns-Christian Salger, Prof. Dr. Achilles Skordas, Prof. Dr. Carola Freiin v. Villiez, Dr. Johannes Weberling.

Weitere Informationen:

https://www.duncker-humblot.de/zeitschrift/jahrbuch-wissenschaftsfreiheit-jwf-31/?page_id=0

Jahresrückblick: Sozialethische Veröffentlichungen aus dem Jahr 2023

Ausgewählte Veröffentlichungen (ohne Rezensionen oder Zeitungsbeiträge):

Sozialethische Grundlagenfragen

Kunze, Axel Bernd: Vorsehung neu denken: Klugheit – Freiheit – Intention, in: Concilium, 2023/59/3, S. 342 – 347.

Kunze, Axel Bernd: Freundschaft und Lebensbund – aus dem Tagungsband Würzburg 2022, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/juedische-korporierte-der-akst-benoetigt-ihre-unterstuetzung/.

Politische Ethik

Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Dezentrales Gedenken 2022 aus Anlass des 9. November 1938. Bamberg 2023.

Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Bamberg 2023.

Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023.

Kunze, Axel Bernd: Intensivstaat und zivilgesellschaftliche Staatsbedürftigkeit. Sozial- und freiheitsethische Betrachtungen zum Staatsverständnis (nicht nur) in Coronazeiten, in: Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwüde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023, S. 219 – 258.

Kunze, Axel Bernd: Mahnmal für den Bamberger Widerstand: Stauffenberg und zwei Korporierte, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/mahnmal-des-bamberger-widerstands-stauffenberg-und-zwei-korporierte/.

Kunze, Axel Bernd: Über Freiheit und Zivilcourage, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/ueber-freiheit-und-zivilcourage/ [Druckfassung in Vorbereitung].

Kunze, Axel Bernd: 17. Mai 1933, Dachau – zum 90. Todestag des Wirceburgers Willy Aron, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/17-mai-1933-90-todestag-willy-aron/ [Druckfassung in Vorbereitung].

Wirtschaftsethik und Sozialpolitik

Kunze, Axel Bernd (Mithg.): Denk doch mal. Onlinemagazin für Arbeit – Bildung – Gesellschaft. München 2022, Haben wir die richtigen Angebote in der Weiterbildung?, 2023/-/2; Die Forderungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Bildungspolitik von 1972, 2023/-/1.

Kunze, Axel Bernd: Arbeitsfeld Erzieherausbildung. Bildungs- und berufspolitische Entwicklungen im Kontext sozialpädagogischer Ausbildungsgänge, in: Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023, S. 16 – 20.

Kunze, Axel Bernd: Auslandspraktika in der Erzieherausbildung, in: Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023, S. 54 – 56.

Medizinethik und Gesundheitswesen

Bergmann, Ralf; Brenner, Andreas; Burchardt, Matthias; Dochorn, Jan; Döring, Ole; Esfeld, Michael; Frahm, Johannes; Gierhake, Kathrin; Göttman, Frank; Guérot, Ulrike; Harzheim, Lothar; Hentschel, Martina; Hiller, Detlef; Hörmann, Georg; Kostner, Sandra; Kotchoubey, Boris; Kroy, Klaus; Kunze, Axel Bernd; Lamm, Norbert; Lavecchia, Salvatore; Lehmann, Christian; Lehnert, Christian; Luft, Stefan; Mézes, Christian; Morawetz, Klaus; Reiner, Günter; Riedenauer, Markus; Schüffel, Wolfram; Schwachtje, Jens; Schwaetzer, Harald; Stahl, Henrieke; Ullrich, Henrik; Weber, Reinhard; Winkler, Martin: Offizielle Kirchenzeitung stoppt Corona-kritischen Bericht, in: Tichys Einblick, 2023/-/21.10., online unter https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/offizielle-kirchenzeitung-stoppt-corona-kritischen-bericht/.

Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Vorwort, in: Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwüde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023, S. 7 – 10.

Ethik der Lebensformen

Kunze, Axel Bernd: Impulsvortrag Gendersprache, in: Arbeitskreis Stadt und Gesellschaft (Hg.): Arbeitskreis Stadt & Gesellschaft. Essen (Ruhr) 2023, S. 10 – 13.

