Themenangebote für Vorträge und Seminare

Sie suchen einen Referenten für eine Vortrags-, Seminar- oder Fortbildungsveranstaltung? – Im Folgenden finden Sie einige Themenangebote für Vorträge oder Seminare. Diese verstehen sich lediglich als Beispiele; weitere Inhalte sind nach Absprache selbstverständlich möglich. Weitere Informationen und Referenzen finden Sie in diesem Weblog unter der Seite „Vorträge“. Bei Interesse freue ich mich auf Ihre Anfrage (Honorar nach Vereinbarung). Sie erreichen mich unter Kunze-Bamberg[at]t-online.de.

Als Geschäftsführer des DFG-Projekts „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ habe ich den Aufbau einer eigenständigen Sozialethik der Bildung intensiv begleitet. Als promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler beschäftige ich mich vor allem mit Fragen aus dem Feld der Bildungs-, Menschenrechts-, Politik- und Demokratieethik.

Bildung auf Weltniveau? – Globales Lernen
Die „Agenda 21“, beschlossen von den Vereinten Nationen, fordert nicht weniger als eine „Neuausrichtung der Bildung“ mit dem Ziel, ein ökologisches und ethisches Bewusstsein sowie Werte, Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu schaffen, die mit einer „nachhaltigen
Entwicklung“ vereinbar sind. Wie kann Globalisierung als Bildungsaufgabe begriffen werden? Welche Rolle spielen die Bildungssysteme im Prozess der Globalisierung? Welche didaktischen Fragen stellen sich beim Globalen Lernen? Was bedeutet Globales Lernen für das Selbstverständnis von Pädagogen?

Wie sollen wir mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen? – Interkulturelle Pädagogik
Die Vielfalt in Kindertageseinrichtungen und Schulen ist deutlich größer geworden. Kinder aus unterschiedlichen Kulturen oder Religionen treffen aufeinander. Viele Eltern und Kinder bringen unterschiedliche Migrationserfahrungen mit. Wie können Erzieher, Pädagogen und Lehrer das interkulturelle Miteinander gestalten und Diskriminierungen vorbeugen? Wie können sie Kinder befähigen, mit kultureller Vielfalt angemessen umzugehen?

Sind Bildungsfragen Gesellschaftsfragen? – Demokratiepädagogik
Dass Bildungsfragen eine über den Bereich der Pädagogik hinausgehende Bedeutung besitzen brachte der „Altmeister“ der Didaktik, Wolfgang Klafki, auf die Formel: „Bildungsfragen sind Gesellschaftsfragen.“ Die Formel ist, wie Klafki selbst ausführt, mehrdeutig. Bildung und Erziehung helfen dem Einzelnen, seine Möglichkeiten bestmöglich zu entfalten und mitbestimmungsfähig zu werden. Wenn sich Gesellschaft beständig verändert, ist der pädagogische Anspruch auf Mitbestimmungsfähigkeit für jeden Einzelnen bildungspolitisch immer wieder einzufordern sowie in Theorie und Praxis der Pädagogik beständig neu auszulegen. Näher zu bestimmen bleibt, welche Aufgaben der Pädagogik im demokratischen Gemeinwesen zufallen und was diese für den Erhalt und die Gestaltung der Demokratie zu leisten vermag.

Ist Bildung ein Menschenrecht? – Bildungsethik und Menschenrechtsethik
Bildung ist ein Menschenrecht – so formuliert es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948. Bildung sichert dem Einzelnen die Möglichkeit, Autor des eigenen Lebens zu sein. Gleichzeitig ist Bildung eine unverzichtbare Voraussetzung für die aktive Teilnahme am sozialen Leben. Wie weit reicht ein Recht auf Bildung? Wie kann Bildungsgerechtigkeit gesichert werden? – Gleichzeitig sind die Menschenrechte auf die Förderung durch pädagogisches Handeln angewiesen. Menschenrechtsbildung, die bereits im Kindergarten beginnen soll, ist zentraler Bestandteil einer gelebten Kultur der Menschenrechte.

