Gran, Andreas (2026): Rechtswissen für junge Menschen. Ein Guide für viele Lebenssituationen.
Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag, 135 Seiten, ISBN 978-3-7344-1738-2, Preis: 19,90 €.
Unser Gemeinwesen versteht sich konstitutiv als Rechtsstaat. Freiheit, Demokratie, Politik und Recht leben von intakten, verlässlichen, kontrollierbaren Institutionen. Und ein Rechtsstaat lebt davon, dass die Funktion des Rechts verstanden wird. Rechtskunde sollte daher stärker als bisher ein Teil des Bildungssystems sein, wenn über Rechtsfragen informiert und unaufgeregt, etwa ohne moralisierende Zuspitzung oder politische Vereinnahmung, diskutiert werden soll.
Das Recht zählt zu den zentralen kulturellen Leistungen des Menschen. In der modernen Gesellschaft ist kaum ein Lebensbereich ohne rechtliche Bezüge denkbar. Dies reicht beispielsweise vom Arbeits- und Steuer- über das Miet- oder Verkehrs- bis zum Vertrags- und Vereinsrecht. Im privaten wie im beruflichen Alltag begegnet uns Recht auf Schritt und Tritt: etwa in Form von Gesetzen, Verträgen, Verwaltungsvorschriften, Schulordnungen oder Dienstanweisungen.
Im Interesse umfassender Persönlichkeitsbildung wird Schule die Heranwachsenden dazu befähigen müssen, am rechtlichen Leben kompetent teilnehmen, rechtliche Fragen angemessen beurteilen und mit den Instrumenten des Rechts eigenverantwortlich umgehen zu können. In den verschiedenen Fächern des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes der Schule sollten Rechtsfragen daher angemessen zur Sprache kommen. Im Politikunterricht etwa dort, wo es um Fragen der Gewaltenteilung geht, im Pädagogikunterricht beim Elternrecht oder im Geschichtsunterricht im Zusammenhang mit Verfassungsgeschichte. Im Ethikunterricht sollte vermittelt werden, zwischen Legalität und Legitimität zu unterscheiden; im Religionsunterricht wird vom Recht auf Religionsfreiheit oder über das Staats-Kirchen-Recht zu sprechen sein.
Wer ist der Autor?
Andreas Gran ist Rechtsanwalt sowie Hochschullehrer an der International School of Management ni Frankfurt am Main.
Worum geht es in dem Buch?
„Du bist wahrscheinlich ein Digital Native, ein junger Mensche, der seit Jahren mit IT vertraut ist, im Internet surft und online einkauft“ (S. 49). Der Band geht von typischen Alltagssituationen oder Problemen junger Menschen aus und beleuchtet diese aus juristischer Perspektive. In diesem Fall geht es um das „Shoppen im Internet“, Und Gran erläutert beispielsweise, was bei Onlinegeschäften zu beachten ist, wann und wie man bei verzögerter Lieferung vom Kauf zurücktreten kann, wie lange der Kauf widerrufen werden kann und was bei Mobilfunk- und Internetverträgen zu beachten ist.
Es geht beispielsweise um Schule und Berufseintritt, Social media und Vereinsleben, das Jobben oder die erste eigene Wohnung. Auch schwierige Fragen wie die Trennung der Eltern, Konflikte mit der Polizei oder die Sorge um pflegebedürftig gewordene Eltern. Einleitend legt der Autor dar, was überhaupt unter Recht zu verstehen ist, wozu wir dieses brauchen und warum es wichtig ist, sich damit zu beschäftigen.
Wer sollte das Buch lesen?
Das Buch richtet sich zunächst an Jugendliche und junge Erwachsene selbst und daher auch durchgängig in der Du-Form geschrieben. Die einzelnen Kapitel können aber aufgrund ihrer Lebensnähe und verständlichen Darstellung auch als Arbeitstexte im Unterricht oder in der Jugendbildung eingesetzt werden. Auch für eine Schulbibliothek lohnt sich die Anschaffung.
Was gibt es Kritisches?
So breit die Themenpalette des Bandes auch ist, ein Lebensbereich kommt nicht vor: Religion. Auchhierzu wäre ein Kapitel sinnvoll gewesen, etwa zu den Stichworten Religionsfreiheit und Religionsmündigkeit, religiöse Erziehung oder Religionsunterricht.
Ethische Konflikte, etwa wenn Minderjährige eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen wollen, werden ausgeblendet. Der Autor empfiehlt bei diesem Beispiel vorrangig eine „konkrete Rechtsberatung“ (S. 130).
Ein Stichwortregister hätte das Auffinden juristischer Fachbegriffe oder behandelter Aspekte erleichtert.
Weshalb sollte man das Buch lesen?
„Recht ist Teil unseres Lebens“ (S. 134). Wer Wer selbstbestimmt entscheiden und handeln will, sollte sich mit Rechtsfragen und mit den Instrumenten des Rechts auskennen. Wer nicht gelernt hat rechtlich zu denken, läuft – wie der Autor am Ende warnt – Gefahr, sich in ahnungsloser Rechthaberei zu verlaufen. Gran bietet als „Gegenmittel“ lebensnahe Rechtskunde in komprimierter Form und nimmt die Angst, sich mit „trockenen“ oder abstrakten Rechtsbegriffen (die im Band kursiv hervorgehoben werden) zu beschäftigen.
Axel Bernd Kunze (Rez.)
Der Rezensent, Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, ist als Schulleiter einer evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik tätig.