Neuerscheinung: Worüber wird in der Pädagogik publiziert? Welche Themen bleiben ausgespart?

Folgender Beitrag ist im ersten Band (2024) des neuen Jahrbuches Wissenschaftsfreiheit erschienen:

Bernd Ahrbeck, Marion Felder, Axel Bernd Kunze und Tobias Reichardt:
Worüber wird in der Pädagogik publiziert? Welche Themen bleiben ausgespart? Eine Auswertung von vier Fachzeitschriften,

in: Jahrbuch Wissenschaftsfreiheit 1 (2024), S. 11 – 36.

Die Autorengruppe hat sich aus den erziehungswissenschaftlichen Mitgliedern im Herausgeberbeirat des Jahrbuches gebildet.

Der Beitrag ist online verfügbar:

https://elibrary.duncker-humblot.com/article/73966/woruber-wird-in-der-padagogik-publiziert-welche-themen-bleiben-ausgespart

Jahresrückblick: Sozialethische Veröffentlichungen aus dem Jahr 2023

Ausgewählte Veröffentlichungen (ohne Rezensionen oder Zeitungsbeiträge):

Sozialethische Grundlagenfragen

Kunze, Axel Bernd: Vorsehung neu denken: Klugheit – Freiheit – Intention, in: Concilium, 2023/59/3, S. 342 – 347.

Kunze, Axel Bernd: Freundschaft und Lebensbund – aus dem Tagungsband Würzburg 2022, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/juedische-korporierte-der-akst-benoetigt-ihre-unterstuetzung/.

Politische Ethik

Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Dezentrales Gedenken 2022 aus Anlass des 9. November 1938. Bamberg 2023.

Bocksch, Mechthildis; Kunze, Axel Bernd (Red.): Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Bamberg 2023.

Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023.

Kunze, Axel Bernd: Intensivstaat und zivilgesellschaftliche Staatsbedürftigkeit. Sozial- und freiheitsethische Betrachtungen zum Staatsverständnis (nicht nur) in Coronazeiten, in: Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwüde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023, S. 219 – 258.

Kunze, Axel Bernd: Mahnmal für den Bamberger Widerstand: Stauffenberg und zwei Korporierte, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/mahnmal-des-bamberger-widerstands-stauffenberg-und-zwei-korporierte/.

Kunze, Axel Bernd: Über Freiheit und Zivilcourage, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/ueber-freiheit-und-zivilcourage/ [Druckfassung in Vorbereitung].

Kunze, Axel Bernd: 17. Mai 1933, Dachau – zum 90. Todestag des Wirceburgers Willy Aron, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/17-mai-1933-90-todestag-willy-aron/ [Druckfassung in Vorbereitung].

Wirtschaftsethik und Sozialpolitik

Kunze, Axel Bernd (Mithg.): Denk doch mal. Onlinemagazin für Arbeit – Bildung – Gesellschaft. München 2022, Haben wir die richtigen Angebote in der Weiterbildung?, 2023/-/2; Die Forderungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Bildungspolitik von 1972, 2023/-/1.

Kunze, Axel Bernd: Arbeitsfeld Erzieherausbildung. Bildungs- und berufspolitische Entwicklungen im Kontext sozialpädagogischer Ausbildungsgänge, in: Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023, S. 16 – 20.

Kunze, Axel Bernd: Auslandspraktika in der Erzieherausbildung, in: Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023, S. 54 – 56.