Kunze, Axel Bernd: Erfahrungen – Einstellungen – Emotionen, in: Concilium, 2023/59/1, S. 115 – 119.

Bildung, Wissensgesellschaft, Medien, Kultur

Bank, Volker; Barben Jürg; Bender, Peter; Bossard, Carl; Breithausen, Jutta; Büchter-Römer, Ute; Damberger, Thomas; Dammer, Karl-Heinz; Fuchs, Thomas; Glöckler, Michaela; Grebe-Ellis, Johannes; Hackl, Bernhard; Herchert, Gaby; Hungerbühler, Norbert; Jongebloed, Hans-Carl; Kaenders, Rainer; Kissling, Beat; Klein, Hans Peter; Krautz, Jochen;  Kübler, Hans-Dieter; Kunze, Axel Bernd; Ladenthin, Volker; Lankau, Ralf; Möller, Christoph; Rekus, Jürgen; Reuter, Ingo; Rittelmeyer, Christian; Rodens, Klaus; Rostalski, Frauke; Sonar, Thomas; Spitzer, Manfred; Teuchert-Noodt, Gertraud; Türcke, Christoph; Wegner, Anke; Weiss, Ysette; Wittmann, Erich Ch.; Zierer, Klaus: Wissenschaftler fordern Moratorium der Digitalisierung in KITAs und Schulen, in: Gesellschaft für Bildung und Wissen (Hg.): online unter https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2023/11/moratorium_pub_17nov23.pdf [17. November 2023].

Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023 [zugleich Onlineausgabe unter: https://www.beaonline.de/2023/06/sonderheft-2023-der-zeitschrift-paedagogikunterricht/].

Kunze, Axel Bernd (Wiss. Beirat): Pädagogikunterricht. Wesel 2023, Interkulturelle Bildung in Zeiten des Integrationsparadoxes, 2023/43/1; Fachlichkeit als Anspruch, 2023/43/2-3; EduKItion. Pädagogik im Zeitalter der KI, 2023/43/4; Unterrichten an Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik, 2023/43/Sonderheft.

Kunze, Axel Bernd: Gesprächsstörungen. Eine sozial- und bildungsethische Ursachensuche im Angesicht der Coronakrise, in: Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023, S. 17 – 59.

Kunze, Axel Bernd: Für alle, die sich noch weiter informieren wollen, in: Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023, S. 30 f.

Kunze, Axel Bernd: Gestörte Kommunkation. Eine bildungsethische Spurensuche in flüchtigen Zeiten, in: Kuypers, Harald (Hg.): Pädagogisch Handeln. Festschrift für Prof. Dr. Volker Ladenthin. Bonn 2023, S. 119 – 129.

Kunze, Axel Bernd: Schule braucht pädagogisches Verständnis. Reflexionen nach mehr als zwei Coronajahren, in: Lankau, Ralf (Hg.): Unterricht in Präsenz und Distanz. Lehren aus der Pandemie. Weinheim/Basel 2023, S. 81 – 95.

Kunze, Axel Bernd: Freundschaft und Lebensbund, in: Sebastian Sigler (Hg.): Die Vorträge der 82. deutschen Studentenhistorikertagung Würzburg 2022. München 2023, S. 360 – 364.

Kunze, Axel Bernd: Vorstellung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit, in: Arbeitskreis Stadt und Gesellschaft (Hg.): Arbeitskreis Stadt & Gesellschaft. Essen (Ruhr) 2023, S. 9 f.

Kunze, Axel Bernd: Die Bibel bildet, in: Concilium, 2023/59/5, S. 604 – 609.

Kunze, Axel Bernd: Pädagogische Herausforderungen in einer heterogener werdenden Gesellschaft, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung, 2023/75/1, S. 7 f.

Kunze, Axel Bernd: Ethische Anfragen an schulisches Handeln, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung, 2023/75/2, S. 14 f.

Kunze, Axel Bernd: Die Tugend der Mäßigung – bildungsethische Gedanken zu einer pädagogischen Ethik des Digitalen, in: Glaube + Erziehung, 2023/75/3, S. 6 f.