Umbruch im Bildungssystem: Kompetenzen – und ihre Folgen
Unser Bildungssystem hat in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht bekommen, heißen die Reforminstrumente PISA, Bologna-, Lissabon- oder Kopenhagenprozess. Nicht alle Umbrüche liegen dabei so offen zu Tage wie die Abschaffung des Diploms oder die Modularisierung des Studiums. Weniger auffällig und von vielen nicht hinreichend ernstgenommen, haben Veränderungen im Bildungsverständnis in Schule und Hochschule Raum gegriffen, die gesellschaftlich nicht folgenlos bleiben werden. Zwar ist der schon oft totgesagte Bildungsbegriff seit der ersten PISA-Studie vor nicht ganz fünfzehn Jahren bildungspolitisch in aller Munde; die Hauptrolle in Unterricht und Lehre spielen heute aber „Kompetenzen“.

Braucht Religion Bildung? Braucht Bildung Religion?
Unsere Gesellschaft ist pluraler geworden. Ein Ethos der Toleranz wird für das gesellschaftliche Miteinander immer wichtiger. Welche Rolle spielt dabei die Religion? Wie kann das Verhältnis zwischen Bildung und Religion pädagogisch wie ethisch verantwortlich ausgestaltet werden? Welchen Stellenwert nimmt religiöse Bildung in der öffentlichen Schule ein? Wie sollte in der öffentlichen Schule
über Religion gesprochen werden? Inwiefern kann die staatliche Schule weltanschaulich neutral sein? Welche gesellschaftliche Bedeutung besitzen religiöse Lernprozesse?

Ethische Konflikte in Pädagogik und Sozialer Arbeit
Was im neunzehnten Jahrhundert als ehrenamtliche Armenfürsorge begann, ist Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf dem Weg zur ambitionierten Menschenrechtsprofession. Einen entscheidenden Schritt auf diesem Weg stellt die Definition dar, auf die sich die Internationale Vereinigung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter (IFSW) 2001 verständigte: „Soziale Arbeit ist eine Profession, die sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen sowie die Ermächtigung und Befreiung von Menschen fördert, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. […] Dabei sind die Prinzipien der Menschenrechte und sozialer Gerechtigkeit für die Soziale Arbeit von fundamentaler Bedeutung.“ Damit sind die zwei zentralen ethischen Prinzipien einer Berufsethik Sozialer Arbeit benannt: Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. – Was kann eine Berufsethik Sozialer Arbeit leisten? Wie können ethische Konflikte im Team besprochen werden?

Parteien zwischen Affären und Verantwortung
Die Parteien stecken bis heute in der Krise. Zahlreiche Affären haben ihren Ruf beschädigt. Immer weniger wird ihnen zugetraut, die politischen Probleme zu lösen. Die Parteienkonzentration hat abgenommen. Die traditionellen Milieus schwinden; die Zahl der Mitglieder sinkt. – Hat sich die klassische Mitgliederpartei überlebt? Welche Funktion erfüllen Parteien? Welche Verantwortung sollten Parteien übernehmen? Wie können die Parteien kontrolliert werden? Gibt es Alternativen zu den Parteien?

Gleichgeschlechtliche Lebensformen – Und was sagt die Kirche dazu?
Papst Franziskus hat große Erwartungen geweckt, als er im Oktober 2014 in Rom eine außerordentliche Bischofssynode „zu den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ einberief. In westlichen Ländern erhoffen sich nicht wenige, die katholische Kirche werde sich zu einer Neubeurteilung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften durchringen. Orte, an denen Homosexuelle in der Kirche bereits heute selbstbewusst ihren Glauben leben, sind die verschiedenen schwul-lesbischen Gottesdienstgemeinschaften, die seit den Neunzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts in einzelnen Städten entstanden, zumeist auf Basis einer befreiungstheologischen Orientierung. Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen theologisch verstanden werden? Wie können gleichgeschlechtliche Lebensformen beziehungsethisch neu verstanden werden?

… damit unser Tun nicht ins Leere läuft.
Was bietet das neue „Gotteslob“ für die Feier der Tagzeiten in der Gemeinde?
Zurückgehende Priesterzahlen und die Zusammenlegung von Pfarreien haben dazu geführt, dass der tägliche Gottesdienst in vielen Kirchen nicht mehr stattfindet. Die gemeinsame Feier der Tagzeiten am Morgen oder Abend kann einer Austrocknung des liturgischen Lebens entgegenwirken. Die Tagzeiten sind ein wichtiges öffentliches Zeugnis, das wir als Kirche der Welt schulden. Die Tagzeiten geben unserem Leben Richtung und Gleichgewicht, sie bewahren uns vor einam falschen Aktionismus. Eucharistie und Tagzeiten ergänzen sich wie zwei Säulen, auf denen das liturgische Leben einer Gemeinde aufruht. Welche Hilfen bietet das neue „Gotteslob“ an, die Tagzeiten als regelmäßige Feier ins Bewusstsein der Gemeinde zu heben?