Medizinethik und Gesundheitswesen

Bergmann, Ralf; Brenner, Andreas; Burchardt, Matthias; Dochorn, Jan; Döring, Ole; Esfeld, Michael; Frahm, Johannes; Gierhake, Kathrin; Göttman, Frank; Guérot, Ulrike; Harzheim, Lothar; Hentschel, Martina; Hiller, Detlef; Hörmann, Georg; Kostner, Sandra; Kotchoubey, Boris; Kroy, Klaus; Kunze, Axel Bernd; Lamm, Norbert; Lavecchia, Salvatore; Lehmann, Christian; Lehnert, Christian; Luft, Stefan; Mézes, Christian; Morawetz, Klaus; Reiner, Günter; Riedenauer, Markus; Schüffel, Wolfram; Schwachtje, Jens; Schwaetzer, Harald; Stahl, Henrieke; Ullrich, Henrik; Weber, Reinhard; Winkler, Martin: Offizielle Kirchenzeitung stoppt Corona-kritischen Bericht, in: Tichys Einblick, 2023/-/21.10., online unter https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/offizielle-kirchenzeitung-stoppt-corona-kritischen-bericht/.

Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Vorwort, in: Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwüde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023, S. 7 – 10.

Ethik der Lebensformen

Kunze, Axel Bernd: Impulsvortrag Gendersprache, in: Arbeitskreis Stadt und Gesellschaft (Hg.): Arbeitskreis Stadt & Gesellschaft. Essen (Ruhr) 2023, S. 10 – 13.

Kunze, Axel Bernd: Erfahrungen – Einstellungen – Emotionen, in: Concilium, 2023/59/1, S. 115 – 119.

Bildung, Wissensgesellschaft, Medien, Kultur

Bank, Volker; Barben Jürg; Bender, Peter; Bossard, Carl; Breithausen, Jutta; Büchter-Römer, Ute; Damberger, Thomas; Dammer, Karl-Heinz; Fuchs, Thomas; Glöckler, Michaela; Grebe-Ellis, Johannes; Hackl, Bernhard; Herchert, Gaby; Hungerbühler, Norbert; Jongebloed, Hans-Carl; Kaenders, Rainer; Kissling, Beat; Klein, Hans Peter; Krautz, Jochen;  Kübler, Hans-Dieter; Kunze, Axel Bernd; Ladenthin, Volker; Lankau, Ralf; Möller, Christoph; Rekus, Jürgen; Reuter, Ingo; Rittelmeyer, Christian; Rodens, Klaus; Rostalski, Frauke; Sonar, Thomas; Spitzer, Manfred; Teuchert-Noodt, Gertraud; Türcke, Christoph; Wegner, Anke; Weiss, Ysette; Wittmann, Erich Ch.; Zierer, Klaus: Wissenschaftler fordern Moratorium der Digitalisierung in KITAs und Schulen, in: Gesellschaft für Bildung und Wissen (Hg.): online unter https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2023/11/moratorium_pub_17nov23.pdf [17. November 2023].

Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023 [zugleich Onlineausgabe unter: https://www.beaonline.de/2023/06/sonderheft-2023-der-zeitschrift-paedagogikunterricht/].

Kunze, Axel Bernd (Wiss. Beirat): Pädagogikunterricht. Wesel 2023, Interkulturelle Bildung in Zeiten des Integrationsparadoxes, 2023/43/1; Fachlichkeit als Anspruch, 2023/43/2-3; EduKItion. Pädagogik im Zeitalter der KI, 2023/43/4; Unterrichten an Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik, 2023/43/Sonderheft.

Kunze, Axel Bernd: Gesprächsstörungen. Eine sozial- und bildungsethische Ursachensuche im Angesicht der Coronakrise, in: Dik, Oleg; Dochhorn, Jan; Kunze, Axel Bernd: Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise. Regensburg 2023, S. 17 – 59.

Kunze, Axel Bernd: Für alle, die sich noch weiter informieren wollen, in: Kunze, Axel Bernd; Püttmann, Carsten: Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren. Wesel 2023, S. 30 f.

Kunze, Axel Bernd: Gestörte Kommunkation. Eine bildungsethische Spurensuche in flüchtigen Zeiten, in: Kuypers, Harald (Hg.): Pädagogisch Handeln. Festschrift für Prof. Dr. Volker Ladenthin. Bonn 2023, S. 119 – 129.

Kunze, Axel Bernd: Schule braucht pädagogisches Verständnis. Reflexionen nach mehr als zwei Coronajahren, in: Lankau, Ralf (Hg.): Unterricht in Präsenz und Distanz. Lehren aus der Pandemie. Weinheim/Basel 2023, S. 81 – 95.

