Elementarbildung: Frankfurter Appell 2026 veröffentlicht

Die Bundesarbeitsgemeinschaft öffentlicher und freier Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher (BöfAE) hat ihren neuen Frankfurter Appell 2026 veröffentlicht: Qualität wahren, Zukunft sichern in der Erzieherausbildung. Der Verband tritt dafür ein, den Fachkraftbegriff nicht zu verwässern, gleichzeitig aber Struktur und Qualität der Erstausbildungen im Vorfeld der Erzieherausbildung zu stärken. Im Hintergrund stehen entsprechende Diskussionen im Rahmen der gemeinsamen Arbeitsgruppe zwischen den Jugend- und Familienmistern und Kultusministern der Länder, auf welche die BöfAE reagiert.

Der Frankfurter Appell 2026 ist online zugänglich:

Zwischenruf: Bildungswahlkampf im Südwesten

Baden-Württemberg steckt im Landtagswahlkampf. Am Dienstag dieser Woche hatte die F.D.P. in den Landtag geladen – unter dem Motto: Starke Bildung für ein starkes Land. Für die liberale Partei geht es um das politische Überleben in ihrer Hochburg im Südwesten.

Als wissenschaftlichen Impulsgeber hatte man Professor Hartmut Esser, Soziologie und Wissenschaftstheoretiker aus Mannheim, eingeladen. Einer der wenigen empirischen Bildungsforscher, die noch wissen, worauf es in der Pädagogik ankommt. Leistung, Stringenz im Bildungssystem, keine Reformhuberei seien seiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren guter Bildungspolitik, die Baden-Württemberg seit 2012 hinter sich gelassen habe. Kontrovers aufgenommen wurde seine Kritik an den multiprofessionellen Teams für die Schulen: eine Idee, die viele im Plenarsaal begrüßten. Essers Kritik: Die Schule werde mit immer mehr schulfremden Erwartungen überfrachtet, Familie und Schulen würden immer mehr ineinander verschraubt. Kein Wunder, dass die Schulen zusätzliches Personal benötigten. Das Ganze mache die Sache aber nicht besser. Schule müsse wieder auf ihre Kernaufgaben rückgeführt und dafür gut ausgestattet werden.

Die Veranstaltung stand im Zeichen einer Verteidigung des gegliederten Schulsystems. Eingeladen waren dann auch für das Podium Vertreter des Philologen-, Realschullehrer- und Berufsschullehrerverbandes im Land. „Der Meister muss uns genauso viel wert sein wie der Master“, so Timm Kern, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und bildungspolitischer Sprecher der F.D.P. im Landtag. Die F.D.P. wirbt jetzt mit dem Satz: „Seit Gründung des Landes Baden-Württemberg im Jahre 1952 macht die FDP im Stuttgarter Landtag verantwortliche Politik.“ Und genauso alt ist auch das bildungspolitische Credo der Südwest-FDP: „Von allem äbbes.“ – sowohl Meister als auch Master. Das Motto ist von Theodor Heuß in die Welt gesetzt worden – und dem folgt die FDP bis heute. Der baden-württembergische Mittelstand ist eine Kernklientel der FDP im Ländle. Vor einigen Jahren gab es eine bildungspolitische Veranstaltung der Liberalen im Landtag, die ganz unter dem Heußzitat stand. So weit, so gut. Eine akademische Planwirtschaft, die fünfzig Prozent Studentenquote vorgibt, ist weder liberal noch pädagogisch sinnvoll. Die andere Seite ist, dass der akademische Bereich selber viel dazu beigetragen hat, seinen Ruf zu zerstören. Das wurde im Landtag auch deutlich. So war zu hören, dass jemand mit einem Politologiestudiengang, den niemand brauche, sich reichlich strecken müsse, bis er so viel verdiene wie ein Meister in gutgehender Selbständigkeit und mit eigenem Betrieb. Hat man hier an einen Studiengang wie „MADRE – M.A. Demokratie und Regieren in Europa“ an der Universität Tübingen gedacht?

Man kann das Gleichmacherei nennen. Man kann den Satz „Der Meister muss uns so viel wert sein wie ein Master“ auch so verstehen, dass es um Ressourcenlenkung geht. Wir können noch so gute Spitzenforschung und Spitzenförderung haben; das nützt uns nichts, wenn die Berufsschulen im Land verrotten und zusammenfallen. Spitzenforschung muss auch in der Breite in marktfähige Wertschöpfung umgesetzt werden. Der Kollege vom Berufsschullehrerverband fand deutliche Worte zur Ausbildungsfähigkeit heute und sagte, dass die Schüler heute aus dem allgemeinbildenden Schulsystem ohne Grundkenntnisse auf die Berufsschule kommen, dort müssten Grundfähigkeiten aufgearbeitet werden. Auf dem Podium wurde dann darüber nachgedacht, die Ausbildung von zwei auf drei bzw. von drei auf vier anzuheben. So viel zur Verkürzung von Ausbildungszeiten nach Bologna und Co. Der FDP-Vorschlag einer berufsbildenden Realschule, die allgemeine und berufliche Bildung bereits früh für solche Schüler verzahnt, die praktisch lernen, für durchaus bedenkenswert. Aber umgesetzt wird davon wohl nichts.