Gesegnete Weihnachten und alles Gute zum neuen Jahr

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander:

Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen,

die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles,

was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt worden war.

 Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden mußte,

gab man ihm den Namen Jesus,

wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

(Lk 2, 15 – 21)

Allen Lesern und Leserinnen meines Wissenschaftsweblogs zur Bildungsethik wünsche ich von Herzen gesegnete Weihnachten, erholsame Feiertage sowie alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen für das neue Jahr.

Ich verbinde diesen Gruß mit einem herzlichen Dank für Ihr Interesse an meinen Beiträgen zu einer Sozialethik der Bildung und freue mich auch im neuen Jahr auf den bildungsethischen Austausch mit Ihnen. Wenn die folgenden Gedanken aus dem vergangenen Schuljahr unserer Fachschule einige Akzente für die kommende Weihnachtszeit setzen könnten, würde ich mich freuen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Axel Bernd Kunze

 

Predigt in der Christfeier der Großheppacher Schwesternschaft am 18. Dezember 2015:

„Unterm Strich zähl ich.“ – So warb eine große Bank sechs Jahre lang um Kunden. Und traf damit den Nerv der Zeit. Die Bank verspricht, die Bedürfnisse des Einzelnen zu befriedigen – schnell, leicht und zu guten Konditionen. Wer wünschte sich das nicht. Schnelle Bedürfnisbefriedigung steht hoch im Kurs. Wir sprechen gern von Dienstleistungsgesellschaft und erwarten, dass unsere Gefühle und Wünsche unmittelbar erfüllt werden – schließlich zahlen wir dafür. Warum warten. Schließlich habe ich ein Recht, und das darf ich einfordern. Schließlich bin ich „einzigartICH“, wie dieselbe Bank in ihrer Werbekampagne behauptet.

Gewiss, die Diagnose mag überzeichnet sein. Aber Sie haben es in der Praxis vielleicht auch schon erlebt, wie schwer es manchen Kindern fallen kann zu warten. Schnelle Befriedigung bringt vielleicht kurzfristig Gewinn, führt aber nicht unbedingt langfristig zum Ziel. Leistung, Erfolg und Können fallen nicht vom Himmel – das wissen Sie als angehende Erzieherinnen und Erzieher. Hierfür braucht es Durchhaltevermögen, beharrliches Einüben und Zeit zum Reifen.

Dies alles gilt auch für den Glauben. Dieser ist etwas anderes als die schnelle Befriedigung spiritueller Bedürfnisse, damit das Ich sich wohlfühlen kann. Glaube ist nicht die schnelle Antwort auf alle Fragen. Der Glaube ist nichts Fertiges, er fällt nicht vom Himmel. Auch Glaube bedarf der Einübung, Reifung und Vertiefung. Wie leicht passiert es, dass der Glaube aus Kindertagen einfach abgelegt wird – weil er nicht „mitgewachsen“ ist, weil er nicht vertieft wurde, weil er dann mit zunehmendem Alter banal wirkt und nicht mehr trägt.

Im Evangelium begegnen uns an der Krippe Menschen, die uns zeigen können, was Glauben ausmacht. Es sind Menschen, die sich vom Weihnachtsgeschehen haben treffen lassen, die im wahrsten Sinne des Wortes betroffen sind.

Da sind zum einen die Hirten, die zur Krippe eilen, nachdem ihnen Großes angekündigt worden war. Was treibt sie an? Entscheidend für Lukas ist, dass sie sich von Gott in Eile versetzen lassen – so wie schon Maria ein Kapitel zuvor zu ihrer Verwandten Elisabet geeilt ist. Es sind nicht ihre eigenen Bedürfnisse, die sie antreiben, sondern die größere Sehnsucht auf das, was von Gott her verheißen ist. Was versetzt uns in Eile? Versetzt Gott uns noch in Eile? Oder sind es nicht eher ganz andere Dinge, die uns alles stehen und liegen lassen?