Kunze, Axel Bernd: Freundschaft und Lebensbund, in: Sebastian Sigler (Hg.): Die Vorträge der 82. deutschen Studentenhistorikertagung Würzburg 2022. München 2023, S. 360 – 364.

Kunze, Axel Bernd: Vorstellung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit, in: Arbeitskreis Stadt und Gesellschaft (Hg.): Arbeitskreis Stadt & Gesellschaft. Essen (Ruhr) 2023, S. 9 f.

Kunze, Axel Bernd: Die Bibel bildet, in: Concilium, 2023/59/5, S. 604 – 609.

Kunze, Axel Bernd: Pädagogische Herausforderungen in einer heterogener werdenden Gesellschaft, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung, 2023/75/1, S. 7 f.

Kunze, Axel Bernd: Ethische Anfragen an schulisches Handeln, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung, 2023/75/2, S. 14 f.

Kunze, Axel Bernd: Die Tugend der Mäßigung – bildungsethische Gedanken zu einer pädagogischen Ethik des Digitalen, in: Glaube + Erziehung, 2023/75/3, S. 6 f.

Kunze, Axel Bernd: Der Lehrerberuf als Menschenrechtsprofession, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung, 2023/75/4, S. 8 f.

Kunze, Axel Bernd: Personal gestaltet und erfahren. Anmerkungen zur schulischen Lehrkunst aus bildungsethischer Perspektive – (nicht allein) in digitalen Zeiten, in: Pädagogische Rundschau, 2023/77/6, S. 735 – 750.

Kunze, Axel Bernd: Pädagogisches Neusprech. Zur Kritik aktueller Leitbegriffe, in: Profil. Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft, 2023/-/12, S. 38 – 40.

Sigler, Sebastian (Hg.); Kunze, Axel Bernd u. a. (Berater): Die Vorträge der 82. deutschen Studentenhistorikertagung Würzburg 2022. München 2023.

Kirche und Gesellschaft sowie Religionssoziologie

Kunze, Axel Bernd: Herausgeforderter und heilender Glaube, in: Concilium, 2023/59/4, S. 474 – 479.

Kunze, Axel Bernd: Im Überschwang der Liebe (Mt 5, 38 – 48), in: Der Prediger und Katechet, 2023/162/2, S. 161 – 163.

Kunze, Axel Bernd: Abschied und Neubeginn (Joh 14, 15 – 21), in: Der Prediger und Katechet, 2023/162/5, S. 343 – 345.

Kunze, Axel Bernd: Der Theologe auf dem Papstthron, in: tabularasa. Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur, 2023/-/01.01., online unter https://www.tabularasamagazin.de/der-theologe-auf-dem-papstthron/.

Kunze, Axel Bernd: In memoriam Papst em. Benedikt XVI. +, in: Arbeitskreis der Studentenhistoriker (Hg.): online unter https://studentenhistoriker.eu/in-memoriam-papst-em-benedikt-xvi-%e2%80%a0/.

Geschichte des Sozialkatholizismus

Kunze, Axel Bernd: Eine Art theologischer Landkarte, in: Concilium, 2023/59/2, S. 249 – 253.

Rezension: Die Bibel bildet

„Theologie und höhere Bildung“ heißt das neue Themenheft der Zeitschrift CONCILIUM. Darin rezensiert Axel Bernd Kunze die folgenden Titel (Jg. 59, Heft 5 v. Dezember 2023, S. 604 – 609):

Irmtraud Fischer, Jörg Frey, Ottmar Fuchs, Katharina Greschat, Alexandra Grund-Wittenberg, Bernd Janowski, Ralf Koerrenz, Volker Leppin, Tobias Nicklas, Gabrielle Oberhänsli-Widmer, Uta Poplutz, Dorothea Sattler, Konrad Schmid, Andreas Schüle, Günter Thomas, Samuel Vollenweider, Michael Welker (Hgg.): Bildung (Jahrbuch für Biblische Theologie; Bd. 35/2020), Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht 2021, 298 Seiten.