Kunze, Axel Bernd: Der Lehrerberuf als Menschenrechtsprofession, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung, 2023/75/4, S. 8 f.

Kunze, Axel Bernd: Personal gestaltet und erfahren. Anmerkungen zur schulischen Lehrkunst aus bildungsethischer Perspektive – (nicht allein) in digitalen Zeiten, in: Pädagogische Rundschau, 2023/77/6, S. 735 – 750.

Kunze, Axel Bernd: Pädagogisches Neusprech. Zur Kritik aktueller Leitbegriffe, in: Profil. Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft, 2023/-/12, S. 38 – 40.

Sigler, Sebastian (Hg.); Kunze, Axel Bernd u. a. (Berater): Die Vorträge der 82. deutschen Studentenhistorikertagung Würzburg 2022. München 2023.

Kirche und Gesellschaft sowie Religionssoziologie

Kunze, Axel Bernd: Herausgeforderter und heilender Glaube, in: Concilium, 2023/59/4, S. 474 – 479.

Kunze, Axel Bernd: Im Überschwang der Liebe (Mt 5, 38 – 48), in: Der Prediger und Katechet, 2023/162/2, S. 161 – 163.

Kunze, Axel Bernd: Abschied und Neubeginn (Joh 14, 15 – 21), in: Der Prediger und Katechet, 2023/162/5, S. 343 – 345.

Kunze, Axel Bernd: Der Theologe auf dem Papstthron, in: tabularasa. Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur, 2023/-/01.01., online unter https://www.tabularasamagazin.de/der-theologe-auf-dem-papstthron/.

Kunze, Axel Bernd: In memoriam Papst em. Benedikt XVI. +, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/in-memoriam-papst-em-benedikt-xvi-%e2%80%a0/.

Geschichte des Sozialkatholizismus

Kunze, Axel Bernd: Eine Art theologischer Landkarte, in: Concilium, 2023/59/2, S. 249 – 253.

Zwischenruf: Aufarbeitung der Coronapolitik und Aussöhnung bleiben weiterhin notwendig

Bis heute verweigern sich die Funktionseliten unseres Landes der Aufarbeitung einer grundrechts- und freieitsfeindlichen Coronapolitik, die weiterhin unser Zusammenleben spaltet. Die Diskussion um die Preisverleihung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit an den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, ist nur ein Beispiel hierfür. Ein kleiner Lichtblick kommt nun aus der Nordkirche und ein notwendiges Eingeständnis: Bischof Jeremias spricht öffentlich davon, dass „wir als Kirche schuldig geworden seien“. Dies ist ein anderes Zeichen als jenes, einen hochschulpolitischen Hauptakteur dieser desaströsen Coronapolitik mit einem Freiheitspreis auzuzeichnen.

Die Haltung gegenüber der damaligen Coronapolitik dürfte ein (nicht der einzige) Grund für den Niedergang der Kirchen sein, den wir gegenwärtig erleben. Ein trauriger Tiefpunkt und eine geistliche Bankrotterklärung waren die 2G-Gottesdienste an Weihnachten 2021. Im neuen Band „Menschenwürde im Intensivstaat?“ (Regensburg 2023) heißt es „Später waren es dann beispielsweise Gottesdienste unter 2G-Regeln, die gerade kirchentreue Gläubige vor den Kopf gestoßen haben. Dieser kirchliche Kern wird nicht aktivistisch lautstark austreten, sondern sich schleichend zurückziehen.“ Als Gesprächspartner für einen differenzierten und verantwortlichen Umgang mit den Wertkonflikten der Coronajahre sind die Kirchen seinerzeit nahezu vollständig ausgefallen, von wenigen persönlichen Ausnahmen abgesehen. Der Niedergang der Kirchen für unser Land und seine geistigen Orientierungswerte wird uns noch bitter auf die Füße fallen wird. Der autoritäre, biopolitische Neokollektivismus einer Coronapolitik „ohne rote Linien“ war ein Vorgeschmack, welch geistiger Klimawandel ins Haus stehen könnte. Noch schlimmer, wenn eine solche Politik auch noch mit Freiheitspreisen gewürdigt wird.