Dabei ist das „Zeichen“, auf das die Hirten achten sollen, durchaus unscheinbar. Versprochen ist ihnen nicht ein machtvolles Zeichen, durch das  Gottes Herrlichkeit mit Pauken und Trompeten sichtbar wird. Es geht eher um ein Erkennungszeichen: ein kleines Kind in Windeln. Sie kennen das, wenn sie in der Krippe arbeiten. Nichts Spektakuläres also, kein Zeichen, das einzigartig wäre oder das menschliche Sensationsbedürfnisse stillen könnte. Doch die Hirten lassen sich darauf ein. Sie trauen dem, was sie gesehen haben – und zwar von innen her gesehen haben. Sie spüren die tiefere innere Freude, die von diesem Kind ausgeht. In dieser Freude kehren sie zurück und teilen anderen davon mit.

Da ist zum anderen Maria, die weiß, dass hier Geschehnisse Gottes am Werk sind. Diese sind nicht auf einmal fassbar. Sie rufen zunächst Entsetzen, Betroffenheit und Nachdenklichkeit hervor – so hat es Lukas ebenso bei der vorangegangenen Geburt Johannes des Täufers berichtet. Auch Maria vermag nicht, im ersten Moment alles zu begreifen. So verschweigt das Neue Testament nicht, wie die Verwandten einmal kommen, um Jesus zu holen – die Begründung ist drastisch: weil sie Jesus für verrückt halten.

Lukas zeigt, wie auch Maria Zeit braucht, den Weg ihres Sohnes zu verstehen. Sie hört die Worte der Hirten und sinnt darüber nach. Glaube heißt nicht, sich vom Gefühl des Augenblicks, von einem unmittelbaren Bedürfnis emotional überwältigen zu lassen. Glaube gründet in etwas, wovon wir zutiefst überzeugt sind – mit Herz und Verstand. Nur so kann sich ein vertieftes Verständnis des Glaubens entwickeln, das sich dann auch im Tun verwirklicht.

Lukas macht im weiteren Verlauf seines Evangeliums deutlich, dass dieser Weg die wahre Zugehörigkeit zur Familie Jesu eröffnet: auf sein Wort zu hören, darüber nachzudenken und daraus zu handeln. Maria geht diesen Weg. Gerade deshalb kann sie uns ein Vorbild des Glaubens sein. Schließlich wird sie nach Ostern zu einer der zentralen Gestalten der jungen christlichen Gemeinde.

Glaube bedarf der Übung, er muss reifen – im beständigen Nachsinnen über Gottes Geschehnisse. Nur so können wir das Wesentliche des Glaubens aus unserem Inneren heraus immer tiefer erfassen. Das können wir von Maria lernen. Die Weihnachtszeit, die vor uns liegt, ist eine neuerliche Einladung, über das nachzudenken, was für uns wichtig und bedeutsam ist, eine Zeit, in der unser Glaube weiter wachsen und reifen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete Weihnachtstage, erholsame Feiertage mit viel Muße sowie einen guten Jahreswechsel.

(PD Dr. Axel Bernd Kunze, Gesamtschulleitung der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt)

Weblog feiert Geburtstag

Liebe Leser, liebe Leserinnen meines Weblogs,

im August 2015 – also vor einem Jahr – erschien der erste Beitrag dieses Weblogs, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, die bildungsethische Debatte durch eigene Beiträge und Nachrichten kritisch-konstruktiv zu begleiten. Mit diesem Beitrag sind bisher insgesamt hundert Beiträge entstanden.

Die Bildungsethik ist innerhalb der Sozialethik eine noch recht junge Disziplin. Entscheidende Anstöße, einen eigenständigen sozialethischen Bildungsdiskurs zu etablieren, gingen vor rund zehn Jahren vom Bamberger DFG-Forschungsprojekt „Das Menschenrecht auf Bildung“ aus. Mittlerweile ist Bildung als Thema im sozialethischen Gespräch fest verkammert. Wie bei einer noch recht jungen Teildisziplin nicht anders zu erwarten, bedarf es aber noch weiterer Anstrengung, einer eigenständigen Sozialethik der Bildung deutlich Kontur zu verleihen. Als strittig hat sich in den bisherigen Debatten nicht zuletzt das Verhältnis von Freiheit und Gleichheit innerhalb der Diskussion um Bildungsgerechtigkeit oder der Stellenwert bildungstheoretischer und pädagogischer Überlegungen als Quellen einer Sozialethik der Bildung erwiesen.