Marianne Heimbach-Steins, Michelle Becka, Johannes J. Frühbauer, Gerhard Kruip (Hgg.): Christliche Sozialethik. Grundlagen – Kontexte – Themen. Ein Lehr- und Studienbuch, Regensburg: Friedrich Pustet 2022, 528 Seiten.

CONCILIUM, das bisher im Würzburg Echter-Verlag erschienen ist, wird ab dem kommenden Jahrgang 2024 vom Verlag Karl Alber im Rahmen der Nomos-Verlagsgruppe herausgebracht.

Neuerscheinung: Menschenwürde im Intensivstaat? – Jetzt erhältlich.

Seit 20. Dezember 2023 im Buchhandel erhältlich:

Oleg Dik, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze: Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise (Philosophie interdisziplinär; 54, hg. v. Harald Schwaetzer und Henrieke Stahl), Regensburg: S. Roderer 2023, 258 Seiten.

mit folgenden Beiträgen:

  • Vorwort
  • Jan Dochhorn: Einführung: Von einer Tagesordnung zu der anderen
  • Axel Bernd Kunze: Gesprächsstörungen. Eine sozial- und bildungsethische Ursachensuche im Angesicht der Coronakrise
  • Jan Dochhorn: Paradoxologia Theologica. Ansätze zu einer Gesellschaftskritik aus theologischer Sicht angesichts der Coronakrise
  • Oleg Dik: Die zerrissene Menschenwürde. Corona als Symptom einer theologischen Krise
  • Axel Bernd Kunze: Intensivstaat und zivilgesellschaftliche Staatsbedürftigkeit. Sozial- und freiheitsethische Betrachtungen zum Staatsverständnis (nicht nur) in Coronazeiten.

Aus der Verlagsankündigung:

„Der Einzelne hätte keinen Arbeitsplatz mehr“. So kommentierte Ende 2021 der Justizminister von Nordrhein-Westfalen, Peter Biesenbach (CDU), seinen Vorschlag, 2G am Arbeitsplatz einzuführen. Die drei Autoren dieses Bandes interessieren sich für diesen Einzelnen und erörtern aus theologischer Perspektive, wie es dazu kommen konnte, dass man in der Coronakrise so über ihn redete. Oleg Dik identifiziert eine unbewusste Dynamik in der Gesellschaft, eine Strategie des Ekels gegen das Abweichende, und setzt ihr die gemeinschaftsbildende Kraft der Eucharistie entgegen. Jan Dochhorn identifiziert eine Tragik des Gesellschaftlichen: Wider ihren Willen und ohne Verstehen realisiert Gesellschaft immer wieder das Gegenteil handlungsleitender Ideale – entsprechend dem, was Paulus über den sündunterworfenen Menschen schreibt. Gesellschaft ist nicht als der Ort von Emanzipation zu sehen, sondern ist ein Götze geworden, eine divinisierte Bezugsgröße von Erlösungs- und Bedrohungs¬phantasien. Axel Bernd Kunze behandelt das Paradox, dass wir nach Zeiten der Staatsvergessenheit mit der Coronakrise unversehens mit einem Intensivstaat zu tun hatten (und zunehmend weiter haben); er sucht in einem weiteren Beitrag nach Bedingungen für eine gesellschaftliche Versöhnung.

Neuerscheinung: Menschenrechtsprofession Lehrer

Axel Bernd Kunze: Der Lehrerberuf als Menschenrechtsprofession, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung 75 (2023), H. 4, S. 8 f.

„Lehrer tragen wesentlich Verantwortung dafür, dass die Heranwachsenden ihr Recht auf Bildung und Selbstbestimmung verwirklichen können. Bildung ist ein zentraler Schlüssel für die aktive Teilnahme am sozialen und wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen, kulturellen und geistigen Leben. Der Lehrberuf kann daher als zentrale Menschenrechtsprofession begriffen werden.“

Zwischenruf: Warum ist es bildungsethisch so still geworden?