Dabei geht es nicht um die persönliche Schuld des Preisträgers, die er mit seinem Beichtvater ausmachen muss. Es geht um die politische Verantwortung eines langjährigen Funktionärs eines hochschulpolitischen Spitzenverbandes, von dem Kollegen, die coronapolitisch gravierenden Grundrechtseingriffen und berufliche Nachteile erfahren haben, keinerlei Unterstützung zu erwarten hatten. Dies bleibt für einen Berufsverband ein Armutszeugnis. Und über diese politische Verantwortung muss öffentlich diskutiert werden. Sie ist im Falle Kempens so groß, dass sich die Auszeichnung mit einem Freiheitspreis verbietet. Eine Aufarbeitung dieser Coronapolitik und ein Prozess öffentlicher Aussöhnung bleiben notwendig. Das Eingeständnis des Bischofs der Nordkirche ist ein erster kleiner Schritt dorthin.

Tagung: Würde ich gern zu mir in die Schule gehen?

Die Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V. lädt zu einer neuen Tagung ein:

Die pädagogische Wende.
Über die notwendige Besinnung auf das Erziehen und Unterrichten
12. bis 13. April 2024, Universität Augsburg

Programm: https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/tagung-2024-an-der-univ-augsburg.html  

Zwischenruf: Die Opfer der Coronapolitik sind vergessen, auch an den Universitäten

Wie die „Tagespost“ in ihrer Ausgabe vom 8. Februar 2024 berichtet, wurde der langjährige, frühere Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, mit dem Positivpreis für Wissenschaftsfreiheit des gleichnamigen Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit ausgezeichnet. Der Preis wurde in diesem Jahr am 2. Februar 2024 erstmalig vergeben.

Der Preisträger habe, so heißt es in dem Bericht, einen „nachdenklichen Blick auf den Zustand der Universitäten“ geworfen. Schon früh kritisierte Kempen, dass der europäische Bolognaprozess zu einem „Scheuklappenstudium“ führe, wie Sebastian Sasse in der „Tagespost“ erinnert. In der Folge seien jüngere Wissenschaftler oft gar nicht mehr in der ganzen Breite der eigenen Disziplin verwurzelt. Auch die jüngere Bildungsforschung, die einen enormen Zuwachs an empirischen Studien gebracht hat, bietet hierfür genug Anschauungsmaterial. Gerade junge Wissenschaftler spürten, so heißt es in der „Tagespost“, einen Konformitätsdruck.

Eine „Cancel Culture“ ist auch an deutschen Universitäten nicht mehr zu übersehen. Seinem eigenen Verband bescheinigt Kempen, angesichts derartiger Entwicklungen viel geleistet und wichtige Akzente in der hochschulpolitischen Debatte gesetzt zu haben. Bemerkenswerte Akzente hat der Verband allerdings auch in anderer Hinsicht gesetzt: Mit seiner Preispolitik bei der Kür der „Hochschullehrer des Jahres“ in den Coronajahren 2021 und 2022 hat der Verband mehr als deutlich die regierungsamtliche Linie einer grundrechts- und freiheitsfeindlichen Coronapolitik unterstützt. 2021 wurden die Virologen Christian Drosten und Sandra Ciesek, 2022 die BioNTech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin ausgezeichnet.

Stimmen, die sich kritisch mit der herrschenden Coronapolitik und den Grundrechtseingriffen, von denen auch zahlreiche Wissenschaftler betroffen waren, auseinander setzten, wurden vom Deutschen Hochschulverband gezielt ignoriert, totgeschwiegen oder in der vom Verband herausgegebenen Zeitschrift „Forschung und Lehre“ zensiert. Zu dieser Verbandspolitik, für die Kempen als langjähriger Präsident eines hochschulpolitischen Spitzenverbandes maßgeblich die politische Verantwortung trägt, hätte man sich ebenfalls einen „nachdenklichen Blick“ gewünscht, ja mehr noch: deutliche Selbstkritik. Der Deutsche Hochschulverband hat in der Coronakrise politisch und moralisch versagt. Mitglieder, die in dieser Zeit abweichende Meinungen vertraten und gravierenden Eingriffen in ihre Grundrechte, etwa auf körperliche Unversehrtheit, Wissenschaftsfreiheit oder Berufsausübungsfreiheit, ausgesetzt waren, duften von ihrem Berufsverband keinerlei Unterstützung erwarten.