Das vorliegende Weblog will dazu beitragen, die sozialethische Bildungsdebatte weiter zu profilieren und konzeptionell zu stärken: durch wissenschaftliche Beiträge, bildungspolitische Kommentare, Hinweise auf Neuerscheinungen oder Nachrichten zu aktuellen Entwicklungen innerhalb einer Sozialethik der Bildung. Ich danke allen, die im zurückliegenden Jahr das Weblog interessiert verfolgt und durch eigene Kommentare begleitet haben. Die Erfahrungen der ersten zwölf Monate ermutigen dazu, die begonnene Diskussion fortzusetzen. Ich freue mich, dabei auch weiterhin auf Ihr Interesse bauen zu dürfen.

Der englische Jurist und Politiker Henry Peter Brougham wusste vor rund zweihundert Jahren: „Bildung macht Menschen leicht zu führen, aber schwer zu lenken; leicht zu regieren, aber unmöglich zu versklaven.“ Dieses Zitat hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Wir brauchen eine engagierte und differenzierte Debatte über Bildungsfragen – um der Humanität und der Freiheit unseres Zusammenlebens willen.

In diesem Sinne: Herzlichen Dank für das gemeinsame Nachdenken über Bildung!

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen

Ihr Axel Bernd Kunze

 

Gesegnete Pfingsten

Jesus ruft in seine Nachfolge. Christen kommen regelmäßig zur Feier der Eucharistie zusammen. Christen folgen keinem Aufruf oder keiner Losung, sondern dem persönlichen Ruf Jesu. Sonntag für Sonntag versammeln sie sich in seinem Namen. Er ist lebendig inmitten der gottesdienstlichen Versammlung. Versammelt um seinen Altar, feiern die Gläubigen seinen Weg vom Tod zum Leben – wie es im Hochgebet heißt: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ In dieses Geheimnis des Glaubens sind Christi Jünger durch die Taufe hineingenommen: gerufen vom Tod zum Leben. Was dies bedeutet, entfaltet ein Predigtvorschlag zu Lk 9, 51 – 62 in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Der Prediger und Katechet“, die in der Woche vor Pfingsten erschienen ist:

Axel Bernd Kunze: Mehr als ein Prophet (Lk 9, 51 – 62), in: Der Prediger und Katechet 155 (2016), H. 4, S. 463 – 466.

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs gesegnete, geisterfüllte Pfingsttage.

Ihr Axel Bernd Kunze

Themenangebote für Bildungsveranstaltungen

Das neue Themen- und Referentenverzeichnis der Katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg ist erschienen:

Themen und Referent.innen 2016 – 2019, hg. von der KEB – Katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg e. V. in Zusammenarbeit mit dem Diözesan-Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg (DBW), o. O. (Bamberg) o. J. (2015) [mit Onlinedatenbank: www.keb-erzbistum-bamberg.de].

Axel Bernd Kunze (PD, Dr. theol., Dipl.-Päd.), Privatdozent für Erziehungswissenschaften und Dozent für Pädagogik, bietet darin folgende Themen an:

  1. Gleichgeschlechtliche Lebensformen – Und was sagt die Kirche dazu?
  2. … damit unser Tun nicht ins Leere läuft. Was bietet das neue „GOTTESLOB“ für die Feier der Tagzeiten in der Gemeinde?
  3. Ist Bildung ein Menschenrecht?
  4. Wie sollen wir mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen? – Interkulturelle Pädagogik
  5. Parteien zwischen Affären und Verantwortung
  6. Bildung auf Weltniveau? – Globales Lernen
  7. Braucht Bildung Religion? Braucht Religion Bildung?