Um das Bildungssystem in Deutschland steht es nicht gut. Immer wieder haben es Hiobsbotschaften in den vergangenen Wochen und Monaten auf die Titelseite der Zeitung geschafft: Ein größer werdender Teil der Kinder beherrsche am Ende der Grundschule nicht mehr die elementaren Kulturtechniken. Im deutschen Bildungssystem fehle die Mitte, immer mehr akademischen Bildungsbiographien stehe eine wachsende Zahl von Schülern ohne Schulabschluss gegenüber, die Zahl ausbildungsfähiger Schüler in der Mitte hingegen schwinde – wobei die akademischen Abschüsse sich gerade nicht auf anspruchsvolle MINT-Fächer, sondern vornehmlich Sozial- und Kulturwissenschaften mit geringerem Anforderungsniveau verteilten. Der Lehrkräftemangel steige, obwohl die größere Pensionswelle noch bevorstehe. Die Liste ließe sich fortsetzen. Von der einst politwirksam verkündeten „Bildungsrepublik“ ist nicht mehr viel übriggeblieben.

Beste Zeiten für die Bildungsethik, sollte man meinen. Doch: Fehlanzeige. Die Disziplin ist merklich stumm geworden, obwohl die Schwierigkeiten im deutschen Bildungssystem mit Händen zu greifen sind. Wir sollten uns schon heute auf deutliche Folgewirkungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland, die Leistungsfähigkeit unseres Sozialstaates und die Produktivität des Kulturstaates einstellen. Doch für das Schweigen gibt es Gründe, die schon in der Hochphase der bildungsethischen Debatte, die vor zwanzig Jahren begann, hätten gesehen werden können – für den zumindest, der sehen wollte.

Zunächst: Die Karawane ist weitergezogen. Wissenschaft lebt – heute sicher noch stärker als früher – von Moden, Trends und Aufmerksamkeit. Vor zwanzig Jahren war eine Sozialethik der Bildung neu und fand Aufmerksamkeit. Heute lassen sich anderswo mehr Meriten und Drittmittelgelder gewinnen, etwa in der Pflegeethik. Und dann: Der Bildungsethik ging es um Bildung allein im Kompositum, eben um Bildungsgerechtigkeit, Bildungsfinanzierung, Bildungssteuerung, Bildungssozialpolitik und so fort. Auch Fragen hiernach sind zu stellen. Aber im Letzten sind es nachgeordnete Bildungszwecke. Der sozialethische Bildungsdiskurs krankte in vielen – nicht in allen – Entwürfen daran, dass Bildung vielfach auf ihre äußere soziale Seite und damit auf eine soziologisch zu beschreibende Anpassung zwischen Individuum und Sozialstruktur reduziert wurde.

Bildung meint die Befähigung zur Selbstbestimmung. Doch gerade an diesem pädagogisch-humanistischen Kern war das sozialethische Interesse von Anfang an recht gering, als sich ein eigenständiger Bildungsdiskurs innerhalb der Sozialethik nach den ersten PISA-Studien zu etablieren begann. Und damit sind wir bei einem weiteren Grund, warum es bildungsethisch so still geworden ist. Für die gegenwärtigen Probleme im Bildungssystem gibt es keine einfachen Rezepte. Mehr Geld, mehr Lehrer, mehr staatliche Steuerung, mehr Bildungszentralismus statt Bildungsföderalismus … Diese Antworten greifen zu kurz. Vielmehr müsste über zwei Dinge gesprochen werden.