Eine Aufarbeitung dieses Versagens steht noch aus. Und so lange dies so ist, hinterlässt die Preisentscheidung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit mehr als einen schalen Nachgeschmack. Der Preisträger „ragte“ dann auch in den Coronajahren alles andere als „durch einen Einsatz für die Freiheit von Forschung und Lehre hervor“, wie die Vorsitzende des Netzwerkes in einer Pressemitteilung vom 29. Januar 2024 betont. Wer angesichts einer zunehmenden Polarisierung, Politisierung, Moralisierung, Ideologisierung und Emotionalisierung die Wissenschaftsfreiheit robust verteidigen will, sollte auf einem substantiellen Freiheitsverständnis bestehen und die Unteilbarkeit der Grundrechte verteidigen. Für beides steht der erste Preisträger des neugeschaffenen Preises für Wissenschaftsfreiheit nicht. Sein Stifter, das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, positioniert sich mit seiner Nominierung im politisch-gesellschaftlichen Mainstream, in dem freiheitlich-konservative Stimmen überdeutlich an den Rand gedrängt werden.

Wer die Wissenschaftsfreiheit robust verteidigen will, darf über die coronapolitischen Angriffe auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die wir erlebt haben, nicht schweigen. Alle, welche die Coronapolitik und die damit verbundene Umdeutung des Freiheitsverständnisses unterstützen, so schrieb die Vorsitzende des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit, Sandra Kostner, noch 2022 in ihrem Sammelband „Pandemiepolitik? Freiheit unterm Rad“ (Stuttgart 2022) sollten sich fragen, „ob sie wollten, dass andere darüber bestimmen können, welche pharmakologischen Substanzen sie ihrem Körper zuführen. Denn es könnte der Tag kommen, an dem es um Substanzen geht, die sie nicht verabreicht bekommen möchten. Der Geist, der das ermöglicht, ist aus der Flasche. Es ist an uns, ihn dort wieder hineinzubekommen und als Lehre aus den Pandemiejahren künftig darauf zu achten, dass er nicht mehr entweichen kann.“

Dieser Geist ist nun eines Freiheitspreises würdig. Die Opfer einer freiheitsfeindlichen Coronapolitik sind hingegen vergessen, auch an den Universitäten.

LB! Alemannia zu Bamberg: Hausrenovierung zum Ende des Wintersemesters abgeschlossen

Das Alemannenhaus gegenüber der Ottokirche ist durch die schwarz-rot-goldene Fahne an der Straßenseite deutlich zu erkennen. Das Haus, das die Bamberger Burschenschaft 1999 erworben hat, ist Mittelpunkt des Verbindungslebens und Wohnheim zugleich. Zum Wintersemester konnte eine umfassende Hausrenovierung abgeschlossen werden.

(Foto: D. Maldoner, Alemannenhausbesitzerverein)

Zum einen wurde der Veranstaltungsraum im Erdgeschoss, in der Studentensprache Kneipsaal genannt, vergrößert, indem Küche und Sanitäranlagen in das Hinterhaus verlegt wurden. Zum anderen wurde das darüberliegende Wohnheim saniert und der Brandschutz den aktuellen Erfordernissen angepasst. So musste im Innenhof ein zusätzlicher Fluchtweg über eine Wendeltreppe geschaffen werden. Die Bamberger Alemannia bietet in ihrem Haus günstigen Wohnraum für 6 Studenten an. Finanziert wird das Alemannenhaus mit seinen Wohnheimzimmern durch die Alten Herren, so heißen die Mitglieder der Verbindung, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben.

„Wer bei uns einzieht“, erläutert Alexander Meier, Diplomwirtschaftsinformatiker und Vorsitzender des Verbandes Alter Herren, die Idee von Studentenverbindungen, „findet gleich zu Studienbeginn eine verlässliche Gemeinschaft, die ein Leben lang hält.“ Dadurch werde der Studieneinstieg erleichtert, erklärt Meier weiter. Eine Verbindung ermögliche schnell Freundschaften am neuen Studienort und biete wichtige Unterstützung in der neuen Lebensphase.