Bei Interesse nehmen Sie bitte gern Kontakt auf: Kunze-Bamberg[at]t-online.de

Engagement 1/2016

Das erste Heft von ENGAGEMENT für dieses Jahr widmet sich dem Thema „Digitale Medien im Unterricht“. Die schulpädagogische Fachzeitschrift wird herausgegeben vom Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland und erscheint im Münsteraner Verlag Aschendorff. Im Rezensionsteil von Heft 1/2016 werden folgende Bände besprochen:

  • Jörg Dräger, Ralph Müller-Eiselt: Die digitale Bildungsrevolution. Der radikale Wandel des Lernens und wie wir ihn gestalten können (Rez.: Jan Dochhorn)
  • Thomas Fischermann, Götz Hamann: Zeitbombe Internet. Warum unsere vernetzte Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird; Thomas Schulz: Was Google wirklich will. Wie der einflussreichste Konzern der Welt unsere Zukunft verändert (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Kai Biermann, Martin Haase: Sprachlügen. Unworte und Neusprech von „Atomruine“ bis „zeitnah“ (Rez.: Jan Dochhorn)
  • Michael Schulte-Markwort: Burnout-Kids. Wie das Prinzip Leistung  unsere Kinder überfordert (Rez.: Franziska Albrecht)
  • Tanjev Schulz, Klaus Hurrelmann: Die Akademiker-Gesellschaft. Müssen in Zukunft alle studieren? (Rez.: Joachim Fischer)
  • Ralf Koerrenz: Bildung als protestantisches Modell (Rez.: Axel Bohmeyer)
  • Stiftung Großheppacher Schwesternschaft: 200 Jahre Wilhelmine Canz. Pionierin in der Förderung von Kindern und Frauen (Rez:: Axel Bernd Kunze)
  • Oliver Arnold, Constantin Klein: Zwischen Abseits und Jenseits – Fußball und Religion. Materialien für Klasse 8 – 12 (Rez:: Björn Igelbrink)
  • Richard Kurti: Krieg der Affen (Rez.: Astrid Frey)
  • Lilli Thal: Die Puppenspieler von Flore (Rez.: Beate Mainka)

Gesegnete Kar- und Ostertage

Liebe Leserinnen und Leser meines Weblogs,

von Herzen wünsche ich Ihnen allen gesegnete Kar- und Ostertage sowie gute Erholung für die komemnden Osterfeiertage, hoffentlich bei frühlingshaftem Wetter.

Ich freue mich, wenn Sie mein Weblog auch weiterhin interessiert verfolgen.

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen

Ihr Axel Bernd Kunze

PS: Gern weise ich Sie auf folgende Neuerscheinung hin: Axel Bernd Kunze, Sieghafter Übergang vom Tod zum Leben [Christi Himmelfahrt], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 13 (2016), H. 3, S. 417 – 432.

F.A.Z.-Leitartikel löst Leserbriefdiskussion über sozialethische Grundsatzfragen aus

Am 1. Februar 2016 hat Reinhard Bingener im Leitartikel der Frankfurter Allgemeinen unter der Überschrift „Zweifach in Verantwortung“ das Verhalten der Kirchen angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingskrise kommentiert. Im ersten Teil seines Kommentars würdigt er, wie die Kirchen durch ehrenamtliches Engagement und finanzielle Soforthilfe auf diese Krise reagieren. Im zweiten Teil geht er kritisch auf die sozialethische Beurteilung dieser Krise ein – und schreibt dabei wörtlich: „[…] jeder Vorschlag wurde umgehend als Verstoß gegen christliche Moralvorstellungen denunziert. Beide Kirchen gehörten damit zu jenen Kräften im Land, die dazu beigetragen haben, dass über Monate eine Debatte darüber verweigert wurde, wie man sogenannte Pull-Effekte noch rechtzeitig abstellen kann, um nicht in jene Existenzkrise der EU zu geraten, in die man sich inzwischen vollends hineinmanövriert hat.“

Der Leitartikel hat eine außergewöhnlich lange, sehr grundsätzliche Leserbriefdiskussion nach sich gezogen, die zentrale Konfliktlinien der sozialethischen Debatte offenlegt, über die selten derart freimütig gestritten wird.