Denn auf die Frage aus dem Publikum zum Schluss, ob die FDP, sollte sie in die Regierung kommen, das Kultusressort anstreben, wurde es sehr ausweichend. Man habe sich fünfzehn Jahre in der Oppositon über falsche Bildungspolitik geärgert, ja – aber ein Ministeramt? Kultusminister sei genauso unbeliebt wie Bundesgesundheitsminister, meinte der Fraktionsvize. Eine Bewerbungsrede sieht anders an. Und wie es aus dem Publikum hieß: Die CDU habe an anderer Stelle genauso geantwortet. Man kann sich ausrechnen, wer am Ende dann den Kultusminister stellen wird.

saßen dann auch Philologen-, Realschullehrer- und Berufsschullehrerverband.
In einem Punkt wurde es an dem Abend aber doch sehr konkret. Stichwort: Bürokrateiabbau. Man wolle zwei der fünf Verwaltungsebenen (Kommune – Kreis – Regionalverband – Regierungspräsidium – Land) abschaffen. Mindestens den Regierungspräsidien könnte es an den Kragen gehen, da der CDU-Spitzenpolitik hier in ähnliche Richtung denkt. „The Länd“ wäre nicht das erste Bundesland, dass die mittlere Verwaltungsebene gestrichen hat, siehe Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen. Ob die Bildungspolitik damit besser werden würde, ist damit allerdings noch nicht gesagt.

Rezension: Tablet + KI = Digitale Bildung?

Tablet + KI = Digitale Bildung? – Diese Frage stellt Martin Frenkler in der aktuellen Ausgabe der „Schwarzburg“ (134. Jg., Heft 2/2025, S. 35 f.) in seiner Rezension des Bandes

Tim Raupach, Florian Fuchs (Hgg.): Bildungsautomaten? Beiträge zur Digitalisierung von Bildung und Lehre, Leipzig: SpringerVieweg 2025, ISBN 978-3-658-45541-5, 32,99 Euro.

In dem Band findet sich auch ein bildungsethischer Beitrag von Axel Bernd Kunze (Univ. Bonn): „Ausgehend von der bleibenden Bedeutung von Schulbibliotheken für das Hineinwachsen in eine Buch-, Lese-, Bildungs- und Wissenschaftskultur zeigt Kunze die Notwendigkeit von Räumen der Muße, in denen jenseits von Smartphone oder powerpointischer Oberflächlichkeit vertieftes Nachdenken und differenziertes Argumentieren gelernt weden kann. Gegen die Verwendung großer Sprachmodelle etwa als Co-Autor zur Erstellung differenzierter Unterrichtsmaterialien spricht dagegen nichts, solange die generierten Inhalte der wie bisher geltenden Verantwortlichkeit der Lehrkraft für ihren Unterricht unterworfen bleiben.“

Der Rezensent mahnt an, dass auch der Informatikunterricht eine wichtige Verantwortung im Prozess zunehmender schulischer Digitalisierung einnehmen müsse. Diese sei nicht allein zur Beherrschung der Hardware wichtig, sondern habe auch die Aufgabe „die Blackbox zu entzaubern“ und „einen Überblick über die mathematischen und die praktischen Grenzen der automatisierten Datenverarbeitung zu verschaffen“.

Tagungsankündigung: Versprechen und Wirklichkeit der Bildungssteuerung

Die Bildungs-Grätsche
Versprechen und Wirklichkeit der Bildungssteuerung

GBW-Tagung 17.&18.04.2026, Universität Bonn

Seit dem „PISA-Schock“ erlebt das deutsche Schulsystem und ähnlich das in Österreich und der Schweiz einen bildungspolitischen Aktionismus. Jede neue Maßnahme versprach Aufbruch: mehr Effizienz durch Steuerung, mehr Evidenz durch Daten, besseren Unterricht durch Kompetenzmodelle, digitale Modernisierung, individuellere Förderung und selbstgesteuertes Lernen. Manches davon klang verheißungsvoll, einiges vielleicht sogar plausibel.