Erstens: die erzieherische Kehrseite des Bildungsauftrags. Denn der Doppelauftrag zu Bildung und Erziehung ist letztlich nicht zu trennen. Und damit sind wir zugleich beim Zusammenspiel von Schule und Familie. Am 21. September zählte die WELT auf, was Lehrer bei Schülern zunehmend auffällt und den Beruf erschwert: schwache Konzentration, Unruhe, Angst. Dem ist nicht durch Bildungsplanung und Strukturen beizukommen, hierauf braucht es nicht zuletzt erzieherische Antworten. Doch über Erziehung wird in der zeitgenössischen „Erziehungs“-Wissenschaft überhaupt so gut wie gar nicht mehr geredet. Die Erziehung ist mit der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, die eine „Pädagogik für die Pädagogik“ sein wollte, aus dem pädagogischen Diskurs verschwunden. Auch dies hat Gründe: Über Erziehung zu sprechen, kann unangenehm sein. Hier geht es nicht in erster Linie darum, Erwartungen an den administrativen Sozialstaat zu stellen. Hier geht es um Fragen an das eigene wie an das gesellschaftlich vorherrschende Ethos, um Sinnfragen und Orientierungswerte.

Es bestehen eine große Unsicherheit und ein großer Unwille, genau hierüber zu sprechen. Denn dann müssten wir uns eingestehen, dass es mit dem Erziehungsverständnis gegenwärtig nicht weit her ist, dass wir unsere Prioritäten überdenken sollten. Etwa in der Digitalisierung, die mit dem Geldsegen des Digitalpaktes noch einmal deutlich forciert wurde. Digitale Produkte verführen, geben aber nicht vor, wie sie verantwortlich genutzt werden sollten. Genau das sollte Schule leisten. Genau das geschieht aber äußerst selten, weil die ältere Generation sich scheut, Orientierung zu geben und Grenzen zu setzen. W-LAN in allen Schulen ist mittlerweile Standard, das Smartphone auch hier allgegenwärtig, auch wenn wir wissen könnten, dass Konzentration, Muße, differenziertes Lesen und Textverstehen so gerade nicht gefördert werden. Und ja: Sollte hier etwas geändert werden, müssten sich auch viele Pädagogen selbst eingestehen, mehr oder weniger schon längst digital abhängig zu sein.

Beteiligungsrechte von Heranwachsenden werden überbetont, Erziehungsfragen deutlich unterschätzt. Wo eine Gleichrangigkeit an Verantwortung, Selbständigkeit und Erfahrung, die pädagogisch, entwicklungspsychologisch und emotional nicht gegeben ist, proklamiert und die Differenz zwischen den Generationen verleugnet wird, wird der Erziehungsaufgabe der Boden entzogen. Wo aber der Erziehungsgedanke sich verflüchtigt und das Bewusstsein für die besondere erzieherische Verantwortung der Elterngeneration schwindet, besteht die Gefahr, dass die Heranwachsenden notwendige pädagogische Förderung und Unterstützung verlieren und am Ende mit den zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben alleingelassen werden. Denn wo die besondere Verwiesenheit der Heranwachsenden auf Eltern sowie Pädagogen und umgekehrt deren pädagogische Verantwortung verkannt werden, wird es auch kommunikativ schwerfallen, das besondere pädagogische Angewiesensein der Kinder und Jugendlichen und deren Recht auf Erziehung zu thematisieren und zu sichern.

Zweitens: Eine ernsthafte bildungsethische Auseinandersetzung müsste in der gegenwärtigen Situation damit beginnen, über die zahlreichen Elefanten zu sprechen, die im Raum stehen: die hohen Zuwanderungszahlen und die damit verbunden kulturellen Verteilungskämpfe, das Verdrängen von Fragen nach kultureller Bindung und nationaler Identität, der wachsende Sprachförderbedarf durch eine rasch wachsende Zahl von Kindern ohne deutsche Muttersprache, die wachsenden finanziellen Belastungen durch Inflation und Preissteigerung, die psychologischen Folgen der Coronapolitik, die fehlenden Lehrkräfte und das schlechte Image des Berufes angesichts der gestiegenen Anforderungen, die administrativen Belastungen der Lehrkräfte … Nein, über diese Themen zu sprechen, passt nicht zu einer Sozialethik, die sich in weiten Teilen zunehmend als Agenda- und Haltungswissenschaft zeigt. Mit der Frage nach den Chancen und Grenzen dessen, was Schule gesellschaftlich zu leisten vermag, steht unweigerlich auch das eigene Staats- und Gesellschaftsverständnis der Disziplin auf dem Prüfstand. Und davor drückt man sich.