Am 4. Februar 2016 veröffentlichte die F.A.Z. zwei Leserbriefe zu dem genannten Leitartikel, die sich kritisch mit dem Verhalten der Kirchen auseinandersetzten. Beide Leserbriefe treffen sich im Verweis auf den Konflikt zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik, der in der aktuellen Debatte zu Tage trete. In der Zuschrift von Dr. Dagmar Wendler heißt es u. a.: „Die Haltung der Bischöfe ist auch deshalb erstaunlich, weil die unausweichliche zunehmende Islamisierung in Deutschland und Europa nicht das Christentum fördern wird.“

Am 8. Februar 2016 folgte noch einmal ein weiterer Leserbrief von Dr. Dr. h. c. Wilhelm Hüffmeier, dieses Mal mit anderer Stoßrichtung: Der Schreiber hält die Vorwürfe gegen die Kirchen für unberechtigt, springt vor allem dem Ratsvorsitzenden der EKD bei und verweist auf dessen Beitrag in der F.A.Z. vom 7. Dezember 2015. Hüffmeier stellt vor dem Hintergrund der Barmer Erklärung die Aufgabe des Staates derjenigen der Kirche gegenüber: „Demnach hat der Staat ‚nach göttlicher Anordnung die Aufgabe … für Recht und Frieden zu sorgen‘. Die Kirche hingegen hat die Pflicht, den Staat ‚an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten‘ zu erinnern.“

Hüffmeiers Leserbrief widersprach am 15. Februar 2016 Professor em. Dr. Johannes Fischer aus Zwingenberg: „Wer mit der Nächstenliebe moralischen Druck aufbaut, hat von ihr nichts begriffen.“ Der Leserbrief betont den Widerfahrnischarakter jeder Nächstenliebe und wendet sich gegen die Position der Kirchen, Nächstenliebe fälschlicherweise zum sozialethischen Prinzip aufzubauen. Zwingenbergs Argumentation läuft am Ende auf eine Kritik am Prinzip einer „Option für die Armen“ hinaus, das den größeren Teil der sozialethischen Debatte beherrscht: „Leider kennzeichnet dieser prinzipielle Charakter diejenige Ethik, die von höchsten kirchlichen Repräsentanten für das Reden und Handeln ‚der Kirchen‘ formuliert wird (so als wären ‚die Kirchen‘ die ethischen Subjekte und nicht die Menschen, die ihnen angehören). Das Prinzip heißt dann ‚Option für die Schwachen‘, und hieraus wird als Maxime für das Reden und Handeln ‚der Kirchen‘ abgeleitet, dass man den Flüchtlingen helfen muss. Freilich, wer ihnen mit dieser Begründung hilft, der hilft ihnen gerade nicht aus Nächstenliebe, das heißt in Ansehung ihrer Not, sondern eben aus Prinzip.“

Am 3. März – einen Monat später – folgte noch einmal ein Leserbrief mit ähnlicher Stoßrichtung, dieses Mal von Professor Dr. Klaus-Peter Martens. Das christliche Ethos der Nächstenliebe – so Martens – werde begrenzt durch den Bezug „wie dich selbst“: „Die Liebe reicht zwar bis zur gänzlichen Preisgabe seiner Selbst, aber das Gebot nur bis zur Grenze des Selbsterhalts.“ Sozialethisch gewendet, heißt das: Die staatliche Fürsorge findet für Martens ihre Grenze an der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der Stabilität des Gemeinwesens.

Die Debatte muss weitergeführt werden – um der Sache willen. Denn es besteht die Gefahr, dass sich christlich vielleicht gutgemeinte Anliegen am Ende ins Gegenteil verkehren. Sehr pessimistisch hat dies der Politikwissenschaftler Peter Graf Kielmansegg am 2. März 2016 im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen in einer Replik auf den Münchner Soziologen Armin Nassehi zusammengefasst: „Geht es noch lange fort mit der Politik faktisch offener Grenzen, so wird die christdemokratische Kanzlerin gerade nicht die gewesen sein, die den Boden dafür bereitet hat, dass die Bundesrepublik ihren Status als Einwanderungsland anerkennt. Sie wird dann diejenige gewesen sein, die die Bedingungen der Möglichkeit dieser Anerkennung aufs Spiel gesetzt, vielleicht zerstört hat.“

Sozialethische Bibliographie

Die Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik und die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle in Mönchengladbach veröffentlichen jährlich einen Bericht über sozialethische Publikationen, die im Vorjahr erschienen sind. Die Bibliographie aktueller sozialethischer Veröffentlichungen aus dem Kreis deutschsprachiger Sozialethiker für das Jahr 2015 liegt mittlerweile vor. Sie finden die thematisch geordnete Publikationsliste, die auch bildungsethische Veröffentlichungen umfasst, u. a. hier.