Doch der Blick in die Klassenzimmer erzählt eine andere Geschichte. Was als Modernisierung gedacht war, hat nicht zu besseren Leistungen geführt – ganz im Gegenteil.  Die Interventionen waren insofern erfolgreich, als gerade die neuen Steuerungsinstrumente ihr Scheitern in der schulischen Wirklichkeit empirisch dokumentieren: Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler haben sich nicht verbessert, sondern im Gegenteil massiv verschlechtert.

Gleichzeitig wächst der Schatten der Nebenfolgen. Lehrkräfte berichten von einer Realität, in der Pädagogik allzu oft hinter Formularen verschwindet, in der Rechenschaftslegung Zeit frisst und Bürokratie Energie bindet. Zwischen ambitionierten Programmen und dem, was in den Schulen tatsächlich möglich ist, klafft eine Lücke, deren Bewältigung viele als Grätsche empfinden – als tägliche Spannung zwischen bildungspolitischem Wunschdenken und schulischer Wirklichkeit. 

Zwar liegen die Ursachen auch in allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen und nicht allein bei der Bildungspolitik. Und doch ist es notwendig, die großen „Verheißungen“ der vergangenen Jahre mit den Erfahrungen jener zu konfrontieren, die das System Tag für Tag tragen. 

Die Gesellschaft für Bildung und Wissen (GBW) widmet diesem Spannungsfeld ihre Tagung am Freitag, 17.04., 18.00 Uhr, bis Samstag, 18. 04. 2026, an der Universität Bonn. Unter dem Motto „Die Bildungs-Grätsche – Versprechen und Wirklichkeit der Bildungssteuerung geht sie den Bruchlinien nach: jener zwischen bürokratischer Steuerung und schulischem Alltag, zwischen empirischer Vermessung und pädagogischer Urteilskraft, zwischen visionären Reformnarrativen und dem Hier und Jetzt im Klassenzimmer.

Eine Tagung, die nicht auf schnelle Lösungen setzt, sondern auf Klarheit – und auf die Frage, wie Bildung gelingen kann, wenn man die Widersprüche endlich ernst nimmt. Es kommt jetzt darauf an, dass nicht mehr bildungspolitisches Wunschdenken die erziehungswissenschaftlichen Diskurse bestimmt; im Zentrum müssen die Herausforderungen der Praxis stehen. Wer dauernd vom Fortschritt in der Pädagogik redet, hat wenig von ihr verstanden.

Bisher haben für Vorträge zugesagt: Prof. Dr. Carl Bossard (Stans), Prof. Dr. Karl-Heinz Dammer (Heidelberg), Prof. Dr. Rainer Kaenders (Bonn), Prof. Dr. Roland Reichenbach (Zürich), Prof. Dr. Ysette Weiss (Mainz). Weitere Informationen folgen.

Vorankündigung: Neues Positionspapier des BeA

Der Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA) hat im Dezember ein neues Positionspapier verabschiedet – mit dem Titel: Kinder- und Jugendhilfe braucht starke Fachkräfte – gerade jetzt! Fachkraftstatus erhalten.

Das Papier wird in Kürze online veröffentlicht und dann auch hier verlinkt werden.

Tagungsbericht: Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe nicht verhandelbar – so der BeA

Der Vorstand des Bundesverbands evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA) traf sich zu einer Vorstandsklausur in Berlin. Dabei ging es u. a. um die Qualitätsdiskussion in der Kinder- und Jugendhilfe. Der BeA tritt dafür ein, den Fachkraftstatus nicht abzusenken.

Jubiläum: Festschrift zum hundertsten Jubiläum der BAG KAE

Die Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher feiert 2025 ihr hundertstes Jubiläum. Der Verband vertritt bundesweit die Interessen der Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik in katholischer Trägerschaft. Aus Anlass des Jubiläums ist eine Festschrift erschienen:

Susanne Wessels (Red.): Einhundert 1925 – 2025. Festschrift zum Jubiläum der BAG katholischer Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher, herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft der katholischen Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher, o. O. (Nördlingen) o. J. (2025).

Vorankündigung: Die Zukunft evangelischer Kitas gestalten

Das Comenius-Institut in Münster ist mit der Durchführung der evangelischen Bildungsberichterstattung beauftragt. Im September 2024 wurde dort der neuen evangelische Kindergartenbericht im Rahmen einer Tagung vorgestellt und diskutiert. Die Beiträge werden Anfang 2026 in einem Interpretationsband veröffentlicht werden:

Böhme, T.; Dechow, J.; Sander, A. (Hgg.): Die Zukunft evangelischer Kitas gestalten. Impulse zum aktuellen Bildungsbericht „Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder“, Münster (Westf.): Waxmann 2026 [im Druck].