Was es bräuchte, wäre eine Bildungsethik, die ihr Pendant nicht allein in der empirischen Bildungsforschung sieht. Notwendig wäre eine Bildungsethik, die ebenso das Gespräch mit der Bildungs- und Erziehungsphilosophie sucht und genauso mit der pädagogischen Praxis. Denn wie schon gesagt: Die Themen liegen für eine Bildungsethik gegenwärtig geradezu auf der Straße.

Zwischenruf: Ein alter Ladenhüter …

Der Berg kreißt und gebiert ein Mäuschen. Jetzt ist der da: der Bürgerrat. Und gleich beschäftigt er sich mit dem „Megathema“ Bildung. Nach der demokratischen Legitimation dieser pseudopartizipatorischen Veranstaltung fragen wir jetzt besser nicht. Was auf demokratischem Wege keine Mehrheit gefunden hat, obwohl schon seit Jahrzehnten darüber diskutiert wird, soll jetzt mit vermeintlich zivilgesellschaftlicher Legitimation wieder aufgewärtmt werden. Und doch: Das längere gemeinsame Lernen bleibt ein „Ladenhüter“. Wenn diese Mutter aller Bildungsreformen so beliebt wäre, wie ihre Verfechter tun, müssten die Gesamtschulen aus allen Nähten platzen. Und die Politik würde ganz von selber nachziehen.

Die Forderungen des „Bürgerrates“ erzählt das schöne Märchen eines ach so diversen Einwanderungslandes, in dem alle Integrationsprobleme sich von selbst lösen, würde man nur endlich das Schulsystem strukturell umbauen. Sicher: Auch über die Struktur des Bildungssystems muss nachgedacht werden. Aber dieses ist schon längst in hohem Maße durchlässig und anschlussfähig. Bildung ist ein personales Geschehen. Und damit ist beim Bürgerrat keine Rede: nicht von Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft, nicht von Orientierungswerten und einer stabilen kulturellen Grundlage, die Halt und Sicherheit geben, nicht vom notwendigen Erziehungsauftrag, für den Familie und Schule zusammen einstehen müssen. Nun gut, Pädagogik steht sowieso an zweiter Stelle, wo sich alles um Gerechtigkeit dreht.

Stattdessen gibt es wolkige Utopien, schön in Pastelltönen gemalt. Mehr frühkindliche Bildung, am besten gleich verpflichtend. Denn Freiheit ist sowieso ein Auslaufmodell. Kleinere Gruppen, natürlich alles kostenfrei. So als hätte man von Fachkräftemangel und finanzieller Überlastung der Kommunen noch nie etwas gehört. Ein zusätzliches Orientierungsjahr für alle, ob notwendig oder nicht – Orientierungslosigkeit in einer verlängerten Pubertät soll staatlich schön abgefedert werden. Wo das Freiheitsbewusstsein schwindet, werden am Ende alle über einen Kamm geschoren.

Was hier zusammenkommt, sind nicht Ideen eines „Bürger“-Rates, sondern kindliche Blütenträume eines finanziell unbegrenzt belastbaren Ich-werde-schon-alles-richten-Staates. Denn Bürger, die noch etwas von wahrer Bürgerlichkeit verstehen, wüssten, dass es für gute Bildung zuerst auf sie selber und nicht auf den Staat ankommt. Der Staat kann Rahmenbedingungen verschaffen, aber nicht die Einzelnen „bebilden“. Wer das glaubt, zeichnet die Karikatur eines Staates, der sich den Grenzen seiner eigenen Wirksamkeit nicht mehr bewusst ist.