„Der vergrößerte Kneipraum bietet künftig bessere Möglichkeiten für Verbindungsveranstaltungen, etwa für wissenschaftliche Abende oder die regelmäßigen Kneipen zum Semesterbeginn und Semesterende, zu denen viele Alte Herren an ihren ehemaligen Studienort zurückkommen“, ist Meier überzeugt. Ein solches Bauprojekt ehrenamtlich zu stemmen, sei eine Herausforderung. Doch habe es dabei eine sehr gute Kooperation mit der Stadt Bamberg gegeben, lobt der Altherrenvorsitzende. Feierlich übergeben wurde der vergrößerte und frisch renovierte Kneipsaal am 3. Februar 2024 mit der feierlichen Abschlusskneipe zum Ende des Wintersemesters.

Die Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg wurde ursprünglich 1861 in Leipzig gegründet. Sie ist eine christliche, nichtschlagende Burschenschaft unter dem Wahlspruch „Gott, Freiheit, Vaterland“. Ihr gehören Studenten und Alte Herren unterschiedlicher Fakultäten und Disziplinen an.

Auf anderen Seiten: Schule in Deutschland – eine Verlustgeschichte

„Seit gut zwanzig Jahren haben die Pisa-Studien das deutsche Schulwesen nicht nur massiv kritisiert, sondern zugleich auch umfassend transformiert. Aber ihre Befunde zielen an den wahren Problemen des deutschen Schulwesens, besonders auch der beruflichen Schulen, weit vorbei. Tatsächlich ist es die Migrationspolitik, die seit Jahrzehnten die deutschen Schulen vor immer größere Belastungsproben stellt, die regional bereits zum Kollaps geführt haben. Wie es weitergeht, weiß niemand. Wahrscheinlich wird es auf eine immer stärkere Abschottung einzelner gesellschaftlicher und schulischer Milieus hinauslaufen.“

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/kultur-und-wissenschaft/audimax-das-kontrafunkkolleg/peter-j-brenner-schule-in-deutschland-eine-verlustgeschichte#id-article

Während die Bildungsethik gegenüber den neueren Entwicklungen im deutschen Bildungssystem weitgehend stumm bleibt, während früher nahezu jede neue empirische Bildungsstudie kommentiert wurde, arbeitet Peter J. Brenner im Kontrafunkkolleg Audimax vom 28. Januar 2024 heraus, warum die Schule gegenwärtig nahezu scheitern muss – und das nicht allein am Lehrermangel. Die Probleme, welche die Schulen belasten, sind politisch erzeugt, etwa mangelnde Deutschkenntnisse in weiten Teilen der Schülerschaft, ein ungeheuer gewachsenes Übergangssystem im berufsbildenden Schulwesen oder eine Unwucht zwischen Auszubildenden- und Studentenzahlen. Diese Probleme können pädagogisch nicht gelöst werden, sie müssen politisch angegangen werden. Doch dazu fehlt bislang der Wille.

Tagungsbericht: Stiftungs- und Vereinsfest des W.K.St.V. Unitas Palatia zu Darmstadt im Sommersemester 2023

Jan Zimmermann berichtet in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „unitas“ über das 103. Stiftungsfest und das Vereinsfest des W.K.St.V. Unitas Palatia zu Darmstadt: Jan Zimmermann: Neue Prunkfahne geweiht, in: unitas 163 (2023), Heft 4, S. 44 f. Festrede und Festvortrag sind auf „Bildungsethik“ dokumentiert:

Rezension: Relationale Erziehungswissenschaft

Axel Bernd Kunze rezensiert:

Malte Ebner von Eschenbach, Ortfried Schäffter (Hrsg.): Denken in wechselseitiger Beziehung. Das Spectaculum relationaler Ansätze in der Erziehungswissenschaft. Weilerswist: Velbrück GmbH 2021. 357 Seiten. ISBN 978-3-95832-245-5. D: 39,90 EUR, A: 35,90 EUR.

https://www.socialnet.de/rezensionen/29697.php